Die Autorin hat mich nicht abgeholt
ZornigerWolfgang Mühlberger hat seine Frau Franziska an den Krebs verloren. Jetzt überfällt ihn der überraschende Tod seiner Tochter Nathalie. Die Zwanzigjährige hatte sich in die Psychiatrie einweisen lassen. ...
Wolfgang Mühlberger hat seine Frau Franziska an den Krebs verloren. Jetzt überfällt ihn der überraschende Tod seiner Tochter Nathalie. Die Zwanzigjährige hatte sich in die Psychiatrie einweisen lassen. Er fährt mit dem Taxi nach Hause und wird von seiner Haushälterin Galina empfangen. Sie war Franziskas Pflegerin und nachdem sie verstorben ist, einfach bei ihm geblieben. Er öffnet die Bar und entnimmt die Cognacflasche, lässt die goldbraune Flüssigkeit direkt durch seine Kehle laufen. Galina bringt ihm das Telefon, das er widerspenstig entgegennimmt. Dr. Hahnefeld möchte mit ihm über Nathalie sprechen, ob er gleich vorbeikommen könnte. Er packt die Cognacflasche in seine Aktentasche und wankt in den Flur. Galina folgt ihm besorgt und fragt, was los ist? Mühlberger winkt ab, hält vor der Haustür inne, lehnt sich mit dem Rücken gegen die Wand und lässt sich daran hinabgleiten. Nathalie ist tot, stammelt er. Der Taxifahrer, den Galina gerufen hatte, hupt genervt vor der Tür. Mühlberger steht auf und sieht im Spiegel, dass die Wand sein Jackett verfärbt hat. Fluchend zieht er das Schurwollgemisch aus und entscheidet sich für einen Trenchcoat.
Er steigt auf den Rücksitz und der Fahrer blafft ihn wegen der fehlenden Begrüßung an. „Guten Tag“, sagt Mühlberger zerknirscht. Er schämt sich, denn der Mann kann ja nicht wissen, was ihm in der letzten Zeit widerfahren ist. Vor der Klinik nimmt er noch einen großen Schluck Cognac, dann geht er nach oben. Dr. Hahnefeld begrüßt ihn überschwänglich und spricht ihm sein Beileid aus. Der attraktive Arzt mit den schneeweißen Zähnen und der bronzefarbenen Haut hat keine Ahnung, warum Nathalie gestorben ist. Sie hatte eine schwere Depression und eine generalisierte Angststörung. Er hatte ihr ein Antidepressivum verordnet, das auch leicht gegen die Ängste half. Sie bekam darüber hinaus aber auch Bedarfsmedikation. Er möchte ihrem Tod nachgehen und sie obduzieren.
Fazit: Eieiei, was war das denn? Eva Förster hat nach mehreren Gedichtbänden nun ein Prosastück geschrieben. Ich fand die Beschreibung im Klappentext interessant, allerdings hat mich die Umsetzung gar nicht abgeholt. In dieser Erzählung ist in etwa alles passiert, was ein gutes Lektorat vermieden hätte. Zu viel Dramatik, die zwar den Kopf, aber das Herz nicht erreicht. Syntax:
Mühlberger hatte schon einmal erlebt, dass er die ganze materielle Wucht eines vergangenen Lebens übergeholfen bekommen hat. S. 24
Er bemerkte, wie die Flasche leer wurde. S. 25
Die Dialoge sind dürftig und gestelzt. Die Autorin hat an beliebigen Stellen Fremdworte eingestreut. Möglicherweise um den Eindruck zu erwecken, dass sie eine besondere Bildung genossen hat, es erschwert aber ungemein den Lesefluss.
Zu viele Adjektive. Zu viele Informationen
Bewertungen: Sein bester Freund ist bisexuell und
frönt im Darkroom seiner fleischlichen Lust. Dadurch, dass er trinkt, schwinden wohl auch seine Ansprüche.“ S. 67
Die Autorin lässt sich in ellenlangen Personenbeschreibungen aus, ich hätte gerne mehr über die charakterlichen Eigenschaften erfahren.
Der Protagonist ist unsympathisch, hochneurotisch, lahm und langweilig. Seine „Schicksalsschläge“ müssten mich doch eigentlich rühren und auf seine Seite ziehen, aber da war kein Gefühl in mir.
Man kann dieses anspruchsfreie 130 Seiten Büchlein fix weghapsen, man kann es aber auch lassen.