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Veröffentlicht am 21.09.2020

Spannung pur

Blutasche
3

Nach „Dunkle Ufer“ und „Leichenbraut“ ein neuer Stephen Lang:

Gleich war ich wieder dabei, hatte spannende Lesestunden. Es sind die alten Bekannten – zumindest empfinde ich das so – die ich gerne begleite. ...

Nach „Dunkle Ufer“ und „Leichenbraut“ ein neuer Stephen Lang:

Gleich war ich wieder dabei, hatte spannende Lesestunden. Es sind die alten Bekannten – zumindest empfinde ich das so – die ich gerne begleite. Es herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre, zuweilen eine flapsige Art, wie sie miteinander umgehen. Das Sonderermittler-Team muss sich aufeinander verlassen können, in einem aktuellen Fall steht alles private weit hinten an.

Hier heißt es, eine ganz besonders perfide Lust am Töten zu stoppen. Neben Stephen, der angeschlagen vom letzten Fall noch in Urlaub ist, gibt Danica als IT-Expertin ihr Bestes. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn es dauert zunächst schon, bis ein Zusammenhang zu mehreren Bränden mit verkohlten Frauenleichen gesehen wird.

Der Leser weiß immer ein wenig mehr als die Ermittler, das schadet der Sache aber keineswegs. Im Gegenteil. Schon aus dem Klappentext ist ersichtlich, dass die Morde im Darknet übertragen werden, der Killer sogar noch einen weiteren Mord ankündigt. Und es wird noch erdrückender: Das nächste Opfer soll eine junge Polizeianwärterin sein. Man könnte meinen, das wars dann, aber weit gefehlt. Denn spannender könnte es gar nicht sein. Aus Sicht der Ermittler, aber auch aus Tätersicht entwickelt sich so ein unglaublich perfides Spiel, das nur von einer Seite gewonnen werden kann.

Die Stimmen - die absurden, ja kranken Gedankengänge des Mörders sind so lebendig und grausam geschildert, man hört ihm schockiert zu. Entsetzt war ich ob dieser grausamen Phantasien, die alle ausgelebt werden wollen. Er fühlt sich unangreifbar, total sicher, spielt seine barbarische Rolle mit unbändiger Lust am Töten.

Ein Hardcore-Thriller vom Feinsten, der auf alle Fälle gelesen, ach was sage ich, verschlungen werden will. Allerbeste Unterhaltung ist hier garantiert.

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Veröffentlicht am 18.09.2020

Liebenswerter, etwas schräger Krimi

Mississippi Melange
1

„Mississippi Melange“ von Miriam Rademacher - der erste Katalie-Mystery-Krimi:

Ein sehr unterhaltsames Buch ist ausgelesen. Da ist Katalie, ein wahres Chamäleon, flink im Kopf und sehr einfallsreich. ...

„Mississippi Melange“ von Miriam Rademacher - der erste Katalie-Mystery-Krimi:

Ein sehr unterhaltsames Buch ist ausgelesen. Da ist Katalie, ein wahres Chamäleon, flink im Kopf und sehr einfallsreich. Ich hab ein wenig gebraucht, bis ich ihr auf die Schliche kam aber dann hat sie mein Herz erobert, so wie sie alle gleich verzaubert hat. Und da sind noch Smiljan und sein Vater – die brauchten auch etwas, um mich von sich zu überzeugen. Es sind noch so einige Gestalten, die mir teilweise ziemlich lange sehr suspekt waren. Aber dann…

Ja, und passiert ist so einiges. Schön ist das nicht, wenn man am Strand eine verkohlte Leiche findet, ein Mann spurlos verschwindet, ein Irrer mit einer Injektionsnadel durch die Straßen rennt und ahnungslose Passanten damit attackiert. Die Polizei? Naja, Katalie hat da so ihre eigenen Methoden.
Ein Krimi der etwas schrägeren Art, mit viel Witz erzählt. Trotzdem lässt die Autorin den Leser lange zappeln. Neben den Hauptfiguren ist so mach liebenswertes Ding mit eingeflossen. Wenn ich grad an Teufel denke. Wer oder was das ist, verrate ich natürlich nicht. Aber genau solche Details, die so hinreißend beschrieben sind, denen exakt die richtige Portion Leben eingehaucht wird, machen das Ganze rund.

Wer zwischendurch mal ins Mystische eintauchen möchte, eine fantastisch erzählte Geschichte sucht, der ist hier genau richtig.

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Veröffentlicht am 18.09.2020

Anschaulich erzähltes Familienschicksal

Die zitternde Welt
1

Maria ist eine Frau die weiß, was sie will, ihrer Zeit weit voraus. Wir schreiben das Jahr 1896. Hochschwanger reist sie Wilhelm nach Anatolien hinterher, der als Ingenieur am Bau der Bagdadbahn ...

Maria ist eine Frau die weiß, was sie will, ihrer Zeit weit voraus. Wir schreiben das Jahr 1896. Hochschwanger reist sie Wilhelm nach Anatolien hinterher, der als Ingenieur am Bau der Bagdadbahn arbeitet. Die beiden leben lange ohne Trauschein, Maria schenkt vier Kindern das Leben, jedoch müssen sie sich von der kleinen Traudl bald verabschieden.

„Ein Buch über unsere Verletzlichkeit in Zeiten großer Umbrüche. Und über die Kräfte, die dabei in uns erwachen.“

Der Lebenshunger von Maria ist gut spürbar, sie ist in ihrer Wahlheimat tief verwurzelt. Den Zwängen der Zeit um die Jahrhundertwende kann sie nichts abgewinnen, sie ist Wilhelms Gegenpol, der mit Akkuratesse und Zuverlässigkeit Struktur bietet. Dieser Teil des Buches ist sehr kurzweilig, amüsant zuweilen. Gerne hätte ich so ab und an hier wohnen wollen. Eine Zugfahrt mit Maria und Wilhelm war für mich sowas wie ein spannender Reisebericht.

Die Leichtigkeit des Seins, welche ich empfunden habe, so lange sie in Anatolien waren, ging dann rasch verloren. Der drohende erste Weltkrieg bringt die Familie auseinander, sie alle müssen fliehen, sind sie doch Österreicher. Hans und Erich, die in der Türkei geboren sind, sich hier zuhause fühlen, sind im wehrpflichtigen Alter. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Auch dieser sehr viel ernstere Abschnitt ist gut zu lesen, die politischen Wirren treten immer mehr in den Vordergrund. Aus der einst so lebenslustigen Maria wird mehr und mehr eine verbitterte, verhärmte Frau. Da ist nicht mehr viel übrig von ihrer einstigen Verwegenheit. Sehr anschaulich und gut nachvollziehbar beschreibt Tanja Paar diese Jahre. Was so mutig begann mit dem Aufbruch nach Anatolien, endet so hoffnungslos. Gescheitert? Der Kampfgeist, der so unendlich vorhanden war – wo ist er hin?

Gerne habe ich diesen Roman gelesen und Anteil genommen am Schicksal der auseinanderdriftenden Familie. Ein lesenswertes, sehr interessantes Familienepos.

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Veröffentlicht am 17.09.2020

Sehr berührend

Der Halbbart
1

In einem Dorf in der Talschaft Schwyz lebt Eusebius - Sebi genannt - mit seinen älteren Brüdern Poli, einem Hitzkopf sondersgleichen und dem klugen Geni, der genau das Gegenteil verkörpert. Und dem Sebi ...

In einem Dorf in der Talschaft Schwyz lebt Eusebius - Sebi genannt - mit seinen älteren Brüdern Poli, einem Hitzkopf sondersgleichen und dem klugen Geni, der genau das Gegenteil verkörpert. Und dem Sebi hören wir zu in diesem Buch, lauschen seinen vielen Geschichten. Durch seine Freundschaft zum Halbbart, der vom Herzogtum Österreich herübergekommen ist, lernt er, gerade mal 13 Jahre jung, viel über das Leben.

„Ein Roman voller Schalk und Menschlichkeit, der zeigt, wie aus Geschichten Geschichte wird.“

Das Buch spielt im Jahre 1313 und etwas danach. Ein wenig abgewandelt könnte es genauso im Hier und Jetzt verankert sein. Gewisse Dinge ändern sich einfach nie. Was gut ist, wird immer gut bleiben, all das Schlechte ist wohl nie auszurotten.

„Der Halbbart“ - das ist so ein ganz eigener Erzählstil. Ich brauchte schon ein wenig Zeit, um mich damit anzufreunden. Schnell war aber so richtig drin und gefangen in den Geschichten, die Sprache gefiel mir immer besser und ich ließ mir so manchen Ausdruck, so manchen Satz auf der Zunge zergehen. Die schweizerischen Begriffe, auch wenn man sie nicht alle gleich versteht, erklären sich meist von selbst. Schön fand ich auch die kurzen Kapitel mit ihren Überschriften, die gleich einen Vorgeschmack auf das Nachfolgende vermitteln.

Indem der Sebi seine Geschichten erzählt, bekommt man einen Einblick ins mittelalterliche Leben. Er begegnet Menschen, begleitet sie ein Stück des Weges, trifft sie immer wieder und lernt aus allem. Er ist ein sehr kluger, nachdenklicher Halbwüchsiger, der aber in dieser Zeit schon ziemlich erwachen sein muss. Er ist es, der den Halbbart als erster so richtig wahrnimmt. Und er geht mit offenen Augen durchs nicht immer leichte Leben.

Der Aberglaube spielt schon immer eine große Rolle und je weniger die Leute haben, desto mehr klammern sie sich an so manchen Mythos. Da wird von so mancherlei Volksbelustigung erzählt, von den Grausamkeiten, den menschlichen Abgründen. Das Klosterleben wird ebenso durchleuchtet wie das der Soldaten und Söldner. Einfach das Leben – verpackt in Geschichten. Es sind weise, lebenskluge Sachen, die da erzählt werden. Von den Menschen in all ihren Facetten. Dieses Buch ist voller Poesie, voll von Lebensweisheiten und Lebensmut, die sich bis zum heutigen Tag nicht geändert haben. Dinge, die damals passiert sein könnten, wären auch in der jetzige Zeit oftmals passend.

Auf diesen Roman habe ich mich so richtig eingelassen. Und ich finde, genau das sollte man. Ohne Vorurteile einfach lesen, zuhören, die Gefühle erspüren. Dann ist man hier genau richtig. All diese weisen Worte sind immer gültig: "Am meisten tut man für den Frieden, wenn man jeden auf seine Art verrückt sein lässt." Zeitlos - passt auf viele Menschen und Gelegenheiten. Diese sinnigen Sätze – und es gibt so einige davon - gefallen mir ausgesprochen gut.

Es ist kein Buch zum nebenher lesen, man muss sich einfühlen, dem Sebi, dem Halbbart und all den anderen Raum lassen. Im richtigen Leben ist das halt oft so, dass Wunschdenken das eine ist, die Realität aber eine ganz andere Sprache spricht. Ein Buch, das vieles vermittelt und zum nachdenken anregt. Dem Sebi hätte ich noch stundenlang zuhören können.

Charles Lewinsky ist ein großartiges, eindrucksvolles, sehr empfehlenswertes Werk gelungen, das einfach gelesen werden will.

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Veröffentlicht am 09.09.2020

Krimi mit Schwächen

Die Tote von Dresden
1

Die Kommissare Frank Haberking und Anna-Maria Slakow werden strafversetzt und sollen den zehn Jahre zurückliegenden Todesfall mit vorheriger Entführung der Familienrichterin Jennie Flagant aufklären. Ein ...

Die Kommissare Frank Haberking und Anna-Maria Slakow werden strafversetzt und sollen den zehn Jahre zurückliegenden Todesfall mit vorheriger Entführung der Familienrichterin Jennie Flagant aufklären. Ein Cold Case, der nun doch wieder aufgerollt werden sollte. Jennie wurde zur Prostitution gezwungen, hat Selbstmord begangen – zumindest deutet alles auf Selbstmord hin.

Haberking und Slakow – ein Gespann, das sich erst finden muss und dann doch bald harmoniert, recht gut zusammenarbeitet. Ihre Gegensätzlichkeit – auf der einen Seite Haberking, der „Dienst nach Vorschrift“ bevorzugt und seine neue Kollegin Slakow auf der anderen Seite, die „von Ehrgeiz zerfressen“ keine ruhige Minute kennt – ergänzen sich. So wird es nicht langweilig, es ist immer was los. Das Lesevergnügen ist garantiert. Auch die doch recht unterschiedliche Vorgehensweise der zwei Kommissare gibt was her.

Lange ist offen, was mit Jennie Flagant wirklich geschah. Warum es geschah. Es mischen viele ganz unterschiedliche Typen auf allen Ebenen mit. Irgendwann dämmert es dann, warum die Richterin verschleppt wurde und auch wer dahinter stecken könnte. Ich war ziemlich schnell im Geschehen, war mit den handelnden Figuren bald vertraut. Ein über weite Strecken guter Krimi, der mich lange miträtseln ließ, der so manch falsche Fährte legte, schlussendlich jedoch zu schnell zu viel wollte. Die Story hat was, jedoch packt der Autor zu viel hinein. Es gibt jede Menge Nebenschauplätze und – das bemängle ich – es werden so etliche Handlungsstränge nicht oder sehr unzureichend aufgeklärt. Irgendwie war alles im Schnellverfahren abgefertigt und aufgeklärt wurde ein wenig „wie aus dem Hut gezaubert“.

Dieses offene Ende lässt auf eine Fortsetzung, eventuell eine Reihe mit Haberking und Slakow schließen, deren Abteilung ungeklärte Fälle wieder aufrollt. Was auch ganz in Ordnung ist und interessant werden könnte.

Ein durchaus kurzweiliger Krimi mit etlichen Schwächen. Das sehr konstruiert wirkende Ende hat letztendlich den Ausschlag für meine Bewertung gegeben.

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