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Lenex

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2025

Queeres Weltraumabenteuer

Atmosphere
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Joan Goodwin möchte ins Weltall, und tatsächlich gelingt es ihr, als eine der ersten Frauen bei der NASA zur Astronautin ausgebildet zu werden. Dort lernt sie auch ihre ehrgeizige Mitstreiterin Vanessa ...

Joan Goodwin möchte ins Weltall, und tatsächlich gelingt es ihr, als eine der ersten Frauen bei der NASA zur Astronautin ausgebildet zu werden. Dort lernt sie auch ihre ehrgeizige Mitstreiterin Vanessa kennen, was ihr Leben für immer verändern wird.

Ach, schade, ich hatte so große Hoffnungen in dieses Buch. Taylor Jenkins Reid ist für mich meistens Garantin für sehr gute Unterhaltung. Leider war es diesmal nicht das, was ich mir gewünscht habe. Interessant fand ich das Weltraumsetting, und alles zur Ausbildung der Astronaut*innen, v.a. aus weiblicher Perspektive. Die Liebesgeschichte war ganz gut, ich mochte die queere Repräsentation. Leider konnte ich die Nebencharaktere bis zum Schluss nicht ganz auseinander halten und sie blieben auch zu blass. Und, was für mich am schwersten wiegt: Ich fands einfach zu langatmig.

Veröffentlicht am 27.05.2025

Still und berührend

Halbinsel
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Annett ist Ende 40 und Bibliothekarin in Nordfriesland. Ihre Tochter Linn hat studiert, steht nun am Anfang ihres Berufslebens und lebt in Berlin. Nach einem Schwächeanfall zieht Linn vorübergehend zurück ...

Annett ist Ende 40 und Bibliothekarin in Nordfriesland. Ihre Tochter Linn hat studiert, steht nun am Anfang ihres Berufslebens und lebt in Berlin. Nach einem Schwächeanfall zieht Linn vorübergehend zurück zu ihrer Mutter. Zwei Leben, zwei Generationen, zwei Perspektiven treffen aufeinander. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden sichtbar. Und beide Frauen müssen für sich sortieren, wie es im Leben weitergehen soll.
Ich mochte dieses Buch sehr. Es passiert nicht viel, zumindest vordergründig, und trotzdem entstehen keine Längen. Kristine Bilkau erzählt ruhig, genau und mit einem feinen Blick für das Alltägliche und Beziehungen. Ich mag sehr, wie Landschaften und Jahreszeiten bei ihr ohne ewig lange Beschreibungen lebendig werden.
Wie schon in „Nebenan“ lässt die Autorin Lücken, nicht alles wird auserzählt. Es bleibt Raum für eigene Gedanken und Interpretationen, was bei mir dazu führt, dass ich noch lange an ihre Geschichten zurückdenke.
Ein stilles, schönes Buch, das bleibt.

Veröffentlicht am 27.05.2025

Düstere und atmosphärische Spurensuche

Nowhere Heart Land
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In „Nowhere Heart Land“ begleiten wir Rosa, die seit Jahren in London lebt und arbeitet. Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag kehrt sie zurück in ihre deutsche Heimatstadt, eigentlich um einige Angelegenheiten ...

In „Nowhere Heart Land“ begleiten wir Rosa, die seit Jahren in London lebt und arbeitet. Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag kehrt sie zurück in ihre deutsche Heimatstadt, eigentlich um einige Angelegenheiten für ihre an Demenz erkrankte Großmutter zu regeln. Doch ihre Rückkehr wird schnell zu einer Spurensuche. Sie taucht tief ab in ihre prägenden Erfahrungen im Internat am Nützenberg, das auch schon ihre mittlerweile verstorbene Mutter Conny besuchte.

„NHL“ lebt eindeutig von der Stimmung und bietet im Grunde nur wenig Handlung. Das Buch hat einen ganz eigenen düsteren, dichten, nostalgischen Sound. Ich mochte die anspruchsvolle Sprache, auch wenn sie manchmal etwas sperrig und zähflüssig daherkam. Rosas starke Unruhe und Unzufriedenheit kamen jedenfalls richtig gut rüber. Ich empfand ihre ewigen Gedankenspiralen mit der Zeit aber auch als ziemlich anstrengend.

Die Ausgangslage fand ich spannend, doch so richtig kommt die Geschichte irgendwie nie in Gang. Immer wenn ich dachte, dass die Handlung jetzt an Dynamik gewinnt, wurde diese wieder im Keim erstickt. Ein Schritt vor, zwei zurück. Dabei war da so viel Potential, vor allem in Bezug auf die Freundinnenschaften.

Trotz starker Momente und atmosphärischer Erzählweise also leider für mich ein eher frustrierendes und langatmiges Leseerlebnis.

Veröffentlicht am 27.05.2025

Amüsante und tiefgründige Kritik an der Arbeitswelt

Geht so
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Marisa arbeitet in einer Werbeagentur in Madrid und hasst ihren Job. Sie empfindet alle ihre Aufgaben als sinnlos und nicht ihren Werten entsprechend. Also „spielt“ sie Büro, wie sie es nennt, und gibt ...

Marisa arbeitet in einer Werbeagentur in Madrid und hasst ihren Job. Sie empfindet alle ihre Aufgaben als sinnlos und nicht ihren Werten entsprechend. Also „spielt“ sie Büro, wie sie es nennt, und gibt vor, schwer beschäftigt zu sein, während sie in Wahrheit meistens Youtube-Videos schaut. Sie leidet an einer Angststörung und nimmt täglich verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel, um durch den Tag zu kommen. Sie genießt den Monat August, da viele ihrer Kolleg*innen Urlaub haben. Doch dann wird kurzfristig ein Team-Event angesetzt, das sogar eine Übernachtung beinhaltet – für Marisa ein Albtraum.

„Geht so“ hat mir viel Spaß gemacht und ich habe Kritik an der Arbeitswelt in Romanform so noch nie gelesen. Die Geschichte wird mit viel Zynismus und trockenem Humor erzählt, ohne Marisas Probleme ins Lächerliche zu ziehen. Die Autorin thematisiert „Quiet Quitting“ und „Bullshit Jobs“ und beschreibt Gedanken und Gefühle, die wahrscheinlich viele Menschen nachvollziehen können. Denn auch, wenn man seinen Job prinzipiell gerne mag, ist es wohl für niemanden ganz einfach, jeden einzelnen Arbeitstag früh aufzustehen, in die Arbeit zu fahren und die erwartete Leistung zu erbringen, ganz egal wie es einem gerade geht oder was privat los ist. Interessant fand ich auch, wie Marisas Marketingjob mit Kapitalismus und Feminismus in Zusammenhang gebracht wurde.

Gegen Ende ließ das Buch etwas nach. Das Teamevent fand ich ein bisschen enttäuschend, das Ende hätte ich mir anders gewünscht. Trotzdem fand ich „Geht so“ insgesamt richtig stark und gebe eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 27.05.2025

Mit dem Camper durch die Berge

Otto fährt los – Ein Sommer in den Bergen
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Endlich Sommerferien! Die Zwillinge Luzie und Klara mit ihren Eltern Yurika und Christian fahren mit Campingbus Otto in den Urlaub. Es geht quer durch die Berge in Deutschland, Österreich und der Schweiz. ...

Endlich Sommerferien! Die Zwillinge Luzie und Klara mit ihren Eltern Yurika und Christian fahren mit Campingbus Otto in den Urlaub. Es geht quer durch die Berge in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Mir hat sehr gut gefallen, wie viel Raum die Natur einnimmt und wie liebevoll die Details gestaltet sind: unter anderem findet man eine Karte, ein Rezept mit Kaiserschmarren und eine detaillierte gezeichnete Packliste. Im Text werden die Lesenden bzw. Zuhörenden immer wieder mit Fragen angesprochen, was ich ebenfalls charmant fand.
Die Illustrationen sind warm und stimmig - bunt, aber eher gedämpft - und passen gut zur entspannten Atmosphäre des Buches. Die Handlung selbst verläuft eher gemächlich und ruhig. Ein großer Spannungsbogen oder ein klarer Höhepunkt fehlen, dafür punktet das Buch mit vielen kleinen, charmanten Abenteuern der Familie.
Die Sprache ist insgesamt gut verständlich, wirkt aber stellenweise etwas holprig. Das kann aber an meiner österreichischen Herkunft liegen. Insgesamt ein schönes Buch für alle, die entschleunigte Geschichten und Natur mögen – mit viel Herz und einer Prise Abenteuer.