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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2019

Viel zu dick aufgetragen

Dein Herz vergisst nicht
4

Eine Liebesgeschichte über das Vergessen und das Wiederfinden sollte es sein, passend zum romantisch-schönen Cover. Was im Klappentext wie eine ganz besondere Liebesgeschichte klingt, war beim Lesen eine ...

Eine Liebesgeschichte über das Vergessen und das Wiederfinden sollte es sein, passend zum romantisch-schönen Cover. Was im Klappentext wie eine ganz besondere Liebesgeschichte klingt, war beim Lesen eine herbe Enttäuschung. Ich liebe lebendige Romane – Geschichten, bei denen man mit den Protagonisten mitstaunen, mitfiebern und sich mitfreuen kann. Ich will lesen, wie Menschen Probleme überwinden, über sich hinauswachsen, sich weiterentwickeln, es muss knistern und funkeln. All das bietet der vorliegende Roman leider nicht, denn die beschriebene Liebesgeschichte ist bereits erdrückend perfekt. Wenn eine Beziehung schon gefühlte 150% perfekt ist, wie soll es dann noch Luft nach oben für eine Verbesserung geben?

Inhalt: Die frischverheiratete Jemma leidet nach einem schweren Autounfall an einer Amnesie. Um seine Frau nicht zu verlieren beginnt ihr ihr Mann Braxton, Briefe über gemeinsame Erlebnisse zu schreiben und ihr kleine Bettarmbandanhänger zu schicken – in der Hoffnung, dass dadurch die Erinnerung zurückkommt…

Jemma und Braxton sind DAS ultimative Traumpaar. Durch die Briefe erfährt der Leser, wie Braxton seine Jemma von Kindheit an regelrecht vergöttert, er lebt für und durch sie. Dabei irritiert, dass die beschriebenen Gedanken oft nicht zu einem Kind passen. Es kommt über die Jahre auch nicht zu, eigentlich natürlichen, Veränderungen dieser Beziehung. Diese übermächtige und ungesund besitzergreifende Liebe ist in all ihrer vermeintlichen Perfektion – zumindest in meinen Augen – starr und deswegen langweilig.

Sie eignet sich nicht zum Wegträumen. Was Braxton zum Traummann nämlich fehlt ist eine eigenständige interessante Persönlichkeit. So bleibt die Figur künstlich und blass und ich kann nur sagen: Ein Mann wie Braxton: nein danke! Es wäre schön gewesen, hätte man als Leser gemeinsam mit Jemma eine interessante Figur neu kennenlernen können.

Stattdessen bleibt der Fokus auf der Vergangenheit, die Rahmenhandlung in der Gegenwart ist dürftig und auf die Liebesgeschichten von Jemma und die ihrer Eltern reduziert. Praktische Fragen, die man sich beim Lesen fast zwangsläufig stellt, werden ausgeklammert. Die Amnesie dient als Aufhänger für die Briefe und wird nicht weiter thematisiert, längerfristige physische oder psychische Folgen hat sie nicht. Jemma kehrt in ihr Leben zurück und bleibt bis auf vereinzelte Ausnahmen inaktiv, die Briefe bilden fast ihre einzige Informationsquelle. Diese Passivität nervt beim Lesen zunehmend, man wünscht ihr – bildlich gesprochen – einen Tritt in den Hintern und fragt sich, wie es denn sein kann, dass ein Mensch in einer derartigen Situation sich so gar nicht auf die Suche nach der eigenen Identität und den eigenen Talenten macht. Sie hätte sich ausprobieren können, anstatt die Dinge brav so zu machen, wie sie sie immer gemacht hat. Dabei vermutlich an den anderen und an sich selbst neue Seiten entdeckt – alles mit der Gewissheit und Sicherheit dass sie von ihrem gesamten Umfeld unterstützt und geliebt wird.

All diese Aspekte zusammengenommen kann ich nur sagen, dass hier eine tolle Grundidee, nämlich dass sich Liebende neu kennenlernen können, ohne das notwendige Minimum an Realismus sehr verkitscht umgesetzt worden ist. Dadurch wird die Handlung ab der Hälfte sehr vorhersehbar. Hartgesottene Happy End-Fans werden bei den gefühlvollen Briefen – dem Highlight des Buches –dahinschmelzen – allen anderen würde ich abraten. Ich vergebe daher 2 Sterne, einen für einen Schreibstil, der mir gut gefallen hat, den zweiten für eine gute Idee, aus der man so viel mehr hätte machen können.

Veröffentlicht am 06.03.2019

Kein bühnenreifer Auftritt

Mord braucht keine Bühne
4

Der zweite Fall der verwitweten Privatdetektivin Kate Shakleton. Das Cover ist wunderschön im 20er Jahre-Stil gestaltet und verspricht eine spannende Geschichte im Theatermilieu. Leider passt der Titel ...

Der zweite Fall der verwitweten Privatdetektivin Kate Shakleton. Das Cover ist wunderschön im 20er Jahre-Stil gestaltet und verspricht eine spannende Geschichte im Theatermilieu. Leider passt der Titel nicht zum Text, denn das Theater spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Kate ermittelt im Fall eines Juwelierüberfalls und fährt im Zuge ihrer Recherchen aufs Land. Dort wird nach der letzten Vorstellung einer Laientheatergruppe ein Mann ermordet. Unsympathisch und nebenbei war er ein Erpresser. Zeitgleich täuscht Hauptdarstellerin Lucy ihre Entführung vor um Geld von ihrem Großvater zu erpressen. Dieser engagiert Kate, die sich auf die Suche nach Lucy macht…

Vorneweg: Wenn ich einen Privatdetektiv brauchen würde, dann wäre Kate Shakleton nicht meine Wahl. Denn sie stellt ihr eigenes Rechtsempfinden über die geltenden Gesetze, auch wenn das bedeutet, dass sie gegen die Interessen ihres Klienten handelt. Abgesehen von ihren eher einseitigen Sichtweisen bleibt Kate als Hauptfigur seltsam farblos – was ein Problem ist, denn diese Art von Krimi „lebt“ von der einzigartigen Originalität seines Ermittlers.

Der Krimi liest sich flüssig, aber eine Reihe von passenden Zusammenhängen schadet der Glaubwürdigkeit. Dadurch, dass der Leser (anders als die Figuren) von Anfang an weiß, dass die Entführung nur vorgetäuscht ist, entsteht weniger Spannung als womöglich beabsichtigt. Praktischerweise hängen alle drei Vorfälle zusammen und werden im Rekordtempo innerhalb eines Wochenendes gelöst. Am Ende gibt es als Draufgabe sogar noch eine kleine Romanze für Kate und den Kommissar – auch diese entwickelt sich im Rekordtempo.

Unverständlicherweise beschert die Autorin allen drei Übeltätern ein straffreies Ende mit viel Verständnis für die jeweiligen Motive und Umstände. Nachvollziehbar ja, richtig nein, da dadurch – in meinen Augen – zumindest das Todesopfer als unwichtig verhöhnt wird. Daher wird dies mein letzter Fall mit Kate Shakleton sein und ich vergebe 3 Sterne.

Veröffentlicht am 26.11.2018

Tragödien und Untergang im Berlin der 1920er Jahre

Das Palais Reichenbach
2

Kulisse dieses Romans ist das Haus Reichenbach – mit all seinen Bewohnern, sowohl Familie als auch Personal. Die Berliner Adelsfamilie Reichenbach steht kurz vorm Bankrott, versucht aber um jeden Preis, ...

Kulisse dieses Romans ist das Haus Reichenbach – mit all seinen Bewohnern, sowohl Familie als auch Personal. Die Berliner Adelsfamilie Reichenbach steht kurz vorm Bankrott, versucht aber um jeden Preis, den Anschein einer heilen Fassade aufrecht zu erhalten. In einer Welt, die sich in einem rasanten Wandel befindet, müssen sich alle Familienmitglieder erst zurecht finden: Tochter Ina wird Teil der Künstlerszene und verliebt sich in den mittellosen Schriftsteller – eine Liebe, die an den ungleichen Rahmenbedingungen scheitert. Der älteste Sohn Fridolin ist auf der Suche nach der wahren Liebe und trifft eine falsche, aber folgenschwere Entscheidung. Sohn Georg ist homosexuell und kann nur im Geheimen er selbst sein. Und die Eltern verschließen die Augen vor der Realität und hoffen darauf, dass alles irgendwie wieder gut wird.

Parallel und verknüpft dazu werden die Schicksale der Bediensteten erzählt, auch auf dieser Etage steht der Kurs auf Veränderung.

Insgesamt ist dieser Roman eine Geschichte von Liebe, Selbstverwirklichung und Umbruch auf Basis guter historischer Recherchen. Am Ende allerdings bleiben manche Fragen offen, werden manche Erzählstränge nicht aufgelöst. Dies ist schade, ist aber möglicherweise beabsichtigt, um Spannung für eine Fortsetzung zu erhalten. Und obwohl mir das Buch gefallen hat, hat mir der (erwartete) Glanz der 20er Jahre gefehlt, ich weiß nicht warum, aber Bilder von verruchten Bars und tanzenden Damen mit dem bekannten Kopfband etc. blieben aus. Das Buch hat mich daher nicht restlos überzeugt, bekommt aber vier Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2018

Romantische Weihnachtsgeschichte

Das wunderbare Wollparadies
2

Susan ist der Ruhepol der Ladenbesitzerinnen in der Valerie Lane - sie betreibt den kleinen Wollladen. Immer großzügig und hilfsbereit, aber auch verschlossen und ein wenig einsam. Aber dies ändert sich ...

Susan ist der Ruhepol der Ladenbesitzerinnen in der Valerie Lane - sie betreibt den kleinen Wollladen. Immer großzügig und hilfsbereit, aber auch verschlossen und ein wenig einsam. Aber dies ändert sich während einer besinnlichen und gleichzeitig turbulenten Adventszeit in der auch Susan ihr Glück findet...

Die Valerie Lane Reihe beschreibt jeweils das Leben einer Ladenbesitzerin - gewöhnlich bis zum Happy End. Ich mag die Reihe, weil sämtliche Charaktere sehr sympathisch sind und die Geschichten eine Art Heile Welt vermitteln, in der jeder irgendwann an der Reihe ist, sein Glück zu finden. Auf Susans Geschichte war ich schon gespannt, weil sie mir aus den anderen Geschichten bereits sehr sympathisch war und ich wurde nicht enttäuscht, dies ist eine wunderbar romantische Weihnachtsgeschichte, die man gut an einem verregneten Tag in einem Rutsch durchlesen kann.
Das Einzige, was mich stört - aber nicht an diesem Buch, sondern an der gesamten Reihe - ist, die in meinen Augen übertriebene Hilfsbereitschaft der Figuren. Bitte nicht falsch verstehen, ich finde es super, wenn Spenden gesammelt werden oder sonst wie geholfen wird. Ich finde nur, dass es unrealistisch ist. Auf der einen Seite betreibt z. B. Susan ein kleines Wollgeschäft und muss damit über die Runden kommen, andererseits verschenkt sie permanent selbstgestrickte Handschuhe, Mützen, Socken etc. en masse. Als jemand der selbst handarbeitet, weiß ich, wie teuer Wolle ist, das ist einfach schlichtweg nicht möglich, selbst wenn man noch so ein guter Mensch ist.
Trotzdem ist es ein wunderbarer Roman, den ich uneingeschränkt weiterempfehle.

Veröffentlicht am 16.07.2018

Sehr vorhersehbar und sehr langweilig

Das kleine französische Landhaus
2

Zum Inhalt: Marketing Assistentin Emmy wird im Urlaub in Frankreich von ihrem langjährigen Freund verlassen und verändert daraufhin ihr Leben: Sie hilft dem ebenfalls verlassenen Ehemann der Affäre ihres ...

Zum Inhalt: Marketing Assistentin Emmy wird im Urlaub in Frankreich von ihrem langjährigen Freund verlassen und verändert daraufhin ihr Leben: Sie hilft dem ebenfalls verlassenen Ehemann der Affäre ihres Freundes in seinem Hotel und kündigt nach dem Urlaub ihren Job um nach Frankreich zu ziehen.

Die Aussage des Buches ist so richtig, wie simpel: Lebe das Leben das dich glücklich macht. Die Geschichte in der diese Botschaft „verpackt“ ist, ist allerdings eher fragwürdig und auch für einen Roman sehr unrealistisch: Innerhalb von nur zweieinhalb Wochen wird Protagonistin Emmy von ihrem Freund verlassen, hat eine kurze Affäre mit dem sexy Gärtner und verliebt sich 4 Tage später in den ebenfalls extrem attraktiven Buchhalter des Hotelbesitzers Ruperts. Daneben arbeitet sie in ihrem Urlaub, natürlich unentgeltlich, im Hotel als Mädchen für alles, kocht, putzt und organisiert.

Davon abgesehen gibt es einige inhaltliche Unstimmigkeiten: Rupert, der erfolgreiche Unternehmer agiert mehrfach unprofessionell: So schafft er es innerhalb einer Woche nicht Ersatzarbeitskräfte für sein Hotel zu organisieren, er informiert andere Gäste, dass es nach Emmys Abfahrt zu Problemen kommen könne, sein hochgelobtes Gourmetmenü besteht nicht aus französischen Köstlichkeiten, sondern aus Obstsalat.. alles nicht wichtig, aber unstimmig.

Inhaltlich passiert eigentlich sehr wenig, was nicht vorhersehbar ist; bereits im ersten Drittel ist klar, in welche Richtung die Reise gehen wird. Lustige oder witzige Szenen fehlen ebenso wie inhaltliche Überraschungen. Gelenkt wird der gesamte Verlauf der Geschichte von den egoistischen Manipulationen des Hotelbesitzers Rupert, der Emmy für seine Zwecke hin und herschiebt wie eine Puppe. Emmy lässt sich alles gefallen und letztendlich beruht auch ihre Entscheidung auszuwandern auf den Zahlen und Berechnungen, die ihr der gute Rupert völlig uneigennützig erstellt hat. Sie selbst bleibt dabei trotz ihrer übertriebenen Hilfsbereitschaft irgendwie eine farblose Figur.

Insgesamt ist es ein wirklich vorhersehbarer Roman, der sich leider durch nichts von der Masse an Sommerromanen abhebt und sicher nicht im Gedächtnis bleibt. Fortsetzung nein danke, aber ein Stern für das wunderschöne Cover und ein Stern für das Frankreich-Feeling das zumindest im ersten Drittel des Buches aufkommt.