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Veröffentlicht am 03.08.2023

Auftragskiller ist auch nur ein Job

Ablage Mord
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Theo lebt im Wohnmobil auf dem Grundstück seiner Eltern, ist überzeugter Arbeitsloser, zockt am liebsten den ganzen Tag und lässt sich sein faules Leben von Amt und Eltern finanzieren. Als er eines Tages ...

Theo lebt im Wohnmobil auf dem Grundstück seiner Eltern, ist überzeugter Arbeitsloser, zockt am liebsten den ganzen Tag und lässt sich sein faules Leben von Amt und Eltern finanzieren. Als er eines Tages herausfindet, dass er enterbt werden soll, wenn er es nicht schafft, einen anständigen Job nicht wenigstens 6 Monate durchzuziehen, ist klar: er braucht einen Job! Sein Kumpel Dave bringt in bei Columbus Solutions unter, einer Firma die ihr Geld mit Apps macht. Theo weiß zwar nicht so genau, was er da macht, aber egal, Job ist Job. Doch irgendwann platzt er mitten in eine recht prekäre Situation und wird Zeuge, wie ein angeblicher Geldhinterzieher für eine mafiöse Beseitigung vorbereitet wird. Bevor er selbst getötet wird, packt er lieber mit an und begeht seinen ersten Mord (ich sage nur: Schrottpresse). Schon ist er Teil der Gruppe C, die für den Geldwäschering, was sein Arbeitgeber eigentlich ist, die Drecksarbeit macht. Und was soll man sagen: es gefällt ihm! Er muss zwar morden und foltern, aber hey, er hat nette Kollegen und die Eltern sind jetzt auch zufrieden. Würde da nur nicht permanent sein eigenes Ableben zur Disposition stehen, nur weil irgendjemand ein falsches Spiel spielt und Theo zwischen die Fronten der Firmenführung geraten ist.

Wer mal wieder einen sehr schwarzhumorigen und zum Brüllen lustigen Krimi lesen will, dem kann ich Ablage Mord ans Herz legen. Hier wird gemordet, gefoltert, verstümmelt und sogar unfreiwilliger Kannibalismus kommt vor. Doch Simon Wasner bringt all das in einer lockerflockigen frechen und flapsigen Art rüber, dass es eine Freude ist. Die Figuren, allen voran natürlich Theo und seine neuen Kollegen Michel, Klopper-Sven, Herzinfarkt-Ali und Kippi, sind herrlich skurril und wunderbar liebenswert mit all ihren Macken und trotz ihres Berufs. Man muss sie einfach mögen, ich verspreche es! Anfangs war mir nicht ganz klar, wo die Geschichte hinführt. Doch was mich dann erwartete war ein Feuerwerk an rabenschwarzem Humor und urkomischen Situationen und ein echt kurzweiliges, bauchmuskelanstrengendes Lesevergnügen. Kleines, ganz besonderes I-Tüpfelchen für mich zudem: das ganze spielt sich in Karlsruhe, meiner Heimatstadt ab.

Fazit: wer verrückte, schwarzhumorige und ein wenig durchgeknallte Storys mit herrlich ausgearbeiteten einmaligen Figuren mag, wird Ablage Mord feiern. Ich tus, daher natürlich 5/5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.08.2023

Künstlerisch und poetisch – Brief der Erde an ein Menschenkind

Die Erde und du
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Die Erde schreibt einen Brief an ein Mädchen. In diesem Brief verspricht sie ihr, all ihre Schätze, die Berge, Bäume, Meere, Tiere, all die zu erlebenden Abenteuer und Wunder mit ihr zu teilen. Sie verspricht ...

Die Erde schreibt einen Brief an ein Mädchen. In diesem Brief verspricht sie ihr, all ihre Schätze, die Berge, Bäume, Meere, Tiere, all die zu erlebenden Abenteuer und Wunder mit ihr zu teilen. Sie verspricht dem Mädchen, immer für es da zu sein, sie zu begleiten und zu beschützen und fragt, ob das Kind für die Erde dasselbe tun will. Denn auch die Erde braucht Schutz und Engagement, damit Umweltverschmutzung und Klimakatastrophe nicht überhandnehmen.

Das ist mal ein ganz außergewöhnliches Kinderbuch. Die großformatigen, ganze Seiten einnehmenden Zeichnungen sind sehr künstlerisch gestaltet, wie gezeichnete Collagen über mehrere Schichten. Dabei ist dass Gesicht der Erde immer wieder zu sehen, mal glücklich, mal traurig und besorgt. Je nachdem, um was sie dem Kind gerade erzählt. Im Text steht jedoch nichts Negatives, keine Anklage an die Menschen, kein erhobener Finger. Vielmehr erkennt man nur an den Bildern (weggeworfene Plastikflaschen und Müll, qualmende Fabrikschlote, Smog und Dürren), was die Erde gerade umtreibt. Sie bittet das kleine Mädchen einfach, auf sie Acht zu geben, sich für sie einzusetzen und sie zu schützen. Im Gegenzug bietet die Erde all ihre Schönheit, ihre Wunder und Schätze an. Das ist in sehr kurzen Texten versinnbildlicht, die in meinen Augen jedoch nicht wirklich kindgerecht sind. Die Zeichnungen schon eher, wenn auch nicht so richtig. Dafür ist das Buch zu künstlerisch, zu poetisch, zu erwachsen. Für Kinder ab 3 Jahren ist es angedacht, das erscheint mir jedoch viel zu jung. Ich sehe es eher ab 5 oder sogar 6 Jahren.

Mir gefällt es sehr gut. Ich mag die Bilder, auf denen es viel zu entdecken gibt und die so ganz anders sind, als ich es aus anderen Kinderbüchern kenne. Ich mag vor allem auch die Botschaft in der Geschichte und die sanfte, liebenswerte und nachsichtige Art, wie sie rübergebracht wird. Ein Bilderbuch, das sicher auch Erwachsene direkt anspricht und zum Nachdenken bringt. 4/5 Sterne.

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Veröffentlicht am 29.07.2023

Familiendrama in naturgewaltiger Kulisse

Tochter des Marschlands
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Loni liebt ihr zurückgezogenes Leben in Washington, wo sie für das renommierte Smithonian Museum Naturzeichnungen von Vögeln anfertigt. Als ihr jüngerer Bruder Phil sie zurück nach Hause ruft, weil die ...

Loni liebt ihr zurückgezogenes Leben in Washington, wo sie für das renommierte Smithonian Museum Naturzeichnungen von Vögeln anfertigt. Als ihr jüngerer Bruder Phil sie zurück nach Hause ruft, weil die Mutter krank ist und im Heim untergebracht werden muss, sagt sie zwar zu, aber eher unwillig. Denn ihr Verhältnis zur Familie ist eher unterkühlt. Seit ihr Vater Boyd bei einem Bootsunfall in den Marschen ertrunken ist, als Loni gerade einmal 12 Jahre alt war, ist nichts mehr, wie es vorher war. Loni hat das alles verdrängt, doch ein Brief, denn eine gewisse Henrietta ihrer Mutter geschrieben hat, holt alles wieder ans Licht und gibt vor allem Hinweise darauf, dass Boyds Tod vielleicht doch kein Unfall war. Loni geht den Spuren nach und sticht offensichtlich in ein Wespennest, denn sie wird bedroht. Als sie den Kanuverleiher Adlai kennenlernt, findet sie bei ihm ein bisschen Ablenkung. Sie macht Kanutouren, um ihre geliebten Vögel zu finden und zu malen. Ganz nebenbei verlieben Adlai und Loni sich ineinander. Doch irgendjemand setzt alles daran, Loni daran zu hindern, weitere Fragen zum Tod ihres Vaters zu stellen. Loni ist in Gefahr.

Anfangs wurden in den Medien Vergleiche zwischen diesem Buch und Der Gesang der Flusskrebse gemacht. Doch letztlich hinkt der Vergleich. Ja, es geht um Marschland, um Natur und Vögel, es geht um den Verlust des Vaters bzw. um ein Familienschicksal, doch das war es auch schon. Während die eine Story kraftvoll, mitreißend und fesselnd daherkommt, plätschert die Marschkönigin, wie Loni von ihrem Dad früher genannt wurde, eher seicht vor sich hin. Immer, wenn es spannend wurde, weil es um die Sache mit Lonis Dad ging, war es auch schon wieder vorbei und ich durfte wieder über das Smithonian bzw. Naturbeschreibungen lesen. Oder darüber, wie Loni weiter das Haus ihrer Mutter ausmistet bzw. deren gepackte Kisten sichtet. Das hat sich für mich einfach sehr gezogen genau so wie die sehr vorhersehbare Liebesgeschichte zwischen ihr und Adlai. Schön waren die Rückblicke in Lonis Kindheit und zum Ende hin wurde es dann richtig spannend. Doch letztlich blieben die Charaktere für mich farblos, es kam mir ein bisschen so vor, als hätte die Autorin lieber mit ihrem Wissen zu Vögeln, Natur, Museumsgepflogenheiten geglänzt, als einen berührenden Roman zu schreiben. Es ist nicht schlecht, gewiss nicht, doch war es für mich über weite Strecken viel zu langatmig, wodurch ich einfach nicht von der Story gepackt wurde. Auch die Zerrissenheit von Loni ihrer Familie, vor allem ihrer Mutter gegenüber, gegründet darauf, dass die beiden offensichtlich ein Kommunikationsproblem miteinander hatten und haben, war zwar interessant, aber mehr auch nicht. Wer leise Storys über Familienschicksale mag und für Floridas Marschlandschaften und deren Vogelwelt schwärmt, der wird das Buch mögen. Wer ein Highlight analog Flusskrebse erwartet, wird vielleicht eher enttäuscht sein. Von mir gibt es durchaus gute 3/5 Sterne.

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Veröffentlicht am 26.07.2023

Wenn der böse Wolf plötzlich zum liebenswerten Süßschnabel wird

Der Marmeladenwolf
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Carlo trifft auf dem Weg zur Schule im Wald auf den hungrigen Wolf, der ihn natürlich prompt fressen wollte. Doch Carlo ist gewitzt und erzählt dem Wolf ein Lüge, warum er auf keinen Fall gefressen werden ...

Carlo trifft auf dem Weg zur Schule im Wald auf den hungrigen Wolf, der ihn natürlich prompt fressen wollte. Doch Carlo ist gewitzt und erzählt dem Wolf ein Lüge, warum er auf keinen Fall gefressen werden sollte. Zum Ausgleich bietet er dem Wolf sein Pausenbrot an, eins mit Marmelade. Der Wolf ist hingerissen und will fortan nur noch Marmeladenbrote futtern. Also zwingt er alle Kinder dazu, ihm auf ihrem täglichen Schulweg eins mitzubringen. Irgendwann hat Carlos Oma genug davon, immer mehr und mehr Marmelade einzukochen, damit der Wolf zufrieden ist und die Kinder in Ruhe lässt. Sie fasst einen Plan! Nämlich den, dem Wolf beizubringen, selbst Marmelade einzukochen. Das wiederum führt beim Wolf zu einer Entwicklung, die schöner nicht sein könnte.

Es ist so eine witzige Geschichte! Völlig skurril und dadurch einfach nur lustig. Der Text ist kindgerecht und fröhlich, die großen bunten Zeichnungen passen perfekt und sind einfach super. Ich musste echt oft lachen, weil ich es so verrücklustig fand – Text und Zeichnungen. Natürlich kann man jetzt anfangen, hinter der Geschichte eine Botschaft zu entdecken. Das wäre dann vielleicht die, dass man offen für Veränderungen sein sollte oder dass vermeintlich böse Gesellen sich durch Aufmerksamkeit und Zuwendung ändern können oder das Hilfe zur Selbsthilfe sinnvoll ist. Man kann das Buch aber auch einfach genießen und sich marmeladeköstlich darüber amüsieren. Es ist einfach witzig!

Perfekt zum Vorlesen, zum gemeinsamen Lesen oder für Leseanfänger. Gerne auch immer wieder, weil (ich wiederhole mich): es ist echt lustig. Von mir gibt´s dafür ausgezeichnete 5/5 Sterne.

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Veröffentlicht am 25.07.2023

Möwe, Grünkohl, Friesengeist und ein Mord – Rosa Fink in ihrem Element

Der frühe Vogel
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Grünkohl, immer nur Grünkohl. Rosa und Sebi sind heilfroh, wenn die Grünkohlsaison, die mit dem Volkssport Boßeln, verbunden mit dem Vernichten von amtlichen Mengen hochprozentigem Friesengeist einhergeht, ...

Grünkohl, immer nur Grünkohl. Rosa und Sebi sind heilfroh, wenn die Grünkohlsaison, die mit dem Volkssport Boßeln, verbunden mit dem Vernichten von amtlichen Mengen hochprozentigem Friesengeist einhergeht, bald vorbei ist. Sie bereiten gerade das vorerst letzte Grünkohlessen zu und Rosa beschließt, den überzähligen Kohl Heidrun Paulsen vorbeizubringen, die einen kleinen Foodsharing-Stand vor ihrer Wohnung hat, der nicht nur von einigen Menschen, sondern auch von Möwe Erna rege besucht wird. Doch Heidrun liegt mit eingeschlagenem Schädel vor der Haustüre. Ist sie gestürzt? War es ein Unfall? Die Fakten verdichten sich, dass es keineswegs eine harmlose Erklärung für Heidruns Ableben gibt. Hobbydetektivin Rosa ist in ihrem Element und begibt sich auf Tätersuche. Sehr zum Verdruss von Sebi, der es gar nicht mag, wenn Rosa gefährliche Alleingänge unternimmt. Nebenbei will auch noch die flügelverletzte Möwe Erna gesundgepflegt, ein Restaurantkritiker besänftigt, die Kohlkönigspaarwahl wiederholt und die Pension in Schuss gehalten werden. Es wird nicht langweilig, am Jadebusen.

Gewohnt humorvoll und mit einer wohltuenden Leichtigkeit kommt auch Rosa Finks 4. Fall daher. Ein schönes Wiedersehen mit alten Bekannten und auch der eine oder andere Neuling ist am Start. Ich erfahre ein bisschen was zum Boßeln, einer Art Volkssport, der mit Kugeln und Bollerwagen, mit Grünkohl und viel hochprozentigem Friesengeist einhergeht. Überhaupt mag ich die Nordsee-Atmosphäre, die von der Autorin lebensecht und sehr anschaulich rübergebracht wird. Der Krimifall selbst ist spannend und zunächst undurchschaubar für mich. Irgendwann war ich mir dann sicher, wer es war, konnte aber nicht sagen, warum. Die Auflösung gefiel mir daher sehr gut. Rosa und Sebi sind einfach ein tolles Team, ich mag ihre ungezwungene, heitere Art und ihr Normalsein. Ein CosyCrime, der diese Genre-Einordnung verdient, weil ich mich durchweg wohlgefühlt habe, immer mit einem Lächeln im Gesicht am Lesen war und einfach supergut unterhalten wurde. Schön finde ich zudem, dass immer Tiere vorkommen und eine Rolle spielen. Ich mag das einfach. Insgeheim hoffe ich ja, dass Rosa Fink noch in einige Fälle hineinschliddert und zu lösen hat, bei denen ich sie, Sebi & Co (nicht zu vergessen die beiden Katzen Ruby und Rudi) begleiten darf. Am Ende des Buchs gibt es wie immer ein Rezept aus der Geschichte. Zum Glück keins mit Grünkohl, sondern ein Erdbeer-Sahne-Törtchen ohne Backen.
Ich mag diese CosyCrime-Reihe sehr und vergebe daher sehr gute 4/5 Sterne. Lockerleichte, herzliche, humorvolle Unterhaltung, die Spaß macht.

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