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Veröffentlicht am 26.04.2026

Inspirierender Sommerroman

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Der Roman „ Stadt aus dem Fenster zuschauen“ von Anna Katharina Scheidemantel ist mir zunächst aufgrund des wunderschönen Covers ins Auge gestochen. Das Gemälde einer sommerlichen Landschaft hatte mich ...

Der Roman „ Stadt aus dem Fenster zuschauen“ von Anna Katharina Scheidemantel ist mir zunächst aufgrund des wunderschönen Covers ins Auge gestochen. Das Gemälde einer sommerlichen Landschaft hatte mich so angesprochen, dass ich unbedingt wissen wollte, was dahinter steckt. Im Mittelpunkt dieses Romans, steht die junge Studentin Sophie, die bisher immer als jemand galt „aus der mal etwas wird“. Ihr Leben verlief geradlinig, vernünftig und scheinbar perfekt geplant. Doch plötzlich beginnt sie, diesen Weg zu hinterfragen und trifft eine radikale Entscheidung. Sie kauft ein baufälliges Häuschen, irgendwo im ostdeutschen Nirgendwo. Was zunächst wie ein spontanes Abenteuer wirkt, entwickelt, sich schnell zu einer intensiven und lehrreichen Erfahrung.
Anfangs war ich ehrlich gesagt, skeptisch, ob mich eine solche Selbstfindungsgeschichte wirklich fesseln könnte, umso überraschender war es, wie sehr mich Sophies neues Leben auf dem Land berührt hat. Das Haus ist eigentlich kaum bewohnbar, und doch wagt sie genau dort einen Neuanfang. Wir begleiten sie bei ihren ersten Schritten, ihren Zweifeln, aber auch bei ihren kleinen und großen Erfolgen. Besonders eindrucksvoll fand ich die Momente, in denen Sophie durch ihre eigene Arbeit etwas erschafft, eine frisch gestrichene Tür oder die erste selbst geerntete Kartoffel. Diese Glücksgefühle sind so authentisch beschrieben, dass man sie beim Lesen regelrecht mit fühlt. Sophies Entwicklung mit zu erleben hat mir sehr gut gefallen und mich sogar ein wenig dazu inspiriert, selbst von einem solchen Neuanfang zu träumen.
Insgesamt ist “ Statt aus dem Fenster zu schauen“ ein wunderbarer Sommerroman , der eine richtige Aufbruchstimmung vermittelt und einfach schön zu lesen ist.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Außergewöhnlicher Spannungsroman

Giftiger Grund
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Mit seinem Roman „Das Haus, in dem Gudelia stirbt“ hat Thomas Knüwer 2024 den deutschenKrimipreis gewonnen und mich zu einem großen Fan von ihm gemacht.

Dementsprechend gespannt war ich auf seinen neuesten ...

Mit seinem Roman „Das Haus, in dem Gudelia stirbt“ hat Thomas Knüwer 2024 den deutschenKrimipreis gewonnen und mich zu einem großen Fan von ihm gemacht.

Dementsprechend gespannt war ich auf seinen neuesten Kriminalroman.

„Giftiger Grund“ ist wieder einmal ein außergewöhnlicher Roman geworden, der fast mehr an ein psychologisch gesellschaftliches Drama herankommt, als an einen Krimi.



Der Anfang zwanzigjährige Joran wird nach jahrelanger Haft entlassen, fest entschlossen, ein gutes und ehrliches Leben zu führen. Da ihm das leider nicht so leicht gemacht wird wie erhofft, sucht er eines Nachts das Geld, das er damals nach dem Tankstellenraub versteckt hatte und findet stattdessen eine Leiche.

Hinzu kommt, dass er bei der Entdeckung nicht allein ist. Ein Mädchen in Gummistiefeln steht plötzlich ganz allein an dieser völlig verlassenen Tankstelle.

An der gleichen Stelle tritt eine weitere Person in Jorans Leben: Charu, eine Lost Places Fotografin, deren versteckte Kamera mehr aufgenommen hat, als Joran lieb ist.



Mit viel Gespür für Zwischenmenschliches beschreibt der Autor die Beziehung der drei Fremden zueinander und deren Entwicklung. All das lässt er in der beklemmenden, für Lost Places Fans wahrscheinlich auch faszinierenden Atmosphäre einer stillgelegten Tankstelle stattfinden. Es gibt zwar eine Leiche, aber keine Ermittler; auch Verfolgungsjagden oder blutige Szenen wird man hier nicht finden. Thomas Knüwer hat seinen ganz eigenen Stil und das Talent, subtile Spannung aufzubauen und zu halten.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt, jede ein eigenes Schicksal, das berührt und zum Teil wütend macht.

Wie schon in seinem Debütroman zieht sich auch hier die düstere Stimmung durch das gesamte Buch und zieht einen wie einen Sog mit sich.

Empfehlen kann ich dieses Buch allen, die auch gern mal etwas abseits des klassischen Kriminalromans oder Thriller lesen.

Für mich war es wieder einmal ein Highlight.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Eine emotionale Achterbahn

Alt genug
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In ihrem neuen, sehr persönlichen Werk befasst sich die Autorin Ildiko von Kürthy mit dem älter werden. Warum hat Alter so eine negative Bedeutung in der Gesellschaft; ist es erstrebenswert sich immer ...

In ihrem neuen, sehr persönlichen Werk befasst sich die Autorin Ildiko von Kürthy mit dem älter werden. Warum hat Alter so eine negative Bedeutung in der Gesellschaft; ist es erstrebenswert sich immer jung zu fühlen oder ist es vielleicht auch einfach erleichternd und gleichzeitig inspirierend zu sagen „ Ja, ich bin alt. Na und?“

Alles beginnt mit einer Party, auf die wir die Autorin begleiten. Diese bildet den Rahmen für ihre Erinnerungen und Gedanken über das älter werden.
Auf höchst unterhaltsame Weise erzählt sie unter anderem von mutigen Erlebnissen, wie der Bewerbung bei GNTM oder einer Reise ganz allein nach New York und stellt sich damit diversen Ängsten.
Über diese Ängste, die zu überwinden ihr mal besser und mal schlechter gelingt, schreibt sie sehr offen, genauso wie über ihre Sorgen, die zwei ihrer Freundinnen betreffen.

Ich mag Ildiko von Kürthy vor allem deshalb so gern, weil sie so schreibt wie sie redet und so redet wie sie schreibt, und zwar erfrischend, emotional und vor allem immer absolut authentisch.
Ihr glaube ich einfach alles, was sie erzählt. An kuriosen Geschichten mangelt es ja nicht in ihrem neuen Roman und trotzdem würde ich im Traum nicht daran zweifeln, dass alles genau so war, wie sie es schildert. Ob es um eine mißglückte Abreise vom Wacken Festival geht oder eine Tunnelfahrt mit Hindernissen, all das habe ich mit großem Vergnügen und einigem Verständnis gelesen.
Doch es sind nicht nur die humorvollen Momente, die dieses Buch so wertvoll machen, sondern diese völlig selbstverständliche Art der Autorin mit dem Altern umzugehen. Man ist nicht zu alt für etwas, sondern endlich alt genug! Und zwar nicht nur alt genug, um gewisse Dinge tun zu können, sondern auch, um sie ganz entspannt einfach zu lassen.

Fazit

„Alt genug“ ist eine emotionale Achterbahn. Man lacht, leidet mit, fühlt sich verstanden und inspiriert. Ein Buch, das ich sicherlich noch öfter zur Hand nehmen werde.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Bewegende Familiengeschichte mit viel italienischem Flair

Villa Rivolta
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Mit „Villa Rivolta“ nimmt Daniel Speck uns diesmal mit in das Italien der 60er und 70er Jahre.

Bildhaft und emotional erzählt der Autor die Geschichte von Piero und Valentina, die sich als Kinder in Pieros ...

Mit „Villa Rivolta“ nimmt Daniel Speck uns diesmal mit in das Italien der 60er und 70er Jahre.

Bildhaft und emotional erzählt der Autor die Geschichte von Piero und Valentina, die sich als Kinder in Pieros Elternhaus, der Villa Rivolta, kennenlernen und die eine lebenslange, bewegte Freundschaft verbindet.

Der Roman beginnt im Jahr 1979 aus der Sicht Toninos, Valerias Sohn. Da Tonino einem Familiengeheimnis auf die Spur gekommen ist, das unter unglücklichen Umständen die Polizei auf den Plan gerufen hat, verlassen Mutter und Sohn Mailand fluchtartig. Auf der langen Fahrt in die Maremma erzählt Valeria ihm ihre Lebensgeschichte.



Mich hat Daniel Speck sofort richtig mitnehmen können in die traumhafte Villa Rivolta, mit ihrem bezaubernden Garten im sonnigen Italien. Die teilweise ziemlich blumige Sprache des Autors passt hier gut, obwohl ich normalerweise nicht so ein großer Fan davon bin.

Anfangs erschien mir die Freundschaft zwischen Valeria und Piero noch etwas oberflächlich, doch im Laufe des Romans entwickelte sich eine tiefe Verbundenheit zwischen den beiden, über Höhen und Tiefen hinweg.

Valeria wächst zu einer mutigen und tatkräftigen jungen Frau heran, trotz des zeitlebens schwierigen Verhältnisses zu ihrer alleinerziehenden Mutter.

Piero auf der anderen Seite ist unbeschwert und finanziell unbesorgt aufgewachsen. Doch auch er muss irgendwann schwierige und folgenschwere Entscheidungen treffen.

Der Autor bettet diese bewegende Familiengeschichte sehr gut ein in die damals aktuellen gesellschaftlichen und politischen Ereignisse. Auch die Details zum Unternehmen der Familie Rivolta fand ich sehr interessant.

Allein die Fragen, die noch offen bleiben, haben mich zuerst irritiert. Aber ich hoffe, dass es vielleicht eine Art Fortsetzungsroman von „Villa Rivolta“ geben wird, in dem wir Piero, Valeria und auch einen meiner Lieblingscharaktere Antonio wieder treffen werden.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Gute Unterhaltung aber keinesfalls ein Psychothriller

Tödliches Angebot
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In „Tödliches Angebot“ der Autorin Marisa Kashino haben wir es mit einer Hauptfigur zu tun, deren Suche nach einem Haus in komplette Besessenheit ausartet. Für das Haus ihrer Träume ist Margo bereit so ...

In „Tödliches Angebot“ der Autorin Marisa Kashino haben wir es mit einer Hauptfigur zu tun, deren Suche nach einem Haus in komplette Besessenheit ausartet. Für das Haus ihrer Träume ist Margo bereit so ziemlich alles zu tun. So dringt sie auf sehr zweifelhafte Weise in das Leben der Hausverkäufer ein und setzt dabei nicht nur ihren Job, sondern auch ihre Beziehung aufs Spiel.
Der Roman beginnt wirklich unterhaltsam und kurzweilig. Obwohl Margos Vorgehensweise skrupellos ist, wirkt es teilweise fast witzig, auf welche Ideen sie kommt und wie sie es schafft, sich aus kniffligen Situationen wieder herauszumanövrieren.
Ich frage mich allerdings, wer auf die Idee gekommen ist, diesen Roman zu einem Psychothriller zu erklären. Wir haben es zwar mit einer psychisch auffälligen Hauptfigur zu tun, von einem Thriller ist die Handlung meines Erachtens allerdings meilenweit entfernt.
Die Geschichte hat mich gut unterhalten, deshalb auch die drei Sterne, war aber zu keinem Zeitpunkt spannend. Man möchte natürlich wissen, ob Margo denn am Ende endlich ihr Traumhaus bekommt, das war tatsächlich meine Hauptmotivation weiterzulesen.
Wer allerdings eine spannungsgeladene Story erwartet, wird mit „Tödliches Angebot“ wohl eher nicht glücklich werden.

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