Und dann? – Wenn happily ever after nicht reicht
A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2)Ich wollte schon immer mehr von Ava Reid lesen – und nachdem mich A Study in Drowning mit seiner poetischen, fast traumgleichen Sprache zwar nicht restlos überzeugt, aber nachhaltig beeindruckt hat, war ...
Ich wollte schon immer mehr von Ava Reid lesen – und nachdem mich A Study in Drowning mit seiner poetischen, fast traumgleichen Sprache zwar nicht restlos überzeugt, aber nachhaltig beeindruckt hat, war ich neugierig, wie A Theory of Dreaming an diese Geschichte anknüpfen würde.
Der zweite Band setzt dort an, wo Effy und Preston am Ende des ersten aufgehört haben: an der Schwelle zwischen Wahrheit und Mythos, zwischen Heilung und Selbstzerstörung. Doch wo der Vorgänger noch märchenhaft, fließend und von düsterer Symbolik durchzogen war, wirkt A Theory of Dreaming deutlich erdiger. Reid schreibt diesmal weniger wie in einem verwunschenen Albtraum, sondern eher wie in einem kalten Erwachen danach.
Was mir dabei sehr gefallen hat, ist, dass sie den Mut hat, weiterzudenken, statt einfach nur zu wiederholen. Sie zeigt, dass ein „Happy End“ selten das Ende ist – und dass Liebe nicht alles auflöst, sondern manchmal erst den Blick auf das eröffnet, was wirklich gebrochen ist. Sowohl Effy als auch Preston müssen lernen, mit den Folgen ihres Wissens und ihrer Traumata zu leben, und das macht den Roman stellenweise schmerzhaft real.
Reids Sprache bleibt dabei unverkennbar: eigenwillig, lyrisch, manchmal fast zu reich, aber stets stimmungsvoll. Sie webt wie schon in A Study in Drowning Literatur, Mythologie und Psychologie zu einem faszinierenden Ganzen, auch wenn sich die Handlung diesmal langsamer entfaltet und weniger magisch anfühlt.
A Theory of Dreaming ist kein Buch, das den Glanz des ersten Teils wiederholen will – und genau das ist seine Stärke. Es liest sich wie der notwendige Nachklang einer Geschichte, die in A Study in Drowning nur angedeutet war: der Versuch, im Chaos der eigenen Gedanken wieder Boden zu finden. Ich bin gespannt, ob Ava Reid Effy und Preston hier wirklich ruhen lässt – oder ob sie uns noch ein weiteres Mal in ihre Träume hinabführt.