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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2026

Atmosphärische Fortsetzung mit kleinen Schwächen

Im Labyrinth der Furcht
3

Das Cover überzeugt mich auf ganzer Linie, da es düster, atmosphärisch und optisch ein echtes Highlight im Regal ist. Auch der Schreibstil von Ethan Cross gefällt mir nach wie vor sehr gut, er ist angenehm ...

Das Cover überzeugt mich auf ganzer Linie, da es düster, atmosphärisch und optisch ein echtes Highlight im Regal ist. Auch der Schreibstil von Ethan Cross gefällt mir nach wie vor sehr gut, er ist angenehm flüssig und die kurzen Kapitel sorgen für ein ordentliches Lesetempo. Die Schauplätze sind gewohnt atmosphärisch ausgearbeitet und fangen die beklemmende Stimmung passend ein.
​Inhaltlich befinden wir uns wieder mitten im Geschehen. Francis Ackerman junior ist noch immer in den Fängen des Hüters, während er verzweifelt versucht, seine Geschwister und den Soldaten Jessie zu befreien. Parallel dazu muss sich Nadia mit einem mörderischen Künstlerpaar und ihren eigenen moralischen Konflikten auseinandersetzen. Es ist schön, den vertrauten Charakteren wieder zu begegnen, auch wenn mir Ackerman diesmal fast ein wenig zu passiv erschien. Er reagiert eher auf die Umstände, statt selbst die Initiative zu ergreifen, was ich von ihm anders gewohnt bin. Nadia hingegen kämpft mit ihrer Abhängigkeit von Ackermans Denkweise, was einerseits interessant ist, andererseits aber auch zeigt, wie sehr sie an sich selbst zweifelt.
​Die Geschichte bietet durchaus Spannung und eine düstere Psychologie, die mich immer wieder in die Tiefe der Story gezogen hat. Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass es zwischendurch ein paar Längen gab. Es wird viel analysiert und geredet, wodurch die gewohnte Action stellenweise etwas auf der Strecke bleibt. Auch das Liebesgesäusel des Mörderduos war mir persönlich ein bisschen zu viel des Guten. Das Finale war solide, hätte für meinen Geschmack aber noch etwas spektakulärer und intensiver ausfallen dürfen, um als echter Höhepunkt zu fungieren.
​Insgesamt ist es eine packende Fortsetzung, die zwar kleine Schwächen im Spannungsbogen hat, mich aber dennoch gut unterhalten hat. Ich empfehle jedoch dringend, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, um die komplexen Beziehungen der Figuren vollends zu verstehen. Da ich die Reihe um Ackerman schon so lange begleite, bin ich trotz der Kritikpunkte sehr gespannt auf den nächsten Teil und werde der Geschichte weiterhin treu bleiben.
​Fazit: Ein atmosphärischer Thriller mit kleinen Längen, aber gewohnt starkem Schreibstil.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 14.12.2025

Rache, Schmäh und ein Meisterstück der Ambivalenz

Lilly Red Corvette
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​Selten hat mich ein Thriller so tiefgehend gefesselt und gleichzeitig moralisch herausgefordert wie "Lilly Red Corvette". Dieses Buch ist ein absolutes Highlight, das in jeder Hinsicht mehr bietet als ...

​Selten hat mich ein Thriller so tiefgehend gefesselt und gleichzeitig moralisch herausgefordert wie "Lilly Red Corvette". Dieses Buch ist ein absolutes Highlight, das in jeder Hinsicht mehr bietet als übliche Genrekost.
​Schon das Cover, diese einsame Parkbank, auf der die rote Rose als Liebessymbol in poetischem Blutrot gegen das Schwarz-Weiß des Hintergrunds strahlt, fängt die Atmosphäre perfekt ein. Es wirkt gleichzeitig bedrohlich und voller Leidenschaft.
​Die Grundidee einer Serienkillerin, die Männer ins Visier nimmt, die Frauen misshandelt haben, ist provokant, wird aber im Roman mit außergewöhnlicher Tiefe behandelt. Es geht hier nicht nur um Blut und Spannung. Das Buch thematisiert schonungslos die Frage nach Selbstjustiz und stellt einen Spiegel für gesellschaftliche Missstände dar, über die oft geschwiegen wird. Die Fragen, die es aufwirft, vergisst man auch nach der Lektüre nicht.
​Lilly Martens selbst ist eine unvergessliche Figur. Trotz ihrer abgründigen, perfiden Tötungsgelüste und der männerverachtenden Wut, die aus einer schwierigen Kindheit stammt, empfindet man eine Mischung aus Faszination und Verständnis. Sie ist eine komplexe Anti-Heldin. Gleichzeitig überzeugt das witzige und urig gezeichnete Wiener Ermittlerteam, allen voran Chefinspektorin Betty-Tulli Navratil, deren innerer Konflikt zwischen Pflicht und Gerechtigkeit der Geschichte eine zusätzliche emotionale Schicht verleiht.
​Besonders hervorzuheben ist der einzigartige Stil. Die detaillierte Beschreibung grausamer Szenen macht die menschlichen Abgründe förmlich greifbar. Doch der schwarze Humor, der Wiener Schmäh und die bissige Gesellschaftskritik, die oft im breiten Dialekt daherkommen, verhindern, dass das Buch hoffnungslos düster wird. Diese Mischung aus mitreißender Spannung, psychologischem Tiefgang und lokalem Witz ist das, was den Thriller so einzigartig und zu einer absoluten Empfehlung für Liebhaber abgründiger Krimis macht.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Märchenhaft und Düster: Christian Handels "Feenfluch" Ein absolutes Jahreshighlight

Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden ...
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Als jemand, der Märchenadaptionen liebt, hat mich "Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden" von Christian Handel restlos begeistert. Dieses Buch zählt für mich definitiv zu den Jahreshighlights. Der ...

Als jemand, der Märchenadaptionen liebt, hat mich "Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden" von Christian Handel restlos begeistert. Dieses Buch zählt für mich definitiv zu den Jahreshighlights. Der Autor beweist einmal mehr, dass er es meisterhaft versteht, bekannte Märchen neu zu erzählen und den Leser tief in die Geschichte hineinzuziehen.
​Die Adaption des Dornröschen-Märchens wird praktisch auf links gedreht und aus einer ganz neuen Perspektive beleuchtet. Im Fokus steht Kaelith, die beste Freundin der Prinzessin Elarose. Sie ist die einzige Überlebende des Schlaffluchs, lebt seit sieben Jahren mit tiefen Schuldgefühlen und ist die einzige, die den Fluch brechen kann.
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Fesselnder Schreibstil und tiefgründige Charaktere
​Christians Schreibstil ist gewohnt einnehmend, flüssig und bildgewaltig. Er schafft es sofort, eine düstere und zugleich märchenhafte Atmosphäre zu erzeugen, die zum vollständigen Abtauchen einlädt. Die Welt und Schauplätze, wie die Schimmernden Wälder oder der Rat der Dreizehn Feen, entstehen lebendig vor dem inneren Auge.
​Besonders hervorzuheben ist die Charakterentwicklung von Kaelith. Sie war sofort sympathisch: herzensgut, fest entschlossen ihre Lieben zu retten, aber auch verschlossen und von Schuldgefühlen geplagt. Ihre Entwicklung ist fantastisch und macht die Geschichte sehr authentisch. Auch der Magier Thorn, mutig, loyal und ein echter Heißsporn, gewinnt schnell das Leserherz. Die Nebencharaktere, wie das Werkaninchen Rufus, Sionnach und Gwenmahr, sind ebenfalls wundervoll gelungen.

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Spannung, Emotionen und eine natürliche Romanze
​Die Handlung beginnt dort, wo andere Märchen enden: im Stillstand. Sie entwickelt sich zu einer spannenden Reise zur Wahrheit und stellt Fragen nach Macht, Schuld und Opfer. Die Geschichte ist zuweilen düster und unheimlich, bietet aber auch romantische Momente. Die Liebesgeschichte fügt sich sehr natürlich und unaufdringlich in die Handlung ein, während Kaeliths Suche nach einer Möglichkeit, den Fluch zu brechen, im Vordergrund steht.
​Das Buch löste eine Bandbreite an Emotionen aus: Grusel, Gänsehaut, Wut, Erleichterung und tiefe Berührung. Unerwartete Wendungen treiben die Geschichte voran und fesseln bis zur letzten Seite. Das Ende und der Epilog werden als perfekt und wunderschön gelungen empfunden und runden die Geschichte stimmig ab.

## Fazit
​"Feenfluch" ist eine sehr atmosphärische, aufregende und mitreißende Geschichte vom sogenannten "Märchenkönig". Sie bietet eine einzigartige Sicht auf das Dornröschen-Märchen und lebt von ihren tiefgründigen Charakteren und der bildlichen Sprache. Ich kann dieses Buch allen Fans von Märchenadaptionen und Christian Handel nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Atmosphärisch dicht, aber überfrachtet

Flutrache
1

Der vierte Band der Ostfriesland-Krimi-Reihe um Kommissar Stephan Möllenkamp und Journalistin Gertrud Boekhoff beginnt vielversprechend: Ein unter einer Lenin-Statue erschossener Mann zieht Möllenkamp ...

Der vierte Band der Ostfriesland-Krimi-Reihe um Kommissar Stephan Möllenkamp und Journalistin Gertrud Boekhoff beginnt vielversprechend: Ein unter einer Lenin-Statue erschossener Mann zieht Möllenkamp in ein komplexes Netz, das von Kommunismus, DDR-Verbrechen und Waffenschmuggel bis weit in die Vergangenheit reicht.
​Das Buch punktet zweifellos mit seiner intensiven Atmosphäre. Die Autorin schafft es, das Setting der von Wasser bedrohten Küstenlandschaft lebendig und beklemmend darzustellen. Auch der Kernkonflikt aus Naturgewalt, Schuld und Vergeltung ist gut angelegt, und die Figuren sind grundsätzlich solide gezeichnet.
​Leider kippt die Geschichte jedoch ins völlig Überladene.
​Was als kunstvolle Verflechtung von Handlungssträngen gedacht war, wird schnell zu einem "Kabelsalat im Hirn". Es gibt schlicht zu viele Nebenfiguren, Nebenschauplätze, Zeitebenen und eine unübersichtliche Menge an persönlichen Verbindungen.
​Besonders störend empfand ich die überbordende Thematik – die vielen einzelnen Fäden zwischen diversen Straftaten von heute und gestern haben mich irgendwann den Durchblick verlieren lassen. Mir schien es, als wollte die Autorin zu viel auf einmal erzählen, und die Verknüpfung dieser wirren Fäden (DDR-Verbrechen, Waffenschmuggel etc.) ist leider nicht gelungen.
​Auch der Versuch, die Authentizität durch die Mischung von Deutsch mit niederländischen Phrasen zu steigern, hat meinen Lesefluss gehemmt. Ständiges Nachschlagen der Übersetzungen hat mich aus der eigentlichen Geschichte gerissen.
​Fazit:
​"Flutrache" ist ein atmosphärisch starkes Werk, das leider an seinem eigenen Anspruch scheitert. Die Überfrachtung mit Handlungssträngen, Figuren und der sprachliche Aufwand machten es schwer, mich auf die Geschichte einzulassen. Obwohl ich mich in jedem Kapitel neu bemüht habe, konnte mich das Buch weder erreichen noch abholen. Schade, denn die Grundidee hatte viel Potenzial.

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Veröffentlicht am 28.11.2025

Puderzucker oder Schneesturm?

Falling Like Snow
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Heute nehme ich euch mit in die Welt von Erin Doom und ihrem New-Adult-Roman Falling like Snow. Ehrlich gesagt, bin ich mit meinen 46 Jahren vielleicht nicht mehr die primäre Zielgruppe für Highschool-Dramen, ...

Heute nehme ich euch mit in die Welt von Erin Doom und ihrem New-Adult-Roman Falling like Snow. Ehrlich gesagt, bin ich mit meinen 46 Jahren vielleicht nicht mehr die primäre Zielgruppe für Highschool-Dramen, aber hey, ein gutes Buch hat kein Alter!
​Die Atmosphäre:
​Der Einstieg hat mich sofort abgeholt. Die Autorin hat ein Händchen dafür, Stimmungen zu kreieren, die man fast riechen kann. Der Kontrast zwischen Ivys verlorener Heimat Kanada – der Stille der zugefrorenen Seen – und dem neuen, rauschenden Leben an der kalifornischen Küste ist atmosphärisch grandios. Ivys Trauer um den Verlust ihrer Familie ist greifbar, und dieser melancholisch-warme Spannungsbogen zwischen Kälte und Sonne ist definitiv die größte Stärke des Buches.
​Die Metapher der Schneeglöckchen als Symbol für Hoffnung und Neuanfang? Wunderschön und feinfühlig durch die gesamte Handlung gezogen. Ein echter Pluspunkt.
​Die Protagonisten:
​Ivy: Ich war ihr sofort verfallen! Sie ist ein stiller Wirbelsturm, stark in ihrer Zerbrechlichkeit. Sie trägt die ganze Geschichte, und ihre Authentizität macht die vorhersehbaren Elemente wett.
​Mason: Ah, dieser „Bookboyfriend“... Hier musste die 46-jährige Pragmatikerin in mir tief durchatmen. Seine ständige Abweisung und sein miserables Verhalten Ivy gegenüber waren anstrengend und nur schwer nachzuvollziehen. Die Slow-Burn-Romance war hier fast schon eine No-Burn-Romance, weil sich mein Leserinnenherz schon früh verschlossen hatte, bevor die beiden überhaupt mal vernünftig miteinander reden konnten. Schade, da wurde viel Potenzial verschenkt.
​Das Drama:
​Und hier kommen wir zum Punkt, der mich als reifere Leserin ein bisschen gestört hat. Die Story beginnt mit Crime-Elementen und emotionalem Tiefgang, verliert sich aber gegen Ende in einer Überfülle an Ereignissen. Es fühlte sich an, als hätte man alle Register gezogen und sämtliche Nebenhandlungen in die letzten Kapitel gepresst.
​Ganz ehrlich, manchmal hatte ich das Gefühl, ich wäre in einer besonders düsteren, überdramatischen Folge von Élite gelandet – reich, viele Geheimnisse, alles ein bisschen gewollt literarisch und übertrieben. Auch das ganze kryptografische Nebenthema? Für mich hätte das die Liebesgeschichte nur unnötig verkompliziert. Die sanfte Geschichte zwischen Ivy und Mason trägt sich auch ohne diesen "Zusatz-Ballast".
​Mein Fazit:
​Falling like Snow hat eine wunderschöne Seele, starke emotionale Ansätze und einen wirklich poetischen Schreibstil, der Gänsehautmomente schafft. Man nimmt aus der Geschichte etwas mit; sie ist keineswegs nur einfache Unterhaltung.
​Die Autorin hat Talent, aber für mich hat sich die Geschichte manchmal in ihrem eigenen Melodrama verheddert. Ich bin vielleicht einfach ein kleines bisschen zu alt für diese Art von Highschool-Drama. Aber für die Zielgruppe, die feinfühlige Coming-of-Age-Geschichten und zarte Neuanfänge liebt, die sich leise ins Herz schleichen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung!
​Die Frage am Ende: Waren es Schneeglöckchen der Hoffnung? Absolut. Gab es auch einen Sturm aus übertriebener Dramatik? Leider ja.

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