Asiatische emotionale HighFantasy
The sword of Kaigen: Eine theonitische Kriegsgeschichte„Ihr werdet stark und mächtig sein. Ihr werdet etwas finden, wofür es sich zu kämpfen lohnt, und ihr werdet eure Chance bekommen, zu kämpfen. Eines Tages.“
The Sword of Kaigan ist keine einfache Geschichte. ...
„Ihr werdet stark und mächtig sein. Ihr werdet etwas finden, wofür es sich zu kämpfen lohnt, und ihr werdet eure Chance bekommen, zu kämpfen. Eines Tages.“
The Sword of Kaigan ist keine einfache Geschichte. Sie ist hart und ist tief in die Gefühle der einzelnen Charaktere hineingeschrieben. Ich glaube, sie war nicht das, was ich eigentlich erwartet hatte. Ich glaube keiner, würde das, was eigentlich hinter dieser Geschichte steckt, in diesem HighFantasy-Buch vermuten. Macht euch auf viele Schwertkämpfe, einen anderen Schwerpunkt bei der Charakterentwicklung und beim Worldbuilding, als ihr zunächst vermuten werdet, und auf den ein oder anderen Schockmoment gefasst.
Im Buch geht es um eine abgelegene Region im Kaiganesischen Imperium - dort lebt eine mächtige Kriegerfamilie, die mit Klingen aus Eis kämpft und das Wasser kontrollieren kann. Mamoru ist auf dem besten Weg ein ebenso mächtiger Krieger zu werden wie sein Vater, der eisige Takeru (über den wir später auch noch einiges erfahren). Doch als eines Tages ein Junge von außerhalb an die Akademie kommt, auf der er unterrichtet wird, und behauptet, dass er und alle anderen vom Kaiserreich belogen werden, muss sich Mamoru entscheiden. Zur gleichen Zeit hält seine Mutter Misaki ihre Vergangenheit begraben. Unter den Dielenbrettern ihres Hauses ruht ihr Schwert … Bis zu jenem verhängnisvollen Tag, der alles verändern soll.
Wir lernen zuerst Mamoru kennen, mit seinem gefestigten Wertesystem, mit seinen Wünschen und geradlinigen Zielen. Ein großer Kämpfer werden und wenn nötig für das Kaiserreich sterben. Oh, wie gerne bin ich dem Jungen auf der Schwelle zum Mann gefolgt und habe mit ihm seine Schule, sein Haus, seine kleinen Brüder und die Umgebung kennengelernt. Doch Wang wäre nicht Wang, wenn sie es den Charakteren so einfach machen würde. Bald muss Mamoru alle seine Überzeugungen in Frage stellen.
Misakis Perspektive war ebenso spannend. Mit Mitte 30 versucht sie den Haushalt der Familie zu führen und ihre Kinder zu erziehen - und ihrem Mann möglichst wenig Fläche zu bieten für sein Missfallen. Aber da war doch noch ein Schwert? Misaki hat nämlich noch eine Vergangenheit, in der sie gar nicht so brav war! Die Vergangenheit wird in Rückblicken beleuchtet - und oh, habe ich da eine andere Misaki erlebt! Während Mamoru seine Identität erst noch finden muss, sucht Misaki eher nach einer Linie zwischen den zwei Welten: Die Welt, in der sie lebt und nach der sie sich sehnt. Doch auch das ist nicht einfach.
In diesem Buch steht die Liebe zwischen Mutter und Kind ganz klar im Vordergrund. Misaki würde für ihre Kinder alles tun - und das reißt den Leser emotional in die tiefsten Abgründe. Diese Gefühle, dieses Herauskitzeln der Löwin, wenn die Not am größten ist, ist für mich der eigentliche Kern und die eigentliche Stärke des Buches! Mit Misaki, mit ihrem Zorn und ihren emotionalen Gräben, die sie selbst geschaffen hat, muss man einfach mitfühlen.
Warum vergeben ich dann nur 4,5 Sterne? Weil mich das Buch nicht wirklich vollkommen für sich vereinnahmen konnte. Trotz der großartigen Inszenierung, den verschlungen außergewöhnlichen Pfaden, denen die theonitische Kriegsgeschichte folgt, und dem asiatischen Setting, habe ich das Buch über einige Strecken mit einer kleinen Distanz gelesen, ehe es mich wieder zwischen die Seiten gezogen hat.
Aber es ist trotzdem ein richtig gutes Buch! HighFantasy mit einem asiatischen Setting zwischen Tradition und Moderne und Figuren, wie ihr sie euch berührender kaum vorstellen könnt. Eine klare Leseempfehlung.