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Veröffentlicht am 21.04.2026

Das Buch fühlt sich an wie eine Lagerfeuerlegende

The Empress of Salt and Fortune: (Die Chroniken von Chih)
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Das Buch fühlt sich an wie eine dieser Legenden, die Abends am ersterbenden Feuer erzählt werden. Leise. Voller zarter Magie, wundersamen Kreaturen, die nur auf den zweiten Blick erkennbar sind, und starker ...

Das Buch fühlt sich an wie eine dieser Legenden, die Abends am ersterbenden Feuer erzählt werden. Leise. Voller zarter Magie, wundersamen Kreaturen, die nur auf den zweiten Blick erkennbar sind, und starker Figuren. Die Erzählstimme tanzt an der Oberfläche und gibt den Blick frei in die Tiefen des Gewässers. In die Unterdrückung der neuen jungen Kaiserin aus dem Norden, der Frauen an sich.

Ich mochte das Buch wirklich gern. Die Novelle ist der Auftakt einer Reihe lose zusammenhängender Geschichten, die sich um Chih aus der Abtei der Singenden Hügel dreht, die ein Reich bereist und dessen Geschichten sammelt. An ihrer Seite ist Nahezu Brilliant. Die erste Novelle, die erste Geschichte, die sie sammelt und versteht, ist die der jungen Kaiserin, ihre Ausgrenzung und ihr Aufstieg zur Macht. Kaninchen, ihre junge Dienerin, ist immer an ihrer Seite und muss dafür viel Leid erdulden.

Die Geschichte wird leise erzählt. Immer wieder durchbrochen von Chihs Fragen und Gedanken. Nach und nach erfahren wir viel über die historischen Zusammenhänge und Gebräuche im Kaiserreich, über die Politik und über die systematische Ausgrenzung derer, die nicht zu Macht gelangen sollten, sei es im Großen oder im Kleinen. Manche Szenen schmerzen, insbesondere jene, in denen sich die Protagonisten öffnen.

Nghi Vo hat das Talent, mit wenigen Worten eine magische Szenerie zu entwerfen, die ich sofort vor Augen hatte. Nicht in prächtigen Farben, sondern mystisch und zart gezeichnet.

Es ist eine leise Geschichte über den Willen aufzubegehren und sein Recht zu fordern. Der Fokus wird auf das Legendhafte gelegt, nicht auf die gesamte Geschichte an sich. Ein spannender Ansatz!

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Wie eine Kuscheldecke

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Das Buch ist wie eine flauschige Decke, in die ich mich eingewickelt habe, immer wenn ich das Buch aufgeschlagen habe.

Das Buch war genau das, was ich gerade gebraucht habe. Ruhig, unaufgeregt, über ...

Das Buch ist wie eine flauschige Decke, in die ich mich eingewickelt habe, immer wenn ich das Buch aufgeschlagen habe.

Das Buch war genau das, was ich gerade gebraucht habe. Ruhig, unaufgeregt, über die Schönheit und Klarheit der Worte in einer stressigen Welt - ich bin immer wieder gerne in den Briefladen mit dem Holzduft und den schönen Füllfederhaltern zurückgekehrt, um einen neuen Brief eines Fremden zu lesen.

Hyoyeang nimmt widerwillig einen Job im „Lettershop“ an, nachdem sie ihren Traum, Regisseurin zu werden, wegen familiärer Probleme aufgeben musste. Doch im Lettershop begegnet sie Menschen, die durch handgeschriebene Briefe ihre Geheimnisse offenbaren - und langsam findet sie zurück zu sich selbst.

Wer einen aufregenden Roman sucht, sollte das Buch lieber schnell wieder hinlegen. Für alle anderen: Willkommen im Lettershop. Setzt euch hin, Briefpapier und Schreibutensilien stehen bereit. Am liebsten mochte ich wirklich die Atmosphäre des Lettershops - in den vier Wänden mit einer Kassentheke, einem Tisch, einer Vase voller frischer Blumen und wohlsortierten Auslagen spielt auch ein Großteil des Buches - und ich bin mit Hyongyeong jeden Morgen gerne dahin zurückgekehrt.

Die Idee des Lettershops ist, neben dem Verkauf von Karten, Briefpapier und Schreibkram, dass die Kunden anonyme Briefe hinterlassen können, die andere Menschen im Gegenzug ebenso anonym lesen und beantworten können. Die Mühe, die in jedem Brief steckt, und die Achtsamkeit, mit der diese gelesen werden, ist für mich eindringlich transportiert worden. Dabei lernt der Leser nicht nur etwas über den Briefeschreiber, seinen Job und sein Leben, sondern auch über Hyongyeong, über die Beziehung zu ihren Eltern und ihrer Schwester und ihren Freunden, über den Weg, den ihre Gedanken und Emotionen nehmen.

Diese Mischung aus Slice-of-Life und Neuausrichtung hat einfach meinen Nerv getroffen. Es war so niedlich, wie Hyoyeong sich immer wieder selbst reflektiert hat.

Das Buch ist zudem noch passend aufgemacht: Da haben wir zum Beispiel ein süßes Personenregister, die Briefe, das Herz des Romans, heben sich deutlich vom Text ab, neben Arbeitsprotokollen gibt es kurze Chatnachrichten und und und.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen und das Hörbuch, eingesprochen von Mélanie Fouché, kann ich euch nur wärmstens ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Ein emotional aufrüttelnder Abschluss

Die Narben, die uns einen 03
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„Mein Onkel kocht Ramen, die so lecker sind, dass sie dir den Sinn des Lebens zurückgeben.“

„Die Narben, die uns einen“ - Narben, innere wie äußere tragen wir durch unser Leben. Nicht jede ist sichtbar, ...

„Mein Onkel kocht Ramen, die so lecker sind, dass sie dir den Sinn des Lebens zurückgeben.“

„Die Narben, die uns einen“ - Narben, innere wie äußere tragen wir durch unser Leben. Nicht jede ist sichtbar, nicht jede bemerken wir beim ersten Aufeinandertreffen oder beim ersten Kontakt. Manchmal ist es notwendig, dass wir hinter den äußeren Anschein schauen oder hinter die Maske, die Menschen zum Schutz tragen. Genau das nehme ich aus der dreibändigen Reihe mit, die mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Jahre sind vergangen - Kyonosuke trauert noch immer um Akira, die ihn verlassen hat. Völlig überraschend trifft er Kenta wieder - der, der zu Schulzeiten einer seiner Peiniger war - und stellt fest, dass auch er sich verändert hat. Kenta gelingt es schließlich, zu ihm durchzudringen - gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Ariel.

Es hat mich überrascht, dass eigentlich eher die Erinnerungen und die Scham Kyonsukes im Vordergrund standen, und andere Beziehungen in den Fokus rückten, anstatt Akira und ihn in den Vordergrund zu rücken - und es hat mir sehr gut gefallen. Kyonsukes Trauer und seine Scham aufgrund der Trennung war immer noch präsent. Es war eine schwere Last, die er mit Sich herumträgt - das hat man in jedem Panel gespürt, insbesondere am Anfang. Arias ist die Darstellung wirklich ausnehmend gut gelungen.

Kenta wird viel Raum eingeräumt - um seine Veränderung aufzuzeigen und ihm mehr Schattierungen zu verleihen - und ich stimme dieser Entscheidung voll und ganz zu, da sie dem Abschlussband der Reihe mehr als gut getan hat. Nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Physische und psychische Gewalt spielen im Abschlussband wie auch in den vorhergehenden Bänden eine große Rolle, mit dem kleinen Unterschied, dass die Kämpfe nicht mehr nur einseitig sind und nicht immer ausgehen, wie erwartet.

Fazit? Eine großartige Reihe, die die Menschlichkeit wie die Facetten des Charakters und des sozialen Umfelds in den Vordergrund rückt. „Die Narben, die uns einen“ wirft harte Themen wie Identität, Selbstbestimmung, Depression auf und behandelt sie ehrlich. Für mich eine großartige Reihe, bei der meine Augen auch nicht trocken blieben.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Eine Mischung, die süchtig macht

Run to Heaven 02
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„Träume sind nicht als Fallen für all die armen Narren, die in ihrem Leben nichts auf die Reihe bekommen.“ Das der Satz der Admiralin (wer kennt sich noch aus dem ersten Band?) nicht so ganz der Wahrheit ...

„Träume sind nicht als Fallen für all die armen Narren, die in ihrem Leben nichts auf die Reihe bekommen.“ Das der Satz der Admiralin (wer kennt sich noch aus dem ersten Band?) nicht so ganz der Wahrheit entspricht, sehen wir an Band zwei.

Ich wurde durch eine epische Szene zwischen Vater und Tochter begrüßt - die mich sofort wieder an die Seiten fesselte. Für mich war dieser zweite Band noch mitreißender und spannender (nervenzerfetzend!) als der erste.

Der Krieg im Archipel ist vorbei. Um ihren Vater zu retten, wird Fee von einem Überläufer ein Deal angeboten. Wenn sie bei den nächsten WorldGames in vier Jahren mitmacht, hat sie die Möglichkeit sich und ihren Vater in Sicherheit zu bringen.

Es sind grausame Zeichnungen von Krieg, Verstümmelungen, Feuer und Verwüstung, mit denen wir in der ersten Hälfte des Mangas konfrontiert werden. Teilweise könnten die Zeichnungen auch aus den Nachrichten stammen, eins zu eins. Sie jagen mir kalte Schauer über den Rücken. Die Emotionen und die großen Dramen spielen in dem Band eine wichtige Rolle - ebenso wie die Frage, wie weit man zu gehen bereit ist, um die, die man liebt zu retten.

Gleichzeitig gibt es Hoffnungssplitter in all der Dunkelheit. Ein geteilter Song, ein geteiltes Lächeln. Training. Den Mut, loszulassen und dafür etwas anderes zu retten. Das waren meine Lichtpunkte in diesem Band. Die Musik spielt ebenso eine wichtige Rolle - die Lieder von ABBA oder Carpenters begleiten uns durch die zweite Hälfte des Buches und geben den Kapiteln eine persönlichere Note. Diese „Zweiteilung“ hat dem Buch gut getan. Hohe Dramatik auf der einen Seite, starke persönliche Entwicklung durch mutige Entscheidungen auf der anderen.

Ich bin einfach nur begeistert von der Mischung: Sportmanga vor dem Hintergrund von Gewalt und Krieg. Ich giere nach neuen Seiten von dem Weg zum Himmel!

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Die Facetten der Einsamkeit

Der andere Arthur
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In „Der andere Arthur“ geht es um Einsamkeit, um Unsicherheit im sozialen Leben. Und um zwei Menschen, in verschiedenen Stadien ihres Lebens, die doch eines eint: Unsicherheit und Einsamkeit.

Arthur ...

In „Der andere Arthur“ geht es um Einsamkeit, um Unsicherheit im sozialen Leben. Und um zwei Menschen, in verschiedenen Stadien ihres Lebens, die doch eines eint: Unsicherheit und Einsamkeit.

Arthur Opp, Literaturprofessor und adipositös, hat seit Jahren sein Haus nicht mehr verlassen und lebt durch Erinnerungen und die Medien. Seinen einzigen Kontakt zur Außenwelt erfährt er auf dem kurzen atemraubenden Weg zur Haustür um den Lieferdienst zu empfangen.

„Seit ich mein Haus nicht mehr verlassen kann, habe ich oft das Gefühl, dass es zu einer physischen Manifestation von Platons Höhlengleichnis geworden ist, und das ich der Mann bin, der in der Höhle sitzt.“

Nur wenige Kilometer entfernt lebt Kel, der um ein Baseballballstipendium ringt, der sich aber gleichzeitig um seine kranke Mutter sorgt. Die Mutter wiederum verbindet eine Beziehung mit Arthur Opp. Sie entschließt sich ihm einen Brief zu schreiben, und ihn um Hilfe für ihren Sohn bei den Collegebewerbungen zu bitten. So setzt sie unwissentlich Denkprozesse bei Arthur in Gang, und zwar in eine Richtung, in die er es Jahrelang vermieden hat zu denken.

Liz Moore hat mit ihrem Roman über zwei einsame Seelen und ihren Weg heraus aus der Einsamkeit, ein eindrucksvolles Frühwerk geschrieben, über Angst, Gründe, die in die Einsamkeit führen (ob selbstverschuldet oder von außen instruiert). Aber sie hat auch zwei Charaktere skizziert, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Arthur ist klug und gebildet, hat seinen Tagesablauf und weiß, in welcher Situation er sich befindet. Aber erst der Brief zwingt ihn zum Handeln. Ich hatte manchmal das Gefühl, die Einsamkeit hat ihn gelähmt. Er ist der Protagonist, den wir als erstes in dem Buch kennen lernen und viel über seine Situation erfahren. Erst später im Roman kommt Kels Erzählstimme hinzu - und sie ist anders gefärbt. Er erzählt uns von der Schule, von seinem Schwarm, vom Baseball - hoffnungsvoll, und von seiner Beziehung zu seiner Mutter, zwischen Liebe und Hoffnungslosigkeit. Das schmerzt, denn tief im Inneren kennt auch er die Einsamkeit und die Angst. Diese beiden gegenläufigen Plotlinien faszinieren. Sie werden mit leisen Worten erzählt, beinahe strategisch werden die Protagonisten seziert.

„Wenn ich mir etwas wünsche, dann muss ich dem mit ganzem Herzen hinterher rennen, weil ich Angst habe, dass es sonst weggeht um mich zu bestrafen.“

Manchmal hat es regelrecht geschmerzt, von ihren Gedanken und Gefühlen zu lesen. Ein winziges Stück davon, von der Einsamkeit und von der Angst, hat wohl jeder schon einmal erlebt. Ich glaube, darüber habe ich mir bei der Lektüre dieses Buches am meisten Gedanken gemacht. Wieviel von Arthur und Kel stecken in mir?

Liz Moore lässt den Leser aber nicht nur mit negativen Emotionen zurück. Sie gibt den Protagonisten Rettungsleinen in die Hand.

„Ich glaube, wir können uns mit Menschen umgeben, die wir gern haben und bewundern, und dass die so etwas wie unsere Familie werden können.“

Es gab Passagen, da hat mich das Buch ein bisschen runtergezogen. Ich haderte mit dem Schicksal der Protagonisten, gerade weil sie so viel Projektionsfläche geboten hat. Dann gab es wieder Passagen, in dem die Handlung gefühlt stagniert hat. Ich kenne Liz Moores Stil mittlerweile, weiß auch, dass sie diese Pausen gerne setzt - fand sie aber in ihren späteren Büchern besser eingesetzt.

Ein Buch, das gleichsam über Einsamkeit und Hoffnung erzählt, mit zwei starken Erzählstimmen. Für mich hat das Tempo nicht ganz gestimmt. Deshalb vergebe ich vier Sterne.

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