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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2019

Sherlock Holmes trifft auf Fantasy

Witchmark. World Fantasy Award für den besten Fantasy-Roman des Jahres 2019
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Es gab selten ein Buch, das mich so positiv überrascht hat wie „Witchmark“. Von dem Klappentext her konnte ich mir noch nicht so richtig vorstellen, wovon die Geschichte handeln soll. Da ich gerne Überraschungen ...

Es gab selten ein Buch, das mich so positiv überrascht hat wie „Witchmark“. Von dem Klappentext her konnte ich mir noch nicht so richtig vorstellen, wovon die Geschichte handeln soll. Da ich gerne Überraschungen mag und mich auch einfach in das Cover verliebt habe, wollte ich ihm gerne eine Chance geben.

Der Einstieg in die Geschichte ist wirklich schwer gewesen. Das kann ich leider nicht beschönigen und das ist auch für mich der Grund für den einen Stern Abzug. Der Leser wird mehr oder weniger in die Geschichte hineingeworfen. Es fehlt irgendwie eine Einleitung, eine Vorstellung der Welt oder auch der Hauptperson. Das erste Kapitel war wirklich verwirrend, da ich noch nicht einmal wusste in welcher Zeit die Geschichte spielt. Ich schätze es ist kein zu großer Spoiler, wenn ich verrate, dass sie zurzeit der allerersten Autos spielt und es auch das ein oder andere elektrische Gerät gibt.

Miles als Charakter ist da deutlich mysteriöser und rückblickend finde ich sogar gut, dass der Leser erst nach und nach alles über ihn erfährt. Er ist vielschichtig, komplex gestaltet und mir auch definitiv sympathisch. Es kommt nicht allzu häufiger vor, dass eine männliche Hauptperson zurückhaltend und eher unterordnend ist. Man könnte in der ein oder anderen Szene sogar meinen, dass er gar nicht die Hauptperson in seinem eigenen Leben ist. Das hat ihn auch faszinierend und einzigartig gemacht.

Zu Beginn trifft Miles auf Tristan. Die beiden haben mich ein bisschen an Sherlock Holmes und Dr. Watson erinnert. Es wirkt durch den Kriminalfall, der jedoch nicht allzu stark im Vordergrund steht, zum Teil wie ein Fall von Sir Arthur Conan Doyle. Es sind interessante Aspekte aus diesem Genre in die Geschichte eingeflossen und gleichzeitig enthält das Buch auch alle Vorteile eines Fantasy Romans. Die Welt ist komplex mit Magie, verschiedenen Wesen und eigenen Regeln. Auch wenn der Einstieg nicht der leichteste war, fand ich es spannend jeden Aspekt hiervon kennenzulernen.

Ein kleines Highlight ist auch, dass Cover optisch nicht nur wunderschön aussieht, sondern es auch magisch ist. Ich kann nur empfehlen sich das Buch einmal im Dunklen anzuschauen. Es ist außergewöhnlich, aber die Schriftzüge können dann sogar leuchten. Für mich zeigt dies nur noch mehr, mit wie viel Liebe zum Detail dieses Werk geschaffen wurde.

Zwischenzeitlich hätte ich nicht gedacht, dass die Geschichte in sich abgeschlossen ist, aber am Ende ist sie sehr rund geworden. Es wird zwar eine Fortsetzung geben, aber es gibt keinen Cliffhanger und der Leser kann zufrieden die letzte Seite umschlagen. Ich habe es in jedem Fall getan und werde bestimmt auch den zweiten Teil lesen. Bis dato war „Witchmark“ die größte Überraschung in 2019 und definitiv ein fantastisches Highlight. Wenn euch der Einstieg ebenfalls nicht direkt überzeugt, dann haltet durch. Es lohnt sich!

Veröffentlicht am 26.04.2019

Es waren einfach die falschen Worte

Lotus House - Lustvolles Erwachen (Die Lotus House-Serie 1)
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Die erste Reihe, die ich von Audrey Carlan gelesen habe, war „Trinity“. Sie war spannend, abwechslungsreich und hat mich komplett gefesselt. Auf ein ähnliches Leseerlebnis habe ich mich bei Lotus House ...

Die erste Reihe, die ich von Audrey Carlan gelesen habe, war „Trinity“. Sie war spannend, abwechslungsreich und hat mich komplett gefesselt. Auf ein ähnliches Leseerlebnis habe ich mich bei Lotus House gefreut, weil es vom Klappentext und der Leserprobe her genau danach klang. Am Anfang war es das für mich auch eindeutig, aber nach hinten raus wurde es das immer weniger.

Wie auch schon in den anderen Büchern spielen Yoga und die innere Mitte eine große Rolle. Genevieve ist hier von Herzen Yoga-Lehrerin und sehr auf ihr Gleichgewicht bedacht. Ihr ist Harmonie wichtig, sie ist eher vorsichtig und öffnet sich nicht leicht anderen Menschen gegenüber. Das merkt der Leser auch sehr schön bei den Abschnitten aus ihrer Sicht. Sie sind zwar emotional, aber auch ruhig beschrieben. Sie ist nicht aufbrausend und hat kaum negative Gefühle. Ihren Charakter mochte ich echt sehr.

Trent ist da in vielerlei Hinsicht sehr konträr. Mit Yoga oder Spiritualität hatte er vorher keine Berührungspunkte und war der Womanizer durch und durch. Dass er stark an Frauen und vor allem den körperlichen Aspekten interessiert ist, merkt der Leser bei ihm eindeutig. Das ist generell nichts Schlimmes und ich fand diese Gegensätze auch gut, aber diese Eigenschaften haben sich auch ganz stark in seiner Sprache widergespiegelt. Eigentlich mag ich es, wenn die Charakterzüge einer Figur sich auch sprachlich in der Sichtweise zeigen, hier war es leider häufiger stören. Einfache Beschreibungen sind bei Trent kein bisschen objektiv, sondern erhalten immer vorab eine sexuell angehauchte Wertung. Irgendwann hat mich dieser flache, obszöne Stil genervt. Er war einfach zu übertrieben.

Die Handlung ist wieder gut und spannend. Das Kennenlernen der beiden hat mir Spaß gemacht und auch wie sich beine Figuren weiterentwickeln. In der zweiten Hälfte ist der Fokus dann nicht mehr so stark auf den Charakteren selbst, sondern das Drama, die Konflikte sowie Wendungen nehmen zu. Damit hat das Buch für mich an Natürlichkeit verloren. Es wirkt zunehmend konstruiert und zu gewollt. Die Authentizität und Lockerheit gehen nahezu komplett verloren. Hier war gut, dass dann schnell die letzte Seite kam, bevor die Handlung völlig abstrus werden konnte.

Der Start in das Buch war ausgesprochen stark und auch die Handlung war zunächst wirklich gut. Leider wurden hier nicht immer die richtigen Worte gefunden, um es für mich angenehm zu beschreiben. Hier hätte ich mir eine etwas erwachsenere Sprache und zum Ende hin mehr Nähe zur Realität gewünscht. Alles in allem war es ok, aber ich werde meine Mitgliedschaft im Lotus House wohl nicht verlängern.

Veröffentlicht am 22.04.2019

Ein kurzer, ruhiger Abstecher ins Dorfleben

Bleib doch, wo ich bin
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„Jedenfalls hat der Herr Lehrer es geschafft, mich ordentlich durcheinanderzurütteln. Ich will gar nicht mehr die coole Kaya sein, die abschleppt, wen sie will, ohne ihr Herz zu verlieren. Ich mag die ...

„Jedenfalls hat der Herr Lehrer es geschafft, mich ordentlich durcheinanderzurütteln. Ich will gar nicht mehr die coole Kaya sein, die abschleppt, wen sie will, ohne ihr Herz zu verlieren. Ich mag die Kaya, die ich bin, wenn ich bei ihm bin. Und ich mag ihn. Ich mag ihn nicht mehr hergeben.“

Manche Buchcharaktere wachsen einem direkt an Herz, sodass man einfach nur weiterlesen möchte, um zu sehen, dass sie glücklich werden. So war es bei mir mit Kaya. Sie ist außergewöhnlich lebensfroh, im Dorfleben komplett verwurzelt und die beste Tante, die man sich vorstellen kann. Schön ist auch, dass sie ein paar kleine Macken hat und noch nicht zu erwachsen ist. Ein Mensch, den ich gerne auch in meinem Freundeskreis hätte.

Bei Lasse ist das etwas schwieriger. Er scheint häufig selbst noch nicht zu wissen, was er eigentlich vom Leben möchte. Nach einer gescheiterten Beziehung zieht er aufs Land und wird Vertretungslehrer. Wirklich glücklich mit dem Landleben ist er jedoch erst einmal nicht. Auch ist sein Verhalten an der ein oder anderen Stelle nicht so schlüssig. Hier kann es durchaus passieren, dass er einfach mal Reißaus nimmt und flieht.

Vom Wesen her sind die beiden somit ziemlich unterschiedlich. Das macht das erste Aufeinandertreffen nur noch amüsanter. Es gibt hier mehrere lustige Stellen, Verwechslungen und Missverständnisse. Dabei bleibt ein großes Drama glücklicherweise aus. Auf mich wirkte das Kennenlernen authentisch und nicht zu überstürzt. Ich war gerne dabei, als die ersten Schmetterlinge im Bauch aufgetaucht sind.

Insgesamt ist das Buch aus Kayas und aus Lasses Sicht geschrieben, was besonders bei den Missverständnissen praktisch ist, sodass man hier die verschiedenen Auffassungen mitbekommt. Der Schreibstil bei beiden Sichten ist zwar recht ähnlich, aber durch das Wesen der Charaktere doch unterschiedlich genug, dass der Leser mitbekommt, aus wessen Sicht gerade erzählt wird.

Darüber hinaus lebt das Buch auch von den Nebencharakteren, wie den Tierarzt Bob oder Kayas Nichte. Sie sind ebenfalls so vielschichtig wie die Hauptcharaktere und bringe noch mehr Spannung in die Geschichte.

Für mich ist „Bleib doch, wo ich bin“ ein schöner Ausflug oder Abstecher in das Landleben. Ein amüsanter, authentischer Liebesroman mit vielen großartigen Charakteren.

Veröffentlicht am 16.04.2019

Eine fantastische Kombination aus Mythos, Liebe, Spannung und einem Hauch Magie

Gold und Schatten
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„Stand ich neben meinen Eltern, sah es immer so aus, als hätten sich zwei Elben aus unerfindlichen Gründen dazu entschlossen, ein Hobbitmädchen zu adoptieren. Ich hatte zwar weder Naturlocken noch behaarte ...

„Stand ich neben meinen Eltern, sah es immer so aus, als hätten sich zwei Elben aus unerfindlichen Gründen dazu entschlossen, ein Hobbitmädchen zu adoptieren. Ich hatte zwar weder Naturlocken noch behaarte Füße, aber der Rest kam ziemlich gut hin. Ich sah in Allem, was zurzeit modern war, irgendwie seltsam aus.“

Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, kam wahrscheinlich in den letzten Wochen nicht darum herum an der ein oder anderen Stelle dieses Cover zu bewundern. Dies war auch mit ein Grund dafür, dass ich auf das Buch aufmerksam geworden bin. Ansonsten klang für mich die Kombination aus Fantasy und griechischer Mythologie äußerst faszinierend.

Es hat nur wenige Seiten gebraucht, dass ich mich in den Schreibstil verliebt habe. Das Zitat oben ist ein gutes Beispiel dafür, wie amüsant die Beschreibungen häufig sind. Die Handlung ist in jedem Fall mit viel Witz geschrieben.

Neben Schreibstil mochte ich sehr die Kombination aus Fantasy, Magie und Mythos. Ich bin nicht unbedingt so bewandert in der griechischen Mythologie, aber das wenige, das ich weiß, habe ich so auch in dem Buch wiedergefunden. Die einzelnen Legenden scheinen also sehr wahrheitsgetreu wiedergeben worden zu sein. So macht der Geschichtsunterricht eindeutig mehr Spaß.

Ein weiteres kleines Highlight ist die Beziehung der beiden Hauptpersonen. Ich mag es, wenn sich zwei Charaktere langsam kennenlernen und näherkommen, wie sich Vertrauen aufbaut und einzelne Gefühle langsam aufkeimen. Es soll zwar die Liebe auf den ersten Blick geben, aber in den meisten Büchern wirkt sie immer etwas unrealistisch.

Bei dem Buch gab es keinen Aspekt, über den ich enttäuscht gewesen wäre oder den ich verbessern würde. Es war ein vollkommener Lesegenuss. Das etwas offene Ende macht zudem Lust darauf die Fortsetzung zu lesen. Sie wandert in jedem Fall direkt auf meine Wunschliste.

Veröffentlicht am 16.04.2019

Teilweise extrem, aber äußerst faszinierend

Too Late
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Wenn man einen Blick auf die Jugendbuchbestsellerliste wirft, dann taucht hier immer wieder der Name Colleen Hoover auf. Bis dato hatte ich dennoch kein einziges Buch von ihr gelesen. Da die Rezensionen ...

Wenn man einen Blick auf die Jugendbuchbestsellerliste wirft, dann taucht hier immer wieder der Name Colleen Hoover auf. Bis dato hatte ich dennoch kein einziges Buch von ihr gelesen. Da die Rezensionen überwiegend positiv waren, hatte ich schon ziemlich hohe Erwartungen. Ich habe mich auf ein tiefgründiges sowie einzigartiges Buch gefreut.

Bereits der erste Blick auf das Buch zeigt, dass es nicht durchschnittlich ist. Die Farben sind ziemlich grell und der Farbkontrast ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack. So strahlt es etwas Gefährliches aus. Ich persönlich finde das Cover nicht besonders schön, aber zum Glück ist es kein Indikator für den Inhalt. Positiv ist, dass es so in jedem Fall heraussticht.

Bereits nach wenigen Seiten wird deutlich, dass die Geschichte sehr fesselnd geschrieben ist. Der Leser lernt hier drei Sichten kennen, sodass die Dreiecksbeziehung aus jedem Blickwinkel betrachtet werden kann. So haben wir einmal Carters, einmal Sloans und auch Asas Perspektive. Ein sprachliches Highlight war hier, dass ich bewusst das erste Mal eine Handlung aus Sicht eines unzuverlässigen Erzählers lesen durfte. Das hat die ganze Entwicklung nur noch spannender gemacht.

Als Leser muss man sich jedoch bei dem Buch auch darauf einstellen, dass es an der ein oder anderen Stelle etwas extrem ist. Es wird keine rosarote Liebesbeziehung dargestellt, sondern eine mit Sicherheit ungesunde Beziehung mit Unterdrückung, Abhängigkeit und zum Teil auch Gewalt. Wer hier eher zart besaitet ist, sollte von dem Buch Abstand nehmen.

Interessant ist auch zu wissen, dass das Buch ein privates Schreibprojekt der Autorin war. Sie hat hier ein Kapitel nach dem anderen im Internet veröffentlicht und auch in genau dieser Reihenfolge sind nun die Kapitel in dem Buch. Zunächst war die Geschichte deutlich kürzer geplant, sodass der Leser sich nicht wundern darf, dass nach etwa zwei Drittel das Wort „Ende“ auftaucht. Da die Handlung die Autorin noch lange beschäftigt hat, folgen darauf noch weitere Epiloge und ein Prolog. Man könnte meinen, dass die Autorin somit gegen jede Regel über den Aufbau eines Buches verstößt, aber irgendwie ist das auch faszinierend. Das Ende ist eben noch kein Ende und es ist schön zu erfahren, wie es noch mit den Charakteren weitergeht.

Es gibt somit viele Aspekte, durch die sich das Buch von anderen abhebt. Meine Erwartung, eine außergewöhnliche Geschichte zu lesen, wurde damit voll und ganz erfüllt. Es ist teilweise extrem, aber die unterschiedlichen Sichten auf die gleiche Handlung sind faszinierend. Für mich wird es mit Sicherheit nicht das letzte Buch gewesen sein, das ich von der Autorin gelesen habe.