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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2026

Der tiefere Blick

Sunshine Man
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"Sunshine Man" von Emma Stonex liest sich erstmal komplett anders, als von mir erwartet und auch das Ende hätte ich anders erwartet.
Birdie ist eine Frau, die vor Jahren ihre Schwester durch eine Gewalttat ...

"Sunshine Man" von Emma Stonex liest sich erstmal komplett anders, als von mir erwartet und auch das Ende hätte ich anders erwartet.
Birdie ist eine Frau, die vor Jahren ihre Schwester durch eine Gewalttat verloren hat. Jimmy Maguire ist der Mörder, der die Tat aber nie gestanden hat, er sitzt für jemand anderen ein und wird jetzt, nach abgesessener Zeit, entlassen.
Birdie will Vergeltung, also packt sie eine Waffe ein und verlässt ihre Familie, reist Jimmy hinterher und damit in die Vergangenheit.
Erzählt wird abwechselnd aus beiden Perspektiven und aus verschiedenen Zeiten. So setzt sich nach und nach ein Bild zusammen, dass sich allerdings auch schnell mal wieder ändert, auch unerwartet.
Es ist ein Buch, welches langsam erzählt, es hat Tiefe, Atmosphäre und auch die Frage der Schuld wird hier von mehreren Seiten beleuchtet. Die Familienverhältnissen sind hier bei allen Beteiligten schwer zu ertragen und bieten keinen guten Start ins Leben. Es ist hier auch nicht alles schwarz oder weiß, sondern vieles grau.
Auch die scheinbar Unschuldigen können eine tiefe Schuld in sich tragen und die Schuldigen etwas ganz anderes sein.
Teilweise gab es einige Längen, trotzdem konnte ich das Buch kaum weglegen, wurde fast durch die Geschichte getrieben.
Keine wirklich schöne Geschichte, aber eine mit sehr wichtigen Erkenntnissen, meisterhaft erzählt.

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Düstere Atmosphäre, aber vorhersehbare Pfade

REM
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Mit „REM“ legen Annika Strauss und Sebastian Fitzek einen Thriller vor, der stark auf psychologische Alpträume setzt. Protagonistin Alysee wird seit einem Kindheitstrauma, bei dem ihr Vater verschwand, ...

Mit „REM“ legen Annika Strauss und Sebastian Fitzek einen Thriller vor, der stark auf psychologische Alpträume setzt. Protagonistin Alysee wird seit einem Kindheitstrauma, bei dem ihr Vater verschwand, von fragmentarischen, wüsten Träumen gequält. Als sie eine surreal verwinkelte Villa erbt, schließt sich der Kreis zu ihrer Vergangenheit. Die Kulisse ist fantastisch gewählt: Das alte Gebäude und der sogenannte Blutnebel beschwören eine dichte, greifbare Horror-Atmosphäre herauf.
Sprachlich ist das Buch absolut flüssig und angenehm zu lesen. Dass mich die Story dennoch nicht ganz abholen konnte, liegt vor allem an der fehlenden Unvorhersehbarkeit. Für Vielleser des Genres bietet der Plot leider zu wenige Überraschungen. Das Erzählmuster erinnerte mich streckenweise an den Aufbau eines Games – ein Stilmittel, das hier zwar gewollt wirkt, der emotionalen Tiefe und der echten, packenden Spannung jedoch etwas im Weg stand.
Fazit: Durchaus lesenswert und atmosphärisch gelungen, für mich aufgrund der hohen Erwartungen jedoch kein persönliches Highlight.

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Gelungener Reihenauftakt vor bildgewaltiger Kulisse

Moorland. Die Zwillinge
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Als bekennender Fan von Andreas Winkelmann war der Auftakt seiner neuen Reihe, „Moorland-Die Zwillinge“, ein absolutes Must-Read für mich.
Die Prämisse ist ebenso unheimlich wie spannend: Die Zwillinge ...

Als bekennender Fan von Andreas Winkelmann war der Auftakt seiner neuen Reihe, „Moorland-Die Zwillinge“, ein absolutes Must-Read für mich.
Die Prämisse ist ebenso unheimlich wie spannend: Die Zwillinge Nike und Jana verschwinden bei einem Fotoausflug in einem Moor, das sie eigentlich gut kennen. Die Suche verläuft im Sande. Parallel dazu kehrt Kommissarin Malia Gold nach Jahren in ihre alte Heimat zurück, um den Dienst anzutreten.
Der Plot entwickelt schnell eine rasant Dynamik. Statt schneller Antworten liefert Winkelmann ein Verwirrspiel aus Verdächtigungen und Entlastungen, das die Spannung konsequent hochhält. Besonders fasziniert hat mich die Integration der Landschaft: Das Moor wird hier fast schon zu einem eigenen Charakter – lebendig, greifbar und herrlich düster. Der durchdachte Aufbau, bei dem sich Geheimnisse erst nach und nach entschlüsseln, und die gelungenen Charaktere runden das Leseerlebnis perfekt ab. Ein in sich geschlossener, starker Fall, der große Vorfreude auf den nächsten Band weckt.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Atmosphärisch, authentisch und voller Nostalgie

Little Hollywood
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Ich habe „Little Hollywood“ unheimlich gerne gelesen. Inga Hanka gelingt hier ein wunderbarer Coming-of-Age-Roman, der das Lebensgefühl der 90er-Jahre perfekt einfängt. Die Mischung aus Filmzitaten, Musik ...

Ich habe „Little Hollywood“ unheimlich gerne gelesen. Inga Hanka gelingt hier ein wunderbarer Coming-of-Age-Roman, der das Lebensgefühl der 90er-Jahre perfekt einfängt. Die Mischung aus Filmzitaten, Musik und der typischen Melancholie der Zeit zwischen Schulabschluss und Erwachsenwerden hat mich sofort abgeholt.
Die Geschichte von Leo, die zwischen ihren eigenen Träumen (einem Studium) und den familiären Problemen – einer überforderten Mutter und der latenten Bedrohung durch den Vater – feststeckt, ist berührend und authentisch. Ihre Rettung ist die Videothek „Little Hollywood“ und der anfangs unnahbare Jo, der zu ihrem Halt wird.
Die Protagonisten sind tiefgründig und lebensecht gezeichnet. Themen wie die erste Liebe, Selbstzweifel und der Aufbruch in ein neues Leben werden sprachlich wunderschön umgesetzt. Wer Filme und die Popkultur der 90er liebt, wird dieses Buch ohnehin Elliott-winken (bzw. lieben). Lediglich das Ende war mir einen Tick zu harmonisch und passte nicht ganz zum sonst so realistischen Ton. Trotzdem ein großartiges Buch!

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Anspruchsvoller Historien-Fantasy-Mix mit atmosphärischer Tiefe

Die Geister von La Spezia
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Oliver Plaschkas „Die Geister von La Spezia“ wirft einen faszinierenden Blick auf das Jahr 1822 und das Schicksal von Mary Shelley nach dem mysteriösen Tod ihres Mannes Percy. Der Clou der Geschichte ist ...

Oliver Plaschkas „Die Geister von La Spezia“ wirft einen faszinierenden Blick auf das Jahr 1822 und das Schicksal von Mary Shelley nach dem mysteriösen Tod ihres Mannes Percy. Der Clou der Geschichte ist die Ermittlerin Pat Colombari, deren unkonventionelle Methode darin besteht, in die Erinnerungen von Zeugen einzutauchen – ein narratives Verwirrspiel aus Erinnerungen in Erinnerungen.
Diese Perspektivwechsel ermöglichen ein intensives Eintauchen in die Epoche und die Gesellschaft rund um Lord Byron, dessen Keller düstere Geheimnisse birgt. Die Dynamik zwischen Pats moderner Denkweise und dem historischen Setting hat für mich den besonderen Reiz des Buches ausgemacht.
Man sollte jedoch wissen, worauf man sich einlässt: Der Roman fordert eine hohe Aufmerksamkeit. Die komplexe Struktur aus wechselnden Figuren, Zeiten und Situationen macht das Zuordnen manchmal zu einer Herausforderung. Auch wenn die schaurig-geheimnisvolle Atmosphäre meisterhaft eingefangen ist, machten sich im Mittelteil spürbare Längen bemerkbar.
Insgesamt ist diese Verwebung von realer Historie und fantastischen Elementen ebenso anspruchsvoll wie spannend – mir hat dieses literarische Experiment gut gefallen.

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