Packend, berührend, atmosphärisch
Der FährmannRegina Denk beginnt ihren Roman am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Er spielt in zwei Dörfern, die durch den Fluss Sulzach getrennt sind, der gleichzeitig die Grenze zwischen Deutschland und Österreich ...
Regina Denk beginnt ihren Roman am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Er spielt in zwei Dörfern, die durch den Fluss Sulzach getrennt sind, der gleichzeitig die Grenze zwischen Deutschland und Österreich markiert. Vier junge Leute stehen im Mittelpunkt: Annemarie, Elisabeth und Hannes sind Freunde. Der vierte ist Josef, der Annemarie in einer für sie sehr unangenehmen Situation beisteht, selbst jedoch nicht der „edle Ritter“ ist, für den Annemarie ihn zunächst hält, sondern sich nimmt, was ihm seiner Meinung nach zusteht und vor Gewalt nicht zurückschreckt.
Hannes soll Fährmann werden und muss damit dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Der Grund dafür ist einfach, denn eventuelle Hinterbliebene müssten versorgt werden. Annemarie ist die Tochter der Wirtsleute. Von ihr wird erwartet, dass sie freundlich zu den Gästen ist, damit der Umsatz stimmt. Eine Grenze wird jedoch nicht gezogen. Elisabeth als Tochter eines Landwirts wird mit Josef verheiratet, ihre Wünsche zählen nicht. Alle vier Hauptprotagonisten sind lebendig beschrieben. Sie fügen sich in ihr Schicksal, weil es von ihnen erwartet wird und sie keine andere Wahl haben. Dies gilt für die Frauen noch viel mehr als für die Männer, die mehr Freiheiten haben und diese notfalls mit Gewalt durchsetzen.
Regina Denk beschreibt sehr klar und brutal die Geschichte der vier Protagonisten. Es gibt viel Gewalt und viel Härte, denn ein liebevolles Miteinander ist bei dem harten Leben, dass die Familien führen nicht vorgesehen. Ab und an blitzt es einmal durch, etwa als Hannes als Kind in die Sulzach fällt und lange um sein Überleben kämpfen muss oder auch im Umgang der drei Freunde untereinander. Während des Ersten Weltkrieges beobachtet Hannes, dass die Frauen sich verändern, da sie ihre kleinen Freiheiten genießen und nutzen konnten.
Unterbrochen werden die einzelnen Kapitel durch unregelmäßige Einschübe, die Regina Denk „Anderswo“ betitelt und die mit dem Fluss zu tun haben. Hier ist die Erzählsprache eine völlig andere, teilweise fast poetisch.
Regina Denk schreibt über Freundschaft, Liebe, Mitgefühl, aber auch über Neid, Schuld und Gewalt vor dem Hintergrund des Lebens auf dem Land mit seinen Traditionen und Verpflichtungen.
Fazit: absolute Leseempfehlung