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Veröffentlicht am 27.07.2025

Spannender KI-Escape-Room-Thriller

Die Burg
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Da ich ausnahmslos alle Bücher von Ursula Poznanski gelesen habe und es meiner Meinung nach ein paar noch viel bessere gibt, kann ich "Die Burg" daher "nur" 4 Sterne geben. Dennoch ein super Thriller, ...

Da ich ausnahmslos alle Bücher von Ursula Poznanski gelesen habe und es meiner Meinung nach ein paar noch viel bessere gibt, kann ich "Die Burg" daher "nur" 4 Sterne geben. Dennoch ein super Thriller, der mich mal wieder sehr gut unterhalten hat!

Trotz einiger Längen am Ende (so ab S. 300) habe ich durchgehend mitgebangt, mich aufgeregt und permanent ein beklemmendes Gefühl gehabt bei der Vorstellung, einer KI so komplett ausgeliefert zu sein. Wie real es sich für die Protagonist:innen angefühlt hat, mag ich mir gar nicht vorstellen. Das Buch hat mich sehr zum Nachdenken gebracht, das ist auf jeden Fall immer ein gutes Zeichen.

Ich nutze KI teilweise selbst bei der Arbeit und weiß die Vorteile daher durchaus zu schätzen. Und zunächst klingt auch die Idee, auf welcher das Buch basiert - eine unterirdische "Escape Room"-Experience unter einer echten Burg, deren jahrhundertealte Höhlen und Gänge mit modernster Technik, LED-Bildschirmen, Mikrofonen, Lautsprechern, sogar Wasserdüsen und der Möglichkeit, verschiedene Gerüche zu erzeugen, ausgestattet ist - sehr spannend.

Der Besitzer der Burg, Nevio, möchte die hochmoderne Escape-Welt vor der Eröffnung nochmal auf Herz und Nieren testen lassen. Für ihn ist das ein riesiges Spaß-Projekt und er bietet allen Teilnehmer:innen dafür eine hohe Summe. Die Protagonist:innen sind gezielt ausgewählt, durch die ganz verschiedenen Charaktere wirkt die Truppe trotzdem bunt zusammengewürfelt: eine Influencerin, ein C-Promi, eine Rätsel-Gewinnspiel-Gewinnerin, ein Mediävistik-Professor und unsere Hauptfigur Maxim, der selbst einige "normale" Escape-Rooms besitzt.

Keine Escape-Erfahrung ist hier wie die andere, da die KI die unterirdischen Räume immer genau auf die Wünsche der Teilnehmer:innen zuschneidet und es somit ein endloses Potenzial für immer neue Rätselwelten gibt. Nachdem die Gruppe der KI ihre Wünsche mitgeteilt hat, startet die Tour, und zunächst kommen sie auch gut voran und können gemeinsam alle Rätsel lösen. Als sie aber ihre geplante Tour durchgespielt haben und auch die vorher festgelegte Zeit abgelaufen ist, öffnet die KI jedoch nicht wie gewohnt die Türen und die Gruppe sitzt fest. Auch das vorher festgelegte Safe Word, durch das das Spiel sofort abbrechen sollte, ist angeblich falsch Laut der KI haben sie noch nicht die erforderlichen letzten Rätsel gelöst und so beginnt eine Odyssee durch das Rätsel-Labyrinth.

Auch die "Game Master", Angestellte, welche die Geschehnisse unter der Burg jederzeit über Monitore im Auge behalten und ggf. eingreifen können, können ihnen nicht helfen, weil die KI sich völlig verselbstständigt und alle Verbingungen kappt. Auf sich allein gestellt versucht die Gruppe, zu entkommen, aber die KI scheint einen anderen Plan zu haben und schreckt auch nicht davor zurück, die Gruppe in Lebensgefahr zu bringen.

Die Thematik ist hochaktuell und wir können uns momentan wahrscheinlich noch nicht mal annähernd vorstellen, was in Zukunft durch den Einsatz von KI möglich sein wird. Ich fand die Story am Ende sehr gut aufgelöst, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ohne zu spoilern, aber man muss wirklich aufpassen, womit man eine KI "füttert", denn was sie daraus macht, kann man vielleicht irgendwann nicht mehr beeinflussen ...

Ich fand es sehr spannend zu verfolgen, was die KI sich immer wieder für die Protagonist:innen ausdenkt. Ich hatte zwischendurch verschiedene Vermutungen, was hinter dem Ganzen stecken könnte, aber das Ende habe ich dann nicht so erwartet.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Langweiliger Abschluss der Reihe

A Place to Shine
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Dieser Band vierte und letzte Band konnte mich irgendwie gar nicht abholen. Leider fand ich, dass diese Reihe von Buch zu Buch schlechter wurde. Die Story wirkte ein wenig wie lieblos hingeklatscht und ...

Dieser Band vierte und letzte Band konnte mich irgendwie gar nicht abholen. Leider fand ich, dass diese Reihe von Buch zu Buch schlechter wurde. Die Story wirkte ein wenig wie lieblos hingeklatscht und oft zu konstruiert, wie um die Serie endlich abschließen zu können.



Enthält Spoiler!





In Band 1 wirkte Poppy noch positiv und aufgeschlossen. Aber nach und nach fand ich sie immer unerträglicher, störrisch und egoistisch. Erst verlangt sie in Band 3 von Maggie und Flynn, dass die beiden sich voneinander fernhalten, weil sie denkt, Gefühle für Flynn zu haben. Am Ende tut sie dann ganz selbstlos, dass sie den beiden "erlaubt", zusammen zu sein.

In diesem Band ist sie (meiner Meinung nach) viel zu übertrieben sauer auf Trace und macht ständig Drama, wo gar keins ist. Die beiden haben vor fünf Jahren EINMAL auf einem Parkplatz geknutscht und offenbar waren auch Gefühle zwischen ihnen. Darüber hat Trace einen Song geschrieben, der ihm zum Durchbruch verholfen hat. Ja, er hätte sich bei ihr melden können - aber dass ein:e Sänger:in in den Songs romantische Gefühle verarbeitet, ist ja relativ weit verbreitet (sonst hätte Tailor Swift wohl keine Karriere). Dass sie ihm das nach FÜNF Jahren immer noch vorhält ist wirklich kindisch undihr gesamtes Verhalten sehr theatralisch.

Es gibt natürlich einige Twists und Missverständnisse, das gehört zu einem guten Romance-Buch dazu. Allerdings waren Poppys Gefühlsschwankungen nicht wirklich nachvollziehbar. Eigentlich hasst sie ihn, findet ihn aber hot - viel mehr erfahren wir über Trace auch nicht - und das scheint zu reichen. Außer, dass er ein mittelmäßiger Countrysänger ist, erfahren wir nicht viel über ihn.

Alles in allem haben für mich viele Sachen nicht zusammengepasst. Zum einen die angebliche Erkrankung der Mutter, die sich aber wundersamer Weise nie zeigt, sodass die Mutter den ganzen Tag die gesamte Farm bekochen kann. Dann hat Flynn angeblich so viel mit dem Studium zu tun, aber mal eben kurz zig Baumhäuser gebaut (wie man sich die vorstellen soll habe ich auch nach 4 Bänden nicht verstanden. Was sind das für Bäume, die gesamte Häuser mit Badezimmern, Toilette und Dusche halten, die an die Kanalisation sowie Elektrik angeschlossen sind?!). Außerdem unterschreibt Poppy eine Geheimhaltungserklärung erzählt aber trotzdem ungefähr jedem von dem Deal? (Außer wenigen Freunden, die sie offenbar so gut wie nie sieht).



Der Konflikt war dann völlig aus der Luft gegriffen und hat nur existiert, weil Poppy mal wieder total kindisch überreagiert hat. Ich persönlich konnte nicht nachvollziehen, warum sie sich so sehr an den Songs stört - hier hat einfach eine stimmige Erklärung gefehlt. Ihr Name wurde nirgendwo genannt. Ich fand es im Gegenteil gemein und unfair, dass sie Trace den Erfolgt nicht gönnen kann. Und darum konnte ich auch bis zuletzt nicht verstehen, was Trace an ihr findet, dass er angeblich seit fünf Jahren unsterblich in sie verliebt ist. Vor allem die Szenen, in denen sie ihm beim Aufschreiben der Songs hilft (weil sein Arm gebrochen ist) haben mich echt sauer gemacht, weil sie sich einfach über alle Sätze lustig macht. Dass sie Country eigentlich scheiße findet, ist ja aus den vorherigen Bänden auch zur Genüge bekannt.


Ich hätte es spannender gefunden, wenn sie und der Fitnesstrainer zusammengekommen wären - zwischen den beiden hat man wenigstens einen Funken gespürt und es wäre überraschend gewesen! So zog sich die Story dahin, der Ausgang war klar, aber der Weg dorthin leider etwas fad.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Skurrile Reise durch die DDR-Geschichte

Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge
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"Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge" entführt die Leser:innen auf eine skurrile Reise durch das Leben eines älteren Herren, der sich aufmacht, ein lang gehütetes Geheimnis zu lüften. Das Ehepaar ...

"Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge" entführt die Leser:innen auf eine skurrile Reise durch das Leben eines älteren Herren, der sich aufmacht, ein lang gehütetes Geheimnis zu lüften. Das Ehepaar Tsokos präsentiert dabei einen flüssigen und gut lesbaren Schreibstil.

Die Geschichte dreht sich um Heinz Labensky, einen Mann, der sein Leben im Seniorenheim "dahinvegetiert". Er war nie ganz der hellste und hat sein Leben lang den Osten nie verlassen. Ein unerwarteter Brief von der Tochter seiner Jugendliebe Rita bringt plötzlich Bewegung in sein monoton gewordenes Dasein. Heinz entschließt sich spontan zu einer Reise nach Warnemünde, um endlich Antworten auf Fragen zu bekommen, die sein Leben seit Jahrzehnten begleiten. Während seiner Fahrt im Flixbus teilt Heinz seine Geschichten und Erinnerungen, wobei die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.



Hervorheben muss ich wirklich den humorvollen und lebendigen Schreibstil der Tsokos, der durch Heinz' liebenswerte Art geprägt ist. Die Dialoge während der Busfahrt werden humorvoll und mit Esprit beschrieben, wodurch die Geschichte mit ihren skurrilen Elementen unterhaltsam bleibt. Die Reise durch die DDR-Geschichte bietet interessante Einblicke in die Vergangenheit, wobei die Perspektive von Heinz Labensky, vor allem wegen seiner "Lernschwäche" und oft eigenen Interpretation der Dinge, eine einzigartige Sichtweise darstellt.

Allerdings habe ich das Buch nicht ganz lesen können, weil es mir ab der Mitte zu langatmig und verworren war. Vielleicht kenne ich mich zu wenig mit typischen DDR-Dingen und -Ereignissen aus, vielleicht war Heinz' Schwadronieren doch zu viel. Ich konnte der Story gar nicht mehr folgen, habe ständig den Faden verloren und wusste irgendwann nicht mehr, worum es überhaupt geht.

Ich konnte mich mit keiner Figur identifizieren und fand Heinz' Naivität auch oft anstrengend.

Die skurrile Erzählweise und der ungewöhnliche Protagonist können aber ein sehr unterhaltsames Leseerlebnis bieten, wenn man sich für DDR-Historie und Kuriositäten interessiert.

Wegen des schönen Schreibstils gebe ich trotz "schwieriger" Story drei Sterne.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Spannung und Tiefe fehlen

Schneesturm
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Das Setting der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, eine verschneite, von der Außenwelt abgeschnittene Insel verspricht erstmal eine gute Kulisse für einen Thriller. Mit dem Schreibstil konnte ich mich ...

Das Setting der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, eine verschneite, von der Außenwelt abgeschnittene Insel verspricht erstmal eine gute Kulisse für einen Thriller. Mit dem Schreibstil konnte ich mich bis zum Ende aber leider nicht so anfreunden, dies kann aber natürlich auch an der Übersetzung liegen. Ich bin öfter über Formulierungen gestolpert, die irgendwie unpassend schienen (und einige Rechtschreib- und Grammatikfehler gab es leider auch). Ansonsten ließ sich das Buch aber recht leicht lesen.

Zur Story: Die 6 Haupt-Protagonist:innen kennen sich seit ihrer Kindheit, die Hälfte von ihnen (Cara, Daithi und Maura) lebt auf der Insel Inishmore. Cara seit 10 Jahren, sie ist nun die Insel-Polizistin, die anderen seit ihrer Kindheit, sie war aber als Kind jeden Sommer dort. Nachdem Cillian - Caras Mann und Vater ihrer zwei Kinder - vor 10 jahren bei einem Schiffsunfall tödlich verunglückt ist und die anderen 3 weggezogen sind, treffen sich nun alle in Cillians und Seamus (sein Bruder) Elternhaus wieder, um den 10. Todestag des ersteren zu begehen. Kurz nach ihrer Ankunft wird eine Leiche gefunden und es wird nach und nach deutlich, dass jede:r aus der Gruppe etwas zu verbergen hat ...

Die Figuren blieben mir leider allesamt während des ganzen Buches unsympathisch, sodass ich mit niemandem wirklich mitfühlen/mitfiebern konnte. Leider verrät das Cover schon, dass eine:r aus der Freundesgruppe der/die Mörder:in ist - das fand ich etwas schade, weil es Spannung rausnimmt.

Da aufgrund des Sturms niemand von der Insel kann, muss sich der/die Täter:in noch dort befinden und es startet quasi ein Wettlauf gegen die Zeit. Cara - als Polizistin - beginnt, zu "ermitteln". Und damit beginnen meine Probleme mit dem Buch: Cara läuft die ganze Zeit mehr oder weniger kopflos herum, befragt hier und da Nachbarn, wird Zeugin mehrerer Einbrüche, sichert aber keine Spuren, die Leiche wird nicht näher untersucht, sie lässt Freund:innen an Tatorte, erzählt vertrauliche Details weiter etc. ... alles Dinge, die selbst jede:r Hobbypolizist:in nicht tun würde. Die Handlung plätschert so voran, es passiert nichts wirklich Spannendes, sodass die Bezeichnung "Thriller" meiner Meinung nach unpassend ist.

Hinten im Buch ist eine Karte abgebildet, leider fehlt dort der wichtigste Ort - das Haus, in dem die Freunde sich die meiste Zeit befinden - sodass es schwer ist, die Wege wirklich nachvollziehen zu können. Dazu gibt es noch zahlreiche andere Ungereimtheiten (die ich aufgrund von Spoilern jetzt hier nicht näher ausführen möchte, kann man in der Leserunde nachlesen).

Gestört hat mich auch, dass einige Nebencharaktere (bspw. Caras Kinder, Patrick, die Filmcrew, der Rave?!) ausschließlich dazu da waren, abzulenken, und am Ende einfach gar nicht mehr vorkamen.

Die Auflösung kam mir dann auch zu konstruiert daher. Grundsätzlich mag ich es nicht so, wenn am Ende eines Buches retrospektiv von einem:r Protagonist:in erzählt wird, wie sich alles zugetragen haben muss und was er/sie alles herausgefunden hat. Das nimmt mir irgendwie den Spaß, weil es als Leser:in gar keine Chance gab, auf die meisten dieser Dinge auch zu kommen. Zudem gab es einen mMn sehr großen Logikfehler, auf dem die gesamte Auflösung aufgebaut wurde, was alles noch unrealistischer macht.


Die Geschichte hat Potenzial, das jedoch nicht vollständig ausgeschöpft wird. Es gibt interessante Ansätze, aber die Umsetzung und die Charakterentwicklung lassen zu wünschen übrig. Ein solider Thriller, der jedoch nicht die erwartete Spannung und Tiefe bietet.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Guter Thriller mit aktuellem Thema

Die Influencerin
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Das Buch hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist gut, sehr flüssig lesbar und ich bin schnell in die Geschichte reingekommen. Auch die Thematik des Thrillers hat mich sofort ...

Das Buch hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist gut, sehr flüssig lesbar und ich bin schnell in die Geschichte reingekommen. Auch die Thematik des Thrillers hat mich sofort interessiert, da das „Influencer“-Dasein und die damit verbundenen Vor- aber auch Nachteile ein sehr aktuelles Thema in unserer heutigen Gesellschaft ist.

Etwa genervt hat mich, dass die ersten 50 Seiten des Buches nur drumherum geredet wurde, warum Sarah ihr Instagram-Profil deaktiviert hat, obwohl der Grund dafür schon im Klappentext genannt wird. Und ich frage mich, ob es wirklich so viele Menschen gibt, die ihre Vorhänge/Rolladen nicht zuziehen, wenn es dunkel wird? Aber dieses Element braucht es ja für einen Stalking-Plot, also sei es Sarah verziehen.

So eine richtige Sympathieträgerin ist Sarah nicht … sie hat sich mit ihrem Fitnessaccount 700.000 Follower aufgebaut, und verdient durch Kooperationen, die ihr Mann – gleichzeitig ihr Manager – vereinbart, gutes Geld. Anscheinend wurde sie von ihm sehr in diese Richtung gedrängt und ihr gesamtes Leben war eigentlich eine reine Inszenierung und hatte nichts mehr mit der wahren Sarah zu tun. Trotzdem war es über Jahre ihr Lebensinhalt, alles wurde zu Content. Und sie hat es ja auch irgendwie freiwillig gemacht und davon profitiert.

Nachdem sich eine junge Followerin umgebracht hat, weil Sarah nicht auf deren hilfesuchenden Nachrichten und Kommentare reagiert hat, bricht ein Shitstorm über sie herein. Sie deaktiviert ihr Profil und kurz darauf mehren sich besorgniserregende Vorfälle. Sie bekommt Pakete mit Scherben oder ätzenden Stoffen zugeschickt und jemand erstellt ein Fake-Profil von ihr, auf dem er oder sie private und heimlich aufgenommene Fotos teilt. Sarah fühlt sich zu recht verfolgt, es nimmt sie aber niemand so richtig ernst. Ihr Mann (sowieso ein Unsympath) redet ihre Ängste die ganze Zeit klein, und auch die Polizei unternimmt nichts, denn es ist ja niemand ernsthaft verletzt worden. Nur ihre Adoptivschwester Caro unterstützt sie, so wirklich etwas bewirken kann sie aber auch nicht.

Sarah versucht verzweifelt, herauszufinden, wer hinter dem Profil steckt, die Pakete schickt und um das Haus schleicht. Es wird immer schlimmer, ihre Tochter bekommt wegen ihr Probleme in der Schule, der Familienhund wird entführt und ihrer dementen Mutter geht es immer schlechter.

Die kursiven Einschübe der Gedanken des/der Täter:in bringen eine zusätzliche spannende Komponente ein und es kam an keiner Stelle Langeweile auf, während man miträtselt, wer hinter alldem stecken könnte. Auf den letzten 50 Seiten ging es dann nochmal so richtig zur Sache – hier fand ich es teilweise fast zu viel, da die Geschehnisse sich buchstäblich überschlagen haben und man als Leser:in echt aufpassen muss, welche Verdächtigung jetzt die richtige ist, wer wann was gemacht, gepostet, geplant hat.

Die Enthüllungen über die Vergangenheit von Sarahs Adoptiveltern und ihre Schwester Caro waren krass, dies wurde meiner Meinung nach aber etwas zu schnell abgehandelt. Trotzdem war das Ende schlüssig (die Intention der Protagonist:innen muss man selbst ja nicht unbedingt nachvollziehen können).

Das Buch hat einige interessante Fragestellungen rund um Social Media aufgeworfen, vor allem die Frage, inwieweit Influencer:innen Verantwortung für ihre (teils sehr jungen) Follower:innen übernehmen können. Bei einem Account mit 700.000 Followern ist es wohl nicht menschenmöglich, alle Nachrichten überhaupt zu lesen, geschweige denn, zu beantworten – was im Einzelfall, wie hier im Buch, dramatisch enden kann. So lange sich mit Kooperationen aber so gutes Geld verdienen lässt, wird es wohl auch Influencer:innen geben, die ihre Seele verkaufen und denen die Schicksale ihrer Follower egal sind.

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