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Veröffentlicht am 05.08.2020

Köstlich

Ein Mann der Kunst
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Buchbesprechung zu »Ein Mann der Kunst« von Kristof MagnussonIn diesem 220-seitigen Roman deckt der in Hamburg geborene Autor Kristof Magnusson mit Leidenschaft und Raffinesse die Untiefen unseres Kulturbetriebs ...

Buchbesprechung zu »Ein Mann der Kunst« von Kristof Magnusson

In diesem 220-seitigen Roman deckt der in Hamburg geborene Autor Kristof Magnusson mit Leidenschaft und Raffinesse die Untiefen unseres Kulturbetriebs auf. Der berühmte Maler KD Pratz, Künstler der alten Schule, hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, weil er mit der verlogenen Welt nichts mehr zu tun haben will. So lebt er auf einer Burg am Rhein, aber seine Bilder werden nach wie vor hoch gehandelt. Die Kunstszene verehrt den Meister und will ihm ein Denkmal in Form eines Museums setzen. Da ihm sein eigener Nachruhm sehr am Herzen liegt, willigt er ein und empfängt Kunstfreunde auf seiner Burg. So entsteht eine amüsante Begegnung, bei der der Meister seinen Anhängern die Unvollkommenheit der Welt um die Ohren haut, seine eigene Größe inszeniert und den gesamten Kunstbetrieb niedermacht. Wie seine Gäste bei dieser Begegnung nach und nach die Beherrschung verlieren. Die gebundene Ausgabe mit der EAN 978-3-95614-382-3 kostet 22.00 € und erscheint am 12. August 2020 im Antje-Kunstmann-Verlag.


© 08/2020 MAD-Moiselle 🌼 Alle Angaben sind ohne Gewähr.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2020

Lustige Parodie, die unsere Schwarzseher auf die Schippe nimmt

Im nächsten Leben wird alles besser
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Buchbesprechung zu »Im nächsten Leben wird alles besser« von Hans RathDer 53-jährige Arnold wird über Nacht ins Jahr 2045 befördert. Er weiß, dass er ab sofort ein alter Sack ist, der die Welt nicht mehr ...

Buchbesprechung zu »Im nächsten Leben wird alles besser« von Hans Rath

Der 53-jährige Arnold wird über Nacht ins Jahr 2045 befördert. Er weiß, dass er ab sofort ein alter Sack ist, der die Welt nicht mehr versteht. Künstliche Intelligenz steuert sämtliche Lebensbereiche, humanoide Serviceroboter erledigen die Arbeit. Wer sich die reale Welt nicht mehr leisten kann, der zieht nach Times Beach, einem virtuellen Freizeitpark. Arnolds persönlicher Assistent heißt Gustav. Der charmante Uralt-Roboter hilft bei der Rekonstruktion von Arnolds Leben, das sich als ein Desaster entpuppt. Arnold hat es gründlich verbockt. Seine Ehe und Familie sind Geschichte, sein Leben ein Jammertal. Er wünschte, er könnte die letzten 25 Jahre zurückdrehen.

Dieser Roman hat mich komplett überrascht. Denn die Geschichte ist anders als erwartet. Das Cover hatte mich sofort angesprochen, das Layout passend zur Geschichte sehr futuristisch und digital. Der Schreibstil ist witzig und unterhaltsam. Nur zum Ende hin wird es ein wenig mühsam, kompliziert und umständlich. Die Charaktere wurden detailreich und amüsant ausgearbeitet. Dass ausgerechnet ein Buchhändler, also ein Beruf, der doch für Belesenheit und Klugheit steht, sein Leben vergeigt haben soll, finde ich an sich schon absurd. Was will mir der Autor damit sagen?

Fantastisch, philosophisch, witzig. Allerdings ist mir der Zeitsprung zu kurz. Hätte sich der Protagonist im Jahre 2000 befunden, wäre die Geschichte sogar glaubhaft gewesen. 25 Jahre sind mir einfach zu kurzfristig. Ich denke, dass dieser Roman eine Art Parodie sein soll. Der Autor Hans Rath nimmt hier ganz gewaltig alle Schwarzseher auf die Schippe.

Nachdem ich erst vor wenigen Tagen auf YouTube einen Dokumentarfilm (Richtung 2000 - Vorschau auf die Welt von morgen) aus dem Jahre 1972 (mein Geburtsjahr) anschaute, wurde mir klar, dass die damalige Generation ebenfalls die Zukunft viel zu düster betrachtet hatte. Vergleicht man die Erwartungen und Befürchtungen von damals mit denen von heute, so ist alles anders gekommen. Unsere Welt ist sauberer, gerechter und bunter geworden. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, alles schwarzzusehen, der Jugend nichts zuzutrauen, wobei er gerne vergisst, selbst einmal jung gewesen zu sein, aber am Ende ist es genau sie, die die Welt zum Positiven verändert. Für mich ist dieser Roman intelligente Unterhaltung, natürlich auch ein Denkanstoß. Hier geht es allerdings weniger um die künstliche Intelligenz und die technische Entwicklung oder die Errungenschaften, die uns das Leben erleichtern, beides verleiht der Geschichte nur einen Rahmen und kann letzten Endes auch nur so intelligent sein kann wie die, die sie programmiert und erfunden haben.

Sagt der Pessimist: "Schlimmer geht nicht!" Antwortet der Optimist: "Doch!" - Hans Rath dreht hier aber den Spieß um. Der Protagonist, dieser Buchhändler, hat sich durch seine ständige Schwarzmalerei und seine Zukunftsängste das Leben selbst versaut. Wie wahr!

youtube.com/watch?v=f4U2zW4IPDY


© 08/2020 MAD-Moiselle 🌼 Alle Angaben sind ohne Gewähr.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.08.2020

Happy Birthday Charles!

Notes on a Dirty Old Man. Charles Bukowski von A bis Z.
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Buchbesprechung zu »Notes on a Dirty Old Man. Charles Bukowski von A bis Z.« von Frank SchäferDiese ungewöhnliche Biografie habe ich im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks gewonnen. Die gebundene, ...

Buchbesprechung zu »Notes on a Dirty Old Man. Charles Bukowski von A bis Z.« von Frank Schäfer

Diese ungewöhnliche Biografie habe ich im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks gewonnen. Die gebundene, 272-seitige Ausgabe mit der EAN 978-3-963-18067-5 kostet 17.90 € und erschien am 8. Juni 2020 im Kulturversandhaus Zweitausendeins.

Meinung
Anlässlich zum 100. Geburtstag (16. August) von Charles Bukowski hat sich der Schriftsteller und Literaturkritiker Frank Schäfer an eine ungewöhnlich originelle Biografie herangetraut, die unter Garantie jeden Leser begeistern wird. Angesprochen vom richtig tollen Cover, hatte ich mich aufs Geratewohl beworben. Obwohl mir Charles Bukowski nur vom Namen her bekannt war, hat mir dieses biografische Werk, das nicht zeitlich, sondern alphabetisch aufgebaut ist, einen tiefen Einblick in das Leben des Untergrund-Schriftstellers geliefert. Der Autor Frank Schäfer erzählt Anekdoten aus dem Leben des Außenseiters. Es hat mir großen Spaß gemacht, diesen schrägen Vogel näher kennenzulernen. In der Mitte sind 20 Schwarz-Weiß-Fotografien von Michael Monfort abgebildet.

Fazit
Titelbild, Format und Haptik sind für Unterwegs konzipiert, sodass man die Lektüre gut im Café oder im Zug lesen kann und andere Passanten damit beeindrucken wird. Es wird bestimmt neugierige Blicke auf sich ziehen. Mit diesem Buch macht man sich unfreiwillig interessant.


© 07/2020 MAD-Moiselle 🌼 Alle Angaben sind ohne Gewähr.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.08.2020

Spannend wie ein Krimi

Zwei fremde Leben
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Buchbesprechung zu »Zwei fremde Leben« von Frank GoldammerDiesen tragischen DDR-Roman habe ich im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks gewonnen. Die 400-seitige, broschierte Ausgabe mit der EAN 978-3-423-26255-2 ...

Buchbesprechung zu »Zwei fremde Leben« von Frank Goldammer

Diesen tragischen DDR-Roman habe ich im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks gewonnen. Die 400-seitige, broschierte Ausgabe mit der EAN 978-3-423-26255-2 kostet 16.90 € und erschien am 24. Juli 2020 bei dtv.

Ricarda und ihr Verlobter freuen sich auf ihr erstes Kind. Doch dann geht bei der Geburt in der Dresdner Klinik etwas schief. Es heißt, Ricardas Baby sei tot. Laut Vorschrift darf sie es nicht einmal mehr sehen. DDR-Alltag im Jahr 1973. Aber Ricarda glaubt nicht an den Tod ihres Kindes. Sie glaubt vielmehr an eine staatlich angeordnete Kindesentführung. Auch der Polizist Thomas Rust, der zufällig Zeuge des dramatischen Vorfalls wurde, hegt diesen Verdacht und stellt Recherchen an, die ihn in höchste Gefahr bringen. Erst 17 Jahre später laufen die Fäden zusammen, als die junge Claudia Behling jene Frau sucht, die sie nach ihrer Geburt weggegeben haben soll.



Thema
Ein verschwundenes Kind und die lebenslange Suche nach der Wahrheit.


Meinung
Das helle, freundliche Cover sprach mich sofort an. Der Schreibstil ist zeitgemäß und bildhaft, sodass beim Lesen Szenen vor dem geistigen Auge entstehen und die Geschichte lebendig wird. Die Charaktere sind überzeugend, realitätsnah und detailreich ausgearbeitet. Ich konnte zu den Protagonisten und Nebenfiguren durchaus eine Art Beziehung aufbauen, mich in sie hineinversetzen und mit ihnen leiden. Dem Autor ist es sehr gut gelungen, ein Stück Geschichte der DDR aufleben zu lassen. Der Inhaltsangabe ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Der Roman liest sich spannend wie ein Krimi, für die der Autor, ein gebürtiger Dresdener, bekannt ist. Mit einer staatlich angeordneten Kindesentführung hat sich Frank Goldammer an ein heikles Thema herangewagt. Ich bin Jahrgang 1972 und im Westen aufgewachsen. Wie viel auf Wahrheit beruht und was sich der Autor ausgedacht hat, lässt sich nicht eindeutig klären, aber ich persönlich fände es äußerst befremdlich und peinlich, wenn mein eigener Vater bei der Geburt meines Kindes zugegen wäre. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das überhaupt erlaubt ist. Mich turnt das eher nicht an. Darum interpretiere ich das mal als schriftstellerische Freiheit. Auch finde ich es moralisch äußerst verwerflich, dass dann ausgerechnet dieser Vater einflussreiche Kontakte zur Stasi pflegte und darin involviert sein sollte, seiner eigenen Tochter das Kind weg zu nehmen. Das übersteigt dann doch meinen gesunden Menschenverstand.

Die Geschichte wird auf drei Zeitebenen mit Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was mich als Leserin sehr bei Laune gehalten hat. Durch den jungen Polizisten Rust und seine heimlichen Nachforschungen, mit denen er sich selbst in höchste Gefahr bringt, gewinnt die Geschichte nochmals an Dramatik. Warum er das so selbstlos tut, bleibt mir allerdings schleierhaft. Vielleicht aus Ehrgeiz? Das macht man für Verwandte, aber doch nicht für wildfremde Menschen. Bei einer fiktiven Geschichte sind solche Handlungen wohl eher nebensächlich und nicht der Rede wert. Gut umgesetzt finde ich die Zerrissenheit und die psychischen Probleme, unter der Ricarda leidet und sie im Leben scheitern lassen. Das kann ich definitiv nachvollziehen. Das wurde glaubhaft erzählt. Zum Ende hin wurde mir die Geschichte allerdings ein wenig zu viel des Guten. Nun, es ist ein Roman und kein Tatsachenbericht.



Fazit
»Zwei fremde Leben« von Frank Goldammer ist ein bisschen dick aufgetragen, aber ein durchaus gut recherchierter, sehr bewegender und berührender Roman, spannend und voller Dramatik erzählt. Bis auf wenige Ungereimtheiten hat mir der Roman gut gefallen. Ich vergebe gerne 4 Sterne und eine Leseempfehlung.


Gut zu wissen!
Frank Goldammer wurde 1975 in Dresden geboren und ist gelernter Maler- und Lackierermeister. Neben seinem Beruf begann er mit Anfang zwanzig zu schreiben, verlegte seine ersten Romane im Eigenverlag. Mit ›Der Angstmann‹, Band 1 der Krimiserie mit Max Heller, gelangte er sofort auf die Bestsellerlisten. Er ist alleinerziehender Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt.


© 07/2020 MAD-Moiselle 🌼 Alle Angaben sind ohne Gewähr.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.07.2020

Hübsche Vater-Sohn-Geschichte

Pandatage
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Die gebundene, 384-seitige Ausgabe mit der ISBN 978-3-462-05364-7 kostet 20.00 € und erschien am 2. Mai 2020 bei Kiepenheuer & Witsch. Übersetzt aus dem Englischen von Stephan Kleiner.

Meinung
Das Cover ...

Die gebundene, 384-seitige Ausgabe mit der ISBN 978-3-462-05364-7 kostet 20.00 € und erschien am 2. Mai 2020 bei Kiepenheuer & Witsch. Übersetzt aus dem Englischen von Stephan Kleiner.

Meinung
Das Cover wurde sehr sparsam, aber freundlich gestaltet, sodass man zweimal hinschauen muss. Weder der Titel noch das Motiv lassen auf den ersten Blick erkennen, worum es geht. Aber genau wie meine Mitleser und Mitleserinnen war auch ich zu tiefst berührt, sodass ich an einigen Stellen wirklich schlucken musste, obwohl der Autor gar nicht auf die Tränendrüse drückt. Beschrieben wird im wahrsten Sinne des Wortes eine rührselige Vater-Sohn-Beziehung, die von einem Schicksalsschlag überschattet wird. Beide müssen mit dem Verlust einer geliebten Person fertig werden. Der untalentierte Vater muss seinen Sohn und sich irgendwie über Wasser halten. Probleme, mit denen viele Menschen zu kämpfen haben, über die aber im Allgemeinen nicht geredet wird. Dem Autor ist es gelungen, dass ich die Protagonisten lieb gewonnen und in mein Herz geschlossen habe. Am liebsten wäre ich in das Buch hineingehüpft und hätte den beiden so gerne geholfen. Ohne Kitsch, dafür mit viel warmherzigen Humor, wird jedes denkbar unlösbare Problem gelöst. Ein komisches, modernes Märchen, etwas skurril und schräg, aber absolut lesenswert. Not macht bekanntlich erfinderisch, und so meistern die beiden Helden tapfer ihr Schicksal.

Fazit
4 Sterne für die Idee, den Humor, den Schreibstil und das tolle Cover.


© 07/2020 MAD-Moiselle | Alle Angaben sind ohne Gewähr.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere