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Veröffentlicht am 26.01.2026

Sehr unterhaltsame Aufführung mit Tiefe

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Felix hat eingeladen. Felix hat bezahlt. Jetzt betreten Matze, Linn, Eva, Felix und ihre beiden Kinder den Bungalow. Ein loftähnlicher Traum aus bodentiefen Fenstern und Beton. Die Terrasse ist riesig, ...

Felix hat eingeladen. Felix hat bezahlt. Jetzt betreten Matze, Linn, Eva, Felix und ihre beiden Kinder den Bungalow. Ein loftähnlicher Traum aus bodentiefen Fenstern und Beton. Die Terrasse ist riesig, das azurblaue Mittelmeer zu ihren Füßen. Linn traut sich kaum zu atmen. Eva erobert eines der Schlafzimmer und verschwindet darin. Felix ist Matzes ältester Freund. Matze erinnert sich noch gut an den Fünfzehnjährigen.

Linn hat das Bad aufgesucht. Der rostrote Streifen in ihrem Höschen gibt Anlass zur Sorge. Im Fertilisationsforum findet sie keine befriedigende Antwort. Eva ruft sehr laut Scheiße. Linn zerrt ihre Hose wieder hoch und lugt um die Ecke. Eva hat das namenlose Baby auf dem Arm, das seine kleine Faust um ihre Haare geschlossen hat. Evas Blick fällt auf Linn und sofort drückt sie ihr Baby in die Arme. Linn hält Baby, wie man eine alte fette Katze halten würde. Eva rennt ins Schlafzimmer und kommt mit einer Federschaukel zurück, findet aber in dem kantenlosen Neubau nichts, wo sie sie aufhängen könnte.

Eva steht vor dem Badezimmerspiegel und wäscht sich Babys Kotze aus dem Shirt. Der BH hat auch etwas abbekommen, also runter damit. Ihr Blick, den sie sonst vermeidet, fällt auf die prallen, hängenden Brüste. Sie umfasst die linke, drückt sie nach oben, greift mit der rechten Hand nach und bringt sie in die Form, die sie vor zwei Schwangerschaften hatte. Bekümmert lässt sie sie wieder fallen, als die Badezimmertür aufgeht und Linn im Türrahmen erscheint. Peinlich berührt, den Blick etwas zu lang auf Evas Brüste geheftet, entschuldigt sie sich.

Fazit: Dita Zipfel, Drehbuchautorin und Essayistin, hat sich in dieser Geschichte der weiblichen Selbstbestimmung gewidmet. Gekonnt inszeniert sie eine Story um zwei Paare, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eva ist Sinnbild des Weiblichen und wird wegen ihrer Ruhe und gekonnten Mutterschaft von Linn heimlich bewundert. Linn möchte ein Kind, aber ihre Eierstöcke wollen nicht mehr. Sie lässt sich künstlich befruchten und glaubt, dass man ihr nach diesem Kurzurlaub sechs herrlich entwickelte In-vitro-Zellen einsetzen wird. Evas Mann Felix ist der selbstgefällige Selfmadereiche Typ, der einfach alles bekommt, was er will, inklusive einer schönen, jüngeren Eva. Matze besticht mit seiner Geduld, die Menschen, die er mag, so zu lassen, wie sie sind. Linn macht aus ihrer Abneigung gegen Felix keinen Hehl. Matze ist stets bemüht, loyal zu vermitteln. Im Laufe der Handlung kommt es zu einigen komischen Verwicklungen. Die Annäherung zwischen den Frauen hat mir gut gefallen. Die Geschichte wird mir aus Sicht eines allwissenden Erzählers vermittelt. Das Ende ist krass und nur dadurch verständlich, dass die Autorin ein ausgezeichnetes Szenario auf die Spitze treibt. Gut ausgearbeitete Charaktere. Sehr unterhaltsame Aufführung mit Tiefe.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Inspirierende Gedanken zum Älterwerden

Die Altenboomer
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Es ist doch eigentlich schön, wenn der morgendliche Wecker keinen Druck mehr erzeugt. Unser Arbeitsleben lang haben wir das Wochenende herbeigesehnt, jetzt darf jeder Tag unbekümmert zelebriert werden. ...

Es ist doch eigentlich schön, wenn der morgendliche Wecker keinen Druck mehr erzeugt. Unser Arbeitsleben lang haben wir das Wochenende herbeigesehnt, jetzt darf jeder Tag unbekümmert zelebriert werden. Wir sind befreit von der Periode und noch entfernt von Inkontinenzbinden. Wie schaffen wir es, das Alter nicht nur als Verlust von Gesundheit, straffer Haut und Vitalität anzusehen, sondern als Befreiung mit großen Intensitäten? Die Autorin führt mich mit ihrem schwungvollen Schreibstil durch verschiedene Epochen der Kunst, auf der Suche nach der Darstellung gealterter Körper und hilft mir, das Schöne darin zu finden. Wir sollten den eigenen Körper mit Gnade betrachten, uns dessen bewusst werden, wie gut er Krankheiten pariert hat, dabei half, unsere Lebensentwürfe zu verwirklichen und uns mit anderen Menschen verbunden hat. Die dritte Lebenshälfte schenkt uns die Zeit noch einmal alles zu hinterfragen und uns von einengenden Konventionen zu befreien. Da die heteronormative Attraktivität entschwindet, sind wir von dem Ballast befreit, mithalten zu müssen und jeden hübschen Menschen als Konkurrenz zu betrachten.

Wir können Schönheit jetzt selbst definieren. Die Natur bietet ungeheure Möglichkeiten, schönes zu entdecken und hat einen beruhigenden Einfluss.

Freude in den kleinen Dingen finden. Die Himbeermarmelade auf lauwarmem Brot, die heiße Dusche, das Sonnenbad, der schmerzarme Spaziergang, die Freude am Gelingen anderer oder ein gutes Buch. Minimalismus und Müßiggang im Alter können unsere Grundstimmung verbessern.

Sicher, diese letzten Lebensjahrzehnte mögen als Fluch und Segen zugleich betrachtet werden. Der Körper wird müde, Verluste von Freunden häufen sich, der/die Lebenspartner*in wird krank, leidet und verstirbt möglicherweise und Altersarmut vermiest einem sowieso das Leben. Die eigene Gesundheit verabschiedet sich und Schmerzen machen reizbar. In der Fülle der verlustreichen Möglichkeiten ist Jammern ein gängiges Mittel, das leider nichts kompensiert. Die Autorin weiß aus eigener Erfahrung, dass die Option ist, den Spieß umzudrehen. Zu schätzen, was man hat, statt zu vermissen, was fehlt. Aus der Opferhaltung in die eigene Macht und Handlungsfähigkeit zu kommen.

Fazit: Die 1959 geborene Autorin und Juristin hat mit diesem kleinen Buch einen wichtigen Fahrplan guter Ideen zusammengestellt, wie wir unseren Lebensabend verbringen könnten, ohne zu verzweifeln. Mit ihrer klugen Lebenserfahrung und der richtigen Prise Humor hat sie definitiv mein Bewusstsein erweitert. Dieses berührende, inspirierende kleine Schmuckkästchen aus Gedanken und Einsichten ist ein echtes Geschenk an jede/n der/die den Renteneintritt gerade hinter sich gebracht hat.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Noch ausbaufähig

Spielverderberin
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Die Hauptstraße von Süthland ist schmal. Breit genug für einen Traktor, aber zu eng, als dass zwei Autos aneinander vorbeikämen. Sophie sitzt in dem alten Fiat ihres Großvaters, um Lotte abzuholen und ...

Die Hauptstraße von Süthland ist schmal. Breit genug für einen Traktor, aber zu eng, als dass zwei Autos aneinander vorbeikämen. Sophie sitzt in dem alten Fiat ihres Großvaters, um Lotte abzuholen und sieht sie schon von weitem. Bunte Hose mit Gummizug, Batik-Shirt und Batik-Tasche. Lottes Mutter hatte Sophies erzählt, dass Lotte jetzt mit Kindern arbeitet und die hat Sophie sofort eine Nachricht geschickt. Der Dorftratsch funktioniert immer noch. Als sie vor Lotte hält, klebt ihr Shirt am Rücken. Als Lotte eingestiegen ist, blickt Sophie in ihr Gesicht und sieht die Abdrücke der beiden Schrauben hinter der Stirn.

Romy hatte vor zwei Wochen wie aus dem Nichts eine Chat-Gruppe eröffnet und die beiden früheren Freundinnen hinzugefügt. Jetzt waren sie am See verabredet, sie haben sich ewig nicht gesehen. Sophie denkt an die Nacht, als sie Romy zuletzt gesehen hat, an den Ruß in ihrem Gesicht.

Sophie und Lotte sind zuerst am See und machen es sich auf Handtüchern bequem. Lotte packt tütenweise Gummibärchen und saure Schlangen aus, Sophie ein Baguette und Humus. Sie sehen Romy auf sich zukommen, die verschmitzt lächelt. Sie setzt sich zu ihnen und packt Sekt, drei Becher und ihre orange Tupperware mit Cashewkernen aus. Das Gespräch zwischen den drei jungen Frauen entwickelt sich müßig, bis Romy im See verschwindet und Lotte zu Fuß nach Hause geht.

Fazit: Die Debütantin Marie Menke hat eine Freundschaft und deren Beständigkeit verhandelt. Sophie und Lotte kennen sich aus dem Kindergarten und waren über die folgenden Schuljahre hinaus einmal gute Freundinnen. In der Oberstufe stößt die Münchnerin Romy hinzu und pflegt eine Freundschaft zu Lotte, die Sophie außen vorlässt. Ich erfahre die Geschichte aus Sicht Sophies, die mich mit Rückblicken versorgt. Von Anfang an schwebt eine Ahnung von etwas Schlimmem, das passiert sein muss, über der Szenerie. Da ist Sophies Scham Lotte gegenüber wegen der Schrauben. Ihre Unsicherheit Romy gegenüber, die sie zu vergöttern, aber auch abzulehnen scheint. Mit dieser Ahnung hat die Autorin mich so neugierig gemacht, dass ich ihr fast blind gefolgt bin. Fast blind, weil mir die Charaktere nicht stimmig genug gezeichnet waren. Ich bekomme eine Ahnung von Romys Selbstgefälligkeit, doch mir ist nicht ganz klar geworden, wie sie so mühelos zwischen die beiden grätschen konnte. Lottes Passivität fand ich merkwürdig, Sophies Sozialneid den Städtern gegenüber schauerlich. Ich muss gestehen, dass ich ein nicht korrigiertes Leseexemplar in Händen hielt, aber so ist es nun mal. Davon abgesehen, dass die Geschichte in mir ein durchweg ungutes Gefühl erzeugt hat, hätte ich mir die Charaktere besser ausgearbeitet gewünscht. So bekam ich einen Rohstoff, der ein bisschen mehr Liebe gebraucht hätte. Für Leser*innen, die „Kosakenberg“ von Sabine Rennefanz oder „Furye“von Kat Eryn Rubik mochten.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein Hauch Poesie schafft Luftigkeit

Am Grund des Himmels
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Claire gehört nicht mehr dazu. Sie hat keinen Kampf angezettelt, keine Türen zugeschlagen, nicht geschrien, nicht aufbegehrt. Es hat sich einfach etwas verschoben.

Jetzt will sie mit der, die sich ...

Claire gehört nicht mehr dazu. Sie hat keinen Kampf angezettelt, keine Türen zugeschlagen, nicht geschrien, nicht aufbegehrt. Es hat sich einfach etwas verschoben.

Jetzt will sie mit der, die sich abgestrampelt hat, um eine Position zu erreichen, um eine Position zu halten, um sich eine Position zu verdienen, um diese Position vor den anderen zu verteidigen, nichts mehr zu tun haben. S. 6

Sie hat sich abgekoppelt, ausgeklinkt. Sie steht auf dem Dach des Konzernriesen, bei dem sie sich aus den einfachen Verhältnissen, aus denen sie kommt, nach oben gearbeitet hat. Eigentlich braucht sie bei den Frühlingstemperaturen eine Jacke, aber sie wird darauf verzichten. Noch Monate zuvor wäre sie niemals auf dieses ungesicherte Dach geklettert. Die Vorahnung, eine Windböe könnte sie jederzeit wegfegen, hätte sie sich an die nächste Wand lehnen und mit Schwindel und Herzrasen ihre Atmung kontrollieren lassen. Heute jedoch hatte sie nicht viel Zeit zum Nachdenken. Sie sah die offene Dachluke und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Nun ist sie hier und betrachtet den Himmel. Noch vor Kurzem hatte sie gedacht, wenn sie sich noch etwas mehr anstrenge, könne sie die Welt verändern, dachte, sie sei der unermüdliche Treibstoff durch den sich alles weiterdrehe.

Der Himmel verändert seine Farbe, rosarote Schliere wabern ins Bild. Der Tag macht dem Abend Platz, die heraufziehende Kälte lässt sie frösteln. Sie muss sich bewegen. Atmet tief ein, läuft von einem Ende des Daches zum nächsten, fängt an zu hüpfen und tanzt schließlich zur Musik in ihrem Kopf. Lebenslust macht sich breit.

Fazit: Die französische Autorin und Dramaturgin Mariette Navarro hat in ihrem zweiten Roman weibliche Selbstermächtigung thematisiert. Ihre Protagonistin Claire hat für das Unternehmen alles gegeben. Sie war stolz, es bis nach oben geschafft zu haben. Doch der einsame Alltag, Arbeit, Einkauf, Essen, Einschlafen vor dem Fernseher, hat sie unmerklich in ein Hamsterrad getrieben, in dem sie ihre Lebensfreude und Spontaneität verloren hat. Bei einem Gang über den Flur bemerkt sie ein Stück Himmel, der durch die offene Dachluke scheint. Sie lässt die Rollleiter herunter und klettert hinauf. Oben angekommen fühlt sie sich sofort befreiter und atmet tief durch. Sie weiß nicht, wann sie das letzte Mal dem Himmel ihre Aufmerksamkeit geschenkt hat und genießt die letzten Strahlen der Frühlingssonne auf ihrem Gesicht. Im Laufe der nächsten Stunden kämpft sie mit Naturgewalten und recherchiert ihre Karriere und all die Zeichen, die sie ignoriert hat, die ihr einen Ausstieg soufflierten. Ich mag die Sprache, die mit einem Hauch Poesie eine schöne Luftigkeit in den Text zaubert. Da sind so viele kleine Beobachtungen, die Blicke der Kolleg*innen, erste Zweifel an dem Sinn ihrer Arbeit, die Beziehung zu den Eltern, die dieses schmale Büchlein, das sich doch nur um die Protagonistin dreht, fein auffrischen. Ich mochte das sehr.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Erschütternd

Die Routinen
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Die Übelkeit begann mit dem Sturz der anderen. Amik saß auf den Zuschauerrängen. Es war die erste Olympiade, die sie von außen sah. Der Trainer hatte entschieden, sie war nicht mehr dabei.

Sie hatte ...

Die Übelkeit begann mit dem Sturz der anderen. Amik saß auf den Zuschauerrängen. Es war die erste Olympiade, die sie von außen sah. Der Trainer hatte entschieden, sie war nicht mehr dabei.

Sie hatte den Stufenbarren in ihrer Gewalt. Rhythmisch tanzte ihr Körper das obere Reck, umfing mit ihrem Können die Stange wie ein Klappmesser, drehte sich mehrfach um die eigene Achse, landete haargenau auf dem unteren Holm, Drehung, zog sich nach oben, holte Schwung und flog in hohem Bogen Richtung Hallenboden. Ihr Brustkorb landete auf der Kante des Sprungbretts, die Arme nach vorne ausgestreckt, die Beine nach hinten. Wie willenlos lag sie da.

Amik möchte über die Absperrung klettern, sich auf sie legen, ihre Schmerzen absorbieren, aber ihre Muskeln versagen. Sie blickt in das Publikum. Eltern die Fähnchen schwenken, applaudieren. Als sie wieder zu ihr blickt, ist sie verschwunden. Sie haben sie rausgetragen.

1968 war der Trainer Béla Károlyi durch die Klassen der Grundschulen geschwärmt und suchte die Mädchen mit den besten Koordinations- und Gleichgewichtsfähigkeiten. Sie mussten Rad schlagen. Und dann entdeckte er Nadia Comaneci unter 4.000 anderen Kindern.

Nach Montreal 1976 schrieben die Mädchen des Kaders an Nicolae Ceausescu, dass sie von einem anderen Trainer trainiert werden wollen. Sie möchten ihre Kindheit zurück, die der Mann ohne Seele ihnen Tag für Tag wegnimmt.

In alle Dinge, die uns umgeben, ist der Verzicht eingezogen. S. 83

Fazit: Die Autorin und Kuratorin Son Lewandowski hat gekonnt eine Geschichte erzählt, die an Tragik kaum zu überbieten ist. Der schwere Sturz einer sehr jungen Kollegin bewegt die zweiunddreißigjährige Amik, während der Olympiade in Antalya, auf ihr Leben zurückzublicken. In den folgenden Kapiteln nimmt die Protagonistin mich mit in die einzelnen Wettkämpfe und den Weg dorthin. Die rumänischen und russischen Mädchen wurden auserwählt, um den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang zu imponieren. Jeder Tag der siebentägigen Trainingswochen fängt mit einem strengen Plan an. Geräte, Ausdauer und Muskelaufbau prägen den Alltag. Das morgendliche Wiegen droht mit Verzicht. Die medaillenträchtigen Mädchen sind zwischen sechs und dreizehn Jahren, sie sind dünn und sie sind klein. Ihre Eltern sehen sie nicht mehr. Die Welt nennt sie die russischen Automatenmädchen. Zuneigung erfahren sie, wenn der Trainer sie eines Blickes würdigt. Sie alle kämpfen mit Untergewicht, Ernährungsmangel, Ermüdungsbrüchen und psychischen Ausnahmezuständen. Die Pubertären mit Zyklusstörungen und Erniedrigungen. In kurzen Sequenzen erfahre ich Hintergründe von realen Turnerinnen. „Nadja hat Bleichmittel getrunken, um mal eine Weile nicht mehr am Training teilnehmen zu müssen“. Missbrauch durch Trainer und Ärzte ist die gängige Methode der Machtausübung. Die Welt, der Verband, die Jurymitglieder, die Presse, alle schauen weg. Die Autorin schildert die Torturen sehr überzeugend, die Sprache ist körperlich. Hier ist trotz aller Fiktion ein Zeitzeugnis entstanden, dem ich mich nicht entziehen konnte. Die Schreibweise, an die ich mich zuerst gewöhnen musste, ist besonders. Du meine Güte, was habe ich da Erschütterndes gelesen?

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