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Veröffentlicht am 10.10.2022

»Herr der Ringe« im düsteren London – mit ein paar kleinen Schwächen…

Dark Rise
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Inhalt:

In London und dem Rest der Welt sind die alte Welt und ihre Magie in Vergessenheit geraten. Nur der Orden der Stewards erinnert sich an sie und schützt die Menschheit vor der Rückkehr des Dunklen ...

Inhalt:

In London und dem Rest der Welt sind die alte Welt und ihre Magie in Vergessenheit geraten. Nur der Orden der Stewards erinnert sich an sie und schützt die Menschheit vor der Rückkehr des Dunklen Königs. Eines Tages wird Will von den Stewards gerettet, als er auf der Flucht vor den Mördern seiner Mutter ist, und in ihre heilige Halle gebracht, wo er erfährt, dass er ein Auserwählter im Kampf gegen die Dunkelheit sein soll. Seine Welt wird auf den Kopf gestellt und er muss sich in kürzester Zeit auf die Rolle des Helden vorbereiten, um James St. Clair, dem mächtigen wiedergeborenen General des Dunklen Königs und seinem Gegenspieler, entgegenzutreten. Dabei gerät er in einen Strudel aus Schicksal und Geheimnissen…

»Ich denke, dass das, was Leute waren, weniger wichtig ist als das, was sie sind. Und was Leute sind, ist weniger wichtig als das, was sie sein könnten.« (S. 318)

Meinung:

Das Buch war für mich der Inbegriff einer Achterbahnfahrt: mitreißend, dann wieder träge, dann ging es in den Looping und ließ mich sprachlos zurück.

Aber ich will ganz am Anfang anfangen. Zunächst hatte ich nur die Leseprobe gelesen, die mich sofort gefesselt hat. Die Spannung, die düstere Atmosphäre, alles war da, um mich direkt in die Geschichte zu schubsen und die Falltür über mir zu schließen.

Und der Spannungsbogen hat sich gespannt und mein Pfeil-Ich bis zur letzten Seite geschossen. Daran nicht ganz unbeteiligt waren:

1. Die Fülle an Szenen und Beschreibungen, die das Gefühl auslösen, dass das Buch stark von »Herr der Ringe« inspiriert worden ist, was mir sehr gut gefiel und bei mir für die richtigen Vibes gesorgt hat. So ähneln beispielsweise der Dunkle König Sauron und seine Schattenkönige den Nazgûl (um nur wenige Parallelen zu nennen)…
2. Ich mochte die Idee von der alten Welt, die bis auf wenige Relikte verloren ging und in Vergessenheit geriet. Besonders das Überbleibsel in Form von der alten Schrift, die auch im Buch abgebildet ist. Ich finde es immer toll, wenn Illustrationen, Briefe, Nachrichten oder andere kleine i-Tüpfelchen abgedruckt sind. In diesem Fall ist es eine Fantasieschrift, die ich besonders faszinierend und kreativ fand, da sie sich stark von unserem Schriftsystem unterscheidet…
3. Besonders gefallen haben mir auch die vielen Plottwists und Geheimnisse, die sich um nahezu jede Figur ranken und nach und nach aufgedeckt werden, sodass man beim Lesen richtig mitfiebern kann und sich eigentlich nie wirklich sicher sein kann, in welche Richtung sich die Geschichte noch entwickelt.
4. James.

Und trotzdem gab es beim Lesen Augenblicke, in denen die Story irgendwie an mir vorbei verlief. Nicht ganz unschuldig daran waren:

1. Die Figuren. Obwohl viele Ideen und die Konzepte um ihre inneren Konflikte und persönlichen Entwicklungen, die für den:die Leser:in auch klar erkennbar sind, wirklich interessant und spannend sind, hat mir manchmal etwas gefehlt, das ich nicht richtig benennen kann. Bei fast allen (außer James) fehlte mir manchmal etwas, um ein richtiges Gefühl für sie zu bekommen.

2. Die Handlung. Einige Szenen wirkten auf mich zu konstruiert und künstlich und manchmal ging mir alles zu holterdiepolter. Einige Momente hätten gern mehr auserzählt werden können und nicht nur wie eine To-Do-Liste, die man schnell abhakt…

Trotz der Mankos freue ich mich – nicht ganz zuletzt wegen des Cliffhangers, der einem schon einen Schauer über den Rücken gejagt hat – auf den nächsten Band, der hoffentlich nicht mehr allzu lange braucht…

Fazit:

Insgesamt ist es eine tolle Geschichte, in der »Herr der Ringe« geschnitten, gekocht und püriert und dann unter eine düstere Ketterdam-Atmosphäre gehoben wurde – bloß dass am Ende ein bisschen Würze verloren gegangen ist. Dafür gibt es vier von fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 07.10.2022

Ein Buch mit einer wilden Jagd nach literarischen Schätzen

Die wilde Jagd nach der Monströsen Dame
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Inhalt:
In das Leben von Mary Jekyll, Beatrice Rappaccini, Catherine Moreau, Justine Frankenstein und Diana Hyde ist Ruhe eingekehrt, nachdem sie gemeinsam mit Sherlock Holmes und Dr. Watson die Whitechapel-Morde ...

Inhalt:
In das Leben von Mary Jekyll, Beatrice Rappaccini, Catherine Moreau, Justine Frankenstein und Diana Hyde ist Ruhe eingekehrt, nachdem sie gemeinsam mit Sherlock Holmes und Dr. Watson die Whitechapel-Morde aufgeklärt haben – zumindest soweit ein Haushalt mit fünf monströsen Damen und ihren besonderen Bedürfnissen als ruhig bezeichnet werden kann. Als sie ein Hilferuf aus Budapest ereilt, beginnt eine Jagd quer durch Europa, um eine weitere monströse Dame – Lucinda van Helsing – vor der skrupellosen Alchemistengesellschaft zu retten…

Meinung:
Vorab kann ich schon einmal festhalten: Es war mir ein wahrhaftiges Lesevergnügen.

Ein großer erster Pluspunkt sind die ganzen farbenfrohen und toll ausgearbeiteten Charaktere der Geschichte. Hierzu zähle ich nicht nur den Athena-Club, also die Protagonistinnen, die bereits im ersten Band ihren Auftritt hatten, sondern auch neu hinzustoßende Figuren wie Irene Norton. Sie ist cool, emanzipiert und voller Geheimnisse, die als amerikanische Spionin in Wien lebt und bei mir Milady-de-Winter-Vibes ausgelöst hat. Generell strotzt die Geschichte vor faszinierenden weiblichen Charakteren, die ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen und stark auftreten.

Ein weiterer Pluspunkt und gleichzeitig Besonderheit des Buches sind Einschübe bestehend aus Gesprächsfetzen der Protagonistinnen in dramatischer Form. Hier streiten sie sich, äußern Anmerkungen oder Kritik an der Erzählung. Das war für mich einfach nur herrlich zu lesen und hat die Lektüre ungemein aufgefrischt. (Außerdem sind diese kurzen Ausbrüche aus der Geschichte eine intelligente Art, künstlich Absätze und Möglichkeiten für Lesepausen zu schaffen, da die Kapitel insgesamt doch recht lang sind.)

Was ich aber an diesem Buch am meisten liebe – und genauso ging es mir bereits mit dem ersten Band – sind die ganzen Querverweise auf die englische Schauerliteratur des 19. Jahrhunderts. So werden beispielsweise literarische Figuren – wie Irene Norton und Graf Dracula – sowie vermehrt auch historische Persönlichkeiten – wie Sigmund Freud und Arminius Vámbéry – in die Geschichte eingestreut. Es ist ein kleines bisschen wie Goldschürfen. Man wühlt sich zwar nicht durch Sand und Wasser, aber durch Kapitel und Zeilen, bis ein Name, den man schon einmal gehört hat, wie ein Goldklümpchen auftaucht. Dadurch wird jede Seite zu einem Hinweis zu einer literarischen Schatzsuche.

Anzumerken ist, dass das Buch ein ordentlicher Schinken ist, der nicht zu kurz abgeschnitten wurde. Manch eine:r mag das Buch an einigen Stellen vielleicht langatmig finden, aber ich habe die Länge und das damit einhergehende Detailreichtum in den Settings und Charakteren irgendwie genossen. Würde man die Geschichte kürzen wollen, würde meiner Meinung nach ein wenig vom Reiz und der Atmosphäre verloren gehen. Aber das dürfte ein klarer Fall von Geschmackssache sein. Schwierig ist es tatsächlich nur, den Taschenbuchwälzer zu halten, ohne Leserillen in den Buchrücken zu hacken…

Und zu, Schluss: Nicht mit einem Wimmern, sondern mit einem Knall geht die Geschichte zu Ende. So platzt am Ende noch eine Bombe (im metaphorischen Sinne), es werden komplett neue Handlungsstränge und Möglichkeiten aufgeworfen, Fragen offen und weitere Ereignisse in den Einwürfen der Protagonistinnen angeteasert, die ungemein neugierig auf den dritten und letzten Band machen, der verspricht, noch richtig spannend zu werden.


Fazit:
Klare Leseempfehlung. Und wer den ersten Band noch nicht gelesen hat: Lies den ersten Band, den es – wie Catherine stets zu bemerken pflegte – für zwei Schilling an jeder Ecke. Wer Lust auf eine Schatzsuche literarischer Art hat, findet in diesem Buch quasi den Einen Ring (aber ohne gollumifizierende Nebenwirkungen). Fünf von fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 20.06.2022

Highlightbuch mit grandiosen Charakteren, Geheimnissen und Gewächshäusern

Chain of Gold
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Inhalt:
Cordelia Carstairs ist in London, um sich einen einflussreichen Ehemann zu suchen und ihren Vater, der unrechtmäßig angeklagt worden ist, zu retten. Doch in London begegnet sie nicht nur den Tollkühnen ...

Inhalt:
Cordelia Carstairs ist in London, um sich einen einflussreichen Ehemann zu suchen und ihren Vater, der unrechtmäßig angeklagt worden ist, zu retten. Doch in London begegnet sie nicht nur den Tollkühnen Gesellen und ihrer zukünftigen Parabatai, sondern auch unheimlichen Dämonen, die im Tageslicht angreifen und die mehrere Schattenjäger:innen mit einer mysteriösen Krankheit infizieren. Und dann ist da noch James Herondale, der seit Kindertagen ihr Herz besitzt, der jedoch in die geheimnisvolle Grace verliebt ist…

Meinung:
Nachdem die letzten Bücher um Julian Blackthorn und Emma Carstairs in der Gegenwart gespielt haben, begibt man mit der neuen bzw. aktuellen Reihe wieder auf eine Zeitreise in das Jahr 1903. Rauschende Bälle, starre Gesellschaftsformen, Kutschen und Schattenjägerinnen, die ihre Schwerter in schillernden Abendkleidern schwingen – perfektes Setting!

Ganz besonders mochte ich auch die subtilen, aber auch verborgenen Parallelen zu Charles Dickens »Große Erwartungen«: verwunschene Häuser, stehen gebliebene Uhren, der kleine Junge, der sich in die unnahbare Lady verliebt, eine Psychopathen-Stiefmutter in extravaganter Garderobe… Grundsätzlich liebe ich bei Cassie-Clare-Büchern die Anspielungen auf klassische Werke, seien es die Zitate am Kapitelanfang, seien es literarische Diskussionen der Figuren oder die Ähnlichkeiten bei Settings und Figurenkonstellationen.

Ein großer Pluspunkt, den sich eigentlich jedes Buch von Cassie Clare auf sein Cover malen könnte, ist der unglaublich bildliche und mitreißende Schreibstil der Autorin. Ich bin immer wieder begeistert, wie sich in ihren Geschichten detaillierte Beschreibungen, spannende Actionszenen und wortgewandte Dialoge gegenseitig die Hand reichen und dafür sorgen, dass man eigentlich ab der ersten Seite an die Bücher nicht mehr aus der Hand legen kann.

Zwar war besonders bei »Chain of Gold« der Einstieg in die Geschichte mit der Fülle an Charakteren und ihren Beziehungen nicht ganz einfach – vor allem, da jede Figur auch noch bedeutende Vorfahren und Nachfahren hat, sodass ich anfangs parallel mit den ganzen Stammbäumen der Schattenjägerfamilien gelesen habe, aber dafür war jede Figur es wert, in die Geschichte eingebaut zu werden.

- Cordelia Carstairs, die nicht nur wunderschön ist, sondern auch tough, aufopferungsvoll in Bezug auf ihre Familie und ihre Freunde, die das Schwert Cortana wie keine andere zum Tanzen bringt – außerdem fand ich es spannend, dass sie persische Wurzeln hat!
- James Herondale, der sich im Hinblick auf einen ganz persönlichen Fluch nahtlos das typische Bild eines Herondale-Jungen einfügt, jedoch tatsächlich den eigentlich charakteristischen Sarkasmus und die Selbstgefälligkeit vermissen lässt. Er ist tatsächlich einfach ein freundlicher Junge, dessen Liebenswürdigkeit von gewissen Leuten - hust Grace hust - ausgenutzt wird. Er ist nach meinem Empfinden nicht ganz so scharf gezeichnet wie andere Mitglieder seiner Familie und kommt nicht ganz an meine All-time-favourite-Bookboyfriends Jace und Will heran…
- Lucie Herondale, die den Geist von Jesse Backthorn, den Jungen im gläsernen Sarg, sehen kann, Schriftstellerin werden möchte und eine gefährliche Neugier an den Tag legt…
- Anna Lightwood, die Hosen und Hemden trägt, keinen langweiligen Mädchen den Hof macht und wahrscheinlich mit jeder gesellschaftlichen Konvention des frühen 20. Jahrhunderts bricht, die es vermutlich gibt.
- Und so viele andere!

Ich habe nahezu jede Figur – mit Ausnahme von Tatiana und Grace Blackthorn – in mein Herz geschlossen, da jede Figur mit fesselnden Charakterzügen oder spannenden Hintergrundgeschichten ausgestattet sind, die in diesem ersten Band noch lange nicht auserzählt sind und die Vorfreude auf das nächste Buch noch in die Höhe treibt.

Ganz besonders haben mir auch die (sich anbahnenden) Liebesgeschichten gefallen, die alle für sich einzigartig und so vielversprechend sind, dass ich es eigentlich kaum abwarten kann zu erfahren, wie es weiter geht.

Okay, ich habe gerade gemerkt, dass ich eine Fünfhundert-Wörter-Lobeshymne auf »Chain of Gold« geschrieben habe, aber ich meine jedes Wort ernst und könnte bestimmt noch weitere fünfhundert Worte darüber verlieren, wie unglaublich gut ich das Buch fand…

Fazit:
Ich sag, wie es ist: Das Buch ist ein weiteres Jahreshighlight für mich. Und ich verstehe absolut nicht, wie es so lange auf meinem Stapel ungelesener Bücher liegen konnte… Selbst wenn es die letzten Sterne wären, die ich besäße, so würde ich »Chain of Gold« dennoch fünf von fünf Sterne geben 😊

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Veröffentlicht am 30.05.2022

Pures Lesevergnügen mit wunderbarer Slow-Burn-Love-Story...

Gladiator's Love. Vom Feuer gezeichnet
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Inhalt:
Aeryn ist, nachdem die Eturier sie als junges Mädchen aus ihrer Heimat geraubt haben, der Star unter den Gladiator:innen in der Hauptstadt Estrard. Die Menschen strömen in die Arena, um sie kämpfen ...

Inhalt:
Aeryn ist, nachdem die Eturier sie als junges Mädchen aus ihrer Heimat geraubt haben, der Star unter den Gladiator:innen in der Hauptstadt Estrard. Die Menschen strömen in die Arena, um sie kämpfen zu sehen, eine versklavte Vantyr, deren Feuermagie bloß durch ein Brandmal versiegelt im Zaum gehalten wird. Getrieben von einer unstillbaren Sehnsucht nach Freiheit sucht sie nach einem Weg, die Fesseln zu lösen und in ihre Heimat zurückzukehren. Doch dann begegnet sie Cato, dem Leibwächter eines Arenabetreibers, der ihren Plan zu durchkreuzen droht…

Meinung:
Wäre ich im Mai nicht unter einem Berg aus Uniaufgaben zu einem Pfannkuchen plattgedrückt worden, hätte ich für »Gladiator’s Love« nicht zwei Wochen gebraucht, sondern hätte als Tortenstück mit stolzer Sahnehaube das Buch in vermutlich nur zwei Tagen verschlungen. Denn die Geschichte hat mich ab der ersten Seite mitgerissen – nicht zuletzt dank des flüssigen Schreibstils und der kurzen Kapitel.

Zunächst begegnet man Aeryn, die weit entfernt von ihrer Heimat Tag für Tag in der Arena ihr Leben zur Unterhaltung der Zuschauer:innen riskiert, einsam ist und keine Zukunftsperspektiven hat. Sie ist eine tolle Protagonistin, stark und selbstbewusst, klug und schlagfertig.

Und dann gibt es Cato, für mich das Schmuckstück der Geschichte, das Gänseblümchen im Klee. Einerseits ist er der typische Fantasybookboy, der mit dem Schwert umgehen kann, als wäre Kämpfen so leicht wie Zähneputzen, und der mit seinen dunklen Haaren und meerblauen Augen unwahrscheinlich gutaussehend ist. Doch dann ist er wieder ganz anders: Er ist beinahe schüchtern, besonders in Aeryns Gegenwart, stottert, sucht nach Worten, wird rot, muss sich räuspern – Cato war von Anfang an ein Charakter, den ich in mein Herz geschlossen habe. Ein junger Wolf mit einem guten Herz.

Ein kleines weiteres Highlight des Buches ist die Slow-Burn-Liebesgeschichte, die sich von einer heimlichen Schwärmerei über verstohlene Gedanken bis zu wahrhaftiger Liebe entwickelt. Ich habe gleichzeitig ungeduldig darauf gewartet, dass sich Aeryn und Cato näher kommen, und jeden Moment – sowohl die absurd-komischen Situationen als auch die tiefsinnigen Seele-voreinander-ausschütten-Augenblicke – zwischen den beiden genossen.

Ein Manko der Geschichte war für mein Empfinden das Worldbuilding. Zwar gibt es ein paar Hinweise zur Gesellschaft und Politik sowie das magische System in der Welt und mit Schlagworten wie ‚Gladiator‘ und ‚Arena‘ entstand direkt ein magisches antikes Rom vor meinem inneren Auge, dennoch wäre ich bei der Erkundungstour durch die Welt gern ein bisschen mehr an die Hand genommen worden und hätte gern an der ein oder anderen Stelle einem buchigen Audioguide gelauscht.

Dass eine Karte geholfen hätte, würde ich auch behaupten. Jedoch kann ich keinen Kartenmangel kritisieren, schließlich gibt es im Buch auf der allerletzten Seite eine schön gestaltete Karte auf der alle in der Geschichte erwähnten Orte eingezeichnet sind. Jedoch habe ich die Karte erst nach dem Lesen – genau genommen: heute – gefunden, weshalb ich mir während der Lektüre eine Europakarte vorgestellt habe, auf der Rom zu Estrard und Großbritannien zu Aeryns Heimatinsel Vantyr wurde…

Ein klitzekleiner Minuspunkt ist für mich auch noch das Ende der Geschichte, das für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt wurde und irgendwie ein wenig an den Haaren herbeigezogen und zu konstruiert wirkte…

Fazit:
Das Buch waren 440 Seiten geballtes Lesevergnügen, für das ich gern in mein Säckchen voll Sternenstaub greife und vier von fünf Sternen da lasse.

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Veröffentlicht am 28.05.2022

Ein Buch mit sehr viel Potential, das leider nicht vollends abgerufen wird...

Scholomance – Tödliche Lektion
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Inhalt: 
Die sechzehnjährige El, eigentlich Galadriel, ist eine Schülerin in der Scholomance, einer Magierschule ohne Lehrer und ohne Ferien. Der einzige Weg hinaus führt über die Abschlussprüfung oder ...

Inhalt: 
Die sechzehnjährige El, eigentlich Galadriel, ist eine Schülerin in der Scholomance, einer Magierschule ohne Lehrer und ohne Ferien. Der einzige Weg hinaus führt über die Abschlussprüfung oder über den Tod, der in dieser Schule hinter jeder Ecke lauert. Freundschaften existieren hier nur, um die eigenen Überlebenschancen zu vergrößern. Pech für El, dass sie von allen Schüler:innen gemieden wird – mit Ausnahme von Orion, dem Schulstar, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, andere vor den hungrigen und mörderischen Monstern der Schule zu retten – und den El absolut nicht ausstehen kann. Zu allem Überfluss rettet er auch noch ihr Leben, dabei trägt sie selbst eine starke dunkle Gabe in sich, mit der sie problemlos ihr Überleben sichern könnte. Aber würde sie diese Gabe einsetzen, die für sie und ihre Mitschüler:innen verheerende Folgen hätte?

Meinung: 
First things first: »Scholomance« war ein 98%iger Coverkauf. Denn das Cover ist schlichtweg ein Meisterwerk.

Und dann muss ich auch direkt ein zweites Geständnis machen: Zwar betone ich immer, dass ich fast nie ein Buch abbreche, aber das einziges Naomi-Novik-Buch, das ich vor »Scholomance« in Händen gehalten habe, habe ich (vor bestimmt zehn Jahren) bereits nach wenigen Seiten abgebrochen, da ich es anstrengend fand und mich überhaupt nicht fesseln konnte (das Buch war der erste Band der »Feuerreiter Seiner Majestät«). Nun gut, »Scholomance« habe ich nicht abgebrochen, auch wenn ich es phasenweise ebenfalls (leider) weniger fesselnd und gelegentlich anstrengend fand…

Doch zunächst zum großen Pluspunkt der Geschichte: das Worldbuilding. Die Scholomance ist ein düsterer wie faszinierender Ort, den man sich Dank der wunderschönen Illustrationen und der grandiosen Beschreibungen der Autorin bildlich vorstellen kann. Hier leben die magisch begabten Schüler:innen aus aller Welt ohne Tageslicht und immer unter der Gefahr, von Maleficaria, kurz Mals, den originellen und schrecklichen Monstern der Schule, gefressen zu werden, weshalb auch das Frühstück oder eine Dusche tödlich enden kann. Auch das magische System mit der guten Magie (Mana, das beispielsweise durch Liegestütze erzeugt werden kann) und der dunklen Magie (Malia, das lebenden Personen entzogen wird) ist ausgeklügelt und voller Ideen.

Gleichzeitig ist das Worldbuilding auch mein großer Kritikpunkt an der Geschichte, denn insgesamt hatte ich häufig den Eindruck, eine fast fünfhundertseitige Anleitung für die Scholomance und die magische Welt zu lesen, interessant geschrieben und voller Anekdoten, aber die den Plot und die Interaktion zwischen den Figuren irgendwie unterdrückt hat.

Es gibt weitreichende Monologe aus Els Perspektive, sodass man sie gut kennenlernen kann. Sie ist eine super interessante Persönlichkeit, eine Anti-Heldin mit Hang zu Sarkasmus, allerdings fehlten mir persönlich ein paar mehr Dialoge und Handlungsstränge, die ihren Charakter offenbaren, als dass El seitenweise über sich und die Schule und die magische Welt berichtet. Auch hätte ich mir mehr Farbe für die anderen Figuren (allen voran Orion) gewünscht, der auch am Ende des ersten Bandes noch recht blass wirkt.

Ich hoffe, die beiden Fortsetzungen nutzen das grandiose Worldbuilding des ersten Bandes, sodass hier die Storyline an Fahrt aufnehmen kann…

Fazit: 
Das faszinierende Setting und die interessante Protagonistin bieten einen Ozean voll Potential, doch leider wird letztlich nur ein Teich davon ausgeschöpft. Ich gebe der Geschichte dreieinhalb von fünf Sternen und hoffe, dass die Folgebände die Luft nach oben ausfüllen…

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