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Veröffentlicht am 09.08.2019

Was für eine bewegende Geschichte

Aufbruch in ein neues Leben
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Inhaltsangabe:
Luises Oma ist Dorfhebamme und für ihre Enkeltochter gibt es nichts Schöneres, als in die Fußstapfen ihrer Großmutter zu treten. Allerdings soll Luise eine fundierte Ausbildung machen und ...

Inhaltsangabe:
Luises Oma ist Dorfhebamme und für ihre Enkeltochter gibt es nichts Schöneres, als in die Fußstapfen ihrer Großmutter zu treten. Allerdings soll Luise eine fundierte Ausbildung machen und die soll sie in Berlin in einer Hebammenlehranstalt absolvieren. Schweren Herzen verlässt Luise ihre Heimat in Ostpreußen. In Berlin lernt sie die aus gutem Haus stammende Edith und die aus ärmlicheren Verhältnissen stammende Margot kennen. Trotz der unterschiedlichen Herkunft, freunden die drei sich recht schnell an.


Aufbruch in ein neues Leben ist der erste Teil der neuen Hebammen - Trilogie von Linda Winterberg. Ich liebe historische Romane und, wenn diese auch noch in Berlin spielen, dann ist mein Feuer entfacht. Von dem Klapptext des Buches war ich sofort begeistert und das war quasi das i-Tüpfelchen, dass ich diesen Roman unbedingt lesen musste. Ich muss dazu gestehen, dass ich noch kein Buch dieser Autorin vorher gelesen hatte und so war es für mich ein Debüt.


Der flüssige und leichte Schreibstil der Autorin konnte mich von Anfang an überzeugen. Linda Winterberg versteht ihr Handwerk und weiß wie man den Leser in ihren Bann zieht. Ab der ersten Seite wusste ich, dass dies „meine Geschichte“ wird und tauchte ein- und ab in das Leben der drei Frauen. Ganz egal, welchen Charakter man hier nehmen würde, ich fand sie allesamt sehr gut dargestellt. Ausdruckstark, facettenreich und allesamt sympathisch und sie bereichern diese Handlung auf ihre Art und Weise. Ich konnte mich sehr gut in die einzelnen Personen und ihr Handeln hineinversetzen.
Dank der perfekt ausgearbeiteten Kulisse, konnte die erdrückende, hilfesuchende und teilweise hoffnungsvolle Stimmung, die unter der Bevölkerung herrschte, brillant rübergebracht werden. Zwischen den Zeilen merkte ich, wie der Schrei nach Frieden immer größer wurde. Die Menschen waren das Elend und den Hunger so überdrüssig, dass sie nur noch einen Wunsch hatten: Frieden und genug Lebensmittel!
Die Handlung ist eine bewegende Geschichte von drei jungen Frauen, die einen gemeinsames Ziel haben: sie möchten Hebamme werden! Mit ihrem Lebenstraum wollen sie, trotz der schlechten politischen Lebenssituation, den Müttern ein wenig Hilfe und Unterstützung zukommen lassen. Auch wenn Edith, Margot und Luise in der besten Hebammenlehranstalt ihre Ausbildung absolvieren dürfen, gegen die hohe Sterblichkeitsrate können auch sie nichts ausrichten. Im Krieg gibt es nur Verlierer, aber es ist sehr erschreckend wie viele Babys und Kleinkinder diese Zeit zum Opfer fielen. Egal, ob an Hungersnot oder mangelnder medizinischer (Unter)-versorge. Aber nicht nur die Hebammenausbildung steht im Vordergrund, sondern auch eigene familiäre Probleme haben ihren Platz in dieser Geschichte gefunden. Es macht unheimlich viel Spaß die drei jungen Frauen auf ihrem beruflichen und privaten Weg zu begleiten. Wie aus drei Menschen, die aus so unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen, so tolle Freundinnen wurden, ist schon bemerkenswert. Während des Lesens merkte ich immer wieder, wie sehr Linda Winterberg dieses Thema am Herzen lag. In akribischer Kleinstarbeit hat sie Fakten und Informationen aus dieser Zeit zusammengetragen, um daraus eine bewegende Geschichte zu schreiben. Ich bin der Meinung, dass dies ihr mehr als nur gelungen ist.
Schade, dass dieser Roman mit einem kleinen Cliffhanger endet, aber das verschafft Raum für die eigenen Fantasie, wie es jetzt wohl mit Edith, Luise und Margot weitergehen wird.

Ein toller historischer Roman, mit ausdrucksstarken Charakteren, die Vorfreude auf den zweiten Band dieser Hebammen- Saga macht. Ich freu mich schon und bedanke mich bei Linda Winterberg für diese bewegende Zeitreise.
5 von 5 Sternen und ein absolutes Lesehighlight!

Veröffentlicht am 06.08.2019

Ein Roadtrip, der etwas anderen Art

Von wegen Dolce Vita!
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Inhaltsangabe:
Das Leben der 72jährigen Journalistin Angie könnte nicht langweiliger sein. Keine Aufträge und wenn dann sind es eher die belanglosen Stories, für die sich eh keiner interessiert. Auch ihr ...

Inhaltsangabe:
Das Leben der 72jährigen Journalistin Angie könnte nicht langweiliger sein. Keine Aufträge und wenn dann sind es eher die belanglosen Stories, für die sich eh keiner interessiert. Auch ihr Familienleben liegt im Argen, denn seit Jahren hat sie weder zu ihrer Tochter Janis noch zu Enkelin Leonie Kontakt. Durch einen puren Zufall begegnet sie Janis wieder, aber statt versöhnlicher Worte gibt es wieder Streit. Angie wäre nicht Angie, wenn sie hier so schnell aufgeben würde. Dank ihrer journalistischen Fähigkeiten bespitzelt sie ihre Tochter samt Familie und dort sieht sie nach Jahren ihre Enkeltochter wieder. Als Angie Leonie aus einer verzwickten Lage befreit, freunden die beiden sich an. Eines Tages steht nach einem Familienstreit Leonie vor Angies Wohnung und kurzum nimmt Angie sie mit nach Sardinien zum Woodstock-Revival. Als Janis davon erfährt, wird die geplante Urlaubsreise, die eigentlich nach Schweden gehen sollte, kurzum nach Sardinien verlegt. Ein abenteuerlicher Roadtrip beginnt.

Von wegen Dolce Vita! ist der neuste Roman der erfolgreichen Autorin Tessa Hennig. Da ich ein großer Fan von ihren Romanen bin, stand für mich fest, dass auch dieser hier gelesen werden muss. Der Klapptext versprach mir eine turbulente Familiengeschichte, die auch eine Reise in die Vergangenheit beinhaltet. So startete ich mit Oma Angie in eine ungewöhnliche Urlaubsreise

Der flüssige und leichte Schreibstil der Autorin zog mich sofort in Geschichte rein. Ab der ersten Seite befand ich mich mitten in Angies Leben, dass turbulenter gar nicht sein konnte. Tessa Hennig schafft es immer wieder ihre Charaktere so zu kreieren, dass man meint, sie wären mitten aus dem Leben gegriffen. Durch ihre Ecken und Kanten wirken sie authentisch und lebensnah, so konnte ich mich sehr gut in die Personen hineinversetzen. Hier spielt es absolut keine Rolle wen man sich hier herausgreifen würde. Jede Person hat ihren Platz und bereicherte die Geschichte. Der 72jährigen Oma Angie merkte ich sofort an, dass sie ihr Leben liebte, aber auch, dass sie ihre Tochter und Enkelin schmerzlich vermisste. Ein Streit oder eine Meinungsverschiedenheit und es herrscht Funkstille und das führte dazu, dass sie weder mit ihrer Tochter Janis noch mit Enkelin Leonie Kontakt hatte.
Janis, ist mit ihrer bodenständigen Art und Weise genau das Gegenteil ihrer Mutter. Wo ihre Mutter spontane Aktionen liebt, mag Janis es lieber abgesichert und geordnet.
Enkelin Leonie ist ein kleiner Teenager, der gegen jeden und alles ist. Besonders gegen den neuen Freund von ihrer Mutter und die Schwedenreise. Viel lieber würde sie nach Ibiza fliegen, Party machen und das Leben genießen.
Aber nicht nur bei den Charakteren merkt man die Liebe zum Detail. Die einzigartige und wunderschöne Kulisse von Sardinien wurde brillant eingefangen und wiedergespiegelt, so dass man meinte, man wäre vor Ort. Ein schönes Fleckchen Erde, an dem man sich sehr gut vorstellen könnte, alt werden zu wollen.
Die Handlung ist eine bewegende und etwas ausgewöhnliche Zeitreise, die nicht besser hätte geschrieben werden können. Die Autorin schafft es immer wieder einen Roman über Alltagsproblemen zu schreiben, der nicht langweilig wirkt. Mit viel Humor und Wortwitz schreibt sie über Familienkonflikte, Teenagerprobleme, Selbstfindung, Vergangenheit, Zukunftspläne und der Liebe, die mich an manchen Stellen lauthals auflachen ließ. Wer weiß, vielleicht hat sich diese Geschichte irgendwo so abgespielt. Möglich wäre es.
Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, Oma Angie und Co auf ihre etwas ungewöhnliche (Zeit-) Urlaubsreise zu begleiten. Ein stimmiges Ende rundet diesen Roman perfekt ab und alles was bleibt, ist ein ungewöhnlicher Roadtrip auf dem alle eine Menge dazu gelernt haben.


Wo Tessa Hennig drauf steht ist auch Tessa Hennig drin! Danke, für diesen Urlaubsroman, der einen auch hier und da nachdenklich zurücklässt. Ein klärendes Gespräch, Zuhören und Verständnis für den anderen und schon sind einige Probleme vom Tisch. Oder entstehen gar nicht erst. Für mich war es eine Urlaubsreise wert und deshalb gibt es 5 von 5 Sterne und eine Leseempfehlung dazu.







Veröffentlicht am 29.07.2019

Ein bewegender und spannender erster Band der Swan-River-Reihe

Die Australien-Töchter - Wo die Hoffnung dich findet
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Inhaltsangabe:
1861, England
Nach dem Tod ihrer Mutter versorgt Cassandra Blake ihren Vater Edwin und ihre drei Schwestern. Allerdings wird die wirtschaftliche Lage immer schwieriger und sie verliert ihre ...

Inhaltsangabe:
1861, England
Nach dem Tod ihrer Mutter versorgt Cassandra Blake ihren Vater Edwin und ihre drei Schwestern. Allerdings wird die wirtschaftliche Lage immer schwieriger und sie verliert ihre Arbeit. Das Gehalt ihres Vaters reicht vorn und hinten nicht aus, um Essen und Miete bezahlen zu können. Cassandra und ihre Schwestern müssen in die Suppenküche, dort arbeitet ihre Tante und diese ist nicht gerade gut auf ihre Nichten zu sprechen. Wo sie nur kann, macht sie ihnen das Leben schwer. Eines Tages lernt Cassandra Reece kennen und lieben, aber eine gemeinsame Zukunft haben sie nicht. Reece möchte sein Glück in Australien versuchen. Als Edwin stirbt, lässt sie nichts unversucht, die Schwestern loszuwerden. Mit einer gemeinen Intrige schafft sie auch und die Schwestern wandern nach Australien aus. Werden sie dort ihr Glück finden?

Die Australien-Töchter „Wo die Hoffnung Licht findet“ von Anna Jacobs ist der erste Teil der der Swan-River-Saga über die vier Blake Schwestern. Ich muss gestehen, dass ich noch nie einen Roman von dieser Autorin gelesen habe, aber der Klapptext weckte sofort meine Neugierde. Ich liebe historische Familienromane und wenn sie zudem auch noch in Australien spielen, ist es schon ein MUSS dieses Buch zu lesen.

Der Schreibstil der Autorin ist leicht und flüssig und entführt den Leser sofort in das bescheidene Leben der Familie Blake. An den detaillierten Beschreibungen der Kulisse merkte ich, dass Anna Jacobs einen ganz speziellen Bezug zu Lancashire (Geburtsort) und Australien (Heimat) hat. Sie beschreibt beide Handlungsorte so brillant und wunderschön, dass man als Leser ein genaues Bild von diesen Gegenden hat. Die Charaktere sind ausdruckstark und facettenreich dargestellt worden. Dank der präzisen Darstellung konnte ich mich sehr gut in die Figuren hineinversetzen. Was Edwin Blake seinen Töchtern mit auf den Weg gegeben hat, hat mich sehr beeindruckt. Er hat sie zu selbstständigen und starken Frauen erzogen, die auch ihre Meinung äußern sollen. Letzteres passte vielen Mitmenschen nicht, aber genau das ist es, was die Töchter mit beiden Beinen im Leben stehen lässt.
Anna Jacobs hat hier einen sehr einfühlsamen und zugleich mitreißenden Roman über die Blake Schwestern geschrieben, die sich nicht so leicht unterkriegen lassen. Trotz Arbeitslosigkeit und Hunger haben sie gelernt sich im Leben durchzubeißen. So leicht lassen sie sich durch nichts und niemanden entmutigen, aber gegen ihre intrigante Tante Isabel sind sie machtlos. Diese scheut keine Mittel und Wege, die vier Schwestern aus ihrem Leben und deren Heimat heraus zu ekeln. Mit dem nötigen Kleingeld schafft sie es letztendlich auch, aber den Preis, den sie dafür bezahlen muss, ist ebenfalls enorm hoch. Die Schwestern reisen in eine ungewisse Zukunft nach Australien. Was wird sie dort erwarten und werden sie dort eine Anstellung finden? Wird Cassandra dort ihren Reece wiedersehen und falls ja, wird es eine gemeinsame Zukunft geben?
Auch wenn der Beginn dieses Buches ein wenig langatmig war, merkte ich, wie mich die Handlung immer mehr und mehr in ihren Bann zog. Ich konnte und wollte dieses Buch einfach nicht mehr aus den Händen legen, denn zu jedem Zeitpunkt musste ich wissen, wie es mit den Blakes weitergehen wird. Was ich sehr schön fand, waren die vielen Handlungen, und trotzdem wirkte sie nicht gehetzt oder überladen. Für mich war es einfach perfekt und sehr stimmig. Zwar gibt es hier und da einige Szenen, die vorhersehbar waren, aber die gibt es in vielen Büchern auch, aber das schmälert den Lesespass nicht. Zu gerne hätte ich weitergelesen, aber leider muss ich auf den zweiten Band noch ein wenig warten.

Die Australien- Töchter „Wo die Hoffnung Licht findet“ ist ein grandioser Auftakt dieser Swan-River-Reihe. Mich hat Anna Jacobs mit ihrem neuen Werk überzeugt und ich freue mich schon auf den nächsten (und die nachfolgenden) Bände.
5 Sterne und ich kann dieses Buch wirklich nur weiterempfehlen!


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 18.07.2019

Ein Happy End mit Schwachstellen

Happy End mit Honigkuss
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Happy End mit Honigkuss von Janina Venn - Rosky

Klapptext des Buches:
Liebe ist jedes Risiko wert.

Mit Inbrunst und Leidenschaft kämpft Autorin Mia für das Liebesglück ihrer Heldinnen. In ihrem eigenen ...

Happy End mit Honigkuss von Janina Venn - Rosky

Klapptext des Buches:
Liebe ist jedes Risiko wert.

Mit Inbrunst und Leidenschaft kämpft Autorin Mia für das Liebesglück ihrer Heldinnen. In ihrem eigenen Leben ist für Herzklopfen und romantische Sehnsüchte hingegen kein Platz. Große Gefühle existieren für Mia nur zwischen zwei Buchdeckeln.

Doch was ist, wenn Fantasie und Realität plötzlich durcheinandergeraten, und lang verborgene Wünsche an die Oberfläche drängen? Solch ein Chaos kann Mia gar nicht gebrauchen. Ihr neues Buch droht in einem Desaster zu enden und auch ihr Herz schwebt in großer Gefahr.

Gelingt es Mia, die so lange die Fäden in der Hand hielt, loszulassen und den Weg zum Happy End zu finden?


Handlung:
Die Autorin Mia sucht ihre Inspirationen in ihrem Lieblings-Café Florabelle, Dort beobachtet sie die Gäste um sich dann eine Person heraussuchen, die in ihrem neusten Roman die Hauptfigur spielt. Eines Tages „trifft“ sie auf den Unbekannten, der sie ab der ersten Sekunde in seinen Bann zieht. So entsteht nach und nach eine wilde Liebesgeschichte, aber leider nur in Buchform, denn Mia hat beschlossen, sich dem Leben und der Liebe zu entziehen. Ihre Wohlfühloase ist ihre Wohnung samt Dachterrasse, in der sie sich gemütlich zurückziehen kann. Doch das wahre Leben hat andere Pläne mit ihr vor. Je länger sie sich in die Rolle ihrer Romanfigur Maxim verliert, desto intensiver werden die Gefühle zu dem Unbekannten wachgerüttelt. Mia versucht sich mit Händen und Füssen sich gegen diese Gefühle zu wehren, aber so recht scheint es ihr nicht zu gelingen. Was nun? Wird die Liebe doch noch Mias Herz erreichen oder bleibt es bei einer fiktiven Liebesgeschichte?

Meine Meinung:
Der flüssige und leichte Schreibstil der Autorin holt den Leser ab und lässt ihn in Mias Geschichte ein- und abtauchen. Die Charaktere wurden sehr gut dargestellt, aber ihr Verhalten konnte mich an vielen Stellen nicht so recht überzeugen und so fiel es mir schwer, mich in diese hinein zu versetzen. Alexa, die Mias Freundin, war die einzige Person, die mich überzeugen konnte. Mit ihrer Engelsgeduld hat sie immer wieder Mia versucht, sie ins reelle Leben zurück zu führen. Mia hingegen war mir ein wenig zu anstrengend. Ich habe es ja noch verstanden, dass sie nach ihrer Enttäuschung eine kleine Auszeit braucht, aber sich dem Leben ganz zu entziehen, um sich ein Leben in einer fiktiven Welt aufzubauen?
Zudem hätte ich sie an manchen Stellen auch gerne ein wenig geschüttet und ihr geraten, dass sie die Augen aufmachen sollte, um zu sehen, was das Leben ihr zu bieten hat. In meinen Augen hat sie dieses Happy End nicht verdient.
Neben Alexa hat mir Oliver auch noch gut gefallen, denn dieser konnte mit seiner einfühlsamen Art und Weise überzeugen. Allerdings gab es den einen oder anderen Moment, wo ich auch ihm gerne mal den „Kopf gewaschen“ hätte.
Die Handlung an sich besteht aus zwei Geschichten. Zum einen geht es ja um Mias neuem Liebesroman und deren Entstehung und zum anderen Mias Leben. Die Idee und Mix fand ich klasse, aber an einigen Ecken haperte es an der Umsetzung. Was mich am meisten gestört hat, dass Mia nicht weiter entwickeln durfte. Von Anfang bis zum Schluss blieb sie Mia, die in ihrer kleinen Welt gefangen war. Auf den letzten Seiten gelang es ihr den Sprung zu wagen. Dadurch das sich nicht viel in Mias Leben tat, passierte auch in dem Roman nicht viel. Es dümpelte ein wenig vor sich hin und das fand ich recht schade. Potenzial gab es genügend, aber leider blieb es ungenutzt.
Das Ende fand ich sehr stimmig, aber das reicht nicht aus.

Wer Lust und Laune hat, kann einige Köstlichkeiten dieses Romans nach kochen bzw. backen. Am Schluss dieses Buches befindet sich die entsprechenden Rezepte.


Ein netter Roman, der einige Schwachstellen aufweist.
3 1/2 Sterne

Veröffentlicht am 15.07.2019

Zeit aus Glas - Ruths Geschichte geht weiter

Zeit aus Glas
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Zeit aus Glas von Ulrike Renk – Eine dramatische Familiengeschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Zerbrechliches Glück.

1938: Nach der Pogromnacht ist im Leben von Ruth und ihrer Familie nichts ...

Zeit aus Glas von Ulrike Renk – Eine dramatische Familiengeschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Zerbrechliches Glück.

1938: Nach der Pogromnacht ist im Leben von Ruth und ihrer Familie nichts mehr, wie es war. Die Übergriffe lasten schwer auf ihnen und ihren Freunden. Wer kann, verlässt die Heimat, um den immer massiveren Anfeindungen zu entgehen. Auch die Meyers bemühen sich um Visa, doch die Chancen, das Land schnell verlassen zu können, stehen schlecht. Vor allem wollen sie eines: als Familie zusammenbleiben. Dann passiert, wovor sich alle gefürchtet haben: Ruths Vater wird verhaftet. Ruth sieht keine andere Möglichkeit, als auf eigene Faust zu versuchen, ins Ausland zu kommen: Nur so, glaubt sie, ihren Vater und ihre Familie retten zu können …

Meine Meinung:
Zeit aus Glas ist der zweite Band der Seidenstadt-Saga. Die Handlung spielt diesmal in der Zeit von 1938 bis 1939.

Ich möchte eines vorweg schreiben: dieser Roman ist nicht für Quereinsteiger gedacht, denn er schließt nahtlos an den ersten an.

Die mittlerweile 17jährige Ruth muss mitansehen, wie sich der braune Hass gegenüber Juden immer weiter und weiter in Deutschland ausbreitet. Häuser, in den jüdische Menschen wohnen, werden mutwillig zerstört oder gehen in Flammen auf, Synagogen werden angezündet und Menschen gedemütigt oder gar getötet. Zum Glück kann sich Ruths Familie in Sicherheit bringen, aber wie lange noch. Ihre Ausreise ist zwar bewilligt, aber werden sie es rechtzeitig schaffen Deutschland zu verlassen. Die politische und familiäre Umstände bringen Ruth dazu, es auf eigene Faust zu probieren, die Familie in Sicherheit zu bringen. Sie möchte ins Ausland gehen, um von dort aus, die Ausreisepapiere für ihre Eltern und Schwester zu beantragen. Allerdings ist sie noch nicht alt genug, aber das hält sie nicht auf. Im Gegenteil, aber ihr Plan ist strafbar. Wird sie es dennoch wagen um ins Ausland zu kommen?

Obwohl Ruth erst 17 Jahre alt ist, ist sie eine starke Persönlichkeit und lässt nichts unversucht sich und ihre Familie vor den Nazis zu retten. Selbst vor Gefahren schreckt sie nicht zurück. Wow, was für eine selbstbewusste und taffe junge Frau.

Ruths Mutter Martha, die an Depressionen leidet, wurde sehr authentisch dargestellt. Zum einen voller Hoffnung und dann kam dieses unendliche Tief, dass sie vollkommen aus der Bahn warf.

Vater Karl, der ehemalige erfolgreiche Schuhverkäufer, der für sich und seiner Familie ein Heim geschaffen hat und dies jetzt verlor. Wie er alle Hebel in Bewegung setzt, um das bisschen was im geblieben ist, zu retten.

Ruths Schwester Ilse, die in ihren jungen Jahren solchen Hass ausgesetzt wird, denn sie in ihrem Alter noch gar nicht verkraften kann. Aber wer konnte dies schon?

Mein Fazit:
Ulrike Renk hat erneut bewiesen, dass sie zu Recht eine der erfolgreichsten Autorin dieser Zeit ist. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sie in akribischer Kleinstarbeit Fakten und Hintergrundinformationen zusammenträgt, um so eine bewegende und fesselnde Geschichte zu schreiben. Der flüssige Schreibstil holt den Leser sofort ab und lässt ihn in diese grausamen Schicksalsjahre ein und abtauchen. In der Schule hatte ich schon vieles gehört, aber das hier ist so lebendig und anschaulich erzählt, dass ich mich gut in die Zeit und Charaktere hineinversetzen konnte.

Wer historische und gut recherchierte Romane liebt, sollte die Bücher von Ulrike Renk unbedingt lesen. Das was man hier erfährt, lernt man auf keiner Schule. Für mich ist dieser Roman 5 Sterne wert und ich kann ihn nur jedem ans Herz legen.