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Veröffentlicht am 22.10.2020

The rubble of my soul.

One Last Song
1

"Ich gab mich völlig der Musik hin, ließ mich in ihre Arme fallen, vertraute darauf, dass sie mich halten würde, und genau das tat sie."

"One last Song" von Nicole Böhm erschien als Auftakt der "One ...

"Ich gab mich völlig der Musik hin, ließ mich in ihre Arme fallen, vertraute darauf, dass sie mich halten würde, und genau das tat sie."

"One last Song" von Nicole Böhm erschien als Auftakt der "One last"-Reihe und beschäftigt sich mit der Geschichte von Riley und Julian. Die Autorin bringt damit das Musikbusiness, das Leben als New Yorker Schausteller und als ruhmreicher Rockstar näher.
Einmal gelesen, schon fühlt man sich in New York und auf der Bühne Zuhause.
Weiterhin geht es vor allem um das harte Arbeiten, um sein Ziel zu erreichen; um das Aufstehen, nach einem Tiefschlag und um die Schattenseiten, die plötzliches Berühmtsein mit sich bringt. Neben dem geht es um das "Sich-selbst-treu-bleiben" und um ganz viel Musik!

Die Autorin sendet dem Leser eine dynamische Handlung die abwechslungsreich aufgebaut ist. Hier wird kapitelweise aus der Sicht zweier Protagonisten erzählt, es gibt einige Zeitsprünge zwischen Handlungspunkten und hier und da einen wundervollen Songtext (unbedingt beim Lesen die Songs mithören!).
Spannung hält Nicole Böhm konstant, indem sie das ein oder andere angesprochene Geheimnis bis mindestens zur Hälfte offen lässt, wenngleich nicht immer spektakuläres passiert. Jedoch sind einige Highlights und lustige Passagen integriert.
Der Inhalt ist von vielen Emotionen wie Leidenschaft und Angst, Liebe und Unsicherheit geprägt, die wunderbar vermittelt werden.
Das Setting New York passt hervorragend zu Kontext und handelnden Personen.
Das Ende kommt vielleicht etwas schnell, hier wäre ein Epilog zum Abschluss toll gewesen!

Bei den Charakteren stehen sich zwei kontrastartige Persönlichkeiten einander gegenüber.

"Mein Leben ist über Nacht quasi explodiert und hat mich derart von den Füßen gerissen, dass ich mich fast in diesem Strudel verloren hätte. Geld war auf einmal kein Thema mehr, ich hab alles bekommen, was ich wollte."

Zum einen haben wir den erfolgreichen Julian Sloan, unter Freunden und Bekannten auch "Jules" genannt.
Er ist nun ein bekannter Künstler, ein Rockband-Mitglied und Songwriter, dessen Leben sich von jetzt auf gleich um hundertachtzig Grad drehte - dessen Existenz plötzlich in aller Munde war.
Er lebt bereits den Traum vieler anderer junger Bühnenbegeisteter, unterliegt momentan jedoch vor allem den Kehrseiten des Erfolgr und ist des Drucks und der tausenden Verpflichtungen müde.
Jules liebt mit ganzer Seele und lebt die Musik mit vollkommener Passion.
Manchmal ist er eher unsicher und ängstlich, hat Angst sich an einen Ort oder eine Person zu binden und lebt deshalb ohne festen Wohnsitz - fühlt sich vollkommen wohl mit seinem Nomadenleben.
Größtenteils treffen jedoch Bezeichnungen wie fürsorglich, passioniert und nachdenklich auf Julian zu.

Auf der anderen Seite haben wir Riley Maddock, die unermüdlich daran arbeitet, ihren Traum wahrwerden zu lassen. Sie will Leute mit ihrer Musik berühren, will ihre Leidenschaft für die Musik allen von der Bühne aus zeigen. Vor allem aber ihrem Vater.
Jedoch ist sie gelegentlich unsicher und zweifelt an sich, da der große Durchbruch bislang ausblieb und ihr die Zeit davon läuft. Sie steht ihrem Vater und ihrem Bruder sehr nahe, liebt jedoch die Künstlerstadt New York und das Gefühl, andere Menschen mit den Emotionen in ihrem Gesang glücklich machen zu können. Sie will ihr Ziel um jeden Preis aus eigenem Antrieb schaffen und ist deshalb sehr verletzt, als sie plötzlich mit einer anderen Art von Berühmtheit verglichen wird.

Die auftretenden Nebencharaktere wurden liebevoll und umfangreich ausgearbeitet.
Ally passt perfekt zu Riley, Ethan bringt Zusatzinput und dient so hervorragend als Gegenpol zu unserem grüblerischen Jules.
Gillian und Summer, Sue und Melissa, Ajden und DR. Maddock bringen die Handlung stetig weiter und bereichern sie durch ihre Auftritte.

Nicole Böhms Schreibstil versetzt einen direkt in die Metropole, die ihr und ihren Figuren als Szenerie dient. Sie vermittelt aufkommende Gefühle hautnah und sehr real, zieht den Leser zwischen die Zeilen.
Die Autorin schreibt ohne Stolpersteine für den Leser, vollkommen flüssig und amüsant.
Sie bringt die Musicalbranche und alles, was dazu gehört hervor und führt so hervorragend durch ihre Geschichte.
Die Lieder sind brillant und dazu sehr kreativ als Brücken in die Situationen eingearbeitet.

Eine fette Leseempfehlung für alle Schnulzenliebhaber und Musicalfans!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.10.2020

Wir lesen uns wieder.

Promises of Tomorrow
1

"Vielleicht ist die Droge namens Erinnerung den unweigerlichen Absturz namens Leere wert."

"Promises of tomorrow" bildet den Abschluss der Geschichte von Evelyn Flynn und Dylan O´Dea, die ihren Anfang ...

"Vielleicht ist die Droge namens Erinnerung den unweigerlichen Absturz namens Leere wert."

"Promises of tomorrow" bildet den Abschluss der Geschichte von Evelyn Flynn und Dylan O´Dea, die ihren Anfang in "Dreams of yesterday" fand.

Part zwei der Dilogie von Autorin L.H.Cosway spielt elf Jahre nach Part eins. Das Setting ist nun nicht mehr Dublin mit den "St. Mary´s Villas", sondern die Businessstadt New York und der Leser entdeckt die Welt erneut aus den Augen der Protagonistin Evelyn.
Nach dem Tod ihre Großmutter hat sie sich doch überreden lassen, Dublin zu verlassen und zu ihrer Tante nach New York zu ziehen. Endlich kann sie alte Wunden heilen lassen, jetzt, da sie in einer neuen Stadt ohne Erinnerungen an alte Geschehnisse - an ihr altes Leben - wohnt.
Doch mit einem hat sie nicht gerechnet: Dylan O´Dea, der plötzlich in ihrem Wohnzimmer steht. Niemals hätte sie gedacht, dass sich ihr Weg mit dem ihrer großen Liebe von damals noch einmal kreuzt. Doch das sollte nicht das einzige mal sein und schon bald befindet sich Evelyn im Zwiespalt aus Vergangenheit und Zukunft.

Die Handlung ist, wie auch in Band eins nicht großartig ereignisreich, jedoch schafft es die Autorin ein durchgängiges Interesse beim Leser zu wecken, um das Buch doch noch nicht aus der Hand legen zu wollen.
Sie ist von weniger Themen, weniger Dramatik geprägt, verfügt aber über die gleiche Emotionalität, die von Cosway großartig hervorgehoben wird.
Die Autorin fokussiert sich hier mehr auf den Weg beziehungsweise die Art und Weise, wie die Protagonisten wieder zusammenfinden und die Gefühle und Erinnerungen, mit denen Ev währenddessen zu kämpfen hat.

Evelyn war als durch und durch optimistische Persönlichkeit bekannt. Mit ihrer Fröhlichkeit und ihrer Gutmütigkeit und der Passion zum Gärtnern, zu Blumen und Pflanzen hat sie sich in das Herz der Leser geschlichen, bis zu dem Tag, an dem Sam starb und die wunderbare Persönlichkeit Evelyn Flynns mit sich genommen hat.
Nun ist Ev älter, lebt bei ihrer Tante als Barkeeperin in deren Club und verbringt ihrem Tag neben dem Arbeiten mit Serien oder Facebook, dem Gärtnern und dem Optimismus hat sie abgeschworen. Bis Dylan auftaucht und ein kleines Bisschen der alten, glücklichen Evelyn durchzubrechen scheint.
Dylan O´Dea hingegen, früher der poetische Schwarzmaler, Pessimist vom Haaransatz bis zur Fußzehe hingegen ist nach Sams Tod nach New York, um sich seinen ganz großen Traum zu verwirklichen. Und genau das hat er geschafft: er besitzt mehrere Parfümläden und seine Kollektionen machen ihn zu einem reichen Mann. Dylan O´Dea ist nun ein glücklicher Geschäftsmann, dessen Wurzeln man nie in den Villas von St. Mary´s vermutet hätte. Doch seinen Charme, seine Intelligenz und den Humor hat er nicht verloren- genau so wenig, wie seine Gefühle für Eve und die starken Schuldgefühle, die ihn seit den Angriff auf ihn und Sam belasten:
"Alle Parfums, die ich je entwickelt habe, sind von dir inspiriert, Ev. Synaesthesia bist du früh am Morgen, wenn du gerade erst aufgewacht bist. Wildflower bist du, wenn du tanzt. E.V. ist dein Lächeln. Limerence ist meine Liebe zu dir. Und Hiraeth ist, wie ich mich elf Jahre lang gefühlt habe, ohne dich."
Yvonne und Connor leben ebenfalls in New York und fungieren wieder als wunderbare Nebencharaktere, die die Stimmung oft auflockern und Abwechslung und Spannung in die Story bringen.

Wieder einmal macht L.H. Cosway Gebrauch von ihrem unglaublich authentischen, sehr poetischen Schreibstil. Sie legt ihren Charakteren Worte in den Mund, die den Leser in ihre Welt hineinziehen, ihnen ihre Gefühle vermitteln und die Verbindungen und Empfindungen fast schon bildlich beschreiben.
Sie hebt in diesem Buch Dylans Passion, Talent und nun auch Beruf in den Vordergrund, gibt etwas Einblick in die Branche eines Parfümeurs und füllt die Seiten mit Farben, indem sie verschiedene Düfte und Blumen auch als bevorzugte Vergleichsobjekte in ihre Satzstrukturen einfließen lässt.
"Ich würde die Kopfnote riechen und sein Lächeln sehen, würde die Herznoten riechen und mich an seine Stimme erinnern. Aber vor allem, tief verborgen in der Basisnote wie ein Geheimnis, würde ich seine Berührungen spüren."

Mein Fazit:
Das Buch ist eine tolle Ergänzung zum ersten Teil, wenn er mir auch nicht ganz so stark vorkommt, wie "Dreams of yesterday", in dem noch mehr Dinge wichtige Rollen gespielt haben. Jedoch ist es für alle, die wissen wollen, wie es mit Ev und Dylan weitergeht ein absolutes must read und nur zu empfehlen!

Meine Rezension zu Band 1 "Dreams of yesterday":
https://www.lesejury.de/nutzer/profil?tab=reviews&s=2#reviews

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.10.2020

Träume groß, auch wenn du klein bist.

Dreams of Yesterday
2

"Unsere Wohnungen sind kein Zuhause, sondern wie so eine Art Regal. Nein, noch schlimmer, eher wie Container. Man stopft uns hinein, sorgt dafür, dass wir so wenig Platz beanspruchen wie irgend möglich. ...

"Unsere Wohnungen sind kein Zuhause, sondern wie so eine Art Regal. Nein, noch schlimmer, eher wie Container. Man stopft uns hinein, sorgt dafür, dass wir so wenig Platz beanspruchen wie irgend möglich. […] Es gibt keine Gärten in denen wir sitzen können, nichts, was irgendwie erfreulich anzusehen wäre. Nur Beton und Staub und Lärm und Träume so groß, dass wir vielleicht bei dem Versuch, sie in uns zu begraben, entzweibrechen werden."

L.H. Cosway schreibt in ihrem Buch "Dreams of yesterday" - den Auftakt einer Dilogie - nicht nur über zwei Jugendliche, die beide mit ihren Schicksalen im Armenviertel von Dublin aufwachsen und sich zufällig begegnen und zueinander finden. Sie beschreibt auch, wie grausam das Leben sein kann, verarbeitet teilweise Themen wie Mobbing, Homophobie, Armut, Depressionen und Körperverletzung mit Folgen. Keines Dieser Themen wird vordergründig behandelt, sondern in die Geschichte als Päckchen, die die Figuren zutragen haben, verarbeitet und in die Geschichte integriert.

Wichtig ist bei diesem Buch zu wissen, dass man auf den Klappentext nichts geben sollte, denn dieser ist meiner Meinung nach nur zur Hälfte zutreffend, zum Viertel oberflächlich und zu zwei Achteln falsch.

Die junge Evelyn, bei ihrer Tante lebend, hat mit ihren siebzehn Jahren schon einiges familiär mitgemacht. Sie fühlt sich zwar in dem Dubliner Armenviertel "St. Mary´s Villas" (wie ironisch) nicht sonderlich wohl, findet das Leben dort aber ausreichend für sich selbst. Ihrem Charakter nach ist sie eine durch und durch positive Optimistin, die stets das Gute an der Situation sucht. Eines Tages trifft sie auf den ebenso mit einer traurigen Vergangenheit belasteten Dylan. Dieser wiederum ist eher ein philosophischer Schwarzmaler, der von mehr träumt, als ein Leben in Schmutz und Dreck - Armut und Vorurteilen. Beide finden zueinander und der Leser erfährt von Dylans Traum und, wie er versucht, Evelyn auch dafür zu begeistern. Die Handlung des Buches beschreibt das Leben der Charaktere in den Villas von Dublin, wie gutmütig arme Leute, wie grässlich innerlich leere Menschen sein können und zusätzlich, wie Liebe diese verändern kann. Ein grauenhaftes Ereignis führt schließlich dazu, dass Evelyn dazu gezwungen wird, ihr Wesen zu ändern; es bringt Dylan dazu, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und sich an die Erfüllung seines Traums zu machen.
Es geht um unterschiedliche Jugendliche, die von besserem träumen aber sich mit unterschiedlichen Zielen zufrieden geben.
Die Handlung ist nicht immer außergewöhnlich spannend oder von vielen Wendepunkten geprägt, was sie aber nicht hemmt oder weniger packend macht.

Die Autorin hat sich fantastisch liebevolle Charaktere ausgedacht. Einer eigener als der andere, mit einer erstaunlich präzisen Individualität.
Evelyn, kurz Ev genannt, ist eine von Grund auf liebenswürdige Persönlichkeit, aus deren Sicht sämtlich Geschehnisse beschrieben werden; in deren Gefühlswelt sich der Leser zu bewegen scheint. Im kompletten Handlungsverlauf lernt man sie als selbstlose Optimistin kennen, die sich gleichzeitig bis zum Schluss selbst treu bleibt und meint, ihre Grenzen zu kennen. Wenngleich sie auch ängstlich ist, wenn es heißt, sich größere Ziele zu stecken und von Dingen zu träumen, die unwahrscheinlich, aber nicht unerreichbar sind. Mit ihrem bunten Hobbygarten auf dem Dach des grauen Häuserblocks schafft sie einen Kontrast, genauso wie ihre Persönlichkeit zu ihrem Umfeld.
Dylan ist im Grunde genau das Gegenteil. An ihm ist ein kleiner Philosoph verloren gegangen, der gleichzeitig unheimlich wissensdurstig scheint und mit viel Intelligenz und einer wortwörtlich begabten Nase gesegnet ist. Von Anfang an wird er als sehr erwachsen dargestellt, im Laufe des Werkes erkennt man aber vor allem durch ausgesprochene Gedanken oder unüberlegtes Handeln, dass er immer noch ein Junge ist, der aufgrund eines tragischen Verlustes viel zu früh erwachsen werden musste.
Ev und Dylan passen einfach zusammen, wie zwei füreinander gemachte Puzzleteile und es ist schön zu sehen, wie sich ihre Verliebtheit in Liebe verwandelt und wie sich beide auf positive Art durch diese Beziehung verändern - aus sich heraus kommen und schlechte Gewohnheiten ablegen.
Die Nebencharaktere, vor allem Sam Kennedy, sind umwerfende Figuren. Sam ist unbeschreiblich, man muss ihn einfach selbst kennenlernen. Er ist der Knaller an diesem Buch, der dem ganzen trostlosen Setting Glanz, Humor und Sonnenschein verleiht.

L.H. Cosway hat einen unglaublich authentischen, sehr poetischen Schreibstil. Mit Worten kreiert sie realistische Bilder vor dem inneren Auge des Lesers, versetzt ihn in die Protagonisten hinein, lässt ihn Szenen hautnah miterleben und induziert vor allem viele Emotionen. Ganz gleich wann, ich habe zu jeder Zeit die Gefühle der einzelnen Personen verstehen und mitempfinden können.
Ich hatte hier keinen Moment das Gefühl, dass ein Ereignis, ein Gefühl, ein Problem zu viel oder zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.
Es ist bei einem Buch wie diesem wichtig, sich in die einzelnen Charaktere hineinzuversetzen, damit man ihre Taten und ihre Denkweisen verstehen kann. Man darf nicht zu fixiert auf diese "Liebesgeschichte" sein, denn sonst übersieht man einiges. Hier geht es meiner Meinung nach nicht nur um die Liebe, sondern auch um andere, uns vielleicht unbekanntere Lebensumstände, um Situationsbewältigung und um Schicksal. Es geht darum zu verstehen, warum Dylan O´Dea so groß träumt und warum Evelyn Flynn es sich eben nicht traut.

Für mich ist dieses Buch zu einem Herzensbuch geworden, denn selbst auf wenig Seiten werden hier viele emotionale Höhe- und Tiefpunkte realistisch rüber gebracht. Einiges scheint oberflächlich, wenn man aber etwas länger darüber nachdenkt und mit diesen Gedanken weiterliest, lässt sich eine gewissen Tiefgründigkeit erkennen. Mir hat dieses Buch unglaublich viel Spaß gemacht, es hat mir das Herz gebrochen und neuen Mut eingeflößt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.10.2020

Liebling, ich bin Zuhause.

The Brooklyn Years - Was von uns bleibt
2

"Es gibt schon genug Probleme im Leben, du musst dir nicht noch zusätzlich welche machen."

"The Brooklyn Years - Was von uns bleibt" - Auftakt der Spin-Off Reihe von "The Ivy Years" von Sarina Bowen dreht ...

"Es gibt schon genug Probleme im Leben, du musst dir nicht noch zusätzlich welche machen."

"The Brooklyn Years - Was von uns bleibt" - Auftakt der Spin-Off Reihe von "The Ivy Years" von Sarina Bowen dreht sich um die Geschichte der Trainertochter Georgia Worthington und ihrem Exfreund Leo Trevi.

Leo Trevi bekommt die Chance seines Lebens: die Brooklyn Bruisers, ein New Yorker Eishockeyteam kauft den Minor-League-Spieler und holt ihn in die NHL.
Doch er wird überrascht: seine Exfreundin Georgia Worthington arbeitet für dieses Team als Pressesprecherin und ihr Vater ist der neue Coach des Teams, scheint mit seinem neuen Spieler aber alles andere als zufrieden zu sein. Leo muss also zittern und bangen, denn das Fenster der Transferperiode ist noch eine Weile offen und er könnte jeden Tag verkauft werden.
Hinzu kommen seine immer noch präsenten Gefühle für Georgia und das neue Verlangen, sie zurückzuerobern. Georgia hingegen durchläuft ab den Tag, an dem sie Leo wiedersieht eine Achterbahn der Gefühle: von Verleugnung über Verdrängung zu unerwünschten Erinnerungen und einem seltsamen Prickeln im Bauch, das sich nach Heimkehr anfühlt.

Die Handlung wird abwechselnd aus Georgias und aus Leos Sicht in der dritten Person erzählt und spielt sechs Jahre nach der Trennung der beiden. Der Handlungsverlauf ist größtenteils spannend gestaltet und lässt die Seiten nur so dahin fliegen.
Es gibt schon zum Anfang einige Enthüllungen und offen gelassene Fragen, die den Leser dazu veranlassen, Detektiv zu spielen, spannt ihn aber nicht unnötig lang und schleppend auf die Folter.
Das Buch zu lesen fühlte sich tatsächlich wie "Nach Hause kommen" an. Dazu tragen die Charaktere wie auch die Atmosphäre, die zwischen ihnen herrscht, bei. Es gibt keine überzogenen Dramen, dafür einige realistische Geschehnisse, was dieses heimelige Gefühl in mir hat aufleben lassen.
Vergewaltigung spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte, jedoch nicht so, wie viele andere Romane oder das erste Drittel des Buches vermuten lassen. Weiterhin gibt es, neben kleinen Wendepunkten und Enthüllungen, auch einen großen Fokus-Wechsel, der für mich als großer Wendepunkt und Überraschungsmoment fungierte.
Der Epilog ist etwas schnulzig, passt aber hervorragend zu den Charakteren und ihrer Geschichte - das ist aber auch das einzige, womit die Autorin in ihrem Buch mal nicht vom Standard in diesem Genre abweicht. Das Thema "Glücklichsein" spielt eine tragende Rolle.

Die Hauptcharaktere wurden von der Autorin super und liebevoll herausgearbeitet. Von Zeile eins an waren sie mir sehr sympathisch und wuchsen mir von Seite zu Seite enger ans Herz.
Leo Trevi ist ein optimistischer, verantwortungsbewusster und vor allem humorvoller Charakter, der mit voller Leidenschaft liebt und mit genau so viel Leidenschaft auf dem Eis steht. Er ist ein absoluter Teamplayer und denen, die die "The Ivy Years"-Reihe gelesen haben, schon bekannt.
Dazu kommt sein hinreißend beschriebenes, attraktives Äußeres und eine lockere, sehr umgängliche Art. Dieser Protagonist hat hohes Boyfriendpotenzial, Ladies!
Ihm gegenüber steht Georgia Worthington. Sie liebt ihren Job mehr als alles andere, ist absolut engagiert und unterstützt das Team, wo sie nur kann. Sie hat in ihrer Vergangenheit etwas sehr schlimmes erleben müssen, fühlt sich sechs Jahre später aber wie ein neuer, vollkommener Mensch. Bis Leo auftaucht. Sie arbeitet hart, um ihren Job als vorübergehende Presseabteilungsleiterin auch auf Dauer behalten zu können, wird aber oft durch die Anwesenheit eines gewissen Bekannten abgelenkt. Gigi ist leidenschaftliche Tennisspielerin und knallharte Kampfsportlerin, deren zugängliche Art und Leidenschaft mich sehr berührt haben.

Vor allem auch auf die Nebencharaktere ist zu achten. Da ist nicht nur der grummelige Coach Worthington, der die Story das ein ums andere mal etwas anheizt, sondern auch die lebensfrohe und amüsante Becca, der gut gelaunte Silas und noch viele andere liebenswürdige Mitspieler und Charaktere, die man als Leser einfach in sein Herz schließen muss! Zumal einige von ihnen in den Folgebänden eine sicherlich große Rolle spielen werden.

Kommen wir nun zum Schreibstil der Autorin:
Sarina Bowen schreibt locker, fluffig und einfach realistisch, wie ich es gern habe. Sie verwendet Zeitangaben in den Kapiteln, um die Spannung etwas höher zu halten und dem Leser eine Art tickende Uhr vor Augen zu führen.
Sie schreibt unglaublich authentisch und gefühlsnah. Man fühlt sich direkt heimisch, wenn man den Umgang beider Protagonisten miteinander mitliest. Hier gibt es ein starkes Prickeln zwischen den Charakteren, hier gibt es Erotik - jedoch nicht zu sehr ausgeschmückt und detailliert, damit dem Leser viel Raum für seine eigene Fantasie bleibt.
Es sind auch Kleinigkeiten, die sie in die Struktur der Kapitel einbaut, die für humorvolle und lustige Minuten sorgen:
Auf der einen Seite sind es die Vergleiche, die vor allem in Leos Gedanken eine große Rolle spielen - Vergleiche zwischen "tu ich gerade" (normale Tätigkeit) und "würde ich gerne tun" (Tätigkeit sexueller Natur). Dazu kommen sehr amüsante, kurze Kommentare, die alles auflockern und realistischer gestalten, den Leser aber auf besondere Art einbinden.
Allgemein die Dialoge zwischen den Charakteren sind prima. Sie sind nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz. Es werden Dinge besprochen, die etwas zur Handlung beitragen und diese weiter voranbringen, anstatt sinnlos die Zeit des Lesers "zu verschwenden".
Was Bowen perfekt trifft, ist die Balance zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Ziemlich clever, wie die Flashbacks in Dialoge und Gedanken eingewoben werden - man fühlt sich nicht zu viel bezüglich des einen und zu wenig bezogen auf das andere informiert.

Mein Fazit:
Ein tolles Buch, eine tolle Geschichte, super Schreibstil, umwerfende Charaktere und ganz viel Liebe.
Für mich ist dieses Buch eine totale Leseempfehlung und ich freu mich schon auf Band zwei und drei!

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 14.09.2020

Bindung.

Game on - Chancenlos
4

"Unverbindlich kann ich nicht, mein Herz hängt schon mit drin." (S.212)

"Game on - Chancenlos" ist der zweite Teil der "Game on"- Reihe von Bestsellerautorin Kristen Callihan.

Es geht hierbei um die ...

"Unverbindlich kann ich nicht, mein Herz hängt schon mit drin." (S.212)

"Game on - Chancenlos" ist der zweite Teil der "Game on"- Reihe von Bestsellerautorin Kristen Callihan.

Es geht hierbei um die 22-Jährige Ivy Mackanzie und dem aus Band eins der Reihe bekannten Gray Grayson - Starspieler und super Tight End der Red Dogs, einem College-Footballteam.
Ivy hat zwar einen Zukunftsplan, ist sich mit diesem aber noch unsicher und Gray ist der Partyboy, der Beziehungen scheinbar nichts abgewinnen kann. Per Textnachrichten zwischen England und den USA bauen die beiden Kontakt zueinander auf und werden schnell für den anderen zu einem unverzichtbaren Menschen. Sie scheinen quasi auf einer Wellenlänge zu senden. Als die beiden in der Realität aufeinander treffen, kommt es zu Spannungen und neuen Träumen. Vor allem aber zur Aufarbeitung der Vergangenheit.

Die Geschichte von Gray und Ivy gleicht keiner typischen College-Liebesgeschichte, weshalb ich diesen Roman wirklich toll finde - er übertrifft seinen Vorgänger "Game on - mein Herz will dich" inhaltlich um einiges.
Die Handlung dieses Buches ist abwechslungsreich und die Autorin hat sich wirklich gute Wendungen überlegt, die die Spannung oben halten, falls es für den ein oder anderen an einigen Stellen möglicherweise etwas zu langatmig ist. Nicht nur die Erwartungen von Schnulzenliebhabern, sondern auch die der Erotikfanatiker werden abgedeckt, wenngleich auf den erotischen Teil erst einmal etwas hin gefiebert werden muss. Mir persönlich war das etwas zu viel geballter Sex auf einmal.
Der Prolog ist für mich schon ein totales Buch-Highlight, denn er ist super geschrieben und die Aufmachung und Idee dieser Einleitung passt perfekt zu der Story und ist für mich wirklich sehr einfallsreich gestaltet!
Der Epilog hingegen - der eine mag es, der andere nicht - war mir etwas zu langweilig. Die Autorin hat hier zu weit in die Zukunft vorgegriffen und den Standard der Romanzenepiloge bedient.
Leider hat das ganze weniger von einer College-Romanze, denn von Gray als Student bekommt man leider nur sehr sehr wenig zu lesen - das Collegefeeling fehlt. Umso mehr wird der Leser in die Welt des Footballs entführt.

Die Figuren, vor allem Ivy und Gray wurden perfekt herausgearbeitet. Der Leser bekommt Einblick in beider Gefühlswelten, in ihre Gedanken und in ihre Vergangenheiten.
Gray Grayson alias Gray-Gray oder auch Cupcake, Abkömmling einer Footballdynastie, ist nicht nur ein Footballspieler aus Leidenschaft, sondern kocht auch für sein leben gern. Da er sich in seiner Jugend um seine krebskranke Mutter hat kümmern müssen, ist er ein sehr fürsorglicher Charakter. Er ist bekannt als Typ für eine Nacht, ein Aufreißer mit heißen Muskelbergen. Aber - á la harte Schale weicher Kern - steckt in ihm ein Junge, der nichts lieber will als Liebe zu verschenken und Liebe zu empfangen, der sich um andere kümmern will, selbst aber auch Zuwendung braucht. Er ist nicht nur ein fantastischer Athlet, sondern auch ein hervorragender Liebhaber und ein noch besserer Freund.

Ivy Mackanzie, bekannt als Iv oder Mac ist ebenfalls ein individueller Charakter. Sie liebt es zu backen und - trotz der Abwesenheit jeglichen Rhythmusgefühls - zu tanzen. Sie gleicht Gray hinsichtlich ihrer Passion für Flachwitze und ist sonst auch wirklich footballbegeistert, wenngleich sie es ablehnt, selbst Sport zu treiben. Mac ist direkt, zieht aber gerne mal den Kopf ein, wenn es um klärende Gespräche geht und drückt sich ebenso gern vor ihren Problemen. Das alles macht sie zu einen ungemein sympathischen Charakter, der herausfindet, was er wirklich will und andere auf den Zug der Selbstfindung mitnimmt.
Gemeinsam haben die beiden so einige harte Pillen zu schlucken und kreieren sich ihre Zukunft so, wie sie es wollen.

Kristen Callihans Schreibstil ist locker flockig quirlig, humorvoll und geradeheraus leicht verständlich geschrieben. Ich mag ihren Stil wirklich sehr, denn das Innenleben der Figure kommt nicht zu kurz. Die Seiten fliegen beim Lesen nur dahin und die Reise von Ivy und Gray ist es auf jeden Fall wert erlebt zu werden!

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