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Kobina

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.11.2025

Bitte einmal in Adult

Bitten
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Verliebt habe ich mich damals in das wunderschöne lila Cover der deutschen Ausgabe. Die Tatsache, dass es um Werwölfe geht, hat mich neugierig gemacht und so informierte ich mich vorab über das Buch; vielleicht ...

Verliebt habe ich mich damals in das wunderschöne lila Cover der deutschen Ausgabe. Die Tatsache, dass es um Werwölfe geht, hat mich neugierig gemacht und so informierte ich mich vorab über das Buch; vielleicht hätte ich das besesr nicht getan.
Denn zumindest im englischen Bereich wird „Bitten“ als YA-Fantasy verkauft. Und das trifft es leider absolut nicht. Der Inhalt wirkt deutlich erwachsener, düsterer und expliziter, als es das Label vermuten lässt. Gore, sexualisierte Anspielungen, Sprache, Themen: Alles schreit nach 18+, während die Protagonistin mit ihren 17 Jahren mitten in Szenen steckt, die sich für ein Jugendbuch einfach falsch anfühlen. Für ein Publikum ab 14 ist das definitiv fehl am Platz.

Die Grundidee hat Potenzial: Vanessa wird nach dem Mord an ihrer besten Freundin von einem Werwolf gebissen und landet in einer brutalen, hierarchischen Wolfsgesellschaft voller Regeln, Intrigen und Machtspielchen. Murder-Mystery, Hofdynamik, dunkles Setting – eigentlich viel Stoff für eine spannende Dark Fantasy. Nur weiß das Buch nicht so recht, was es sein will. YA? Romance? Highschool-Drama? Dark Fantasy? Von allem ein bisschen, aber nichts davon ausgearbeitet.

Der Mittelteil verliert sich in Teenie-Zickereien und Eifersuchtsszenen, während der Mordplot nebenbei verpufft. Die Welt wirkt gleichzeitig überfrachtet und unterentwickelt, Informationen werden einfach hingeworfen. Vanessa selbst wirkt nach der Verwandlung wie ein neuer Mensch – weniger Weiterentwicklung, mehr kompletter Charakter-Umbau.

Unterm Strich: „Bitten“ steckt voller guter Ansätze, scheitert aber an Ton, Zielgruppendefinition und strukturellem Chaos. Wären die Figuren älter, das Genre klarer und der Highschool-Ballast konsequenter gestrichen, hätte daraus eine richtig starke Dark-Fantasy-Geschichte werden können. So bleibt es ein wilder Genre-Mix, der mehr verspricht, als er hält.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Love? Not the point. Trauma? Unfortunately yes

Lost Girls − Breathing for the First Time
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Als ich das erste Mal von „Lost Girls - Breathing for the first time“ (erster Band einer Dilogie) hörte, dachte ich, es handle sich um eine Romance, die ernste Themen aufarbeitet. Das stimmt nur teilweise; ...

Als ich das erste Mal von „Lost Girls - Breathing for the first time“ (erster Band einer Dilogie) hörte, dachte ich, es handle sich um eine Romance, die ernste Themen aufarbeitet. Das stimmt nur teilweise; eher ist es ein Roman, der HAUPTSÄCHLICH schwere, realistische Themen behandelt und AUSSERDEM eine Romanze enthält. Die Liebesgeschichte zwischen Darcy und Ellis nimmt zwar ihren Raum ein, steht aber eindeutig nicht im Mittelpunkt.

In eben jenem steht vielmehr Darcys Geschichte: Eine junge Frau, die an ihren narzisstischen Exmann gebunden ist und verzweifelt versucht, sich aus dieser toxischen Beziehung zu lösen.

Beim Hören hatte ich regelmäßig einen Kloß im Hals oder musste mich zusammenreißen, nicht vor Wut zu weinen – besonders wegen dieses leider sehr realistischen Endes. Klar, einiges ist ein bisschen überzeichnet, immerhin ist Darcys Exmann ein Profi-Footballer und damit weit weg vom Durchschnittsmenschen. Emotional funktioniert es aber trotzdem. Man fragt sich ständig, wie man selbst reagiert hätte und ob man klüger (oder dümmer) gewesen wäre als Darcy. Die Paranoia, die sie sich (zu recht) angeeignet hat, nimmt einen selbst mit. Definitiv nicht empfehlenswert, wenn einem die eigene Anxiety aktuell ohnehin zusetzt!

Ein riesiger Pluspunkt ist beim Hörbuch die unglaubliche Sprecherleistung von Dagmar Bittner. Sie trifft jede Stimme, jeden Unterton, jede Gefühlsregung perfekt und selbst unsere heisere Protagonistin wirkt absolut echt.

Insgesamt eine klare Empfehlung, wenn man sich einmal in die Lage einer Frau versetzen möchte, die in einer gewalttätigen Beziehung feststeckt.
Und wie schwer, kompliziert und emotional zerrissen der Weg hinaus wirklich sein kann.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

House of the Beast

House of the Beast
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Ich gebe es zu: An diesem Buch bin ich sehr lange einfach vorbeigescrollt, weil ich dachte, es wäre die nächste generische Heten-Romantasy. Weit gefehlt! "House of the Beast" ist alles andere als das. ...

Ich gebe es zu: An diesem Buch bin ich sehr lange einfach vorbeigescrollt, weil ich dachte, es wäre die nächste generische Heten-Romantasy. Weit gefehlt! "House of the Beast" ist alles andere als das. Die Romance-Anteile sind so minimal, dass man sie fast übersehen könnte. Mich persönlich hat das absolut nicht gestört, könnte aber gerade bei Cover- und Klappentextkaufenden auf wenig Gegenliebe stoßen. Statt der suggerierten Romantasy bekommt man hier richtig dichte, erwachsene Fantasy mit deutlichen Horror-Elementen – ein Mix, den ich liebe und der hier einfach perfekt funktioniert. Außerdem problematisch in der deutschen Vermarktung: Es wurde komplett verschwiegen, dass die Autorin Michelle Wong die Illustratorin von "The Legend of Korra" ist. Und das ist nicht gerade eine kleine Randnotiz! Vor allem, weil im Buch selbst auch einige ihrer Illustrationen vorkommen – wunderschön, atmosphärisch und genau der richtige Touch, um die düstere Welt noch greifbarer zu machen. Besagte Welt ist überhaupt eines der großen Highlights. Ungewohnt, brutal, ästhetisch – sie fühlt sich roh und echt an, ohne jemals ins Übertriebene zu kippen. Genauso gelungen: Die Charakterarbeit. Wir begleiten die Protagonistin von der Geburt ihres Hasses bis zu dem Punkt, an dem sie versucht, ihn wieder loszuwerden. Ihre Entwicklung ist nachvollziehbar, schmerzhaft und extrem gut geschrieben. Auch die Nebenfiguren haben klare, überzeugende Standpunkte. Natürlich kann in einem Einzelband nicht jeder so ausgiebig beleuchtet werden wie die Hauptfigur, aber die Seiten, die den Nebencharakteren gewidmet waren, wurden sehr gut genutzt. "House of the Beast" ist düstere, klug erzählte Fantasy mit einer starken Hauptfigur, wunderschönem Worldbuilding und Horror-Flair, das unter die Haut geht. Und falls Michelle Wong jemals ein Spin-Off mit zwei der Nebencharaktere (;)) schreibt – ich bin sowas von dabei.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Aua, aua, aua

Remnants of Filth. Buch 1
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Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet – und dann hat mich dieses Buch einfach komplett überfahren. Emotional. Psychisch. Literarisch. Ich bin reingegangen, ohne vorher irgendwas von Rou Bao ...

Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet – und dann hat mich dieses Buch einfach komplett überfahren. Emotional. Psychisch. Literarisch. Ich bin reingegangen, ohne vorher irgendwas von Rou Bao Bu Chi Rou gelesen zu haben, und kam raus wie ein nasses Taschentuch. Dieses Buch ist pure Tragödie in Romanform, aber auf die richtig gute, süchtig machende Weise. Wenn Leiden olympisch wäre, Mo Xi hätte Gold, Silber und Bronze abgeräumt. Und ich hätte ihm dabei stehend applaudiert.

Die Autorin hat ein Talent dafür, Figuren zu erschaffen, die einen gleichzeitig in den Arm nehmen und das Herz rausreißen. Mo Xi ist so stoisch, so kontrolliert, dass es doppelt wehtut, wenn die Fassade bröckelt. Gu Mang dagegen ist das pure Gegenteil: charmant, witzig, lebensfroh – und trotzdem so gebrochen, dass man gar nicht weiß, ob man ihn schütteln oder beschützen will. Zwischen den beiden knistert es nicht einfach, es brennt, leise und langsam, bis man merkt, dass man selbst schon in Flammen steht.

Ich hab die Hälfte des Buches mit einem Dauerklumpen im Hals gelesen, und trotzdem konnte ich nicht aufhören. Die Intrigen, das Setting, die moralischen Grauzonen – alles fühlt sich so dicht und groß an, dass man fast vergisst, dass das nur der erste Band ist. Und obwohl ich regelmäßig dachte „Ich kann nicht mehr“, hab ich mich gleichzeitig dabei erwischt, wie ich jeden Satz inhaliert habe.

Kurz gesagt: Remnants of Filth ist eine emotionale Zerreißprobe mit maximalem Suchtfaktor. Ich hab gelitten, ja – aber auf die beste Weise.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Farblos anstelle tiefer Dunkelheit

House of Rayne
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Mit einer sapphic Horrormance samt BDSM-Anteilen hat man bei mir eigentlich leichtes Spiel – aber "House of Rayne" hat es trotzdem irgendwie vergeigt. Das Buch war einfach… maximal mid.

Richtig Spannung ...

Mit einer sapphic Horrormance samt BDSM-Anteilen hat man bei mir eigentlich leichtes Spiel – aber "House of Rayne" hat es trotzdem irgendwie vergeigt. Das Buch war einfach… maximal mid.

Richtig Spannung kam nie auf, weil alles viel zu vorhersehbar war. Vielleicht lag’s natürlich auch am Verlag, der sich damit rühmt, nur Bücher mit Happy Ends zu veröffentlichen. Aber wenn man von Anfang an weiß, dass beide Hauptcharakterinnen überleben, fehlt dem Ganzen einfach der Nervenkitzel. Jedes Mal, wenn irgendwie Gefahr aufkam, war es ein "Ja, whatever, ihr überlebt sowieso" und das tut einem solchen Buch wirklich nicht gut, das von dieser Spannung gelebt hätte.
Das besagte Happy End war dann auch wirklich übertrieben happy. Inklusive einem Epilog, der sich eher wie ein Fiebertraum gelesen hat als wie der Abschluss einer Horrormance.

Auch atmosphärisch wurde viel verschenkt. Es sollte düster und gothisch sein, unter anderem mit einem alten Herrenhaus voller Geheimnisse – stattdessen blieb gerade das namensgebende "House of Rayne" erstaunlich leblos. Die Kulisse hätte so viel mehr hergegeben. Gleiches gilt für das eigentliche Monster, dem "Engel", dessen Auflösung so vorhersehbar war, dass man sich unweigerlich fragt, warum Rayne das Ganze nicht schon vor Jahren geregelt hat.

Die Liebesgeschichte konnte das leider auch nicht retten. Die Insta-Love zwischen den beiden Protagonistinnen fühlte sich überhastet an – Liebe auf den ersten Blick, sofortige Lebensopfer, null Aufbau. Oh, und die besagten BDSM-Anteile waren ähnlich vanilla wie es auch schon in "Deep End" von Ali Hazelwood der Fall gewesen ist. Bei Büchern, wo bereits auf dem Klappentext die etwas dunklere Art von Sinnlichkeit anhintet wird, erwarte ich dann aber doch deutlich mehr.

Der Schreibstil von Laroux, war wenig auffallend; weder gab es sonderlich positive, noch negative Stellen zu vermerken. Aber immerhin kann ich Pluspunkte für die glaubhafte Darstellung von Angststörungen vergeben, die sich sensibel und echt anfühlte.
(Möchte man das Buch trotz meiner eher negativen Rezension lesen, würde ich übrigens die Halloweenzeit empfehlen, da es auch genau dort gesettet ist.)

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