Profilbild von LaNasBuchclub

LaNasBuchclub

Lesejury Star
offline

LaNasBuchclub ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LaNasBuchclub über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Sehr besonders

Ich, die ich Männer nicht kannte
0

Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein einzigartiges Buch, das sich keiner Kategorie so wirklich unterordnen will. Im Kern wohl am nächsten dran an einer dystopischen Erzählung, ...

Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein einzigartiges Buch, das sich keiner Kategorie so wirklich unterordnen will. Im Kern wohl am nächsten dran an einer dystopischen Erzählung, versetzt einen der Roman in eine befremdliche neue Realität und zwingt einen dazu sich mit Überleben, Freiheit und der ganz essenziellen Frage auseinanderzusetzen, was es überhaupt bedeutet Mensch zu sein. Man begegnet der namenlosen Erzählerin in einem Keller, in dem sie eingesperrt mit 39 anderen Frauen lebt, ein jeder Aspekt ihres Lebens von einer unbekannten Entität bestimmt. Es ist die einzige Realität, die sie je kannte. Bis sich eines Tages eine Tür öffnet und die Frauen in eine Welt entlässt, die nur Fragen, niemals Antworten für sie bereithält.
Der Schreibstil ist schlicht und gerade zu Anfang war ich überrascht, wie sachlich er sich anfühlt. Es war fast, als bestünde eine greifbare Distanz zwischen mir und der Erzählerin, ein Befremden angesichts ihrer ungewöhnlichen Stimme. Bis man etwas mehr darüber erfährt, welche Umstände sie geformt haben. Erst dann begreift man, wie einzigartig ihre Erzählstimme eigentlich ist. Was bleibt? Was macht einen aus, wenn sich sämtliche Erfahrungen des Lebens in einem abgegrenzten, künstlichen Raum mit den immer selben Leuten beschränken? Wenn man nie erlebt hat, wie sich die Sonne auf der Haut anfühlt oder das Gras unter den Füßen. Weshalb Wörter lernen wie Vogel oder Flugzeug, wenn man beides nie gesehen hat und niemals sehen wird. Unsere Erzählerin, die so beraubt von Einflüssen und Erfahrungen ist, die wir in unserem Alltag meist für selbstverständlich halten, bringt all das und mehr in ihrer Stimme zusammen. Es fällt schwer in Worte zu fassen, wie sich das beim Lesen angefühlt hat. Noch schwerer es in so banale Kategorien wie gut oder schlecht einzuteilen. Es war einfach anders. Einzigartig. Ich habe mich beim Lesen an McCarthys The Road und Emily St. John Mandels Station Eleven erinnert gefühlt, wobei Einsamkeit und Ungewissheit hier irgendwie ungleich viel schlimmer und drückender ausgearbeitet sind.
Über den Inhalt an sich will ich nicht viel sagen. Ich finde je weniger man weiß was einen erwartet, desto besser. Was ich aber ansprechen will ist mit welcher Erwartungshaltung man an dieses Buch rangehen sollte. Es ist definitiv kein comfort-read, kein gemütlich-zum-einkuscheln-und-mal-zwischendurch-lesen Buch. Wer in Büchern einen runden Abschluss, ein großes Finale oder happy-end sucht und alle offenen Fragen beantwortet haben will, wird hier nicht fündig. Und auch wenn man es bei dem Titel vielleicht vermuten könnte, findet in dem Roman keine tiefgreifende Auseinandersetzung damit statt, warum eine Welt ohne Männer besser oder schlechter wäre. Es ist schlicht ein weiterer Umstand im Leben der Protagonistin. Das Patriachat oder starre Geschlechterrollen lernt sie nicht kennen, weil sie Männer nicht kennt. Da darf der Titel gerne wörtlich verstanden werden. Das alles soll aber keineswegs abschrecken, denn lässt man sich drauf ein, kann Ich, die ich Männer nicht kannte eine unglaublich tolle Leseerfahrung werden. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, unaufgeregt ist und dennoch intensiv und über den man noch lange nachdem man die letzte Seite hinter sich gelassen hat nachdenken wird.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Der Fischer im Netz

Prost, auf die Fischer
0

Ein Betriebsausflug der etwas anderen Art erwartet die Kolleginnen und Kollegen der Brunngrieser Polizeidienststelle, als sie bei ihrer Wanderung hinauf zum idyllischen Frillensee auf die Leiche von Harald ...

Ein Betriebsausflug der etwas anderen Art erwartet die Kolleginnen und Kollegen der Brunngrieser Polizeidienststelle, als sie bei ihrer Wanderung hinauf zum idyllischen Frillensee auf die Leiche von Harald Lorenz stoßen. So wird aus Kaffee und Kuchen mit Seeblick ganz schnell eine Mordermittlung! Gut nur, dass unser Top-Ermittler-Team einen reichen Erfahrungsschatz mitbringt, denn der inzwischen 12. Fall für Tischler und Fink hat es wieder ganz schön in sich. Wie landete der ortsansässige Fischer tot in einem Netz, noch dazu in einem See, in dem nicht gefischt werden darf? Ein Blick in das persönliche Umfeld von Harald Lorenz lässt erkennen, dass sich das Opfer zu Lebzeiten so einige Feinde gemacht hat. Die Frage bleibt also, wem Herr Lorenz derart auf die Füße getreten ist, dass er am Ende dafür sterben musste.
Mit Prost, auf die Fischer hat Autor Friedrich Kalpenstein wieder einmal einen wunderbar humorvollen Krimi in die Welt entlassen, der sich hervorragend in die Prost-Reihe einfügt. Mittlerweile fühlt es sich an wie nach Hause kommen, wenn man die ersten Seiten aufschlägt und all die lieb gewonnenen Figuren wieder in die Arme schließen kann. Bei all dem Chaos in der Welt, kann man sich zumindest darauf verlassen, dass Luise stets einen brühfrischen Brunello parat hat, das KRAUSE eine neue kulinarische Attraktion auf der Tageskarte zum Besten gibt und Frau Kneidinger schneller mit Informationen aufwarten kann als die CIA.
Nicht weniger unterhaltsam sind auch die wendungsreichen Ermittlungen im Fall Harald Lorenz ausgefallen. Mit cleveren Finten, überraschenden Hinweisen und spektakulären Enthüllungen wird es nie langweilig und man ist als Leser bestens aufgestellt zum Miträtseln und Spekulieren. Damit bringt Prost, auf die Fischer alles mit, was ich mir von einem tollen Provinz-Krimi erhoffe, und bestätigt einmal mehr, warum ich so sehr an dieser Reihe hänge. Ein durchweg empfehlenswerter 12. Teil, der mich schon jetzt mit Vorfreude auf die Fortsetzung zurücklässt.

Veröffentlicht am 19.01.2026

Starker Reihenauftakt

The Ordeals
0

The Ordeals von Autorin Rachel Greenlaw, erschienen am 17.01.2026 im Klett-Cotta Verlag ist ein spannender, mitreißender Roman, den man in der wild wachsenden Landschaft des Romantasy Genres definitiv ...

The Ordeals von Autorin Rachel Greenlaw, erschienen am 17.01.2026 im Klett-Cotta Verlag ist ein spannender, mitreißender Roman, den man in der wild wachsenden Landschaft des Romantasy Genres definitiv im Blick behalten sollte. Randvoll mit faszinierender Magie, tödlichen Herausforderungen und erschütternden Geheimnissen entführt der Roman seine Leserschaft in die geheimnisumwitterten und düsteren Hallen der Killmarth Academy. Hier liegen alle Hoffnungen und Träume unserer Protagonistin Sophia De Winter, denn nur hinter den schützenden Barrieren von Killmarth kann sie dem undurchschaubaren Ränkeschmieden ihres Onkels entfliehen. Gebunden durch einen magischen Vertrag ist Sophia seit ihrer frühsten Kindheit dazu verdammt für ihn, den sie nur als den Sammler kennt, zu arbeiten. Aber damit soll nun endlich Schluss sein. Sophia ist bereit ihre Ketten zu sprengen und alles zu riskieren, um einen der hart umkämpften Studienplätze an der Elite-Akademie zur ergattern. Sie will eine voll ausgebildete Magie-Wirkerin werden und ein für alle Mal der Kontrolle ihres Onkels entfliehen. Doch um einer tödlichen Gefahr zu entkommen, muss sie sich erst einer weiteren stellen. Nur wer die brutalen Aufnahmeprüfungen besteht, wird seinen Traum von einem Studium in Killmarth erfüllen können und alsbald muss Sophia bei den Ordeals nicht nur um ihr Leben kämpfen, sondern wohlmöglich auch um ihr Herz.
Das Buch kommt in einem wunderschönen Design, komplett mit geprägter Buchdecke, schimmerndem Golddruck und einem rundum gestalteten Farbschnitt und passt für meinen Geschmack hervorragend zur Geschichte und ihrer Stimmung. Zu meiner großen Freude hat mich das Buch aber nicht nur mit seinem schönen Äußeren bezirzt, sondern konnte mit auch inhaltlich total abholen. Der Schreibstil ist sehr leichtgängig und einnehmend, während es der Autorin hervorragend gelingt, gleich zu Anfang eine düstere und mysteriöse Atmosphäre zu etablieren, die einen durch das ganze Buch hindurch begleitet. Ich bin eigentlich nicht der allergrößte Dark Academia Fan (irgendwie ist der Funke nie übergesprungen), aber hier hat es für mich absolut funktioniert. Als würde man selbst in einem burgunderroten Rollkragenpullover frühmorgens an den Klippen von Killmarth stehen, den kalten Dunst der Küstenluft spürend und darüber nachsinnend, mit welcher Taktik man das nächste Ordeal am ehesten überlebt. Darüber hinaus hat mir gefallen, wie viel die Autorin in der Handlung zusammengebracht hat, ohne dass die Story überladen wirkte. Ein bisschen Konkurrenzkampf am Elite-College, eine Spur Murder-Mystery, ein faszinierendes Magiesystem, alles oder nichts Action Szenen und auf die gute Portion Romance musste man auch nicht verzichten. Letzteres hat sich nach meinem Gefühl auch gut in die Story eingefügt, wobei die Entwicklung zwischen Sophia und Alden für mich persönlich etwas schnell passiert (ich bin aber auch die-hard fan von Slow Burn, es ist also eher ein halber Kritikpunkt).
Die Protagonisten haben mir allesamt ganz gut gefallen, allerdings stach für mich keiner von ihnen besonders heraus. Sophia, wenn auch glaubhaft als Charakter ausgestaltet und überwiegend nachvollziehbar in ihren Handlungen und Entscheidungen, wirkte alles in allem ein bisschen austauschbar. Ich hing tatsächlich mehr an der Handlung als an ihrer individuellen Entwicklung, falls das irgendwie nachvollziehbar klingt. Zumindest bei Tessa und Greg war ich emotional etwas investierter. Am meisten mochte ich tatsächlich, dass einen die Autorin bei den meisten Figuren lange Zeit im Unklaren lässt, ob ihnen zu trauen ist. Was sind ihre Absichten? Verbirgt sie was? Ist er wirklich so wie es scheint? Ich war ständig auf der Hut und das war ein großes Plus in Puncto Unterhaltung.
Mein vielleicht größter Kritikpunkt wäre, dass die Sprache im Verlauf der Handlung manchmal sehr pathetisch geworden ist, besonders wenn Sophia mal wieder eine Erkenntnis über sich, ihre Gefühle oder jemand anderen und dessen Gefühle hatte. Dann hat sie eine bestimmte Situation oder Erkenntnis auf diese übertrieben hochtrabende Art durch analysiert und ein wenig Kalenderspruch-artig ihr Fazit gezogen. Das war definitiv nicht meins, obwohl ich fairerweise sagen muss, dass es mehr lustig als störend war.
Alles in allem hat mich The Ordeals dennoch super positiv überrascht. Während der ersten Kapitel war ich noch skeptisch, aber ehe ich mich versah, war ich mittendrin in dem Chaos aus Feuer, Illusionen, Ranken und Attentaten. Atmosphäre und Tempo haben ihr Übriges getan, sodass ich irgendwann richtig an den Seiten geklebt habe. Total unterhaltsam und abwechslungsreich, mit einem Finale das gespannt auf eine Fortsetzung macht.

Veröffentlicht am 09.12.2025

Geschmackssache

Bonds of Hercules
0

Nachdem Alexis die brutale Ausbildung an der spartanischen Kriegsakademie mit Ach und Krach überlebt hat und mit der schockierenden Wahrheit über ihre Vergangenheit konfrontiert wurde, muss sie sich in ...

Nachdem Alexis die brutale Ausbildung an der spartanischen Kriegsakademie mit Ach und Krach überlebt hat und mit der schockierenden Wahrheit über ihre Vergangenheit konfrontiert wurde, muss sie sich in „Bonds of Hercules“ nun den Konsequenzen ihres neuen Lebens als Erbin von Haus Hades stellen. Das heißt unter anderem sich als neustes Mitglied der Assembly of Death dem Kampf mit blutrünstigen Titanen zu stellen und zur Teilnahme an tödlichen Gladiatorenkämpfen gezwungen zu werden. Tja, das Leben als Götterspross ist gar nicht mal so toll wie alle immer denken. Und als wäre das alles nicht anstrengend genug, hat Alexis zwei sehr kontrollsüchtige neue Ehemänner, mit denen sie sich, ob sie will oder nicht, fortan herumschlagen muss. Das perfekte Rezept für Chaos, witzige Wortgefechte und eine Menge ungeklärter Gefühle.
Bonds of Hercules von Autorin Jasmine Mas ist der zweite Teil der Villians of Lore Reihe und baut unmittelbar auf den Geschehnissen des ersten Teils auf. Es empfiehlt sich also dringend den schon gelesen zu haben, damit man sich so gut wie möglich in dem World Building und mit den Charakteren zurechtfindet. Das Buch wurde, wie schon sein Vorgänger, wunderschön ausgestaltet und kommt mit veredeltem Schutzumschlag, vollständig gestaltetem Einband und einem tollen Motiv-Farbschnitt. Es ist ein absoluter Hingucker im Bücherregal.
So sehr mir Bonds of Hercules von außen gefällt, so wenig hat es mich mit seinem Inhalt abgeholt. Der Schreibstil von Jasmine Mas ist (bis auf den Spice) insgesamt angenehm und super leicht zu lesen, gar keine Frage. Für mich persönlich gab es in der Geschichte aber zu viele Baustellen, die einfach nicht passen wollten. Angefangen mit der Handlung. Es gibt einige Spannungs-Spitzen, die einen bei der Stange halten, bei rund 600 Seiten bleibt die Geschichte in weiten Teilen jedoch ereignislos, teilweise sogar repetitiv. Manche Sequenzen zogen sich sehr in die Länge, andere Szenen wurden eingeschoben, die nichts beigetragen haben, weder zur Handlung noch World-Building oder Charakter-Entwicklung. Es war pures „Seiten Füllen“. So hat für mich das Tempo in der Handlung überhaupt nicht gestimmt. Der krönende Abschluss war ein Finale und eine Enthüllung/ Konfrontation, die antiklimatischer nicht hätte sein können. Da baut die gesamte Geschichte auf dieses eine Endspiel hin und dann wird es innerhalb weniger Seiten in absolut unterwältigender Weise abgehandelt. Der Klappentext verspricht höhere Einsätze, dunkle Geheimnisse und tödliche Gefahren. Davon habe ich leider nichts in der Geschichte wahrgenommen. Es hat sich nie so angefühlt, als wäre eine/r der ProtagonistInnen tatsächlich in Gefahr, als stünde irgendetwas auf dem Spiel – selbst der „Bösewicht“ der Geschichte wird seiner Rolle nicht gerecht.
Leider konnten mich auch die Figuren nicht über die schwache Handlung hinwegtrösten. Ich hatte schon im ersten Teil Schwierigkeiten mich für Alexis, Kharon und Augustus zu begeistern, also bin ich nicht mit den besten Voraussetzungen in diesen Teil gestartet, aber die drei haben auch nicht viel gemacht, um mich zu überzeugen. Kharon und Augustus kann man zugutehalten, dass sie in diesem Teil um einiges weniger toxisch unterwegs sind (sie sind trotzdem noch wandelnde Red Flags) und sich tatsächlich bemühen verständnisvoll zu sein, das wars dann aber auch. Alexis hat sich ebenfalls gemacht, lässt sich weniger gefallen und hofft auch nicht mehr an jeder Ecke zu sterben, aber im Großen und Ganzen blieb ihr Charakter für mich unzugänglich. Tatsächlich wirkt ihre Persönlichkeit so verändert, dass ich sie kaum mit ihrer Version aus Teil 1 zusammenbringen kann. Als wären Teile ihres Entwicklungsprozesses einfach übersprungen worden.
Die Drei zusammen entwickeln sich immer mehr zu einer funktionierenden Einheit, wobei für mich auch hier das Tempo ganz merkwürdig war. Am Ende des letzten Teils wollte sich Alexis für den Hinterhalt von Kharon und Augustus grausam rächen. Diese Agenda scheint sie aber irgendwie vergessen zu haben. Stattdessen ist es ein nicht enden wollendes hin und her in dem Alexis versucht sich einzureden, dass sie sich nicht zu den beiden hingezogen fühlt und wenn doch, dass es nur körperlich sei. Dann spricht sie auf einmal von Liebe. Okay, I guess?
Die Nebencharaktere sind kaum der Rede wert. Es gibt sie, hin und wieder tauchen sie auf, machen vielleicht eine Kleinigkeit für den Plot, das wars. Keinen lernt man wirklich kennen, keiner wächst einem ans Herz, für Alexis sind sie meistens auch nur eine Randnotiz. Die tierischen Sidekicks waren für mich das Beste am ganzen Buch. Achilles und Patro haben es tatsächlich geschafft noch unsympathischer zu werden, was besonders schwierig ist, weil sie wohl in der Fortsetzung die Rolle der MMCs einnehmen werden. Keine Ahnung wie das funktionieren soll, wenn niemand sie leiden kann.
Insgesamt hatte ich mit Bonds of Hercules echt meine Schwierigkeiten. Mit einer Handlung, die ich in weiten Teilen langweilig fand und ohne eine einzige Figur, an der mir irgendetwas lag und an deren Schicksal ich minimal interessiert war, war ich einfach nicht so motiviert meine Zeit in die Geschichte zu investieren. Ich glaube aber, wenn man das Buch nicht zu ernst nimmt und mit einer sehr lockeren Anspruchshaltung da ran geht, kann man durchaus eine Menge Spaß damit haben, schon allein, weil es so dermaßen chaotisch ist. Am Ende bleibt es Geschmackssache. Alexis Geschichte hat so viele begeisterte Fans, dafür gibt es einen Grund. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass mich dieser Teil auch mit an Bord holt, aber ich schätze, das ist einfach nicht meine Buchreihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.07.2025

Ein absolut packendes Debut

A Dance of Lies
0

A Dance of Lies: Die Spionin von Autorin Brittney Arena ist ein wunderschöner Fantasy Roman voller Kunst, Intrigen und verbotenen Gefühlen. Im Zentrum der Erzählung steht die junge Tänzerin Vasalie Moran, ...

A Dance of Lies: Die Spionin von Autorin Brittney Arena ist ein wunderschöner Fantasy Roman voller Kunst, Intrigen und verbotenen Gefühlen. Im Zentrum der Erzählung steht die junge Tänzerin Vasalie Moran, die, einst fälschlich des Mordes bezichtigt, all ihre Kraft und Agilität eingebüßt hat und nur noch als ausgehungerter Schatten in den Gemäuern der Kerker existiert. Bis ihr König und Kerkermeister Illian einen Ausweg bietet. Vasalie soll sich als Tänzerin in das Künstlerensemble einschleichen, welches bei der Zusammenkunft der Kronen auf Anell für das Unterhaltungsprogramm zuständig ist und für ihn als Spionin am Hofe seines Bruders König Anton Aufträge ausführen. Ob Vasalie sich trotz ihrer körperlichen Versehrtheit inmitten politischer Ränkeschmiede, skrupelloser Könige und aufkeimender Gefühle behaupten kann, ist auf rund 500 spannenden Seiten zu lesen.
Vorweg soll gesagt sein, dass sich der Klett-Cotta Verlag bei der Gestaltung des Buches wieder einmal selbst übertroffen hat. Vom Farbschnitt bis zur Buchdecke ist es ein wirklich wunderschönes Buch. Ich liebe auch sehr, dass das Cover die Glaskunst, welche in Anell so detailreich beschrieben wird, mit aufgreift, wobei es mir mit den kräftigen Farben sogar noch besser gefällt als das englische Pendant.
Inhaltlich konnte mich A Dance of Lies ebenfalls abholen, wenn auch nicht in jeder Facette. Aber dazu später. Der Schreibstil hat mir auf Anhieb gut gefallen und er hat mich hervorragend durch die Geschichte getragen. Er ist flüssig und bildhaft, ohne ins Prätentiöse abzudriften, wie ich es bei so manch anderem gehypten Romantasy Buch erlebt habe. Besonders die Tanzszenen hat die Autorin wirklich toll beschrieben, als würde sich jede Bewegung aus der Seite herauslösen, um vor dem inneren Auge noch klarer zu werden.
Auch die Charaktere sind toll ausgearbeitet, von Illian, den man ohne schlechtes Gewissen und voller Leidenschaft verachten kann, über Anton, der mit seiner Art und besonders seinem Charme trotzdem nicht so leicht zu durchschauen ist, bis zu den kleineren Nebenfiguren wie Brigitte oder Laurent. Vasalie als Hauptfigur macht einen guten Job, die Geschichte zu tragen. Es war wirklich spannend ihre Entwicklung zu verfolgen, wie sie sich nach der langen Zeit im Kerker wieder in ihr Leben zurück kämpft und lernt ihre Rolle als Spionin zu navigieren. Man hat bei ihr nie vergessen, dass hinter jeder Entscheidung ihr ungebrochener Wille zu Überleben steht. Besonders spannend waren in dem Kontext auch die Momente, in denen Illian etwas besonders Abscheuliches von ihr verlangt hat und sie versucht hat einen Weg zu finden, der sie Überleben lässt, ohne alles zu verraten zu müssen, woran sie glaubt. Nicht ganz so gelungen fand ich tatsächlich den Spagat zwischen der Darstellung ihres Handicaps infolge der Inhaftierung und ihrer Tanzfähigkeit. Es ist für die Story natürlich essenziell, dass es Vasalie gelingt zumindest annähernd ihr altes Niveau zu erreichen, aber wenn sie teilweise keinen Gang entlang gehen kann, ohne fast zusammenzubrechen, passt es irgendwie nicht so richtig, dass sie stundenlanges Training und aufwendige Performances durchstehen kann und die Erschöpfung sie erst danach einholt, wenn sie allein ist.
Zur Handlung sei am Ende noch gesagt, dass die Geschichte einen guten Spannungsbogen und ein solides Tempo mitbringt. Nach einem sehr guten Einstieg ging es für meinen Geschmack etwas träge weiter, aber das hat sich recht schnell wieder gelegt. Sobald die Vorgänge in Antons Palast erstmal an Fahrt aufnehmen, gibt es kaum einen langweiligen Moment. Besonders zum Ende hin macht die Geschichte nochmal einige interessante und unerwartete Entwicklungen durch. Das Love-Triangle hätte es für mich nicht gebraucht, aber das liegt hauptsächlich daran, dass ich einfach kein Fan dieses Tropes bin.
Insgesamt hat A Dance of Lies bei mir aber echt Eindruck hinterlassen und ich hoffe es wird eine Fortsetzung geben. Es ist eine leidenschaftliche und fesselnde Geschichte, die mit einer spannenden Handlung und authentischen Charakteren überzeugt. Ich kann sie daher unbedingt empfehlen.