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Veröffentlicht am 03.11.2025

Kommt nicht an Teil 1 heran

Windstärke 17
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Wie auch der erste Teil hat mir „Windstärke 17“ an sich gut gefallen – wobei ich „22 Bahnen" weitaus stärker fand.

Jetzt wird dir Geschichte aus Idas Perspektive erzählt, die nun ungefähr so alt ist wie ...

Wie auch der erste Teil hat mir „Windstärke 17“ an sich gut gefallen – wobei ich „22 Bahnen" weitaus stärker fand.

Jetzt wird dir Geschichte aus Idas Perspektive erzählt, die nun ungefähr so alt ist wie Tilda im ersten Band. Nachdem Tilda damals weggezogen ist, war Ida die meiste Zeit mit ihrer alkoholkranken Mutter alleine. Nach deren Tod weiß sie jetzt nicht wirklich, wie ihr Leben weitergehen soll, und flüchtet erstmal nach Rügen, wo sie bei einem netten älteren Paar unterkommt.

Ich mochte die Erzählweise wieder, auch wurden Idas Schmerz und ihre Schuldgefühle gut vermittelt. Teilweise blieb mir der Inhalt aber zu sehr an der Oberfläche. Ich konnte Idas Gedanken zwar grundsätzlich verständlich, es war aber weniger Tiefe da, oft waren ihre sprunghaften Handlungen auch kaum nachvollziehbar.

Und die Geschichten der anderen Figuren waren mir leider auch zu flach bzw. zu wenig ausgearbeitet. Über Marianne und Knut erfährt man so gut wie nichts – wie kommen die beiden dazu, eine ihnen völlig fremde junge Frau einfach so bei sich aufzunehmen? Völlig kostenlos und auf unbestimmte Zeit? Ida spricht ja auch kaum mit ihnen, ist teilweise sogar regelrecht unfreundlich. Dass sie diese Trauer mit sich herumträgt, kommt ja erst mit der Zeit heraus.

Und was war mit Mandy und deren Kindern (also ihren Enkeln), wieso ist der Kontakt so schlecht? Über Leif erfahren wir auch so gut wie gar nichts. Was finden die beiden aneinander, außer dass sie sich anscheinend beide gerne mitten in der Nacht in Lebensgefahr begeben? Was ist mit seinen Eltern, warum muss er sich um den dementen Großvater kümmern? Der Wandel von „er ist nicht gut für mich“ zu „er ist genau der, den ich brauche“ ging mir auch zu schnell – generell finde ich es schade, dass auch hier der „Mann kommt und rettet die Frau in Nöten“-Plot zu präsent war.

Wie schon bei Tilda im ersten Band fand ich auch Idas Umgang mit Alkohol und Drogen fragwürdig und zu „sorglos“. Auch habe ich mich gefragt, wie die Wohnsituation so lange funktionieren konnte, ohne dass die Behörden irgendwann aufmerksam geworden sind. Als Tilda ausgezogen ist, war Ida erst 11 – und die Mutter schon schwer alkoholkrank. Hat Ida sich dann 10 Jahre lang permanent um sich selbst UND ihre kranke Mutter gekümmert? Zuvor war Tilda ja bspw. immer bei Elternabenden u. ä. Es muss doch irgendwann aufgefallen sein, dass sich eigentlich niemand mehr um Ida kümmert? Was, wenn sie mal krank war oder zu Ärzten musste? Wer hat die Termine ausgemacht? Ich glaube, es ist nicht realistisch, dass so eine Situation so lange unbemerkt bleibt und nicht irgendwann das Jugendamt einschreitet.

Und wer hat die ganze Zeit die Miete, Idas Markensachen (Macbook, Airpods etc.) gezahlt? Wahrscheinlich Tilda und Viktor, aber es waren mir zu viele Umstände, die man als gegeben hinnehmen musste, ohne dass sie erklärt wurden.

Ich konnte auch nicht ganz nachvollziehen, warum Ida nicht mit Tilda gegangen ist. Tilda war ja immer sehr pragmatisch, da hätte es doch eine andere Lösung geben müssen. Deren Leben wiederum verläuft auch zu perfekt. Dafür, dass sie in Band 1 so sehr mit sich gerungen hat, ob sie überhaupt wegziehen kann, scheint sie sich jetzt ein perfektes Kleinfamilienleben geschaffen zu haben (es sei ihr gegönnt, aber Tilda war mir in diesem Band viel zu glatt, zu perfekt, Professorin, Mutter, Frau, wo sind ihre Ecken und Kanten geblieben?)

Insgesamt hatte ich ein wenig den Eindruck, dass hier nach dem großen Erfolg des ersten Bands eine ähnliche Geschichte in anderem Setting zu schnell runtergeschrieben wurde. Emotionen, Gefühle und Tiefe haben mir gefehlt.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Sehr intensives Leseerlebnis, mit bedrückendem, aber extrem wichtigem Inhalt!

Da, wo ich dich sehen kann
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Die neunjährige Maja hat ihre Mutter verloren, Liv ihre beste Freundin und Majas Patentante, Brigitte und Per ihre Tochter. Hauptsächlich aus diesen vier Perspektiven erfahren wir, wie die Betroffenen ...

Die neunjährige Maja hat ihre Mutter verloren, Liv ihre beste Freundin und Majas Patentante, Brigitte und Per ihre Tochter. Hauptsächlich aus diesen vier Perspektiven erfahren wir, wie die Betroffenen mit Emmas Tod umgehen. Emma, deren eigener Ehemann sie umgebracht hat, die Opfer eines Femizids geworden ist.

Ich weiß gar nicht, wie ich meine Gefühle zu dem Buch in Worte fassen soll. So ein wichtiges Thema, so gut aus den unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Die traumatisierte Tochter, die sich selbst die Schuld gibt und zum Spielball zwischen den Zuständigkeiten der Ämter wird, die beste Freundin, die plötzlich ihre wichtigste Bezugsperson verloren hat und nun selbst zu einer Mutterfigur für deren Tochter wird.

Irgendwie versuchen alle, auf ihre Weise mit Emmas Tod umzugehen und rücken dabei immer näher zusammen. Nur bei Livs Hündin Chloe fühlt Maja sowas wie Sicherheit (ich will nichts spoilern, aber die Szenen mit Chloe waren heftig …).

Alle fragen sich, ob sie etwas merken, etwas hätten anders machen können? Farblich abgehoben in weißer Schrift auf schwarzem Grund stellen sie sich Situationen vor, die vielleicht etwas geändert hätten, wenn sie vielleicht anders reagiert oder mehr nachgefragt hätten. Oder hätte alles nicht geholfen und Emma wäre so oder so von ihrem Mann umgebracht worden? Vor allem die Darstellung von Majas Schuldgefühlen und ihrer Angst fand ich sehr realistisch beschrieben. Wie soll ein so junges Kind damit umgehen, dass der eigene Vater ihre Mutter getötet hat?

Daneben gibt es aber auch immer wieder Lichtblicke im Leben der Hinterbliebenen, so kann Liv Maja beispielsweise sehr für Astronomie begeistern, das einzige Thema, das sie aus ihrer Apathie holen kann.

Auch die Einblicke in die Beziehung von Emma und ihrem Mann Frank waren so gut beschrieben. Wie wird eine Beziehung „toxisch“, bis zu diesem schlimmen Ende? Auch aus Emmas Perspektive wird teilweise erzählt, wie sie isoliert wurde, die Machtdynamik in der Beziehung, das Gaslighting und Instrumentalisieren der Tochter – und warum sie nicht „einfach gegangen ist“.

Durch verschiedene Elemente im Buch wie Zeichnungen von Maja, Schreiben vom Gericht oder Zeitungsartikel wird eine weitere Ebene geschaffen. Vor allem die Berichterstattung zeigt erschreckend, wie mit Femiziden in der Öffentlichkeit umgegangen wird und wie schnell sie als „Familiendrama“ oder „Beziehungsstreit“ abgetan werden.

Die Thematik des Buchs ist heftig und ruft viele Emotionen hervor, aber es ist so ein wichtiges Thema, das viel stärker in die Öffentlichkeit rücken sollte! So viele Stellen haben mich wütend gemacht, einfach weil sie so wahr sind.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Ein Buch, das nachhallt

Bis zum Mond
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Schon das Cover hat mich sofort angesprochen – die sanften Farben, der Schreibtisch mit Blick auf die nächtliche Skyline und der Vollmond über der Stadt. Es passt perfekt zur Atmosphäre des Buches: ruhig, ...

Schon das Cover hat mich sofort angesprochen – die sanften Farben, der Schreibtisch mit Blick auf die nächtliche Skyline und der Vollmond über der Stadt. Es passt perfekt zur Atmosphäre des Buches: ruhig, nachdenklich und gleichzeitig voller Sehnsucht nach einem besseren Leben.
Ich bin sehr gut in die Geschichte reingekommen. Der Schreibstil ist angenehm flüssig, modern, irgendwie unaufgeregt und dabei trotzdem tiefgründig – man fliegt wirklich nur so durch die Seiten. Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin es schafft, Gesellschaftskritik und persönliche Geschichten so fein miteinander zu verweben, ohne dass es jemals belehrend wirkt.
Im Zentrum stehen Da-hae und ihre Freundinnen Ji-song und Eun-sang, die in einem streng hierarchischen koreanischen Unternehmen in unterschiedlichen Abteilungen arbeiten. Ihre alltäglichen Kämpfe, das starre Arbeitssystem und die unterschwellige Ungerechtigkeit sind so authentisch beschrieben, dass man beim Lesen oft schlucken muss. Eines Tages schlägt Eun-sang vor, doch in Kryptowährung zu finanzieren, um ihrem starren Leben zu entkommen, in dem es mit „normaler“ Arbeit kaum Möglichkeiten gibt, aufzusteigen (gerade für Frauen). Da-hae lässt sich schnell überzeugen, während Ji-song skeptisch bleibt.
Spannend fand ich vor allem den Blick auf die finanzielle Situation junger Frauen in Korea. Wie schwierig es ist, sich wirklich etwas Eigenes aufzubauen, und wie schnell Hoffnung, Ehrgeiz und Verzweiflung ineinander übergehen können. Die Geschichte greift das Thema „Geld und Freiheit“ auf eine kluge und nachvollziehbare Weise auf – ohne technische Details zu überfrachten, aber mit genug Tiefe, dass man mitfiebert, auch wenn man selbst nichts mit Krypto am Hut hat.
Was mir ebenfalls gut gefallen hat, ist die Dynamik zwischen den drei Freundinnen. Ihre Gespräche, kleinen Eifersüchteleien und gegenseitige Unterstützung wirken sehr echt. Man spürt, wie unterschiedlich sie mit Druck, Erfolg und Unsicherheit umgehen und genau das macht sie sehr authentisch und greifbar.
Richtig spannend ist das Buch eigentlich weniger im klassischen Sinn, eher unterschwellig. Es lebt von dieser stillen, aber ständigen Anspannung: der Frage, ob der Kurs crasht und der Traum vom Aufstieg am Ende platzt oder doch wahr wird. Ich mochte diese ruhige Erzählweise, auch wenn mir stellenweise ein klarer Höhepunkt oder eine Wendung gefehlt hat.
Am Ende bleibt für mich vor allem das Gefühl, ein sehr ehrliches, modernes Porträt einer Generation gelesen zu haben, die zwischen Leistungsdruck, digitaler Welt und dem Wunsch nach Selbstbestimmung feststeckt. Der Abschluss war vielleicht ein bisschen „kitschiger“, als ich erwartet hatte, aber irgendwie hat das abschließende philosophische auch gepasst.
Ein feinfühliger, kluger Roman über Freundschaft, Arbeit, Geld und die Suche nach Freiheit – leicht zu lesen, aber mit viel Substanz. Ich mochte die Figuren, den Ton und die Atmosphäre sehr.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Romantische Komödie mit ernsten Hintergrundthemen

Say You’ll Remember Me
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Ich habe das Buch mit meinem Buchclub gelesen und muss ehrlich sagen, dass ich vorab sehr skeptisch war (bzw. generell gegenüber romantischen Komödien bin). Daher muss ich sagen, dass es zwar nicht mein ...

Ich habe das Buch mit meinem Buchclub gelesen und muss ehrlich sagen, dass ich vorab sehr skeptisch war (bzw. generell gegenüber romantischen Komödien bin). Daher muss ich sagen, dass es zwar nicht mein Lieblingsbuch wird, mich aber positiv überrascht hat. Ich würde 3,5/5 Sternen geben.

Die Story ist – wie meistens in ähnlichen Büchern – natürlich relativ vorhersehbar und das Ende ist klar. Die Entwicklung der Geschichte, vor allem die Probleme, mit denen sich die Hauptfigur Samantha konfrontiert sieht, war aber sehr gut und nachvollziehbar beschrieben.
Kaum haben sich Samantha und der Tierarzt Xavier in Minnesota kennengelernt, zieht sie auch schon 3000 km weit weg in ihre alte Heimat Kalifornien, um gemeinsam mit ihren zwei Geschwistern, ihrem Vater und ihrer Großmutter ihre demenzkranke Mutter (im anscheinend riesigen Haus der Großmutter, in dem alle zusammenleben) zu pflegen. Die Demenz und die damit einhergehenden Symptome bzw. Verhaltensweisen fand ich gut beschrieben, auch die Familiendynamik und -konflikte haben mir gut gefallen und scheinen realistisch zu sein.

Teilweise konnte ich Handlungen der Familie aber nicht nachvollziehen, bspw. dass sie die Mutter keinesfalls in ein Heim geben, sondern sie zuhause pflegen wollen (löblich), dann aber einen Kredit aufnehmen, um das Haus zu renovieren, während sie die Mutter mit Medikamenten vollpumpen, damit sie mehr schläft (fragwürdig). So hat doch niemand etwas davon. Ein Argument gegen das Heim ist auch, dass es zu teuer wäre – dafür hätte man doch das Geld nehmen können? Eine neue Küche kann man auch später noch kaufen.
Da Xavier seine Praxis nicht einfach zurücklassen kann (um seinen toxischen Eltern zu beweisen, dass er kein Versager ist), versuchen die beiden es nach ein paar gescheiterten Versuchen, sich zu trennen, mit einer Fernbeziehung (weil dies natürlich die unsterbliche große Liebe ist). Auch die Gedanken der beiden (da die Kapitel abwechselnd aus beiden Perspektiven geschrieben sind) fand ich gut und nachvollziehbar beschrieben. Trennen und ein Leben ohne den bzw. die andere:n leben oder zusammenbleiben, aber dafür quasi nonstop arbeiten und nur noch für die wenigen Tage alle paar Monate leben, in denen man sich sieht? Dieses Schwanken zwischen Herz und Kopf kennen bestimmt viele Leser:innen. Hier kann man sich natürlich fragen, wie realistisch es ist, dass die beiden sich nach einem einzigen Date so unsterblich ineinander verliebt haben, dass sie diese ganzen Strapazen auf sich nehmen.

Was mich aber gestört hat war – wie es auch typisch in diesen Büchern ist – dass Xavier einfach ZU perfekt ist. Natürlich wird hier vor allem eine weibliche Fantasie bedient, aber der Mann hat ja wirklich keine einzige Schwäche. Nicht nur ist er optisch (natürlich) über 1,90 groß, durchtrainiert (mit Sixpack, obwohl er quasi nie Sport macht), hat kristallblaue Augen und verstrubbelte (was sonst) blonde Haare – nein, er opfert sich als Tierarzt für seinen eigenen Patienten auf und arbeitet ehrenamtlich im Tiernotdienst.

Er arbeitet 80 Stunden die Woche, um die Flüge zu Samantha zu finanzieren und wenn er da ist, ist er der geduldigste, verständnisvollste und fürsorglichste Mensch der Welt, kümmert sich um alle, denkt an alles, hat für alles eine Lösung. Außer ein paar Augenringen zeigt er keine Anzeichen von Überforderung – das ist doch nicht realistisch, große, unsterbliche Liebe hin oder her.

Abgesehen von seiner Tätigkeit als Tierarzt fand ich den Umgang mit Tieren aber sehr fragwürdig. Zum einen geht er an einer Stelle in den Zoo (gerade Tierärzten sollte klar sein, dass Zoos die letzten Orte sind, an denen es Tieren gut geht), auch sein privater Hund wird nur hin und her geschoben und Samanthas Katze ist die ganze Zeit sich selbst überlassen. Ab und zu wird erwähnt, dass sie sie füttert, ansonsten scheint sie aber viel zu oft weg oder beschäftigt zu sein, um das Tier artgerecht zu halten (Einzelhaltung kann sowieso nicht artgerecht sein). Dass beide Fleisch essen finde ich persönlich vor dem Hintergrund auch inkonsequent.

Das Ende war wie zu erwarten recht kitschig, aber durchaus halbwegs realistisch gelöst. Generell mag ich persönlich den „Die Frau ist ohne den Mann, der sie retten muss, lebensunfähig und mit allem überfordert“-Plot einfach nicht. Natürlich würde sie alles auch ohne ihn schaffen, es braucht keinen Mann, der die Frau in Nöten rettet. Klar ist es schön, Unterstützung zu haben, es war mir am Schluss aber zu pathetisch à la „Wir haben uns schon in einem anderen Leben geliebt“.

Alles in allem aber ein kurzweiliger Roman, der auch ernste Töne hat, wodurch (zumindest Samantha) nahbarer wirkt. Der Schreibstil (bzw. die Übersetzung) hat mir auch gut gefallen. Aber (sorry) die Senf-Posts waren alle absolut nicht witzig (das lag hier wahrscheinlich dann doch an der Übersetzung, vielleicht sind die Originale wirklich funny).

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Kein Thriller!

Garden Girls
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Der Plot des Buches klang spannend – leider konnten mich weder die Sprache noch die Erzählweise abholen. Das war eher kein Thriller, sondern ein Romance-Buch, in dem einer der Protagonisten zufällig Ermittler ...

Der Plot des Buches klang spannend – leider konnten mich weder die Sprache noch die Erzählweise abholen. Das war eher kein Thriller, sondern ein Romance-Buch, in dem einer der Protagonisten zufällig Ermittler ist. Es wurde alles viel zu langatmig erzählt, außerdem kam an keiner Stelle wirklich Spannung auf. Vielleicht lag es an der deutschen Übersetzung, oft hat mich auch die Ausdrucksweise gestört (ständig das Wort „Schlips“, wer sagt das noch?) sowie die ständigen merkwürdigen Vergleiche und der religiöse Unterton.
Das Buch ist das dritte einer Reihe rund um die „Strange Crime Unit“, die sich auf Verbrechen spezialisiert hat, die mit Religion bzw. Sekten zu tun haben. Der Hauptcharakter Tiberius (Ty) wurde selbst in eine Sekte geboren, konnte aber daraus ausbrechen – das reichte anscheinend, um Profiermittler zu werden.
Da ich die vorherigen Bücher nicht kannte, war es oft schwer der Story zu folgen, weil so gut wie gar keine Hintergründe oder Vorgeschichten angeschnitten wurden. Anscheinend ist dies aber das erste ins Deutsche übersetze Buch, was leider so gar keinen Sinn ergibt. Es konnte überhaupt kein Gefühl für die Beziehungen zwischen den Personen entstehen und vieles musste man sich selbst halbwegs zusammenreimen, außerdem wurde ständig auf vorherige Fälle angespielt, von denen deutsche Leser:innen ja nichts wissen können.
Dadurch war auch die Storyline, dass eine Teamkollegin, welche die anderen gerade im Urlaub wähnen, eines der Opfer ist, überhaupt nicht schockierend oder überraschend, da ich null Bezug zu dieser Figur hatte und sie vorher überhaupt nicht erwähnt wurde.
Auf den Outer Banks verschwinden Frauen, die nach Blumen benannt sind, und werden irgendwann tot mit Blumen tätowiert vor Leuchttürmen abgelegt. Alles scheint irgendwie eine private Fehde gegen Ty zu sein, aber statt zu ermitteln geht es die meiste Zeit weniger um den Fall als um seine Vergangenheit, alte Liebe, seine Familie etc. Ich habe mich wirklich gefragt, was die Ermittler:innengruppe die ganzen Tage lang macht. Gefühlt haben sie an vielen Tagen überhaupt nicht weiterermittelt, während aber ständig betont wurde, wie zeitkritisch alles wegen des herannahenden Hurrikans ist, und machen dann auch noch Anfängerfehler.
Den Umgang zwischen Ty und Bexley fand ich auch richtig merkwürdig, dafür dass sie sich so lange nicht gesehen haben. Gefühle habe ich da auch keine gespürt. (S. 183 „Iss deine Eier, Bex, und hör auf, dich wie ein aufsässiges Mädchen zu verhalten.“)
Was mich persönlich auch sehr gestört hat war der ständige religiöse Unterton. Zum einen wurden zwar Sekten kritisiert (aber auch nur sehr oberflächlich), viele Gespräche drehen sich dann aber doch um den Glauben oder klingen schon fast wie eine Predigt. Und auch am Ende war es einfach too much, sehr pathetisch à la „alles passiert aus einem Grund“, „das war Schicksal“ etc.
Das Ende fand ich gleichzeitig sehr vorhersehbar (was auch nicht zur Spannung beigetragen hat) als auch unrealistisch, weil die ganze Story so konstruiert, weit hergeholt und unglaubwürdig war, dass es kaum vorstellbar ist, dass die Ereignisse in der Realität auch nur annähernd so passieren könnten. Dazu zog es sich auch noch viel zu lang, sodass ich mich echt zwingen musste, bis zum Ende zu lesen.

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