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Veröffentlicht am 30.07.2024

Schwimm dich frei

Windstärke 17
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Ida verliert nach dem Tod ihrer Mutter den Boden unter den Füßen. Statt zu ihrer Schwester Tilda und deren Freund Viktor zu fahren, bleibt sie im Zug sitzen, bis zur Endstation. Sie landet in Stralsund, ...

Ida verliert nach dem Tod ihrer Mutter den Boden unter den Füßen. Statt zu ihrer Schwester Tilda und deren Freund Viktor zu fahren, bleibt sie im Zug sitzen, bis zur Endstation. Sie landet in Stralsund, findet einen Job und nach einem Zusammenbruch auch ein Zuhause bei ihrem Chef Knut und dessen Frau Marianne. Hier begegnet ihr Leif, der auf die Insel zurückgekehrt ist, um seinen dementen Opa zu pflegen. Durch zahlreiche Gespräche kommen sie sich näher.

Dies ist der zweite Band nach »22 Bahnen« und diesmal steht Ida, Tildas kleine Schwester im Mittelpunkt. Sie ist damals mit elf bei der alkoholkranken Mutter zurückgeblieben, als Tilda mit Viktor in Berlin neu durchstarten konnte. Ida wollte nicht weg, das Leben mit ihrer Mutter war belastend (gelinde ausgedrückt). Doch Ida erinnert sich auch an die wenigen schönen Momente mit ihrer Mutter, daher quälen sie Schuldgefühle, jede Nacht verfolgt sie der gleiche Traum: Sie findet ihre Mutter und es ist zu spät.
Die Autorin versteht es, mit einem erfrischend neuartigen Schreibstil die Dinge gnadenlos auf den Punkt zu bringen. Vieles steht zwischen den Zeilen der knapp gehaltenen Sprache, ich konnte Idas Verzweiflung hinter ihrer stoisch ruhigen Art rütteln spüren. Sie unterscheidet sich vom Charakter ihrer Schwester, die sich durch Zahlen zu erden versuchte. Ida braucht höhere Kicks um durch ihre eigene Schale dringen zu können, wirft sich in die Fluten und schwimmt bis zur Verausgabung. Die Autorin gibt auch den Nebenfiguren Raum und Platz. Marianne und Knut, ein älteres Ehepaar, die Ida so etwas wie Ersatzeltern werden. Ein Familienleben, das sie nie gehabt hat. Doch Ida kann (noch) nicht vertrauen, spricht in kleinen Happen über ihre Vergangenheit, öffnet sich und schließt sofort wieder ihre Türen. Marianne ist geduldig, gerade dadurch schafft sie es, Ida aus der Reserve zu locken. Schließlich ist da Leif, ein junger Mann, der sich um seinen dementen Opa kümmert. »Ich bin nicht der, den du brauchst«, sagt er und ist es dann doch.
Ich bin durch die Seiten geflogen und habe mit allen mitgelitten. Ein Werk, das ausdrucksstark ist, weil die Figuren leben. Der Schluss ist knapp, abrupt – ein paar Dinge bleiben offen, wie das Verhältnis von Knut und Marianne zu ihrer eigenen Tochter Mandy, denn ihr Auftauchen bringt wenig Licht ins Dunkel, möglicherweise Potenzial für eine Fortsetzung? Es macht in meinen Augen Sinn, zuerst Band 1 zu lesen, da auch Tilda und Viktor hier vorkommen, die sich weiterentwickelt haben.
Der Entwicklungsprozess der Figuren gefiel mir besonders, Leif war eine Überraschung für mich. Und Ida, zu sagen, dass sie ihre Dämonen bekämpft hat, wäre zu viel gesagt. Dennoch gibt es Lichtblicke für sie, weit am Horizont.
Ein Buch der Liebe und Hoffnung und ein fantastisches Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 24.05.2024

Ich will, ich will nicht

Wilde Herzen in Kalifornien
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Salena ist eine unabhängige Frau, deren Eltern sie zu sehr einengen. Selbst als sie aus der gemeinsamen Wohnung auszieht, üben sie weiterhin Einfluss aus. Sie lernt Ryan kennen, doch sie möchte nur eine ...

Salena ist eine unabhängige Frau, deren Eltern sie zu sehr einengen. Selbst als sie aus der gemeinsamen Wohnung auszieht, üben sie weiterhin Einfluss aus. Sie lernt Ryan kennen, doch sie möchte nur eine lose Verbindung, doch wider Erwarten fühlt sie sich immer mehr zu ihm hingezogen. Ryan ist Immobilienhändler, reich und hat ebenfalls Probleme mit seinen Eltern, vor allem mit dem Vater.

Heiße Küsse, ein wildes Geheimnis und viel italienische Pasta, verspricht die Werbung. Leider muss ich sagen, dass mich dieses Buch nicht begeistern konnte, ich habe mich durchgequält und musste mich zwingen, es zu Ende zu lesen.
Positiv kann ich das Flair einer italienischen Großfamilie vermerken. Da ich die Vorgängerbände nicht kenne, vermute ich mal, die die meisten Personen bekannt sind und der Zusammenhalt war deutlich spürbar, das mag ich immer sehr.
Es war mein erstes Buch der Autorin und ich fand es etwas zäh und langatmig. Auch der Schreibstil ist an vielen Stellen holprig, möglicherweise liegt es an der Übersetzung. Was ist beispielsweise eine »schnurrende« Frau? Vieles wird beschrieben, die Handlung geht gefühlt nur zentimeterweise vorwärts, die Dialoge drehen sich im Kreis und sind ermüdend.
Mit der Protagonistin Salena wurde ich nicht warm. Sie ist an vielen Stellen kalt und und gefühllos. Ihre Eltern sind nervig und übergriffig, dennoch jammert sie nur (innerlich oder vor andern) über sie. Anstatt ihnen konkret kontra zu geben, gibt sie Antworten auf Teenagerniveau. Beispiel: Vater fragt, wie sie sich ihren neuen Wagen leisten konnte und sie: » ...Ich arbeite. So wie du, bevor du in Rente gegangen bist. Weißt du noch? Am Monatsende kriegt man sein Geld und davon kann man sich etwas kaufen.«
Dennoch gelingt es Savannah, ein wildes Leben zu führen, Partys und Männer und niemals Heiraten. Dabei kommt sie egoistisch und selbstbezogen rüber. Besonders mies fand ich, wie sie ihre Schwester, die Eheprobleme hat, am Telefon kühl abfertigt und ihr vorschlägt, dass ihre Eltern zu ihr ziehen sollen, damit sie sie loswird.
Ryan bleibt blass für mich. Seinen Streit mit dem Vater, der lediglich wollte, dass Ryan in seine Weinbaufirma einsteigt und es immer wieder versucht, konnte ich nicht nachvollziehen. Ist das so schlimm, ihn gleich als »Arsch« zu bezeichnen? Nebenbei wird mal erwähnt, dass Ryan nicht der leibliche Sohn von Robert ist, sondern ein Samenspender. Das wird weder vor- noch nachher erneut angeführt – wozu überhaupt? Es ist unwichtig für die Handlung.
Die Entwicklung der Beziehung der beiden ist unerotisch, ich vermisste das Kribbeln oder Schmetterlinge im Bauch. Ryan schildert, wie er sein Bett frisch bezieht und sein Auto putzt (falls sie mitfahren will),sie sagt vor dem ersten Kuss: »Ich habe mich schon gefragt, ob du dich noch aufraffst.« Es ist zudem ein ständiges Hin- und Her, Salena will nicht offensichtlich seine Freundin sein, vermutete aber sofort, eine andere Frau bei ihm. Trotzdem hat sie nichts dagegen, dass er sie »Babe« nennt.
Das wilde Geheimnis ist auch eher lau und wird bereits am Anfang erwähnt: Salena braucht Geld und verkauft Videos von sich selbst, wie sie an der Stange tanzt. Pole-Dance ist eine anerkannte Sportart.
Die ist meine persönliche Meinung, Fans der Reihe finden vielleicht besseren Zugang zu der Story. Ich bedanke mich sehr herzlich für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 19.05.2024

Liebe an der Ostsee

Fischbrötchen und Eiskaffee
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Jule hat ihr Studium abgeschlossen und traut sich nicht, ihrer Mutter zu sagen, dass sie nicht den vorgesehenen Beruf als Lehrerin ergreifen möchte. Sie nimmt einen Sommerjob als Rettungsschwimmerin an ...

Jule hat ihr Studium abgeschlossen und traut sich nicht, ihrer Mutter zu sagen, dass sie nicht den vorgesehenen Beruf als Lehrerin ergreifen möchte. Sie nimmt einen Sommerjob als Rettungsschwimmerin an der Ostsee an und schiebt das Gespräch hinaus. Dort lebt ihre Freundin Anni, die ein Café leitet. Gleich an ihrem ersten Tag rettet sie zusammen mit ihren Kollegen Hauke einem Schwimmer, der zu weit draußen war, das Leben kennen. Hauke hat offenbar ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater und er ergibt sich, dass sie sich als seine Fake-Freundin ausgibt. Doch schon bald entwickeln sich echte Gefühle, doch Hauke verhält sich seltsam.

Es ist nicht mein erster Roman der Autorin, ich kenne ihre »Fischbrötchen«- Reihe sehr gut. Auch dieses Buch hat mich nicht enttäuscht. Jule ist eine liebenswerte Protagonistin, die ihren Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Hauke ist etwas geheimnisvoll und da die Geschichte ausschließlich aus Jules Sicht geschrieben ist, weiß man lange nicht, was mit ihm los ist. Die Gespräche mit ihrer Freundin Anni, das Ostseeflair und die anderen liebenswerten Nebenfiguren (Leserinnen und Leser der Reihe werden einige altbekannte Personen wiedererkennen) machen den Roman zu einem wundervollen Leseerlebnis. Ein Wohlfühlbuch für angenehme Lesestunden, das jeden verregneten Tag versüßen kann. Eine absolute Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 21.02.2024

Wie sich ein Serienmörder aus dem Gefängnis schrieb

Austrian Psycho Jack Unterweger
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Jack Unterweger war ein verurteilter Mörder, der im Gefängnis anfing zu schreiben. Mit Hilfe einer bekannten Journalistin schaffte er es, dass seine Texte in Zeitungen und letztlich auch sein Buch »Fegefeuer« ...

Jack Unterweger war ein verurteilter Mörder, der im Gefängnis anfing zu schreiben. Mit Hilfe einer bekannten Journalistin schaffte er es, dass seine Texte in Zeitungen und letztlich auch sein Buch »Fegefeuer« veröffentlicht wurde. Diese Prominenz verschaffte ihm viele Anhängerinnen und Anhänger in der Kulturszene, die sich für ihn einsetzten und seine Freilassung erreichten. In den zwei Jahren seiner Freiheit ermordete er weitere Frauen, bis er endlich gefasst, überführt und vor Gericht gestellt wurde.

Da ich als Österreicherin den damaligen Hype um Unterweger miterlebt habe, war ich gespannt auf die Aufarbeitung nach so vielen Jahren. Es wurden bereits einige Bücher über ihn geschrieben und das hätte ihm, der förmlich nach Ruhm und Bekanntheit lechzte, bestimmt gut gefallen. Nach der Lektüre bleibe ich etwas zwiegespalten zurück.
Der Titel gefällt mir nicht. Er suggeriert, dass es nur in Österreich »Psychos« gäbe oder auch, dass er der Einzige wäre. Aber das ist freilich Geschmackssache.
Der Autor hat hier offenbar mit einem anderen Journalisten zusammengearbeitet, der das Geschehen rund um Unterweger live miterlebt hat. Dadurch entstand ein gewöhnungsbedürftig merkwürdiger Schreibstil. Der (namenlose) Journalist berichtet, wie auch er selbst dem Charisma von Jack verfallen sei und hätte zwischendurch Zwiesprache mit Herwig (dem Autor), was mich persönlich jedes Mal aus dem Lesefluss riss.
Beispiel: »Ich weiß schon, was Herwig denken wird, wenn er dies liest. Er ist ein Zyniker und glaubt nicht an das Gute im Menschen. ...«
Zwischen den Erzählungen/Berichten des unbekannten Autors sind Textstellen und Aussagen von Jack Unterweger persönlich. Von den Textstellen und seinem Buch »Fegefeuer« weiß man inzwischen, dass er den Großteil nicht selbst verfasst hat. Dieses Detail war mir unbekannt.
Ich habe mir erwartet, dass ich das Rätsel rund um seinen Einfluss auf die Frauen (sie schrieben ihm haufenweise Liebesbriefe ins Gefängnis, unterstützten und bezahlten für ihn während der zwei Jahre in Freiheit u.ä.) und auch auf die Kulturszene in Wien. Namhafte Personen aus Schriftstellerkreisen, Verlagsbranche und Journalismus setzten sich für seine Freilassung ein, und das, obwohl er zwar über Schuld schreibt, jedoch nie direkt über seinen Mord (vermutlich zwei, einen konnte man nie nachweisen). Auch als die Mordserie nach seiner Entlassung begann, hielten viele seine schützende Hand über ihn, denn offenbar konnte er sich selbst gut präsentieren und verkaufen, sodass es ihm niemand zugetraut hat. Diese Faszination kam für mich zu wenig heraus, so bleibt dies auch nach der Lektüre des Buches ein Mysterium.
Ich habe das Buch bei einer Buchverlosung gewonnen, wofür ich mich herzlich bedanke. Empfehlen kann ich es Leuten, die sich bereits mit Jack Unterweger befasst haben. Es geht es lediglich um sein künstlerisches Schaffen, das genauso ein Fake war, wie seine Texte, die Morde werden nur am Rand erwähnt. Es bleibt auch die Frage offen, ob man einem Mörder Amnestie gewähren darf, nur weil er ein künstlerisches Talent hat? Denn auch, wenn Unterweger offenbar nicht selbst/allein schreiben konnte, muss man ihm lassen, dass seine Performance überzeugend gewesen ist und immerhin für einige Zeit bestens funktioniert hat.

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Veröffentlicht am 10.06.2022

Auf der Alm geht der Pilzmörder um

Gefährliche Treue. Lorenz Lovis ermittelt
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Im dritten Buch über den liebenswerten aber weitgehend erfolgsfreien Bauern und Detektiv Lorenz Lovis wird dieser auf die Alm geschickt. Einem Pilzwilderer soll das Handwerk gelegt werden und Lovis erhält ...

Im dritten Buch über den liebenswerten aber weitgehend erfolgsfreien Bauern und Detektiv Lorenz Lovis wird dieser auf die Alm geschickt. Einem Pilzwilderer soll das Handwerk gelegt werden und Lovis erhält wieder Verstärkung von den drei Jungs aus der letzten Band, die er für seine Ermittlungen einspannt. Doch natürlich läuft nichts in beschaulicher Ruhe ab, gleich am zweiten Tag wird die Frau seines ehemaligen Schulfreundes Much erschlagen. Much wird verdächtigt und abgeführt. Klar, dass Lovis da eingreifen muss und nun auf eigene Faust ermittelt. Ein Verdächtiger findet sich bald, leider nicht nur einer, und dass der gute Lovis dabei in mehrere Fettnäpfchen tritt, ist ebenfalls klar. Zumal er noch immer nach seiner Haushälterin Angelika schmachtet, die aber dieses Mal nicht ganz abgeneigt scheint. Die aufdringliche Burgi, Schwester der Ermordeten, scharwenzelt in einer Weise um den Lorenz herum, die Angelika nun doch ein Dorn im Auge ist. Dabei hat Lovis kaum Zeit, denn der Mörder treibt offenbar weiter sein Unwesen ...
Mit ihrem bekannt humorvoll flüssigen Schreibstil führt uns die Autorin dieses Mal in die Südtiroler Berge. Neben den beschaulichen Landschaftsbildern liefert sie aber auch einen spannenden Krimi, der sich aufbaut und in einem unerwarteten Showdown endet. Mich begeistern am meisten ihre Figuren, die ich so deutlich vor mir sehe, als würden sie jederzeit aus dem Buch spazieren. Während ich miträtseln durfte, wer die Pilze klaut und ob es gar derselbe ist, der mit der Axt Leute erschlägt, brachten mich zahlreiche amüsante Szenen zum Schmunzeln.
Es waren erneut vergnügliche Lesestunden und ich freue mich schon auf den nächsten Band. Alle, die gerne Cosy Crime lesen, sollten sich die Fälle des Lorenz Lovis nicht entgehen lassen.

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