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Veröffentlicht am 21.03.2020

Interessante Einblicke in ausgewählte Cold-Case-Fälle aus der jüngsten Vergangenheit

Blut schweigt niemals
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Eine junge Frau wird in der Innenstadt von Aschaffenburg ihrem eigenen Pkw entführt und in ein naheliegendes Waldstück gebracht. Mehrfach vergewaltigt sie ihr Peiniger und sticht mit einem Schraubenzieher ...

Eine junge Frau wird in der Innenstadt von Aschaffenburg ihrem eigenen Pkw entführt und in ein naheliegendes Waldstück gebracht. Mehrfach vergewaltigt sie ihr Peiniger und sticht mit einem Schraubenzieher auf sie ein. Nur dem Instinkt, sich tot zustellen, verdankt sie es, dass sie sich retten kann. Mehr als 30 Jahre dauert es, bis eine eigens dafür ins Leben gerufene Gruppe von Spezialisten die Ermittlungen erneut aufnimmt und auf die Spur des Täters kommt. Ein Cold Case Fall, wie es viele gibt und deren Aufklärung nur gelingt, weil neue Verfahren zur Bewertung vorhandener Spuren vorhanden sind oder weitere Hinweise zu den verübten Straftaten bei den Polizeidienststellen eingehen.

Einer der bekanntesten Fälle in Stephan Harborts Buch mit dem Titel „Blut schweigt niemals“ ist der von Peggy Knobloch. Die neunjährige Schülerin aus dem oberfränkischen Lichtenberg hatte am 07. Mai 2001 das Schulhaus verlassen und wurde einige Zeit später gesehen, wie sie in ein rotes Auto stieg. Von da an fehlt jede Spur von dem Mädchen. Umfangreiche Ermittlungen wurden angestellt, Verdächtige verhört und Nachbarn befragt. Unter ihnen auch ein geistig behinderter Jugendlicher, der irgendwann die Tat gestand, sie aber widerrief und trotzdem verurteilt wurde. Doch er war es nicht und kam nach 10 Jahren Haft wieder frei. Der Fall Peggy Knobloch ist bis heute ungelöst.

Etwa 96 Prozent aller bekanntgewordenen Morde werden aufgeklärt. Eine gute Bilanz und doch gibt es circa 4 Prozent, bei denen die Verfahren vorläufig eingestellt werden, da ein Täter nicht ermittelt werden kann. Über diese Fälle, über Irrtümer von Sachverständigen und falsche Schlussfolgerungen von Ermittlern, über Wiederaufnahmeverfahren und die Neubewertung von Spuren schreibt Stephan Harbort, der als Experte für Serienmorde und Täterprofile gilt. Aber auch die umfangreichen Tätigkeitsfelder von operativen Fallanalytikern und Cold-Case-Teams stellt er seinen Lesern vor, denen die Aufgabe einer Bewertung von sogenannten Altfällen oder Cold Cases zufällt. Mit einer sachlichen und gut verständlichen Berichterstattung geht er dabei vor und scheut sich nicht neben eigenen Schlussfolgerungen auch kritische Anmerkungen einzustreuen.

Fazit und Bewertung:
Stephan Harbort bietet interessante Einblicke in ausgewählte Cold-Case-Fälle aus der jüngsten Vergangenheit. Ausführlich und spannend erzählt, wirft er einen Blick hinter die Kulissen und stellt neben der eigentlichen Tat, die jahrelangen Bemühen diese aufzuklären, in den Mittelpunkt. Um interessante Statistiken ergänzt, ist dieses Buch ein Must-have für alle Krimifans.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 17.03.2020

Ein amüsanter Krimi mit kauzigen Figuren und einer sympathischen Hobbydetektivin

Bergab geht's tot am schnellsten
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Die Pianistin Henni von Kerchenstein fährt mit zwei Freundinnen und ihrem Kater Walter von Stolzing in die Schweizer Berge, wo die gut betuchte Witwe eines Filmstars den 100. Geburtstag ihres verstorbenen ...

Die Pianistin Henni von Kerchenstein fährt mit zwei Freundinnen und ihrem Kater Walter von Stolzing in die Schweizer Berge, wo die gut betuchte Witwe eines Filmstars den 100. Geburtstag ihres verstorbenen Gatten feiern will. Mit ihrer Klarinette im Gepäck hofft sie auf einen netten Kurzurlaub und eine Gage, die ihre unbequemen Steuerschulden schmelzen lässt. Doch schon am zweiten Abend kommt es zum Eklat. Während draußen ein Schneesturm wütet, streiten sich Gäste und Gastgeberin und am nächsten Morgen ist einer von ihnen tot. Henni, die bereits schon einige Erfahrungen als Hobbydetektivin gesammelt hat, nimmt sich des Falles an und gerät prompt in eine missliche Lage hinein.

„Bergab geht’s tot am schnellsten“ ist ein uriger Regionalkrimi, der mit einer sympathischen Hauptfigur, ihrem singenden Kater und mehreren, hinterhältig verübten Morden kurzweilig unterhält. Allerdings dauert es einige Zeit, bis die Beteiligten vorgestellt werden, der Schneesturm seinen Höhepunkt erreicht und der erste Tote gefunden wird. Dann aber geht es ganz flott und Henni, die inzwischen einige Missgeschicke gemeistert und die Herzen der schrulligen Gäste erobert hat, folgt der Spur eines Mörders, der kreuzgefährlich ist. Zum Glück aber hat sie mit dem hölzernen Unterkommissar Armin Huber einen cleveren Fachmann an ihrer Seite, während auch ihr eigensinniger Kater Walter ganz genau weiß, wann sein Frauchen Hilfe braucht.

Voll gepackt mit kauzigen Figuren, lustigen Szenen und verbrecherischen Machenschaften gelingt es dem zweiten Fall der adligen Pianistin Henriette Sophie von Kerchenstein, die von ihren Freunden Henni genannt wird, seine Leser geschickt an der Nase herumzuführen. Immer, wenn er glaubt, zu wissen, wer der Mörder ist, gibt es einen weiteren Toten und die vorhandenen Spuren und Verdächtigen mischen sich neu. Ein Handlungsverlauf, der clever erdacht worden ist und mit einer ordentlichen Portion Humor und einer spürbaren Liebe zu Land und Leute aufwarten kann. Wie auch mit einer Hobbydetektivin, die ungemein liebenswert ist und mit ihrer fast schon als naiv zu bezeichnende Unbekümmertheit der amüsant erzählten Kriminalgeschichte die richtige Würze verleiht.

Fazit und Bewertung:
Ein amüsanter Krimi, der sich wunderbar kurzweilig liest und nach einem ruhigen Beginn ordentlich Fahrt aufnimmt.

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Veröffentlicht am 13.03.2020

Ein spannender erster Teil, der in brennende Herzen und tiefe Abgründe blicken lässt.

Following You
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„Flieh, solange du es noch kannst.“

Die 19-jährige Viktoria wohnt in einem Käfig, den ihr millionenschwerer Vater für sie geschaffen hat. Sie darf abends nicht alleine auf die Straße, lebt in einem hochgesicherten ...

„Flieh, solange du es noch kannst.“

Die 19-jährige Viktoria wohnt in einem Käfig, den ihr millionenschwerer Vater für sie geschaffen hat. Sie darf abends nicht alleine auf die Straße, lebt in einem hochgesicherten Haus und hat einen Bodyguard, der sie bewacht. Doch als Viktoria mit ihrer Freundin Leonie eine Party besuchen will, schüttelt sie den Leibwächter kurzerhand ab und begibt sich damit in ungeahnte Gefahr hinein. Denn der gut aussehende Typ, der ihr von nun an folgt, hat mehr auf dem Kerbholz, als nur die Düsternis, die ihn umgibt.

„Following you“ ist der erste Teil der neuen Dark Romance Reihe von Mika D. Mon, der aus zwei Perspektiven heraus, über die Faszination einer verbotenen Liebe erzählt. Da ist zum einen Viktoria, die keinerlei Erfahrungen in Liebesdingen besitzt und sich Hals über Kopf in einen charismatischen Fremden verliebt. Zum anderen spielt Seth eine große Rolle, der auf der anderen Seite der Gesellschaft zu Hause ist und sein Geld mit verbrecherischen Machenschaften verdient. Zwei völlig gegensätzliche Menschen, die aufeinandertreffen und sich von Gefühlen leiten lassen, die nicht gut für sie ist.

Das Autorenduo Mika D. Mon versteht es, fesselnd zu erzählen und seine Leser von der ersten Seite an tief in das Geschehen zu ziehen. Dadurch lebt und leidet der Leser mit den Figuren regelrecht mit, ist besorgt und entsetzt, will helfen und kann nichts tun und hofft, das am Ende alles gut ausgeht. Denn anstatt eine romantische Liebesgeschichte darzubieten, die von düsteren Begleiterscheinungen umgeben ist, geht es in dem Dark Romance Roman wie in einem Thriller zu. Starke Gefühlen und Verbrechen werden kombiniert und ergeben eine explosive Mischung, die unheilvoll und bedrohlich ist.

Fazit und Bewertung:
Ein spannender erster Teil, der in brennende Herzen und tiefe Abgründe blicken lässt.

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Veröffentlicht am 08.03.2020

Ein Pageturner mit authentischen Figuren

Liebe mich, töte mich
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Man liebt nur einen Menschen wirklich und das sein ganzes Leben lang. Das hatte Geos Vater immer gesagt, wenn sie ihn gefragt hat, warum er nach dem Tod ihrer Mutter nie wieder geheiratet hat. Inzwischen ...

Man liebt nur einen Menschen wirklich und das sein ganzes Leben lang. Das hatte Geos Vater immer gesagt, wenn sie ihn gefragt hat, warum er nach dem Tod ihrer Mutter nie wieder geheiratet hat. Inzwischen nun ist Geo selbst verliebt und versteht, warum es für jeden Menschen nur die eine große Liebe gibt. Doch anstatt mit dem etwas älteren und verdammt gutaussehenden Calvin glücklich zu sein, passiert etwas, das ihre junge Beziehung zerstört. Nach einer gemeinsamen Party kehrt Geos beste Freundin Angela nicht nach Hause zurück und nur sie und Calvin wissen, was in der verhängnisvollen Nacht mit ihr geschehen ist.

Vierzehn Jahre danach, Geo hat sich inzwischen als erfolgreiche Geschäftsfrau etabliert, taucht im Wald die vergrabene und zerstückelte Leiche ihrer Freundin auf. Schon nach ersten Ermittlungen steht fest, dass Geos einstiger Freund Calvin ihr Mörder ist. Hinzu kommt, dass es weitere, auf dieselbe Art getötete Frauen gibt und der Mörder an jedem Tatort eine Botschaft hinterlässt, die an Geo gerichtet ist.

„Liebe mich, töte mich“ ist ein düsterer Thriller, der neben einer Reihe an Verbrechen über eine verhängnisvolle Liebe erzählt. Dadurch nimmt er den Leser auf eine Reise mit, die emotional bewegend ist und die er so schnell wieder vergessen wird. Denn nicht etwa die Ereignisse rund um ein verschwundenes Mädchen und die Suche nach ihr sind es, die ihm zusetzen werden, sondern es ist eher die Frage, wie eine junge Frau jahrelang mit einer schweren Schuld auf ihrer Seele leben kann, ohne daran zu zerbrechen. Und das, obwohl sie nicht das typische Ungeheuer ist, sondern im Gegenteil über viele sympathische Seiten verfügt.

Der Schreibstil der kanadischen Autorin Jennifer Hillier ist angenehm lebendig und katapultiert den Leser mitten in das Geschehen hinein. Dabei erfährt er direkt aus Geos Sicht, was einst nach einer Party Verhängnisvolles geschehen ist und wie sie mit den Folgen umzugehen versucht. Ein spannender und erschreckender Einblick, der Geo als zwiespältige Figur präsentiert, die einerseits als unbeschwerte Jugendliche in die Fänge eines Monsters gerät, zum anderen als reife Frau endlich die Verantwortung für ihre Taten übernimmt. Aber ganz so einfach, wie es klingt, ist es nicht. Denn Geos Rolle in dem undurchsichtigen Geflecht aus Wahrheiten und Lügen wird im Verlaufe der Handlung immer wieder neu definiert, da es immense Zweifel an der Abfolge der damaligen Ereignisse gibt.

Fazit:
Superspannend präsentiert sich die Suche nach der Wahrheit, wobei es anfangs auch kleine Flauten gibt, die im späteren Verlauf aber schnell vergessen sind. Ein Pageturner mit authentischen Figuren, der zu fesseln versteht.

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Veröffentlicht am 29.02.2020

Ein gekonnt in Szene gesetztes und geschickt arrangiertes Verwirrspiel

Das Gerücht
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Niemand möchte, dass eine Kindermörderin in seiner Nähe wohnt. Auch Joanna nicht, die mit ihrem Sohn Alfie in die Stadt ihrer Kindheit zieht, um der Mutter nahe zu sein. Doch kaum hat sie sich in dem kleinen ...

Niemand möchte, dass eine Kindermörderin in seiner Nähe wohnt. Auch Joanna nicht, die mit ihrem Sohn Alfie in die Stadt ihrer Kindheit zieht, um der Mutter nahe zu sein. Doch kaum hat sie sich in dem kleinen Küstenort eingelebt, erfährt sie, dass eine Kindermörderin unter den Bewohnern ist. Eine Frau, die im Alter von zehn Jahren ihren Spielkameraden mit einem Stich ins Herz getötet hat. Inzwischen nun befindet sie sich in einem Zeugenschutzprogramm und niemand weiß, wer sie ist. Joanna, die sich unter den Müttern in Alfies Schule erst noch profilieren muss, greift das Gerücht dankbar auf und liefert einen ersten Verdacht. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen wird. Denn der Stein, den Joanna damit ins Rollen bringt, stürzt auch sie in ein verheerendes Desaster hinein.

„Das Gerücht“ ist ein Roman mit einer Handlung, die aus dem Leben gegriffen ist und durch ihren undurchsichtigen und wendungsreichen Verlauf spannend unterhält. Dabei ist es vor allem die Frage, ob dem Gerücht Glauben geschenkt werden kann, die Bewohner und Hörer gleichermaßen bewegt, während alle rätseln, wer denn nun hinter der vermeintlichen Kindermörderin steckt. Immer wieder werden neue Vermutungen angestellt, Fotos verglichen und Informationen im Internet gesucht. Und als dann auch noch ein Reporter in der Stadt auftaucht, der seine Nase in ihre Angelegenheiten steckt, spitzt sich die Situation merklich zu. Eine verhängnisvolle Entwicklung, die von Lesley Kara mit einem untrüglichen Gespür für menschliche Verhaltensweisen geschildert wird und mit einem Erzählstil, der tief in die verhängnisvollen Geschehnisse eintauchen lässt.

Julia Nachtmann als Sprecherin für die Umsetzung zum Hörbuch ist eine ausgezeichnete Wahl. Mit einer stimmungsvollen Lesung und dem Talent, die Charaktere mitsamt ihren Eigenheiten hörbar voneinander abzugrenzen, verleiht sie der Geschichte den letzten Schliff. Dadurch ist ein spannendes Hörerlebnis garantiert, bei dem kräftig mitgeraten, mitgefiebert und mitgesucht werden kann. Und das, bis ganz zum Schluss. Denn egal, wie sehr sich Joanna nach ihrem Fauxpas auch um eine Richtigstellung des von ihr ins Leben gesetzten Gerüchtes und einer damit verbundenen Wahrheitssuche bemüht, der Schaden ist angerichtet und die Klärung braucht seine Zeit.

Fazit und Bewertung:
Ein gekonnt in Szene gesetztes und geschickt arrangiertes Verwirrspiel um den Verbleib einer Kindermörderin und die fatalen Folgen eines damit verbundenen Gerüchts. Ein fesselndes Hörerlebnis vor allem für Fans subtiler Geschichten.

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