Wenn Heilung ihren Preis hat
House of BlightHouse of Blight ist der erste Band einer Dilogie – und schon der Titel allein hatte mich komplett für sich eingenommen. Geschichten über Seuchen, Verfall und Verwesung ziehen mich ohnehin an und gepaart ...
House of Blight ist der erste Band einer Dilogie – und schon der Titel allein hatte mich komplett für sich eingenommen. Geschichten über Seuchen, Verfall und Verwesung ziehen mich ohnehin an und gepaart mit einer klaren Gothic-Ästhetik war das Buchfür mich ein Muss. Auch optisch war ich sofort verliebt: Ich konnte mich lange nicht entscheiden, ob mir das UK- oder US-Cover besser gefällt. Mit dieser Entscheidung haderte ich so lange, bis plötzlich die deutsche Ausgabe angekündigt wurde. Der dunkle Grünton ist absolute Perfektion, auch wenn der Farbschnitt für meinen Geschmack nicht ganz zum restlichen Vibe von Cover und Geschichte passt.
Atmosphärisch hat mich das Buch von Anfang an abgeholt. Fernglove Manor ist ein klassisches Gothic-Setting: prachtvoll, unheimlich und voller Geheimnisse, die sich nur langsam offenbaren. Der Kontrast zwischen äußerer Schönheit und innerem Verfall funktioniert hervorragend und trägt die gesamte Stimmung. Die Welt fühlt sich durchgehend durchdacht an, ohne überladen zu wirken, und die Bedrohung schwebt konstant wie ein Schatten über der Handlung.
Besonders gelungen fand ich das Magiesystem, das nicht nur originell ist, sondern auch emotional greift. Zum Heilen muss immer ein Stück der eigenen Lebensenergie geopfert werden, was stets meine präferierte Konsequenz für Heilende ist. Die Hauptfigur Edira überzeugt dabie als ruhige, selbstlose Protagonistin, deren Handlungen konsequent von familiärer Verantwortung geprägt sind. Diese starke Bindung an ihre Brüder bildet das emotionale Rückgrat der Geschichte und gibt ihren Entscheidungen Gewicht. Auch die restlichen Charaktere sind gut ausgearbeitet; selbst Figuren, denen man nicht trauen möchte, bleiben faszinierend und vielschichtig.
Der Romanceanteil mit dem Liebeseck fügt sich organisch in die Handlung ein, verstärkt bestehende Konflikte und trägt zur Spannung bei, statt sie auszubremsen. Zum Ende hin zieht das Tempo deutlich an, die Wendungen greifen ineinander, und der Plot entwickelt eine Sogwirkung, der ich mich kaum entziehen konnte.
Ein deutlicher Minuspunkt ist allerdings leider die Übersetzung. Nicht alle Begriffe wurden ins Deutsche übertragen; wiederkehrende englische Wörter wie Threadmender reißen brutal aus dem Lesefluss und wirken inkonsequent. Das ist besonders schade, weil der Stil ansonsten angenehm leicht, aber sichtbar sorgfältig geschrieben ist.
Fazit: House of Blight ist ein atmosphärisch dichter Gothic-Fantasy-Auftakt mit starkem Worldbuilding, einer überzeugenden Protagonistin und einem überraschend gut integrierten Love Triangle. Trotz kleiner Schwächen in der Übersetzung ein sehr gelungener erster Band, der große Erwartungen an den zweiten weckt.