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Veröffentlicht am 23.10.2019

Spannende und exotische Lebensgeschichte im Spanien des 11. Jahrhunderts

Das Lied der Pferde
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Cöln 1072: Die 14 jährigen Zwillinge Endres und Aenlin, Kinder eines Kaufmannes, sind grundverschieden. Während Aenlin begierig darauf ist, mehr aus ihrem Leben zu machen als eine brave Ehefrau zu werden, ...

Cöln 1072: Die 14 jährigen Zwillinge Endres und Aenlin, Kinder eines Kaufmannes, sind grundverschieden. Während Aenlin begierig darauf ist, mehr aus ihrem Leben zu machen als eine brave Ehefrau zu werden, wünscht sich der ruhigere Endres ein Leben als Geistlicher in einem Kloster. Nur zu gern nimmt Aenlin heimlich für ihren Bruder dessen Platz beim Reiten und Schwertkämpfen ein. Als Endres sich bewähren und eine Reliquie übergeben soll, tauschen die Zwillinge endgültig ihre Plätze – eine Entscheidung, die ihre beiden Leben für immer verändert, denn Aenlin wird als Sklavin verkauft und wird die Konkubine eines mächtigen Feldherrn...

Anders als es der Titel vermuten lässt, ist dies kein Pferdebuch, sondern ein fiktiver komplexer historischer Roman über den spanischen Nationalhelden „El Cid“ Rodrigo Diaz de Vivar, einem kastilischen Ritter und Söldnerführer zur Zeit der Reconquista und seine (fiktive) Geliebte. Auch wenn sich Aenlins Liebe zu ihrer Stute Meletay wie ein roter Faden durch die rund 30 beschriebenen Jahre zieht, nimmt diese Thematik keine große Rolle im gesamten Geschehen ein – insofern ist der Titel etwas irreführend und unglücklich gewählt. Es macht den Eindruck als hätte die Autorin für ihren über 600 Seiten starken Roman ausführlich recherchiert, auch der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar.

Die größte Schwäche dieses Romans ist die über weite Strecke scheinbar willenlose Hauptprotagonistin, die dem „Cid“ lange Jahre treu ergeben ist – und man fragt sich: Warum eigentlich? Schließlich ist sie eine gebildete und (später) wohlhabende Christin, und dennoch stellt sie ihr Dasein als Sklavin nie infrage. Und dies beantwortet die Autorin leider nicht. Aenlin wirkt zu Beginn wissbegierig und willensstark, aber danach wird sie versklavt und gibt damit auch ihr ganzes Wesen auf. Dies ist in meinen Augen nur bedingt durch die historischen Umstände erklärbar, denn es scheint gerade für dieses anfangs beschriebene intelligente Mädchen nicht logisch, dass sie nicht einen (!) einzigen Versuch unternimmt, aus diesem Schicksal zu entkommen, ja nicht einmal in diese Richtung Überlegungen anstellt.. Dass sie sich später ausgerechnet in den Mann verliebt, der sie verkauft hat, ist noch schwieriger zu verstehen, zumal diese Figur zwar bis zu einem Grad beeindruckend ist, ansonsten jedoch keine sympathischen Züge aufweist. Im Gegenteil, mit zunehmendem Alter wird der Heerführer immer grausamer und gewaltbereiter und man fragt sich als Leser wieso Aenlin jahrelang gehorsam auf die Rückkehr ihres widerwärtigen „Besitzers“ wartet, anstatt ihren Schmuck zu Geld zu machen und gemeinsam mit ihren treuen Freunden das Weite zu suchen. Auch mit einigen anderen Charakterzügen dieser Figur hatte ich so meine Probleme, aber alles in allem hat mir der Roman sehr gut gefallen und mir einen Aspekt der spanischen Geschichte nahegebracht, den ich noch nicht kannte.

Insgesamt ist dieses Buch ein exotischer Ausflug in die Kriege und Unruhen des 11. Jahrhundert, auf dem Gebiet des heutigen Spaniens. Ich vergebe 4 Hufeisen, würde dieses Buch aber niemandem empfehlen, der gerne Pferdegeschichten lesen möchte.

Veröffentlicht am 18.10.2019

Happy Emd fürs Tatoo Girl

Verliebt in Bloomsbury
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Band 3 der Blumsbury Reihe rund um die Buchhandlung für Liebesromane. Die hippe Nina trifft auf Unternehmensberater Noah und lässt sich auf einige Dates mit dem scheinbaren Langweiler ein. Dabei stellt ...

Band 3 der Blumsbury Reihe rund um die Buchhandlung für Liebesromane. Die hippe Nina trifft auf Unternehmensberater Noah und lässt sich auf einige Dates mit dem scheinbaren Langweiler ein. Dabei stellt sich heraus, dass er ganz anders ist, als es auf den ersten Blick scheint. Und auch Nina trägt auch ein Geheimnis mit sich herum – sie kennt Noah von früher, er wurde von ihrem Bruder jahrelang gemobbt. Aber je besser Nina Noah kennenlernt, desto schwerer fällt es ihr, dieses Thema anzusprechen. Bis Noah von selbst dahinter kommt…

Mich hat dieser Roman insgesamt enttäuscht – vor allem Hauptfigur Nina ist im Grunde genommen unglaublich langweilig. Hinter ihren detailliert beschriebenen Vintage-Klamotten (die ich mir nie wirklich vorstellen konnte, weil mir die Bezeichnungen nichts sagen) und ihrer ständig wechselnden Haarfarbe steckt eine Figur, die außer einer Menge schlechter erster Dates so gut wie nichts Interessantes zu erzählen hat. Noah ist seinerseits eine zu perfekte Figur, ein perfektes Date wird von einem noch perfekterem getopt. Trotzdem kann ich nicht nachvollziehen, was an Nina so toll sein soll.
Alles in allem ein vorhersehbares Buch, das man sich getrost sparen kann, da gibt es viel bessere. Ich vergebe daher 3 Sterne.

Veröffentlicht am 16.10.2019

Einsame Romantikerin trifft trauernden Star-Autor

Lichterzauber in Manhattan
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Band 3 der Manhattan Saga: Eva leidet seit dem Tod ihrer Großmutter unter Einsamkeit – umso als ihre beiden besten Freundinnen im siebten Himmel schweben. Kurz vor Weihnachten erhält sie den Auftrag, für ...

Band 3 der Manhattan Saga: Eva leidet seit dem Tod ihrer Großmutter unter Einsamkeit – umso als ihre beiden besten Freundinnen im siebten Himmel schweben. Kurz vor Weihnachten erhält sie den Auftrag, für den Enkel einer Kundin – einem erfolgreichen Horror-Autor – in seiner Abwesenheit seine Wohnung weihnachtlich zu dekorieren. Eva liebt Weihnachten, ganz im Gegensatz zu Lukas Blade, der sich mit einer Schreibblockade in seiner Wohnung verbarrikadiert hat – und gar nicht begeistert von Evas Überraschungsbesuch ist. Und dann zwingt ein Schneesturm Eva auch noch dazu, in der Wohnung zu bleiben…

In dieser Geschichte prallen zwei Extreme aneinander: Eva, die hoffnungslose Romantikerin, mit dem großen Herzen und einem losen (lustigen) Mundwerk. (Der Running Gag, den man auch schon aus den anderen Bänden kennt, ist das Kondom in ihrer Handtasche, dessen Verfallsdatum gefährlich nahe ist.) Auf der anderen Seite, der trauernde Autor mit Alkoholproblem, viel Sexappeal und einem pessimistischen Blick auf die menschlichen Abgründe. Trotzdem bemühen sie sich nach und nach die Sicht und Probleme des jeweils anderen zu verstehen. Mein persönliches Highlight ist hier die kleine Liebesgeschichte, die Lukas am Ende extra für Eva schreibt. Nicht sein Genre und grottenschlecht, aber „immerhin überleben beide bis zum Ende“, was unüblich für ihn ist.

Manche Dialoge regen zum Nachdenken an, vieles ist unglaublich romantisch und lustig. Man muss die Figuren einfach mögen und freut sich mit Eva mit, dass sie am Ende doch das große Glück findet. Daher vergebe ich gerne 5 glitzernde Schneeflocken und gebe eine Leseempfehlung für alle Fans von romantischen Weihnachtsgeschichten ab.

Veröffentlicht am 13.10.2019

Das Leben auskosten

Clara und die Granny-Nannys
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Clara Behrens ist Schulsekretärin und würde sich gerne selbstständig machen. Inspiriert durch ihre unternehmungslustige aber mittlerweile gebrechliche Mutter gründet sie die Granny-Nannys – eine Art Oma-Vermittlung ...

Clara Behrens ist Schulsekretärin und würde sich gerne selbstständig machen. Inspiriert durch ihre unternehmungslustige aber mittlerweile gebrechliche Mutter gründet sie die Granny-Nannys – eine Art Oma-Vermittlung auf Zeit. Ihre ersten drei Grannys – die pensionierte Lehrerin Karen, die ängstliche Hausfrau Hanni und Köchin Suse – verschlägt es nach Berlin. Schnell stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie erwartet: Suse wird als billige Küchenkraft ausgenutzt, Karen landet in einer stinkreichen aber kaputten Familie und Hanni kämpft mit völlig verzogenen Zwillingsburschen. Gott sei Dank gibt es das wöchentliche Treffen mit den anderen Granny-Nannys, die mit Rat und Tat zur Seite stehen und bald Freundinnen werden…

Ich habe dieses Buch zufällig auf einem Ramschtisch gefunden und mitgenommen, ein Glücksgriff, ich hätte nicht erwartet, dass es mir so gut gefällt. Auch wenn der Titel vielleicht ein bisschen altbacken klingt. Alle 3 Handlungsstränge der Grannys sind spannend und nicht vorhersehbar. Am wenigsten hat mir Suses Geschichte gefallen – was aber daran liegt, dass ich finde, sie hätte sich gegen ihre „Zweckentfremdung“ wehren müssen. Was sie nicht macht. Davon abgesehen macht es unglaublichen Spaß, gemeinsam mit den drei Damen Berlin zu entdecken und mitzuerleben, wie die Protagonistinnen über sich und ihre Ängste hinauswachen.

Ich vergeben daher mit gutem Gewissen 5 sprudelnde Prosecci!


Veröffentlicht am 10.10.2019

Junger Wein und junge Liebe

Herbstblüten und Traubenkuss
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Mona Böse – arbeits-, wohnungslos und frisch getrennt - bewirbt sich in einer Detektei und soll als Probeauftrag, Jungwinzer Oliver aufspüren. Obwohl ihr das problemlos gelingt, wird es nichts mit dem ...

Mona Böse – arbeits-, wohnungslos und frisch getrennt - bewirbt sich in einer Detektei und soll als Probeauftrag, Jungwinzer Oliver aufspüren. Obwohl ihr das problemlos gelingt, wird es nichts mit dem Job. Dafür bietet ihr Oliver an, zwei Monate am Rande Wiens im Weingut seiner Familie mitzuarbeiten. Die chaotische Familie ist so ganz anders als die zahlenaffine und introvertierte Mona. Aber diese entdeckt so nach und nach andere Seiten an sich selbst…

Ich wollte diesen Roman unbedingt lesen – die Leseprobe klang nach unbeschwerter, humorvoller Unterhaltung mit einer guten Portion Wiener Charme. Leider hat die Geschichte nicht gehalten, was sie versprochen hat.

Mona ist eine farblose Protagonistin, die sich alles bieten lässt und nie für sich selbst eintritt. Gleichzeitig aber ein unglaublich abwertendes Bild von ihrer angeblich besten (und einzigen) Freundin zeichnet. Humorvolle Szenen oder witzige Dialoge sucht man vergeblich. Die unvermeidliche Liebesgeschichte zwischen Oliver und Mona überzeugt an keiner Stelle, es gibt kein Glitzern, kein Funkeln und Oliver ist phasenweise ein unsympathischer Macho. Die übrigen Figuren sind sympathisch, können den Gesamteindruck aber nicht mehr umdrehen. Einzelne Rezepte und Infos sind eine gute Idee und lockern den Text auf, erzeugen aber leider kein Wiener Flair. Daher wird dies mein erstes und letztes Buch dieser Autorin werden und ich vergebe 3 Weintrauben.