Bitte einmal in Adult
BittenVerliebt habe ich mich damals in das wunderschöne lila Cover der deutschen Ausgabe. Die Tatsache, dass es um Werwölfe geht, hat mich neugierig gemacht und so informierte ich mich vorab über das Buch; vielleicht ...
Verliebt habe ich mich damals in das wunderschöne lila Cover der deutschen Ausgabe. Die Tatsache, dass es um Werwölfe geht, hat mich neugierig gemacht und so informierte ich mich vorab über das Buch; vielleicht hätte ich das besesr nicht getan.
Denn zumindest im englischen Bereich wird „Bitten“ als YA-Fantasy verkauft. Und das trifft es leider absolut nicht. Der Inhalt wirkt deutlich erwachsener, düsterer und expliziter, als es das Label vermuten lässt. Gore, sexualisierte Anspielungen, Sprache, Themen: Alles schreit nach 18+, während die Protagonistin mit ihren 17 Jahren mitten in Szenen steckt, die sich für ein Jugendbuch einfach falsch anfühlen. Für ein Publikum ab 14 ist das definitiv fehl am Platz.
Die Grundidee hat Potenzial: Vanessa wird nach dem Mord an ihrer besten Freundin von einem Werwolf gebissen und landet in einer brutalen, hierarchischen Wolfsgesellschaft voller Regeln, Intrigen und Machtspielchen. Murder-Mystery, Hofdynamik, dunkles Setting – eigentlich viel Stoff für eine spannende Dark Fantasy. Nur weiß das Buch nicht so recht, was es sein will. YA? Romance? Highschool-Drama? Dark Fantasy? Von allem ein bisschen, aber nichts davon ausgearbeitet.
Der Mittelteil verliert sich in Teenie-Zickereien und Eifersuchtsszenen, während der Mordplot nebenbei verpufft. Die Welt wirkt gleichzeitig überfrachtet und unterentwickelt, Informationen werden einfach hingeworfen. Vanessa selbst wirkt nach der Verwandlung wie ein neuer Mensch – weniger Weiterentwicklung, mehr kompletter Charakter-Umbau.
Unterm Strich: „Bitten“ steckt voller guter Ansätze, scheitert aber an Ton, Zielgruppendefinition und strukturellem Chaos. Wären die Figuren älter, das Genre klarer und der Highschool-Ballast konsequenter gestrichen, hätte daraus eine richtig starke Dark-Fantasy-Geschichte werden können. So bleibt es ein wilder Genre-Mix, der mehr verspricht, als er hält.