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Veröffentlicht am 27.02.2023

Ein unbehaglicher Segeltörn in einzigartiger Landschaft

In blaukalter Tiefe
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Finanzanwalt Andreas lädt seine Frau Caroline auf einen Yachtausflug ein. Geplant sind zehn Tage Segeltörn in der einzigartigen Landschaft der schwedischen Schären. Könnte dieser Urlaub die Ehe retten? ...

Finanzanwalt Andreas lädt seine Frau Caroline auf einen Yachtausflug ein. Geplant sind zehn Tage Segeltörn in der einzigartigen Landschaft der schwedischen Schären. Könnte dieser Urlaub die Ehe retten? Was Caroline später erfährt, ihr Mann hat auch einen Kollegen und seine Freundin eingeladen. Anwalt Daniel ist ein geeigneter Partner für die Kanzlei. Offenbar belasten dubiose Geschäfte die Kanzlei und Daniel ist engagiert, es seinem Chef recht zu machen. Neben den zwei Pärchen begleite Yachteigner Eric als erfahrener Segler den Törn.
Mit der Zeit kühlt die Stimmung an Bord ab, Unstimmigkeiten fallen auf, die selbst eine aufgesetzte Munterkeit nicht auflösen kann und schließlich zieht (in jeder Hinsicht) ein Sturm auf. Es geht um Einsamkeit in der Partnerschaft, Macht, Liebe und den Mut, neue Wege einzuschlagen.

Das besondere: die vier Perspektiven ermöglichen ganz unterschiedliche Wahrnehmung ein und der selben Situation, ohne, dass man zu weit in die Gedankenwelt der Protagonisten abdriftet. Kristina Hauff ist es gelungen, diesen Perspektiven glaubhaft eine Stimme zu verleihen. Während Andreas seine Arroganz deutlich anzumerken ist, sind die Sichtweisen der Frauen gefühlvoller. Tanja ist um ein angenehmes Klima bemüht, während Caroline sich kühl gibt und mit ihren eigenen Problemen ringt. Daniel ist immer frustrierter von der Situation, sich wie ein Versager zu fühlen. Hauff beschreibt diese vergiftetet Atmosphäre mitreißend und verfrachtet sie in ein Urlaubsidyll - der Kontrast wirkt. Mit wenig Privatsphäre an Bord, auf engstem Raum und steigendem Unmut, erwartet man irgendwann etwas Schlimmes und ist gespannt auf den Ausgang der Reise. Der konnte mich zwar leider nicht überraschen, aber zufriedenstellen.

Veröffentlicht am 27.02.2023

Düstere Faszination

Kannibal. Jagdrausch
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Im zweiten Band der Crime-Noir-Reihe von Kriminalbiologe Mark Benecke geht es um Kannibalismus und einen spannenden Fall, mitten in Berlin, der mit einem Koffer voller menschlicher Gebeine und einem Märchenbuch ...

Im zweiten Band der Crime-Noir-Reihe von Kriminalbiologe Mark Benecke geht es um Kannibalismus und einen spannenden Fall, mitten in Berlin, der mit einem Koffer voller menschlicher Gebeine und einem Märchenbuch beginnt. In diesem Fall kommt Becker an seine mentalen und körperlichen Grenzen, während seine Partnerin Funke in Gefahr gerät.

Den Auftakt der Reihe kenne ich (noch) nicht, daher kann ich sagen, dass man mit diesem Band ohne Vorkenntnisse in die Reihe einsteigen kann.

Mark Benecke schreibt spürbar realistisch und packend, eher etwas distanziert und verliert sich weder in Nebensächlichkeiten, noch in endlosen Sätzen. Deswegen ist der Krimi mit 200 Seiten, trotz der Kürze, handlungsreich und widmet sich auch den psychischen Strapazen der Ermittler - nur eben ohne unnötige Längen. Ein echter Pluspunkt. Beneckes Geschichten sind inspiriert von wahren Begebenheiten und man merkt den Texten an, dass Benecke über das nötige Sachverständnis verfügt.
Bei dem Thema Kannibalismus tun sich einige Wiederstände beim Lesen auf. Der Krimi ist also schon eher was für starke Nerven, was einem vor dem Lesen bewusst sein sollte. Die Taten werden aber nicht detailliert geschildert, viel grauenvoller sind die Kannibalismus-Foren, in denen sich menschliche Abgründe auftun, die auch Becker zusetzten. Der Fall selbst, war mir etwas zu durchschaubar, deswegen würde ich einen Stern abziehen. Insgesamt hat mir das Buch und die ansprechende Gestaltung aber gut gefallen.

Für alle, die kompakte Krimis mögen, die sich nah an der Realität halten und mit spannenden Fakten gespickt sind.

Veröffentlicht am 27.02.2023

Vorstellung von 15 Pflanzen für den eigenen Garten

Im Garten
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"Im Garten - Die wunderbare Welt der Pflanzen" ist ein prächtiger und lehrreicher Bildband, der sich in fünfzehn Kapiteln ganz besonderen Pflanzen und ihren meisterhaften Fähigkeiten widmet. Das Durchblättern ...

"Im Garten - Die wunderbare Welt der Pflanzen" ist ein prächtiger und lehrreicher Bildband, der sich in fünfzehn Kapiteln ganz besonderen Pflanzen und ihren meisterhaften Fähigkeiten widmet. Das Durchblättern ist visuell ein Erlebnis, ich habe eine Menge Neues gelernt und war sehr überrascht von der abwechslungsreichen Pflanzenauswahl. Neben typischen Gartenpflanzen wie Gartensalat und Narzissen, die ich erwartet hatte, gibt es Ausflüge in das Reich der Pilze und originelle Gewächse wie Ananas und Zuckerahorn. Die Illustrationen ziehen dabei alle Blicke auf sich und vermitteln in Kombination mit den kurzen Texten sehr anschaulich Wissenswertes rund um die Pflanze.

Der Aufbau bleibt sich durchweg treu: Man erfährt einige Fakten über die Pflanze bezüglich Sorten, Geschmack etc., lernt ihre Verwandten und typische Merkmal kennen, macht eine kleine geschichtliche Reise und erfährt, wie man die Pflanze selbst anbauen bzw. ziehen kann. Diese Infos verteilen sich auf zwei Doppelseiten mit einem ausgeglichene Text-Bild-Verhältnis. Dabei hat mir besonders gefallen, dass die Pflanzen einmal komplett mit Wurzel dargestellt sind. So kann man z.B. bei der Pfefferminze sehr schön die Ausläufer sehen.

Fazit: Visuell ansprechendes Sachbuch mit liebevoller Gestaltung, wissenswerten Fakten, rund um die vorgestellten Pflanzen und Anleitungen, die man direkt ausprobieren kann. Toll für Kinder, die sich für Pflanzen und die Natur interessieren und gern besonders anschaulich lernen, aber auch für Erwachsene, die sich Inspiration für den eigenen Garten wünschen.

Veröffentlicht am 27.02.2023

Vorlesespaß für Kinder ab 5 Jahren

Chaoskrümel & Nervensäge – Die Hühner sind los! (Chaoskrümel & Nervensäge 1)
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Berenike Kesselmeier genannt Benni freut sich auf die Sommerferien und hat große Pläne: schwimmen gehen, Fangen spielen, auf Bäume klettern, Springseil springen… Das alles würde sie am liebsten mit ihrer ...

Berenike Kesselmeier genannt Benni freut sich auf die Sommerferien und hat große Pläne: schwimmen gehen, Fangen spielen, auf Bäume klettern, Springseil springen… Das alles würde sie am liebsten mit ihrer großen Schwester Tilda machen, aber die fährt ins Feriencamp. Benni ist untröstlich. Dann lernt Benni die fast gleichaltrige Anita kennen, die Spaghetti liebt und am liebsten im Garten badet. Durch ein (zugegebenermaßen nicht ganz ungewolltes) Missverständnis entstehen lustige Situationen, in denen auch Bennis Eltern, die Pfannkuch-Schwestern und die Wachtmeister Plautzberger und Pliervogel involviert sind. Warum Tilda dann ziemlich verärgert ist, als sie wieder nach Hause kommt und warum Anita plötzlich verschwunden ist, könnt ihr in "Chaoskrümel & Nervensäge – Die Hühner sind los!" nachlesen.
Die Kinderbuchautorinnen Tiina und Sinikka Nopola setzten auf gute Laune, viel wörtliche Rede und spielen gekonnt mit Missverständnissen, was zu amüsanten Situationen führt. Insgesamt fügt sich alles in eine harmonisches Bild ein: ein idyllisches Dörfchen, liebevolle Eltern, zwei ungleiche Schwestern, und hilfsbereite Freunde und Wachtmeister. Vor allem die aufgeweckte Benni schließt man beim Lesen ins Herz. Ganz nebenbei wird Interessantes über Hühner vermittelt - vor allem, wie viel Spaß man mit ihnen haben kann.
Die Vielzahl an Illustrationen sind sehr witzig und fangen farbenfroh die meisten Situationen ein. Das macht die Geschichte anschaulich und sorgt, mit dem vorlesefreundlichen Text, für eine schöne gemeinsame Lesezeit.

Veröffentlicht am 26.02.2023

Eine aufsehenerregendes Buch, das mich begeistern konnte!

Als Großmutter im Regen tanzte
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„Der Regen ist der Applaus des Lebens, hatte meine Großmutter immer gesagt.“

In dieser bewegenden Geschichte geht es um drei Generationen von Frauen, die durch ein tragisches Geheimnis der Nachkriegszeit ...

„Der Regen ist der Applaus des Lebens, hatte meine Großmutter immer gesagt.“

In dieser bewegenden Geschichte geht es um drei Generationen von Frauen, die durch ein tragisches Geheimnis der Nachkriegszeit in ihrem Schicksal verbunden sind. Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen und war absolut begeistert, wie Trude Teige ihre journalistische Recherche mit einer packenden Handlung verwoben hat, die mich am Ende zu Tränen rührte.

Es geht um Juni, die eine schwere Zeit durchlebt. Nachdem sie endlich den Mut gefunden hat, ihren gewalttätigen Mann zu verlassen, muss sie erfahre, dass sie von ihm ein Kind erwartet. Sie flieht auf die Insel, in das Haus ihrer verstorbenen Großeltern und findet ein Foto, das Fragen aufwirft. Es gibt so viel, was sie wissen möchte, aber alle die sie fragen könnte, sind bereits verstorben. Juni weiß nicht einmal, wer ihr Vater ist. Trude Teige schaut zurück und verdeutlicht, wie wichtig es ist, zu wissen, wer man ist und woher man kommt. Sie erzählt in Rückblenden von Junis Großmutter Tekla und wie sie 1945 ihre norwegische Staatsbürgerschaft aufgab, um mit einem deutschen Soldaten zusammensein zu können. Sie gab alles auf, für die Liebe. Doch was war passiert? Juni kennt ihre Großmutter als Künstlerin, die mit ihrem Mann Konrad sehr glücklich auf einer norwegischen Insel lebte. In den hingebungsvollen Erinnerungen von Juni an ihre Großeltern, wird einem ganz warm ums Herz. Ich mochte die zärtliche Erzählweise, diese Sogwirkung und die berührende Momente sehr. Sonst hätte ich vermutlich nicht die Schrecken der Nachkriegszeit ertragen: Kälte, Hunger, Plünderung, Zerstörung, Massenvergewaltigung, Selbstmorde - das war schwer zu verdauen. Vor allem, weil so viel Wahres darin steckt. Die Gespräche zwischen Georg und Juni über die Zerstörungslust des Krieges und das Wesen der Rache eröffnen einem ganz neue Sichtweisen.


„Die Geschichte ist in all ihrer Grausamkeit aufsehenerregend.“ Eine bewegende Geschichte über das Schweigen, Reue, Trauer und Scham, die unfassbare Brutalität des Krieges und über Liebe und den Applaus des Lebens. Ich bin froh, dass jetzt, nach acht Jahren, endlich die deutsche Übersetzung vorliegt. Ein großartiges Buch, dass mich nicht losgelassen hat. Unbedingt lesen!