Profilbild von MEERBLICK

MEERBLICK

Lesejury Star
offline

MEERBLICK ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MEERBLICK über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2025

Geschenke erkennen und annehmen

Das Geschenk des Meeres
0

Julia R. Kelly beschenkt uns Lesende mit einem berührenden, vielschichtigen, lebensnahen und meiner Meinung nach auch zeitungebundenen Roman ‘Das Geschenk des Meeres‘. Die Geschichte lebt nicht nur aus ...

Julia R. Kelly beschenkt uns Lesende mit einem berührenden, vielschichtigen, lebensnahen und meiner Meinung nach auch zeitungebundenen Roman ‘Das Geschenk des Meeres‘. Die Geschichte lebt nicht nur aus dem zauberhaft aufgebauten Plot heraus allein, sondern ebenso durch den einfühlsamen, ruhigen Schreibstil, der sowohl die widrigen Witterungsbedingungen in jenen kalten, unwirtlichen Wintertagen im Jahre 1900 in dem kleinen, schottischen Fischerdörfchen Skerry, gelegen an der schroffen, stürmischen Atlantikküste, eindrucksvoll beschreibt als auch die Protagonisten in ihrer charakterlichen Entwicklung hervorragend darstellt.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die unnahbare, steife Dorfschullehrerin Dorothy und der ruhige, liebenswerte Joseph, deren Liebe füreinander schicksalhaft belastet ist und viele Jahre ihres Lebens als schwere Bürde auf ihren Schultern lastet, allerdings aus völlig unterschiedlichen Beweggründen. Als eines Tages ein heftiger Sturm ein Kind mehr tot als lebendig an die Küste spült, das Joseph findet und der Pfarrer es schließlich in die Obhut von Dorothy gibt, werden alte Wunden aufgerissen aber gleichzeitig ergeben sich neue Chancen im Leben, dem einst grausamen Schicksal offen zu begegnen. Ausgerechnet dieser kleine, schweigsame Junge könnte es möglich machen Gefühle zu überdenken, alte Wunden endlich heilen zu lassen und ein wertvolles Geschenk anzunehmen.
In den zwei Erzählsträngen vom ‘Damals‘ und dem ‘Jetzt‘ aus unterschiedlichen Perspektiven der Schlüsselfiguren erfahren wir vom Leben der Dorfgemeinschaft, von ihren Vorlieben und Sehnsüchten, vom täglichen Tratsch und Klatsch, von Intrigen und Pflichterfüllung, von Schmerz und tragischen Ereignissen, von unerfüllten Lebensträumen, von brutalen Szenen in einer Ehe.
Dieser Roman besitzt für mich auch heute noch eine große Aktualität. Ich wünsche ihm, dass er sein begeistertes Lesepublikum findet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.07.2025

Der Zauber des geschriebenen Wortes

Die Briefeschreiberin
0

Entgegen der Schnelllebigkeit in unserem modernen Leben liebt es die Protagonistin Sybil van Antwerp, Briefe zu schreiben. Sie glaubt sich besser im geschriebenen Wort ausdrücken zu können und mag eine ...

Entgegen der Schnelllebigkeit in unserem modernen Leben liebt es die Protagonistin Sybil van Antwerp, Briefe zu schreiben. Sie glaubt sich besser im geschriebenen Wort ausdrücken zu können und mag eine ganz besondere Sorte von Briefpapier und natürlich ganz konventionell die Spur des Tintenflusses. Dabei verfolgt sie bei manchem Briefwechsel eine zeitliche Routine einzuhalten, bei anderen wiederum erfolgt der Austausch in losen Abständen. Als begeisterte Leserin spiegelt sie dem ein oder anderen Autor ihre Gedanken und Gefühle als Feedback auf seine Geschichte und freut sich sehr über eine Antwort. Sie hebt alle ihre erhaltenen und zum Teil die Kopien der geschrieben Briefe auf. Diese Korrespondenz besitzt einen unschätzbaren Wert für sie.
Sybil ist mit dreiundsiebzig Jahren längst im Ruhestand. Nicht ganz unvermögend konnte sie sich diesen Luxus noch vor dem üblichen Rentenalter leisten. Sie blickt auf ein beruflich ausgefülltes und erfolgreiches Leben als Juristin zurück, das allerdings nicht ganz ungetrübt ist. Eine falsche Handlung von ihr belastete durch ein Fehlurteil eine ganze Familie. Diese Tat liegt noch immer schwer auf ihrer Seele. Ihr privates Glück jedoch konnte sie nicht finden. Ein tragischer Unfall, eine Scheidung, Missverständnisse mit ihrer Tochter trüben ihren Alltag. Hier muss sie Fehler einsehen und versuchen zu korrigieren. Schließlich begibt sie sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit, die unverhofftes Glück bescheren.
Virginia Evans wagt sich mit ihrem Roman ‘Die Briefeschreiberin‘ auf ein ungewöhnliches Terrain, eine Geschichte zu erzählen. Ich war sehr überrascht wie leicht und flüssig sich die aufeinanderfolgenden Briefe gelesen haben, sich in wunderbarer Weise zu einer Geschichte mit Tiefe, Tragik, glücklichen und schmerzlichen Momenten als Beschreibung eines inhaltsreichen Lebens zusammenfügten.
Wer sich an ein ungewöhnliches auf jeden Fall lohnendes Leseerlebnis heranwagen möchte, findet hier beste Unterhaltung und besonderen Lesegenuss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.07.2025

Im Jahr der Schlange

Die Truhe der Schamanin
0

Yasemin Schreiber Pekin entführt uns Leser in ihrem historischen Roman ‘Die Truhe der Schamanin‘, dem ersten Teil einer Trilogie, in die Zeit der kämpferischen, brutalen Auseinandersetzungen des Dschingis ...

Yasemin Schreiber Pekin entführt uns Leser in ihrem historischen Roman ‘Die Truhe der Schamanin‘, dem ersten Teil einer Trilogie, in die Zeit der kämpferischen, brutalen Auseinandersetzungen des Dschingis Khan. Entlang der Seidenstraße kreuzen sich die Wege von Menschen aus sehr unterschiedlichen Landesteilen mit differenten kulturellen Ausprägungen, Sprachen und spirituellen Besonderheiten. Die spannend geschriebene Fiktion ist eng verwoben mit regionalen, mystischen Fabelwesen.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Schamanin Rana, die gemeinsam mit ihrer hochschwangeren Tochter Al-Su vor Enforcern flieht. Dabei wird ihnen eine wertvolle Truhe mit unschätzbar wichtigen Schriftstücken und medizinischen Gaben gestohlen. Der Dieb, ein Mongole, konnte schwer verletzt entkommen. Nun sind sie auf der Suche nach ihren Habseligkeiten, bekommen Gesellschaft und treffen auf Gäste, die sich entlang der Seidenstraße auf den Weg gemacht haben zu einer Hochzeit, einer bedeutenden Hochzeit. Dschingis Khan möchte seiner Tochter mit einem Uiguren verheiraten. Das lockt jede Menge Besucher aus nah und fern an.
Es gibt drei Handlungsstränge, die sich im Laufe der Geschichte verbinden, dennoch jede Menge Fragen offenlassen, die sicherlich in der angekündigten Romanfortsetzung ihre Antworten finden. Im Anhang des Buches werden hilfreiche Anmerkungen zu geschichtlichen Zusammenhängen und angeführten Personen gemacht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.07.2025

Herausforderungen im Leben

Ja, nein, vielleicht
0

Die Ich-Erzählerin, Ende fünfzig, in Doris Knechts Roman ‘Ja, nein, vielleicht‘ lebt die überwiegende Zeit unabhängig und allein in einem alten zurecht gemachten Haus auf dem Land, ohne innigen Kontakt ...

Die Ich-Erzählerin, Ende fünfzig, in Doris Knechts Roman ‘Ja, nein, vielleicht‘ lebt die überwiegende Zeit unabhängig und allein in einem alten zurecht gemachten Haus auf dem Land, ohne innigen Kontakt zu ihren Nachbarn. Man grüßt sich, wenn man sich begegnet, wechselt ein paar knappe Worte. Aber dieses freie unabhängige Leben hat sich die Protagonistin selbst ausgesucht. Ihre Kinder, ein Zwillingspaar, leben unabhängig in der Großstadt, in Wien. Die Verbindung zum Vater der Kinder besteht so gut wie gar nicht mehr.
Trotz eines sehr großen Familienverbandes mit weiteren 4 Geschwistern, die wiederum Kinder haben, verheiratet sind und den eigenen Eltern besteht wenig Kontakt. Man telefoniert, tauscht sich sporadisch aus über Belanglosigkeiten oder Themen, die berühren. So auch über eine Schwester, die unsere Protagonistin darum bittet, ihr Apartment in der Großstadt Wien vorübergehend benutzen zu dürfen. Nun beginnt sich das Gedankenkarussell zu drehen. Unglaublich viele Fragen entstehen, die mit sich allein diskutiert werden. Auch ein zufälliges Treffen mit einem alten Freund führt zu ausufernden Gedankenkonstrukten, die zwanghafte Handlungen bewirken. Schließlich werden auch Zahnschmerzen, verursacht durch Parodontose als Folge des fortschreitenden Alterungsprozess gesehen und ausgewertet.
Die Autorin fängt das seelische Leiden ihrer Protagonistin sehr akribisch ein, zeichnet das Bild einer Selfmadefrau, die sich in den gesellschaftlichen Zwängen eines Paarbildes unwohl fühlt, Zu Hause in ihren vier Wänden führt sie ein glückliches Dasein, ist zufrieden mit ihrer schriftstellerischen Berufung, dem Alleinsein. Doch dann, wie so oft im Leben, wandeln sich die Herausforderungen durch unvorhersehbare, unbeeinflussbare Ereignisse, die neue Perspektiven in den Mittelpunkt mentaler Auseinandersetzungen stellen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.07.2025

Wandlungen

Zwischen zwei Leben
0

Jenni Mäki ist neunundvierzig Jahre alt als sie beschließt, ihren Ehemann Jussi und damit das edle Haus am Wasser aber auch das finanziell sorgenfreie Leben zu verlassen. Die Kinder sind erwachsen und ...

Jenni Mäki ist neunundvierzig Jahre alt als sie beschließt, ihren Ehemann Jussi und damit das edle Haus am Wasser aber auch das finanziell sorgenfreie Leben zu verlassen. Die Kinder sind erwachsen und gehen ihre eigenen Wege. Ihre Aufgabe als Mutter, über die sie sich all die Jahre identifiziert hat, ist erledigt. Die Untreue von Jussi hält sie nicht mehr aus, auch dieses aneinander Verbeischauen trifft sie tief im Herzen und so fasste sie den für sie nicht einfachen Entschluss zu gehen, um sich eine neue Existenz aufzubauen, vielleicht sogar ein neues Leben zu leben. Sie ändert ihren Namen, nennt sich fortan Jenny Hill. Das zeigt ihre Verbundenheit zu dem Jahr, welches sie als Austauschschülerin in den Vereinigten Staaten von Amerika verbrachte. Selbstzweifel und Minderwertigkeitskomplexe bestimmten ihr Leben. Dem Drang nach Anpassung gab sie stets nach. Ihre Psychotherapeutin stellte ihr die Aufgabe, Briefe an eine Person zu schreiben, in denen sie ihre Wünsche, Gefühle und Gedanken festhält, um zu reflektieren. Es sollte der Weg sein aus der Sackgasse selbstvernichtender Grübeleien.
Minna Rytisalo beschreibt in ihrem Roman ‘Zwischen zwei Leben‘ die Wandlung einer Frau, die sich selbst wenig Respekt entgegenbringt, sich unwohl in dieser Rolle fühlt und Stück für Stück in ein befreites, ungezwungenes Leben geht. Die Autoren benutzt als schriftstellerisches Stilmittel drei Perspektiven – eine Erzählstimme, die sehr persönlichen Briefe der Protagonistin und Flüsterstimmen von Märchenfiguren, die ihre wahre Geschichte erzählen, damit einen geänderten Blick auf die alten Märchen ermöglichen.
Ich habe dem Buch Zeit gegeben, um tiefer einzutauchen in das Geschehen und es hat sich gelohnt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere