Platzhalter für Profilbild

Kobina

Lesejury Profi
offline

Kobina ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Kobina über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.10.2025

Und dann? – Wenn happily ever after nicht reicht

A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2)
0

Ich wollte schon immer mehr von Ava Reid lesen – und nachdem mich A Study in Drowning mit seiner poetischen, fast traumgleichen Sprache zwar nicht restlos überzeugt, aber nachhaltig beeindruckt hat, war ...

Ich wollte schon immer mehr von Ava Reid lesen – und nachdem mich A Study in Drowning mit seiner poetischen, fast traumgleichen Sprache zwar nicht restlos überzeugt, aber nachhaltig beeindruckt hat, war ich neugierig, wie A Theory of Dreaming an diese Geschichte anknüpfen würde.

Der zweite Band setzt dort an, wo Effy und Preston am Ende des ersten aufgehört haben: an der Schwelle zwischen Wahrheit und Mythos, zwischen Heilung und Selbstzerstörung. Doch wo der Vorgänger noch märchenhaft, fließend und von düsterer Symbolik durchzogen war, wirkt A Theory of Dreaming deutlich erdiger. Reid schreibt diesmal weniger wie in einem verwunschenen Albtraum, sondern eher wie in einem kalten Erwachen danach.

Was mir dabei sehr gefallen hat, ist, dass sie den Mut hat, weiterzudenken, statt einfach nur zu wiederholen. Sie zeigt, dass ein „Happy End“ selten das Ende ist – und dass Liebe nicht alles auflöst, sondern manchmal erst den Blick auf das eröffnet, was wirklich gebrochen ist. Sowohl Effy als auch Preston müssen lernen, mit den Folgen ihres Wissens und ihrer Traumata zu leben, und das macht den Roman stellenweise schmerzhaft real.

Reids Sprache bleibt dabei unverkennbar: eigenwillig, lyrisch, manchmal fast zu reich, aber stets stimmungsvoll. Sie webt wie schon in A Study in Drowning Literatur, Mythologie und Psychologie zu einem faszinierenden Ganzen, auch wenn sich die Handlung diesmal langsamer entfaltet und weniger magisch anfühlt.

A Theory of Dreaming ist kein Buch, das den Glanz des ersten Teils wiederholen will – und genau das ist seine Stärke. Es liest sich wie der notwendige Nachklang einer Geschichte, die in A Study in Drowning nur angedeutet war: der Versuch, im Chaos der eigenen Gedanken wieder Boden zu finden. Ich bin gespannt, ob Ava Reid Effy und Preston hier wirklich ruhen lässt – oder ob sie uns noch ein weiteres Mal in ihre Träume hinabführt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2025

Schule voller Schatten, Schwächen und Sehnsucht

Immortal Consequences – Die Blackwood Academy Trials
0

Ich habe meine Spookyseason dieses Jahr mit Immortal Consequences begonnen – und muss sagen, dass es wirklich eine gute Wahl zum Oktoberauftakt war.
Eins vorweg: Der Klappentext lässt vermuten, dass sich ...

Ich habe meine Spookyseason dieses Jahr mit Immortal Consequences begonnen – und muss sagen, dass es wirklich eine gute Wahl zum Oktoberauftakt war.
Eins vorweg: Der Klappentext lässt vermuten, dass sich die Geschichte hauptsächlich um Wren und August dreht und wir es hier mit einer klassischen Hetenromantasy zu tun haben. Dem ist nicht so! Alle sechs aufgezählten Charaktere spielen eine ungefähr gleich gewichtete Rolle, und die Handlung konzentriert sich keineswegs nur auf die Gefühle zwischen Wren und August. Besonders Olivier und Emilio haben von Seite eins an Herzen in den Augen, während es bei Irene und Masika deutlich komplizierter wird.

Der Einstieg (das Buch ist, soweit ich weiß, als Trilogie angelegt) zieht sich zugegeben etwas. Vor allem der Schreibstil verrät, dass es sich bei I. V. Marie um eine Debütautorin handelt: Satzstrukturen wiederholen sich, und manche Formulierungen klingen ein wenig gleichförmig. Außerdem fällt schnell ein Denkfehler im Aufbau der Akademie auf, die eine negative Wachstumsrate hat – alle zehn Jahre verlässt genau eine Person die Schule, während immer wieder andere abbrechen, aber nur alle „paar Jahrzehnte“ mal ein Neuling dazukommt. In Anbetracht der Tatsache, dass mehrfach betont wird, wie unwahrscheinlich ein Abschluss überhaupt ist, wirkt diese Logiklücke leider wie ein kleiner Dorn im Fleisch.

Kann man über diese Schwächen hinwegsehen, erwartet einen aber eine wirklich gute Zeit!
Wir begleiten sechs sehr unterschiedliche Figuren, deren Dynamik zueinander glaubhaft und konsequent bleibt. Die Welt ist durchzogen von herbstlichen Vibes, gotischer Architektur, einem Geheimbund, dem Jenseits und verlorenen Seelen. Der Handlungsverlauf bietet eine angenehme Mischung aus Vorhersehbarkeit und Überraschung – man kann miträtseln, kommt den Figuren oft knapp zuvor, ohne dass einem die Lösung auf dem Silbertablett serviert wird.
Niemand ist übertrieben „gut“ oder „böse“, sondern bewegt sich in einer angenehm grauen Zone dazwischen. Und Magie hat hier endlich wieder Konsequenzen: Wer sie wirkt, zahlt den Preis in Form eigener Energie.

Das Ende hinterlässt schließlich viele offene Fäden und genau die richtige Portion Neugier. Der Status der einzelnen Figuren ist so gewählt, dass man am liebsten einfach weiterlesen würde, um zu erfahren, wie sich ihre Beziehungen und Schicksale entwickeln. Ich bin auf jeden Fall gespannt, welche Richtung die Reihe noch einschlagen wird – das Potenzial ist da, und die Grundlage ist definitiv gelegt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.09.2025

Mehr Lehrbuch als Roman

Katabasis
0

Nach Babel (für mich ein Meisterwerk) und Yellowface (für mich maximal ein netter Zeitvertreib) war ich extrem gespannt auf Kuangs neues Werk. Katabasis hat mich am Ende allerdings in einer seltsamen Leere ...

Nach Babel (für mich ein Meisterwerk) und Yellowface (für mich maximal ein netter Zeitvertreib) war ich extrem gespannt auf Kuangs neues Werk. Katabasis hat mich am Ende allerdings in einer seltsamen Leere zurückgelassen; weder besonders gut noch besonders schlecht.

Die Idee klang fantastisch: Was, wenn alle literarischen Berichte von der Hölle tatsächlich reale Erfahrungen sind? Alice Law, Studentin der „analytischen Magie“, und ihr Gegenspieler Peter Murdoch steigen hinab in die acht Höfe der Unterwelt, um ihren Mentor zurückzuholen. Ein an sich episches Setting voller Mythologie, Religion, Mathematik und Philosophie – das hätte groß werden können.

Allerdings verliert sich die Autorin zu sehr in endlosen Referenzen an eben jene Disziplinen. Statt als Teil der Geschichte wirken diese Einschübe wie reine Demonstration akademischen Wissens, was den Lesefluss massiv hemmt. Viele Passagen fühlten sich eher wie ein Lehrbuch als wie ein Roman an. Auch die Figuren – insbesondere Alice und Peter – blieben für mich blass und schwer greifbar, was den emotionalen Zugang erschwerte.

Insgesamt also ein Werk voller Ambition, aber wenig Spannung. Atmosphärisch stark gestartet, dann aber zu überladen und distanziert. Empfehlenswert nur für Lesende, die Freude an akademischen Exkursen haben und viel Geduld mitbringen. im Gegensatz zu Babel, wo sämtliches Wissens passend eingearbeitet wurde, schlgät Katabasis nämlich mit dem Holzhammer um sich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.09.2025

Wie man ein perfektes Ende zerstört

Girls of Dark Divine − Eine Tänzerin. Ein Fluch. Eine verzweifelte Liebe.
0

Achtung!
Wem noch nicht bewusst ist, dass KYSS sich auf die Fahne geschrieben hat, ausschließlich Happy Ends zu verlegen, sollte an dieser Stelle lieber zum englischen Original greifen. Mehr dazu am Ende ...

Achtung!
Wem noch nicht bewusst ist, dass KYSS sich auf die Fahne geschrieben hat, ausschließlich Happy Ends zu verlegen, sollte an dieser Stelle lieber zum englischen Original greifen. Mehr dazu am Ende dieser Rezension.

Als ich das erste Mal von "Girls of Dark Divine" hörte, war ich sofort angetan von dem Buch. Zunächst ließ mich das innehalten und hinterfragen, da die lebenden Marionetten als Balletttänzerinnen doch eigentlich ein recht häufig genutztes Motiv sind und somit nichts Besonderes darstellen sollten, oder?
Erst nach einigem Nachdenken kam ich zu dem Schluss, dass dieses Thema (insbesondere in Serien) zwar des Öfteren aufgegriffen wird, jedoch nie wirklich der Hauptplot der Geschichte ausmachte.
Umso mehr freute ich mich, nun ein Buch in der Hand zu halten, in dem das endlich der Fall ist.

Und ich muss sagen: Die Debütautorin E. V. Woods. hat mit diesem Werk wirklich geliefert. Sie erschafft eine eigene Welt, auch wenn dies in meinen Augen gar nicht nötig gewesen wäre; die Geschichte hätte auch problemlos als Historical Fantasy funktioniert.
Die Hauptcharakterin Emberlyn fühlt sich durch und durch echt an. Man kann sich mit ihr identifizieren, versteht jeden ihrer Schritte und ihre Gefühlswelt wurde nicht auf das altruistisch Gute getrimmt, sondern bringt realistische Schatten und Wut mit sich.
Es war erfrischend, dass ihr Loveinterest mal mit ihr auf einer Seite der Unterdrückten steht und nicht ihr geschworener Gegner ist. Ebenso erfrischend war es, dass keiner von ihnen übermächtig stark war, sondern beide nur Opfer einer höheren Instanz. Mehr davon!
Die Sprache ist wunderbar gewählt. Sie passt in die gewählte Zeit, in das gewählte Setting und trägt dazu bei, dass man sich in der Geschichte verlieren kann. Hier und da gab es zwar ein paar Wort- beziehungsweise Formulierungswiederholungen, aber mal abgesehen davon, dass das jedem passieren kann, ist das in einem Erstlingswerk erst recht vollkommen in Ordnung. Auch die deutsche Übersetzung kann sich sehen lassen, die den Ton gekonnt beibehalten hat.

MINOR-SPOILER
Was die deutsche Übersetzung jedoch nicht gekonnt hat, war ein perfektes Ende als solches stehen zu lassen. Dieses war nämlich ursprünglich klassisch bittersweet - und passte haargenau in die Welt, den Plot, die Charaktere.
Zwar kann ich verstehen, dass man den Lesenden ein fröhliches Ende anbieten möchte; dieses jedoch als das eigentliche Ende zu präsentieren und das Originalende als "Alternatives Ende" abzuwerten, hatte hingegen einen unangenehmen Beigeschmack. Insbesondere, da das Happy End sich nicht sonderlich echt anfühlt. Bereits bevor ich wusste, dass die Geschichte eigentlich bittersüß endet, ließ mich das Gefühl nicht los, dass der Epilog mehr aus Plastik als aus Fleisch und Blut besteht. Bitte, bitte, bitte lasst Geschichten in Zukunft so wie sie sind und bietet das weichgespülte Ende nur als Alternative an und erhebt es nicht zu etwas, was es gar nicht ist.
Ich habe Eingangs erwähnt, dass KYSS (laut eigener Anmerkung) immer nur Happy Ends verlegt. Das war mir bisher nicht bewusst und zerstört nun leider auch die Spannung zukünftiger Bücher. Wenn man von Anfang an immer weiß, dass es sowieso gut ausgeht, warum sollte man sich überhaupt auf die Reise begeben und mitfiebern? Sehr traurig :(

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.09.2025

Viel Authentizität, aber wenig Plot

Grand Hotel Avalon
0

Nachdem ich es bis heute leider noch nicht geschafft habe, die Ravenboys von Maggie Stiefvater zu lesen, war die Freude groß, als ich über NetGalley zum Hörbuch von "Grand Hotel Avalon" (im englischen ...

Nachdem ich es bis heute leider noch nicht geschafft habe, die Ravenboys von Maggie Stiefvater zu lesen, war die Freude groß, als ich über NetGalley zum Hörbuch von "Grand Hotel Avalon" (im englischen Original "The Listeners") zugelassen wurde.

Anfangs war ich sehr gespannt, doch leider musste ich das Buch bei ziemlich genau der Hälfte abbrechen. Der Grund: Es gibt keinen wirklichen Plot. Stattdessen fühlt es sich mehr wie Slice of Life an – ein Blick in den Alltag eines Hotels zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, das für die Diplomaten und Diplomatinnen der Achsenmächte zweckentfremdet wird. Das klingt auf dem Papier spannend, entwickelt sich aber nicht wirklich weiter und blieb für mich dadurch einfach zu langatmig. Es war kein Graus zu lesen (bzw hören), aber mein Stapel ungelesener Bücher ist hoch und meine Zeit somit zu begrenzt, um sie einem Buch zu widmen, das keine wirklichen Gefühle in mir auslöst.

Trotzdem vergebe ich drei Sterne. Denn Stiefvaters Schreibstil ist ohne Frage flüssig und atmosphärisch, und gerade im Hörbuchformat konnte ich das sehr genießen. Was mich allerdings wirklich gestört hat, war die Übersetzung: Es wird mehrfach erwähnt, dass die Protagonistin einen bäuerlichen Dialekt spricht – im Deutschen wurde dieser Aspekt jedoch gar nicht übertragen, wodurch ein wichtiges Charakterdetail verloren geht. Die ständige Erwähnung ihrer eigenen Art zu sprechen wirkte dadurch nervig und fehl am Platz.

Ein Pluspunkt: die Darstellung des autistischen Mädchens. Ihre Innenwelt ist sehr authentisch beschrieben und bietet nachvollziehbare Einblicke in ihre Wahrnehmung. Besonders hängengeblieben ist mir die Formulierung: „Das Essen schmeckte laut und die Kleidung sang auf ihrer Haut.“ Das war für mich bisher der stärkste Moment des Buches.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere