Kommt nicht an Teil 1 heran
Windstärke 17Wie auch der erste Teil hat mir „Windstärke 17“ an sich gut gefallen – wobei ich „22 Bahnen" weitaus stärker fand.
Jetzt wird dir Geschichte aus Idas Perspektive erzählt, die nun ungefähr so alt ist wie ...
Wie auch der erste Teil hat mir „Windstärke 17“ an sich gut gefallen – wobei ich „22 Bahnen" weitaus stärker fand.
Jetzt wird dir Geschichte aus Idas Perspektive erzählt, die nun ungefähr so alt ist wie Tilda im ersten Band. Nachdem Tilda damals weggezogen ist, war Ida die meiste Zeit mit ihrer alkoholkranken Mutter alleine. Nach deren Tod weiß sie jetzt nicht wirklich, wie ihr Leben weitergehen soll, und flüchtet erstmal nach Rügen, wo sie bei einem netten älteren Paar unterkommt.
Ich mochte die Erzählweise wieder, auch wurden Idas Schmerz und ihre Schuldgefühle gut vermittelt. Teilweise blieb mir der Inhalt aber zu sehr an der Oberfläche. Ich konnte Idas Gedanken zwar grundsätzlich verständlich, es war aber weniger Tiefe da, oft waren ihre sprunghaften Handlungen auch kaum nachvollziehbar.
Und die Geschichten der anderen Figuren waren mir leider auch zu flach bzw. zu wenig ausgearbeitet. Über Marianne und Knut erfährt man so gut wie nichts – wie kommen die beiden dazu, eine ihnen völlig fremde junge Frau einfach so bei sich aufzunehmen? Völlig kostenlos und auf unbestimmte Zeit? Ida spricht ja auch kaum mit ihnen, ist teilweise sogar regelrecht unfreundlich. Dass sie diese Trauer mit sich herumträgt, kommt ja erst mit der Zeit heraus.
Und was war mit Mandy und deren Kindern (also ihren Enkeln), wieso ist der Kontakt so schlecht? Über Leif erfahren wir auch so gut wie gar nichts. Was finden die beiden aneinander, außer dass sie sich anscheinend beide gerne mitten in der Nacht in Lebensgefahr begeben? Was ist mit seinen Eltern, warum muss er sich um den dementen Großvater kümmern? Der Wandel von „er ist nicht gut für mich“ zu „er ist genau der, den ich brauche“ ging mir auch zu schnell – generell finde ich es schade, dass auch hier der „Mann kommt und rettet die Frau in Nöten“-Plot zu präsent war.
Wie schon bei Tilda im ersten Band fand ich auch Idas Umgang mit Alkohol und Drogen fragwürdig und zu „sorglos“. Auch habe ich mich gefragt, wie die Wohnsituation so lange funktionieren konnte, ohne dass die Behörden irgendwann aufmerksam geworden sind. Als Tilda ausgezogen ist, war Ida erst 11 – und die Mutter schon schwer alkoholkrank. Hat Ida sich dann 10 Jahre lang permanent um sich selbst UND ihre kranke Mutter gekümmert? Zuvor war Tilda ja bspw. immer bei Elternabenden u. ä. Es muss doch irgendwann aufgefallen sein, dass sich eigentlich niemand mehr um Ida kümmert? Was, wenn sie mal krank war oder zu Ärzten musste? Wer hat die Termine ausgemacht? Ich glaube, es ist nicht realistisch, dass so eine Situation so lange unbemerkt bleibt und nicht irgendwann das Jugendamt einschreitet.
Und wer hat die ganze Zeit die Miete, Idas Markensachen (Macbook, Airpods etc.) gezahlt? Wahrscheinlich Tilda und Viktor, aber es waren mir zu viele Umstände, die man als gegeben hinnehmen musste, ohne dass sie erklärt wurden.
Ich konnte auch nicht ganz nachvollziehen, warum Ida nicht mit Tilda gegangen ist. Tilda war ja immer sehr pragmatisch, da hätte es doch eine andere Lösung geben müssen. Deren Leben wiederum verläuft auch zu perfekt. Dafür, dass sie in Band 1 so sehr mit sich gerungen hat, ob sie überhaupt wegziehen kann, scheint sie sich jetzt ein perfektes Kleinfamilienleben geschaffen zu haben (es sei ihr gegönnt, aber Tilda war mir in diesem Band viel zu glatt, zu perfekt, Professorin, Mutter, Frau, wo sind ihre Ecken und Kanten geblieben?)
Insgesamt hatte ich ein wenig den Eindruck, dass hier nach dem großen Erfolg des ersten Bands eine ähnliche Geschichte in anderem Setting zu schnell runtergeschrieben wurde. Emotionen, Gefühle und Tiefe haben mir gefehlt.