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Veröffentlicht am 11.03.2025

Bemerkenswertes Zeugnis von weiblichen Erleben und Schreiben aus einer anderen Zeit

Der verlorene Traum
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Heute stelle ich dir keinen zeitgenössischen Roman vor, sondern einen Roman, der bereits 1944 verfasst wurde und bis jetzt noch nie veröffentlich wurde.
Er stammt von der österreichischen Schriftstellerin ...

Heute stelle ich dir keinen zeitgenössischen Roman vor, sondern einen Roman, der bereits 1944 verfasst wurde und bis jetzt noch nie veröffentlich wurde.
Er stammt von der österreichischen Schriftstellerin Mela (Melanie) Hartwig, geborene Hess, später verheiratete Spira, die in den frühen 20er Jahre an den Bühnen Österreichs als Schauspielerin arbeitete und später nach ihrer Heirat mit dem jüdischen Rechtsanwalt Robert Spira mit dem Schreiben begann.
Bis 1938 veröffentlichte sie einige, zum Teil als skandalös empfundene Novellen und Erzählungen. Dann musste sie zusammen mit ihrem Mann auf Grund des Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und der beginnenden Naziherrschaft nach England emigrieren.

In England konnte sie nicht mehr an ihre schriftstellerischen Erfolge anknüpfen und der 1943/44 entstandene Roman „Der verlorenen Traum“ wurde nicht veröffentlicht.

Für mich war der Roman also ziemlich besonders, da ich heute eigentlich hauptsächlich zeitgenössische Romane lese.
Allerdings fand ich hier eine sehr lesenswerte und auch empfehlenswerte Lektüre, die ich aber durchaus mit anderen Augen als moderne Romane las.

Wie in der Kurzbeschreibung bereits ausgeführt wird und der Titel ebenfalls andeutet, verliert sich die Hauptfigur des Romans, Barbara, in ihren Träumen und Sehnsüchten.
Ausgelöst wird Barbaras Abdriften in eine Traumwelt während eines Theaterbesuches durch den Anblick eines jungen Mannes mit wahrhaft überwältigender Ausstrahlung und einem besonderen Gesicht:

„Es war nicht schön, aber es war mehr als schön. Es war bezaubernd.“

Im folgenden beschreibt Hartwig unglaublich detailliert und psychologisch genau, was dieser bestrickende Anblick in Barbara auslöst, nämlich eine völlige Erschütterung ihrer selbst. Diese genaue Beobachtungsgabe und die nachvollziehbaren Beschreibungen von Barbaras Gefühlswelten bilden das Herzstück des gesamten Romans.
Ich kann als Leser*in mitbeobachten, wie ein zufälliger Blickwechsel im Theater Barbaras gesamtes Leben zu zerstören droht. Sie stellt nicht nur sich selbst in Frage, sondern sie bemerkt in ihrer eigentlich liebevollen und glücklichen Ehe ein ungerechtes Ungleichgewicht. Genauso hinterfragt sie auf ihrer Arbeitsstelle von plötzlicher Klarsichtigkeit ergriffen (oder umnachtet?) die Rollen- und Aufgabenverteilung.

Eine feministische Epiphanie?

Kurz wähne ich mich in einem feministischen Befreiungsroman, doch der weitere Verlauf der Handlung widerlegt schnell diese Lesart.
Hartwigs plastischen Schilderungen einer weiblichen Gefühlswelt können auch heute noch mit ihrer Echtheit und Genauigkeit bezaubern, das von ihr beschriebenen Idealbild einer Ehe wohl eher nicht.
Mir ist schon oft aufgefallen, dass in älteren Romanen eine Ehebeziehung beschrieben wird, die wir heute nicht mehr als gleichberechtigt empfinden. Stattdessen erinnert sie eher an das Verhältnis zwischen einem Vater und einer Tochter.
So auch bei bei Hartwig. Barbaras Ehemann ist der moralische unerschütterliche Fels in der Brandung zu dem die verwirrte Barbara nach ihrer Läuterung zurückkehren kann. Seine Integrität und Verhalten ist über jeden Zweifel erhaben und wird nicht hinterfragt.
Mir macht das sehr deutlich, wie sehr sich weibliches Schreiben mittlerweile (teilweise) verändert hat.

Und obwohl ich „Der verlorene Traum“ mit einer gewissen Distanz und mehr analysierend lese, wirkt Hartwigs Prosa subtil auf mich und ich verspüre einen gewissen, vielleicht sogar ein bißchen unfreiwilligen Genuss angesichts des völlig ironiefreiens und romantischen Endes.

Ich würde „Der verlorene Traum“ sicher nicht als feminischen Roman bezeichnen sondern als bemerkenswertes Zeugnis von weiblichen Erleben und Schreiben aus einer anderen Zeit. Oder wie es auf dem Klappentext heißt: „diese fiebertraumartige Liebes- und Sehnsuchtsgeschischte führt zurück in eine Welt von gestern.“

Für mich war der Roman eine sehr lohnenswerte Lektüre, die sich von meinen anderen aktuellen Leseerfahrungen abhob. Ich hätte mir eventuell noch ein Nachwort oder eine Einordnung gewünscht, wie ich das schon von anderen Neuveröffentlichungen nicht zeitgenössischer Lektüre kenne. So aber blieb mir die Freiheit einer komplett eigenen Meinungsbildung.


„Flüchtiger als der Wind ist die Zeit, du kannst sie nicht aufhalten, keiner kann es.“

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Lesenswert und interessant mit kleineren Abzügen

Dunkle Momente
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Auf diese Neuerscheinung war ich als True Crime Leserin seit ihrer Ankündigung in der Vorschau sehr gespannt. Die Autorin Elisa Hoven ist selbst Richterin und Professorin für Strafrecht und der Verlag ...

Auf diese Neuerscheinung war ich als True Crime Leserin seit ihrer Ankündigung in der Vorschau sehr gespannt. Die Autorin Elisa Hoven ist selbst Richterin und Professorin für Strafrecht und der Verlag bewirbt ihr neues Buch als Spitzentitel und als „tiefgründigen Roman“.

Meine Erwartungen sind also entsprechend hoch, aber sie werden nicht enttäuscht. „Dunkle Momente“ vermag mich zu fesseln und stellt interessante und zeitlose Fragen nach Schuld und Gerechtigkeit.

Hoven erzählt den Roman, der in einzelne Fälle untergliedert ist, aus der Sicht und der Ich-Perspektive der fiktiven Strafverteidigerin Eva Herbergen. Die Fälle aus ihrem Leben erzählt die ältere Juristin rückblickend, sie sind in sich abgeschlossen und hängen doch mit einem thematischen roten Faden miteinander zusammen.
Oft zeigt es sich, dass die Frage nach der Schuld nicht so einfach zu beantworten ist, wie es manchmal den Anschein hat. Unser Gerechtigkeitsempfinden wird dadurch genauso herausgefordert wie die Rechtsprechung und nicht immer tut das einem dem anderen Genüge.
Auch ich habe bei den beschriebenen Fällen über meine persönliche Einordnung nachgedacht.

Elisa Hoven sagt über ihre Inspiration für den Roman in einem Interview mit dem Stern Crime: „Mich faszinieren Wendepunkte im Leben eines Menschen. Dunkle Momente, die alles verändern“.

Manche der Fälle nehmen mich mehr mit als andere. Schwer zu ertragen finde ich die Geschichte einer Gruppenvergewaltigung und die darauffolgenden Strafverfolgung und der Fall mit dem toten Kind. Andere wiederum können mich, genauso wie der Schluss, nicht überraschen, da ich als erfahrene Leserin die Wendungen schon genauso so in Kriminalromanen und True Crime gelesen habe. Auch der Fall des Kannibalen wurde an zahlreichen anderen Stellen schon moralisch und aus der Sicht der Rechtssprechung diskutiert.

Obwohl die Geschichten und die Erzählform in meinen Augen jetzt vielleicht nicht hoch innovativ sind, schreibt Hoven großartig und spannend und mit einem Anschein von Authentizität, womit sich der Roman von klassischer Kiminallektüre unterscheidet.

„So ist das mit der Wahrheit, wir brauchen sie, wir wollen sie kennen, selbst wenn sie uns nichts als Schmerz bereitet.“

Ich fand „Dunkle Momente“ einen sehr gelungenen Roman, der den Blurbs und den vielen begeisterten Stimmen gerecht wird.

In der wie immer hochwertigen Hörbuchproduktion vom Argonverlag leiht Schauspielerin und Sprecherin Nina Kunzendorf der Stimme von Eva Herbergen ihr einzigartiges und perfekt passendes Timbre.

Egal, ob als Hardcover oder Hörbuch, wenn du dich für Verbrechen und Rechtsprechung interessierst und/oder Literatur im Stil von Ferdinand von Schirach magst, ist „Dunkle Momente“ eine starke Empfehlung für dich.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Lesenswert und interessant mit kleineren Abzügen

Dunkle Momente
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Auf diese Neuerscheinung war ich als True Crime Leserin seit ihrer Ankündigung in der Vorschau sehr gespannt. Die Autorin Elisa Hoven ist selbst Richterin und Professorin für Strafrecht und der Verlag ...

Auf diese Neuerscheinung war ich als True Crime Leserin seit ihrer Ankündigung in der Vorschau sehr gespannt. Die Autorin Elisa Hoven ist selbst Richterin und Professorin für Strafrecht und der Verlag bewirbt ihr neues Buch als Spitzentitel und als „tiefgründigen Roman“.

Meine Erwartungen sind also entsprechend hoch, aber sie werden nicht enttäuscht. „Dunkle Momente“ vermag mich zu fesseln und stellt interessante und zeitlose Fragen nach Schuld und Gerechtigkeit.

Hoven erzählt den Roman, der in einzelne Fälle untergliedert ist, aus der Sicht und der Ich-Perspektive der fiktiven Strafverteidigerin Eva Herbergen. Die Fälle aus ihrem Leben erzählt die ältere Juristin rückblickend, sie sind in sich abgeschlossen und hängen doch mit einem thematischen roten Faden miteinander zusammen.
Oft zeigt es sich, dass die Frage nach der Schuld nicht so einfach zu beantworten ist, wie es manchmal den Anschein hat. Unser Gerechtigkeitsempfinden wird dadurch genauso herausgefordert wie die Rechtsprechung und nicht immer tut das einem dem anderen Genüge.
Auch ich habe bei den beschriebenen Fällen über meine persönliche Einordnung nachgedacht.

Elisa Hoven sagt über ihre Inspiration für den Roman in einem Interview mit dem Stern Crime: „Mich faszinieren Wendepunkte im Leben eines Menschen. Dunkle Momente, die alles verändern“.

Manche der Fälle nehmen mich mehr mit als andere. Schwer zu ertragen finde ich die Geschichte einer Gruppenvergewaltigung und die darauffolgenden Strafverfolgung und der Fall mit dem toten Kind. Andere wiederum können mich, genauso wie der Schluss, nicht überraschen, da ich als erfahrene Leserin die Wendungen schon genauso so in Kriminalromanen und True Crime gelesen habe. Auch der Fall des Kannibalen wurde an zahlreichen anderen Stellen schon moralisch und aus der Sicht der Rechtssprechung diskutiert.

Obwohl die Geschichten und die Erzählform in meinen Augen jetzt vielleicht nicht hoch innovativ sind, schreibt Hoven großartig und spannend und mit einem Anschein von Authentizität, womit sich der Roman von klassischer Kiminallektüre unterscheidet.

„So ist das mit der Wahrheit, wir brauchen sie, wir wollen sie kennen, selbst wenn sie uns nichts als Schmerz bereitet.“

Ich fand „Dunkle Momente“ einen sehr gelungenen Roman, der den Blurbs und den vielen begeisterten Stimmen gerecht wird.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Feministisches und gesellschaftskritisches Literaturhighlight!

Eine zeitgemäße Form der Liebe
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Äh, ja, wie gut waren bitte, diese …Texte?
Ich will sie sicher nicht Kurzgeschichten nennen, denn das greift bei der Formen- und Stilvielfalt, die Bendixen in „Eine zeitgemäße Form der Liebe“ verwendet, ...

Äh, ja, wie gut waren bitte, diese …Texte?
Ich will sie sicher nicht Kurzgeschichten nennen, denn das greift bei der Formen- und Stilvielfalt, die Bendixen in „Eine zeitgemäße Form der Liebe“ verwendet, definitiv zu kurz.
Sie selbst nennt es „Parentale Prosa“ und das klingt natürlich wunderbar, hat mich aber, genauso wenig wie die Kurzbeschreibung, in keinster Weise auf die brachiale Wucht vorbereitet, mit der mich die Texte voll frontal überfahren haben.

Ich musste einfach alle auf einmal lesen und das passiert mir bei „Kurzgeschichten“ oder nicht zusammenhängenden Texten eigentlich nie.
Aber das ist genau der Punkt, denn die Parentale Prosa von Bendixen ist eigentlich zusammenhängend, auch wenn sie keinen Roman oder eine durchgängige Geschichte im ursprünglichen Sinn erzählt.
Sie erzählt aber durchgängig davon, was es heißt, heute ein Elternteil, nein, ich will jetzt doch spezifischer werden. Sie erzählt davon, was es heißt, heute eine Mutter zu sein.

Und die Texte sind von der Art, dass sie mich als Elternteil, oder noch spezifischer als Mutter, komplett abholen: sie sind ziemlich abgefahren und grenzwertig surreal, was ich sehr mag. Sie sind sehr, sehr feministisch und auf die Lebensrealität von Frauen ausgerichtet, was ich natürlich ebenfalls sehr abfeiere. Und dann sind sie literarisch auch noch von einer solchen Vielfalt und Qualität, dass ich es gar nicht glauben kann, dass Bendixen noch keinem breiteren Publikum bekannt ist.

Sagte ich schon, dass ich begeistert bin?

Inhaltlich deckt Bendixen ein breites Spektrum von Themen ab. Es geht häufig um die Projektionen der eigenen Schuldgefühlen als Mutter, die sich in der Abwertung von anderen Lebensmodeln äußert. Um verschiedene Erziehungsmodelle und ihren Preis, der auch im Generationenkonflikt von Müttern („Wir haben es doch auch geschafft“) einen Rolle spielt.
Verhältnismäßig viel Raum nimmt beispielsweise die multiperspektivische Schilderung eines Beinahe Verkehrsunfalls ein und seine Folgen auf die Beteiligten.

Aber auch die kürzeren Texte, die teilweise nur eine halbe Seite einnehmen, können tief schneiden und lösen bei mir heftige Gefühle aus.
Ich kann auch gar nicht sagen, welche Texte mir besonders nahe gehen, weil ich wirklich alle sehr gelungen und stark finde. Beispielweise den Entwicklungsbericht für Fabian Hausmann, dem kleinen Löwenjungen, der dann endlich erfolgreich im Kindergarten für sozialisiert wird, finde ich sehr rührend und traurig. Die Laudatio von PD Dr. Phil.habil. Gerlinde Schultheiß-Holtkamp zur Verleihung des Ordens für Bedürfnislosigkeit hinterlässt hingegen einen bitteren Nachgeschmack und Wut.

Ich würde sagen, die Text sind größtenteils sehr gesellschaftskritisch und doppelbödig und finden wahrscheinlich nicht bei allen Leser*innen entsprechenden Nachhall. Ich selbst hatte mit „Eine zeitgemäße Form der Liebe“ eine außergewöhnlich aufregende, wenn auch leicht schmerzhafte Lesezeit.

Wenn du dich auch nur ansatzweise für eine gesellschaftskritische und feministische Auseinandersetzung von Mutterschaft interessierst, sind diese Texte ein Must-Read für dich.

„Seltsam, dass sowohl Angst als auch Liebe die Kehle zuschnüren.“

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Atmosphärischer Roman über Trauer, Loslassen und wieder lebendig werden

Wildhof
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Es gibt so Romane, die sind besonders erzählt und haben eine besondere Stimmung.
Für mich war „Wildhof“ so ein Roman. Und wenn ein Roman so besonders ist, fallen auch kleinere Kritikpunkte nicht mehr so ...

Es gibt so Romane, die sind besonders erzählt und haben eine besondere Stimmung.
Für mich war „Wildhof“ so ein Roman. Und wenn ein Roman so besonders ist, fallen auch kleinere Kritikpunkte nicht mehr so ins Gewicht.

„Wildhof“ ist der Name eines kleinen Dorfes und in diesem kleinen Dorf steht abgelegen ein verwildertes Haus.

Lina ist in Wildhof aufgewachsen, war aber seit längerer Zeit nicht mehr in ihrem Heimatdorf. Nicht einmal um ihre Eltern dort zu besuchen. Vor vielen Jahren verschwand ihre Zwillingsschwester Louise. Die Eltern sind daran zerbrochen und eigentlich auch irgendwie innerlich gestorben.

»Ich dachte irgendwie immer, deine Eltern sind schon tot."
»Ja, das dachte ich auch.«


Jetzt ist bei einem Autounfall auch noch die äußere Hülle der beiden gestorben und Lina, mittlerweile 30 Jahre alt und beruflich erfolgreich, kehrt in ihr altes Elternhaus nach Wildhof zurück, um sich um den Nachlass zu kümmern.

Ich liebe die Beschreibungen des Hause und des Gartens mit seiner leicht morbiden, verfallenen Stimmung, die mir zeigt, hier lebt schon länger nichts mehr.
Aber lebt Lina eigentlich noch so richtig? Irgendwas ist mit dem Verschwinden ihrer Schwester auch in ihr gestorben.

„Die Erinnerungen wollen rein, in ihr Leben, in ihren Körper, irgendwo weiterleben, dem Nichts entkommen.“

Lina ist eine Protagonistin, die mir sehr gefällt. Sie ist wild, hat eine Bewährungshelferin wegen eines Vorfalls bei dem sie sich nicht unter Kontrolle hatte und auch in Wildhof kommt es zu …Zwischenfälle.

Mit dem Zusammentreffen von Lina und ihren Freund*innen aus Kindheitstagen kommt Dynamik in die Geschichte. Die alte Clique von damals ist wieder vereint. Bis auf Louise, was allen schmerzhaft bewusst ist.

Eva Strasser erzählt in ihrem Roman sehr atmosphärisch und auch spannend. ihre Erzählstimme hat einen etwas kindlichen, fast naiv zu nennenden Charakter, der aber nichts mit Simplizität zu tun hat. Vielmehr unterstreicht diese Stimme den märchenhaften Charakter der Geschichte, das Mystische und das Verwunschene, das dem Haus und vor allem dem Wald anhaftet.

Well, das Intermezzo mit dem englischen „Rockstar“ hätte ich jetzt nicht unbedingt gebraucht. Aber der sich daran anschließende Schluss, der eindeutig von der Handlungsführung und stilistisch als Höhepunkt angelegt ist, gefällt mir unglaublich gut und rührt mich sehr.

Letztendlich ist es auch ein starker Roman über Trauer, Loslassen und wieder lebendig werden.

Inhaltlich erinnert mich der Roman ein bißchen an „Es gibt keine Wale im Wilmersee“ von Laura Dürrschmidt. Wenn du diesen Roman kennst und mochtest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dir auch Wildhof gefallen könnte.
Aber auch so lohnt sich ein Blick auf diese Neuerscheinung der Berliner Drehbuchautorin.

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