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Veröffentlicht am 10.04.2021

Frieders großer Sommer

Der große Sommer
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Friedrich Büchner, der Ich-Erzähler in diesem Buch, wandert einerseits über den Friedhof und sucht nach einem bestimmten Grab, andererseits mit seinen Gedanken in seine Jugendzeit zurück. In jenen Sommer, ...

Friedrich Büchner, der Ich-Erzähler in diesem Buch, wandert einerseits über den Friedhof und sucht nach einem bestimmten Grab, andererseits mit seinen Gedanken in seine Jugendzeit zurück. In jenen Sommer, am Ende der 9. Klasse - die Frieder wieder einmal nicht geschafft hatte wegen Mathe und Latein. Er muss als letzte Chance zur Nachprüfung und verbringt aus diesem Grund die kompletten Sommerferien bei seinen Großeltern, um den Stoff nachzuholen und für die Prüfung zu pauken, während seine Eltern mit den kleineren Geschwistern in Camping-Urlaub fahren.
Seine Großmutter, von allen Nana genannt, liebt er sehr und freut sich auch auf sie. Vor seinem Großvater hingegen hat er nicht nur riesigen Respekt, sondern regelrecht Angst vor seine Stränge und Unnachgiebigkeit.
Zum Glück ist noch Johann da, sein bester Freund, und Alma, seine Schwester, die in einem Altenheim ein Praktikum während der Ferien absolviert und währenddessen im Schwesternheim wohnt. Kurz vor den Ferien lernt er Beate im Schwimmbad kennen und ist auf Anhieb ein wenig verschossen in sie. Gemeinsam verbringen die Vier viel freie Zeit und so manches nimmt seinen Lauf.

Die Geschichte plätschert zunächst etwas belanglos vor sich hin wie ein leichter Coming-of-Age-Roman. Soll heißen: erste große Liebe, Probleme in der Schule und mit Freunden, verständnislose Erwachsene etc. Zunächst denkt man noch beim lesen "Na und?" Aber dann zeigt sich, wie Arenz sein Metier versteht. Es ist beileibe kein Jugendbuch, sondern es lässt die Lesenden so vieles nachvollziehen - nicht nur aus der eigenen Kindheit, sondern auch aus der Kindheit eigener Kinder. Man erinnert sich seiner eigenen, teils turbulenten Pubertät und ich staunte nicht schlecht, wie sehr ich mich an dieses Alter unserer Söhne erinnert fühlte.
Durch die Erinnerungen des Ich-Erzählers kann man an den Gedanken und Gefühlen des jungen Frieders teilhaben. Die Story entwickelt sich und alles gerät ins wanken. Frieder verliert immer mehr den Überblick und wird förmlich von den Ereignissen - teils nicht beeinflussbar, teils selbst verursacht - überrollt. Und er erfährt im Laufe dieser 6 Ferienwochen, dass nicht immer alles so klar ist, wie es scheint. Er erfährt neben der ersten Liebe auch, was Familie, wahre Freundschaft und Liebe bedeuten kann, was wirklicher Mut ist und dass Strenge nicht gleichzusetzen ist mit Lieblosigkeit. Ganz so, wie er es selbst zu Anfang des Buches sagt, werden diese 6 Wochen seine Reifeprüfung für das Leben als Erwachsener. Danach ist er definitiv kein Kind mehr.

Alle Charaktere sind glaubhaft und authentisch. Passend zur Zeit und passend zum jeweiligen Alter. Das Buch ist an keiner Stelle rührselig, aber durchaus emotional. Die Schreibweise ist durchweg angenehm und einfach zu lesen. Manchmal hätte ich mir hier mehr Raffinesse gewünscht. Aber es passt durchaus zum Thema.
Ich jedenfalls habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen!

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Veröffentlicht am 05.03.2021

Informativ und amüsant

Könnt ihr mal das Segel aus der Sonne nehmen?
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Drei Jahre betreiben Johannes Erdmann und seine Frau Cati mit einem Katamaran einen Charterbetrieb auf den Bahamas. In seinem Buch hat Erdmann zahlreiche Anekdoten aus seinem Skipperleben mit den Charter-Crews ...

Drei Jahre betreiben Johannes Erdmann und seine Frau Cati mit einem Katamaran einen Charterbetrieb auf den Bahamas. In seinem Buch hat Erdmann zahlreiche Anekdoten aus seinem Skipperleben mit den Charter-Crews auf amüsante Weise festgehalten.
Zwar hatte ich mir insgesamt ein witzigeres Buch versprochen, doch das wurde durch reichlich Informationen wettgemacht.
Ich habe überhaupt keine Segelerfahrung und auf den Bahamas war ich auch noch nie. Dennoch hat mich das Thema absolut fasziniert. Wie es wohl ist, sein Leben auf so kleinem Raum zu verbringen und dann auch noch mit vollkommen fremden Menschen? Vom fremden Lebensraum ganz zu schweigen. Einiges war nicht so einfach, da vor allem Versorgungsprobleme auftraten bei Reparaturen. Beeindruckend, dass die beiden doch die Köpfe nie hängen ließen und ihrem Plan vom Skipperleben allen Widrigkeiten zum Trotz treu blieben.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und bei manchen Schilderungen musste ich doch grinsen, wie manche Leute so drauf sind. Ich habe viel über die Bahamas und einiges übers Leben auf einem Boot gelernt und vor allem hatte ich wirklich meinen Spaß bei der Lektüre. Man merkt in jedem Kapitel, wie sehr der Autor dieses Leben und die Bahamas liebt. Und ein wenig von seinem Feuer springt auf die Lesenden über...

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Veröffentlicht am 04.02.2021

Wie viele Facetten hat die Liebe?

Liebeserklärungen
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Wladimir Kaminer lässt die Lesenden jedenfalls eine ganze Menge unterschiedlicher Facetten entdecken. Dass er das in gewohnt launischer Art hinbekommt, braucht nicht erwähnt zu werden.
So geht es z. ...

Wladimir Kaminer lässt die Lesenden jedenfalls eine ganze Menge unterschiedlicher Facetten entdecken. Dass er das in gewohnt launischer Art hinbekommt, braucht nicht erwähnt zu werden.
So geht es z. B. um die harmlose Schwärmerei für einen Rockstar, um einen großartig geplanten Heiratsantrag, um wiederentdeckte alte Liebe, wie ein Blitzschlag eintretende neue Liebe, um vergessene Liebe oder die, die als einziges noch in Erinnerung geblieben ist, um Liebe zu einer völlig Unbekannten, glückliche Liebe, unglückliche Liebe oder unmögliche Liebe, längst vergangene Liebe, zufällig beginnende Liebe, verheißungsvolle Liebe, heiß ersehnte oder sogar nicht erwünschte Liebe und noch vieles mehr.
Und aus all diesen Geschichten blitzt der Schalk des Herrn Kaminer mal mehr, mal weniger hervor. Es ist ganz offensichtlich, dass eines seiner Hobbys das Studium seiner Mitmenschen ist. Jedoch beobachtet er nicht, um die Menschen zu verachten, auszulachen oder vorzuführen - nein... Man merkt ihm bei jeder Story an, was für ein großer Menschenfreund er ist. Er kritisiert nicht - er staunt höchstens; um dann lächelnd aber verstehend mit dem Kopf zu nicken und die Schultern zu zucken. Was wäre diese Welt, wenn alle Menschen perfekt wären? Definitiv keine Welt für Wladimir Kaminer!
Besonders gut haben mir die (vermutlich) biografischen Storys über seine Eltern, Tanten und Großeltern gefallen. Vielleicht, weil da auch ein Stückchen Schwermut mit anklang. Die meisten handeln vom Bekanntenkreis bzw. von diesen erzählten. Nur Kaminer wird wissen, wie viele der Geschichten tatsächlich einen wahren Kern enthalten. Ist aber auch egal - Märchen sind auch erfunden, haben aber eine Botschaft. Genau wie diese Erzählungen. Es geht nichts über eine Liebeserklärung; und sei sie auch noch so skurril.
Ich mag Seine Bücher sehr!

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Veröffentlicht am 03.01.2021

Nicht ganz, was ich erwartet hatte

Mookie – Weihnachten mit Schwein
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Ich gebe gleich zu Beginn zu, dass ich doch insgesamt ein etwas anderes Buch erwartet hatte. Denn mit typischer leichter, amüsanter Weihnachtslektüre hat dieses Buch nicht viel gemein, auch wenn ein kleines ...

Ich gebe gleich zu Beginn zu, dass ich doch insgesamt ein etwas anderes Buch erwartet hatte. Denn mit typischer leichter, amüsanter Weihnachtslektüre hat dieses Buch nicht viel gemein, auch wenn ein kleines Schweinchen drin vorkommt, das zumindest eine gewisse Niedlichkeit und irgendwie auch amüsante kleine Abenteuer verspricht. All das war dieses Buch jedoch in meinen Augen nicht.
Der Protagonist des Buches ist im weitesten Sinne eine verkrachte Existenz. Nach einem Jurastudium und einer gut dotierten Stelle hat er eines Tages alles hin geworfen, weil ihm eine für ihn scheinbar existenzielle Frage durch den Kopf ging: Wie sah sein Gesicht aus, bevor seine Urgroßmutter geboren wurde?
Kein Scherz - Auf diese depperte Frage muss man erst mal kommen und ich würde gerne wissen, was die Autorin alles so nimmt, um sich sowas auszudenken.
Ich gebe zu, dass ich mich durch die ersten 50 Seiten des Buches regelrecht quälen musste und über 1 Woche dafür gebraucht habe. Weil ich leider kaum Lust hatte, weiter zu lesen; so sehr ödete mich dieser Joachim an mit seinem Selbstmitleid, Selbsthass, seinen Selbstzweifeln und seiner Hoffnungslosigkeit. Genau genommen hatte er nur noch Interesse an entsprechenden Mengen Alkohol und Joints, in der Hoffnung, dass er sein Elend dann nicht mehr richtig mitbekommt.
Dass so jemand sich davon beeindrucken lässt, dass ihm irgendwer per Paket ein Schwein zukommen lässt, halte ich für mehr als unwahrscheinlich. Dass so jemand auch noch so viel Verantwortungsbewusstsein besitzt, sich entsprechend um das Tierchen zu kümmern, halte ich für noch unwahrscheinlicher. Und nahezu absurd ist m. E. die Idee, dass dieser Typ aufgrund eines solchen Präsents von Unbekannt sich auf die Suche nach eben jenem Absender machen würde. Aber gut... dafür ist es ja ein Roman - in dem ist bekanntlich alles möglich.

Davon abgesehen ist das Buch aber nicht einmal schlecht gelungen. Dass es Weihnachten als Kaufanreiz nutzt ist zwar fragwürdig aber durchaus geschäftstüchtig und damit nachvollziehbar. Denn die Story hätte auch im Hochsommer problemlos funktioniert. Mookie hingegen spielt allenfalls eine Nebenrolle. Es hätte auch ein Hund sein können oder ein Papagei oder irgendein anderes Tier, mit dem man sich innerorts auf Suche begeben kann. Nur wirkliche "Abenteuer" habe ich, mit Ausnahme einer Stelle, vermisst.
Stattdessen handelt es sich um Joachims Sinnsuche. Dem langsamen Erkennen, dass ihn nicht alle als Loser sehen und dass er doch nicht so absolut nutzlos ist, wie er denkt und dass sich nicht alles gegen ihn verschworen hat.
Er lernt - wer hätte es gedacht - eine Frau kennen, die aus mir unerklärlichen Gründen irgendetwas interessant an ihm findet und ihm hilft, auf dem Boden zu bleiben statt in sein persönliches schwarzes Loch zu stürzen. Sie unterstützt ihn bei der Suche nach dem geheimnisvollen Schenker selbst dann noch, als er mal wieder dabei ist, die Flinte ins Korn zu werfen. Na ja... wie die Geschichte ausgeht, ist sicher kein großes Fragezeichen.
Ansonsten ist das Buch höchst angenehm zu lesen. Der Stil ist leicht und locker. Die Geschichte nicht immer - was kein Nachteil ist in meinen Augen, denn sonst hätte ich ihm nicht doch trotz aller Kritikpunkte noch 3 Sterne gegeben. Sie entwickelt sich mit Joachim, wird immer besser und oft genug kommt man ins grübeln. Wirklich lustig war es an keiner Stelle sondern eher anrührend. Verfilmt kann ich es mir übrigens sehr gut vorstellen. Für einen der typischen Weihnachts-Fernsehfilme eignet es sich auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 08.11.2020

Viel besser als erwartet

Die große Pause
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Er kann auch anders!
Zumindest ein bisschen anders

Natürlich nimmt Bastian Bielendorfer auch dieses ernste Thema Corona mit einer guten Portion Humor. Aber wie heißt es schon in dem altbekannten Sprichwort: ...

Er kann auch anders!
Zumindest ein bisschen anders

Natürlich nimmt Bastian Bielendorfer auch dieses ernste Thema Corona mit einer guten Portion Humor. Aber wie heißt es schon in dem altbekannten Sprichwort: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Obwohl es ihm ganz bestimmt nicht immer zum lachen zumute war; schließlich ist auch er vom Lockdown stark betroffen. Stärker vermutlich, als die Angehörigen anderer Branchen. Gerade Kleinkünstler arbeiten größtenteils als Freiberufler und bekommen die wohl geringste Unterstützung vom Staat in diesen Zeiten.

Wie dem auch sei... herausgekommen ist eine Art Tagebuch in Zeiten der beginnenden Corona-Pandemie. Ein ausgesprochen unterhaltsames Tagebuch, das einem auch einmal die komischen Auswüchse (ich sage nur: Klopapier) und Erstaunlichkeiten dieser absolut ungewöhnlichen Zeit mit einem Augenzwinkern in Erinnerung ruft. Und schließlich befinden wir uns ja gerade jetzt, wie prophezeit, in einem Lockdown-Recall, das hoffentlich nur eine Kleine Pause bleiben wird.
Auch die Aufmachung ist durchaus gelungen. Wertig als Hardcover herausgegeben und innen mit zahlreichen Flecken und Kritzeleien versehen kommt es ziemlich frech daher. Ganz so, wie man sich Bielendorfers Schulhefte schon vorstellte. Er hat halt so einen leicht chaotischen Touch an sich, den auch das Buch vermittelt.
Obwohl das Buch voller komischer Geschichten steckt, ist es m. E. weit weg von Comedy und Klamauk. In fast jeder Story stecken letzten Endes Gedankenblitze, die weit tiefer gehen und einen kurz innehalten lassen. Das Buch entbehrt beileibe nicht der nötigen Ernsthaftigkeit - nur halt amüsant verpackt. Er kann eben doch auch anders, wenn er will. Und ich hätte ihm gar nicht zugetraut, dass er so gut schreiben kann. Das Lesen macht wirklich Spaß!

Manchem mag ein humorvolles Buch über Corona so gar nicht angebracht erscheinen. Aber ich gehöre zu den Lesenden, die auch Themen wie Krankheit, Verfall und Tod immer noch mit einer gehörigen Portion Humor entgegentreten möchten. Es gibt momentan so viel Schlimmes auf der Welt, dass ich dankbar für jedes Lächeln beim lesen oder auch ein herzhaftes Lachen bin.
Man merkt: Ich bin Bielendorfer-Fan und mag ihn schon sehr, den armen Lehrersohn. Hoffentlich normalisiert sich bald alles etwas, dass ich ihn auch wieder live erleben kann.

Fazit: Wer sich nicht nur todernst mit Corona befassen möchte, der ist hier gut aufgehoben!

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