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Veröffentlicht am 24.06.2026

Von Verlust, Geheimnissen und dem Überleben im Outback

Ein weites Leben
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Auf einer australischen Schaffarm scheint die Welt der Familie MacBride noch in Ordnung zu sein, bis ein Sekundenbruchteil alles zerstört. Vater Phil und Sohn Warren sterben bei einem Unfall; der zweite ...

Auf einer australischen Schaffarm scheint die Welt der Familie MacBride noch in Ordnung zu sein, bis ein Sekundenbruchteil alles zerstört. Vater Phil und Sohn Warren sterben bei einem Unfall; der zweite Sohn, Matthew, überlebt wie durch ein Wunder schwer verletzt.
Dieser dramatische Auftakt ist der Startschuss für M.L. Stedmans fesselnden Generationenroman, der eine Spanne von über 40 Jahren umfasst. Dass die Farm nicht untergeht, ist Lorna zu verdanken. Als willensstarke Frau beißt sie sich durch, unterstützt von Miles, den Arbeitern und ihrer Tochter Rosie. Rosie, schon immer egozentrisch und geschickt darin, Situationen zu ihren Gunsten zu manipulieren, gerät jedoch bald an ihre Grenzen. Denn eine unvorhersehbare Wendung stellt nicht nur ihr Leben, sondern auch das von Matt völlig auf den Kopf.
Der Stil der Autorin, wunderbar transportiert durch die Übersetzung von Cornelius Hartz, besticht durch psychologische Tiefe und eine angenehme Leichtigkeit, gepaart mit ständigen Twists. Neben den lebensechten MacBrides glänzt der Roman durch seine Nebenfiguren, die oft von feinen Geheimnissen umgeben sind. Da ist Pete Peachy, der treue Freund, oder die Frau des Postmeisters, die ihre Trauer mit einer skurrilen Leidenschaft zu betäuben versucht. Spannend ist auch der Kontrast zwischen zwei Polizisten: Während der eine noch Menschlichkeit walten lässt, beharrt der nächste stur aufs Gesetz.
Neben den familiären Dramen spiegeln sich auch die Veränderungen der Zeit auf der Farm wider. Wirtschaftliche Krisen, schwankende Wollpreise und der Boom der Rohstoffsuche fordern Matt und seinem Neffen Andy alles ab. Gekrönt wird das Ganze von Stedmans Talent, die grandiose australische Natur so bildhaft zu beschreiben, dass man die Landschaft förmlich vor Augen hat.

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Veröffentlicht am 20.06.2026

Ein Plädoyer für mehr Mitgefühl und echtes Hinsehen

Pina fällt aus
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Manche Bücher lassen einen so schnell nicht mehr los. "Pina fällt aus" von Vera Zischke ist genau so ein Jahreshighlight für mich, weil es ein absolut existenzielles Thema mit unendlich viel Wärme und ...

Manche Bücher lassen einen so schnell nicht mehr los. "Pina fällt aus" von Vera Zischke ist genau so ein Jahreshighlight für mich, weil es ein absolut existenzielles Thema mit unendlich viel Wärme und Menschlichkeit behandelt.
Pinas Leben dreht sich komplett um ihren Sohn Leo, der auch als Erwachsener intensive Pflege und Zuwendung benötigt. Pinas Aufopferung geht so weit, dass sie ihre eigene Gesundheit vergisst – bis sie schwer erkrankt auf der Intensivstation landet. In diesem Moment zeigt sich, was echte Nachbarschaft bewirken kann: Eine Gemeinschaft aus lauter schrulligen, liebenswerten Originalen trommelt sich zusammen, um Leo aufzufangen.
Es tut beim Lesen unglaublich gut zu sehen, wie hier aus Fremden eine Familie wird, die sich achtsam und auf Augenhöhe begegnet. Ein riesiges Lob verdient dabei die Figur des Leo: Er wird ergreifend authentisch und mit tiefem Respekt dargestellt, als wertvoller Teil des Ganzen, der auf seine Weise das Beste gibt.
Abgesehen von wenigen Ausnahmen habe ich die Hausbewohner tief ins Herz geschlossen. Dieses Buch ist ein wunderbarer Mutmacher, der den Finger in die Wunde unserer Gesellschaft legt: Es ruft dazu auf, bürokratische Hürden zu überwinden, nicht mehr wegzusehen und stattdessen die Augen für unsere Mitmenschen zu öffnen.

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Veröffentlicht am 20.06.2026

Der tiefere Blick

Sunshine Man
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"Sunshine Man" von Emma Stonex liest sich erstmal komplett anders, als von mir erwartet und auch das Ende hätte ich anders erwartet.
Birdie ist eine Frau, die vor Jahren ihre Schwester durch eine Gewalttat ...

"Sunshine Man" von Emma Stonex liest sich erstmal komplett anders, als von mir erwartet und auch das Ende hätte ich anders erwartet.
Birdie ist eine Frau, die vor Jahren ihre Schwester durch eine Gewalttat verloren hat. Jimmy Maguire ist der Mörder, der die Tat aber nie gestanden hat, er sitzt für jemand anderen ein und wird jetzt, nach abgesessener Zeit, entlassen.
Birdie will Vergeltung, also packt sie eine Waffe ein und verlässt ihre Familie, reist Jimmy hinterher und damit in die Vergangenheit.
Erzählt wird abwechselnd aus beiden Perspektiven und aus verschiedenen Zeiten. So setzt sich nach und nach ein Bild zusammen, dass sich allerdings auch schnell mal wieder ändert, auch unerwartet.
Es ist ein Buch, welches langsam erzählt, es hat Tiefe, Atmosphäre und auch die Frage der Schuld wird hier von mehreren Seiten beleuchtet. Die Familienverhältnissen sind hier bei allen Beteiligten schwer zu ertragen und bieten keinen guten Start ins Leben. Es ist hier auch nicht alles schwarz oder weiß, sondern vieles grau.
Auch die scheinbar Unschuldigen können eine tiefe Schuld in sich tragen und die Schuldigen etwas ganz anderes sein.
Teilweise gab es einige Längen, trotzdem konnte ich das Buch kaum weglegen, wurde fast durch die Geschichte getrieben.
Keine wirklich schöne Geschichte, aber eine mit sehr wichtigen Erkenntnissen, meisterhaft erzählt.

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Düstere Atmosphäre, aber vorhersehbare Pfade

REM
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Mit „REM“ legen Annika Strauss und Sebastian Fitzek einen Thriller vor, der stark auf psychologische Alpträume setzt. Protagonistin Alysee wird seit einem Kindheitstrauma, bei dem ihr Vater verschwand, ...

Mit „REM“ legen Annika Strauss und Sebastian Fitzek einen Thriller vor, der stark auf psychologische Alpträume setzt. Protagonistin Alysee wird seit einem Kindheitstrauma, bei dem ihr Vater verschwand, von fragmentarischen, wüsten Träumen gequält. Als sie eine surreal verwinkelte Villa erbt, schließt sich der Kreis zu ihrer Vergangenheit. Die Kulisse ist fantastisch gewählt: Das alte Gebäude und der sogenannte Blutnebel beschwören eine dichte, greifbare Horror-Atmosphäre herauf.
Sprachlich ist das Buch absolut flüssig und angenehm zu lesen. Dass mich die Story dennoch nicht ganz abholen konnte, liegt vor allem an der fehlenden Unvorhersehbarkeit. Für Vielleser des Genres bietet der Plot leider zu wenige Überraschungen. Das Erzählmuster erinnerte mich streckenweise an den Aufbau eines Games – ein Stilmittel, das hier zwar gewollt wirkt, der emotionalen Tiefe und der echten, packenden Spannung jedoch etwas im Weg stand.
Fazit: Durchaus lesenswert und atmosphärisch gelungen, für mich aufgrund der hohen Erwartungen jedoch kein persönliches Highlight.

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Gelungener Reihenauftakt vor bildgewaltiger Kulisse

Moorland. Die Zwillinge
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Als bekennender Fan von Andreas Winkelmann war der Auftakt seiner neuen Reihe, „Moorland-Die Zwillinge“, ein absolutes Must-Read für mich.
Die Prämisse ist ebenso unheimlich wie spannend: Die Zwillinge ...

Als bekennender Fan von Andreas Winkelmann war der Auftakt seiner neuen Reihe, „Moorland-Die Zwillinge“, ein absolutes Must-Read für mich.
Die Prämisse ist ebenso unheimlich wie spannend: Die Zwillinge Nike und Jana verschwinden bei einem Fotoausflug in einem Moor, das sie eigentlich gut kennen. Die Suche verläuft im Sande. Parallel dazu kehrt Kommissarin Malia Gold nach Jahren in ihre alte Heimat zurück, um den Dienst anzutreten.
Der Plot entwickelt schnell eine rasant Dynamik. Statt schneller Antworten liefert Winkelmann ein Verwirrspiel aus Verdächtigungen und Entlastungen, das die Spannung konsequent hochhält. Besonders fasziniert hat mich die Integration der Landschaft: Das Moor wird hier fast schon zu einem eigenen Charakter – lebendig, greifbar und herrlich düster. Der durchdachte Aufbau, bei dem sich Geheimnisse erst nach und nach entschlüsseln, und die gelungenen Charaktere runden das Leseerlebnis perfekt ab. Ein in sich geschlossener, starker Fall, der große Vorfreude auf den nächsten Band weckt.

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