Profilbild von KleineHexe

KleineHexe

Lesejury Profi
offline

KleineHexe ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit KleineHexe über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2020

Familie und andere Katastrophen

Pasta d’amore - Liebe auf Sizilianisch
0

Donna Lucia, die 93-jährige Patriarchin einer sizilianischen Familie kann nicht verstehen, warum ihre Urenkelin Aurelia als Mathematiklehrerin im fernen Bologna lebt. Als diese von ihrem amerikanischen ...

Donna Lucia, die 93-jährige Patriarchin einer sizilianischen Familie kann nicht verstehen, warum ihre Urenkelin Aurelia als Mathematiklehrerin im fernen Bologna lebt. Als diese von ihrem amerikanischen Lebensgefährten verlassen wird, beschließt Donna Lucia nachzuhelfen. Sie legt sich ins Bett um zu sterben – und verkündet der eiligst angereisten Urenkelin, dass jetzt endlich geheiratet werden muss, natürlich ein Sizilianer….

Ich muss gestehen, dass mir dieses Buch überhaupt nicht gefallen hat – ich habe bis zur Hälfte durchgehalten und danach nur mehr die letzten paar Seiten gelesen. Was absolut untypisch für mich ist, ich beende so gut wie jedes angefangene Buch. Aber die Art und Weise wie Donna Lucia, mit welchen Absichten auch immer, ihre Urenkelin vor der gesamten Familie immer und immer wieder vorführt, tat mir beim Lesen fast körperlich weh. Da wird gespottet und gefeixt und wiederholt über Äußerlichkeiten hergezogen, dass man denkt, man sei auf einem Viehmarkt – nicht nur von der Uroma, sondern mehr oder weniger auch vom gesamten Rest der Familie, natürlich immer mit dem Zusatz, es sei ja nicht böse, sondern gut gemeint. Man wünscht sich irgendwann einfach nur noch, Aurelia würde den Mut haben, ihrer Urgroßmutter und dem Rest der Sippe einmal so richtig die Meinung zu geigen und danach in ein glücklicheres Leben irgendwo abseits von Sizilien zu starten. Aber niente.

Gespickt wird das Ganze noch von italienischen Lebensweisen/Kalendersprüchen, eine Idee, die mir eigentlich gut gefällt, die aber viel zu oft eingesetzt wird. Zu allem Übel hat Aurelia auch noch einen Tick, bei dem sie Wörter in Zahlen umwandelt und dann zur Beruhigung nach einer mathematischen Formel addiert. Mich persönlich haben diese Zahlen im Text irritiert; sie lassen die Figur auch sehr verschroben wirken. Dass sich am Ende natürlich dennoch noch ein gutaussehender Sizilianer für die Übriggebliebene findet, ist selbstverständlich.

Alles in allem war das Buch – sogar für mich als großen Italien-Fan – eine herbe Enttäuschung und ich vergebe eine Orange für das wunderschöne Cover, und eine weitere für die schönen Landschaftsbeschreibungen, aber empfehle diesen Roman nicht weiter.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2020

Entspanne in der Wanne

Wilde Hilde
0

Drei rüstige Senioren Mitte 80 beschließen, dass man für einen angenehmen Lebensabend mehr benötigt als gerade einmal ein 10-Quadratmeter Zimmer und Kantinenküche. Aber woher nehmen, wenn nicht genügend ...

Drei rüstige Senioren Mitte 80 beschließen, dass man für einen angenehmen Lebensabend mehr benötigt als gerade einmal ein 10-Quadratmeter Zimmer und Kantinenküche. Aber woher nehmen, wenn nicht genügend Geld vorhanden ist. Also beschließen die drei durch einige Banküberfälle ihre Kasse zu füllen… Ob das wohl gut geht?

Grundsätzlich finde ich die Idee der Wannenbücher ganz toll. Da diese – wie die Kinderversion – komplett aus Plastik sind, macht es wirklich nichts, wenn sie nass werden. Aber – und hier kommt mein Kritikpunkt: Diese Bücher sind sicher nicht für passionierte LeserInnen geeignet. 15 min sollte man für das Lesen eines Büchleins brauchen. Ich habe die gerade einmal 6 kleinen Seiten in ca. 4 min gelesen und da der Text sehr kurz ist, kann man natürlich auch inhaltlich keine wirklich spannende Geschichte unterbringen. Daher sind diese Wannenbüchlein in meinen Augen ein tolles Geschenk und gut geeignet für Wenig-und/oder Langsamleser oder auch für Menschen, die kurze Texte zum Deutsch lernen suchen. Ich vergebe daher 4 quietschende Badeentchen und bedanke mich für mein Rezensionsexemplar!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2020

Verwobene Schicksale

Goodbye, Bukarest
0

Astrid Seebberger macht sich Jahre nach dem Tod ihrer Mutter auf die Suche nach deren Bruder Bruno. Denn anders als bisher angenommen, ist Bruno nicht im zweiten Weltkrieg gestorben. Die Erzählerin macht ...

Astrid Seebberger macht sich Jahre nach dem Tod ihrer Mutter auf die Suche nach deren Bruder Bruno. Denn anders als bisher angenommen, ist Bruno nicht im zweiten Weltkrieg gestorben. Die Erzählerin macht sich auf die Suche - und findet endlich eine Spur. Anhand einiger Schicksale entsteht ein Gesamtbild von Brunos Leben; ein Leben um das man ihn nicht beneidet. Es ist ein Leben, das mitten im historischen Durcheinander des zwanzigsten Jahrhunderts stattfindet, im zweiten Weltkrieg, in einem Strafgefangenenlager in Kasachstan im von der Diktatur geprägten Bukarest und am Ende im friedlichen Deutschland.

Die Bilder sind eindrücklich und bedrückend, die Sprache poetisch und bildhaft. Brunos Schicksal, sowie das seiner beiden Mithäftlinge macht unglaublich traurig, der Text ist keine leichte Kost. Traurig auch, weil dies keine Einzelschicksale waren. Die Geschichte zeigt auch deutlich, dass kein Mensch für sich allein steht, sondern, dass Fäden unterschiedlicher Leben und Entscheidungen irgendwie miteinander verknüpft sind.
Inwieweit die Handlungen auf echten Personen beruhen, konnte ich nicht herausfinden, der Text liest sich allerdings so, als hätte sich die Autorin wirklich auf die Suche nach einem Verwandten gemacht. Ich vergebe für dieses Buch, das mir sicher länger in Erinnerung bleiben wird, gerne 5 Sterne und empfehle es historisch interessierten Lesern.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2020

Body-Positivity und Fushion-Küche

Sylt oder Sahne
0

Nele – sympathisch, übergewichtig und Single - lebt mit Anfang 50, so sagt sie selbst, das ereignislose Leben einer Pensionistin. Als sie irrtümlicherweise in der Bahn einen Sitzplatz bekommt, weil man ...

Nele – sympathisch, übergewichtig und Single - lebt mit Anfang 50, so sagt sie selbst, das ereignislose Leben einer Pensionistin. Als sie irrtümlicherweise in der Bahn einen Sitzplatz bekommt, weil man sie für schwanger hält. ist das Maß voll. Nele beschließt abzunehmen und bucht eine 2-wöchige sündteure, aber hippe Fastenkur auf Sylt. Dreibettzimmer, Einläufe und magere Süppchen inklusive. Und zwischen Hungerattacken und ökologisch korrektem Verhalten, findet Nele nicht nur die Liebe zu sich selbst und den anderen wieder, sondern auch die Erkenntnis, dass ein dünner Körper nicht automatisch glücklich macht…
Mir hat dieser Roman gut gefallen, auch wenn er nicht ganz so lustig war, wie ich nach der Leseprobe erwartet hatte. Aber die Handlung regt in mehrfacher Hinsicht zum Nachdenken an: Da sind zum einen die Fastenwilligen, die so ziemlich in allem dem gängigen Klischees eines „Bobos“ entsprechen und man sich irgendwann fragt, wann der Kult ums Essen zur Religion mutiert ist. Zum anderen die (eigentlich richtige) Botschaft, dass man sich selbst und seinen nicht perfekten Körper lieben soll. Allerdings ist sie für mich zu politisch korrekt verpackt – denn Nele verliebt sich in einen syrischen Asylanten, einen weltoffenen, toleranten. unverschämt gutaussehenden, perfekt Deutsch sprechenden, alleinstehenden Tierarzt, der nach der dem Erhalt seines positiven Asylbescheids eine Praxis eröffnet und dazu passenderweise auf füllige Frauen steht. Auf allen Ebenen Bildung, Toleranz und Integration bei ihm und seinen Freunden . Jo eh – wie man bei uns sagen würde, die Botschaft ist angekommen, wenn auch alles in allem ein bisschen zu glatt konstruiert wirkt. Und es vielleicht der Geschichte nicht geschadet hätte, auch mehr Gedanken dazu einzubringen, dass Übergewicht nicht nur ästhetische Aspekte betrifft, sondern schlicht schlecht für den Körper ist.

Dennoch ist es schön, mitzuerleben, wie Nele ihr Lebensglück findet und im Kochen endlich die Leidenschaft ihres Lebens umsetzen kann. Wobei mich persönlich ihre selbst kreierten Rezepte nicht ansprechen, da ich nicht verstehe, wieso man einerseits wirklich überall darauf hinweist, wie regional und ökologisch korrekt alles ist und gleichzeitig mit Seitan oder weitergereisten Avocados kocht. Am Ende des Buches gibt es als nette Überraschung noch einige dieser Rezepte zum Nachkochen.
Insgesamt aber ein Wohlfühlbuch, das dazu anregt, sein eigenes Körpergefühl zu hinterfragen, das Lust auf Urlaub macht und das ich gerne weiterempfehle.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2020

Mordalarm zwischen Wien und Budapest

Mord auf der Donau
1

Band 3 der historischen Kriminalromane rund um die pensionierte Lateinlehrerin Ernestine und ihren Vermieter, den Apotheker Anton.
Ernestine und Anton begeben sich auf eine Schiffsfahrt von Wien nach Budapest ...

Band 3 der historischen Kriminalromane rund um die pensionierte Lateinlehrerin Ernestine und ihren Vermieter, den Apotheker Anton.
Ernestine und Anton begeben sich auf eine Schiffsfahrt von Wien nach Budapest und während des 3-tägigen Ausflugs wird ein Mann ermordet aufgefunden. Sei’s drum, die mitreisende Familie ist eigentlich erleichtert, nur Ernestines Neugier ist geweckt und sie beginnt zu recherchieren. Doch dann wird sie niedergeschlagen und die Polizei legt den Fall zu den Akten. Aber sie hat die Rechnung ohne Ernestine und Anton gemacht…

Die Geschichte ist unterhaltsam, wenn auch (wie in Band 1) nicht besonders spannend. Ernestine und Anton ergänzen sich perfekt, wenn gleich mir beide Figuren nicht hundertprozentig sympathisch sind: Ernestine wegen ihrer Direktheit, die oftmals potentiell spannende Szenen sofort zerstört und Anton wegen seiner Inaktivität und seiner nervigen Fixiertheit aufs Essen. Ständig wird gegessen, natürlich nur lokale Schmankerl, und wenn man nicht isst, stellt sich die Frage, wann das nächste Essen endlich stattfindet…

Dennoch hat mir diese Geschichte besser gefallen als Band 1 (ich habe beide gemeinsam gekauft), da das Schiffsambiente samt Figuren gut beschrieben sind und man gut eintauchen kann, ins Wien der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, mitsamt seiner Eigenheiten und Probleme. Da ich selbst hier lebe, kenne ich viele der beschriebenen Orte und Plätze (und wohne sogar an einem der Schauplätze) – das ist für mich natürlich ein besonderer Reiz. Ich vergebe daher 4 Esterhazy-Schnitten und empfehle dieses Buch gerne allen, die leichte Unterhaltung suchen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere