Profilbild von Kobina

Kobina

Lesejury Profi
offline

Kobina ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Kobina über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2026

Vorsicht! SciFi statt Fantasy

To Cage a Wild Bird
0

"To Cage a Wild Bird" ist der erste Band der "Divided Fates"-Reihe von Brooke Fast.
ACHTUNG: Leider hat das Marketing bei diesem Buch massiv versagt. Es handelt sich hierbei NICHT um Fantasy oder Romantasy. ...

"To Cage a Wild Bird" ist der erste Band der "Divided Fates"-Reihe von Brooke Fast.
ACHTUNG: Leider hat das Marketing bei diesem Buch massiv versagt. Es handelt sich hierbei NICHT um Fantasy oder Romantasy. Wir haben hier einen dystopischen Science Fiction-Roman, in dem Romance vorkommt. Am ehesten lässt es sich tatsächlich mit "The Hunger Games" vergleichen (in Bezug auf das Genre, nicht in Bezug auf die Handlung).

Genau diese enttäuschte Erwartungshaltung war es auch, die mich am Anfang lange hat brauchen lassen, bis ich in das Buch gefunden habe. Versteht mich nicht falsch, es ist an sich ein sehr gut geschriebenes Buch, aber wenn ich gewusst hätte, in was für einem Genre es tatsächlich spielt, hätte ich es zu einem gänzlich anderen Zeitpunkt bzw. in einer anderen Stimmung gelesen. Wenn man jedoch mit der Erwartung rangeht, hier einfach eine mögliche Dystopie der Zukunft zu lesen, wird man vermutlich sehr viel Spaß haben.

Zudem: Selbst wenn es eine Fantasy-Geschichte gewesen WÄRE, wäre es wohl keine Romantasy gewesen, denn der Plot wäre auch 1zu1 so passiert, selbst wenn die beiden einander nicht unwiderstehlich gefunden hätten - nur mit weniger Augenrollen.

Die Geschichte selbst ist sehr kurzweilig und man fliegt ab einem gewissen Punkt förmlich durch die Seiten. Mir war sie sogar ein bisschen zu kurzweilig; die Beziehungen der Charaktere unter einander gingen teilweise etwas zu schnell, auch wenn die Figuren selbst sehr schön gezeichnet waren. Ich hätte mir gewünscht, dass dieses Buch in zwei geteilt worden wäre und somit alles etwas mehr Raum bekommen hätte. Auch die Zeit der Protagonistin als Kopfgeldjägerin war deutlich zu kurz für die Rezipierenden. Natürlich spielt der Hauptplot im Gefängnis, trotzdem hätte ich mir mehr als nur ein paar Seiten für den Status gewünscht, der später ihre gesamte Wahrnehmung beeinflusst.

Ein großes Lob muss an die Übersetzerin Bettina Ain ausgesprochen werden. Das Buch las sich, als wäre es ursprünglich auf Deutsch verfasst worden, was man heutzutage leider nicht mehr oft hat. Zudem ist es ihr gelungen, so unaufdringlich zu gendern, dass mir erst nach einer Weile auffiel, dass sie inklusiv schreibt. Absolutes Musterbeispiel von Sprachverwendung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2026

Zwischen Pantheons und Beziehungsdramen

Loki − Her Twisted Heart
0

Eigentlich hatte mich der Klappentext von „Loki“ nicht besonders angesprochen, aber das Setting in der nordischen Mythologie hat mich dann doch zu sehr gereizt. Joke’s on me: Es bleibt nämlich nicht beim ...

Eigentlich hatte mich der Klappentext von „Loki“ nicht besonders angesprochen, aber das Setting in der nordischen Mythologie hat mich dann doch zu sehr gereizt. Joke’s on me: Es bleibt nämlich nicht beim nordischen Pantheon, sondern es kommt ein wilder Mix aus griechischer und römischer Gottheiten dazu. Das war... gewöhnungsbedürftig. Für mich fühlte es sich eher nach einem Wust als nach einem klaren Konzept an.

Besonders anstrengend fand ich die Liebesentwicklung. Harlow und Loki kennen sich gefühlt zwei Tage, und von jetzt auf gleich gibt es bei Harlow den ersten "Ich will nicht, dass wir uns wieder trennen!"-Gedanken. Das wirkte auf mich extrem gerusht. Gleiches gilt für das erste Mal: keinerlei Zweifel, keine Unsicherheiten, alles sofort perfekt – puh. Das nahm der Beziehung für mich jede Glaubwürdigkeit.
Hinzu kommt, dass man den Großteil des Buches fast ausschließlich mit Harlow und Loki in trauter Zweisamkeit verbringt. Das wurde für mich schnell ermüdend, vor allem, weil außerhalb dieser Dynamik die Welt echt spannend ist.

Eine der stärksten Ideen des Buches ist für mich beispielweise Harlows Abstammung. Wer ihr Vater ist, bleibt lange ein Rätsel und wird erst im Verlauf der Geschichte aufgelöst – und damn, auf die Herkunft hab ich Bock. Ich hoffe sehr, dass ihr Vater im zweiten Band eine größere Rolle spielt und diese familiären Verbindung noch ausgearbeitet wird, denn das hat enormes Potenzial.

Insgesamt hatte „Loki“ für mich starke Ansätze und interessante Ideen, die aber unter einer sehr fokussierten Zweisamkeit, einer überhasteten Liebesgeschichte und einem etwas chaotischen Mythologie-Mix leiden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2026

Der Tod als Patenonkel

Das Dreizehnte Kind
0

„Das 13. Kind“ von Erin A. Craig ist ein atmosphärisches Standalone, das mich sowohl inhaltlich als auch im Hörbuchformat überzeugt hat. Gelesen von Rebecca Veil, die ich ohnehin sehr schätze, gewinnt ...

„Das 13. Kind“ von Erin A. Craig ist ein atmosphärisches Standalone, das mich sowohl inhaltlich als auch im Hörbuchformat überzeugt hat. Gelesen von Rebecca Veil, die ich ohnehin sehr schätze, gewinnt die Geschichte zusätzlich an Tiefe: Jede Emotion sitzt, jede Nuance kommt an und die Sprecherin wird zur Protagonistin selbst.

Als Retelling vom grimmschen Märchen „Der Gevatter Tod“ bleibt der Roman seiner märchenhaften Vorlage überraschend treu, ohne abgeschrieben zu wirken. Besonders gelungen ist das schlichte, aber wirkungsvolle Drei-Götter-System. Wir haben den Anfang ("die Erste") und das Ende ("Der Endgültige"); die Zeit dazwischen wird in all seinen Facetten von unzähligen Göttern geprägt, die sich allerdings einen einzigen Körper teilen ("die Vielen"). Es ist klar strukturiert, einprägsam und genau richtig dimensioniert für einen Einzelband.

Erfreulich fand ich auch, wie medizinisch fundiert viele Aspekte umgesetzt sind. Abgesehen von der fantastischen Krankheit waren die Behandlungsmöglichkeiten überraschend realistisch, was der Geschichte zusätzliche Bodenhaftung verlieh. Zudem sind die verschiedenen Figuren – gemessen an der begrenzten Seitenzahl – erstaunlich differenziert und greifbar, ohne dabei überladen zu wirken.
Das Ende ist zwar glücklich, aber keineswegs kitschig. Stattdessen bleibt es emotional und nachhallend.

Ein schönes Detail: Der wahre Sinn des Covers erschließt sich erst mit der Zeit - außer natürlich, man kennt das Märchen bereits.

Insgesamt ein stimmiges, durchdachtes und emotionales Retelling, das zeigt, wie viel Tiefe ein gutes Standalone haben kann – besonders, wenn Text und Hörbuch so harmonisch zusammenspielen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2026

Würdiges Finale mit kleinen Schwächen

Rebel Witch. Der rote Nachtfalter, Band 2
0

„Rebel Witch“, der zweite und finale Band der Rote Nachtfalter-Dilogie von Kirsten Ciccarelli, konnte für mich nicht ganz mit dem starken Auftakt mithalten – ist aber dennoch ein sehr gelungener Abschluss. ...

„Rebel Witch“, der zweite und finale Band der Rote Nachtfalter-Dilogie von Kirsten Ciccarelli, konnte für mich nicht ganz mit dem starken Auftakt mithalten – ist aber dennoch ein sehr gelungener Abschluss. Etwas schwächer, ja, aber immer noch verdammt gut.

Was mir am meisten gefehlt hat, war eine wirkliche Aufarbeitung der Traumata der beiden Hauptfiguren, insbesondere die des Protagonisten. Vieles davon wird zwar angeschnitten, aber eher umschifft als wirklich durchlebt. Das fühlt sich gerade im Finale einer Dilogie ein wenig verschenkt an. Ähnlich ging es mir mit einigen neuen Figuren: Manche tauchen sehr plötzlich auf und wirken in erster Linie wie narrative Abkürzungen. Besonders eine Sagengeschichte, die wie aus dem Nichts eingeführt wird und dann praktischerweise den Weg zu einem Happy End ebnet, hatte für mich einen sehr „bequemen“ Beigeschmack. Gleichzeitig hatten die meisten dieser Nebenfiguren richtig starke Ansätze – eigene Spin-offs würde ich nicht mit Handkuss nehmen! Auch die Welt würde zu solchen einladen: Sie ist spannend, vielschichtig und fühlt sich größer an als diese zwei Bände. Ich hätte WIRKLICH nichts dagegen, noch mehr Zeit in diesem Universum zu verbringen.

Die Liebesgeschichte der Hauptfiguren war in der ersten Hälfte… anstrengend. Misscommunication tropes galore. Wer sowas liebt, wird hier vermutlich auf seine Kosten kommen; für mich war es eher ein Geduldstest. Positiv bleibt aber: Die Charaktere handeln dabei konsistent und bleiben sich selbst treu, was viel verzeiht.
Das Ende schließlich war mir allerdings etwas zu gewollt glücklich. Nach all dem Schmerz, den Traumata und den moralischen Konflikten hätte ich mir ein weniger glattgebügeltes Finale gewünscht.
Auch bleiben mir die unübersetzten, englischen Zaubersprüche weiterhin ein Rätsel, obwohl der Rest der Übersetzung makellos ist. Mich haben sie leider immer wieder brutal aus dem Lesefluss gerissen.

Unterm Strich: Rebel Witch ist ein guter, emotionaler Abschluss mit starken Figuren, einer großartigen Welt und ein paar erzählerischen Abkürzungen, die ihm den letzten Feinschliff nehmen. Nicht ganz so stark wie Band eins – aber definitiv lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.01.2026

Wenn Heilung ihren Preis hat

House of Blight
0

House of Blight ist der erste Band einer Dilogie – und schon der Titel allein hatte mich komplett für sich eingenommen. Geschichten über Seuchen, Verfall und Verwesung ziehen mich ohnehin an und gepaart ...

House of Blight ist der erste Band einer Dilogie – und schon der Titel allein hatte mich komplett für sich eingenommen. Geschichten über Seuchen, Verfall und Verwesung ziehen mich ohnehin an und gepaart mit einer klaren Gothic-Ästhetik war das Buchfür mich ein Muss. Auch optisch war ich sofort verliebt: Ich konnte mich lange nicht entscheiden, ob mir das UK- oder US-Cover besser gefällt. Mit dieser Entscheidung haderte ich so lange, bis plötzlich die deutsche Ausgabe angekündigt wurde. Der dunkle Grünton ist absolute Perfektion, auch wenn der Farbschnitt für meinen Geschmack nicht ganz zum restlichen Vibe von Cover und Geschichte passt.

Atmosphärisch hat mich das Buch von Anfang an abgeholt. Fernglove Manor ist ein klassisches Gothic-Setting: prachtvoll, unheimlich und voller Geheimnisse, die sich nur langsam offenbaren. Der Kontrast zwischen äußerer Schönheit und innerem Verfall funktioniert hervorragend und trägt die gesamte Stimmung. Die Welt fühlt sich durchgehend durchdacht an, ohne überladen zu wirken, und die Bedrohung schwebt konstant wie ein Schatten über der Handlung.

Besonders gelungen fand ich das Magiesystem, das nicht nur originell ist, sondern auch emotional greift. Zum Heilen muss immer ein Stück der eigenen Lebensenergie geopfert werden, was stets meine präferierte Konsequenz für Heilende ist. Die Hauptfigur Edira überzeugt dabie als ruhige, selbstlose Protagonistin, deren Handlungen konsequent von familiärer Verantwortung geprägt sind. Diese starke Bindung an ihre Brüder bildet das emotionale Rückgrat der Geschichte und gibt ihren Entscheidungen Gewicht. Auch die restlichen Charaktere sind gut ausgearbeitet; selbst Figuren, denen man nicht trauen möchte, bleiben faszinierend und vielschichtig.

Der Romanceanteil mit dem Liebeseck fügt sich organisch in die Handlung ein, verstärkt bestehende Konflikte und trägt zur Spannung bei, statt sie auszubremsen. Zum Ende hin zieht das Tempo deutlich an, die Wendungen greifen ineinander, und der Plot entwickelt eine Sogwirkung, der ich mich kaum entziehen konnte.

Ein deutlicher Minuspunkt ist allerdings leider die Übersetzung. Nicht alle Begriffe wurden ins Deutsche übertragen; wiederkehrende englische Wörter wie Threadmender reißen brutal aus dem Lesefluss und wirken inkonsequent. Das ist besonders schade, weil der Stil ansonsten angenehm leicht, aber sichtbar sorgfältig geschrieben ist.

Fazit: House of Blight ist ein atmosphärisch dichter Gothic-Fantasy-Auftakt mit starkem Worldbuilding, einer überzeugenden Protagonistin und einem überraschend gut integrierten Love Triangle. Trotz kleiner Schwächen in der Übersetzung ein sehr gelungener erster Band, der große Erwartungen an den zweiten weckt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere