Profilbild von Krissi

Krissi

Lesejury Profi
offline

Krissi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Krissi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.11.2025

Exzentrisch, humorvoll, empowerend!

This isn't happiness
0

Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen, weil hier wie sonst sehr selten eine langjährige Beziehung im Fokus steht; tatsächlich rückt hier aber so viel Wichtigeres im Mittelpunkt!
Bei Protagonist*innen ...

Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen, weil hier wie sonst sehr selten eine langjährige Beziehung im Fokus steht; tatsächlich rückt hier aber so viel Wichtigeres im Mittelpunkt!
Bei Protagonist*innen Amy und Josh läuft nicht mehr viel, und das, obwohl sie schon lange zusammen und sogar verlobt sind. Als die Hochzeit dann plötzlich schneller als erwartet geplant werden muss, beginnt Amy ganz langsam, nicht nur ihre mangelnde Schlafzimmeraction in der Beziehung zu hinterfragen - was ihr nur mit der Unterstützung einiger ungewöhnlicher Begleiterinnen gelingt...
Amy ist eine richtig coole Frau, doch wir merken als Lesende schnell, dass sie fast all das in ihrer Beziehung zurückstellt. Direkt zu Beginn gibt es einige Situationen mit unterschiedlichen Personen, die sehr frustrierend sind, weil Amy massiv bevormundet wird und keinen Rückhalt erhält. Diese frustrierenden Begegnungen, mitunter mit den wichtigsten Personen in ihrem Leben, ziehen sich durch das ganze Buch; erst eine neue Unbekannte scheint Amys Denken und Handeln auf den Kopf zu stellen und sie in eine neue Richtung zu pushen, was eine Kettenreaktion von Entscheidungen hervorruft.
Wie inzwischen von Pola-Büchern gewohnt, fährt "This isn't happiness" exzentrisch auf, Charaktere und Handlungsstränge wirken vor allem gegen Ende überzeichnet, was meiner Meinung nach ein richtig cooles Stilmittel ist, um Amys bisheriges Leben zu kontrastieren. Dieser wilde Humor hat richtig Spaß gemacht! Wie so oft im Leben hat auch dieses Buch gezeigt: Frauen sind so viel stärker, wenn sie miteinander sprechen und zusammenarbeiten. Und Liebesbeziehungen sind bei weitem nicht die wichtigste Art von Beziehungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 26.11.2025

Coming of Age in Schweden

Beste Zeiten
0

Über Jenny Mustards ersten Roman habe ich schon einiges Gutes gehört, und als ich dann die Chance bekam, "Beste Zeiten" zu lesen, habe ich sie ergriffen. Ein Coming-of-Age Roman in Schweden, der von Identität, ...

Über Jenny Mustards ersten Roman habe ich schon einiges Gutes gehört, und als ich dann die Chance bekam, "Beste Zeiten" zu lesen, habe ich sie ergriffen. Ein Coming-of-Age Roman in Schweden, der von Identität, Zugehörigkeit, Kindheit und Beziehungen erzählt; begleitet von einer unterschwelligen, allgegenwärtigen Melancholie, die diesem Genre die passende Stimmung verleiht.
Sickan studiert seit einem Jahr Stockholm, macht hier typische Studi-Erfahrungen, und will vor allem eines sein: nicht mehr die, die sie in ihrer Kindheit und Jugend war. Während wir die Protagonistin in der Gegenwart dabei begleiten, Freundschaften zu schließen, sich auf Beziehungen einzulassen und gleichzeitig ihrem Anspruch im Studium gerecht zu werden, erfahren wir vor allem in Rückblenden, warum sich Sickan so sehr von ihrer Familie und ihrer Kindheit lösen will. Ihre Art, die ich in einigen Rezensionen als flache Charakterbeschreibung bezeichnet gelesen habe, ist für mich eher die Kombination aus Heranwachsen und Identitätsbildung mit einer eher angedeuteten möglichen Neurosivergenz. Sickan ist uns als Leserinnen nicht immer sympathisch - aber das fängt für mich genau diese Lebensphase so treffend ein; sie will dazugehören und gleichzeitig eigene Prinzipien bilden, sie will an Liebe glauben und kennt gleichzeitig große Enttäuschung.
Für mich wirklich ein gelungener Roman, bei dem ich mir aber gut vorstellen kann, dass er nicht für jede
n etwas ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.11.2025

Terry Pratchett macht einfach richtig Spaß!

Gevatter Tod
0

Nachdem ich mich ein bisschen in Pratchetts Scheibenwelt-Universum reingefuchst habe, war recht schnell klar, dass ich mir als erstes die Tod-Reihe vornehmen will; die Figur des Todes hat mir in den ersten ...

Nachdem ich mich ein bisschen in Pratchetts Scheibenwelt-Universum reingefuchst habe, war recht schnell klar, dass ich mir als erstes die Tod-Reihe vornehmen will; die Figur des Todes hat mir in den ersten zwei Büchern so gut gefallen, weil sie die Ambiguität aus Stereotypen und dem Gegenteil davon auf sehr witzige Weise verkörpert.
In "Mort" ("Gevatter Tod") ist jedoch eher eine andere Person zentral: der gleichnamige Mort, ein Junge, der nirgendwo eine Lehrstelle bekommt, außer eben beim Tod höchstpersönlich. Dafür kommt er mit in dessen Reich, lernt hier einige menschliche und auch nicht so ganz menschliche Gefährten des Tods kennen und die Kunst des Seelen-ins-Jenseits-begleiten. Das birgt für einen Menschen natürlich die Gefahr, dass seine Empathie ihm einen Strich durch die Rechnung macht, und bam, hat er auch schon das Raum-Zeit-Kontinuum außer Kraft gesetzt...
Ich bleibe dabei, dass Terry Pratchett ein herausragender Schriftsteller war und man jedes seiner Bücher vermutlich mindestens dreimal lesen könnte, um alle versteckten Witze, Andeutungen und Mehrdeutigkeiten zu verstehen. Auch die Idee, dem Tod einen sehr gewöhnlichen, menschlichen Lehrling zur Seite zu stellen, war wieder die Art von Fantasy, die ich sehr feiere. Ich hätte mir ein bisschen mehr Szenen mit der Figur des Todes gewünscht, dennoch hat das meinem Leseerlebnis kaum Abbruch getan. Ich kann Pratchett jedem:r empfehlen, der pure Fantasy mit viel Witz/ Satire und ausgeklügelter Sprache liebt. Ich freu mich schon auf den nächsten Teil!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.11.2025

Wichtig, innovativ, bissig!

Witches, Bitches, It-Girls
0

Nach einer wirklich sehr coolen Lesung, die nicht nur informativ, sondern auch witzig war, hab ich mich sehr auf Rebekka Endlers Buch gefreut. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch hat es mich gleichermaßen ...

Nach einer wirklich sehr coolen Lesung, die nicht nur informativ, sondern auch witzig war, hab ich mich sehr auf Rebekka Endlers Buch gefreut. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch hat es mich gleichermaßen abgeholt; ich will aber direkt dazusagen, dass "Witches, Bitches, It-Girls" meiner Ansicht nach nicht unbedingt ein Einsteigerinnenbuch feministischer Literatur ist, dennoch aber ein sehr empfehlenswertes!
Anhand einiger Beispiele von Frauen
, Frauengruppierungen sowie Ereignissen und Texten zeigt Rebekka Endler auf, wie wir Narrative von Urheberinnenschaft, Motive in Kunst und Literatur und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens stets auf Basis des Patriarchats, in dem wir leben, hinterfragen sollten. Wie Frauen* heute und in der Vergangenheit dargestellt wurden und werden, wie ihnen Eigenschaften zugeschrieben werden und wie sich ihre Verbindungen zu Männern darauf auswirkt, geschieht immer durch, in und mit diesem patriarchalen System.
Rebekka Endler schreibt hierbei mit einer hohen Informationsdichte und sehe komplex, sodass ich das Buch sehr langsam und bewusst gelesen habe, um möglichst viel mitzunehmen. Auch werden die ein oder anderen Begriffe, wichtige Persönlichkeiten oder Ereignisse der Geschichte des Feminismus vorausgesetzt, weshalb ich dazu schon ein paar "Grundkenntnisse" voraussetzen würde. Hat man diese, ist "Witches, Bitches, It-Girls" auf jeden Fall eine Bereicherung mit vielen neuen Aspekten und Gedankenanstößen, dass dank dem humorvollen Stil der Autorin neben dem obligatorischen female rage auch wirklich Spaß beim Lesen bereitet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2025

Empfehlenswere Überraschung

Lebensversicherung
0

Als die Buchpreis-Longlist veröffentlicht wurde, war "Lebensversicherung" gar nicht direkt auf meinem Radar; dann hat mein Mann es aus der Bib mitgebracht, ich wollte nur mal kurz reinschauen, und zack, ...

Als die Buchpreis-Longlist veröffentlicht wurde, war "Lebensversicherung" gar nicht direkt auf meinem Radar; dann hat mein Mann es aus der Bib mitgebracht, ich wollte nur mal kurz reinschauen, und zack, war ich komplett in den Bann gezogen. Der Plot ist simpel erklärt: die Protagonistin führt uns durch das Dorf ihrer Kindheit, nimmt uns mit in ihre Familie, bei prägenden Ereignissen, durch ihr Aufwachsen. Das alles jedoch nicht in klassischem Prosa-Text, sondern anhand von kurzen Beschreibungen, Listen, Bildern und dem Hauptthema des Buches: Versicherungen. Denn das ist es, was ihre Eltern verkauft haben und was für die Protagonistin ein zentrales Thema ihres bisherigen Lebens darstellt.
Ich hätte niemals erwartet, dass eine Geschichte in solch einer Form entstehen und Spannung und Emotionen aufbauen kann. Nicht nur, dass viele Beschreibungen für alle in den späten 90ern und frühen 2000ern Aufgewachsenen sehr relatable sind, wir können als Lesende auch eine erstaunliche Nähe zur Protagonistin aufbauen. Mir hat so gut gefallen, wie durch eine Mischung aus on-point-Humor und auch einer Ernsthaftigkeit und teilweise sogar Schwere eine wirklich spannende Story entstanden ist, die ich nicht mehr zur Seite legen wollte.
Für mich wirklich ein absolut positives Überraschungsbuch zum wegsnacken, das trotzdem zum Denken anregt und nachhallt. Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere