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Veröffentlicht am 20.06.2020

Nett zu lesender Regionalkrimi

Schwarzer August
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„Schwarzer August“ war nun tatsächlich mein Einstieg in die Lost-Reihe, was absolut kein Problem darstellte: ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass es mir an Vorwissen mangelte; da muss man sich also ...

„Schwarzer August“ war nun tatsächlich mein Einstieg in die Lost-Reihe, was absolut kein Problem darstellte: ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass es mir an Vorwissen mangelte; da muss man sich also definitiv nicht scheuen.
Lost ist aufgrund seiner Asperger-Symptomatik sicherlich ein Protagonist, der etwas mehr ins Auge sticht, wobei sein Asperger-Dasein hier sehr unaufgeregt und als etwas absolut alltägliches dargestellt wurde, was mir sehr gefallen hat. In der Hinsicht schien hier ganz offensichtlich folgendes Motto vorzuherrschen: Ist halt so; sollte man wissen, muss aber nicht ständig hervorgehoben werden.

Mit der Explosion einer Bombe, bei der die Schließfächer der Bank dahinter in die Luft gesprengt werden, woraufhin es plötzlich zahlreiche Dollarscheine regnet, bei denen es sich mutmaßlich um Schwarzgeld handelt, fängt der Roman auch recht spannend und mysteriös an. Dieses Attentat stellt den Beginn einer Anschlagsserie dar und ohne groß spoilern zu wollen, ist für Lost bereits nach der ersten explodierten Bombe sehr klar, dass die Täterschaft sehr darum bemüht ist, möglichst nur Sachschäden anzustellen und keine Menschen zu verletzen. Das wandelt sich im Verlauf der Geschichte zwar ein wenig; nach Vorwarnung kommt es dann doch zu Verletzten, aber es wird im Vorfeld immer genau gewarnt, wen es treffen wird - und die Opfer sind nie große Sympathieträger.
Letztlich war es mir relativ egal, was als Nächstes in die Luft fliegen würde oder wem ein Sprengstoffsatz die Finger wegfetzen würde. Von Anfang an zielte der ganze Kriminalfall darauf ab, dass eben irgendetwas explodierte, wobei aber bitte niemand getötet werden sollte; noch dazu kristallisierte sich schnell heraus, dass ein hehres Motiv verfolgt wurde. Das führte dazu, dass ich schließlich einerseits zwar gerne wissen wollte, wer genau dahintersteckte, andererseits aber vielmehr darauf hoffte, dass Derjenige bitte nicht so einfach gefasst werden würde.
Mir war der Antagonisten-Faktor einfach viel zu klein; „das Böse“ schien hier viel zu sehr heldenhafter Widerstandskampf zu sein.
Zudem wiederholte sich das mehr oder minder gleiche Verbrechen ständig, ohne dass sonst viel passierte; nachdem ich knapp die Hälfte des Romans gelesen hatte, habe ich es erstmal für ein paar Tage zur Seite gelegt; gefesselt hat es mich nicht und ich war zunächst auch unschlüssig, ob ich überhaupt weiterlesen wollte.
Das hab ich dann hauptsächlich getan, weil ich zum Einen Lost als Figur sehr angenehm fand und zum Anderen mochte ich den Lokalkolorit sehr gerne; es mutet seltsam an, aber trotz der ständigen Attentate erweckte dieser Roman in mir richtig Lust auf einen Portugal-Urlaub.
Insgesamt würde ich „Schwarzer August“ auch durchaus eher als Regionalkrimi einstufen.

Mich hat „Schwarzer August“ nun nicht so richtig gepackt; ich habe grade keinerlei Interesse daran, die vorherigen Bände noch „nachzulesen“ und würde jetzt auch auf keinen weiteren Band geiern, aber auch nicht strikt ausschließen, dass ich zukünftig definitiv Gar kein Lost-Buch mehr lesen würde. Ich würde aber nicht mehr als in erster Linie lässig-fluffige Unterhaltung mit Lokalkolorit erwarten; „Schwarzer August“ hat sich für mich zumindest eher als solche und weniger als echte Spannungslektüre entpuppt. Ich sehe es eher als Strandlektüre an, die man bestenfalls tatsächlich am portugiesischen Algarvenstrand liest.

Veröffentlicht am 29.05.2020

Absolut anrührend

Pandatage
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Während der letzten Tage habe ich mir, sozusagen Kapitel um Kapitel, das von Hendrik Duryn, in der ungekürzten Fassung, eingesprochene Hörbuch zu „Pandatage“ angehört – und bin regelrecht dahingeschmolzen.
Die ...

Während der letzten Tage habe ich mir, sozusagen Kapitel um Kapitel, das von Hendrik Duryn, in der ungekürzten Fassung, eingesprochene Hörbuch zu „Pandatage“ angehört – und bin regelrecht dahingeschmolzen.
Die Geschichte um Danny, dessen Frau bei dem Unfall gestorben ist, den ihr kleiner Sohn Will schwerverletzt überlebt hat, und seine Bemühungen, für seinen Sohn zu sorgen, ihm das gewohnte Dach über dem Kopf weiterhin bieten zu können und ihn wenn möglich dazu zu bewegen, wieder zu sprechen, sind einfach herzallerliebst. Dabei wirkt die Tragödie zunächst übermächtig: die verunglückte, tote Frau und Mutter, der zweifelsohne traumatisierte Sohn, der seit dem Unfall nicht mehr spricht und sich in sein Schneckenhaus zurückgezogen hat, dazu verliert Danny nun noch seinen Job und die Miete, die dazu just um 20% erhöht worden ist, hat er auch schon länger nicht mehr zahlen können… da mutet es schon ein wenig seltsam an, wenn in der Buchbeschreibung von „Situationskomik“ und „saukomisch“ die Rede ist.

Soso, und wer „About a Boy“ mochte, der wird „Pandatage“ also lieben? Okay, damit kann ich tatsächlich d’accord gehen. Ich fand „Pandatage“ nun sogar sehr, sehr viel besser als „About a Boy“, sorry, Mr. Hornby.
Dazu tragen sicherlich auch die Nebencharaktere bei; ganz allgemein sind die Figuren hier zudem so divers, dass erst gar kein Einheitsbrei zu entstehen drohen kann; selbst die scheinbar „bösen“ Eigenschaften ruinieren in keinem Fall den Irrwitz der Personen. Selbst der skrupellose Vermieter zeigt zwischendurch überraschende Anzeichen von Menschlichkeit; sein Brutalo-Assistent wirkt häufig unfreiwillig komisch in seinem Beharren, endlich mal wem die Knochen brechen zu dürfen. Dannys Freund Ivan, ein der Beschreibung nach „mit Knasttattoos übersäter Kleiderschrank“ (der im Übrigen ganz besonders hervorragend von Hendrik Duryn intoniert wird; jeder Szene mit Ivan zu lauschen war mir mehr als eine reine Freude), entpuppt sich recht schnell als herzensguter Kumpel, der seine Freunde nicht im Stich lässt; auch die Tänzerin Krystal, die sich bis zuletzt einen Spaß daraus macht, Danny wieder und wieder zu foppen, lässt ihn dennoch nie hängen. Da fand ich es zudem übrigens positiv, dass hier nicht noch auf Biegen und Brechen eine Liebesgeschichte zwischen Danny und ihr, á la „der Witwer findet ein neues Liebesglück“, konstruiert wurde.
Als running gag dient hier das abgeranzte, schäbige Pandakostüm, in dem (fast) niemand zunächst einen Panda sieht (dafür aber einen Waschbär, einen Dachs… zu erkennen meint); für Ivan bleibt Danny da auch bis zuletzt konsequent die „tanzende Ratte“ – aber dennoch scheint exakt dieser Panda die Menschen zu faszinieren und bei einer Zufallsbegegnung mit dem Panda beginnt Will zu sprechen und sich fortan regelmäßig dem Panda anzuvertrauen, von dem er nicht weiß, dass sein Vater in jenem Kostüm steckt. Da finden rührende Gespräche statt, aus denen sich herzige Konsequenzen ergeben – aber auch die Spannung des Romans, denn man ahnt unweigerlich, dass Will irgendwann erfahren müssen wird, dass sein Vater jenen Pandabären darstellt, und dass das Vertrauensverhältnis dadurch wiederum beeinträchtigt sein könnte. Da hatte ich letztlich echt schon ein wenig Angst, dass „Pandatage“, was zuvor durchaus andauernd zum Schmunzeln war, in einem allzu dramatischen Höhepunkt enden könnte – oder in einem offenen Schluss, ohne dass sich die Grundthematik deutlich verändert gehabt hätte.
Aber Gould-Bourn hat es doch geschafft, die Geschichte glaubwürdig enden zu lassen; es wurde nichts überdramatisiert, aber auch nicht überromantisiert. Die traurig-melancholisch-witzige Handlung blieb quasi auf dem Boden der Tatsachen und ich habe es wirklich bedauert, als auch die letzte Romanzeile gehört war und ich die durchaus liebgewonnenen Figuren somit nicht noch länger auf ihrem Weg begleiten konnte.

Ein wunderbares Buch, voller Esprit vor einem ernsten Hintergrund und noch dazu voller charismatischer Figuren!

Veröffentlicht am 25.05.2020

Ungewohnt langweilig

Kann Gelato Sünde sein?
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Was Tessa Hennigs Bücher angeht, habe ich nur einen Anspruch: fluffige Kurzweil zu erleben. Und da war „Kann Gelato Sünde sein?“ nun unglücklicherweise ihr erstes Werk, das mich wirklich enttäuscht hat. ...

Was Tessa Hennigs Bücher angeht, habe ich nur einen Anspruch: fluffige Kurzweil zu erleben. Und da war „Kann Gelato Sünde sein?“ nun unglücklicherweise ihr erstes Werk, das mich wirklich enttäuscht hat. Ich habe kurz überlegt, ob mir der Roman noch drei Sterne wert wäre, auf die ich definitiv hätte aufrunden müssen, aber für mich hängt das Buch zu sehr zwischen zwei und drei Sternen fest als dass ich das guten Gewissens noch hätte tun können, zumal ich bei ungefähr 45% des Inhalts angelangt faktisch auch kurz davor stand, den Roman abzubrechen, weil mich einfach nichts so wirklich bei der Stange hielt.

Tatsächlich fand ich an diesem Roman nun den Nebenstrang betreffs Julia, der Tochter der Protagonistin, die just mit ihrem Freund Francesco einen Agriturismobetrieb aufbaut, sehr viel interessanter als die Geschichte rund um Emilia, die gefühlt innerhalb von nur drei Tagen nach Kalabrien reist, eine leerstehende Bäckerei entdeckt, diese erwirbt und renoviert, um dort unter den bösen Blicken des Bürgermeisters eine sofort megaerfolgreiche und bei den Dorfbewohnern sehr beliebte Konditorei zu eröffnen. Da hatte ich zudem den Eindruck als habe man Emilia zum Ende hin unbedingt noch einen etwas tiefschürfenderen Hintergrund andichten wollen, um sie womöglich nahbarer erscheinen zu lassen oder zumindest verbundener mit ihrer Tochter, zu der sie insgesamt kein allzu inniges Verhältnis (gehabt) zu haben schien.
Emilia fand ich im Allgemeinen auch eher unsympathisch; für mich kam sie wie das Klischee einer „Deutschen, die den Italienern mal so richtig zeigen will, wie gutes Leben geht“ rüber. Dass der nachmittägliche Kaffeeklatsch in Italien nicht üblich ist, dass Kuchen/Torten dort eher als Dessert betrachtet werden: egal, wenn Emilia ihr Café erst einmal geöffnet hätte, würden die Leute sich dort schon den Bauch vollschlagen. Und natürlich machten die Dorfbewohner das auch gleich, weil deutsche Backwaren doch auch ach so legendär sind. Okay, nein, eigentlich wurde ständig Tartufo bzw. Tartufo-Eistorte gegessen, wobei auf die Idee, Tartufo auf einen Teigboden zu setzen, meiner Meinung nach eh auch nur eine Deutsche kommen kann. Für eine Eistorte würde es da doch schon ausreichen, eine größere Tartufo-Kuppel zuzubereiten und diese dann in Stücke zu schneiden?! Womit man die Italiener weniger von deutscher Tortenbackkunst als von ihrem eigenen Dessert überzeugt… da war das Glaubwürdigste am Emilia-Thema für mich noch die wiederholte Betonung, dass das Café prominent an einer Durchfahrtsstraße liegt – was mich denken ließ, dass man dort tatsächlich einen Gewinn einfahren könnte, denn rein auf die paar Menschen, die dort quasi im (N)Irgendwo lebten, hätte man wohl kaum vertrauen können, dass sie jetzt ständig kamen, um Schwarzwälder Kirschtorte zu essen und sich das Café dadurch refinanzieren könnte.

Ich habe mich aber wirklich über jede Szene gefreut, die auf dem Hof von Julia und Francesco spielte, die aber eben eher hauptsächlich im ersten Drittel von „Kann Gelato Sünde sein?“ vorkamen; als sich das Geschehen dann mehr zur alten, neuen Konditorei auf dem Dorfplatz verlagerte, verlor mich die Handlung mehr und mehr. Für mich würde es den Roman definitiv aufgewertet haben, wäre die Hauptfigur Emilia überhaupt nicht darin vorgekommen, sondern die Bühne allein Julia und Francesco und ihren Bemühungen, was ihre Agristurismo-Pension anging, nebst ihrer kleinen persönlichen Liebeskrise überlassen worden.
Ich fand es sehr überraschend und gar schon etwas erschreckend, dass mich dieser Roman insgesamt eher gelangweilt hat; Potential ist zwar durchaus vorhanden gewesen, wurde aber kaum ausgenutzt und mir bleibt letztlich nur die Hoffnung, dass ein nächster Roman Hennigs mir wieder deutlich mehr fluffige Kurzweil zu bieten vermag.



[Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalleyDE, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Veröffentlicht am 21.05.2020

Spannend variiert

DUNKEL
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An „Dunkel“ verwirrte mich zunächst der Hinweis auf die „Hulda“-Trilogie, gepaart mit der Info, dass Hulda in „Dunkel“ kurz vor der Pensionierung steht und es in diesem Roman um ihren letzten Fall geht: ...

An „Dunkel“ verwirrte mich zunächst der Hinweis auf die „Hulda“-Trilogie, gepaart mit der Info, dass Hulda in „Dunkel“ kurz vor der Pensionierung steht und es in diesem Roman um ihren letzten Fall geht: Eine Trilogie impliziert ja, dass noch zwei Bücher folgen müssen; bedeutet das in diesem Fall also, dass „Dunkel“ nicht abgeschlossen ist, sondern sich Huldas letzter Fall schließlich auf insgesamt drei Romane erstrecken wird?
Ich hasse „erzwungene Fortsetzungen“; in jenen Fällen warte ich lieber ab, bis die Reihe komplett abgeschlossen ist, um die einzelnen Teile am Stück lesen zu können – allerdings habe ich in den letzten Jahren eine Vorliebe für in Island spielende Krimis und Thriller entwickelt und in Sachen „Dunkel“ hat mich meine Ungeduld und Neugier letztlich übermannt: Ich finde es nach wie vor definitiv unglücklich, dass sich in Bezug auf diesen Roman aktuell nirgends ein Hinweis findet, ob der „Dunkel“-Fall in den kommenden zwei Bänden der Trilogie weiter fortgesetzt wird und wer sich deswegen mit dem Lesen des Romans ein wenig ziert, dem sei hiermit gesagt, dass „Dunkel“, mehr oder minder, in sich geschlossen ist und definitiv nicht nach einer Fortsetzung schreit. Da habe ich mitunter auch während des Lesens noch gegrübelt, ob es am Ende zu einem spektakulären Cliffhanger käme, der eine Trilogie rechtfertigte, oder ob man dem Leser da weismachen wolle, dass Hulda nun in ihren letzten Tagen bei der Polizei noch schnell mal diverse bislang unlösbare Cold Cases aufklärte. Nö. Das Ende von „Dunkel“ war zwar durchaus ein wenig spektakulärer und hat mich echt kalt erwischt, aber die beiden Folgebände werden vermutlich dann doch jene zwei Fälle behandeln, die in „Dunkel“ nun plötzlich anscheinend völlig zusammenhanglos als die zwei großen Erfolge in Huldas Polizeikarriere eingeworfen wurden. Warum hätte der Autor das tun sollen, wenn er uns nicht auch von jenen Ermittlungen erzählen wollte?

Der „Cold Case“, mit dem Hulda sich zu befassen beschließt, ist übrigens auch gar nicht so „cold“: Zum Einen ist er dafür noch recht frisch und zum Anderen gilt er im Grunde genommen auch als geklärt; Hulda ist nur nicht allzu sehr von der Arbeit des in diesem Fall ermittelt habenden Kollegen überzeugt, der dafür bekannt ist, eher oberflächlich bis nachlässig zu ermitteln. Zugleich wird Huldas letzter „echter“ Fall als ungelöst an einen Kollegen übertragen, obschon Hulda ihn durchaus geklärt hat, was in einem Nebenstrang noch zum Thema wird, das dem Leser auch Einblick in Huldas persönliche Vergangenheit gewährt.
Ferner gibt es einen Rückblick in eine Zeit, in der eine offensichtlich alleinerziehende Mutter ihr Baby in einem Säuglingsheim besucht und ein zukünftig besseres Leben für ihr Kind und sich plant – hier ahnt man sehr schnell, dass dieser Rückblick ebenfalls Einblick in Huldas Vergangenheit gewährt, wobei zunächst aber rätselhaft bleibt, ob Hulda selbst hier womöglich die Mutter oder doch das Kind ist. Später wird das geklärt, und allgemein lässt sich festhalten, dass sich hier so mancher Knalleffekt aus Huldas Vergangenheit auf sehr leisen Pfoten anschleicht. Was als eine beflissene Figur beginnt, entwickelt sich später zu einem recht komplexen Charakter mit Ecken und Kanten und dunklen Geheimnissen, wegen derer man ihr aber nichtmals richtig gram sein kann.
Insgesamt diente „Dunkel“ in meinen Augen auch eher dem Zweck, die Leser des Romans mit der Hulda-Figur vertraut zu machen; den Fall der verstorbenen russischen Asylbewerberin habe ich hier dagegen schon fast als beiläufig, wenn auch nicht irrelevant, empfunden. Er lief halt so mit, während man Hulda kennenlernte.

Für mich hat „Dunkel“ Altbewährtes mit einer Vielzahl an überraschenden Erkenntnissen, die selten gleichbedeutend mit Wendungen waren, kombiniert und dabei eine authentische Polizistin, „kurz vor Dienstschluss“, präsentiert und es geschafft, dass ich jetzt durchaus gespannt auf den nächsten Band der Trilogie bin, auch wenn „Dunkel“ prinzipiell erstmal keinerlei „Fortsetzung“ erfordert. ;)

Veröffentlicht am 12.05.2020

Sehr viel sinnloses Blabla um ein wenig echt wertvollen Inputs

Ich hoffe, ich versau das!
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Soso, dieses Buch soll also Berufseinsteiger ansprechen ebenso wie Berufstätige, die mit ihrem Job hadern, ebenso wie Berufstätige, die längst ausgebrannt sind ebenso wie Menschen mit Depressionen… kurz ...

Soso, dieses Buch soll also Berufseinsteiger ansprechen ebenso wie Berufstätige, die mit ihrem Job hadern, ebenso wie Berufstätige, die längst ausgebrannt sind ebenso wie Menschen mit Depressionen… kurz gesagt: so ziemlich jeden, der (noch?) nicht bereit ist, sich jede Sekunde des Tages fröhlich pfeifend durch die Welt zu bewegen. Das klingt letztlich nach einer seeeeeeeeeehr breitgefächerten Zielgruppe und ich muss einräumen, dass ich Kyle Cease vorher nicht kannte; als Comedian war er mir gar kein Begriff und in den paar Filmen mit ihm, die ich tatsächlich gesehen habe, ist er mir nicht weiter aufgefallen. Von daher ist es mir mitunter auch schwergefallen, seine Transformation vom echt berühmten Comedian zum witzigen Motivationscoach, oder als was auch immer man seine heutige Profession bezeichnen mag, nachvollziehen zu können. Für vermutlich die Meisten auf dieser Seite des Atlantiks wird Kyle Cease da grad einfach so ein Coach-Fuzzi aus den USA sein, der als solcher halt plötzlich da war. Schwierig, seine große Verwandlung in einem Teil der Welt verkaufen zu wollen, in dem es mit dem Comedy-Ruhm ohnehin nicht so weit her war. Und ja, Coach-Fuzzi: ich bin sehr froh, dass ich erst nach dem Lesen von „Ich hoffe, ich versau das!“ gegooglet habe, wer ganz genau Kyle Cease denn überhaupt ist. Denn, so leid mir das auch tut, kann ich diese Suchergebnisse absolut nicht mit dem in Einklang bringen, wie ich mir den Autor während des Lesens ausgemalt habe: Was sich mir da nun online offenbart hat, finde ich ganz grundsätzlich absolut unsympathisch; da erinnert er mich eher an einen uncharismatischen Fernsehprediger, der mir fragwürdige Selbstfindungskurse zu horrenden Preisen andrehen will. Hingegen empfand ich ihn während des Lesens als sehr erfrischend und recht sympathisch, einfach als wen, mit dem man nach Feierabend auch auf ein Bier ausgehen würde.

„Ich hoffe, ich versau das!“ fällt dabei sehr in den gewohnten Tenor von „Wenn es schiefgeht, habe ich mich zuvor aber wenigstens darauf eingelassen!“ ein. Den Untertitel „Wie du die Welt verändern kannst, wenn du dich in deine Ängste verliebst“ finde ich allerdings fragwürdig: Zum Einen verändert man hier in erster Linie die eigene Welt, und noch mehr: die eigene Selbstbetrachtung, und zum Anderen verliebt man sich hier auch weniger in seine Ängste als ordnet sie vielmehr der eigenen Courage unter.
Schräg: das Buch endet abrupt damit, dass Cease feststellt, er habe nun genug Wörter niedergeschrieben wie vom Verlag gefordert – dabei hat er dem Verlag aber auch schon locker doppelt so viele Wörter untergejubelt, wie für den Inhalt eigentlich nötig gewesen wäre. Fast das gesamte erste Drittel drehte sich nämlich bereits ausschließlich darum, dass Kyle Cease lamentierte, er schreibe nun ein Buch; man liest tatsächlich das Buch eines Mannes, der hier erzählt, dass er grade dieses Buch schreibt und eigentlich keine Ahnung hat, wie das letztlich überhaupt ausfallen soll, aber ach ja, der Verlag verlangt ja soundsoviel Wörter… Das war im ersten Moment extrem unterhaltsam, aber der Witz hat sich bald abgenutzt und da auch nach langem Geschwafel noch nicht klar war, wovon dieses Buch nun eigentlich handeln sollte oder ob es nun bis zur letzten Seite genau so weitergehen würde, war ich nach dem ersten Viertel des eBooks drauf und dran, die Lektüre abzubrechen. Okay, ich gebe es zu: Ich habe es daraufhin tatsächlich erstmal vier Tage links liegenlassen.

Der Mittelteil hat mich dann allerdings wieder wacher werden lassen: Hier ging es jetzt tatsächlich mal um das, worum es laut der Kurzbeschreibung auch gehen sollte: das Loslassen der Angst vor dem Versagen. Das war sehr interessant, es wurden spannende Beispiele offeriert und noch besser: Die Leser werden aufgefordert, bestimmte Übungen auszuführen. (Im Wesentlichen braucht man hier ein paar Blatt Papier und einen Stift.) Ich habe das ganz brav befolgt und tatsächlich einige interessante Erkenntnisse über mich selbst gewonnen. Den Besuch beim Therapeuten werden diese Übungen zwar nicht ersetzen, aber generell entsprechen die hier enthaltenen Übungen wohl auch den „Hausaufgaben“, die ein Psychotherapeut einem auftragen könnte. Die sind wirklich hilfreich, auch um sich neu der eigenen Wertigkeit bewusst zu machen. Von daher kann ich es schon unterstützen, dass Depressive und Burn-out-Patienten hier ebenfalls zur Zielgruppe zählen.
Im Prinzip machen auch diese Übungen für mich die wahre Bedeutung des Buchs aus; denn zu guter Letzt verlor sich der Autor meiner Meinung nach wieder in seinem anfänglichen Gefasel, aber bis dahin hatte er zumindest ein paar sehr gute Ansätze geliefert.
Insgesamt steh ich dieser Lektüre nun zwiegespalten entgegen: So richtig informativ-inspirativ ;) wird „Ich hoffe, ich versau das!“ für mich eigentlich erst mit dem Ende des 8. (!) Kapitels; damit wäre es eigentlich für mich untendurch: Sieben Kapitel für quasi nix? Nein danke. Aber wie gesagt: hernach werden die Übungen, die man durchführen soll, beschrieben und da ist das Buch dann echt hilfreich. Aber in den allerletzten Kapiteln wird es dann im Grunde genommen erneut überflüssig. Ich persönlich kann letztlich also nur den komprimierten Mittelteil, den aber sehr, empfehlen, aber von einem Sachbuch erwarte ich da letztlich mehr, egal, wie sehr es auch auf unterhaltsam getrimmt sein mag (und wie gesagt: grad eingangs war es mir irgendwann zu gewollt witzig – und noch dazu inhaltsleer). Da kann ich nicht mehr als eine mittlere Bewertung abgeben, will aber auch nicht weniger als diese abgeben – bei meiner Empfehlung aber klar herausheben, dass man sich, wie ich finde, eben getrost ausschließlich auf den Mittelteil, vor Allem auch auf die tatsächliche Durchführung der vorgegebenen Übungen, konzentrieren sollte.