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Veröffentlicht am 23.10.2025

Von Buenos Aires nach Upper Puffin Island (Litas Geschichte)

Mr. Saitos reisendes Kino
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Das Buch ist reine Magie! Diese Sprachgewaltigkeit ist unglaublich.
Bereits der erste Blick (Leseprobe) hat sich als herausragend unter den Buchvorstellungen entpuppt.

Der Roman handelt von einem Mädchen ...

Das Buch ist reine Magie! Diese Sprachgewaltigkeit ist unglaublich.
Bereits der erste Blick (Leseprobe) hat sich als herausragend unter den Buchvorstellungen entpuppt.

Der Roman handelt von einem Mädchen namens Carmelita (genannt Lita) aus Argentinien. Seine Mutter ist Fabiola, ein Findelkind, was vor einem Nonnenkloster abgelegt wurde. Fabiola hat zwei Leidenschaften, Schuhe, sie ist verrückt nach Schuhen und sie kann nicht stillstehen, sie muss tanzen.
Beides führt dazu, dass Fabiola, recht jung und ohne einen Vater dazu, schwanger wird (beim Tangotanzen). So kommt Lita in eine Welt, die etwas verquer ist. Anfang des 20. Jahrhundert. Argentinien. Korrupte Menschen machen das Land unregierbar (nein, ich rede nicht von Argentinien im Jahr 2025) und Fabiola, die aufgrund ihrer Schönheit plötzlich zur argentinischen Freiheitsstatue stilisiert wird weil sie auf der Titelseite des Morgenblattes mit einem Gewehr in der Hand durch die Luft gewirbelt wird, muss mit ihrer kleinen Tochter das Land verlassen.

Auf einem alten rostigen Frachter flüchten Mutter und Tochter aus ihrem Heimatland, als blinde Passagiere. Werden unterwegs entdeckt, Fabiola kann mit Tanzen ihr Dasein kaschieren, doch die Tochter bleibt versteckt in einem Wäscheschrank. Als sie ebenfalls entdeckt wird, müssen beide auf der Upper Puffin Island vor der kanadischen Küste aussteigen.
Für Lita wird diese unvorhergesehene Landung zum Glücksfall. Sie lebt sich ganz schnell ein, mit ihren tauben Freundin Oona und den anderen skurrilen, aber sehr warmherzigen Menschen (okay, nicht alle). Und dann kommt der geheimnisvolle Mister Saito.

Nicht umsonst ist dieser Roman zu einem Bestseller geworden. Im Stil erinnert mich das Buch von Annette Bjergfeldt an Isabel Allende, von ihrer Erzählkraft her, aber auch den eigentümlichen Charakteren.

Zum Roman passt der, in einer warmen Farbe gehaltene Umschlag mit einem fliegenden Papageientaucher (Puffin auf Englisch), der eine Filmrolle im Schnabel trägt. Darunter der blauweiße Leuchtturm, der auch seine gewichtige Rolle im Roman inne hat.

Ein großer Lesegenuss!

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Veröffentlicht am 07.10.2025

eine äußerst interessante Lektüre!

Prinzessin Alice
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Alice von Battenberg (oder angliziert: Mountbatten), die Schwiegermutter von Königin Elisabeth II und folgerichtig damit auch die Mutter von ihrem Gemahl Prinz Philip von Griechenland und Dänemark:

Als ...

Alice von Battenberg (oder angliziert: Mountbatten), die Schwiegermutter von Königin Elisabeth II und folgerichtig damit auch die Mutter von ihrem Gemahl Prinz Philip von Griechenland und Dänemark:

Als Prinzessin von Griechenland mussten Alice und ihre Familie das Land verlassen, als es zu einem Putsch kam. Bettelarm ließ sich Alice mit ihren fünf Kinder in Paris nieder, Prinz Andreas hatte sich vom Acker gemacht (sprich nach Monte Carlo mit seiner Geliebten). Alice war gehörlos, konnte aber in fünf Sprachen Lippen lesen, sie wird als sehr intelligent und schön bezeichnet.

Mit dem Buch von Irene Dische, einer versierten Autorin, nähert sich der lesende Mensch dem europäischen Hochadel an. Die persönlich gehaltene Erzählung über Alice (die sich anhört, als ob Alice sie selbst erzählt) berichtet von vielen Interna, Streitereien und Intrigen. Im Vordergrund steht natürlich Prinzessin Alice, die ihren eigenen Weg geht. Sie wird sehr religiös und gründet ihren eigenen Orden, wird Wohltäterin und auch Retterin von verfolgten jüdischen Menschen. Doch ihrer Familie und dem Hochadel allgemein ist sie suspekt, weswegen man sie auch in die Psychiatrie steckte.

Das Buch ist einer mutigen und ihren eigenen Weg gehenden starken Frau gewidmet, die trotz ihrer Einschränkungen (gehörlos und dem unter starken Regelungen gebundenen Hochadel angehörig) ihrem Leben viel Sinn abverlangt.

Angeblich wollen alle kleinen Mädchen Prinzessinnen werden. Wüssten diejenigen, die im Prinzessinnenkleidchen von einem schönen Prinzen träumen, wie unromantisch das Leben des Hochadels tatsächlich ist - vor allem wenn nur noch der Titel bleibt und kein Wohlstand, dann würde der Traum schnell platzen.
Da ich einige Bekannte aus dem Hochadel habe, kann ich nur betonen - es stimmt, Angehörige der Aristokratie zu sein, ist keine einfache Angelegenheit.
Von daher kann ich das Buch nur empfehlen! Es öffnet Augen...und in dem Buch stecken viele ironische Seitenhiebe auf die eigene Familie und dem Hochadel allgemein.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Andi & Jule, Arthur & Frieda, Heinrich & Hannah, Ruth & Tom...Der Osten und die Welt

Was du siehst
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„Was du siehst“, Laura Maaß

Auf bessere Weise kann die alte DDR und die neue Welt nicht beschrieben werden. Keine anklagenden Worte, sondern leise und auf ihre eigene Art so bedeutsam beschreibt Laura ...

„Was du siehst“, Laura Maaß

Auf bessere Weise kann die alte DDR und die neue Welt nicht beschrieben werden. Keine anklagenden Worte, sondern leise und auf ihre eigene Art so bedeutsam beschreibt Laura Maaß (aus Schwerin) das Leben von Andi, Jule (Sandkastenliebende), Arthur, Frieda (ewig Liebende, doch dem Treue Eid ihres ersten Mannes verbunden), Heinrich, Hannah (schwierige Jugend meisterndes Paar), Ruth, Tom (gefunden, verloren und zum Glück wiedergefunden).

Der Buchtitel, das Cover und auch der Klappentext hat nicht auf die Wucht dieses Romans hinweisen können, einzig die Leseprobe. Das Geschriebene spricht für sich.

Das ist Literatur – ein Buch, was mit seinen leisen und doch so eindringlichen Worten das Leben von acht Menschen umreißt und gleichzeitig auf seine leise Weise das beschwerliche Leben in der alten DDR darstellt ohne den besserwisserischen Zeigefinger, sondern durch eindringliche Momente. „Er hatte nicht die Kontakte. Er musste zur NVA, damit er studieren durfte. Der Vater / Bruder schaffte es mit seinen Kontakten die Tochter in die Randzone zu schicken. Da standen sie mit ihren blauen Halsfähnchen. Und Hannah, die unter der Ladentheke etwas aufgehoben hatte...“ Aber auch das Gemeinschaftswesen, man half sich, denn das war das, was wichtig war.

Und doch spielt die Hauptrolle die Liebesgeschichte von vier Paaren. Die Suche nach dem Großvater und vor allem nach dem Vater.
Die mit leisen Worten beschriebene Liebesgeschichten. Das Füreinander da sein, das Verstehen, das Warten, die zarten Gesten.
„Ich sehe etwas, was du nicht siehst..."; ich sehe viel klarer, was Liebe wirklich sein kann.

Was für ein großartiger Lesegenuss, der mich an einigen Stellen zum Weinen brachte. Was für ein neuer Stern am deutschen Literaturhimmel!

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Peggy, der Freigeist

Peggy Guggenheim
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"Wer ist dieser Mann?" Zu Andy Warhol und ihrer Begegnung auf einer Party.

Dieses Buch, eine Biografie, mit vielen sehr schönen Fotografien aus dem aufregenden Leben der Peggy Guggenheim, die im Gegensatz ...

"Wer ist dieser Mann?" Zu Andy Warhol und ihrer Begegnung auf einer Party.

Dieses Buch, eine Biografie, mit vielen sehr schönen Fotografien aus dem aufregenden Leben der Peggy Guggenheim, die im Gegensatz zu anderen Erbinnen aus den USA (nehmen wir Barbara Hutton) etwas mit ihrem ererbten Geld machte. Chapeau! Ihr Beitrag ist mir als Europäerin wesentlich wichtiger als derjenige eines ihrer reichen Verwandten.
Das Buch betrachte ich eher als ein Nachschlagwerk, um immer mal wieder darin zu blättern und Kapitel zu bestimmten KünstlerInnen und Peggy Guggenheim zu lesen. Ein anregendes und inspirierendes Nachschlagewerk.

Das Buch ist eine Biografie und doch, wie die Autorin in ihrem äußerst interessanten Schlusswort betont, keine Biografie. Denn ihre Kinder bleiben unerwähnt (die sind ihren eigenen Weg gegangen), ihre Männer (Ehemänner) wurden am Rande erwähnt, ihre Liebhaber ebenfalls. Das macht auch eine Frau, einen Freigeist wie sie einer war, nicht aus. Einem Willy Brandt werden unendlich viele Affären nachgesagt, und das von seinen Frauen weiß ja die interessierte Leserin. Aber gehört das in eine Biografie? Peggy Guggenheim hat ihren sehr wertvollen Beitrag, genauso wie Willy Brandt, für die Gesellschaft geleistet. Ich bin dankbar für das, was sie getan hat: So genannte entartete Kunst gerettet, Künstler:innen gerettet.

Ein schönes Buch!

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Zwei Schwestern, und was das Leben aus ihnen macht!

Wohin du auch gehst
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Die tragische Geschichte zweier Schwestern, Ya Eugenie und Mireille, die sich nach einem halben Lebensalter wiederfinden.

Der Roman beginnt mit der jungen Mira (Mireille), die in einer begüterten Familie ...

Die tragische Geschichte zweier Schwestern, Ya Eugenie und Mireille, die sich nach einem halben Lebensalter wiederfinden.

Der Roman beginnt mit der jungen Mira (Mireille), die in einer begüterten Familie aufwächst, voller Liebe und Zuneigung. Ihre ältere Schwester Ya Eugenie ist diejenige, die sie durch ihr junges Leben führt. Sie hängen sehr aneinander. Doch ihr Leben verändert sich, von Limete ziehen sich nach Gombe. Denn dorthin zieht eine aufstrebende Familie in Kinshasa. Der Vater legt eine steile Karriere hin. Es ist zu Mobutus Zeiten in Zaire, der Vater strebt sogar eine politische Karriere an. Doch die Zeiten ändern sich, politische Unruhen, der Diktator Mobutu wird verdrängt. Die beiden Schwestern werden erwachsen, die Ältere heiratet und die junge Mira ist zum ersten Mal verliebt.

Im rasanten Tempo erzählt der Roman von Christina Fonthes nicht nur die Geschichte des Landes Kongo, Zaire, Demokratische Republik Kongo, sondern auch vom Schicksal der beiden jungen Frauen und dem Baby Bijoux. In ebenso rasanten Stil führt das Buch von Kinshasa nach Brüssel, Paris, London. Mit viel Lokalkolorit werden die Exilgemeinden der Kongolesen in diesen Städten vorgestellt, ihre Eigenheiten auch in der Fremde ihre Kultur beizubehalten, ihren Zusammenhalt, aber auch Gebräuche und Sitten aufrecht zu erhalten. In der Tat sind Exilgemeinden oft noch konservativer und rückwärts gerichtet als die Gemeinden im Heimatland. Und das zeigt sich in diesem Roman besonders. Jugendschwangerschaften, Homosexualität, freie Entfaltung von Frauen, schmerzvolle Liebes- und Sexualitätserfahrungen. Dazu das Schweigen und Nichtsagen, was ist. Das sind die Themen im Roman, doch einige interessante Wendungen zeigen, dass noch viel mehr dahinter steckt. Was das Schweigen und Verschweigen aus Menschen macht.

Großartig geschrieben! Spannend! Und für mich, die länger in Zaire, DR Kongo lebte voller Erinnerungsmomente. Kenne ich nicht nur die Orte der afrikanischen Diaspora in Europa ganz gut, sondern auch die Orte, wo der Roman im Kongo spielt.

Der Roman ist realistisch, spannend und doch auch voller lyrischer Momente.
Ich freue mich darauf hoffentlich bald den nächsten Roman der Autorin zu lesen.

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