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Veröffentlicht am 27.07.2025

Berührende Familiengeschichte

Sylter Welle
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"Sylter Welle" von Max Richard Leßmann ist eine berührende Erzählung über den Abschied von der Kindheit und den geliebten Großeltern. Der Autor verwebt geschickt humorvolle Anekdoten mit bewegenden Momenten, ...

"Sylter Welle" von Max Richard Leßmann ist eine berührende Erzählung über den Abschied von der Kindheit und den geliebten Großeltern. Der Autor verwebt geschickt humorvolle Anekdoten mit bewegenden Momenten, was eine authentische Familiengeschichte entstehen lässt. Vor allem die Beziehung zwischen Max und seinen Großeltern steht im Mittelpunkt. Der Schreibstil ist flüssig, wenn auch manchmal etwas ausschweifend. Trotzdem gelingt es Leßmann, die Leser:innen in seine Nostalgie zu entführen.

Die Leser:innen werden auf eine emotionale Reise mitgenommen, die geprägt ist von Nostalgie, Humor und tiefer Verbundenheit. Der Autor beschreibt einfühlsam die letzten Tage seines Großelternbesuchs auf der Insel Sylt, eine Art Abschied von einer vergangenen Zeit. Dabei wird deutlich, wie eng die Beziehung zwischen Max und seinen Großeltern ist, trotz der großen Altersunterschiede. Leßmann verwebt humorvolle Anekdoten mit bewegenden Momenten, wodurch eine authentische Familiengeschichte entsteht.

Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie der Autor ernstere Themen, wie Max' Depression, in die Erzählung integriert. Dadurch erhält die Geschichte eine zusätzliche Tiefe und Authentizität. Auch die unterschiedlichen Charaktere der Familienmitglieder werden lebendig und vielschichtig dargestellt. Manchmal mögen Handlungen der Großeltern befremdlich erscheinen, doch letztendlich zeichnet Leßmann ein realistisches Bild von den Kommunikationsproblemen zwischen verschiedenen Generationen.

Insgesamt bietet "Sylter Welle" eine solide Lektüre, die nicht nur gut unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt über die Bedeutung von Familie und den Wandel der Zeit. Es ist eine Geschichte, die mit Herz und Authentizität erzählt wird und somit einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Ein fesselndes Debüt voller Tiefgang

Die kleinen Lügen der Ivy Lin
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Susie Yangs Debütroman "Die kleinen Lügen der Ivy Lin" entführt die Leserinnen und Leser in die faszinierende Welt der Protagonistin Ivy Lin, die im New York der 1980er Jahre nach ihrem Platz in der Gesellschaft ...

Susie Yangs Debütroman "Die kleinen Lügen der Ivy Lin" entführt die Leserinnen und Leser in die faszinierende Welt der Protagonistin Ivy Lin, die im New York der 1980er Jahre nach ihrem Platz in der Gesellschaft sucht. Das Buch zeichnet sich durch eine mitreißende Handlung, tiefgründige Charaktere und eine subtile Exploration des Themas Lügen aus.

Die Geschichte beginnt mit Ivy Lins Kindheit und erstreckt sich bis in ihre späten 20er. Ivy, eine Einwanderin aus China, versucht verzweifelt, in der amerikanischen Gesellschaft Fuß zu fassen. Dabei entfaltet sich eine Geschichte voller kleiner Lügen, die nicht nur dazu dienen, ihre wahre Identität zu verbergen, sondern auch ihre Sehnsucht nach Wohlstand und Anerkennung zu erfüllen.

Die Autorin behandelt das Thema Lügen auf geschickte und nuancierte Weise. Ivy's ständiges Spiel mit der Wahrheit regt die Leserinnen und Leser dazu an, über die verschiedenen Arten von Lügen nachzudenken und wirft wichtige Fragen über Anpassung und Behauptung in der Gesellschaft auf.

Die Charakterentwicklung ist ein weiteres Highlight des Buches. Ivy Lin ist eine ambivalente und facettenreiche Figur, deren innere Konflikte und moralische Dilemmata die Leserinnen und Leser mitreißen. Die Nebencharaktere tragen zur Komplexität der Geschichte bei, insbesondere Gideon, Ivys Freund und Mentor.

Susie Yangs eleganter und einfühlsamer Schreibstil fängt die Atmosphäre des New Yorks der 1980er Jahre meisterhaft ein und hält die Spannung und das Tempo konstant aufrecht. Das Buch regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern führt auch vor Augen, wie Lügen als Schutzmechanismus dienen und unser Leben formen.

Insgesamt ist "Die kleinen Lügen der Ivy Lin" ein beeindruckendes Debüt, das nicht nur fesselt, sondern auch zum Nachdenken anregt. Susie Yang hat eine Geschichte geschaffen, die den Leserinnen und Lesern eine eindringliche Reflexion über die Bedeutung von Lügen und deren Auswirkungen bietet. Ein beeindruckendes und fesselndes Debüt, das die Leserinnen und Leser in seinen Bann zieht.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Fute Idee aber recht klischeehaft

Spirit Dolls
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Die düstere Atmosphäre von 'Spirit Dolls' hat mich sofort interessiert, angefangen beim faszinierenden Cover bis hin zum vielversprechenden Klappentext. Der Schreibstil ist leicht und dennoch fesselnd, ...

Die düstere Atmosphäre von 'Spirit Dolls' hat mich sofort interessiert, angefangen beim faszinierenden Cover bis hin zum vielversprechenden Klappentext. Der Schreibstil ist leicht und dennoch fesselnd, und die Handlung bewegt sich geschickt zwischen Spannung und langsamen Momenten. Ein Hauch von Mysterium, eine Prise Krimi, ein Schuss Romantik.

Der teilweise fast poetische Schreibstil hat mich überrascht, und der Einstieg in die Geschichte war vielversprechend. Die Geschichte rund um das Geheimnis am Aconite Institute war interessant, aber ausbaufähig. Es fehlten mir manchmal Erklärungen zur Welt, und die Handlung wirkte an einigen Stellen zu gehetzt. Insgesamt ein ausbaufähiger Auftakt, der leider viele gängige YA-Klischees bediente. Leider verlor das Buch außerdem im letzten Drittel an Fahrt.

Die Antworten auf die im Prolog aufgeworfenen Fragen kommen für meinen Geschmack zu spät und ohne die erwartete Spannung. Obwohl es Rückblicke gibt, bleiben zu viele Fragen bis zum Schluss offen und sorgen für Verwirrung.

Die Wandlung der Protagonistin Runa von einer starken jungen Frau zu einem naiven, weinerlichen Mädchen habe ich nicht verstanden. Die Liebesgeschichte entwickelte sich von süß zu irgendwie unangenehm („cringe“ würde man heute wohl sagen) und war für einen YA-Roman zu „kindlich“, was man auch an den Dialogen gemerkt hat.

Runa blieb insgesamt eher emotionslos, die anderen Charaktere sind blass, und das eigentlich interessante Thema der Schattenspringer wird wenig beleuchtet. Es fehlt an Spannung und einem überzeugenden Finale, sodass ich das zweite Buch eher nicht lesen werde.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Spannender Krimi im verschneiten Schweden

Im Herzen so kalt (Ein Fall für Maya Topelius 1)
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Sandra Åslunds Krimi „Im Herzen so kalt“ entführt die Leser:innen in eine verschneite schwedische Winterlandschaft, die perfekt zur aktuellen Jahreszeit passt. Von Beginn an fesselnd, erzählt das Buch ...

Sandra Åslunds Krimi „Im Herzen so kalt“ entführt die Leser:innen in eine verschneite schwedische Winterlandschaft, die perfekt zur aktuellen Jahreszeit passt. Von Beginn an fesselnd, erzählt das Buch aus verschiedenen Perspektiven, hauptsächlich jedoch aus der von Ermittlerin Maya, und besticht durch einen flüssigen und packenden Schreibstil.

Die Geschichte beginnt mit dem Fund eines Toten durch die neunjährige Frida im verschneiten Wald von Östersund. Parallel sitzt Maya in Stockholm mit zwei Freundinnen zusammen, von denen Sanna sich ungewöhnlich ruhig und abwesend verhält – die Gründe werden später in der Geschichte noch wichtig. Maya und ihr Kollege Pär werden aus der Hauptstadt Stockholm in die Provinz berufen, um die dortigen Polizisten bei der Aufklärung des Falls zu unterstützen - so wie es scheint, ist der Mann, den Frida gefunden hat, ermordet worden. Während die örtlichen Polizisten den Vorfall zuerst als Jagdunfall abtun wollen, und gar nicht begeistert über die Unterstützung der Hauptstädter sind, weisen doch einige Details auf einen Mord hin. Die Ereignisse verweben sich geschickt mit persönlichen Verflechtungen und Geheimnissen der Charaktere, was die Handlung rätselhaft und fesselnd macht.

Die Dynamik zwischen den Hauptcharakteren ist stark und facettenreich. Maya und ihre Kollegen stoßen auf Intrigen, persönliche Konflikte und ungelöste Rätsel, die die Leser:innen dazu anregen, mitzurätseln. Die Autorin gelingt es, die Charaktere lebendig und greifbar zu machen, wodurch sich eine enge Bindung zwischen Leser:innen und Protagonist:innen entwickelt. Vor allem Fridas Mitter Annika und die Frau des Ermordeten scheinen etwas zu verbergen zu haben - sind sie in den Mord verwickelt?

Während die Handlung voranschreitet, taucht ein weiterer Toter auf. Die Umstände haben scheinbar nicht direkt etwas mit dem ersten Todesfall zu tun, dennoch scheint es eine Verbindung zu geben. Es wird immer rätselhafter, da viele Personen ein Motiv für den Mord gehabt haben.

Vor allem Maya, Pär und natürlich Frida sind sehr sympathische Charaktere, mit denen man sofort sympathisiert. Durch ihre manchmal unüberlegte Art bringt Maya sich nur etwas zu oft in brenzlige Situationen - das kann schnell mal schief gehen, bringt aber natürlich auch Spannung in die Geschichte.

Die Autorin schafft es, verschiedene Themen sensibel und natürlich in die Geschichte einzuflechten. Sie behandelt nicht nur die Ermittlungen und die Spannung des Falls, sondern thematisiert auch wichtige gesellschaftliche Aspekte wie sexualisierte Gewalt, Umweltthemen und den Umgang mit persönlichen Traumata. Dies verleiht dem Buch Tiefe und regt zum Nachdenken an.

Die Auflösung erfolgt in einem packenden und rasanten Finale, das überrascht und die offenen Enden der Handlung zu einem schlüssigen Abschluss führt. Der Schreibstil bleibt mitreißend und fesselt bis zur letzten Seite.

Alles in allem hat mir der Krimi sehr gut gefallen. Der Schreibstil war super angenehm (es war mein erstes Buch der Autorin) und die Geschichte durchgehend spannend, so dass man bis zuletzt zwar Vermutungen hatte, aber die Auflösung trotzdem eine Überraschung war. Die Szenerie auch toll beschrieben und passend zum aktuellen Wetter (Minus 21 Grad brauche ich zwar nicht, aber Schnee wäre toll!). Und dass die Schweden sich generell duzen fand ich sehr erfrischend zu lesen. Zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, habe mich aber sehr schnell daran gewöhnt.

Der spannende Krimi besticht nicht nur durch seinen fesselnden Plot und die interessanten Charaktere, sondern auch durch die geschickte Integration gesellschaftlicher Themen. Für Liebhaber packender Kriminalgeschichten in atmosphärischen Settings ist dieses Buch definitiv empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Die Suche nach dem perfekten Vater

Ein guter Plan ist die halbe Liebe
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Lydia Schmölzls Roman "Ein guter Plan ist die halbe Liebe" nimmt die Leser:innen mit auf eine ungewöhnliche Reise durch die Gedankenwelt der Protagonistin Roxy. Die Geschichte dreht sich um die eigenständige ...

Lydia Schmölzls Roman "Ein guter Plan ist die halbe Liebe" nimmt die Leser:innen mit auf eine ungewöhnliche Reise durch die Gedankenwelt der Protagonistin Roxy. Die Geschichte dreht sich um die eigenständige 35-jährige Frau, die sich mit der Tatsache konfrontiert sieht, dass ihre "biologische Uhr" tickt und sie sich entscheiden muss, ob sie noch Kinder haben möchte.

Roxy, eine erfolgreiche Personalchefin, präsentiert sich als kalkuliert und berechnend in ihrem Vorhaben, einen Vater für ihr Kind zu finden, ohne dabei eine traditionelle Beziehung eingehen zu wollen. Die Idee, potenzielle Väter einem Test zu unterziehen, mag auf den ersten Blick witzig erscheinen, jedoch kam mir diese Herangehensweise sehr fragwürdig vor.

Der Roman ist in Roxys Ich-Perspektive verfasst und flüssig geschrieben, mit einem Hauch von Humor und Wortwitz. Trotzdem gerät die Geschichte mMn an einigen Stellen ins Stocken und lässt die Leser:innen mit dem Eindruck zurück, dass etwas Wesentliches fehlt.

Die Figuren des Romans sind weitgehend gut ausgearbeitet, aber die Hauptfigur Roxy wirkt zeitweise zu selbstbezogen und berechnend, was es mir schwer machte, eine emotionale Bindung zu ihr aufzubauen. Ihr Verhalten gegenüber den potenziellen Vätern und ihr Fokus auf Kontrolle und Rationalität machen sie auch nicht gerade sympathisch.

Trotz der originellen Grundidee und des flüssigen Schreibstils fand ich die Umsetzung steigerungsfähig - ich hatte mehr erwartet. Mir fehlten oft mehr Tiefe und Emotionen sowie eine stärkere Entwicklung der Hauptfigur.

Insgesamt bleibt "Ein guter Plan ist die halbe Liebe" ein Buch, das mit einer interessanten Ausgangssituation beginnt, aber leider keine Begeisterung bei mir auslösen konnte. Eine nette Unterhaltung für zwischendurch.

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