Profilbild von MademoiselleMeow

MademoiselleMeow

Lesejury Profi
online

MademoiselleMeow ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MademoiselleMeow über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.12.2025

Geister, Schwiegermonster und grässliche Geheimnisse

Die Verlorenen von Greyswick
0

Das schöne bei den Festa Taschenbüchern ist, dass egal wie dick sie sind, sie 16,99 € kosten. Ich war sehr überrascht, als ich 𝐃𝐢𝐞 𝐕𝐞𝐫𝐥𝐨𝐫𝐞𝐧𝐞𝐧 𝐯𝐨𝐧 𝐆𝐫𝐞𝐲𝐬𝐰𝐢𝐜𝐤 auspackte, denn der Roman hat über 600 Seiten. ...

Das schöne bei den Festa Taschenbüchern ist, dass egal wie dick sie sind, sie 16,99 € kosten. Ich war sehr überrascht, als ich 𝐃𝐢𝐞 𝐕𝐞𝐫𝐥𝐨𝐫𝐞𝐧𝐞𝐧 𝐯𝐨𝐧 𝐆𝐫𝐞𝐲𝐬𝐰𝐢𝐜𝐤 auspackte, denn der Roman hat über 600 Seiten. Aber eine Geschichte rund um ein Spukhaus darf meinetwegen auch ruhig etwas länger ausfallen.

England, 1917: Noch immer erholt sich Stella von einem schweren Verlust. Doch nun braucht ihre schwangere Schwester Stella’s Hilfe. Diese lebt zusammen mit der Schwiegermutter auf dem Anwesen Greyswick und wird zunehmend von einem nervlichen Leiden geplagt. Nächtliches Weinen, urplötzlich auftauchende Spielzeugsoldaten. Doch auf Greyswick gibt es kein Kind. Zunächst glaub Stella nicht an einen Spuk, aber dann häufen sich die Vorfälle und diese deuten ein lang zurückliegendes Verbrechen an.

Stella ist eine etwas andere Romanheldin. Sie behandelt ihre Bediensteten (zunächst) nicht, wie so oft als Freunde, sondern als das was sie sind, wenn auch nicht ohne Respekt. Sie ist außerdem stur wie ein Esel und gibt selbst da noch Widerworte, wo andere längst aufgeben. Diese freche Hartnäckigkeit fand ich manchmal fast schon zum lachen. Aber gut! Endlich mal jemand der sich durchsetzt.

Der Großteil der Figuren ist weiblich. Sie arbeiten mit- und gegeneinander, stehen zwischen Tradition und Eigensinn. So entsteht eine interessante Dynamik bei der die Männer nicht unwichtig, aber nur Nebendarsteller sind.

Der Spuk ist jetzt nichts neues, aber dennoch sehr schön eingefangen. Wo der seinen Ursprung hat entblättert sich in gewohnter Manier Stück für Stück und führt einen auf so manche falsche Fährte. Natürlich kann man sich einiges schon denken und doch gab es für mich so manche Überraschungen.

Eigentlich habe ich nichts zu meckern, aber da mich die Geschichte trotz wirklich einwandfreier Spukhaus Atmosphäre mal wieder nicht gruseln konnte und mir manches nicht ausreichend genug erklärt wurde (Billy, Das Geheimnis um die Widmung in Stella’s Buch,…) gibt es von mir sehr gute 4 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2025

Meerjungfrau mal anders

Unbeugsam wie die See
0

Ich mag Geschichten über Meerjungfrauen und hatte mir den Roman gleich vorgemerkt, denn sein Originaltitel lautet "The Sirens". Zu Deutsch hat man sich für 𝐔𝐧𝐛𝐞𝐮𝐠𝐬𝐚𝐦 𝐰𝐢𝐞 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐞𝐞 entschieden und das verspricht ...

Ich mag Geschichten über Meerjungfrauen und hatte mir den Roman gleich vorgemerkt, denn sein Originaltitel lautet "The Sirens". Zu Deutsch hat man sich für 𝐔𝐧𝐛𝐞𝐮𝐠𝐬𝐚𝐦 𝐰𝐢𝐞 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐞𝐞 entschieden und das verspricht ja auch eine ganz maritime Geschichte, welche auf drei Zeitebenen erzählt wird.

2019: Nach einem traumatischen Zwischenfall flüchtet sich Lucy zu ihrer Schwester Jess an die australische Küste. Doch als sie dort ankommt ist von Jess keine Spur. Lucy, die seit je her ein wechselhaftes Verhältnis zu ihrer älteren Schwester hat, begibt sich auf Spurensuche und deckt dabei ein lang gehütetes Familiengeheimnis auf.
1800: Die Zwillingsschwestern Mary und Eliza werden nach ihrer Verurteilung mit dutzenden anderen Frauen auf einem Sträflingsschiff in die australischen Kolonien deportiert. Eine monatelange Odyssee beginnt, welche die Frauen in Dunkelheit und Dreck mit nur wenig Nahrung verbringen. Doch die Nähe zum Meer, wecken ungeahnte Kräfte in den Schwestern. 

Es ist genau die Art von Roman, die ich mag. Ein Teil in der Gegenwart, ein oder zwei in der Vergangenheit. Leider fand ich den Roman unheimlich vorhersehbar. Nach den ersten 100 Seiten hatte ich das Rätsel um Lucy und Jess schon gelöst. Das hat meine Leselust zwar überhaupt nicht gebremst, aber mittlerweile erwarte ich wohl einfach etwas ausgeklügelteres.

Die Geschichte um Mary und Eliza fand ich schon um einiges mysteriöser. Auch wenn es schade war, dass wir sie fast ausschließlich auf dem Schiff begleiten. Die Zustände auf dem Schiff werden schockierend und realistisch geschildert und die Verbundenheit der Frauen in all dem Elend fand ich sehr berührend.

Man vergisst fast, dass es in dem Roman auch um Meer(jung)frauen geht, denn das Thema wird die meiste Zeit als Legende behandelt und entfaltet sich erst ganz am Schluss. 
Das ganze mit der Krankheit Wassernesselsucht zu verbinden, an der alle vier Protagonisten leiden, fand ich echt raffiniert und so entsteht eine mal ganz neue Version einer Meerjungfrau oder Sirene wie wir sie kennen. 

Der Epilog hat mich nicht ganz überzeugt, aber insgesamt ein schöner, lesenswerter Roman.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2025

Nessi in Essex?

Die Schlange von Essex
0

𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞 𝐯𝐨𝐧 𝐄𝐬𝐬𝐞𝐱 ist ein Buch, das ich allein wegen seiner hübschen Optik in meiner Sammlung haben wollte. Und natürlich auch wegen des verlockenden Klappentextes um den Mythos eines Seeungeheuers, ...

𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞 𝐯𝐨𝐧 𝐄𝐬𝐬𝐞𝐱 ist ein Buch, das ich allein wegen seiner hübschen Optik in meiner Sammlung haben wollte. Und natürlich auch wegen des verlockenden Klappentextes um den Mythos eines Seeungeheuers, welches einen kleinen englischen Ort im 19. Jahrhundert heimsucht. Aber meine Bücherei hatte es da und weil Bücher nun mal teuer sind, durfte es nur als Leihexemplar bei mir einziehen.

Der Roman begleitet eine Vielzahl von Personen, wobei die junge Witwe Cora und der Pfarrer Will die Hauptfiguren bilden. Cora ist voller Wissensdurst, folgt den Thesen Darwins und als sie hört, im Küstenort Aldwinter habe man eine Seeschlange gesichtet, ist sie sofort Feuer und Flamme. Könnte es sich doch um ein prähistorisches Wesen handeln.
Die Dorfgemeinde glaubt aber eher an ein mystisches Ungeheuer. Will Ransome glaubt an keines von beidem, ist aber zunehmend fasziniert von Cora, mit der er aber auch immer wieder aneinander gerät.

Ich hatte einige Probleme mit dem Roman.
Erst einmal gibt es zu viele Personen, von denen kaum eine sympathisch ist. Jede von ihnen hat seine eigene interessante Geschichte zu erzählen, die aber nicht genug Raum bekommt, weil eben zu viel los ist.

Das Paar Cora und Will hatte für mich null Chemie, zumal Will mit einer sehr lieben Frau verheiratet ist und mit Cora nichts gemeinsam hat. Cora ist anders und darin liegt der Reiz. Aber wie soll man mit eine Romanze mitfiebern, wenn die Verliebten nie einer Meinung sind und andere mit ihrem Verhalten verletzen?

Auch wenn es hier um ein mystisches Wesen geht, erwartet keine Fantasy. Die Schlange steht für vieles. Wissenschaft und Aberglaube, Medizin, Massenhysterie, soziale Ungerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben zu jener Zeit. Alles interessante Themen, über die ich gern gelesen habe. Man hätte es aber vielleicht besser auf drei verschiedene Romane aufgeteilt, damit jedes Thema für sich glänzen kann.

Von mir erhält der Roman trotz meiner Kritik eine positive Bewertung, denn er hat mich sehr gut unterhalten. Und auch das versöhnliche Ende hat mir gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.11.2025

Dornröschen, schlaf weiter!

Dornenhecke
0

T. Kingfisher, 3. Versuch!
Eigentlich hatte ich vor als nächstes „The Hollow Places“ eine Chance zu geben, aber dann ergab sich die Gelegenheit in Rahmen einer Leserunde 𝐃𝐨𝐫𝐧𝐞𝐧𝐡𝐞𝐜𝐤𝐞 zu gewinnen und ich ...

T. Kingfisher, 3. Versuch!
Eigentlich hatte ich vor als nächstes „The Hollow Places“ eine Chance zu geben, aber dann ergab sich die Gelegenheit in Rahmen einer Leserunde 𝐃𝐨𝐫𝐧𝐞𝐧𝐡𝐞𝐜𝐤𝐞 zu gewinnen und ich war dabei!
Das Cover hatte mich erst einmal nicht angesprochen, es erinnerte mich zu sehr an ein Kinderbuch. Aber die Geschichte um eine sehr abgewandelte Version von Dornröschen konnte mein Interesse dann doch wecken.

Seit Jahrhunderten hockt Krötling nun schon vor einem von Dornen umwucherten Turm und hütet deren schlafende Bewohnerin. Das war eigentlich nicht der Plan, aber aufgrund eines fehlgeschlagenenen Zaubers muss Krötling nun ausharren und verhindern, dass niemand die Prinzessin weckt. Was bisher gut klappte, wird nun durch einen abenteuerlustigen Ritter Halim in Gefahr gebracht. Doch Krötling ist einsam und genießt die plötzliche Gesellschaft. Vorsichtig versucht sie Halim davon zu überzeugen, dass es besser ist, die Dornenhecke nicht zu durchdringen.

Und so erfahren wir die etwas andere Geschichte von Dornröschen…
Bei Retellings bin ich zwiegespalten. Sie interessieren mich immer, aber ich mag es nicht, wenn sie zu sehr vom Original abweichen. Das passiert hier zwar, aber auf so eine zauberhafte Art, dass ich es einfach gern gelesen habe.
Feen spielen auch hier eine Rolle, aber eher die, welche man von Emily Wilde kennt.

Krötling kann sich zwar in eine Kröte verwandeln, tritt aber auch in Menschengestalt auf. Sie ist nicht schön und weiß das auch. Ansonsten besitzt sie aber durchaus Eigenschaften einer Märchenprinzessin. Sie ist sehr tapfer, pflichtbewusst und versucht das Richtige zu tun. Man schließt sie sogleich ins Herz, weil sie es wirklich nicht leicht hat.

Auch Halim ist als arabischer Ritter eine Figur die aus dem Rahmen fällt. Er ist Krötling freundlich gesinnt, lässt sich aber nicht so leicht abschütteln und will, wie ein waschechter Prinz, den Turm erklingen.

Das Ende kam etwas schnell und erschien mir fast unfreiwillig komisch. Aber der Epilog war wirklich schön und wie der ganze Roman ungewöhnlich. Ein Happy End auf verschiedenen Ebenen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.11.2025

Toxische Liebe unter Vampiren

A Dowry of Blood: Begehren. Obsession. Macht.
0

Ich hatte eigentlich nicht vor, Dark Romance zu lesen, aber als ich entdeckte, in welche Kategorie 𝐀 𝐃𝐨𝐰𝐫𝐲 𝐨𝐟 𝐁𝐥𝐨𝐨𝐝 eingeteilt wurde, da hatte ich den Roman schon gekauft.
Nicht nur das unglaublich hübsche ...

Ich hatte eigentlich nicht vor, Dark Romance zu lesen, aber als ich entdeckte, in welche Kategorie 𝐀 𝐃𝐨𝐰𝐫𝐲 𝐨𝐟 𝐁𝐥𝐨𝐨𝐝 eingeteilt wurde, da hatte ich den Roman schon gekauft.
Nicht nur das unglaublich hübsche Cover sprach mich an, sondern auch die Story, in der es um Draculas Bräute gehen sollte. Klassisch Dracula sollte es hier allerdings nicht werden…

Wir lesen aus der Sicht von Draculas erster Braut, Constanta. Sie lässt die Beziehung zu dem Vampirfürsten Revue passieren und es ist klar, dass die einst große Liebe ein böses Ende genommen hat. Begonnen wird mit Constantas Verwandlung durch Dracula. Später die Vergrößerung der Familie durch Magdalena und Alexi. Sie berichtet von der fortwährenden Reise durch Europa und der toxischen Liebe zu ihren Gebieter.

Ja, genau darum geht hauptsächlich. Eine toxische Beziehung von der man nicht loskommt und schließlich der Befreiung aus dieser. Dracula ist eine interessante Wahl um das zu veranschaulichen, aber ich weiß nicht…Ich hätte aus dem Stoff mit Draculas Bräuten lieber eine andere Geschichte erzählt bekommen.

Das die dritte Braut genau genommen ein Bräutigam ist hat mich jetzt nicht so gestört. Auch nicht das Dark Romance Thema, ich finde das wurde hier recht elegant und sinnlich umgesetzt (naja, bis auf das Ende). Dafür waren mir ein paar andere Dinge nicht stimmig genug.

Wir starten ca. im 15. Jahrhundert und sind im letzten Drittel im Jahr 1919 angelangt. Wir werden durch die Jahrhunderte dazwischen gejagt ohne wirklich etwas vom Lifestyle der Vampire mitzubekommen, dabei liegt doch gerade darin der Reiz. Ich hätte es besser gefunden, wir hätten uns nicht zu viel in der Zeit bewegt.

Mir sind auch ein paar Error aufgefallen, die einem immer wieder anderes Jahrhundert vorgaukeln. Schaufensterbummel gab’s 1600 rum bestimmt noch nicht. Zerfleddert gekleidete Theaterschauspieler ordne ich eher nicht in die 1920er ein und Kutschen waren zu der Zeit vielleicht noch nicht ganz verschwunden, aber eher unüblich.

Mit Dracula hat das ganze sowieso sehr wenig zu tun, der Name taucht auch nur im Klappentext auf.

Für das Genre besser, insgesamt aber schlechter als erwartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere