Tolles Abenteuer schwererziehbarer(/missverstandener) Märchenkinder
Rotkäppchens mysteriöse TräumeAuch Märchenfiguren sind nicht vor der Pubertät gefeit. Das beweist uns Autorin Jacqueline Weichmann-Fuchs mit Protagonistin Rubin. Sie fühlt sich in dieser Zeit besonders missverstanden von ihrer Großmutter, ...
Auch Märchenfiguren sind nicht vor der Pubertät gefeit. Das beweist uns Autorin Jacqueline Weichmann-Fuchs mit Protagonistin Rubin. Sie fühlt sich in dieser Zeit besonders missverstanden von ihrer Großmutter, als diese sie ins Internat für schwererziehbare Jugendliche schickt. Nach wenigen Seiten sieht sie sich konfrontiert mit Schülern, wie Pinocchio, der immer nur Halbwahrheiten von sich gibt oder Schulpersonal, wie die gute, alte Gothel, die sich um das Essen oder das Krankenzimmer kümmert.
Es ist ein Buch voller Problemkinder (und -erwachsener) und doch macht es die Autorin einem einfach, etwas Gutes in ihnen zu finden. Rubin wird in Angstsituationen starr oder wehrt sich extrem. Gleichzeitig beschützt sie damit öfter die Menschen in ihrem Umkreis, indem sie schnell handelt. Ihre Perspektive zu lesen, ihr bisheriges Leben zu durchleuchten, macht sie lebendiger, nachvollziehbarer und in Kombination mit ihren Ecken und Kanten, authentischer.
Ihr Mut und der ein oder andere weise Rat, sorgen unverhofft für die unterschiedlichsten Bindungen zwischen Rubin und ihren Mitschülern oder Lehrern. Dabei tut sie insbesondere ihrem Mitschüler Wolf gut, der zu Wutausbrüchen neigt und nach einer Ansage von Rubin immer mehr anfängt zu reflektieren. Was nicht bedeutet, dass die Zwei aufhören ständig aneinanderzugeraten. Was die Beiden auch schnell zum Direktor und zu speziellen Erziehungsmaßnahmen führt. Auf zwischenmenschlicher Ebene sorgen Rubin und Wolf für eine angenehme Menge an Kabbeleien, spritzigen Dialogen und leichtem Prickeln in der Magengegend.
Untermalt wird das Abenteuer mit tollen Locations. Zusammen machen die Charaktere Jacquelines Märchenwelt unsicher, landen im Haus der sieben Geißlein oder im Schloss von Schneewittchen. Mir gefielen der Weltenentwurf und der Besuch in altbekannten Locations total gut.
Die Autorin fängt in diesem Buch wunderbar die jugendliche Zeit ein. Sie besteht aus verschiedensten Problematiken, Freundschaften und Herausforderungen in der Schule, aber auch aus schönsten Momenten, an denen man reift. Im Geschehen kratzt sie wichtige Themen an, wie Rassismus, Feminismus und den Umgang mit traumatischen Erlebnissen oder schwierigen Familienverhältnissen.
All das koppelt sie mit einer Menge Charakterentwicklung, Humor und einer gehörigen Portion Märchen.
Für mich ergaben sich lediglich kleine Kritikpunkte. Die Autorin verwendete hier ein interessantes Stilmittel in der Geschichte mit den Träumen von Rotkäppchen, die sehr mystisch wirkten. Gleichzeitig sorgten diese für leichte Cuts im Geschehen und nahmen etwas Spannung aus und zwischen den Abenteuern raus.
Zudem erhalten die Charaktere und das Abenteuer viel Raum sich zu entwickeln, so dass ich das schnelle Ende ein wenig abrupt fand. Ich hätte mir zum Schluss manche Aspekte ausführlicher gewünscht z. B. die Aussprache von verschiedenen Charakteren. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau.
Fazit:
Wenn du auf der Suche nach einem guten Cocktailmix deiner liebsten Märchen bist, Humor in Geschichten suchst und Charakterentwicklung wichtig findest, dann könnte das dein Buch sein. Mich sprach insbesondere der Fokus auf Ecken und Kanten der Charaktere an sowie der Fakt, dass Helden nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen. Mir gefiel die Verbindung aller Aspekte mit dem klassischen Alltag und den klassischen Sorgen in der Pubertät. Es ergaben sich lediglich kleine Kritikpunkte im Bereich Spannung und beim Ende.