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Veröffentlicht am 13.10.2020

Wundervoller dritter Teil

Die Lichtstein-Saga 3: Fineas
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Fineas von Nadine Erdmann

Zwei Engelslichter sind sicher in Burgedal. Doch nun steht die Reise zu den Drachen und dem dritten Lichtstein an - und die Zeit arbeitet gegen die vier Cays. Konstantin, der ...

Fineas von Nadine Erdmann

Zwei Engelslichter sind sicher in Burgedal. Doch nun steht die Reise zu den Drachen und dem dritten Lichtstein an - und die Zeit arbeitet gegen die vier Cays. Konstantin, der Herr von Dakenhall, hat bereits Vorkehrungen getroffen, um sie am Erreichen der Berge zu hindern. Gleichzeitig zieht sein Heer gegen Burgedal …

Ich halte den dritten Teil der vierbändigen Saga rund um die Lichtsteine von Interria in den Händen. Es ist unbedingt anzuraten, die anderen zwei Bände im Vorfeld zu lesen. Ansonsten verpasst der Leser zu viel von der Figurenentwicklung, die für Nadines Bücher immer essentiell sind. Also - lest Aquilas und Andolas im Vorfeld. Es lohnt sich. Ich habe mein Herz schon im ersten Band an ein bis drei Charaktere verloren und hüpfe immer noch leise, wenn sie besonders viel StageTime bekommen.

Nach den Ereignissen aus Band eins und zwei bleibt Liv, Ari, Noah und Kaelan nicht viel Zeit zur Erholung. Man merkt gleich, dass eine andere Stimmung über den Klostermauern liegt als in den vorherigen Bänden. Nicht so gelöst, nicht so … sicher, wie der Leser es eigentlich gewohnt ist. Die Zeit wird zur Ausarbeitung von Plänen genutzt, die hoffentlich gelingen … oder nicht? Die Freunde reisen heimlich ab, damit Konstantin - habe ich schon erwähnt, dass er ein wirklich hassenswerter Widerling ist? Nein - gut, dann tue ich es jetzt - sie nicht bemerkt, während das Heer von Burgedal einige Tage später gegen Konstantin ziehen will - und Ben und Mia, Noahs Eltern, ziehen mit in die Schlacht. Das finde ich besonders spannend, da Nadine ihnen dadurch StageTime einräumt und der Leser Gelegenheit bekommt, auch die ältere Generation kennen zu lernen und ein bisschen in der Vergangenheit rumzuschnüffeln. Immer, wenn es darum ging, habe ich meine Fühler immer besonders hoch gereckt. Einige Geheimnisse verbergen nämlich auch Ben und Mia noch …

Besonders gespannt war ich auf die Elfen, die die Freunde auf dem Weg zu den Drachen suchen - und diese um Hilfe bitten. Ob sie diese dringend benötigte Unterstützung bekommen, lasse ich offen. Aber es war so ein schönes Gefühl, endlich wieder mit den Freunden unterwegs zu sein, auf Abenteuer und auf der Suche. Ich mag den Quest-Charakter der Bücher sehr gerne! Und ich mag die Figuren. Vor allen Dingen Ari und Noah haben einen großen Sprung in der charakterlichen Entwicklung getan. Die harten Fakten über Noahs Vergangenheit hat der Leser schon in den letzten Bänden erfahren, in diesem erhalten sie emotionale Unterfütterung, die den Charakter weiter ausgestalten. Ari erhält dagegen einen kleinen Selbstbewusstseinskick, der ihm meines Erachtens ziemlich gut getan hat.

Besondere Ideen hatte die Autorin auch wieder in Petto, und hat mir damit ein Lächeln entlockt. Sehr süß gemacht, Nadine!

Negativ ist mir aufgefallen, dass Nadine kleine Lieblingswörter hat - Fistbump, Boost o.ä. - die schon recht häufig vorkommen. Das hat das Lesevergnügen aber nur geringfügig getrübt ;) Alles in allem ein toller 3. Band - und ich hibbel wirklich schon auf den Abschluss der Reihe.

  • Cover
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  • Handlung
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Veröffentlicht am 13.10.2020

Eindringliche, exzellent ausgearbeitete Story

Zwei Leben in einer Nacht
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Zwei Leben in einer Nacht von Carolin Wahl

Eine Challenge, zwei verzweifelte Seelen und eine einzige Nacht, die das Ende, die Erlösung, die Freiheit bringen soll. Sam und Caspar haben sich zuvor nie ...

Zwei Leben in einer Nacht von Carolin Wahl

Eine Challenge, zwei verzweifelte Seelen und eine einzige Nacht, die das Ende, die Erlösung, die Freiheit bringen soll. Sam und Caspar haben sich zuvor nie getroffen, erst in dieser einen Nacht, zusammengebracht von Ghost - dem Admin des Challengeforums, auf das sie gestoßen sind. Den Sonnenaufgang wollen beide nicht mehr erleben, aber sie wollen laut aus dem Leben gehen. Frei sein. Regeln und Normen brechen.

Ich war neugierig. Ich habe zuvor schon Bücher von Carolin Wahl verschlungen - ihr Fantasydebüt und ihren Jugendthriller - mit „Zwei Leben in einer Nacht“ wendet sie sich jedoch einer ernsteren Thematik zu, einer, die noch viel zu sehr unter den gesellschaftlichen Teppich gekehrt wird - da es nicht in unsere normierte, leistungsorientierte Welt passt, keinen Platz hat - Suizid. Was muss ein Mensch durchmachen, was muss er fühlen, um solche Gedanken zu hegen? Wie weit muss er diesen düsteren Weg gehen, um über die Länge des Seiles und den optimalen Abstand zum Boden zu googeln. Es ist ein schwieriges Thema, ein Thema, das viele gerne umgehen oder an das sie nur rudimentäre Gedanken verschwenden. Auch ich - gerade deshalb finde ich die Themenwahl von Caro so mutig - es ist verdammt schwer, offen über solche Gedanken zu reden - oder über die Schuldgefühle derjenigen, die zurückbleiben. Es ist nicht leicht, ohne weiteres Hilfe zu finden.

„Zwei Leben in einer Nacht“ ist ein Einzelband - bisher Caros kürzestes Buch. Ich habe aber keine zusätzlichen Seiten vermisst. Man spürt, wieviel Schweiß und Herzblut sie in das Buch gesteckt hat und das jedes Kapitel wohl überlegt ist. Die Autorin hat auch nur eine sehr kurze Zeitspanne gewählt, um die Geschichte zu erzählen. Eine einzige Nacht - untergliedert in Sams und Caspars Perspektive, ein paar Chats von „Deathwish“ und einen Epilog. Gerade die Kürze der Geschichte gibt der Handlung einen besonderen Reiz. Caro Erzählt ohne Ausschweifungen, sie kommt schnell zum Punkt - und umso schockierender ist der Punkt für den Leser. Trotzdem hatte ich das Gefühl, das die Autorin wirklich tief in Sam und Caspar eintaucht, ohne dem Leser ihre Psyche auf einem Silbertablett zu servieren und so die Spannung aus der Geschichte zu nehmen. Nein, die Spannung, die sich am Anfang bedrückend aufbaut, steigert sich kontinuierlich.

Die Grundstimmung ist bedrückend - eindringlich. Der Leser weiß, dass es nicht einfach nur ein Treffen von Freunden ist, sondern dass die Nacht nie wieder kommen wird. Allein dieser Fakt verleiht dem Buch eine hohe Brisanz.

Deathwish ist ein Forum, worin Jugendliche von Ghost ein Datum genannt bekommen, an dem sie zu zweit vier Challenges bestehen und dann Suizid begehen sollen. Ghosts Identität bleibt zunächst rätselhaft, doch der Leser fühlt sich förmlich genötigt dazu, herauszufinden, wer hinter dem Nickname steckt.
Auch Sams Hintergründe möchte der Leser ergründen, wer ist diese Jugendliche mit den traurigen Augen, die zusammen mit Caspar am Ende der einen Nacht nicht mehr Leben will? Vor allen Dingen, da sie zu Beginn ein paar positive Erinnerungen dem Leser Preis gibt? Was hat sie an den Punkt getrieben. Bei Caspar habe ich ein paar Seiten mehr gebraucht, um Zugang zu ihm zu finden und ihn ein bisschen zu knacken. Er sehnt sich nach der Freiheit von Normen und Zwängen, nach der Freiheit, nicht ständig jemanden gefallen zu müssen - für manche mag das „sich lossagen“ einfach sein, man kann doch schließlich ganz einfach sein eigenes Ding machen, aber an seinem Beispiel sieht man, dass es auch nicht so einfach sein kann, seinem Leben eine andere Richtung zu geben.

Das Buch ist spannend, beklemmend, ernst - aber auch leicht und sarkastisch - schließlich haben Sam und Caspar nichts mehr zu verlieren - was kümmern sie also die verdammten Regeln? Ich wurde durch das Buch getragen. Caros Stil ist eindrücklich und bildhaft, sodass man sich nach kurzer Zeit in der Gefühlswelt von Sam und Caspar bewegt. Ganz großes Kino - ich hätte die beiden am liebsten in den Arm genommen. Die Wendung im letzten Drittel des Buches ist übrigens auch nicht von schlechten Eltern.

Alles in allem ein wichtiges Buch, eines, das ich jedem ans Herz legen würde - denn es lässt einen nach der letzten Seite so nachdenklich und erschüttert zurück. A

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Veröffentlicht am 26.09.2020

Ausflug auf ferne Sterne

INFINITUM - Die Ewigkeit der Sterne
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Infinitum - Christopher Paolini

Kira, Xenobiologin, findet im Zuge einer Forschungsmission einen Skinsuit - der sich als ein Stück Alienmaterie entpuppt. Plötzlich tauchen Aliens in der gesamten Galaxie ...

Infinitum - Christopher Paolini

Kira, Xenobiologin, findet im Zuge einer Forschungsmission einen Skinsuit - der sich als ein Stück Alienmaterie entpuppt. Plötzlich tauchen Aliens in der gesamten Galaxie auf, greifen die Menschen an - und nur Kira und der Suit können diesen Krieg beenden.

Christopher Paolini kommt einem nicht sofort in den Sinn, wenn man an Science-Fiction denkt. Da fliegen Drachen durch eine mittelalterliche Welt, jedenfalls in meinen Kopf. Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass er etwas neues schreiben will. Fernab von der High-Fantasy-Welt, in der ich viele schöne Stunden verbracht habe. Science-Fiction. Das Buch hat mich total gereizt - auch wenn ich sonst weniger im Sci-Fi-Genre unterwegs bin. Als ich es im Buchladen gesehen habe, konnte ich nicht daran vorbeigehen, obwohl ich kaum wusste, auf was ich mich da einlassen. Auf Science-Fiction, klar.

Nun, für mich war es „Hardcore“ Science-Fiction. Zuvor hatte ich zwar auch schon Ausflüge ins Weltall gemacht, aber da kam es mir „geerdeter“ vor. Ich hatte mehr bekannte Bezugspunkte, an die ich mich klammern konnte. Je weiter ich in Infinitum eintauchte, desto bewusster wurde mir, dass das Buch auf einer anderen Ebene der Sci-Fi spielt. Hätte ich das Buch gelesen, wenn es nicht von meinem Lieblings-Drachenreiter-Autor geschrieben wurden wäre? Wohl eher nicht. Ich war trotzdem ziemlich begeistert, in welche sphärischen, unbekannten Welten mich Paolini in Infinitum entführt hat.

Die ersten Seiten gestaltete Paolini schlau. Da stand Teamgeist und Freundschaft auf der Agenda, Charakterbuilding, um auch solche Sci-Fi-Skeptiker wie mich aufs Schiff zu locken. Und das geht bei einem Drink und Musik viel besser, als wenn man gleich mit den harten Fakten loslegt. Antimaterie, Kryoschlaf und Jellys kamen erst später an die Reihe. Das Gefühl von Zugehörigkeit zum Team empfand ich sehr schnell - zwar war es ein anderes Team, als das, mit dem wir später das All erkunden sollten, aber es eignet sich gut für die Einführung der Protagonistin. Kira, Xenobiologin und nicht mehr 17, steht im Leben und hüpft durch die Galaxie auf der Suche nach dem Unbekannten. Ihre Neugier bringt sie auch zum besonderen Skinsuit, mit dem alles beginnt. von Der SoftBlade. Wir begleiten sie bei der Auseinandersetzung mit dem Stück Alienmaterie und ich hatte das Gefühl, die SoftBlade ist nicht nur ein Teil ihr, sondern wurde auch zum Teil von mir während der Lektüre. Doch Paolini reduzierte Kira nicht nur auf die SoftBlade - zum Glück - und obwohl es im Buch viele einsame Momente gab, fand ich insbesondere die Dialoge richtig gut gelungen. Kira ist eine gute Protagonistin - doch ich fand ihr soziales Umfeld, insbesondere das Team, mit dem sie später durch All düst, sehr viel spannender. Da hat sich Paolini richtig ins Zeug gelegt, um den Charakteren Tiefe zu verleihen. Ob der zurückhaltende Schiffsmediziner, oder der Kapitän oder die erste Offizierin und das Schiffsgehirn. Sie waren einfach nur großartig und ich hatte wirklich Spaß mit der Truppe in dem rostigen Schiff, obwohl ich mit Kira - so sorgfältig sie auch gezeichnet war - nicht richtig warm wurde.

Mich hat das All fasziniert, das Paolini entworfen hat. Man muss sehr tief in eine Materie eintauchen, um mit solchem Selbstverständnis über die physischen Gesetze im All, über Antimaterie, über Aliens und über G-Kräfte und über Xenobiologie schreiben zu können. Paolini hat so geschrieben, dass auch Sci-Fi-Noobs wie ich nicht nur Bahnhof verstanden haben und gleichzeitig hatte er keinen Erklärbär vor der Brust. Ihr wisst schon, dieses große, plüschige Monster, durch das der Autor sich erklärend durchwühlen muss, bis er zum Kern der Sache kommt. Ich konnte Kiras Reise ohne Bären genießen. Sie war spacig, abgedreht, manchmal überfrachtet - aber mit positiver Konnotation. Man hat die unendlichen Weiten und glitzernde Einsamkeit des Alls gespürt - und das rechne ich Paolini hoch an.

Action kam auch nicht zu kurz. Alien-Weltraumaction mit messerscharfen Tentakeln, Schleim und vielen Lasern und viel Schwerelosigkeit. Das muss man mögen. Mir war es auf die Dauer ein bisschen viel. Da pfleg ich dann doch lieber mit Kapitän Falconi seinen Bonsai. True Story.

Paolini hat sich Mühe gegeben, einige erdige Sachen zu verbauen. Pflanzen, bestimmte Gewohnheiten und Empfindungen, um den Bezug auch für Leser herzustellen, die ein bisschen an der Erde hängen.
Und zum Plot, nun - er ist vollkommen anders als er im ersten Moment scheint und vereint viele Wendungen in sich - er sprießt, sprengt das enge Korsett und am Ende saß ich mit wirklich großen Augen da, da die Auflösung wirklich bombastisch war - und stimmig.

Unterm Strich? Abgespacete Weltraumaction mit einer Crew zum Raumschiff stehlen und einer gut gezeichneten Protagonistin. Paolini hat mich an die Hand genommen zu einer Reise ins Ungewisse, die mir Spannung und neue Erkenntnisse beschert hat - ich bin aus meiner Lesekomfortzone gekrochen. Well done, Christopher. Für alle Sci-Fi-Fans und Paoliniliebhaber, die hinter dem Drachenschwanz hervorschauen möchten.

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Veröffentlicht am 23.05.2020

Mix aus Highschool, Criminal Minds und Ghostbusters <3

Die Totenbändiger. Staffel 1: Äquinoktium. Unheilige Zeiten. Band 1-2
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Die Totenbändiger – Staffel 1 von Nadine Erdmann

Geister und ein verspuktes London? Natürlich bin ich da mit von der Partie! Vorweg – bei der Ebook Staffel handelt es sich um eine sehr unterhaltsame ...

Die Totenbändiger – Staffel 1 von Nadine Erdmann

Geister und ein verspuktes London? Natürlich bin ich da mit von der Partie! Vorweg – bei der Ebook Staffel handelt es sich um eine sehr unterhaltsame und actionreiche Story. Eine Mischung aus Highschooldrama, Ghostbusters und Criminal Minds.

Geister sind gefährlicher Alltag in London. Es existieren verlorene Orte, Geister attackieren Menschen, die dumm genug sind, sich nach Einbruch der Nacht auf die Straße zu wagen. Die Menschen sind vorsichtig geworden – vorsichtig vor den Geistern, die sie nicht verstehen, aber genauso vor den Totenbändigern, die sie ebenso nicht begreifen können und die ihnen mit ihren unheimlichen Fähigkeiten Geister bekämpfen zu können und sich Lebensenergie von Geistern und Lebewesen zu nehmen. Dumm nur, dass sie die Einzigen sind, die die Geister wirklich im Zaun halten können. So schlägt den Totenbändigern Hass und Misstrauen entgegen.

Die Familie Hunt ist eine große Totenbändiger Familie, die einen Teil ihrer Kinder adoptiert hat, jedoch auch Normalos als Familienmitglieder in ihrer Mitte hat. Und sie leben noch, keine Sorge ;) – um diese Familie dreht sich die Geschichte hauptsächlich. Um den Alltag ihrer Kids in der Highschool, um die Jobs der Älteren zwei bei den Spooks – die Polizei hat extra Einheiten gebildet, die zuerst an die Tatorte von Verbrechen geschickt werden um sie von jeglicher spukigen Aktivität zu reinigen, bevor die Mordermittlung anrückt. Da sind die Totenbändiger sehr praktisch, oder? Doch auch den Eltern und Granny wird genügend Raum gegeben, um zu agieren und sich zu entfalten. Besonders das Familienleben von ihnen genieße ich sehr. Es ist gleich eines Ruhepols. Die Geschwister sind füreinander da und verstricken sich kaum in Teeniezickereien. Wenn es hart auf hart kommt, agiert die Familie als Einheit und ist wirklich unschlagbar. Selbst in einer Mordermittlung.

Zu Anfang fiel mir auf, dass es immer zwei Pole gab. Die Familie und die Totenbändigerfraktion auf der einen Seite, die normalen Menschen, die nur Hass und Missgunst ausstrahlen, auf der anderen. Natürlich existieren hier auch Ausnahmen. Doch die Pole fransen an den Rändern mehr und mehr aus – zu meiner Freude. Ich mag es ein bisschen grauer. Mir ging es generell so, dass ich der Ebook-Serie zunächst etwas skeptisch gegenüberstand. Ans Herz gelegt wurde sie mir von einem Freund mit einem tollen Bücher Geschmack, also las ich die erste Episode – die von Seite zu Seite besser wurde. Sie wuchs, je besser ich die Protagonisten kennen lernte, verankerte sich und trieb Wurzeln. Ich bin ein Charaktermensch – und Cam, Gabriel, Sky und all die anderen sind einfach nur zum Knuddeln und Mitfiebern. Ihre Ausgestaltung ist Nadine Erdmann wirklich sehr gut gelungen – so gut, dass mich abends mein Wecker schon anmeckern muss, endlich zu schlafen, da ich am nächsten Tag arbeiten muss. Was mich auch überzeugt, ist die Altersdurchmischung der Protas – Gab, Sky und Connor von den Spuks haben definitiv andere Probleme, als Cam, Jules und Elle, die sich durch das letzte Jahr der Highschool schlagen müssen. Ganz zu schweigen von ihrer Mum, Sue und Granny, die um die Rechte für die Totenbändiger kämpfen. Trotzdem sind die Szenen zwischen ihnen so warm und selbstverständlich.

Die Ideenfülle, die Nadine Erdmann präsentiert, hat mich im ersten Moment fast erschlagen. Da geht es einmal um Soziale Missstände. Unterdrückung, Mobbing, Sexualität, Ausgrenzung und gesetzliche Gleichberechtigung. Zum anderen sind in die Geschichte geniale Ideen rund um die Geister und die Geisterbändigung eingeflossen (keinen einzigen Aspekt davon möchte ich missen!). Ich musste mit den ganzen Puzzleteilen eine Weile jonglieren, aber dann fügten sich alle Teile brav an ihren Platz.

Die Actionszenen, in denen die Familie gegen die Geister kämpfte und sie bannte, bringen das nötige Tempo in die Geschichte. Ich fieberte mit, also richtig – mit Händen in der Luft und gezischten Ausrufen. Die Szenen genoss ich besonders. Genauso wie mir die Familienszenen schnell ans Herz gewachsen sind, genauso wie die Spook-Szenen. Ich liebe es, dass die Story durch die Polizeiarbeit noch eine andere Note bekommt.

Alles in allem waren es ein paar sehr kurze Nächte und ich hatte die „Staffel“ binnen einer Woche durchgesuchtet. Vor kurzem ist der 7. Band der auf 8. Bände angelegten Ebook-Staffel erschienen. Der achte Band kommt auch in Kürze (hoffe ich ;)).

Mich hat die Totenbändiger Reihe vor allen Dingen durch ihren Charme und durch die Beziehungen und Freundschaften der Charaktere untereinander überzeugt – so sehr, dass ich mein Ereader dankbar war, dass er mir ermöglichte, mir den Nächsten Band auch Mitten in der Nacht zu laden und reinzuschmökern.

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Veröffentlicht am 11.05.2020

Abenteuer pur

Tara und Tahnee
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Tara und Tahnee: Verloren im Tal des Goldes

Sierra Nevada Mitte des 19. Jahrhunderts. Die junge Tara will ihrem Vater helfen, der von Kopfgeldjägern gejagt wird. Sie hat ihm ein Versprechen gegeben. ...

Tara und Tahnee: Verloren im Tal des Goldes

Sierra Nevada Mitte des 19. Jahrhunderts. Die junge Tara will ihrem Vater helfen, der von Kopfgeldjägern gejagt wird. Sie hat ihm ein Versprechen gegeben. Um das zu erfüllen muss sie es nach San Francisco schaffen. Doch dieser Weg ist verdammt gefährlich. Derweil entdeckt Tahnee in dem herrschaftlichen Anwesen in San Francisco, dass sich mehr hinter ihrer Herkunft verbirgt, als sie zunächst geahnt hat.

Der vorliegende Jugendroman ist ein Standalone, der im Wilden Westen des 19. Jahrhunderts spielt. Eine Zeit voller Aufbrüche, voller Gesetzlosigkeit und Goldgräberstimmung und eine Zeit, in der Amerika sich finden musste. Allein die historische Epoche hat mich ziemlich neugierig gemacht. Immerhin ist es nicht einfach, einen glaubhaften Jugendroman im Wilden Westen anzusiedeln.
Ich bin ein Coverlover – und dieses Cover hat mich einfach angezogen wie Eisen einen Magnet. Die Zeichnungen sind einfach wundervoll und das gesamte Bild fängt die Stimmung perfekt ein – kurzum es macht Lust, in die zwei Welten, die den Leser erwarten, einzutauchen. Die Welt von Tara und Tahnee.

Gesplittet in zwei Teile beginnt das Buch mit Tara und einem schaurigen Besuch eines Kopfgeldjägers, der auf der Suche nach ihrem Vater ist. Ich wurde gleich in die Szenerie gezogen. Trapperhütte, schummriges Licht. Die Szene war perfekt beschrieben und Tara konnte ihre hervorstechendsten Fähigkeiten beweisen: Ihre Klugheit und ihren Mut, fernab von jeglicher Naivität. Die hat sie schnell verloren in den Goldgräberbergen, vermute ich mal – im Verlauf des Buches verfällt sie auch nicht in naive Anwandlungen, Tara bleibt ihrem Charakter treu, den die raue Umgebung und ihr Vater ausgeformt haben. Ich mochte sie sehr. Tahnee wiederum lernen wir im ersten Teil des Buches nur durch Briefe kennen, die sie selbst an ihre Mutter schreibt. Dabei wird sehr schnell der Unterschied zwischen Taras und Tahnees Welt deutlich – sehr schnell. Tahnee wächst behütet auf. Allein sich außerhalb ihres Grundstücks zu bewegen, stellt für sie schon ein Abenteuer dar. Trotzdem mochte ich auch sie, denn sie hat in ihrer eigenen behüteten Welt einen Mut bewiesen, den ich ihr in den ersten paar Briefen nicht zugetraut hätte. Im zweiten Teil der Geschichte verlaufen dann beide Handlungsstränge parallel.
Auch die Nebencharaktere wuchsen mir rasch ans Herz – manche waren Freunde zum Pferdestehlen, manche unfreiwillige Verräter. Ich wusste zunächst nicht in welche Richtung das Buch tendiert, doch es erwuchs zu einem ausgewachsenen Abenteuer mit Feuergefechten, Verrat und Gefahr, die an jeder Ecke lauerte. Traue niemanden ;)

Der Schreibstil des Autors stellte sich als unglaublich bildhaft und greifbar heraus, er flocht Details wie eine Beschreibung einer Goldgräbersiedlung mit ein, sodass ich praktisch mit Tara da durchgeschlichen bin – und um Himmels Willen keine Aufmerksamkeit erregen wollte. Der Stil zog sich durch das gesamte Buch – Herrlich!

Das einzige, was ich als negativ empfand, war ein Ereignis, dass sich recht lange herausgezögert hat. Dafür hätte ich mir mehr Stagetime gewünscht. Alles in allem hat mich „Tara und Tahnee“ ausgezeichnet unterhalten ich habe mit den beiden mitgefiebert und dafür vergebe ich gerne 4,5 Sterne.

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