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Veröffentlicht am 07.10.2025

Peggy, der Freigeist

Peggy Guggenheim
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"Wer ist dieser Mann?" Zu Andy Warhol und ihrer Begegnung auf einer Party.

Dieses Buch, eine Biografie, mit vielen sehr schönen Fotografien aus dem aufregenden Leben der Peggy Guggenheim, die im Gegensatz ...

"Wer ist dieser Mann?" Zu Andy Warhol und ihrer Begegnung auf einer Party.

Dieses Buch, eine Biografie, mit vielen sehr schönen Fotografien aus dem aufregenden Leben der Peggy Guggenheim, die im Gegensatz zu anderen Erbinnen aus den USA (nehmen wir Barbara Hutton) etwas mit ihrem ererbten Geld machte. Chapeau! Ihr Beitrag ist mir als Europäerin wesentlich wichtiger als derjenige eines ihrer reichen Verwandten.
Das Buch betrachte ich eher als ein Nachschlagwerk, um immer mal wieder darin zu blättern und Kapitel zu bestimmten KünstlerInnen und Peggy Guggenheim zu lesen. Ein anregendes und inspirierendes Nachschlagewerk.

Das Buch ist eine Biografie und doch, wie die Autorin in ihrem äußerst interessanten Schlusswort betont, keine Biografie. Denn ihre Kinder bleiben unerwähnt (die sind ihren eigenen Weg gegangen), ihre Männer (Ehemänner) wurden am Rande erwähnt, ihre Liebhaber ebenfalls. Das macht auch eine Frau, einen Freigeist wie sie einer war, nicht aus. Einem Willy Brandt werden unendlich viele Affären nachgesagt, und das von seinen Frauen weiß ja die interessierte Leserin. Aber gehört das in eine Biografie? Peggy Guggenheim hat ihren sehr wertvollen Beitrag, genauso wie Willy Brandt, für die Gesellschaft geleistet. Ich bin dankbar für das, was sie getan hat: So genannte entartete Kunst gerettet, Künstler:innen gerettet.

Ein schönes Buch!

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Zwei Schwestern, und was das Leben aus ihnen macht!

Wohin du auch gehst
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Die tragische Geschichte zweier Schwestern, Ya Eugenie und Mireille, die sich nach einem halben Lebensalter wiederfinden.

Der Roman beginnt mit der jungen Mira (Mireille), die in einer begüterten Familie ...

Die tragische Geschichte zweier Schwestern, Ya Eugenie und Mireille, die sich nach einem halben Lebensalter wiederfinden.

Der Roman beginnt mit der jungen Mira (Mireille), die in einer begüterten Familie aufwächst, voller Liebe und Zuneigung. Ihre ältere Schwester Ya Eugenie ist diejenige, die sie durch ihr junges Leben führt. Sie hängen sehr aneinander. Doch ihr Leben verändert sich, von Limete ziehen sich nach Gombe. Denn dorthin zieht eine aufstrebende Familie in Kinshasa. Der Vater legt eine steile Karriere hin. Es ist zu Mobutus Zeiten in Zaire, der Vater strebt sogar eine politische Karriere an. Doch die Zeiten ändern sich, politische Unruhen, der Diktator Mobutu wird verdrängt. Die beiden Schwestern werden erwachsen, die Ältere heiratet und die junge Mira ist zum ersten Mal verliebt.

Im rasanten Tempo erzählt der Roman von Christina Fonthes nicht nur die Geschichte des Landes Kongo, Zaire, Demokratische Republik Kongo, sondern auch vom Schicksal der beiden jungen Frauen und dem Baby Bijoux. In ebenso rasanten Stil führt das Buch von Kinshasa nach Brüssel, Paris, London. Mit viel Lokalkolorit werden die Exilgemeinden der Kongolesen in diesen Städten vorgestellt, ihre Eigenheiten auch in der Fremde ihre Kultur beizubehalten, ihren Zusammenhalt, aber auch Gebräuche und Sitten aufrecht zu erhalten. In der Tat sind Exilgemeinden oft noch konservativer und rückwärts gerichtet als die Gemeinden im Heimatland. Und das zeigt sich in diesem Roman besonders. Jugendschwangerschaften, Homosexualität, freie Entfaltung von Frauen, schmerzvolle Liebes- und Sexualitätserfahrungen. Dazu das Schweigen und Nichtsagen, was ist. Das sind die Themen im Roman, doch einige interessante Wendungen zeigen, dass noch viel mehr dahinter steckt. Was das Schweigen und Verschweigen aus Menschen macht.

Großartig geschrieben! Spannend! Und für mich, die länger in Zaire, DR Kongo lebte voller Erinnerungsmomente. Kenne ich nicht nur die Orte der afrikanischen Diaspora in Europa ganz gut, sondern auch die Orte, wo der Roman im Kongo spielt.

Der Roman ist realistisch, spannend und doch auch voller lyrischer Momente.
Ich freue mich darauf hoffentlich bald den nächsten Roman der Autorin zu lesen.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Kürbisse!

Botanik des Wahnsinns
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Schweres Erbe: Der junge Mann muss mit einer Verwandtschaft zurecht kommen, die durchaus als 'nicht die Regel' bezeichnet werden könnte (doch was ist die Regel?). Depressive. Drogenabhängige. Selbstmordgefährdete. ...


Schweres Erbe: Der junge Mann muss mit einer Verwandtschaft zurecht kommen, die durchaus als 'nicht die Regel' bezeichnet werden könnte (doch was ist die Regel?). Depressive. Drogenabhängige. Selbstmordgefährdete. Klinikaufenthalte inklusive. Kann sich wirklich so viel in einer Familie versammeln? Spielen da wirklich die Gene eine Rolle? Üblicherweise gibt es in so gut wie jeder größeren Familie (also so ab fünf Personen) jemanden, der / die es etwas schwerer im Leben hat. Also das was heutzutage wohl 'neurodivers etc.' genannt wird.

Es ist beeindruckend wie der Ich – Erzähler (Leon) sich damit beschäftigt, über Stationen Berlin, München, New York, Paris, Wien (und immer wieder Wien!) schließlich dann doch in der Psychiatrie landet – als angestellter Psychologe. Eigentlich schlüssig, dass er bei so vielen Fällen in der Familie sich damit beschäftigt und in Wien (ausgerechnet in Wien! Freud und so weiter...) Psychologie studiert. Interessant auch sein Umfeld, die Freunde und Freundinnen, die er sich aussucht.
Haben wir alle etwas Ver-rücktes an uns? Aus der Reihe tanzend. Eigensein. Irgendwie anders sein als der Rest?

Viele Menschen, vermutlich die Meisten, denken, dass sie diejenigen sind mit der schwersten Jugend aller Zeiten. Nach dem Lesen von Leon Englers Buch merkt man den Unterschied. Ich denke, schlimmer geht es nicht. Und trotz diesem schweren Erbe hat er es geschafft, wurde Autor diverser Werke, Psychologe und Dozent.

Das Cover sieht einfach unglaublich aus: Diese Blüten, die dann wie Paradiesvögel firmieren. Sehr aufsehenerregend. Doch auch passend, sind die Neurodiversen nicht die Paradiesvögel? Auch bei dem Titel stellt sich ein lesender Mensch gleich die Frage – was meint der Autor damit?

Das ist ein Büchlein, was langsam gelesen werden möchte. Ich bin beeindruckt von der Schreibart des Autors Engler und bitte ihn weiterzuschreiben! Es beschäftigt ganz schön und lässt auch die eigene Familiengeschichte erneut hinterfragen...

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Paris unter deutscher Besatzung

Der Barmann des Ritz
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Eines der nobelsten Hotels von Paris ist das Traditionshotel Ritz. Berühmt in dem Hotel ist auch ihre Hemingway Bar, wo der trinkende Schriftsteller gerne seine Zeit verbrachte. Und von dieser Bar ist ...

Eines der nobelsten Hotels von Paris ist das Traditionshotel Ritz. Berühmt in dem Hotel ist auch ihre Hemingway Bar, wo der trinkende Schriftsteller gerne seine Zeit verbrachte. Und von dieser Bar ist der Barmann Frank Meier besonders bekannt.

Im vorliegenden Buch schreibt der Autor Philippe Collin, ein französischer Journalist, in seinem ersten Roman über die deutsche Besetzung von Paris 1940 bis 1944 aus dem Blickwinkel des Barmanns vom Ritz.
Das Besondere daran ist, Frank Meier ist jüdisch (obwohl sein Vater ihn nicht beschneiden ließ und ihm einen österreichischen Namen verpasste. Denn Vater Meier, der osteuropäische Pogrome erlebte, wollte, dass sein Sohn frei von der Bürde einer jüdischen Religion aufwächst).

Nun tauchen die Größen der Nazi Wehrmacht im Ritz auf (sind auch von der Ritz Witwe gerne gesehen, denn sie bringen Geld und ziehen weitere illustre Kundschaft an). Ein Barmann hört alles, sieht alles und bleibt doch irgendwie unsichtbar, außer man spricht ihn direkt an und will etwas von ihm (einen ‚Drink’, einen Gefallen, einen Wett Tipp für das Pferderennen). Diese Gefallen z.B. gipfeln auch darin Pässe für Verfolgte zu besorgen, jüdische Pariser, einen britischen Piloten, Mündel von ihm. Er kümmert sich um einen Barjungen, ebenfalls jüdisch, und um eine schöne jüdische Amerikanerin, aufmüpfige Ehefrau eines der wichtigen Männer vom Ritz Direktorium. Er wird in einen Geheimgang eingeweiht und ermöglicht durch diesen die Flucht des Barjungen.

Im Laufe des Romans leidet man mit Frank Meier mit, den er weiß nie, finden die Nazis raus, dass er auch jüdischer Herkunft ist, finden die raus, dass er verfolgten Menschen hilft, finden die raus, dass hinter der Fassade des höflichen Barmanns, der anscheinend taub und stumm ist, ein wohlweislich kluger Überlebenskünstler steckt?
Anhand dieses Einzelschicksals wird einem wieder die Perversion der Minderheiten hassenden Nazis vor Augen geführt. Umso wichtiger, weil in den momentan undemokratischen Zirkeln wieder solche Ideologien hochgehalten werden.

Im Anhang dieses informativen Romans befinden sich auch einige Fotos mit Informationen zu real existierenden Personen der damaligen Epoche. Auf dass solche Zeiten nie wieder auferstehen, doch leider scheint die Menschheit nicht sehr gelehrig zu sein.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Theresia Graw schreibt über Rachel Carson und ‚Silent Spring’

In uns der Ozean
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Was für eine Überraschung ist dieses großartige Buch von Theresia Graw: Sie lässt uns teilhaben am turbulenten Leben der Naturwissenschaftlerin und Bestseller Autorin Rachel Carson. Sensibel beschrieben ...

Was für eine Überraschung ist dieses großartige Buch von Theresia Graw: Sie lässt uns teilhaben am turbulenten Leben der Naturwissenschaftlerin und Bestseller Autorin Rachel Carson. Sensibel beschrieben verknüpft die Autorin die diversen Stränge im Leben der Rachel Carson.

Rachel Carson stammt aus einer einfachen Familie, wo sie die Einzige ist, die brilliert. Der Vater unterstützt sie, doch verkalkuliert sich mit Aktien und verschuldet die Familie. Als er stirbt, muss Rachel ihren Doktorandenplatz aufgeben, um ihre Herkunftsfamilie zu ernähren (eine Schwester mit zwei Kindern, wo der Mann wegläuft, einen nutzlosen Bruder und die Mutter). Glücklicherweise, obwohl auch in den USA Frauen nicht besonders gefördert werden, erhält sie einen Arbeitsplatz bei dem sie ihr Interessensgebiet Ozeanologie einbringen kann (zwar nicht wissenschaftlich, aber immerhin etwas mit ‚dem Meer’).
Ihre poetische Beschreibfähigkeit von wissenschaftlichen Themen, in erster Linie zum Leben im Meer, beweist sie zunehmend durch unterschiedliche Publikationen. Auf diese Weise schreibt sie vor allem für Laien, die fasziniert sind von ihrer Darstellungskraft. Großartig – wie ihr erster Aufsatz zur Makrele beschrieben wird.
Weltweit bekannt wird sie aber dann durch ihr Buch zum Einsatz von DDT, dem Pestizid, dass in den 50ern bis 70ern des letzten Jahrhundert breitflächig eingesetzt wurde, ohne ausreichende Untersuchungen zu den Auswirkungen auf Natur und Mensch. Sie veröffentlicht ‚Silent Spring’ (Der stumme Frühling). Die entsprechenden Lobbyisten der Chemiewirtschaft greifen Rachel Carson massiv an, aber sie bleibt standhaft. Und noch heute müssen wir gegen Montesano und Co kämpfen.

Wer als Kind der 70er Jahre kennt nicht DDT, das auch damals in Deutschland verboten wurde. Durch das Buch von Theresia Graw lerne ich auch die Hintergründe kennen.
Der Roman folgt der Biografie von Rachel Carson mit fiktiven Elementen. Heutzutage ist Rachel Carson, auch nach ihrem Tod, immer noch eine auflagenstarke Autorin, geschätzt und mit Preisen bedacht (auch postum), selbst ein Asteroid wurde nach ihr benannt.

Es ist der Autorin mit ihren umfangreichen Recherchen zu danken, dass sie Rachel Carson auch einem deutschen Lesepublikum bekannt macht. Dem Buch wünsche ich eine breite Leserschaft!

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