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Veröffentlicht am 26.09.2021

Menschliche Abgründe

Die Leuchtturmwärter
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Das Cover besticht durch seine Schlichtheit. Es passt perfekt zum maritimen Setting und die Einfachheit wirkt gleichzeitig seltsam geheimnisvoll, während die hohen Wellen bedrohlich erscheinen.
Zum Inhalt: ...

Das Cover besticht durch seine Schlichtheit. Es passt perfekt zum maritimen Setting und die Einfachheit wirkt gleichzeitig seltsam geheimnisvoll, während die hohen Wellen bedrohlich erscheinen.
Zum Inhalt: Anfang der 70er-Jahre verschwinden drei Wärter von ihrem Leuchtturm. Etwa 20 Jahre später versucht ein Schriftsteller den Fall neu aufzurollen und spricht dabei mit den Hinterbliebenen der drei Männer, wobei ein verzwicktes Netz aus Geheimnissen aufgedeckt wird. Thematisch erscheint die Geschichte unglaublich vielseitig. Es geht um Trauer, die Bewältigung traumatischer Ereignisse, Lügen, Intrigen und ganz allgemein verschiedene Formen zwischenmenschlicher Beziehungen sowie daraus entstehender Konflikte.
Die Sprecher haben mich überzeugt. Ich bin dankbar, dass die Männer und Frauen von zwei verschiedenen Personen vertont wurden. Das erleichtert gleichzeitig die Unterscheidung der Zeitebenen. Jeder Leuchtturmwärter und jede zurückgebliebene Partnerin bzw. Ehefrau kommt zu Wort – hauptsächlich in Form ausführlicher Monologe. Der Erzählstil ist dabei sehr künstlerisch und bildhaft und spielt mit den Gedanken und Vorurteilen des Hörers. Es ist teilweise schwer zu unterscheiden, was echt und was Halluzination auf Seiten der Charaktere ist. Diese Spielchen mit den eigenen Gedanken zusammen mit dem anspruchsvollen Erzählstil sorgten dafür, dass ich mich beim Hören wirklich konzentrieren und immer wieder Pausen einlegen musste, um das Gehörte zu verarbeiten. Der verwirrenden Handlung kann man in der Buchform und damit der geschriebenen Variante womöglich etwas besser folgen.
Die Autorin erschafft mit dem Fokus auf menschliche Abgründe eine wahnsinnig düstere und bedrohliche Atmosphäre voller Geheimnisse, die beim Hören allgegenwärtig war und mich in einen tiefen Sog gezogen hat. Ich habe meine eigene Realität beim Hören teilweise so sehr ausgeblendet, dass ich mich danach erstmal wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren musste.
Da im Laufe der Handlung so ziemlich die dunkelsten Geheimnisse jeder handelnden Person aufgedeckt werden, muss ich am Ende festhalten, dass kein Charakter mir wirklich sympathisch ist. Die fehlerhaften Protagnisten wirken aber gerade dadurch echt und menschlich. So ist der Autorin das Meisterstück geglückt: Die Handlung hat mich dennoch gefesselt und das Schicksal der Charaktere hat mich trotz meiner persönlichen Abneigung gegen sie mitgerissen. Ich wollte unbedingt wissen, was auf dem Turm geschehen ist und was die Frauen untereinander so sehr entzweit und ihre jeweiligen Trauerprozesse beeinflusst hat. Die Aufklärung der Geschehnisse auf dem Leuchtturm hat mich ebenso überrascht wie das Ende für die Hinterbliebenen rund zwei Jahrzehnte danach.
Der einmalige Erzählstil und das Abtauchen in die Untiefen der menschlichen Seele haben dieses Hörbuch für mich unterhaltsam gestaltet. Mit schwirrt immer noch der Kopf und ich werde wohl noch eine ganze Weile über das Gehörte nachdenken. Diese Geschichte eignet sich aufgrund ihrer Vielseitigkeit für Krimileser wie für Romanfans, sowie für alle, die gerne tief in die Gedankenwelt von Charakteren eintauchen und mysteriöse Handlungen mögen, bei denen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Einbildung verschwimmen.

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Veröffentlicht am 24.09.2021

Besonders, erfrischend, emotional – was für ein Leseerlebnis

Ruf der Rusalka
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Ich habe selten ein so wunderschön gestaltetes Cover gesehen. Es ist detailreich, ohne überladen zu wirken. Es gibt so viel zu entdecken. Die Farbgebung und Gestaltung passen außerdem super zum Genre und ...

Ich habe selten ein so wunderschön gestaltetes Cover gesehen. Es ist detailreich, ohne überladen zu wirken. Es gibt so viel zu entdecken. Die Farbgebung und Gestaltung passen außerdem super zum Genre und historischen Setting. Ich würde es mir glatt als Poster an die Wand hängen.
Zum Inhalt: Lewis wollte nicht mehr ermitteln, tut es schließlich doch - als Gefallen für eine mysteriöse Fremde - und muss dabei seine eigenen Dämonen bekämpfen. Kate kommt als junge Frau nach London, die ihren Traum von der Arbeit als Reporterin verwirklichen will und so auf eine Mordserie stößt. Können sie diese aufklären?
Der Schreibstil ist großartig. Selten verging die Zeit beim Lesen so wie im Flug. Dank der wechselnden Erzählperspektiven bleibt die Geschichte spannend und man kann die beiden Protagonisten so näher kennenlernen. Gefallen haben mir auch die direkten, bissig humorvollen Umgangsformen von Lewis‘ Butler Dietrich.
Die Charaktere sind liebevoll und detailliert gestaltet worden. Lewis ist ein eigenwilliger Ermittler mit Lastern, der von seiner Vergangenheit verfolgt wird. Das lässt ihn authentisch und menschlich wirken. Kate hingegen ist so sympathisch: fröhlich, aufgeschlossen, lebensbejahend und voller Tatendrang. Sie hat mich förmlich mitgerissen. Ich habe mit beiden Charakteren uneingeschränkt mitfiebern können.
Der Fall ist für sich genommen bis auf kleinere Längen durchaus spannend. Die wurden für mich aber durch so manch anderes interessante Geheimnis, das es aufzudecken galt, wettgemacht. Das Buch enthält allerdings neben dem historischen Setting im London des 19. Jahrhunderts auch einige mystische Elemente, für die man offen sein sollte. Ich empfand sie als absolut passend und gelungen eingeflochten.
Besonders der letzte Teil des Buches und der Ermittlungen hat mich gefesselt. Ich konnte es nicht aus der Hand legen, wurde ziemlich unvorbereitet von einer Wendung überrascht und habe beim emotionalen Ende sogar die eine oder andere Träne vergossen.
Ich wurde großartig unterhalten. Die Geschichte liest sich flüssig, die Krimihandlung ist spannend, die ermittelnden Charaktere äußerst anziehend. Dazu Schlagabtausche, bissiger Humor und eine starke weibliche Protagonistin, die nach Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung strebt. Damit wurde mein Lesegeschmack genau getroffen. Ein großartiges Buch für alle Fans historischer Krimis, die auch gegenüber kleineren Fantasy-Einschlägen offen sind, um es sich an ungemütlichen Herbstnachmittagen mit einem heißen Getränk bequem zu machen.

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Veröffentlicht am 10.09.2021

Im Sog moralischer Abgründe

Der Tod und das dunkle Meer
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Das Cover ist wunderschön gestaltet. Titel und Autor springen sofort ins Auge, die dunkle Farbgebung wirkt geheimnisvoll und der Hintergrund verweist auf das maritime Setting, indem er an die unberechenbaren ...

Das Cover ist wunderschön gestaltet. Titel und Autor springen sofort ins Auge, die dunkle Farbgebung wirkt geheimnisvoll und der Hintergrund verweist auf das maritime Setting, indem er an die unberechenbaren Wogen des Meeres erinnert.
Was den Inhalt angeht, sei auf den Klappentext verwiesen, um nichts weiter vorwegzunehmen. Ich hatte nach der Leseprobe etwas anderes erwartet. Das Buch spielt mit den Urängsten der Menschen, wobei der Aberglaube im Fokus steht - diese Herangehensweise hat mich überrascht und herausgefordert. Man sollte sich definitiv auf mystische und unerklärliche Elemente einlassen können, vor allem, da das Buch relativ umfangreich daherkommt. Des Weiteren geht es um Ränkespiele, Gier, Intrigen und Täuschungen.
Der Schreibstil ist wahnsinnig atmosphärisch und düster, vermag mitzureißen und hat für mich sowohl humorvolle Momente als auch den ein oder anderen Gruselmoment bereitgehalten. Interesse und/oder Vorkenntnisse, was maritimes Vokabular betrifft, sind durchaus hilfreich. Die Handlung wird aus vielen verschiedenen Erzählperspektiven wiedergegeben. Dadurch kam es mehrfach zu unnötigen Wiederholungen, was für mich auf Kosten der Spannung ging – ich hatte leider nur selten das Gefühl, das Buch nicht aus der Hand legen zu können und unbedingt weiterlesen zu müssen. Durch den häufig schnellen Wechsel der Sichtweise wurde mir außerdem der tiefere Zugang zu den Charakteren verwehrt.
Damit ein paar Worte zu den handelnden Personen: Es gibt keinen Charakter ohne moralische Abgründe und dunkle Vergangenheit. Das macht die Personen glaubwürdig und erinnert an einen Krimi noir, hat aber auch dazu geführt, dass ich keinen von ihnen wirklich sympathisch und gänzlich einnehmend fand. Irgendwie hatte ich das Gefühl, nicht richtig an die Charaktere heranzukommen, als würde immer noch eine Mauer zwischen ihnen und mir bestehen. Letztlich vermochte mich keins der Schicksale wirklich mitzureißen.
Die Verbrechen selbst werden unterhaltsam, aber auch sehr direkt geschildert, weshalb man Gewaltbeschreibungen abkönnen sollte. Die Auflösung des Ganzen hat mir sehr gut gefallen. Das Ende war für mich jedoch nach all dem Grauen fast etwas zu rosarot.
Dieses Buch lässt sich nicht in ein Genre einordnen. Es besitzt historische sowie Krimielemente, ist sowohl Grusel-/Geistergeschichte als auch Abenteuerroman. Der Einfallsreichtum, die Detailliebe des Autors und die Art, wie er Genregrenzen bewusst verwischt, haben mich zutiefst beeindruckt. Etwas in dieser Art habe ich noch nie zuvor gelesen und trotz kleinerer Kritikpunkte hat mich das Buch insgesamt gut unterhalten. Wer gerne Bücher über menschliche Abgründe beziehungsweise Gräueltaten vor dunkler, beklemmender Atmosphäre liest, offen für abergläubische Elemente ist, Krimis ohne Helden mag und gerne längere Zeit innerhalb einer umfangreichen und verzwickten Handlung verbringt, sollte hier unbedingt reinlesen.

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Veröffentlicht am 09.08.2021

Von menschlichen Abgründen und Selbstjustiz

Unbarmherziges Land
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Das Cover ist ansprechend gestaltet und macht neugierig. Außerdem passt es super zum ländlichen Setting und zum Krimi-Genre.
Was den Inhalt angeht, sei auf die Verlagsangaben verwiesen, um nichts weiter ...

Das Cover ist ansprechend gestaltet und macht neugierig. Außerdem passt es super zum ländlichen Setting und zum Krimi-Genre.
Was den Inhalt angeht, sei auf die Verlagsangaben verwiesen, um nichts weiter vorwegzunehmen. Es geht letztlich nicht nur um einen Kriminalfall und Rache, sondern mindestens genauso sehr um Familiendramen, verschiedene Ebenen der Einsamkeit sowie Gesellschaftskritik.
Der Schreibstil gefällt mir unglaublich gut. Die düstere Erzählweise mit den eindrucksvollen Naturbeschreibungen kreiert eine zum Inhalt passende, beklemmende Atmosphäre. Die derbe Wortwahl harmoniert hervorragend mit den groben Charakteren. Das Erzähltempo ist durch die vielen Nebenschauplätze etwas langsam, wodurch die Spannung leidet. Trotz einiger Längen fand ich den Krimi – dank versuchter Perspektivwechsel und dadurch ermöglichter Einblicke in unterschiedliche Charaktere – immer noch gut lesbar.
Der Krimi gehört eher in die Noir-Kategorie, weshalb man Helden vergeblich suchen wird. Passend zum ländlichen Setting mit Kleinstadtcharme gibt es eigenwillige, wortkarge Charaktere mit so einigen Charakterschwächen und bissigem Humor. Das lässt die Personen allerdings sehr glaubhaft erscheinen. Besonders gut hat mir die Geschwisterdynamik zwischen Mick und Linda gefallen. Obwohl ich nicht jede von Micks Handlungen gutheiße, ist er ein interessanter Protagonist und der gelungene Schreibstil hat es mir ermöglicht, mich trotz allem in ihn hineinzuversetzen. Linda als starke Frauenfigur mit schlechter Wutkontrolle ist aber zu kurz gekommen.
Die Krimihandlung gerät leider eher in den Hintergrund. Dadurch wurden meine Erwartungen schnell gedämpft. Auch die Auflösung des Falles war nur teilweise überraschend. Es geht mehr darum, das Bild einer Gesellschaftsgruppe voller Eigenarten und eigener Regeln und Gesetzmäßigkeiten zu zeichnen beziehungsweise zu hinterfragen. Dazu werden Micks familiäre Probleme ausführlich thematisiert. Ich hatte etwas Anderes erwartet, wurde aber trotzdem hochkarätig unterhalten. Dieser Krimi eignet sich für alle, die menschliche Abgründe aller Art faszinieren und die nichts gegen einen ruhigeren Handlungsverlauf und einen gesellschaftskritischen, nachdenklichen Grundton einzuwenden haben.

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Veröffentlicht am 19.07.2021

Leichte Sommerlektüre

Gut Schwansee - Du bist mein ganzes Leben
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Das farbenfrohe Cover ist wunderschön, macht sofort gute Laune und passt perfekt zum Genre.
Zum Inhalt möchte ich an dieser Stelle nur auf den Klappentext verweisen, um nichts weiter vorwegzunehmen. Hierbei ...

Das farbenfrohe Cover ist wunderschön, macht sofort gute Laune und passt perfekt zum Genre.
Zum Inhalt möchte ich an dieser Stelle nur auf den Klappentext verweisen, um nichts weiter vorwegzunehmen. Hierbei handelt es sich um den zweiten Teil der Sehnsuchtstrilogie um Gut Schwansee. Die Bücher sind unabhängig voneinander lesbar, aber für Vorkenntnisse hinsichtlich der verschiedenen Charaktere empfiehlt sich dennoch die vorherige Lektüre des ersten Bandes.
Der Erzählstil ist gelungen. Man fliegt beim Lesen nur so durch die Seiten und kann sich gut in die sommerliche Atmosphäre hineinversetzen. Allerdings möchte ich hier einige kleinere Kritikpunkte anbringen: Teilweise lief mir alles zu einfach und konfliktarm ab und Streitgespräche oder Ähnliches wurden schnell abgehakt und nicht mit ausreichend Tiefe aufgearbeitet. Dazu kamen gerade zum Ende hin einige Logikfehler beziehungsweise Lücken im Erzählstrang, wodurch manche Situationen für mich etwas gezwungen wirkten. Außerdem gab es für mein Empfinden zu viele Wiederholungen bestimmter Ereignisse. Dazu sei jedoch gesagt, dass diese teilweise dazu dienten, den ersten Band wieder aufzugreifen.
Zu den Charakteren: Die Charaktere sind liebevoll und detailliert ausgearbeitet. Sina ist eine sympathische junge Frau, deren Begeisterung für die Koch- und Backkunst sowie deren Liebe zu Tieren förmlich spürbar ist. Auch der sportliche und freiheitsliebende Hendrik ist ein liebenswerter Protagonist. Beide bringen schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit mit, die es zu überwinden gilt, wobei man sich beim Lesen auch dank wechselnder Erzählperspektiven gut in ihre Gefühlswelten hineinversetzen kann. Neben dem Fokus auf diese beiden Personen begegnen uns auch etliche Charaktere aus dem ersten Band, beispielsweise Leni und Nathan, deren Geschichte hier auch weitergeführt wird, erneut.
Letztlich handelt es sich bei diesem Roman um die perfekte Sommerlektüre mit einem traumhaften Setting; eine locker leichte Liebesgeschichte zum Träumen und Wohlfühlen eben. Für die Spannung wird etwas Dramatik eingestreut und auch ernste Themen wie Angststörungen oder Debatten um das Tierwohl werden angesprochen.
Insgesamt hat mich der Liebesroman gut unterhalten, auch wenn mir der erste Band noch etwas besser gefiel. Dieses Buch sei allen Fans von Romantik auf der Suche nach einer geeigneten Urlaublektüre oder einer Auszeit vom stressigen Alltag empfohlen.

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