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Veröffentlicht am 23.11.2025

Unsympathisch, verworren, enttäuschend

Adults
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Den Klappentext des Buches fand ich interessant, leider konnte die „Geschichte“ mich wirklich überhaupt nicht abholen. Geschichte in Anführungszeichen, weil es eher lose aneinandergehängte Episoden aus ...

Den Klappentext des Buches fand ich interessant, leider konnte die „Geschichte“ mich wirklich überhaupt nicht abholen. Geschichte in Anführungszeichen, weil es eher lose aneinandergehängte Episoden aus dem Leben der Protagonistin Jenny waren, bei denen ich die meiste Zeit die Hälfte des Kapitels erstmal damit beschäftigt war, herauszufinden, in welcher Zeitebene wir gerade sind. Teils wird in der Gegenwart erzählt, teils aus ihrer vergangenen Beziehung oder irgendwelchen früheren Party-Episoden. Manchmal versteht man das erst am Ende eines Kapitels, es entsteht gar kein Lesefluss.
Jenny ist die unsympathischste Protagonistin, die ich seit langem (oder jemals) gelesen habe. Sehr unsympathisch, neidisch, nur am jammern, like-fixiert, total unsicher, wertet alle anderen ab, ist eine super schlechte Freundin und extrem egoistisch.
Sie mag irgendwie niemanden wirklich, weder ihre Freundinnen noch ihre Mitbewohnerinnen oder Kolleginnen, vergleicht sich die ganze Zeit und denkt ständig darüber nach, was andere von ihr denken – sogar wildfremde Menschen im Internet.
Sowieso geht es die meiste Zeit um Social Media und wer wessen Posts mit welcher Intention geliked oder nicht geliket hat. Vor allem auf eine gewisse Suzy Brambles ist sie total ungesund fixiert, bzw. auf deren Online-Präsenz.
Angeblich ist sie Mitte 30, klingt aber eher nach einer unsicheren Anfang 20-Jährigen, teils sogar eher einer Teenagerin. Soo bedürftig, so sehr von Anerkennung fremder Menschen abhängig, kein bisschen selbstreflektiert.
Am schlimmsten war aber die Szene, als sie den Sohn ihrer Freundin, den sie abholen sollte, alleine mitten auf der Straße stehen lässt, weil sie etwas auf Social Media gesehen hat (keine Spoiler), wegen dem sie eine absolut unverhältnismäßige Szene macht, sich einfach nur kindisch und selbstzentriert verhält. Und dann kann sie nicht mal verstehen, warum ihre Freundin sauer auf sie ist?!
Was mich noch gestört hat, war der Umgang mit Alkohol. Sie trinkt wirklich ständig und/oder nimmt Drogen, statt etwas in ihrem Leben zu ändern – und das, obwohl sie angeblich seit Jahren in Therapie ist, davon hat man leider nichts gemerkt.

Ich dachte mir wirklich die ganze Zeit MEINE GÜTE, mach bitte mal IRGENDWAS, das nicht mit Männern (oder Alkohol) zu tun hat und such dir ein Hobby!

Und was sollte das Ende? Sie hat einfach nichts gelernt, ich konnte da keine wirkliche Weiterentwicklung erkennen. Es geht nach wie vor um Likes von fremden Menschen.
Den Humor oder die „Witze“ im Buch habe ich auch überhaupt nicht verstanden, die allermeisten ergeben keinerlei Sinn.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Nicht der beste Thriller

Marta schläft
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"Liebes Kind" und "Perfect Day" von Romy Hausmann haben mir super gefallen, leider konnte "Marta schläft" da nicht ganz mithalten. Zunächst fällt es durch die verschiedenen Perspektiven und Handlungsstränge ...

"Liebes Kind" und "Perfect Day" von Romy Hausmann haben mir super gefallen, leider konnte "Marta schläft" da nicht ganz mithalten. Zunächst fällt es durch die verschiedenen Perspektiven und Handlungsstränge schwer, den Überblick zu behalten (zumal der Strang mit Nelly und Paul im Endeffekt irgendwie auch überflüssig war), und in der Mitte fand ich es stellenweise recht langatmig. Für wirklichen "Thrill" hätte es hier mehr Tempo gebraucht.

Stattdessen wird zu viel erklärt, geplant, und es geht immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Nadja wurde mit 15 Jahren für den Mord ihrer Mutter verhaftet und saß sieben Jahre lang im Gefängnis. Jetzt soll sie wieder für einen Mord verantwortlich gemacht werden. Die Auflösung am Ende war schlüssig, aber auch etwas langatmig, man erwartet irgendwie noch eine Überraschung am Ende, aber dann ist das Buch zuende.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Kommt nicht an Teil 1 heran

Windstärke 17
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Wie auch der erste Teil hat mir „Windstärke 17“ an sich gut gefallen – wobei ich „22 Bahnen" weitaus stärker fand.

Jetzt wird dir Geschichte aus Idas Perspektive erzählt, die nun ungefähr so alt ist wie ...

Wie auch der erste Teil hat mir „Windstärke 17“ an sich gut gefallen – wobei ich „22 Bahnen" weitaus stärker fand.

Jetzt wird dir Geschichte aus Idas Perspektive erzählt, die nun ungefähr so alt ist wie Tilda im ersten Band. Nachdem Tilda damals weggezogen ist, war Ida die meiste Zeit mit ihrer alkoholkranken Mutter alleine. Nach deren Tod weiß sie jetzt nicht wirklich, wie ihr Leben weitergehen soll, und flüchtet erstmal nach Rügen, wo sie bei einem netten älteren Paar unterkommt.

Ich mochte die Erzählweise wieder, auch wurden Idas Schmerz und ihre Schuldgefühle gut vermittelt. Teilweise blieb mir der Inhalt aber zu sehr an der Oberfläche. Ich konnte Idas Gedanken zwar grundsätzlich verständlich, es war aber weniger Tiefe da, oft waren ihre sprunghaften Handlungen auch kaum nachvollziehbar.

Und die Geschichten der anderen Figuren waren mir leider auch zu flach bzw. zu wenig ausgearbeitet. Über Marianne und Knut erfährt man so gut wie nichts – wie kommen die beiden dazu, eine ihnen völlig fremde junge Frau einfach so bei sich aufzunehmen? Völlig kostenlos und auf unbestimmte Zeit? Ida spricht ja auch kaum mit ihnen, ist teilweise sogar regelrecht unfreundlich. Dass sie diese Trauer mit sich herumträgt, kommt ja erst mit der Zeit heraus.

Und was war mit Mandy und deren Kindern (also ihren Enkeln), wieso ist der Kontakt so schlecht? Über Leif erfahren wir auch so gut wie gar nichts. Was finden die beiden aneinander, außer dass sie sich anscheinend beide gerne mitten in der Nacht in Lebensgefahr begeben? Was ist mit seinen Eltern, warum muss er sich um den dementen Großvater kümmern? Der Wandel von „er ist nicht gut für mich“ zu „er ist genau der, den ich brauche“ ging mir auch zu schnell – generell finde ich es schade, dass auch hier der „Mann kommt und rettet die Frau in Nöten“-Plot zu präsent war.

Wie schon bei Tilda im ersten Band fand ich auch Idas Umgang mit Alkohol und Drogen fragwürdig und zu „sorglos“. Auch habe ich mich gefragt, wie die Wohnsituation so lange funktionieren konnte, ohne dass die Behörden irgendwann aufmerksam geworden sind. Als Tilda ausgezogen ist, war Ida erst 11 – und die Mutter schon schwer alkoholkrank. Hat Ida sich dann 10 Jahre lang permanent um sich selbst UND ihre kranke Mutter gekümmert? Zuvor war Tilda ja bspw. immer bei Elternabenden u. ä. Es muss doch irgendwann aufgefallen sein, dass sich eigentlich niemand mehr um Ida kümmert? Was, wenn sie mal krank war oder zu Ärzten musste? Wer hat die Termine ausgemacht? Ich glaube, es ist nicht realistisch, dass so eine Situation so lange unbemerkt bleibt und nicht irgendwann das Jugendamt einschreitet.

Und wer hat die ganze Zeit die Miete, Idas Markensachen (Macbook, Airpods etc.) gezahlt? Wahrscheinlich Tilda und Viktor, aber es waren mir zu viele Umstände, die man als gegeben hinnehmen musste, ohne dass sie erklärt wurden.

Ich konnte auch nicht ganz nachvollziehen, warum Ida nicht mit Tilda gegangen ist. Tilda war ja immer sehr pragmatisch, da hätte es doch eine andere Lösung geben müssen. Deren Leben wiederum verläuft auch zu perfekt. Dafür, dass sie in Band 1 so sehr mit sich gerungen hat, ob sie überhaupt wegziehen kann, scheint sie sich jetzt ein perfektes Kleinfamilienleben geschaffen zu haben (es sei ihr gegönnt, aber Tilda war mir in diesem Band viel zu glatt, zu perfekt, Professorin, Mutter, Frau, wo sind ihre Ecken und Kanten geblieben?)

Insgesamt hatte ich ein wenig den Eindruck, dass hier nach dem großen Erfolg des ersten Bands eine ähnliche Geschichte in anderem Setting zu schnell runtergeschrieben wurde. Emotionen, Gefühle und Tiefe haben mir gefehlt.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Sehr intensives Leseerlebnis, mit bedrückendem, aber extrem wichtigem Inhalt!

Da, wo ich dich sehen kann
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Die neunjährige Maja hat ihre Mutter verloren, Liv ihre beste Freundin und Majas Patentante, Brigitte und Per ihre Tochter. Hauptsächlich aus diesen vier Perspektiven erfahren wir, wie die Betroffenen ...

Die neunjährige Maja hat ihre Mutter verloren, Liv ihre beste Freundin und Majas Patentante, Brigitte und Per ihre Tochter. Hauptsächlich aus diesen vier Perspektiven erfahren wir, wie die Betroffenen mit Emmas Tod umgehen. Emma, deren eigener Ehemann sie umgebracht hat, die Opfer eines Femizids geworden ist.

Ich weiß gar nicht, wie ich meine Gefühle zu dem Buch in Worte fassen soll. So ein wichtiges Thema, so gut aus den unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Die traumatisierte Tochter, die sich selbst die Schuld gibt und zum Spielball zwischen den Zuständigkeiten der Ämter wird, die beste Freundin, die plötzlich ihre wichtigste Bezugsperson verloren hat und nun selbst zu einer Mutterfigur für deren Tochter wird.

Irgendwie versuchen alle, auf ihre Weise mit Emmas Tod umzugehen und rücken dabei immer näher zusammen. Nur bei Livs Hündin Chloe fühlt Maja sowas wie Sicherheit (ich will nichts spoilern, aber die Szenen mit Chloe waren heftig …).

Alle fragen sich, ob sie etwas merken, etwas hätten anders machen können? Farblich abgehoben in weißer Schrift auf schwarzem Grund stellen sie sich Situationen vor, die vielleicht etwas geändert hätten, wenn sie vielleicht anders reagiert oder mehr nachgefragt hätten. Oder hätte alles nicht geholfen und Emma wäre so oder so von ihrem Mann umgebracht worden? Vor allem die Darstellung von Majas Schuldgefühlen und ihrer Angst fand ich sehr realistisch beschrieben. Wie soll ein so junges Kind damit umgehen, dass der eigene Vater ihre Mutter getötet hat?

Daneben gibt es aber auch immer wieder Lichtblicke im Leben der Hinterbliebenen, so kann Liv Maja beispielsweise sehr für Astronomie begeistern, das einzige Thema, das sie aus ihrer Apathie holen kann.

Auch die Einblicke in die Beziehung von Emma und ihrem Mann Frank waren so gut beschrieben. Wie wird eine Beziehung „toxisch“, bis zu diesem schlimmen Ende? Auch aus Emmas Perspektive wird teilweise erzählt, wie sie isoliert wurde, die Machtdynamik in der Beziehung, das Gaslighting und Instrumentalisieren der Tochter – und warum sie nicht „einfach gegangen ist“.

Durch verschiedene Elemente im Buch wie Zeichnungen von Maja, Schreiben vom Gericht oder Zeitungsartikel wird eine weitere Ebene geschaffen. Vor allem die Berichterstattung zeigt erschreckend, wie mit Femiziden in der Öffentlichkeit umgegangen wird und wie schnell sie als „Familiendrama“ oder „Beziehungsstreit“ abgetan werden.

Die Thematik des Buchs ist heftig und ruft viele Emotionen hervor, aber es ist so ein wichtiges Thema, das viel stärker in die Öffentlichkeit rücken sollte! So viele Stellen haben mich wütend gemacht, einfach weil sie so wahr sind.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Ein Buch, das nachhallt

Bis zum Mond
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Schon das Cover hat mich sofort angesprochen – die sanften Farben, der Schreibtisch mit Blick auf die nächtliche Skyline und der Vollmond über der Stadt. Es passt perfekt zur Atmosphäre des Buches: ruhig, ...

Schon das Cover hat mich sofort angesprochen – die sanften Farben, der Schreibtisch mit Blick auf die nächtliche Skyline und der Vollmond über der Stadt. Es passt perfekt zur Atmosphäre des Buches: ruhig, nachdenklich und gleichzeitig voller Sehnsucht nach einem besseren Leben.
Ich bin sehr gut in die Geschichte reingekommen. Der Schreibstil ist angenehm flüssig, modern, irgendwie unaufgeregt und dabei trotzdem tiefgründig – man fliegt wirklich nur so durch die Seiten. Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin es schafft, Gesellschaftskritik und persönliche Geschichten so fein miteinander zu verweben, ohne dass es jemals belehrend wirkt.
Im Zentrum stehen Da-hae und ihre Freundinnen Ji-song und Eun-sang, die in einem streng hierarchischen koreanischen Unternehmen in unterschiedlichen Abteilungen arbeiten. Ihre alltäglichen Kämpfe, das starre Arbeitssystem und die unterschwellige Ungerechtigkeit sind so authentisch beschrieben, dass man beim Lesen oft schlucken muss. Eines Tages schlägt Eun-sang vor, doch in Kryptowährung zu finanzieren, um ihrem starren Leben zu entkommen, in dem es mit „normaler“ Arbeit kaum Möglichkeiten gibt, aufzusteigen (gerade für Frauen). Da-hae lässt sich schnell überzeugen, während Ji-song skeptisch bleibt.
Spannend fand ich vor allem den Blick auf die finanzielle Situation junger Frauen in Korea. Wie schwierig es ist, sich wirklich etwas Eigenes aufzubauen, und wie schnell Hoffnung, Ehrgeiz und Verzweiflung ineinander übergehen können. Die Geschichte greift das Thema „Geld und Freiheit“ auf eine kluge und nachvollziehbare Weise auf – ohne technische Details zu überfrachten, aber mit genug Tiefe, dass man mitfiebert, auch wenn man selbst nichts mit Krypto am Hut hat.
Was mir ebenfalls gut gefallen hat, ist die Dynamik zwischen den drei Freundinnen. Ihre Gespräche, kleinen Eifersüchteleien und gegenseitige Unterstützung wirken sehr echt. Man spürt, wie unterschiedlich sie mit Druck, Erfolg und Unsicherheit umgehen und genau das macht sie sehr authentisch und greifbar.
Richtig spannend ist das Buch eigentlich weniger im klassischen Sinn, eher unterschwellig. Es lebt von dieser stillen, aber ständigen Anspannung: der Frage, ob der Kurs crasht und der Traum vom Aufstieg am Ende platzt oder doch wahr wird. Ich mochte diese ruhige Erzählweise, auch wenn mir stellenweise ein klarer Höhepunkt oder eine Wendung gefehlt hat.
Am Ende bleibt für mich vor allem das Gefühl, ein sehr ehrliches, modernes Porträt einer Generation gelesen zu haben, die zwischen Leistungsdruck, digitaler Welt und dem Wunsch nach Selbstbestimmung feststeckt. Der Abschluss war vielleicht ein bisschen „kitschiger“, als ich erwartet hatte, aber irgendwie hat das abschließende philosophische auch gepasst.
Ein feinfühliger, kluger Roman über Freundschaft, Arbeit, Geld und die Suche nach Freiheit – leicht zu lesen, aber mit viel Substanz. Ich mochte die Figuren, den Ton und die Atmosphäre sehr.

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