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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2017

Ein schauriges Märchen

Das Spiel des Engels
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Barcelona in den turbulenten Jahren vor dem Bürgerkrieg: Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von Schauergeschichten. Als ernsthafter Schriftsteller verkannt, von einer tödlichen Krankheit ...

Barcelona in den turbulenten Jahren vor dem Bürgerkrieg: Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von Schauergeschichten. Als ernsthafter Schriftsteller verkannt, von einer tödlichen Krankheit bedroht und um die Liebe seines Lebens betrogen, scheinen seine großen Erwartungen sich in nichts aufzulösen. Doch einer glaubt an sein Talent: Der mysteriöse Verleger Andreas Corelli macht ihm ein Angebot, das Verheißung und Versuchung zugleich ist. David kann nicht widerstehen und ahnt nicht, in wessen Bann er gerät – und in welchen Strudel furchterregender Ereignisse.

Eigentlich schreibe ich bei Rezensionen einen eigenen kleinen Klappentext. Doch bei Zafón ist es mir nahezu unmöglich, die Ereignisse in meine Worte zu fassen.
Ich habe zuvor „Der Schatten des Windes“ gelesen und nun „Das Spiel des Engels“ und bin wieder sehr zwiegespalten.
Carlos Ruiz Zafón hat einen außergewöhnlichen, fantastischen und sehr komplexen Schreibstil. Seine Geschichten erinnern mich an alte, knorrige Bäume, mit einem weit verzweigten Wurzelwerk. Denn genauso verlaufen seine Erzählungen.
Es gibt einen Hauptstrang und von dem weichen auf verworrene Art und Weise immer weitere Nebenhandlungen und Informationen ab, die immer mehr Figuren und Gedankengänge hervorbringen.
Zu diesen ganzen Abzweigungen bringt Zafón immer wieder sehr philosophische und schwere Gedanken mit ins Spiel.
Leider ist es für mich wieder so gewesen, dass der erste Teil des Buchs sich sehr hinzog. Die Geschichte war durch diese ganzen vielen Nebenhandlungen und die vielen komplexen und philosophischen Gespräche, sehr langatmig. Faszinierend zwar, aber doch sehr langatmig.
Erst gegen Ende, wenn sich die Geschichte dem Showdown nähert, verweben sich alle Stränge und Fäden zu einem Weg, so dass die Erzählung Fahrt aufnehmen kann und mal wirklich was passiert.
Dieses Buch wirkte zwischendurch wieder wie ein Märchen oder eine Fabel. Schon im „Schatten des Windes“ war ich mir oft nicht sicher, was nun Wirklichkeit ist, was ein Hirngespinst der Figuren und was einfach Fantasie des Autors. Dieses Gefühl wurde im „Spiel des Engels“ nur noch verstärkt.
Dieses Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück.
Wem „Der Schatten des Windes“ gefallen hat, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen.

Veröffentlicht am 22.03.2017

Spannend wie ein Actionfilm – der stärkste Teil der Reihe

Post Mortem - Tage des Zorns
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Schau in den Abgrund und fleh um deinen Tod. Ermittlerin Emilia Ness erhält ein grausames Päckchen. Der Inhalt: ein abgeschnittenes Ohr. Handelt es sich hierbei tatsächlich um das Ohr ihrer Tochter, die ...

Schau in den Abgrund und fleh um deinen Tod. Ermittlerin Emilia Ness erhält ein grausames Päckchen. Der Inhalt: ein abgeschnittenes Ohr. Handelt es sich hierbei tatsächlich um das Ohr ihrer Tochter, die entführt wurde? Um den Täter zu finden, muss Emilia mit Profikiller Avram Kuyper zusammenarbeiten. Denn beide stehen in der Schusslinie eines mächtigen Gegners und finden sich schnell in seiner Falle wieder.

Endlich geht es weiter mit Emilia und Avram. Nach den ersten beiden Bänden habe ich schon sehnlichst auf den dritten Teil gewartet. Und ich muss sagen, das Warten hat sich gelohnt.
Während Emilia zu Beginn nicht ihre volle Stärke zeigt und eher naiv wirkt, lernen wir von Avram ganz neue Seiten kennen. Ein Profikiller mit Gefühlen? Wo gibt’s denn sowas? Na, bei Mark Roderick. Denn Avram stellt plötzlich ganz neue Gedanken bei sich fest, die ihn über sein jetziges Leben nachdenken lassen.
Was Avrams Figur gut tut, ist nicht so toll für Emilia. Ihr steht die naive Rolle gar nicht gut. Zum Glück reißt sie sich im entscheidenden Moment zusammen und findet zu ihrer alten Form zurück.
Dieser Band war wirklich vom Anfang bis zum Ende spannend. Die Entführung von Emilias Tochter und die Überschneidungen mit Avram sind einfach gut gestrickt. Der Spannungsbogen wird durch neue Informationen immer wieder aufrechterhalten. Dazu erfahren wir endlich etwas über Avrams Vergangenheit und woher seine vielen Narben stammen. Und was nebensächliche Information hätte sein können, wird hier geschickt in eine spannende Verfolgungsjagd eingebaut.
Zum Ende hin steigert sich alles sogar noch von Spannung zu Action. Es gibt Schusswechsel, Prügeleien, Explosionen und und und. Alles was das Actionherz höherschlagen lässt, wird hier gekonnt eingesetzt. Und am Ende bleibt das wage Gefühl, dass es einfach weitergehen muss.
Mark Roderick ist hier ein wirklich verdammt guter und spannender dritter Teil gelungen, den ich jedem nur empfehlen kann! Daumen hoch!

Veröffentlicht am 20.03.2017

Du glaubst, du kennst die Menschen – doch du irrst dich!

The Couple Next Door
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Marco und Anne sind bei ihren Nachbarn Cynthia und Greg zu einem gemütlichen Dinner eingeladen. Da die Babysitterin abgesagt hat, bleibt Cora, ihr Baby zuhause. Beide sehen regelmäßig nach dem Kind und ...

Marco und Anne sind bei ihren Nachbarn Cynthia und Greg zu einem gemütlichen Dinner eingeladen. Da die Babysitterin abgesagt hat, bleibt Cora, ihr Baby zuhause. Beide sehen regelmäßig nach dem Kind und auch das Babyfon ist eingeschaltet und doch verschwindet Cora. Der Schock sitzt tief, Cora wurde entführt. Von diesem Moment an, beginnt eine Odyssee des Grauens. Wer hat das Kind entführt und warum? Und werden sie Cora je wieder lebend zurückbekommen?

Ich habe das Buch bei einer Vorableserunde gewonnen und bin wirklich froh, dass ich mich beworben habe.
Ich habe das erste Buch der Autorin noch nicht gelesen und war zu Beginn ein wenig Skeptisch, ob die Geschichte auch wirklich spannend wird. Völlig zu unrecht.
Schon von den ersten Seiten an, baut die Geschichte Spannung auf und wird von Kapitel zu Kapitel rasanter.
Die Autorin hat einen flüssigen und treibenden Schreibstil. Ich bin nur durch die Seiten geflogen, ohne zu merken, wie viel ich eigentlich schon gelesen habe. Lange Sätze wechseln sich mit kurzen, knappen Sätzen ab, was ein gutes Tempo in die Geschichte bringt.
Schon recht früh wechselt die Autorin immer wieder die Erzählperspektiven. Wir erleben die Story mal aus Annes Sicht, mal aus Marcos und mal aus der Sicht des Detectives. Aber auch Annes Eltern und ihre Nachbarin werden uns dadurch nähergebracht.
Die Personen in „The couple next door“ sind wirklich gut gezeichnet. Nicht nur optisch werden sie gut gezeichnet auch ihre unterschiedlichen Charaktere und ihre jeweiligen Gedanken und Gefühle werden herausgearbeitet, ohne dass es zu viel oder zu wenig Information ist.
Am besten hat es mir gefallen, dass ich oft nicht wusste, was stimmt und was nicht. Wer sagt die Wahrheit und wer nicht. Ich habe wirklich mit dem Detective mitgerätselt und habe gespannt auf jeden neuen Hinweis gewartet.
Für mich war es auch immer wieder so, dass ich grade dachte, ich wüsste was als nächstes kommt und wäre dem Täter eine Spur nähergekommen, da gab es plötzlich total unerwartete Ereignisse, die die gesamte Geschichte in eine neue Richtung gedreht haben. Oft dachte ich mir nur „wow, damit habe ich jetzt nicht gerechnet“.
Zu meiner Begeisterung haben sich diese Unerwarteten Geschehnisse bis zum Ende des Buches durchgezogen. Nicht einmal das Ende habe ich so erwartet.
Für mich ein absolut tolles Buch, dass ich jedem Thrillerfan nur wärmstens ans Herz legen kann. Einfach klasse!

  • Einzelne Kategorien
  • Figuren
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Cover
Veröffentlicht am 19.03.2017

Ein unbeschreiblicher Erzählstil

Der Schatten des Windes
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Wie bewertet man ein Buch, welches von so vielen als Meisterwerk gelobt wird? Ich habe „Der Schatten des Windes“ jetzt zum zweiten Mal gelesen und obwohl viele Jahre dazwischenlagen, ist mein Eindruck ...

Wie bewertet man ein Buch, welches von so vielen als Meisterwerk gelobt wird? Ich habe „Der Schatten des Windes“ jetzt zum zweiten Mal gelesen und obwohl viele Jahre dazwischenlagen, ist mein Eindruck der Gleiche geblieben.
Carlos Ruiz Zafóns Art sich auszudrücken und die Beschreibungen und Worte zu wählen ist einfach einzigartig. Darüber lässt sich nicht diskutieren. Beide Male haben mich seine Sätze schnell in den Bann gezogen.
Ebenso die Geschichte des jungen Daniel, der seine Liebe zu Büchern entdeckt und sich auf die Suche nach Julián Carax macht, hat mich fasziniert. Ich habe Julián und Fermin gerne auf dieser Suche begleitet und habe genauso gerne miterlebt, wie Daniel seine ganz eigenen Erfahrungen macht.
Zafón gestaltet jede seiner Figuren märchengleich. Sie sind so fantastisch und doch so menschlich, dass immer ein leichter Zauber bei ihnen zu spüren war.
Leider hat Carlos Ruiz Zafón diese Eigenschaft, sehr ausschweifend zu sein und oft vom Thema abzuzweigen. Seine Beschreibungen sind wie ein feines Wurzelwerk, welches von der Hauptwurzel in immer mehr Verzweigungen endet.
Durch diese Abschweifungen von der Hauptgeschichte war dieses Buch für mich leider manchmal etwas zäh und langatmig.
Ich weiß, dieses Buch wird als Meisterwerk gehandelt, doch trotzdem musste ich mich zwischendurch bewusst weiterziehen, weil ich wusste, die Auflösung macht alles wett.
Obwohl ich auch da gestehen muss, dass es grade am Ende viele Wiederholungen gibt. Diese gehören zweifelsohne zur Auflösung des Ganzen aber haben auch hier alles ein wenig gezogen.
Dies ist der einzige Umstand, den ich an diesem Buch zu bemängeln habe. Der Schreibstil und die Hauptgeschichte sind jedoch unbeschreiblich und bewegend.

Veröffentlicht am 10.03.2017

Ein Thriller, dem in meinen Augen das gewisse Etwas fehlt

Das Mädchen im Dunkeln
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Als Karen Brown ihre neue Patientin zum ersten Mal sieht, hält sie Jessica für einen psychologischen Routinefall: eine gelangweilte Frau, die ihren tristen Alltag mit einer heimlichen Affäre aufpeppt. ...

Als Karen Brown ihre neue Patientin zum ersten Mal sieht, hält sie Jessica für einen psychologischen Routinefall: eine gelangweilte Frau, die ihren tristen Alltag mit einer heimlichen Affäre aufpeppt. Doch schon nach ihrem ersten Gespräch hat Karen das Gefühl, dass Jessica geradezu besessen ist von der Ehefrau ihres Liebhabers. Als wenig später die Leiche jener Frau gefunden wird, steht die Polizei vor Karens Tür. Sie gilt als dringend mordverdächtig. Karen ahnt, dass Jessica sie nicht zufällig ausgewählt hat - und dass es ein großer Fehler war, Jessica zu unterschätzen.

Mich faszinieren Bücher in denen es um die Psyche geht und in denen am besten auch mit der Psyche des Lesers gespielt wird. Auch bei dieser Story habe ich genau das erwartet –und eine etwas zähe Version davon bekommen.
Die Autorin springt in ihren Erzählungen kapitelweise zwischen den einzelnen Protagonisten des Buchs. So erfährt man von Jedem die Gedanken, Gefühle und Geheimnisse und erhält einen guten Blick hinter die Kulissen. Dazu gibt es noch einzelne Abschnitte, die Karen scheinbar mit einem Kollegen führt und Kapitel, bei denen der Leser nicht weiß, aus wessen Sicht diese geschrieben sind.
Ich mag eigentlich Bücher, in denen so viele Erzählstränge einen Kulissenblick liefern, besonders wenn sie im Abschluss gekonnt miteinander verknüpft werden. Leider fand ich es hier nicht komplett gelungen.
Das Buch beginnt relativ schleppend. Wir erfahren zuerst etwas über das Leben von Karen und ihren Freundinnen Bea und Eleanor. Wir erfahren etwas über ihre gemeinsame Vergangenheit und ihr jetziges Leben. Auch lernen wir Karens Patientin Jessica kennen.
Der Teil war für mich ehrlich gesagt, ziemlich langweilig. Er wollte nicht so recht in Fahrt kommen und plätscherte so vor sich hin. Von einer Info zur anderen und von einem Gespräch oder Gedanken zum nächsten. Dazu haben mich noch Karens Gefühle in ihren Sitzungen mit Jessica sehr irritiert. Ich habe ihr Verhalten etwas übertrieben empfunden. Es war für meinen Geschmack da schon zu stark hervorgehoben. Und auch schon in diesem ersten Drittel kam mir manches sehr verworren vor.
Der Mittelteil wird zum Ende hin doch spannender. Langsam werden einige Teile verworrener aber so, dass man doch in der Lage ist, eigene Vermutungen anzustellen, was mir im ersten Teil nicht so gelingen wollte. Man merkt hier, dass die Lage sich immer mehr zuspitzt und auch die Gemütszustände der drei Frauen immer wackeliger werden. Ich habe ab hier immer auf den richtigen Höhepunkt, auf das Inferno gewartet aber leider umsonst. Die Geschichte gewinnt zwar etwas an Fahrt und manchmal mischt sich ein wenig Ungläubigkeit hinein aber im Großen und Ganzen läuft diese verworrene Geschichte wie ein verknotetes Garnknäul den Abhang hinunter, um unten aufgefangen zu werden, in dem Versuch es wieder sauber aufzuwickeln.
Die Autorin hat wirklich versucht das Buch mit einem Knall enden zu lassen. Doch für mich galt hier, manchmal ist weniger mehr. Grade diese letzte Situation (ich will nicht spoilern) war für mich doch zu konstruiert. Und auch die restlichen Ereignisse waren für mich irgendwie noch zu ungeklärt. Einige Themen wurden am Ende überhaupt nicht mehr angesprochen, wieder andere wirkten für mich im Nachhinein zu geplant und fast schon unnötig. Das hat mir dieses ohnehin schon ruhelose und verworrene Ende leider nicht schmackhafter gemacht.
Ich gebe dem Buch trotzdem drei Sterne, da der Schreibstil angenehm zu lesen war und die Geschichte viel Potenzial beinhaltet, auch wenn dieses nicht voll genutzt wurde.