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Veröffentlicht am 03.12.2025

Vea Kaiser überzeugt erneut!

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Die mir seinerzeit - obwohl als "Spiegel-Bestsellerautorin" zitierte - noch nicht bekannte Wiener Schriftstellerin Vea Kaiser konnte mich vor einigen Jahren mit ihrem Roman "Rückwärtswalzer - oder die ...

Die mir seinerzeit - obwohl als "Spiegel-Bestsellerautorin" zitierte - noch nicht bekannte Wiener Schriftstellerin Vea Kaiser konnte mich vor einigen Jahren mit ihrem Roman "Rückwärtswalzer - oder die Manen der Familie Prischinger" auf Anhieb sowohl inhaltlich als auch vom Schreibstil her voll und ganz überzeugen. Zwar habe ich vita-bedingt ohnehin ein Faible für Österreich und speziell den "Weaner Schmäh", aber dies war lediglich ein weiterer Grund, mich auf ihren mit einem sympathischen Cover versehenen, 576 Seiten umfassenden und seit dem 09. 10. 2025 unter der ISBN 978-3-462-05234-3 vom Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH veröffentlichten Roman "Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels" zu freuen.
Er führt uns in die 1980er Jahre und erzählt von der zwar fiktiven, aber nach wahren Begebenheiten geschaffenen, sympathischen Protagonistin Angelika Moser. Diese ist einst als Tochter einer - inzwischen unter Demenz leidenden - "Hausbesorgerin" (so nennt man in Österreich eine u. a. für die Beaufsichtigung, Instand- sowie Saubererhaltung eines Gebäudes zuständige Frau) in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und mittlerweile alleinerziehende Mutter von Sohn "Basti", dessen Vater sich nicht sonderlich hilfreich zeigt.
Angelika hat einen Job als Buchhalterin im renommierten Wiener "Grand Hotel", wo sie von ihrem Chef überraschend um Unterstützung in einer unredlichen Angelegenheit gebeten wird. Dabei ergibt sich für sie die Möglichkeit, ihre finanzielle Lage und damit die ganze Lebenssituation "aufzubessern"...
Ich mochte sie irgendwie gut leiden, bangte, hoffte und litt mit ihr.
Der Titel erinnert an den von den alten Römern benutzten Ausdruck "Tabula rasa", was bedeutete, dass sie ihre beschriebenen Wachstafeln abschabten, um sie erneut verwenden zu können, also "reinen Tisch", "klar Schiff" oder "Neustart".

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Gutes Histokrimiseriendebüt

Die weiße Nacht
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Weil mir von Anne Stern bereits u. a. ihre in Dresden angesiedelte Opernhaus-Trilogie gut gefiel, konnte ich ihrem aktuellsten Werk, "Die weiße Nacht - Der erste Fall für Lou & König", für das sie wieder ...

Weil mir von Anne Stern bereits u. a. ihre in Dresden angesiedelte Opernhaus-Trilogie gut gefiel, konnte ich ihrem aktuellsten Werk, "Die weiße Nacht - Der erste Fall für Lou & König", für das sie wieder einmal Berlin - hauptsächlich die Bezirke Mitte, Kreuzberg und Neukölln - als Schauplatz wählte, nicht widerstehen.
Es handelt sich um einen im ersten Nachkriegswinter spielenden, 400 Seiten umfassenden Hardcover-Kriminalroman, welcher für den 02. 01. 2026 unter der ISBN 978-3-492-07461-2 von der Piper Verlag GmbH angekündigt wird und dem das Zitat
"Das Geschichtenerzählen enthüllt den Sinn, ohne den Fehler zu begehen, ihn zu benennen." von Hannah Arendt vorangestellt ist.
Die in 4 Besatzungszonen aufgeteilte Hauptstadt ("einst Königin, jetzt Bettlerin") wird bei klirrender Kälte in der Vorweihnachtszeit von Ruinen, Trümmern, Schwarzmarkt und Hunger geprägt, als die Fotografin Lou Faber, die in den frühen Morgenstunden mit ihrer Leica gern die Atmosphäre des Sonnenaufgangs "einfängt", auf eine weibliche Leiche stößt.
Hier kommt mit Kommissar Alfred König der 2. Teil des sympathischen Protagonisten-Duos ins Spiel. Er stammt aus Ostpreußen, wurde unter dem NS-Regime als dessen Gegner inhaftiert und verlor bei einer Misshandlung ein Auge, bekam aber wegen eben jener politischen Einstellung jetzt seinen Posten, da nur Mitarbeiter ohne NS-Vergangenheit bei der Polizei arbeiten sollten.
Im Laufe der Ereignisse stellt sich heraus, dass das weniger gut klappt, wie auch, da es ja immer noch viele Nazis gab.
Auch Lou "verdankt" einem traumatischen Ereignis eine Erinnerung in Form einer Narbe in der unteren Gesichtshälfte.
Die Beiden werden bald mit einem 2. Mordfall konfrontiert.
Erzählstil, Spannung, historisches Flair und Auflösung entsprachen voll meinen Erwartungen.
Ich freue mich auf eine Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 29.11.2025

Neue Sichtweise auf Medea

Medea
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Medea, Circe, Eros und Jason... - ich fühlte mich bei der Lektüre der 45-seitigen Leseprobe von Rosie Hewletts 496 Seiten umfassendem Fantasy-Roman "Medea - Die Hexe von Kolchis" zurückversetzt in meine ...

Medea, Circe, Eros und Jason... - ich fühlte mich bei der Lektüre der 45-seitigen Leseprobe von Rosie Hewletts 496 Seiten umfassendem Fantasy-Roman "Medea - Die Hexe von Kolchis" zurückversetzt in meine frühe Jugend, als ich mit großer Begeisterung die Abenteuer der Helden und Heldinnen aus den deutschen, britischen, römischen und griechischen Legenden/Sagen/Mythologien las.
Das seit dem 25. 11. 2025 unter der ISBN 978-3-365-01169-0 im Verlag Harper Collins Hardcover erhältliche Buch ist mit einem sowohl atemberaubenden als auch gut zum erzähltem Geschehen passenden Cover ausgestattet und wurde von Simone Jakob aus dem Englischen in die deutsche Sprache übersetzt.
Es wird mit den Themen "Morally Grey", "Chosen Orne" sowie "Victim Gets Revenge" beworben, beginnt mit der Widmung
"Für all die Frauen, denen man je vorgeworfen hat, 'zu viel' oder 'nicht genug' zu sein."
und stellt uns zunächst die ziemlich aufmüpfig daher kommende junge Medea vor, die unter den damals geltenden fatal patriarchischen Machtstrukturen sehr litt und mit deren Erziehung Vater König Aietes von Kolchis und dessen Gemahlin total überfordert waren, sodass man die im wahrsten Sinne des Wortes "zauberhafte" Tante Circe um Unterstützung bitten musste.
Als die Beiden sich nach Meinung der Eltern jedoch zu sympathisch wurden, trennte man sie und das verletzliche Mädchen ist erneut allein.
Langsam wird sie sich im Laufe der Ereignisse ihrer Fähigkeiten und Kräfte bewusst, durch die der antike Dramatiker Euripides sie vor hunderten von Jahren als eine der unsympathischsten Figuren ihrer Zeit darstellte.
Obwohl Medeas Geschichte mir in groben Zügen noch in Erinnerung war, beeindruckte mich die in einem angenehmen, spannenden und überzeugenden Schreibstil verfasste Neuinterpretation der Autorin sehr und ich empfehle sie deshalb auch gern weiter.

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Veröffentlicht am 28.11.2025

Die Rolle der Frau im Rom der 1930 Jahre

Was vor uns liegt
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Anna, Augusta, Emanuela, Milly, Silvia, Vantina, Vinca und Xenia leben im vom Faschismus geprägten Rom der 1930er Jahre im Grimaldi-Konvikt.
Alba de Céspedes' mit einem passenden Cover und Titel versehener, ...

Anna, Augusta, Emanuela, Milly, Silvia, Vantina, Vinca und Xenia leben im vom Faschismus geprägten Rom der 1930er Jahre im Grimaldi-Konvikt.
Alba de Céspedes' mit einem passenden Cover und Titel versehener, 380 Seiten umfassender Hardcover-Roman "Was vor uns liegt" (Originaltitel: "Nessuno torna indietro", ins Deutsche übersetzt von Esther Hansen, seit dem 17. 11. 2025 unter der ISBN 978-3-458-64554-2 bei der Insel Verlag GmbH) entstand bereits 1938 und hat eine Neuauflage definitiv verdient. Immerhin zeigt er das geschilderte Geschehen sozusagen "in Echtzeit".
Jede der recht unterschiedlichen jungen Frauen hat ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Träume. Die untergeordnete Rolle der Frauen in jener Zeit generell wird ansprechend und authentisch verdeutlicht.
Ich habe dieses gelegentliche Längen aufweisende und nicht immer leicht zu lesende Buch gern gelesen und empfehle es daher auch ebenso gerne weiter.


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Veröffentlicht am 21.11.2025

Bedingt begeistert: Hamburger Nachkriegsscherben

In den Scherben das Licht
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Sofort nach der Ankündigung von Carmen Korns mit einem roten Lesebändchen ausgestatteten 416 Seiten umfassenden Hardcover-Roman "In den Scherben das Licht" (seit dem 11. 11. 2025
unter der ISBN 978-3-463-00072-5 ...

Sofort nach der Ankündigung von Carmen Korns mit einem roten Lesebändchen ausgestatteten 416 Seiten umfassenden Hardcover-Roman "In den Scherben das Licht" (seit dem 11. 11. 2025
unter der ISBN 978-3-463-00072-5 im Verlag Rowohlt Kindle) stand für mich fest, dass ich dieses Buch unbedingt wollte, und dies, obwohl ich meiner Erinnerung nach von dieser Verfasserin bisher noch nichts gelesen hatte.
Sie führt uns ins Hamburg des Monats Oktober 1946. Ruinen, Trümmer, Hunger, Schwarzmarkt,
Trauer um "im Feld" gebliebene oder im KZ verlorene Angehörige, Hoffnung, Vermisste über den Suchdienst des DRK vielleicht doch noch wiederzufinden.
Im Keller eines halbzerstörten Hauses treffen 2 unserer 3 Protagonisten aufeinander:
die 14-jährige Gisela, einst im großen Bombenangriff auf Hamburg gerade noch aus einem brennenden Schutzraum gerettet, dann ins fränkische Naila evakuiert, "trampte" sie zurück in ihre Heimat, wo sie sich jedoch als Minderjährige illegal aufhielt, was bedeutete, keine Lebensmittel zu erhalten und bei Auffinden in ein Heim eingewiesen zu werden
und der knapp 16-jährige Gert aus Plauen, der vor der dortigen russischen Besatzung zu den "Tommys" in den Norden flüchtete. Vater tot, Mutter nebst seiner kleinen Schwester Barbara verschollen.
Protagonistin Nummer 3 ist "Friede" Wahrlich, die Eigentümerin des Hauses, eine ehemalige Schauspielerin, um die zwei höchst unterschiedliche Verehrer buhlten,
Wir erleben gemeinsam mit ihnen Monat für Monat in datierten Kapiteln die glaubhaft dargestellte schwere Nachkriegszeit. die Folgen der Währungsreform, Scharmützel mit Martha, "Friedes" unfriedlicher und doch irgendwie unentbehrlicher Freundin aus alten Zeiten, bis die Geschichte mit dem Monat Dezember 1955 endet.
Der Schreibstil war "okay", das Cover weist eine interessante Perspektive auf.
Erfreulicherweise ist hinten im Buch ein Stadtplan, sehr gern hätte ich jedoch auch ein Personenverzeichnis - bevorzugt mit Kennzeichnung der realen Personen wie hier z. B. Ida Ehre - und vielleicht auch ein Glossar vorgefunden.
Das Tüpfelchen auf dem "i" bei Romanen mit historischem Hintergrund sind für mich jedoch stets "Anmerkungen von Autor bzw. Autorin"., die ich hier ebenfalls gern vorgefunden hätte.

Trotzdem hat mich diesem Buch recht gut unterhalten und ich empfehle es daher auch gern weiter.

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