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Veröffentlicht am 14.06.2025

Toller 1. Teil

Phantasma – Spiel um dein Leben, fürchte die Liebe
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Geister, Teufel und Phantome lösen in Ophelia und Genevieve längst keinen Schrecken mehr aus, schließlich ist ihre Mutter eine erfahrene und höchst gefragte Nekromantin. Eine Meisterin ihres Fachs. Doch ...

Geister, Teufel und Phantome lösen in Ophelia und Genevieve längst keinen Schrecken mehr aus, schließlich ist ihre Mutter eine erfahrene und höchst gefragte Nekromantin. Eine Meisterin ihres Fachs. Doch jetzt ist ihre Mutter tot und die beiden Schwestern stehen einem Schrecken ganz neuer Art gegenüber: Zwei Mitarbeiter der Bank eröffnen ihnen, dass ihr geliebtes Haus Grimm Manor kurz vor der Pfändung steht, es sei denn es gelingt ihnen entgegen jeder Wahrscheinlichkeit die Forderung vor Ablauf der Frist zu begleichen. Nun muss Ophelia nicht nur lernen die mächtige Familienmagie zu navigieren, die mit dem Tod ihrer Mutter auf sie übergegangen ist, sondern auch den Verlust ihres Hauses irgendwie verkraften, aber das ist des Übels nicht genug. In der Hoffnung sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien, hat Genevieve beschlossen an dem geheimnisumwitterten Wettbewerb Phantasma teilzunehmen. Es lockt ein legendärer Gewinn, aber der Preis ist hoch. Phantasma ist ein verfluchtes Haus und hinter jeder Tür lauert der Tod. Außer sich vor Sorge tritt Ophelia selbst bei den Spielen an, um ihre Schwester zu finden und wieder nach Hause zu bringen. Als sie das Tor zum Anwesen hinter sich lässt, hat sie sich bereits damit abgefunden, um ihr Leben kämpfen zu müssen. Worauf sie nicht gefasst war, ist der Kampf um ihr Herz, als ihr ein mysteriöser Bewohner von Phantasma unerwartet seine Hilfe anbietet.

Phantasma von Kaylie Smith hat mich auf die bestmögliche Weise überrascht und mitgerissen. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich der Einstieg ins Buch zunächst nicht komplett abgeholt hat. Es beginnt eher ruhig, mit einem verständlichen Einstieg in diese wunderliche Version von New Orleans und der Vorstellung beider Schwestern und ihrer Beziehung. Mir war das zuerst beinahe zu viel Einleitung, aber rückblickend denke ich, dass er gerade genug vermittelt, um unsere Protagonistin an den richtigen Punkt zu bringen und die Leser so weit einzufangen, dass man unbedingt dranbleiben will. Doch sobald Ophelia die Pforte zu Phantasma überschreitet, nimmt das Buch rasant an Tempo auf.
Kaylie Smith versteht sich meisterhaft darauf, eine düstere und atmosphärisch dichte Stimmung zu erschaffen, die einen voll ins Geschehen eintauchen lässt. Der Schreibstil war absolut mitreißend. An dieser Stelle auch ein großes Lob an die deutsche Übersetzung, der es gelungen ist, die Essenz von Smiths Erzählstil so treffend einzufangen.
Besonders gut fand ich die jeweiligen Prüfungen, denen sich Ophelia und ihre MitstreiterInnen stellen mussten. Bei all den Romantasy-Stories, in denen es irgendeine Form von Prüfung gibt, lobe ich mir eine, die mit etwas Neuem aufwarten kann. Die Geschichte ist in vielerlei Hinsicht sehr originell, teilweise richtig brutal, aber vor allem nervenaufreibend.
Auch die Charaktere konnten mich Stück für Stück für sich gewinnen. Ophelia ist eine starke, kluge und glaubwürdige Protagonistin. Am Anfang wirkt sie noch sehr verunsichert und schicksalsergeben, sie kämpft mit inneren Dämonen und einer Zwangsstörung, die sie im Alltag nicht wenig beeinflusst, aber das macht sie gleichzeitig sehr nahbar und einnehmend als Protagonistin. Ich mochte ihre Entwicklung sehr.
Blackwell hat es mir auch auf Anhieb angetan mit seiner charismatischen, arroganten und mysteriösen Art. Ihre Beziehung hätte ein wenig mehr Tiefe vertragen können, aber die Spannung zwischen ihm und Ophelia war von Anfang an greifbar. Ich fand allerdings nicht ganz so super, dass Ophelia soo stark auf seine Hilfe angewiesen war, um durch die Level zu kommen. Da hätte man ihr meiner Meinung nach etwas mehr zutrauen können.

Obwohl ich hier und da ein paar Kritikpunkte beim Lesen hatte, hat mich Phantasma doch insgesamt echt überrascht und mitgerissen. Es ist eine atmosphärische, geheimnisvolle und auch kurzweilige Geschichte, in der man sich prima fallen lassen kann. Ich freue mich definitiv jetzt schon auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 10.06.2025

Die Biker sind los in Brunngries

Prost, auf den Doktor
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Was haben ein Motorradtreffen, ein toter Arzt und eine heißblütige Dackeldame gemeinsam? Richtig – Es sind alles Zutaten für einen weiteren erfolgreichen Krimi im malerischen Brunngries.

Im inzwischen ...

Was haben ein Motorradtreffen, ein toter Arzt und eine heißblütige Dackeldame gemeinsam? Richtig – Es sind alles Zutaten für einen weiteren erfolgreichen Krimi im malerischen Brunngries.

Im inzwischen 11. Fall für das erfolgreiche Ermittlerduo Tischler und Fink, gilt es das Rätsel um den toten Dr. Sebastian Burgegger zu lösen. Eigentlich wollte sich der ortsansässige Herr Doktor mit seinen Biker-Kollegen auf eine entspannte Tour durch den Chiemgau begeben, doch der Trip endet für ihn bereits nach der ersten Nacht mit durchtrennter Kehle in einem Gästebett des KRAUSE. Wie er da gelandet ist und wer es auf ihn abgesehen hatte, müssen nun die kompetenten Kollegen der Brunngrieser Dienststelle ans Licht bringen. Leichter gesagt als getan, denn der werte Dr. Burgegger hat sich über die Jahre so einige Feinde gemacht.

Autor Friedrich Kalpenstein ist es abermals gelungen, einen wunderbar humorvollen, interessanten und mitreißenden Kriminalfall auf die Beine zu stellen, der alles mitbringt, was man sich von einem Ausflug nach Brunngries erhofft. Ich finde es jedes Mal aufs neue interessant zu erfahren, wohin die Reise mit den alteingesessenen Figuren geht, sei es im Polizeidienststellenalltag mit der guten Luise, oder mit den vielfältig veranlagten Unternehmerinnen Thereza und Nori, die ihr Business-Portfolio ständig erweitern. Gleichzeitig muss sich der Dorfalltag natürlich mit den Mordermittlungen die Waage halten. Auch das ist hier definitiv gelungen. Ich konnte von Anfang an prima miträtseln und der Fall schreitet in einem gemächlichen, aber dennoch guten Tempo voran. Es kommen regelmäßig neue Hinweise oder Spuren hinzu, die den Leser bei Laune halten, ohne zu viel über die Tat preiszugeben. Dieses Mal war es richtig schwer sich Mord, Motiv und Täter zusammenzureimen.

Tischler bleibt wie immer eine Marke, mit Ecken und Kanten, aber schneidig und auf Zack wie eh und je – da würde ihm bestimmt auch seine alte Motorradkluft zustimmen. Ich bin jedes Mal gerne dabei, wenn er und Fink zusammen ermitteln.

Alles in allem ein unterhaltsamer Krimi mit Lokalkolorit und einer menge Charme und Witz. Definitiv die Empfehlung wert!

Veröffentlicht am 10.06.2025

Zwischen Mythologie und toxischer Männlichkeit

Blood of Hercules
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Blood of Hercules: Berühre sie und stirb von Jasmine Mas ist der Auftakt einer neuen Dark-Romantasy-Reihe, die versucht mit einer ungewöhnlichen Heldin und einer Neuinterpretation der griechischen Mythologie ...

Blood of Hercules: Berühre sie und stirb von Jasmine Mas ist der Auftakt einer neuen Dark-Romantasy-Reihe, die versucht mit einer ungewöhnlichen Heldin und einer Neuinterpretation der griechischen Mythologie zu überzeugen. Aufgewachsen unter schrecklichen Bedingungen, mit Pflegeeltern, die sie hassen und misshandeln, hat Alexis nicht viel, für das es sich zu kämpfen lohnt. Einzig ihr Pflegebruder Charlie weckt in ihr den Wunsch durchzuhalten und sich für ein besseres Leben einzusetzen. Also ist sie fleißig, verdient Essensmarken wo sie kann, blendet die Hänseleien in der Schule aus und lernt für eine bessere Zukunft in einer Welt, die nicht viel übrig hat für Menschen, noch dazu solche, die am Rande der Gesellschaft leben. Doch ihr ganzes Leben wird mit einem Mal auf den Kopf gestellt, als ein Test in der Schule ihre wahre Herkunft enthüllt. Alexis ist eine Nachfahrin von Göttern, ein verstoßenes Mischblut und als solches Verpflichtet die tödliche Ausbildung an der spartanischen Kriegsakademie anzutreten. Es beginnt ein erbarmungsloser Kreislauf aus endlosem Unterricht, Schlaf- und Nahrungsentzug und Demütigungen, die sie nicht nur vonseiten ihrer attraktiven Mentoren Achilles und Patro über sich ergehen lassen muss, sondern auch durch die nicht minder attraktiven Professoren Augustus und Kharon. Zwei mächtige Erben zweier Chthonischer Häuser, die in Alexis mehr zu sehen scheinen, als ihr klar ist.
Was man dem Buch definitiv zugutehalten muss, ist die äußere Gestaltung. Von Cover, zum Farbschnitt über das gesamte Layout ist das Buch wirklich ein Blickfang. Leider konnte der Inhalt für mich nicht mit der äußeren Aufmachung mithalten.
Während der Einstieg in die Geschichte noch vielversprechend war – eine junge, obdachlose Waise, die schon früh die Brutalität der Welt kennenlernen musste, ist gezwungen sich gegen Monster, Mitschüler und übernatürliches Grauen zu behaupten – konnte das Buch das Potential nicht so ausschöpfen, wie ich es mir gewünscht hätte. Es erschöpft sich in Wiederholungen, Längen, fehlender Entwicklung und Unstimmigkeiten in einigen Charakterzeichnungen.
Die Protagonistin wird vorgestellt als jemand, der gelernt hat trotz aller Widrigkeiten zu überleben, wenn nicht für sich selbst, dann doch zumindest für ihren Pflegebruder, den sie sehr liebt. Tatsächlich stellt sich aber schnell heraus, dass Alexis über weite Strecken des Buches vor allem davon geprägt ist, dass sie nicht nur keinen Überlebenswillen hat, sondern regelrecht eine Todessehnsucht in sich trägt. Die meiste Zeit denkt sie darüber nach, wie nett es wäre tot umzufallen. Ihr Pflegebruder spielt nach den ersten Kapiteln kaum noch eine Rolle (was besonders schade ist, weil sie außer ihm niemandem in ihrem Leben hat, außer einer sarkastischen Schlange, die außer Alexis selbst niemand sonst sehen kann). Wer darauf hofft, dass sich Alexis irgendwann aus ihrer Passivität und andauernden Lethargie befreit, hofft vergebens. Der Klappentext verspricht zwar, dass ihre Mentoren Achilles und Patro sie zu einer „gefährlichen Kriegerin formen“, davon bekommt man aber herzlich wenig mit. 600 Seiten später hat Alexis nicht eine Unze mehr Kampfgeist (oder Fähigkeiten) in sich als am Anfang. Sie hat ein paar gute Momente, in denen ich richtig gehofft hatte „jetzt ist es soweit, jetzt kommt sie zu sich“, aber das war nur ein kurzes Aufflammen von Widerstand, das schnell in sich zusammenfiel. Die meiste Zeit lässt sie sich widerstands- und willenlos durch die Ereignisse treiben und hinterfragt nicht, was um sie herum oder gar mit ihr geschieht. Obwohl sie eigentlich als sehr clever beschrieben wird, wirkt sie überwiegend extrem naiv und unaufmerksam.
Neben meinen Problemen mit Alexis war ein weiteres Manko, das ich beim Lesen hatte, dass es nicht eine annähernd sympathische Figur gab. Eine Ausnahme war höchstens die Schlange Nyx, aber mit der Zeit machte es den Eindruck, dass sie nur als Comic Relief herhalten soll. Ich hatte gehofft mehr über die Sonderbarkeiten ihrer Beziehung zu erfahren, aber das spart sich die Autorin wohl für den Folgeband auf. Ansonsten strotzt das Buch von unausstehlichen Begleitcharakteren. Besonders die männlichen Hauptfiguren waren ein einziges rotes Warnsignal. Schon klar, bei Dark Romance gehört das dazu, aber für mich funktioniert das nur, wenn man etwas von der Bindung zwischen den Protagonisten spürt. Hier bauen alle männlichen Wesen in Alexis Umfeld quasi aus dem Nichts eine übertriebene Besessenheit von ihr auf und Alexis scheint von alledem nichts mitzubekommen. Man bekommt als Leser auch nichts davon mit, wie sie sich mit potenziellen Gefühlen für ihre Verehrer auseinandersetz, weil sie ja die ganze Zeit nicht mitzubekommen scheint, dass absolut jeder etwas von ihr will. Allein bei dem Gedanken daran, will ich die Augen verdrehen.
Insgesamt muss ich sagen, dass Blood of Hercules meiner Meinung nach sowohl mit seinen Charakteren als auch der Handlung hinter den Möglichkeiten zurückbleibt. Es lässt sich gut lesen und ab einem gewissen Punkt, kann man gut durchrauschen, ohne weiter drüber nachzudenken, aber die Handlung bleibt überwiegend schleppend und einzelne Spannungsspitzen können über den Mangel an Entwicklung nicht hinwegtrösten. Ich glaube, es ist eins von diesen Büchern, bei denen es einfach passt, oder eben nicht und für mich gilt eher letzteres. Aber bei all den positiven Rezensionen muss es auch einen Grund dafür geben. Meine Erwartungen hat es leider nicht erfüllt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2025

DI Wilkins erster Fall

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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Simon Masons Kriminalroman Ein Mord im November entführt seine Leser in die traditionsreiche und zugleich düster-atmosphärische Welt der Universität Oxford – und präsentiert ein Ermittlerduo, das unterschiedlicher ...

Simon Masons Kriminalroman Ein Mord im November entführt seine Leser in die traditionsreiche und zugleich düster-atmosphärische Welt der Universität Oxford – und präsentiert ein Ermittlerduo, das unterschiedlicher kaum sein könnte: DI Ryan Wilkins, aufgewachsen im Trailerpark, ungeschliffen und direkt, trifft auf seinen Namensvetter DI Raymond Wilkins, selbst Oxford Alumni und aus der wohlhabenden Mittelschicht stammend. Gemeinsam sollen sie den Mord an einer unbekannten jungen Frau aufklären, deren Leiche ausgerechnet im Arbeitszimmer des Provosts von Barnabas Hall gefunden wurde. Die heiklen Tatumstände fordern äußerstes Fingerspitzengefühl – etwas, das DI Ryan Wilkins absolut fremd ist.
Die Handlung ist durchweg spannend und wendungsreich. Jedes Mal wenn ich dachte den Fall durchschaut zu haben, kam ein neuer Hinweis, der ihn in eine neue Richtung gelenkt hat. Mason versteht es wirklich, seine Leserschaft bei der Stange zu halten und die Ermittlungen mit interessanten Entwicklungen voranzutreiben. Auch zum Schluss ist es ihm gelungen die Handlungsstränge stimmig zusammenzuführen, den Mord aufzuklären und gleichzeitig genug Anreize zu legen, die auf eine Fortsetzung neugierig machen.
Weniger überzeugt haben mich die Figuren. Zwar funktioniert das Spannungsverhältnis zwischen Ray und Ryan als Kontrastprogramm sehr gut, doch wirken beide stellenweise doch sehr überzeichnet. Besonders Ryan gerät fast zur Karikatur: Prollige Sprache, ständiges Im-Schritt-Kratzen, eine nicht zugelassene Waffe und Jogginghose als Arbeitsuniform. Seine ruppige, unsensible Art soll provozieren und bewusst anecken – doch einige seiner Aussagen, insbesondere solche mit rassistischer Färbung oder sexistische Bemerkungen (selbst das Opfer bleibt davon nicht verschont), haben mich beim Lesen ziemlich abgestoßen. Ich finde es persönlich sehr schwierig einer Figur durch die Handlung zu folgen, wenn ich mit ihr selbst nichts anfangen kann, also hat es mir Ryan beizeiten entsprechend schwer gemacht, am Ball zu bleiben. Ich finde es eigentlich sehr bedauerlich, dass alles an ihm so übertrieben dargestellt wurde, denn an sich hat sein Charakter eine sehr interessante Geschichte, aus der man viel machen könnte. Stattdessen habe ich mich neunzig Prozent der Zeit gefragt, wie er diesen Job überhaupt bekommen hat und weshalb er noch nicht gefeuert wurde.
Ray auf der anderen Seite, ist leider auch nicht weniger klischeehaft, nur geht es bei ihm ums Regelbefolgen, den guten Ton treffen und seinen Qualitätsanspruch an Designerkleidung. Bei den Charakteren hätte ich mir einfach etwas mehr erhofft.
Trotzdem: Die Krimihandlung ist klug konstruiert, der Schreibstil klar, stimmungsgeladen und pointiert, und wer sich an schwierigen Figuren nicht stört, wird hier mit einem spannenden Fall und einem interessanten Ermittlerduo belohnt. Ein Mord im November ist ein intelligenter Krimi mit sozialem Tiefgang und originellem Setting – stark in der Handlung, aber mit ausbaufähigen Charakteren, die nicht jeder mögen wird.

Veröffentlicht am 04.05.2025

Eher verschenktes Potential

Killer Potential
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Hannah Deitch legt mit Killer Potential ein Debüt vor, das mit einem sehr starken Einstieg punktet, im weiteren Verlauf aber spürbar an Spannung und Biss verliert. Das Buch beginnt, wie man es sich bei ...

Hannah Deitch legt mit Killer Potential ein Debüt vor, das mit einem sehr starken Einstieg punktet, im weiteren Verlauf aber spürbar an Spannung und Biss verliert. Das Buch beginnt, wie man es sich bei einem Thriller nur wünschen kann, eine interessante Protagonistin, ein sonderbarer Tatort und viel zu verlieren. Eigentlich hätte es nur eine ganz gewöhnliche Nachhilfestunde werden sollen, so wie jeden Tag, doch auf einmal steht Evie Gordon in dem Beverly Hills Traumhaus ihrer Klienten und ihre Welt ist nicht mehr dieselbe. Jemand hat Mr. Und Mrs. Victor brutal ermordet und ausgerechnet Evie ist als erste am Tatort. Sie will gerade um Hilfe rufen, da entdeckt sie einen weiteren Schrecken im Inneren des Hauses. Eine Frau, eingesperrt, offensichtlich misshandelt, dehydriert und anscheinend so verstört, dass sie kein Wort über die Lippen bringt. Was tut man nun in einer solchen Lage? Doch noch während Evie versucht durch diese unmögliche Situation zu navigieren, wird ihr jede Entscheidung abgenommen, als sich die Ereignisse überschlagen und sie auf einmal gezwungen ist die Flucht zu ergreifen. Plötzlich ist Evie die meistgesuchte Frau im ganzen Land. Von SAT-Tutorin zur Killerin. Das hätte nicht ihre Geschichte sein sollen – doch jetzt ist sie mittendrin.

So stark die Prämisse ist, so enttäuschend war für mich leider das, was am Ende daraus gemacht wurde. Statt einem tempo- und wendungsreichen Thriller entfaltet sich nach dem aufregenden Einstieg ein eher zähflüssiger Roadtrip, der nur vereinzelte Spannungsspitzen zu bieten hatte. Die Handlung plätschert überwiegend vor sich hin, ohne wirklich viel zu bieten oder auch nur neue Impulse für eine Entwicklung zu setzen. Größtenteils verliert sie sich in den immergleichen Abläufen aus Tanken, Autofahren und dem obligatorischen Halt bei McDonalds oder Starbucks. Ermittlungen finden im Grunde gar keine statt. Die Polizei agiert furchtbar klischeehaft, überzogen und ineffektiv. Man hat sich auf Evie als erstbeste Täterin eingeschossen und auf einmal wird daraus eine landesweite Hexenjagd. Aus dramaturgischen Gründen kann ich das verstehen, aber mir fehlte ein vernünftiges Gegengewicht zu dieser überzogenen Fahndung. Irgendwelche neuen Erkenntnisse, DNA Spuren (das Haus müsste voll davon sein) oder Befragungen im Umfeld der Victors. Stattdessen sucht das ganze Land nach wenigen Stunden nach Evie Gordon und niemand interessiert sich für irgendwelche Fakten. Es besteht auch kein wirkliches Interesse an ihrer Begleitung. Der Polizei gelingt es nicht einmal selbst deren Namen zu ermitteln. Natürlich muss man berücksichtigen, dass alles aus Evies Perspektive geschildert wird und so beim Leser ankommt, wie sie es wahrnimmt, aber mir hat dahingehend einfach was gefehlt. Auch Evie selbst, angeblich hochintelligent, liefert kaum neue Erkenntnisse. Sie setzt sich im Großen und Ganzen kaum mit dem Fall auseinander. Sie entwickelt mit der Zeit eine Theorie über den Mord an den Victors und ist fest davon überzeugt, dass das die einzig richtige Antwort auf alle Fragen sein kann, dabei ist diese so absurd, dass ich als Leserin nur die Augen darüber verdrehen konnte.

Mit den Defiziten in der Handlung hatte ich darauf gehofft, dass die Protagonistinnen das Ruder nochmal herumreißen könnten, aber auch hier ist der Funke für mich nicht übergesprungen. Anfangs fand ich Evie sehr interessant. Ich mag ambivalente Figuren, besonders solche, die nicht typischerweise gut oder auf Anhieb symphytisch sind. Allerdings ist es ein Balanceakt die Figur nicht zu sehr ins unsympathische abrutschen zu lassen. Mit Evie war das leider so für mich. Manche Aspekte ihrer Persönlichkeit waren gut ausgestaltet und nachvollziehbar, aber insgesamt wirkt sie wie ein klassisches „Mean-Girl“, das sich selbst überschätzt. Der einzige Grund sie noch anzufeuern war ihre Unschuld bei dem ganzen Schlamassel, aber selbst das war irgendwann nicht mehr möglich.

Auch die Romanze zwischen ihr und ihrer Begleiterin hat mich nicht abholen können. Die Autorin hat auf eine Bonnie und Clyde Dynamik abgezielt, aber als Bonnie und Bonnie Variante, was ich als Idee sehr cool finde, hier aber einfach nicht gefühlt habe. Evie und ihre Begleiterin wechseln für die Hälfte des Buches kaum ein Wort miteinander, jede Interaktion ist überschattet von der Flucht, bis von jetzt auf gleich die Stimmung zwischen ihnen zu etwas Romantischem umschlägt. Dabei kennt Evie – und auch der Leser – die Andere nicht wirklich. Man lernt erstmal nur das Bild kennen, dass Evie sich von ihr ausgemalt und zusammengereimt hat. Eine merkwürdige Basis für eine „wir gegen den Rest der Welt“-Romanze.

Als Pluspunkt zum Schluss, kann ich immerhin den Schreibstil hervorheben. Das Buch ließ sich recht gut lesen, angenehm und flüssig. Auch das Coverdesign gefällt mir richtig gut, das will ich nicht unerwähnt lassen. Über die inhaltlichen Schwächen tröstet das aber nur teilweise hinweg. Insgesamt hat mich das Buch als Thriller nicht so richtig überzeugt. Trotz der wirklich spannenden Idee ließ die Umsetzung für mich zu wünschen übrig. Deshalb bekommt Killer Potential von mir 2 bis 2.5 Sterne.