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Veröffentlicht am 07.04.2025

Feinfühliges Debüt

Kaltblut
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Als Franz Brügger fünfzig wurde, lud seine Frau sämtliche Männer des Bergdorfs ein, gemeinsam auf dem Plateau in der Weiberei-Hütte mit Brotzeit, Bier und Musik zu feiern. Weil Brügger seine Frau liebevoll ...

Als Franz Brügger fünfzig wurde, lud seine Frau sämtliche Männer des Bergdorfs ein, gemeinsam auf dem Plateau in der Weiberei-Hütte mit Brotzeit, Bier und Musik zu feiern. Weil Brügger seine Frau liebevoll „Stolperliesel“ nannte, taten es die Dorfbewohner hinter vorgehaltener Hand auch, aber nicht liebevoll, sondern hämisch, denn das Weib konnte die Finger nicht von den Mannsbildern lassen und stolperte immer wieder über den ein oder anderen. Und das ließ den Brügger schon ganz geknickt ausschauen. Schließlich waren sie zu elft in der Hütte und ließen es gewaltig krachen, kurz bevor die Explosion das Tal erhellte und die Dorfbewohner in ihren Betten aufschrecken ließ. Allen elf Männern hatte die Druckwelle die Lungen zerfetzt.

Der Pfarrer weiß aus der Presse, dass der Herr Sprengmeister genannt Stubber in der Hütte übernachten wollte und zufällig zwischen die Männer geraten war. Es habe eine Schlägerei gegeben, Stubber sei blutend abgehauen und habe in der Eile das Dynamit für den nächsten Tag vergessen.

Nach der Schule hatte Stubber kurz die Großstadt versucht, aber als die Eltern gestorben waren, veränderte sich alles. Er ging zurück ins Tal, ins Haus seiner Eltern und bewarb sich um den Posten des Bezirkssprengmeisters um den Titel, den schon sein Vater getragen hatte. Die Dorfleute mochten ihn nicht. Er sei unhöflich, maulfaul, antworte nicht und ginge einfach im Gespräch weg, überheblich wie sein Vater sei der. Stubber wollte nicht Teil eines Gespräches über andere sein, das Vermutungen hegte und urteilte, er wollte sich einfach heraushalten. Besonders übel stieß ihm die Anna Anzengruber auf, selbst ernanntes Herz der Dorfgemeinschaft, Haushälterin des Pfarrers und Schandmaul vor dem Herrn. Er hatte seinen Sohn nach seiner Geburt bei ihr gelassen und war, wie im Rausch der Verwirrung und des Schmerzes mit Alaska in die Berge geflüchtet.

Fazit: Wolfgang Maria Bauer hat ein ungemein feinfühliges Debüt geschaffen. Vor der Kulisse der Alpen erschafft er eine kleine Gesellschaft, die unserer nicht unähnlich ist. Ein Eigenbrötler wird zur Zielscheibe von Gerede, weil er anders ist. Jeder zerreißt sich wohlfeil das Maul, entweder im Namen des Herrn oder weil es normal ist. Bigotterie und Fanatismus macht manch eine augenscheinlich zu einem besseren Menschen. Der Protagonist ist ein zurückhaltender Beobachter. Er findet echte Liebe und wenige Monate der Lebendigkeit, wie es nur Kinder oder glückliche Erwachsene vermögen und verliert alles. Ein katastrophales Unglück belastet ihn mit so starken Schuldgefühlen, dass er den Verstand zu verlieren droht. Der Autor schreibt einfach und das macht das, was er zu sagen hat, umso effektiver. Jedes Wort sitzt und erschafft eine Tragik und Ungerechtigkeit, die mitten ins Herz trifft. Die Beschreibung der schroffen, menschenfeindlichen Natur unterstützt die triste, melancholische Stimmung. Die Geschichte ist zeitlos. Sicher gibt es in den Alpen heute noch Menschen, die genauso leben. Der Autor beginnt mit der Gegenwart und lässt den Protagonisten zurückblicken. Heute und Gestern wechseln sich ab und am Ende schließt sich der Kreis. Eine ganz und gar gelungene Geschichte, die mich aufgesogen hat.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Sehr vielschichtig

Vogelkind
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Mit zweiundzwanzig war Nell zum ersten Mal so richtig verknallt. Sie wusste so vieles vom Leben, wie man feiert, isst, sich betrinkt, das Liebemachen genießt. Sie konnte tanzen, es ein bisschen übertreiben. ...

Mit zweiundzwanzig war Nell zum ersten Mal so richtig verknallt. Sie wusste so vieles vom Leben, wie man feiert, isst, sich betrinkt, das Liebemachen genießt. Sie konnte tanzen, es ein bisschen übertreiben. Körperlich setzten ihr die Männer zu, emotional eher die Frauen.

Auf dem Trinity College lernte sie Malady kennen, den lustigen, schwulen Sohn eines Immobilienmaklers. Sein Vater hatte ihm eine Wohnung geschenkt, die Nell, Lily und Shoa systematisch verwüsteten. Die meiste Zeit aber saß Nell in ihrer verschimmelten WG, fühlte sich unattraktiv und einsam und versuchte mit Reiseberichten und anderen Schreibdiensten zu überleben.

Felim hat sie kennengelernt, als sie mit Lily in einer Disco war. Er präsentierte an Lily, wie er Leute am Kopf hochheben kann, natürlich wollte Nell, dass er das auch mit ihr machte. Sie traf ihn im Supermarkt wieder, er blätterte in Autozeitschriften. Einer Eingebung nach wollte sie sich davonschleichen und das wäre eine der besten Ideen gewesen, die sie je gehabt hat, aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Und nachdem sie bei ihm, mit ihm, unter ihm übernachtet hatte, war es ihr noch nicht ganz klar, als sie aber die Treppen hinunterlief, die Haustüre hinter sich zufallen hörte und um die nächste Ecke gelaufen war, da machte es peng und sie wusste, dass sie verknallt war. Drei Jahre später fühlt sie sich wie ein Überrest:

Ich bin das, was er weder zu Ende bringen noch wegwerfen kann. S. 60

Fazit: Anne Enright hat eine komplexe Familiengeschichte geschrieben. Die ersten zwanzig Seiten fühlte ich mich wie von einem Bus überrollt. Sie lässt die Protagonistin geist- und temporeich erzählen, wie sie sich in einen Typen verliebt, der ihr nicht guttut. Danach zeigt sie das Leben der Mutter und der Ton beruhigt sich. Über die Gedanken der Mutter lerne ich ihre Familiengeschichte, die Schwester, Mutter, den Vater kennen. Die Leben von Mutter und Tochter kreisen um den dubiosen Muttervater, der die Familie verließ. Die Enkelin hat ihn nie kennengelernt, wird nach seiner Beerdigung aber neugierig und forscht nach diesem Dichter, dem die Menschen Ehrerbietung und Bewunderung entgegenbrachten. Das Erstaunliche an dieser Geschichte ist, wie die Autorin kapitelweise die ganze Familie zu Wort kommen lässt und jede/r sich in einer ganz eigenen Stimmfarbe zeigt. Die praktische bodenständige Mutter, der augenscheinlich verträumte, charismatische Dichter mit seinem verzerrten Selbstbild und die quecksilbrige, neugierige Nell. Dieses Zeigen der Charaktere halte ich für besonders. Am Ende schließt sich der Kreis, ich erfahre alles über diese Männerfigur, die alle liebten, außer Mutter und Tochter, als die Einzigen, die ihn durchschauen. Dieses Buch hat, wegen der Vielschichtigkeit und vieler kluger Sätze, meine ganze Konzentration gefordert.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Wieder ein feines Gespür für die Nöte junger Menschen

Wir kommen zurecht
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Sie vermisst ihre Lederhandschuhe, durchsucht das Haus und ruft ihn. Er schiebt die Kopfhörer zurück, wuselt sich aus dem Bett, geht auf den Flur und blickt die Brüstung hinab. Sie blickt hinauf. Sie sind ...

Sie vermisst ihre Lederhandschuhe, durchsucht das Haus und ruft ihn. Er schiebt die Kopfhörer zurück, wuselt sich aus dem Bett, geht auf den Flur und blickt die Brüstung hinab. Sie blickt hinauf. Sie sind verfeindet, verbündet, gleich und ungleich. Sie ist Stella, die Freundin von Philipps Vater, die sich im Haus ausbreitet. Vor vier Jahren hatte Philipp neue Skier bekommen und die Stiefmutter obendrauf.

Seine Mutter Astrid war wie ein Eichhörnchen von Ast zu Ast der psychiatrischen ICD 10 gesprungen. Psychose, affektive Psychose, Bipolare Störung, ließ sich einweisen oder wurde eingewiesen. Wie oft sie schon Telefonterror bei Philipp oder seinem Vater gemacht hat. Im Moment macht ihm seine Französischlehrerin allerdings mehr Sorgen, denn er verbringt mehr Zeit mit Emma Bovary als mit seinem besten Freund Lorenz.

Astrid sucht Kontakt zu ihrem damaligen Freund Onno. Sie hatten sich kurz nach der Trennung von Philipps Vater in einer Kneipe kennengelernt. Damals, vor zehn Jahren wollte sie dem achtjährigen Philipp einen Welpen schenken. Sie kam nicht an seinem Vater vorbei, der machte einen Riesenaufstand. Sie nahm Philipp den Welpen wieder ab, brachte ihn zu Onno, drückte ihn ihm in die Arme und verschwand für zehn Jahre. Philipp hat nur vage, ungute Erinnerungen an seine Mutter.

Als sein Vater heimkommt, erzählt Stella ihm, dass sie ihre Handschuhe verlegt hat, er nimmt die Botschaft uninteressiert zur Kenntnis. Die, die du mir in Bozen geschenkt hast, meint sie. Jetzt wird sein Vater hellhörig. Ob sie nicht besser aufpassen kann, will er wissen. Philipp kennt diese Art selbstgefälliger Gespräche. Als nutze der Vater jede kleinste Schwäche, um darauf herumzureiten, nur um sich als unfehlbar darzustellen. Als sein Vater seine ganz eigenen schwerwiegenden Entscheidungen trifft, muss auch Philipp Farbe bekennen.

Fazit: Annika Büsing hat mit großer Beobachtungsgabe in eine Familie geschaut, die keine Idylle ist. Ihr Protagonist lebt mit seinem alleinerziehenden Vater, dem Macher, in einem schönen großen Haus. Wärme und Wertschätzung kann der Vater nicht geben, dafür jede Menge Ratschläge. Philipp hat nicht gelernt, Grenzen zu setzen und dümpelt wehrlos dahin. Die Erfahrungen mit seiner Mutter kann er kaum erinnern, geschweige denn verarbeiten. Aus dem sonnigen Jungen wird der zunehmend schweigsame Pessimist, den sein bester Freund fast täglich aufzufangen versucht. Während des Lesens bekomme ich eine Vorstellung, wie schwierig sich eine psychische Erkrankung auf eine Familie auswirkt. Die Autorin zeigt die erkrankte Mutter in ihrem Handeln und ich gerate sofort in einen Zustand von Wut und Unverständnis. Ich möchte den Jungen schützen und den Vater schütteln. Annika Büsing ist für mich grundsätzlich ein Hitgarant, wenn es um die Probleme junger Menschen geht. Ihr feines Gespür und ihre Empathie reißen mich immer wieder mit, darum lese ich sie so gerne. Nach „Nordstadt“ und „Koller“ nun wieder eine durch und durch gelungene, lesenswerte Geschichte.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Bildreich und mitreißend

Die Frauen hinter der Tür
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Nicola hat ihr Tee besorgt. Sie trinkt ihn selten, bereitet ihn aber zu. Besser eine Tasse als ein Glas in der Hand. Obwohl, früher hätte sie ihren Gin oder Wodka auch aus dem Kohleeimer gesoffen. Es waren ...

Nicola hat ihr Tee besorgt. Sie trinkt ihn selten, bereitet ihn aber zu. Besser eine Tasse als ein Glas in der Hand. Obwohl, früher hätte sie ihren Gin oder Wodka auch aus dem Kohleeimer gesoffen. Es waren nicht immer Gläser zu finden, aber das hat sie nicht abgehalten. Nicola ist ihre Göttin, wie sie geht, sich kleidet, der Welt entgegentritt. Nicola hat als Älteste der vier Geschwister viel miterlebt, was zwischen ihrer Mutter und dem Vater passierte, mehr als ein Kind sehen sollte. Ihre Mutter Paula war mit einem Dieb verheiratet und brauchte jahrelang, um ihre Identität zurückzuholen.

Als Leo Varadkar vor einem Jahr das Land in den Lockdown führte, hatte Paula sich das erste Mal bereit gefühlt, fähig dazu. Vorbereitet. Den anderen einen Schritt voraus. Ihr ganzes Leben bestand seit Jahren aus Einschränkungen. Wie lange blieb sie, wenn sie sich mit anderen traf? Was trank sie, während die anderen Alkohol tranken?

Nicola war dabei, als Paula ihrem Vater die Bratpfanne überzog und ihn aus dem Haus jagte. Sie hatte immer wieder versucht zu gehen, mal mit und mal ohne die Kinder, es aber nie geschafft. An dem Tag, als Nicola vor ihrer Tür steht und ihr sagt, dass sie nicht zurück zu Tony und den Kindern geht, nie mehr, versteht Paula gar nichts mehr.

„Hat er dich geschlagen?“ „Nein, Mum“

„Hat er die Kinder schlecht behandelt?“ „Nein“

„Willst du darüber sprechen, Süße?“ „Nein“

Es ist das Muster, das in mich gepflanzt ist. „Der arme Mann, armer Tony, ganz allein mit den Kindern“. „Der arme Charlo“. Selbst nachdem er mich fast totgeprügelt hatte, dachte ich, dass ich das wohl verdient haben musste, dass es an mir lag.

Fazit: Roddy Doyle hat eine Geschichte über häusliche Gewalt geschaffen, die mich in ihren Bann geschlagen hat. Die Erzählstimme ist ruhig, es brodelt eher unter der Oberfläche. Nach und nach zeigen sich, in den Dialogen zwischen der Protagonistin und ihrer Tochter, die grausamen Einzelheiten. Die Gespräche sind so authentisch, dass ich quasi mit den beiden Frauen in Paulas Küche sitze und gebannt zuhöre. Wirklich gut herausgearbeitet hat der Autor Paulas Schuldgefühle, die ganze bittere Scham, weil sie den Kindern wahlweise zu sehen gab, wie sie schwerst misshandelt wurde oder komatös besoffen auf dem Sofa lag. Die Tochter liebt und hasst ihre Mutter. Beide spielten ihre Rollen des Frauenbildes, das sie interniert haben. Die Tochter hatte gelernt, stark sein zu müssen, sich zu kümmern, nichts abzugeben und sich mit dem Schein derer, die alles im Griff haben, zu umgeben. Die Mutter hatte gelernt, dass sie für alles verantwortlich ist, hat alle Schuld auf sich genommen und sich in Selbsthass gesuhlt. (Hervorragend dargestellt durch Paulas innere Dialoge) Als die Tochter dann alles hinschmeißt, konkurriert die Mutter mit ihr, bevormundet sie und fühlt sich in der Rolle der selbstgerechten Märtyrerin wohl. Es knallt zwischen den unterschiedlichen Frauen und wird so schmerzhaft ehrlich und verbindend, dass am Ende der Raum, in dem ich sitze, heller wirkt und die Luft sauberer riecht. Das war so echt und bildreich und einfühlsam und mitreißend und und und. Großes Kino!

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Kurzweilige Gartenlektüre

Der Schattengarten
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Christine steht im Garten und gießt Rhododendron. Er wächst spärlich, ganz anders, als sie es aus ihrer Kindheit gewohnt ist. Die Eltern reisten mit den Kindern um die Welt, weil der Vater Diplomat war. ...

Christine steht im Garten und gießt Rhododendron. Er wächst spärlich, ganz anders, als sie es aus ihrer Kindheit gewohnt ist. Die Eltern reisten mit den Kindern um die Welt, weil der Vater Diplomat war. Fast ihre ganze Kindheit verbrachte sie in London. An den Wochenenden gingen die Eltern mit ihnen in die umliegenden Parkanlagen. Dort versteckte sie sich in den Rhododendren mit den dunkelroten und violetten Blütendolden.

Christine lebt mit ihrem Mann Franz und den Kindern in Berlin. Sie haben keinen Balkon oder Garten. Es hat sie nie gestört, aber Franz anscheinend schon, denn er berichtet ihr euphorisch von einem Grundstück mitten im Wald auf einer lichtdurchfluteten Lichtung. Er möchte es erwerben, doch zuvor will er es Christine zeigen. Sie fahren eine halbe Stunde durch die Berliner Innenstadt, danach über diverse Schnellstraßen und eine öde Autobahnstrecke. Nach zweieinhalb Stunden sind sie im Harz. Der Weg zum Grundstück ist steil und beschwerlich. Mit dem Auto kommen sie nicht weit, deshalb folgen sie dem mit Brennnesseln überwucherten Schotterweg zu Fuß. Oben angekommen staunt Christine nicht schlecht. Die Brennnesseln haben auch auf der Lichtung die Herrschaft übernommen, zwei verfallene Holzhütten säumen die eine Grenze des Grundstücks und sonst weit und breit nichts außer Bäume. Birken, Eichen, Apfel, Fichten. Christine wehrt sich gegen den Erwerb dieser weit entfernten, abgelegenen Einöde und doch werden sie in Zukunft jedes verlängerte Wochenende dorthinfahren.

Fazit: Dieses kleine Büchlein ist das erste, das ich von Christine von Brühl lese. Hierin gibt sie Einblicke, wie sie aufgewachsen ist. Sie wehrt sich gegen das Grundstück, das ihr Mann in eine Oase zu verwandeln gedenkt, nicht nur weil sie handwerklich unbegabt ist, sondern auch weil sie von Pflanzen keine Ahnung hat. Tatsächlich scheint es auch mir als Leserin ganz und gar utopisch, ein so weit entferntes Stück Land nutzbar zu machen, doch wider aller Erwartungen gelingt es ihrem Mann. Nichtsdestotrotz dauert es Jahrzehnte und etliche Ereignisse, bis die Autorin seine Entscheidung nicht nur verstehen, sondern sogar bewundern kann. Mir war die gehobene Ausdrucksform (z. B. Herrschaften) manches Mal etwas drüber, aber ansonsten ist es eine kurzweilige Lektüre, an der es wenig auszusetzen gibt.

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