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Veröffentlicht am 18.09.2021

Hoffnung und Liebe

Die vier Winde
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"Hoffnung ist eine Währung, die ich stets bei mir trage."

Die vier Winde“ ist ein Roman von Kristin Hannah. Er erscheint am 20.09.2021 im Aufbau Verlag und ist in sich abgeschlossen.
Texas, 1934: Nachdem ...

"Hoffnung ist eine Währung, die ich stets bei mir trage."

Die vier Winde“ ist ein Roman von Kristin Hannah. Er erscheint am 20.09.2021 im Aufbau Verlag und ist in sich abgeschlossen.
Texas, 1934: Nachdem Elsa Martinelli endlich eine Familie gefunden und sich ihren Platz im Leben erkämpft hat, plagt eine Dürre das Land. Viele Menschen gehen aus Verzweiflung nach Kalifornien und auch Elsa beginnt, darüber nachzudenken. Doch kann sie ihren Kindern dort ein ebenso gutes Leben ermöglichen und will sie ihre Heimat aufgeben? Als ihr das Klima keine andere Wahl mehr lässt, begibt sie sich auf eine Reise ins Ungewisse…

Kristin Hannah trifft mit „Die vier Winde“ wieder genau ins Herz.
Elsa ist für eine interessante und imponierende Frau. Zunächst hielt ich sie für völlig dumm und naiv und hatte Schwierigkeiten, sie zu mögen. Nach und nach beweist sie aber was in ihr steckt und man erkennt, dass sie es im Leben nicht immer leicht hatte und sich eigentlich nur nach Liebe und Geborgenheit sehnt. In der Familie Martinelli wird sie schließlich fündig und kann sich das Leben aufbauen, dass sie sich immer erträumt hat. Sie lebt und arbeitet für ihre Kinder und gibt alles, damit diese später ein besseres Leben führen, vielleicht sogar studieren gehen können.
Bei ihren Handlungen steht ihr dabei manchmal die eigene Angst im Weg und der Wunsch nach einem eigenen Heim, den sie auch für ihre Kinder hegt, macht sie in manchen Situationen blind für alles andere. Auch als die Dürre das Land über mehrere Jahre plagt und Sandstürme die Gegend heimsuchen, hält sie am Traum der eigenen Heimat fest. Nur schwer kann sie sich damit abfinden, dass die Flucht nach Kalifornien vielleicht richtig sein könnte.
Als sie sich jedoch schließlich dafür entscheidet, flammt in ihr eine Energie und ein Kampfgeist auf, den ich so gar nicht erwartet hätte. Auch im weiteren Handlungsverlauf wird Elsa immer wieder von ihren Ängsten und Sorgen ausgebremst, zeigt aber schließlich, wie tapfer und stark sie sein kann. Auch besteht plötzlich wieder die Chance auf eine neue Liebe…
Elsas persönliche Entwicklung hat mir sehr gut gefallen. Letztlich wird sie vom Mauerblümchen zu einer starken und klugen Frau. Sie setzt sich für ihre Kinder, aber auch für andere Menschen ein und kämpft für bessere Lebensbedingungen.
Auch ihre Kinder, bzw. gerade ihre Tochter Loreda, hat mir in ihrer Rolle sehr gut gefallen. Sie ist entschlossen, sich nicht alles gefallen zu lassen und hat ihren eigenen Sturkopf – sie hat das Feuer, dass in ihrer Mutter nur manchmal ausbricht. Dabei ist sie aber auch sehr klug und schafft es teilweise, ihre Mutter von Dingen zu überzeugen, auf die diese alleine wohl nie gekommen wäre. Auch ihre Entwicklung ist bemerkenswert und die Darstellung der Figuren insgesamt wirklich toll gelungen. Sie sind authentisch und nicht idealisiert. Sie haben Fehler, Ecken und Kanten und wirken dadurch absolut realistisch!
Insgesamt ist „Die vier Winde“ eine Mischung aus Frauen- und Familienroman. Es geht um Liebe, Hoffnung, den Kampf für die Familie und dem Wunsch nach besseren Lebensbedingungen. In die fiktive Geschichte um Elsa und ihre Familie werden historische Ereignisse perfekt eingebunden ohne langweilig zu werden. Weder über die zu Beginn der 30er-Jahren auftretende Dürre in Texas, noch über den darauffolgenden Arbeitskampf in den USA wusste ich bisher Bescheid. Kristin Hannah bringt einem diese Thematik nahe und erinnert so auch noch einmal daran, wie sorgsam wir mit unserem Planeten umgehen sollten…
Ihr Schreibstil ist flüssig und leicht. Ich habe die Seiten nur so verschlungen und war stets sehr interessiert, wie es Elsa und ihrer Familie ergehen würde. Lediglich die ersten Seiten des Romans waren ein wenig zäh. Die Ereignisse tröpfelten hier noch ein wenig dahin und waren nicht wirklich spannend. Dies ändert sich dann aber im Laufe der Handlung und die Geschichte nimmt deutlich an Fahrt auf. Das Ende kam für mich dann absolut unerwartet und erbarmungslos, schließt aber diesen Roman, der alles andere als leicht in der Thematik ist, brillant ab.
Elsas Geschichte sowie das Schicksal aller Texaner im Zeitraum dieser Dürre haben mich bewegt und mitgerissen. Auch die Situationen der Menschen im weiteren Handlungsverlauf haben mich tiefgetroffen und erschrocken. Daher hat mich der Roman auch sehr nachdenklich zurückgelassen. Es werden einige Missstände angesprochen, von denen ich bisher nichts wusste, er thematisiert und fokussiert die Rolle der Frauen, die häufig keine Stimme bekommen haben und in den Geschichten nur eine Nebenrolle spielen. Deutlich werden aber auch noch heute existierende Missstände, wie das Misstrauen Fremden gegenüber und natürlich Klimakatastrophen, die wir auch heutzutage wieder erleben…

Mein Fazit: „Die vier Winde“ ist ein weiterer toller historischer Roman aus der Feder von Kristin Hannah. Zu Beginn fand ich ihn noch ein wenig schleppend, im Handlungsverlauf wird es dann aber deutlich rasanter und zunehmend interessant. Die Autorin zeichnet erneut eine starke Frau, die sich ihr eigenes Leben aufbaut und für ihre Familie kämpft. Die Geschichte hat mich berührt und mitgerissen, sodass die Seiten schließlich nur so dahinflogen. Die historischen Aspekte waren für mich ebenfalls sehr interessant. Zudem ist es ein Plädoyer für die Frauen, die auch in schweren Zeiten ihren Beitrag geleistet haben und dennoch in den Geschichten häufig nur eine Nebenrolle spielen… Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.08.2021

Da Deivel

Quälender Hass
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„Süß schmeckt dem Menschen das Brot der Lüge, hernach aber füllt sich sein Mund mit Kieseln.“

„Quälender Hass“ ist der elfte Band der Thrillerreihe um die Ermittlerin Kate Burkholder von Linda Castillo. ...

„Süß schmeckt dem Menschen das Brot der Lüge, hernach aber füllt sich sein Mund mit Kieseln.“

„Quälender Hass“ ist der elfte Band der Thrillerreihe um die Ermittlerin Kate Burkholder von Linda Castillo. Er erschien im Juli 2020 und kann unabhängig von den anderen Bänden der Reihe gelesen werden.
Der Mord an einer alten amischen Frau sowie die darauffolgende Entführung eins siebenjährigen Mädchens erschüttern die Gemeinde Painters Mill. Kate Burkholder und die Polizei stehen vor einem Rätsel: Wer hatte ein Motiv für die schreckliche Tat und warum wurde Elsie entführt? Lebt sie noch oder kommt jede Hilfe zu spät? Ein Wettrennen mit der Zeit beginnt und die Mauer des Schweigens, die Kate begegnet, macht die Ermittlungen nicht leichter…

Kate Burkholders elfter Fall beginnt unerwartet spannend und mitreißend. Für mich war es bisher einer der besten Bände der Reihe, ich habe mich sofort in die Geschichte eingefunden und mit Kate mitgefiebert. Die Spannung ist direkt enorm hoch und wird durch die Suche nach dem verschwundenen Kind auch auf einem hohen Level gehalten. Die Kapitelüberschriften zeigen, wie lange das Mädchen jeweils schon verschwunden ist und geben der gesamten Handlung eine entsprechende Dramatik mit.
Während die Polizei im Dunkeln tappt und einfach kein Motiv für die schreckliche Tat auftauchen will, wittert Kate eine heiße Spur, vertraut ihrer Intuition und ermittelt mehr oder weniger auf einige Faust. Wie so oft trifft sie dabei auf dunkle Flecken in der amischen Gemeinde und deckt Missstände auf, die gerne verschwiegen werden. Niemand möchte wirklich gern mit ihr reden und erst als es zu weiteren Morden kommt, beginnen die Amischen langsam zu kooperieren…
Obwohl die Haltung der Amischen in jedem Buch der Thrillereihe thematisiert wird, dadurch im Grunde nichts Neues für mich ist und mich auch schon so manches Mal eher genervt hat, passte sie für mich diesmal hervorragend ins Bild. Erst das Schweigen der beteiligten Personen macht die Handlung zu dem, was sie ist und lässt sowohl Kate als auch den Leser in viele Richtungen denken.
Sehr gefallen hat mir auch in diesem Band der besondere Schreibstil. Durch die Ich-Perspektive und die klar formulierten Gedanken und gut beschriebenen Ermittlungsansätzen der Kommissarin, kann man den Ermittlungen super folgen und ist gleichzeitig ein Teil davon. Teilweise hatte ich schneller als Kate eine richtige Idee, dies war aber nicht nachteilig, sondern hat mir sogar viel Spaß gemacht!
Der Einblick in Kates privates Leben sowie in ihre Vergangenheit als Amische sind in diesem Band der Reihe weniger präsent als in den vorherigen Teilen. Zwar spielt sie auch diesmal eine Rolle, dennoch ist sie diesmal nicht so präsent, was ich sehr angenehm fand. Ich mag die Kommissarin zwar sehr, teilweise steht sie mir aber zu sehr im Vordergrund und die Fokussierung auf den Fall hat mir hier daher sehr gut gefallen.
Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt mitreißend und spannend, der neue Fall für Kate in der Buchreihe bisher einzigartig und daher umso interessanter. Manchmal habe ich mich beim Lesen der Bücher nämlich gelangweilt, da sich die Szenen stark ähnelten und das Ermittlungsschema immer gleichbleibt. Dies ist zwar auch hier der Fall - die amische Gemeinde mauert, Kate vertraut auf ihren Instinkt und gerät schließlich selbst in Gefahr - die Grundthematik sowie der Handlungsaufbau sind aber definitiv neu und daher für mich sehr abwechslungsreich!
Wie bereits in den anderen Bänden hat mir auch diesmal wieder sehr gut gefallen, dass in die Handlung immer wieder Erklärungen zur amischen Lebensweise und zur Kriminalarbeit eingebaut werden. Die Darstellungen wirken dabei nicht erklärend und nervig, sondern fügen sich perfekt in die Handlung ein und runden das Leseerlebnis ab.

Mein Fazit: „Quälender Hass“ ist ein gelungener elfter Band der Buchreihe um Kate Burkholder. Er ist unglaublich spannendend und hat mir einige aufregende Lesestunden beschert. Die Handlung ist in der Thrillerreihe neu und einzigartig, weshalb ich mich an keiner Stelle gelangweilt habe oder das Gefühl hatte, die Dinge würden sich wiederholen. Ich kann diesen Band der Reihe und auch die Reihe insgesamt absolut empfehlen und vergebe 5 von 5 Sternen! Wer keine ganze Buchserie lesen möchte, kann alle Teile auch einzeln lesen, da es immer wieder grobe Erklärungen und Einführungen gibt und die Fälle in sich abgeschlossen sind!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.08.2021

Nachtmann

Die Nacht – Wirst du morgen noch leben?
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„Die Nacht beginnt.“

„Die Nacht“ ist ein Thriller von Jan Beck und der zweite Band um die Ermittler Björk und Brand. Er erschien im Juli 2021 im Penguin Verlag und kann unabhängig von Band 1 gelesen werden.
Auf ...

„Die Nacht beginnt.“

„Die Nacht“ ist ein Thriller von Jan Beck und der zweite Band um die Ermittler Björk und Brand. Er erschien im Juli 2021 im Penguin Verlag und kann unabhängig von Band 1 gelesen werden.
Auf ihrer Wanderung wird Hanna von einem Unbekannten überwältigt und eingesperrt. Zusammen mit anderen vier Personen wird sie in Glaskästen gefangen, aus denen es kein Entkommen gibt. Jede Nacht wird einer der Menschen sterben, außer die vom Nachtmann gestellten Aufgaben werden gelöst… Für Hanna bricht eine Zeit voller Angst an, für Christian Brand und Inga Björk beginnt eine weitere Ermittlung – werden sie die Menschen retten können?

Der zweite Thriller um die Ermittler Björk und Brand begann für mich ein wenig schleppend. Durch die vielen wechselnden Erzählstränge und Figuren sowie die recht kurzen Kapitel ist die Handlung nämlich zunächst eher verwirrend und dadurch etwas schwergängig. Im Verlauf des Buches verbinden sich die Handlungen aber nach und nach miteinander und ergeben schließlich ein sinnvolles Gesamtbild. Die Geschichte nimmt zusehends an Fahrt auf und wird immer spannender. Gerade die kurzen Kapitel, die wechselnden Erzählperspektiven und der teilweise recht abgehakte und präzise Schreibstil tragen dann ihren Teil zur Spannung bei und passen absolut zum Buchgenre. Zum Schluss konnte ich den Thriller dann kaum noch aus der Hand legen, da ich so mitgerissen wurde.
Jan Beck spielt geschickt mit der Psyche der Leser und wartet mit der Auflösung des Rätsels tatsächlich bis ganz zum Ende des Buches. Ich hatte immer wieder vage Theorien, in welche Richtung die Lösung des Falls gehen könnte, bin aber bis zuletzt nicht darauf gekommen.
Zudem mangelt es nicht an Gänsehautmomenten und hätte ich meine Hände nicht zum Umblättern und Buch halten benötigt, hätte ich eventuell vor Spannung an den Fingernägeln gekaut… Den Abschluss des Thrillers bildet dann ein mehr oder weniger offenes Ende, welches zwar den Abschluss des Falls beinhaltet, aber weitere Erzählstränge offenhält. Der Cliffhanger macht aber absolut Lust auf mehr und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Thriller von Jan Beck!
Alle Figuren sind klar charakterisiert und werden durch die wechselnden Erzählperspektiven authentisch dargestellt. Die Handlungen des Einzelnen sind für mich gut nachvollziehbar und auch die etwas zu kindlich wirkende Erzählung von Benjamin Sommer (7 Jahre), ist für mich authentisch, wenn man seine gesamte Geschichte betrachtet. Die Ermittler Björk und Brand waren für mich erneut sehr interessant und nicht wirklich durchschaubar. Einige ihrer Handlungen außerhalb der Ermittlung geben mir noch immer Rätsel auf und auch das plötzliche, leise Knistern zwischen den beiden wirkte ein wenig seltsam. Bisher hätte die Handlung für mich auch ohne diese Komplikation auskommen können, ich bin aber sehr gespannt, wie es hier und auch mit den Protagonisten selbst weitergeht! Beide sind mir weiterhin sympathisch und mit einigen Ecken und Kanten versehen, was sie umso menschlicher macht. Wie in diesem Buchgenre üblich, nehmen sie allerdings erneut keine zu prägnante Rolle ein, das lebensbedrohliche Spiel des Nachtmanns steht absolut im Vordergrund.
Obwohl ich es zum einen gut finde, dass dieser Band unabhängig von „Das Spiel“ lesbar ist, hätte ich mir insgesamt vielleicht doch eine größere Verbindung der beiden Thriller gewünscht. So hatte ich auch nach Band 1 noch ein paar offene Fragen, die ich nun gerne gelöst hätte… Aber wer weiß, vielleicht geht es irgendwann weiter…

Mein Fazit: „Die Nacht“ ist erneut ein faszinierender und fesselnder Thriller, der mich absolut mitreißen konnte. Die perfide Handlung und die hohe Spannung machen ihn zu einem Pageturner und einem absoluten Lesetipp! Ich ziehe lediglich einen halben Stern ab, da ich den Beginn ein wenig verwirrend fand und erst in den Thriller hineinkommen musste. So gibt es 4,5 von 5 Sternen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.08.2021

Schattenkrieg

Die Nachtigall
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„In der Liebe finden wir heraus, wer wir sein wollen; im Krieg finden wir heraus, wer wir sind.“

„Die Nachtigall“ ist ein historischer Roman von Kristin Hannah. Er erschien im Oktober 2017 im Aufbau Verlag ...

„In der Liebe finden wir heraus, wer wir sein wollen; im Krieg finden wir heraus, wer wir sind.“

„Die Nachtigall“ ist ein historischer Roman von Kristin Hannah. Er erschien im Oktober 2017 im Aufbau Verlag und ist in sich abgeschlossen.
Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich dennoch so ähnlich sind. Während Vianne für ihre Familie kämpft, kämpft Isabelle für die Freiheit. Beide bringen sich in Lebensgefahr, denn die Besatzer kennen keine Gnade…

Dieser Roman war mein erster von Kristin Hannah, aber er wird definitiv nicht der Letzte von der Autorin sein. Mit ihrer Geschichte um die zwei französischen Schwestern hat Kristin Hannah mit zu Tränen gerührt und mir so manchen Gänsehautmoment beschert.
Die Handlung führt uns nach Frankreich, in die Zeit des zweiten Weltkriegs und schildert, wie die Familie Rossignol mit dem Krieg und der Besetzung durch die Deutschen umgeht. Die beiden Schwestern könnten dabei nicht unterschiedlicher sein. Die Eine – Isabelle – ist mutig und stark, vielleicht schon fast ein wenig leichtsinnig, aber definitiv entschlossen, den Feind zu bekämpfen und sich gegen die Besatzer aufzulehnen. Dabei scheut sie keine Gefahr und riskiert ihr Leben…
Vianne hingegen ist behutsam und eher ängstlich, sie möchte um jeden Preis ihre Familie beschützen, doch auch sie muss erkennen, dass man nicht immer den Kopf einziehen kann und es Momente gibt, in denen man kämpfen muss…
Beide Frauen sind mir unglaublich ans Herz gewachsen und letztendlich finde ich sie gar nicht mehr so unterschiedlich. Jede kämpft auf ihre Weise und ist dabei wirklich nicht ängstlich, sondern außerordentlich mutig! Die Entwicklung der beiden Frauen ist gut dargestellt und zeigt, wie die äußeren Umstände sich auch auf Persönlichkeiten und Ansichten auswirken können. Ich bewundere beide sehr und außerdem vor allem die Frauen, die damals wirklich gelebt haben und vielleicht ein Vorbild für Isabelle und Vianne waren…
Emotional und tiefgehend schreibt die Autorin von den Erlebnissen, Wagnissen und Gefühlen der Schwestern. Die personale Erzählperspektive wechselt dabei und bringt dem Leser so alle Handlungen und Gedanken nahe. Zudem wechselt die Erzählung teilweise in die Gegenwart zu einer der beiden Schwestern, wobei hier bis zum Schluss unklar ist, welche Schwester nun auf die Vergangenheit zurückblickt und wie und ob die beiden den Krieg überlebt haben.
Ich fühlte mich tatsächlich wie ein Teil der Geschichte und konnte den Roman kaum aus der Hand legen. Schwere und wichtige historische Themen werden mit einer fiktiven Geschichte verknüpft und verdeutlichen die Geschehnisse der damaligen Zeit. Einmal mehr wurde ich an die schrecklichen Taten der Nationalsozialisten erinnert und habe mit der Résistance gekämpft.
Zudem verdeutlich der Roman, wie tapfer viele Frauen während des Krieges gekämpft haben und dennoch kaum Anerkennung dafür erhalten haben. Sie führten einen „Schattenkrieg“ hinter den eigentlichen Kulissen und machten hinterher mit dem Leben weiter, obwohl sie ebenso Schlimmes erlebt haben mochten, wie viele Männer an der Front…
Die Spannung bleibt im gesamten Roman hoch und bis zum Ende war ich mir nicht sicher, wie der Weltkrieg für Vianne und Isabelle ausgeht.

Mein Fazit: „Die Nachtigall“ – ein großartiges Familienepos und definitiv eins meiner Jahreshighlights und eins der berührendsten Bücher, das ich über diese Zeit gelesen habe. Ich empfehle es jedem, der historische Bücher und starke Frauen liebt und vergebe 5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 07.08.2021

Kunst und Liebe

Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe
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„War sie Picassos Partnerin, die Frau an seiner Seite und eine eigenständige Künstlerin oder schlichtweg seine Muse, der irgendwann die nächste folgen würde?“

„Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ ...

„War sie Picassos Partnerin, die Frau an seiner Seite und eine eigenständige Künstlerin oder schlichtweg seine Muse, der irgendwann die nächste folgen würde?“

„Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ ist eine Romanbiografie von Bettina Storks über die Künstlerin Dora Maar. Der Roman gehört zu der Buchreihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ und ist im Juni 2021 im Aufbau Verlag erschienen.

„Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ – ein Epos an eine große und bedeutsame Künstlerin, die im Schatten von Picasso nahezu verschwand.
Bettina Storks berichtet in fünf Buchabschnitten, wie Dora Maar Künstlerin wurde, Picasso kennenlernte und ihn schließlich wieder verließ. Dabei wandelte sie sich stark: von brillant und selbstständig zu abhängig und fügsam und schließlich wieder zurück in die eigenständige Frau, wobei sie stets versuchte aus ihrer Rolle auszubrechen, aber immer wieder an Picasso scheiterte. Erst spät gelang ihr der Bruch und der Wandel zu einer alten und etwas seltsamen Frau, die mehr oder weniger mit ihrem Leben und sich selbst im Reinen war.
Meines Erachtens war Dora Maar eine großartige Frau mit viel Talent. Sie war ihrer Zeit weit voraus und hatte eine künstlerische Gabe, die sie zu nutzen verstand. Sehr schnell bekam sie viel Aufmerksamkeit, ließ sich dann aber von Picasso in den Hintergrund drängen und zur Muse degradieren. Ihre eigene Kunst trat zurück und aller Augenmerk lag auf Picasso. Dora war letztlich nur ein „Anhängsel“ von ihm. Dies tut mir wirklich sehr leid und umso trauriger ist es, dass sie auch heute als eigenständige Künstlerin bekannt ist! Wie viele ihrer Leidensgenossinnen, denken wir zum Beispiel an Camille Claudel, welche stets im Schatten von Rodin stand und schließlich daran zerbrach, erlag sie der Liebe eines der größten Künstler seiner Zeit.
Doch Liebe hat immer zwei Seiten und eine ist, dass man leider manchmal bereit ist, sich selber aufzugeben. Dora scheint sich dessen zwar immer bewusst gewesen zu sein, konnte aber trotzdem nicht aus der nahezu toxischen Beziehung heraus. Ihre Gefühle überwogen ihren Verstand und selbst nachdem sie mit Picasso gebrochen hatte, übte dieser weiterhin eine große Anziehungskraft auf sie aus…
Bettina Storks stellt die Gefühle und Gedanken Doras in ihrem biografischen Roman sehr gut dar und versteht es brillant, auch Zweifel und Sorgen einfließen zu lassen. Sie rückt die Künstlerin damit in den Fokus der Leserin und verdeutlicht, dass sie viel mehr war als „die Muse Picassos“.
Neben Doras Geschichte war es für mich mal wieder faszinierend zu sehen, wie groß die Kunstszene von Paris eigentlich vor dem zweiten Weltkrieg war. Man Ray, Simone de Beauvoir, Sartre… Und alle haben sich gekannt! Wirklich unglaublich…
Obwohl ich sowohl Dora Maar, als auch Picasso, über den man natürlich auch so einiges erfährt, wirklich interessant finde und definitiv viel über sie gelernt habe, konnte der Roman mich irgendwie nicht vollständig packen. Ich habe nicht richtig in einen Lesefluss hineinfinden können und tat mich mit dem Schreibstil oder dem Romanaufbau irgendwie schwer. Ich kann nicht richtig einordnen, woran dies lag, vielleicht gab es zu wenig Spannung oder ich habe in letzter Zeit zu viele Romane dieser Art gelesen oder war insgesamt nicht wirklich in Lesestimmung… Dennoch ist der Roman ein großartiges Werk über Dora Maar und gibt ihr eine Stimme, die sie unbedingt verdient hat! Zudem ist Bettina Storks eine großartige Autorin, die es versteht eine Geschichte gut und nachvollziehbar aufzubauen.
Daher empfehle ich das Buch absolut, wenn man mehr über Dora Maar oder im Allgemeinen von starken Frauen lesen möchte!

Mein Fazit: Ich fand Doras Geschichte im Grunde sehr faszinierend und bin begeistert, wie sie versucht hat, sich an der Seite Picassos zu behaupten und schließlich um sich selbst kämpfen musste. Dennoch hatte ich ein wenig Schwierigkeiten beim Lesen und vergebe daher nur 4 von 5 Sternen.

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