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Veröffentlicht am 02.07.2020

Manchmal muss der Zufall nachhelfen

Die Liebe kommt auf Zehenspitzen
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Schriftstellerin Lucy und Arzt Ben treffen sich zufällig, als sie eine Mitfahrgelegenheit zu Weihnachten sucht. Auf der Schneefahrbahn bleiben sie prompt stecken und verbringen so unfreiwillig gemeinsam ...

Schriftstellerin Lucy und Arzt Ben treffen sich zufällig, als sie eine Mitfahrgelegenheit zu Weihnachten sucht. Auf der Schneefahrbahn bleiben sie prompt stecken und verbringen so unfreiwillig gemeinsam das Weihnachtsfest bei der alten Dorle auf ihrem einsamen Bauernhof. Einige Monate später erfahren sie, dass diese ihnen ihr Haus gemeinsam vermacht hat. Überrascht, aber in ihren jeweiligen Leben ohnehin einsam und unglücklich sind die beiden schnell überredet und ziehen gemeinsam aufs Land. Es stellt sich heraus, dass beiden das Dorfleben ausnehmend gut tut und ganz langsam schleicht sich auch die Liebe in die ungewöhnliche WG…

Insgesamt hat mir dieser Roman sehr gut gefallen und selten hat ein Buchtitel so gut zum Inhalt gepasst wie bei diesem Roman. Man schließt die hilfsbereiten Nachbarn, Hund Helmut und überhaupt die ganze Dorfidylle schnell ins Herz. Auch, dass Bens Panikattacken einfühlsam und unkitschig thematisiert werden, hat mir gut gefallen. Dass die eigentliche Liebesgeschichte mehr und mehr in den Hintergrund der Handlung gerät, hat mich persönlich nicht gestört, aber das kann man natürlich auch anders sehen.

Ben und Lucy sind zwar beides sympathische Charaktere, aber irgendwie auch schwache, inaktive Figuren. So arbeiten sie beispielsweise Dorles Liste eines mutigen Lebens ab oder leben monatelang ohne Spiegel, weil‘s im Haus keine gibt. Anstatt sich selbst zu überlegen, was sie wollen und warum, ohne die Erwartungen der anderen zu erfüllen. Ben, obgleich selbst Arzt, braucht ewig um sich einzugestehen, dass er eine Therapie machen muss und Lucy verzweifelt an ihrem Roman, um dann schwuppdiwupp plötzlich und problemlos in einem anderen Genre zu landen. Das ist teilweise nicht wirklich nachvollziehbar bzw. wäre es schön gewesen, wenn man gerade über Bens Geschichte noch viel mehr erfahren hätte. Was ich aber wirklich viel zu dick aufgetragen finde, ist der obligatorische Heiratsantrag am Ende des Buches – das hätte dieser Text echt nicht nötig gehabt. Vor allem da beim Lesen der Eindruck entsteht, dass Ben diesem aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus macht – was zu meiner Gesamteinschätzung dieser Figur passt, aber eigentlich nicht der Grund für eine Heirat sein sollte. Soweit meine Kritikpunkte, aber dennoch ist die Geschichte empfehlenswert und ein Wohlfühlbuch, das ich auch verschenken würde. Ich vergebe daher 5 Pfotenabdrücke und sage danke für mein Rezensionsexemplar und die tolle Leserunde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Geschichte
  • Figuren
Veröffentlicht am 28.06.2020

Eine Reise in eine fantastische Welt oder als Anna Karenina starb

Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich
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Band 1 dieser Fantasy Reihe. Hope Turner arbeitet bei einer Online-Partner-Agentur und vermittelt mittels verschiedenen Fake-Accounts Single-Männer an reale Partnerinnen. Für sie selbst läuft es in der ...

Band 1 dieser Fantasy Reihe. Hope Turner arbeitet bei einer Online-Partner-Agentur und vermittelt mittels verschiedenen Fake-Accounts Single-Männer an reale Partnerinnen. Für sie selbst läuft es in der Liebe und im Leben allerdings nicht so toll – seit der Trennung von ihrem Freund und der Demenzerkrankung ihrer Mutter, ist sie einsam. Doch eines Tages ändert sich ihr Leben schlagartig von Grund auf: Hope erfährt, dass sie mit Hilfe des mürrischen „Wanderers“ Rufus in jedes beliebige Buch reisen kann. Und dass ein „Bund“ existiert, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle negativen, gelöschten Wörter zu sammeln, um zu verhindern, dass sie Schaden anrichten können. Doch der Bund wird angegriffen und Hope und Rufus kommt die Aufgabe zu, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden…

Die Grundidee, dass man in seine Lieblingsbücher reisen und die Figuren treffen kann, finde ich toll. Ich jedenfalls wüsste sofort, wo ich hinreisen würde. Allerdings ist diese magische Welt ziemlich komplex, es dauert eine ganze Weile, bis man sich in dieses Denkmodell eingefunden hat. Dann jedoch ist es faszinierend, sich auf diese Geschichte einzulassen, auch deshalb weil die Handlung absolut unvorhersehbar ist. Der überraschendeTod von Anna Karenina hat mich dann genauso getroffen wie vor vielen Jahren, das unerwartete Ende Winnetous. Insgesamt vergebe ich daher für diese ungewöhnliche und unterhaltsame Geschichte fünf glitzernde Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2020

Gerechtigkeit und viele Lügen

Die Tote in der Sommerfrische
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Norderney 1912. Die junge Lehrerin Viktoria Berg aus guter Familie ist zur Sommerfrische auf Norderney. Die junge Frau lehnt sich generell gegen herrschende Konventionen auf, die Frauen als (dumme) Menschen ...

Norderney 1912. Die junge Lehrerin Viktoria Berg aus guter Familie ist zur Sommerfrische auf Norderney. Die junge Frau lehnt sich generell gegen herrschende Konventionen auf, die Frauen als (dumme) Menschen zweiter Klasse abwerten. Durch Zufall trifft sie im Hotel eine alte Freundin wieder, das Zimmermädchen Henny. Doch nur wenige Tage später wird Hennys Leiche aus dem Meer geborgen. Für die feiner Gesellschaft rund um Viktoria ein klarer Fall – ein Zimmermädchen, das sich „in Schwierigkeiten gebracht“ und deshalb Selbstmord begangen hat. Nur Viktoria glaubt nicht an einen Unfall. Unterstützt wird sie vom Journalisten Christian, der für ein Gesellschaftsblättchen einen leichten Sommerbericht schreiben soll. Als dann auch noch ein unsympathischer adliger Hotelgast erschlagen wird, kommen langsam die Zusammenhänge ans Tageslicht…

Hinter einem relativ biederen, langweiligen Titel versteckt sich ein sehr unterhaltsamer, spannender Krimi. Die Sprache ist einfach aber die Handlung nicht vorhersehbar und nachvollziehbar konstruiert. Viktoria und Christian sind ein sympathisches Ermittlerduo, das sich perfekt ergänzt. Die gelangweilte, versnobte Stimmung der Oberschicht im Vorkriegsdeutschland wird authentisch beschrieben, die Handlung funktioniert wie eine kleine Zeitreise in der der Leser auf „Badekarren“ und ähnliche Kuriositäten trifft. Insgesamt ist es ein Buch, das ich sehr gerne als Urlaubslektüre oder für einen verregneten Sonntag weiterempfehle. Ich vergebe 5 wunderschöne Seesterne. Ich werde diese Reihe auf jeden Fall weiter im Auge behalten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2020

Es wird alles immer wieder recht

Pandatage
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Danny ist nach dem Unfalltod seiner Frau vor ca. einem Jahr alleinerziehender Vater. Sein 11-jähirger Sohn Will spricht seit dem Unfall nicht mehr und wäre das alles nicht schlimm genug kommen dazu noch ...

Danny ist nach dem Unfalltod seiner Frau vor ca. einem Jahr alleinerziehender Vater. Sein 11-jähirger Sohn Will spricht seit dem Unfall nicht mehr und wäre das alles nicht schlimm genug kommen dazu noch finanzielle Sorgen und ein sehr unangenehmer Vermieter. Danny verliert zu guter Letzt auch noch seinen Job als Bauarbeiter und Will wird in der Schule von seinen Mitschülern drangsaliert. Aus der Not heraus beschließt Danny, sich als Straßenkünstler zu versuchen. Hilfe bekommt er von der nicht unbedingt sympathischen Poledancerin Krystal. Und als (müffelnder) Panda verkleidet gelingt es ihm auch, endlich wieder mit seinem Sohn zu kommunizieren….

Die Sprache ist – genau wie das Cover - relativ einfach gehalten. Es gibt viele (intelligente) witzige Stellen und die Geschichte ist insgesamt berührend und trotz des traurigen Grundthemas nicht deprimierend. Gut gefallen hat mir auch, wie der Autor das Thema Freundschaft mit eingearbeitet hat, hier gibt es Zusammenhang und Hilfe. Und auch, wenn am Ende nicht alles gut wird, zeigt die Geschichte doch, wie man mit einem Schicksalsschlag umgehen kann und am Ende doch alles wieder - irgendwie – recht wird. Mein einziger Kritikpunkt bezieht sich auf den Sprecher, den Schauspieler Hendrik Duryn, des Hörbuchs – er liest und betont den Text sehr gut, aber die Stimme ist so dominant, dass sie (mich) vom Inhalt abgelenkt hat und ich viele Tracks mehrfach hören musste. Dies ist natürlich nur meine persönliche Einschätzung und daher nur als Hinweis gedacht.
Ich vergebe daher 4 Bambusstangen und sage danke für mein Rezensionsexemplar!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.06.2020

„Miss Agathe“ auf Verbrecherjagd

Ein Mordsgeschenk für Agathe
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Familie Christiansen hat zum 90. Geburtstag von Uroma Agathe ein besonderes Geschenk organisiert. Während eines verlängerten gemeinsamen Familienurlaubs auf einer kleinen Ostseeinsel geschieht ein (vermeintlicher, ...

Familie Christiansen hat zum 90. Geburtstag von Uroma Agathe ein besonderes Geschenk organisiert. Während eines verlängerten gemeinsamen Familienurlaubs auf einer kleinen Ostseeinsel geschieht ein (vermeintlicher, da vorgetäuschter) Mord. Krimifan Agathe soll nun dem Täter auf die Spur kommen. Soweit so geplant – allerdings hat die chaotische Familie die Rechnung ohne die pfiffige Agathe und eine Reihe von ungeplanten Vorkommnissen gemacht….

Dieser kleine Roman – ein Krimi ist es eigentlich nicht – hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Der Text ist zwar ziemlich kurz, aber sehr unterhaltsam. Die Christiansens, die mit Kind und Kegel mitgereist sind, sind chaotisch, egozentrisch und ein bisschen verrückt, aber trotzdem unterm Strich sympathisch. Es ist doch so – jeden, der sich für seine Oma so ein aufwendiges Geschenk überlegt (und umsetzt!), muss man doch einfach gern haben, oder etwa nicht? Natürlich ist die Planung insgesamt eher mangelhaft, aber das war zu erwarten, denn keiner hat Erfahrung in der Planung von Mörderspielen. Dass die ganze Sache aus dem Ruder läuft, ja, laufen muss, ist sowieso von Anfang an klar. Kritisieren kann man, dass zum Ende nicht wirklich klar wird, wie Agathe die ganze Sache aufgeklärt hat. Und auch, dass Agathe durch ihre Beschreibung eher wie eine rüstige 80jährige und weniger wie eine 90-jährige rüberkommt. Aber abgesehen von diesen kleinen Schwächen ist der Roman unterhaltsam und humorvoll. Ich empfehle ihn daher gerne weiter und vergebe fünf spannende Schatzkarten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere