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Veröffentlicht am 26.03.2022

Ein wundervoller Roman, der alle Sinne anspricht

Das Haus der Düfte
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Man lernt Anouk Romilly kennen, als sie 1946 mit ihrer Mutter nach Paris kommt, um sich dort, in einer alten, geerbten Apotheke, eine neue Existenz aufzubauen. Sechs Jahre später hilft Anouk ihrer Mutter ...

Man lernt Anouk Romilly kennen, als sie 1946 mit ihrer Mutter nach Paris kommt, um sich dort, in einer alten, geerbten Apotheke, eine neue Existenz aufzubauen. Sechs Jahre später hilft Anouk ihrer Mutter in der Apotheke, die den beiden Frauen inzwischen zur Heimat geworden ist, aber sie träumt davon, Parfümeurin zu werden, denn sie weiß, sie hat das Zeug dazu. Ihr Geruchssinn ist extrem sensibel, und sie besitzt die Fähigkeit, Düfte mit Gefühlen in Einklang zu bringen. Als sie die Gelegenheit erhält, nach Grasse zu gehen und bei der Parfümeur-Familie Girard zu wohnen und zu arbeiten, lässt sie sich diese Chance nicht entgehen. Es stellt sich heraus, dass sie beim Komponieren von Düften ähnliche Wege geht wie Florence Girard, die Begründerin der alten Duft-Dynastie. Sie beschäftigt sich intensiv mit der Firmengeschichte und macht dabei erstaunliche Entdeckungen. In Grasse kann sie nicht nur ihren Traum verwirklichen, sondern sie findet auch die Liebe.
Da ich nicht nur Bücher liebe, sondern auch ein absolutes Faible für Düfte habe, war es für mich ein Muss, diesen Roman zu lesen. Das Gerüst der Geschichte bildet Anouks Werdegang in der alten Duftstadt Grasse. Dazu kommen immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, wo man Florence und ihre Familie näher kennenlernt und mehr über die Umstände erfährt, wie es die junge Lavendelpflückerin Ende des 19. Jahrhunderts zur erfolgreichen Parfümeurin gebracht hat. Es ist eine faszinierende Geschichte, mit vielschichtigen Charakteren und zahlreichen Geheimnissen. Mich haben die Beschreibungen von Anouks Fortschritten, von ihren Erfahrungen und Erlebnissen sehr gefesselt. Die Autorin hat ausführlich und gut recherchiert und gibt intensive Einblicke in die Herstellung eines Parfüms und in den Tätigkeitsbereich einer „Nase“. Immer wieder begegnet man im Buch auch realen Klassikern aus der Parfümwelt. Irgendwie hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, einen wundervollen Duft in der Nase zu haben, so intensiv sind die Schilderungen. Auch der Geschmackssinn kommt auf seine Kosten, beispielsweise wenn Anouk in ihrem Lieblingsbistro in Grasse zu Gast ist und sich dort mit den Spezialitäten des Hauses verwöhnen lässt.
Der Roman ließ jedoch nicht nur eine schöne Welt der faszinierenden Düfte und Aromen vor meinem inneren Auge entstehen, sondern er hat mich auch mit alten Tragödien und Familiengeheimnissen in Atem gehalten. Es ist ein wundervoller Roman mit brillanten Schilderungen, den ich regelrecht verschlungen habe und der mir sehr intensive Lesestunden beschert hat.

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Veröffentlicht am 20.03.2022

Umfangreich, vielseitig und sehr hilfreich, wie man es von der Autorin kennt

Alles sauber ... oder was?
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Andrea Sokol schreibt nicht nur Bücher, sie hat auch schon Zeitschriften herausgebracht, und sie führt einen sehr erfolgreichen Youtube-Kanal, wo sie tolle Rezepte und Tipps zeigt. Ich mag ihre erfrischende ...

Andrea Sokol schreibt nicht nur Bücher, sie hat auch schon Zeitschriften herausgebracht, und sie führt einen sehr erfolgreichen Youtube-Kanal, wo sie tolle Rezepte und Tipps zeigt. Ich mag ihre erfrischende Art und ihre innovativen Ideen und verfolge daher auch ihre Videos regelmäßig.

Dies ist nun ihr drittes Buch. Ich habe auch ihre beiden anderen Bücher und finde sie toll, und auch dieses hier hat mich nicht enttäuscht. Schon am Titel kann man recht gut erkennen, worum es diesmal geht. „Alles sauber...oder was?“ bezieht sich sowohl auf das Putzen im Haushalt als auch auf die Körperhygiene von Mensch und auch Tier. Ja, auch für unsere vierbeinigen Freunde hat die Autorin tolle Tipps auf Lager, aber ich beginne erst einmal von vorne.

Zuerst erfahren wir viel Interessantes über die natürlichen Kreisläufe von Wasser, Boden und Luft. Es ist Grundlagenwissen, was die Autorin hier vermittelt.

Im nächsten großen Abschnitt stellt sie die Multitalente in Sachen Reinigung und Pflege vor, so beispielsweise Wasserstoffperoxid, Natron und Soda, Zeolith und Zitrone aber auch effektive Mikroorganismen.

Diese Multitalente setzt sie auch bei der Körperpflege ein, kombiniert mit weiteren natürlichen Substanzen, mit Kräutertinkturen und Pflanzenauszügen. Nicht nur tolle Rezepte für Bäder, Deos, Haarspülungen und vieles mehr hat sie hier zusammengestellt, sondern es geht ihr allgemein um eine gesunde Lebensführung, die unter anderem Atemübungen, Tautreten und Gesundheitsvorsorge einschließt.

Ein weiteres großes Thema in diesem Buch ist der „Lebensputz“ in Haus und Garten. Auch hier lernt man eine Vielfalt an Möglichkeiten kennen, wie man seinen Haushalt auf ganz natürliche Weise reinigen und sauber halten kann. Zwar arbeite ich hier schon länger mit Natron, Zitronensäure & Co., aber ich habe im Buch wieder einige neue und interessante Rezepte und Möglichkeiten entdeckt, wie man seine Räume, das Geschirr und auch die Textilien ohne die chemische Keule säubern kann.

Es schließt sich ein ausführliches Kapitel an, in dem es rund um Balkon, Terrasse und Garten geht. Hier weiht uns die Autorin in die Technik des Kompostierens mit einem Bokashi-Eimer ein. Es geht unter anderem um einen gesunden Boden und um gutes Wasser, und es wird erklärt, wie man Rost entfernen und Gartenmöbel aus Holz reinigen kann.

Wer Haustiere hat, wird die tollen Ratschläge für die Fellpflege, die Pflege der Ohren und die Gebissreinigung gerade bei Hunden sehr zu schätzen wissen, denn alles was Andrea Sokol empfiehlt, ist absolut natürlich. Wie man Schlafkörbchen, Katzentoiletten oder Nagerkäfige gut reinigen und sauber halten kann, das erklärt sie hier sehr detailliert.

Ich muss sagen, ich habe aus diesem Buch wieder sehr viel für mich persönlich und mein Umfeld mitnehmen können. Mit Wasserstoffperoxid habe ich bisher noch keine Erfahrungen, werde mich aber nun doch einmal näher damit beschäftigen, denn H2O2 ist vielseitig einsetzbar und anscheinend ein wahres Multitalent. Es gibt so vieles auszuprobieren, was Andrea Sokol in ihrem neuesten Buch beschreibt. Lediglich eine Sache hat mich in meinem Tatendrang etwas ausgebremst, nämlich dass die Autorin diesmal viel mit effektiven Mikroorganismen arbeitet. Dies ist absolutes Neuland für mich, aber es klingt durchaus interessant, denn die Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Allerdings ergibt sich hier ein Problem, denn diese „EM“ sind nicht überall erhältlich. Ich habe zwar nun ein paar Onlineshops gefunden, aber ich bin ein wenig in der Zwickmühle. Einerseits möchte ich das gerne ausprobieren und erst einmal mit einer kleineren Flasche starten, um erste Erfahrungen zu machen. Hier habe ich aber schnell gemerkt, dass sich das Preis-Leistungs-Verhältnis für kleine Flaschen drastisch verändert. Dann muss man beim Versand noch Porto dazu rechnen. Das andere Problem ist, dass eine geöffnete Flasche nur eine sehr kurze Haltbarkeit hat und sich gerade für Einsteiger eben erst einmal nur eine kleine Flasche lohnt. Hier bin ich etwas zwiegespalten und werde erst einmal noch weitere Informationen suchen.

Insgesamt ist dies jedoch auch wieder ein tolles Buch, das ich gerne und oft zur Hand nehme.

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Veröffentlicht am 12.03.2022

Kommt für mich leider nicht an den ersten Band heran

Das Versprechen der Rosenfrauen
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Den ersten Band „Die Rosenfrauen“ habe ich im Sommer 2015 gelesen und war begeistert. Die Aufmachung ist bei dieser Fortsetzung wie auch beim ersten Buch; jedes Kapitel beginnt mit der kurzen Beschreibung ...

Den ersten Band „Die Rosenfrauen“ habe ich im Sommer 2015 gelesen und war begeistert. Die Aufmachung ist bei dieser Fortsetzung wie auch beim ersten Buch; jedes Kapitel beginnt mit der kurzen Beschreibung einer duftenden Pflanze. In der Geschichte erfahren wir, wie es Elena inzwischen ergeht. Dass das Verhältnis zu ihrer Mutter Susanna nicht einfach ist, weiß ich noch vom ersten Band. Hier wird nun an dieses Problem angeknüpft. Susanna lädt ihre Tochter ein, sie auf einer Reise zu begleiten, auf der Elena mehr über die Vergangenheit erfahren und ihre Mutter besser verstehen lernen soll. Letztendlich klappt das auch, wenn auch nur unter großen Schwierigkeiten. Die beiden Frauen sind sehr kompliziert, und die Tochter macht letztendlich die gleichen Fehler wie ihre Mutter damals. Das Verhältnis in der Familie ist angespannt, und auch Elenas Mann muss darunter leiden. Er ist der ruhende Pol, und er liebt Elena. Ob diese tiefe Liebe auf Gegenseitigkeit beruht, da hatte ich manchmal so meine Zweifel, denn auf jedes Liebesgeständnis ihres Mannes antwortet sie nicht etwa „ich liebe dich auch“, sondern nur „ich weiß...“. Die Männer an der Seite der Rossini-Frauen haben es wahrlich nicht leicht. Elena ist in sich zerrissen und steht damit ihrer Mutter in nichts nach, und ich hatte das Gefühl, je mehr die beiden Frauen miteinander sprechen, umso mehr bewegen sie sich voneinander weg. Elena geht nicht nur auf eine große Reise in verschiedene Länder, sondern auch in ihre eigene Vergangenheit.
Den Rahmen der Geschichte bildet auch hier wieder die Parfümherstellung, allerdings ist diese eher an den Rand gedrängt.
Ich habe auch diesmal die wunderbaren Beschreibungen der Landschaften und der Düfte sehr genossen, und es gibt auch in diesem Band einige Charaktere, die ich ins Herz geschlossen habe. Die Rossini-Frauen blieben mir jedoch fremd bzw. habe ich es einfach nicht geschafft, mich in sie hinein zu versetzen. Die ständigen Schuldgefühle und Gefühlsverstrickungen waren mir einerseits zu theatralisch, andererseits aber auch nicht immer nachvollziehbar. Ich hatte mich nach der langen Zeit sehr auf dieses Buch gefreut, aber leider kommt die Fortsetzung für mich nicht an den ersten Band heran.

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Veröffentlicht am 22.02.2022

Neues vom magischen Kreuz

Das Kreuz des Pilgers
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Dies ist der Auftakt zur neuen Pilger-Reihe von Petra Schier. Schon ein erster Blick auf das umfangreiche Personenverzeichnis zeigte mir, dass ich hier einige „alte Bekannte“ treffen würde, nämlich aus ...

Dies ist der Auftakt zur neuen Pilger-Reihe von Petra Schier. Schon ein erster Blick auf das umfangreiche Personenverzeichnis zeigte mir, dass ich hier einige „alte Bekannte“ treffen würde, nämlich aus der Kreuz-Trilogie. Wie schon diese, so spielt auch der neue Roman in Koblenz. Zwischen der Handlung im letzten Band der Kreuz-Trilogie (1362) und dem hier besprochenen Geschichte (1379) liegt eine Zeitspanne von siebzehn Jahren.

In der besagten Trilogie hatte ich einen Nebencharakter ins Herz geschlossen und habe nun zu meiner Freude festgestellt, dass der damalige Straßenjunge Palmiro, inzwischen ein erwachsener Mann, diesmal eine Hauptrolle spielt bzw. eigentlich die wichtigste Person überhaupt ist. Der Name Palmiro stammt aus dem italienischen und bedeutet so viel wie „Der Pilger“. Betrachtet man nun den Buchtitel, wird schnell klar, worum es in der Geschichte geht, denn auch die alte Reliquie, das magische Kruzifix, das ja für die Kreuz-Trilogie quasi namensgebend war, kommt wieder ins Spiel. Es war für mich interessant, zurück zu blicken, mich zu erinnern und Verbindungen zu ziehen, aber zum Verständnis dieses Romans ist es nicht zwingend nötig, dass man die Kreuz-Trilogie gelesen hat, denn wichtige Informationen sind immer wieder geschickt in die Handlung eingebaut.

In ihrer unnachahmlichen Art haucht Petra Schier ihren Protagonisten Leben ein. Ihre Charaktere sind vielschichtig und die meisten von ihnen liebenswert. Klar agieren auch Menschen in ihren Büchern, die so gar nichts Sympathisches an sich haben, aber es gibt keine Schwarz-Weiß-Malerei, denn auch im wahren Leben gibt es ja nicht nur gut oder böse, sondern viele Abstufungen dazwischen, und so zeigt auch die Autorin ihre Protagonisten in bunter Vielfalt.

Ich lese die Bücher der Autorin alle sehr gerne, aber ihre historischen Romane sind immer besondere Highlights für mich, denn sie sind packend und sehr lebendig erzählt und vermitteln sehr stark den damaligen Zeitgeist. Sofort, von der ersten Seite an, wird man in die Handlung hinein gezogen und fühlt mit den Protagonisten. Vor allem die weiblichen Charaktere haben oft ungewöhnliche Lebenswege oder benehmen sich ein wenig anders als man es zur damaligen Zeit von Frauen erwartet hätte. Sie zeichnen sich durch moderne Ansichten aus, ohne jedoch dadurch „aus der Zeit zu fallen“, denn vieles, was sie erreichen wollen, regeln sie sehr dezent und diplomatisch.

Es kommen auch Themen und menschliche Eigenschaften in der Geschichte zur Sprache, die für uns heutzutage ganz normal und selbstverständlich sind, für die Menschen der damaligen Zeit jedoch in einer Katastrophe hätten enden können. So wurde zum Beispiel Homosexualität damals als Ketzerei angesehen, und die Betroffenen mussten ständig um ihr Leben bangen und befürchten, entdeckt zu werden.

Die Handlung entwickelt sich zum Teil sehr emotional, und es geschieht viel Zwischenmenschliches. Da geht es um Verluste und Trauer, um Witwenschaft und neue Liebe, um Geheimnisse und um aufrichtige Freundschaft. Durch die Reliquie kommt auch immer ein wenig Mystik ins Spiel.

Mir erging es mit diesem neuesten Roman der Autorin wieder so, dass ich ihn nicht mehr aus der Hand legen konnte, und wenn ich doch zwischendurch eine Pause machen musste, so habe ich mich nur ungern von der damaligen Welt und den Menschen gelöst, um wieder in die Gegenwart und ins reale Leben aufzutauchen. Das macht für mich ein gutes Buch aus, wenn man regelrecht darin versinken kann! Kleine Hinweise am Ende des Romans deuten schon auf die Fortsetzung hin. Diese wird, soweit ich informiert bin, im Sommer 2022 erscheinen, und ich kann es kaum erwarten.

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Veröffentlicht am 21.02.2022

Gelungene Fortsetzung, wenn auch nicht ganz so stark wie der erste Band

Kein Weg zu weit
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Dies ist die Fortsetzung zum ersten Band „Weiter als der Ozean“. Die Handlung dreht sich auch hier wieder um die Familie McAlister. Im ersten Band ging es hauptsächlich um die Situation, wie es dazu kam, ...

Dies ist die Fortsetzung zum ersten Band „Weiter als der Ozean“. Die Handlung dreht sich auch hier wieder um die Familie McAlister. Im ersten Band ging es hauptsächlich um die Situation, wie es dazu kam, dass die drei jüngeren McAlister-Kinder nach Kanada verschickt wurden, obwohl sie keine Waisen waren und die Mutter sowie ihre größere Schwester Laura einfach vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Auch hat man damals mehr über das Schicksal der Zwillinge Katie und Garth erfahren. Dieser neue Band dreht sich weitgehend um Grace, was aus ihr geworden ist, denn die Familie hat zehn Jahre lang nach ihr gesucht und konnte nichts über ihren Verbleib erfahren. Grace wurde von einem wohlhabenden Ehepaar adoptiert, aber ihre Adoptiveltern wünschen nicht, dass sie über ihre Vergangenheit spricht, denn sie fürchten um ihren guten Ruf, wenn bekannt würde, dass Grace nicht ihre leibliche Tochter, sondern ein ehemaliges englisches Heimkind ist. Grace stellt heimlich Nachforschungen an, und eines Tages erlebt sie eine Überraschung.

Garth von den McAlister-Zwillingen war im Krieg. Als er zurückkehrt, möchte er nicht nur seine verschollene kleine Schwester wieder finden, sondern er macht sich Sorgen um seine geliebte Emma, die auf der gleichen Farm wie er gearbeitet hat. Während des Kriegs riss der Briefkontakt zwischen ihm und Emma ab, und nach seiner Rückkehr nach Kanada macht er sich auf die Suche nach den beiden jungen Frauen, die ihm nahe stehen.

Die Charaktere, um die es geht, kannte ich, mit wenigen Ausnahmen, bereits aus dem ersten Band. Inzwischen sind zehn Jahre vergangen, und es war schön, zu erfahren, wie es Laura, Katie und Mrs. McAlister inzwischen ergangen ist. Nun stehen aber die Menschen im Mittelpunkt, die man in Band 1 ein wenig aus den Augen verloren hatte. Die kleine Grace hat eine enorme Entwicklung durchgemacht. Sie ist zu einer selbstbewussten jungen Frau geworden, die im Wohlstand lebt, der aber etwas Wichtiges im Leben fehlt, denn sie weiß nichts über den Verbleib ihrer Familie, und von den Adoptiveltern fühlt sie sich nicht hundertprozentig anerkannt. Vor allem bei ihrer Adoptivmutter hat sie das Gefühl, deren Ansprüchen nie genügen zu können.

Die Geschichte ist lebendig erzählt und entwickelt sich spannend. Besonders hat mich Emmas Schicksal berührt, und ich konnte ihre Verzweiflung gut nachvollziehen. Vermutlich war es damals nicht selten, dass sich Menschen auf verschiedenen Kontinenten aus den Augen verloren haben, gerade zu Kriegszeiten. Sowohl Emma als auch Garth stellen Nachforschungen an, haben aber auch beide ihre Zweifel, ob ihre Liebe immer noch auf Gegenseitigkeit beruht. Auch Grace findet ihren Weg, wenn mir das auch manchmal etwas zu glatt und zu schnell ging. Mein liebster Charakter war in diesem zweiten Band Rob, Garth‘s Freund, der selbstlos und treu zu den Menschen steht, die er liebt. Alle Protagonisten haben ein starkes Gottvertrauen gemeinsam. Der christliche Glaube spielt überhaupt im ganzen Roman eine wichtige Rolle.

Manche Ereignisse waren für mich vorhersehbar, und auch diesmal gibt es eine Gerichtsverhandlung, so dass Anwalt Andrew Fraser wieder einen starken Auftritt hat. Der Ablauf dieses Prozesses war m. E. etwas unglaubwürdig, denn alle Verdächtigungen waren eher willkürlich und dürften einen echten Richter kaum beeindruckt haben.

Ich empfehle auf jeden Fall, mit dem ersten Band einzusteigen, denn man sieht vieles klarer, wenn man die Vorgeschichte kennt. Schon dort erfährt man ja, dass Heimkinder aus England in Kanada einen schlechten Ruf hatten, aber dass sich dieser auch über die Jahrzehnte gehalten haben soll, da hatte ich ehrlich gesagt meine Zweifel. Natürlich sind das nur so meine Gedanken, denn wie es in Wahrheit aussieht, das weiß ich nicht.

Insgesamt konnte mich dieser zweite Teil nicht ganz so stark mitnehmen wie Band 1, aber er ist auf jeden Fall sehr lesenswert und bereichernd.

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