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Veröffentlicht am 12.10.2025

Großartiger, atmosphärischer zweiter Band der Romantasy-Dilogie

A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2)
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„A Theory of Dreaming“ ist der zweite Teil von Ava Reids atmosphärischer Romantasy-Dilogie, die den Leser von Beginn an in ihren Bann zieht und bis zur letzten Seite fesselt. In der Dilogie treffen magische ...

„A Theory of Dreaming“ ist der zweite Teil von Ava Reids atmosphärischer Romantasy-Dilogie, die den Leser von Beginn an in ihren Bann zieht und bis zur letzten Seite fesselt. In der Dilogie treffen magische und mystische Elemente eines historischen Fantasy Romans, in dem Träume und Literatur eine sehr große Rolle spielen, auf hochaktuelle Themen wie Mental Health, Feminismus und Nationalismus. Auch die Liebe kommt in diesem Fantasy Roman nicht zu kurz und wird sehr berührend und emotionsgeladen ohne große Dramatik dargestellt.

Der Roman beginnt damit, dass Effy als erste Frau an der Universität von Llyr in der Stadt Caer-Isel Literatur studieren darf. Die Vergangenheit und Effys Forschungen sind für Effy eine große Bürde und ihre männlichen Mitstudenten sind alles andere als freundlich zu ihr. Glücklicherweise wird sie von Preston unterstützt, der alles tut, um ihr zu helfen und sie zu beschützen, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. Preston ist zudem mit seinen vielfältigen Aufgaben als Legat und seinen Studien für den Lehrstuhlinhaber der Fakultät für Literatur, Master Gosse, sehr beschäftigt. Außerdem verfolgen ihn wiederkehrende Träume einer mystischen Unterwasserwelt, die immer realer werden.

Der zweite Teil der Dilogie ist genauso wie der erste einfach großartig. Ava Reid schreibt so wunderbar eindringlich und atmosphärisch, dass man förmlich in einen Strudel voller Magie und Mystik eintaucht und von ihm mitgerissen wird. Man taucht in diesem Buch in eine Welt zwischen Magie und Realität ein, deren Grenzen fließend sind. Die Geschichte ist von Beginn an äußerst fesselnd und wird begleitet durch eine leise, diffuse Spannung, die allgegenwärtig ist. Bis zum Schluss bleibt es sehr spannend und auch das Ende finde ich sehr gut ausgearbeitet, auch wenn es für mich anders war, als ich es erwartet habe. Die Charaktere Effy sowie Preston sind wunderbar ausgearbeitet und fein gezeichnet. Ich habe mit beiden mitgefiebert und mitgelitten. Effy muss als erste Frau im Literaturstudiengang einiges aushalten und Preston ist so großartig, dass ich ihn mir am liebsten gleich selbst geschnappt hätte. Die Geschichte wird abwechselnd aus Effys und Prestons Perspektive erzählt, sodass man tief in ihre Gedanken und Gefühle eintauchen kann.

Die Geschichte ist schön komplex aufgebaut und es ist spannend zu beobachten, wie alle Aspekte wie Fäden fein miteinander verwoben werden, sodass der Roman am Ende ein perfektes Gesamtkunstwerk ergibt. Das winterliche Setting an der Universität ist schön düster und die Beschreibungen der magischen Welt sind so wunderbar detailliert und bildgewaltig.

Fazit: Großartiger, zweiter Teil der Dilogie, den ich sehr geliebt und gefühlt habe. Mitreißend, atmosphärisch und eindringlich geschrieben. Ich kann die Dilogie von ganzem Herzen weiterempfehlen, da sie ein wirklich ganz tolles Leseerlebnis ist.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Wunderschöner, bildgewaltiger historischer Roman

Lindt & Sprüngli (Lindt & Sprüngli Saga 2)
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Der zweite Band der historischen „Lindt & Sprüngli“ Saga: Zwei Rivalen, ein Traum, ist ein zartschmelzender Lesegenuss, der dem Leser wie die weltbekannte Schokolade auf der Zunge zergeht und ihn glücklich ...

Der zweite Band der historischen „Lindt & Sprüngli“ Saga: Zwei Rivalen, ein Traum, ist ein zartschmelzender Lesegenuss, der dem Leser wie die weltbekannte Schokolade auf der Zunge zergeht und ihn glücklich sowie zufrieden zurücklässt.

Die Geschichte beginnt 1863 in Bern und umfasst den Zeitraum bis 1880. Die Erzählorte sind Bern, Zürich und Lausanne sowie noch andere kleinere Orte. Rudolphe Lindt ist zu dieser Zeit acht Jahre alt und hat es in seiner Akademiker-Familie mit einem Apotheker als Vater und einem Arzt als Großvater als Erstgeborener sehr schwer. Er ist eher ruhig, verträumt, liebt die Stille und hat keine guten Schulnoten, weswegen sein Vater sehr besorgt um ihn ist. Rudolf Sprüngli hingegen ist 1868, als sein Erzählstrang startet, bereits 21 Jahre alt und der geborene Unternehmersohn, der mehrere Jahre im Ausland weilt, um bspw. in Paris Einblicke in die dortige Schokoladenherstellung zu erhalten. In diesem Band der dreiteiligen Familiensaga dürfen wir sowohl Rudolphe Lindt als auch Rudolf Sprüngli und deren Familien bis 1880 ein Stück ihres Lebens begleiten.

Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin Lisa Graf schafft es, die beiden Familiengeschichten von Lindt und Sprüngli so lebendig und bildgewaltig zu erzählen, dass man das Gefühl hat, hautnah bei den Ereignissen dabei zu sein. Die großartige Saga wird abwechselnd von den verschiedensten Familienmitgliedern der beiden Familien und weiteren Personen erzählt. Man erhält einen wunderbaren Einblick in die Geschehnisse zur damaligen Zeit. Auch der technische Fortschritt in der Schweiz wie die Eisenbahn, die Dampfmaschine und andere Neuerungen und ihre Wirkung auf die Industriealisierung werden wunderbar beschrieben. Hier fallen auch andere große Namen wie Cailler und Suchard, alles Pioniere der damaligen Zeit.

Durch die detaillierten Beschreibungen der Handlungsorte erfahren wir viel über diese Orte und haben das Gefühl, selbst über den Paradeplatz in Zürich zu schlendern und im dortigen Geschäft von Sprüngli feinste Schokolade zu kaufen. Auch die Liebesgeschichten von Rudolphe Lindt und Rudolf Sprüngli kommen in diesem Roman nicht zu kurz und sorgen für herzberührende Momente. Die Autorin vollbringt dabei die Meisterleistung, sowohl erfahrene Leser zu begeistern als auch Leser, die den ersten Band noch nicht gelesen haben, direkt abzuholen. Das alleine finde ich sehr bemerkenswert. Besonders gefallen hat mir neben der eindringlichen und bildgewaltigen Erzählweise, dass die Geschichte von Beginn bis Ende sehr interessant und unterhaltsam war und man nur so durch die Seiten geflogen ist. Die Charaktere sind wunderbar tiefgehend ausgearbeitet und man erhält einen tiefen Einblick in ihre Gefühle und Gedanken.

Fazit: Wunderschöner, bildgewaltiger und sehr interessanter zweiter Band der Lindt & Sprüngli Familiensaga. Lebendig und tiefgehend erzählt. Für Leser, die tief in vergangene Zeiten eintauchen wollen und die Entwicklung der Familiendynastien Lindt & Sprüngli hautnah miterleben möchten. Ein absolut zartschmelzendes Leseerlebnis, das man nicht so leicht vergisst, weil es süchtig macht.

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Interessanter Ratgeber zur Darmgesundheit mit Potenzial

Der Darm der 100-Jährigen
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Das Buch „Der Darm der 100-Jährigen“ ist ein Ratgeber zum Thema Darmgesundheit. Es geht darum, wie wir unseren Körper entgiften, unsere Zellen verjüngen und somit ein hohes Lebensalter bei bester Gesundheit ...

Das Buch „Der Darm der 100-Jährigen“ ist ein Ratgeber zum Thema Darmgesundheit. Es geht darum, wie wir unseren Körper entgiften, unsere Zellen verjüngen und somit ein hohes Lebensalter bei bester Gesundheit erreichen können. Geschrieben ist das Buch von der medizinischen Autorin Katharina Zeiss, zusammen mit und basierend auf den Forschungen und Erkenntnissen des befreundeten Ärzteduos Dr. med Henning Sartor und Prof. Dr. med. Burkhard Schütz.

In der Einführung erhalten wir Informationen über die Motivation der medizinischen Autorin dieses Buch zu schreiben. Außerdem werden das Ärzteduo vorgestellt. Positiv fand ich, dass beide Ärzte sich aufgrund eigener gesundheitlicher Probleme mit dem Thema Darmgesundheit auseinander gesetzt haben und ihre Forschungen deshalb darauf ausgerichtet haben. Das wirkt auf mich glaubwürdig und nachvollziehbar. Bei den Geheimnissen für ein langes Leben in den Blue Zones bin ich etwas zwiegespalten. Die neun Komponenten eines langen Lebens sind nachvollziehbar dargestellt, allerdings gibt es auch hier in der Literatur widersprüchliche Aussagen.

In den nächsten Kapiteln geht es um die Schattenseite des Mikrobioms. Wir erfahren viel über die Bildung toxischer Metabolite und die schleichende Vergiftung des Körpers. Außerdem wird auf die Themen Bewegung und Stress eingegangen. Auf der Lichtseite werden Probiotika und Präbiotika dargestellt und auf die Wirkung dieser auf das Immunsystem eingegangen. Im Zuge dessen erfahren wir auch einiges über fermentierte Lebensmittel und ihren Nutzen. Auch auf die Wirkung der Darmgesundheit auf die Psyche wird hingewiesen. In den Praxisfällen wird über drei Personen und ihre Laborwerte berichtet, was ich nicht repräsentativ genug finde. Das Darmcoaching im letzten Abschnitt des Buchs ist zwar interessant aber meiner Meinung auch zu sehr standardisiert.

Insgesamt finde ich, dass der Ratgeber gute Ansätze bietet und dazu inspirieren kann, seine Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zu überdenken. Der Schreibstil ist locker und flüssig. Die Licht- und Schattenseiten finde ich interessant und gut dargestellt und ich konnte einige wichtige Informationen und Anregungen aus dem Buch mitnehmen.

Meine größten Kritikpunkte beziehen sich auf die Recherche zu den Blue Zones, die standardmäßigen, teils widersprüchlichen Ratschläge der Autoren und die Umsetzbarkeit des Programms.

In den Blue Zones ernähren sich laut Buch die Menschen überwiegend pflanzenbasiert mit Fava, Soja, schwarzen Bohnen und Linsen, Vollkorngetreide etc. Gerade für die Blue Zones in Japan, Italien und Griechenland kann ich das leider nicht bestätigen. Pflanzenbasiert mag sein, aber Linsen und Soja findet man in Italien und Griechenland eher selten und Vollkorngetreide habe ich sowohl dort als auch in Japan auch nicht beobachtet, im Gegenteil. Außerdem haben die Menschen in Japan auch andere Verdauungsenzyme wie wir hier im Westen. Wir können Sojaprodukte oft weniger gut verdauen und bekommen Allergien. Der medizinischen Autorin wird nach ihrer Analyse bspw. auch gesagt, dass wenn sie wirklich fit sein möchte, ihre Carnitin-Dosis ungefähr fünf Mal so hoch sein müsste, was natürlich durch NEM erreicht werden könnte. Dies steht meiner Meinung aber im Widerspruch zu einer pflanzenbasierten Ernährung.

Die Supplementation von Mikronährstoffen im 21 Tage Programm ist meiner Meinung nach zu sehr standardisiert. Außerdem wird gleich der eigene Online Shop des Ärzteduos angepriesen und verlinkt. Hier sollte meiner Meinung nach eher fallorientiert und aufgrund einer Blutanalyse entschieden werden. Auch kann eine hochdosierte Supplemenation mit NEM bei Vorerkrankungen und eingeschränkter Nieren- bzw. Leberfunktion mit Vorsicht zu genießen sein. Ich denke auch, dass viele 100-Jährige in den Blue Zones von dieser Fülle an empfohlenen Nahrungsergänzungsmitteln noch nie etwas gehört haben.

Den 21 Tage Plan für Darmcoaching und Entgiftung würde ich auch nur mit ärztlicher Begleitung oder in einem F.-X.- Mayr Kurzentrum machen. Das ganze mit Job und Familie durchzuziehen und das auch noch 2-3x pro Jahr, kann ich mir leider nicht vorstellen, da man bspw. bei nur zwei kalorienreduzierten Mahlzeiten pro Tag auch mit Entgiftungserscheinungen und Blutzuckerschwankungen rechnen muss. Die tägliche Routine: Der 21-Tage Leitfaden finde ich inkl. Detox- Lebensmittelempfehlungen und einer Übersicht basen- und säurebildender Lebensmittel mit gerade mal sechs Seiten sehr knapp bemessen. Hier hätte ich mir einen detaillierteren Plan gewünscht.

Fazit: Interessantes Buch, das aber nochmal verfeinert werden sollte. Ich nehme einige Anregungen und Inspirationen mit, hätte mir aber eine differenziertere Sichtweise zu den Blue Zones und dem Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln gewünscht. Außerdem wäre es toll, wenn der letzte Abschnitt mit dem 21 Tage Plan viel umfangreicher, detaillierter und alltagstauglicher würde, damit man auch direkt starten kann.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Poetischer und emotionaler Roman mit bildhaften Naturbeschreibungen

Wilder Honig
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Der Roman „Wilder Honig“ erzählt die Geschichte dreier Frauen, die alle einen mehr oder weniger starken Bezug zum kleinen Ort Berllan Deg in Wales haben. Da ist zum einen Hannah, die mit ihrem Ehemann ...

Der Roman „Wilder Honig“ erzählt die Geschichte dreier Frauen, die alle einen mehr oder weniger starken Bezug zum kleinen Ort Berllan Deg in Wales haben. Da ist zum einen Hannah, die mit ihrem Ehemann John immer in Berllan Deg im Haus ihrer Eltern gewohnt hat. Des Weiteren ist da Ihre Schwester Sadie, die sich dort eingeengt gefühlt hat und so schnell wie möglich ausgezogen und ihr eigenes Leben gelebt hat. Dann ist da noch Megan, Johns Geheimnis, von der Hannah erst kurz nach Johns Tod erfährt und die ihre Welt zum Wanken bringt. Alle drei Frauen wirken zunächst verloren und nähern sich nur langsam aneinander an. Alle sind verbunden durch John, Hannahs Mann, einen Schriftsteller und Imker, der die Welt durch die Sprache der Bienen zu verstehen lernte und Hannah 11 Liebesbriefe hinterlassen hat, um ihr Antworten zu geben. Sind die Schatten der Vergangenheit zu stark, oder wird es den drei Frauen gelingen, ihre Wunden zu heilen und den zerbrochenen Garten Eden wieder aufzubauen? Wir dürfen sehr gespannt sein.


Der Roman hat mir insgesamt gut gefallen. Das Buch behandelt so viele interessante Lebensthemen wie beispielsweise die große Liebe, Trauer, die Suche nach Identität und Zugehörigkeit, Vertrauen, Geheimnisse, Enttäuschung, Dankbarkeit, Schwesternschaft sowie Verlust und Neubeginn. Im idyllischen Setting der walisischen Landschaft werden die großen Themen eindringlich dargestellt und alle Facetten menschlicher Emotionen bis in die hinterste Ecke ausgeleuchtet. Der Schreibstil ist eindringlich und bildhaft, die Naturbeschreibungen der walisischen Landschaft sowie des alten Obstgartens und des Lebens der Bienen sind so wunderschön und laden zum Träumen ein. Es ist ein Buch mit leisen Tönen und einer diffusen Spannung, das zum Nachdenken über das Leben einlädt und noch lange nachhallt. Die Sprache ist poetisch und unaufgeregt. Die Briefe von John finde ich sehr schön in die Geschichte eingeflochten. John ist am Ende seines Lebens selbstreflektiert und etwas melancholisch. Er versucht in den Briefen anhand seiner Erzählungen aus dem Leben der Bienen seiner Frau Antworten zu geben, warum ihrer beider Leben so verlaufen ist, wie es ist und er sein Geheimnis bis zu seinem Ableben bewahrt hat. Die Charaktere fand ich sehr gut ausgearbeitet und intensiv gezeichnet. Da Hannah (70), Sadie (64) und Megan (Mitte 20) aus unterschiedlichen Generationen kommen, ist es auch ein wunderbarer generationenübergreifender Roman, der die Unterschiede und Gemeinsamkeiten sowie die Verbundenheit von Frauen aus zwei Generationen beleuchtet. Sehr gut gefallen hat mir das umfangreiche Wissen über das Leben der Bienen, das ich sehr bereichernd fand.

Fazit: Ein stiller, tiefgründiger und kluger Roman, in dem viele Lebensthemen behandelt werden. Intensiv und herzberührend. Für alle Menschen, die emotionale, tiefgründige und leise Roman schätzen und die Schönheit der Natur sowie die Weisheit, die ihr innewohnt in bildhaften Beschreibungen genießen möchten.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Lebendig, emotional und bildgewaltig – ein absolutes Lesehighlight

Little Germany - Der Geschmack von Freiheit
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Der zweite Band der historischen „Little Germany“-Dilogie von Maria Nikolai führt uns wieder nach New York City in die Zeit zwischen 1904 und 1906. Wir bekommen abermals einen intensiven Einblick in das ...

Der zweite Band der historischen „Little Germany“-Dilogie von Maria Nikolai führt uns wieder nach New York City in die Zeit zwischen 1904 und 1906. Wir bekommen abermals einen intensiven Einblick in das Leben der zwei deutschen Einwanderinnen Julia und Lissi, die im deutschen Viertel „Little Germany“ die Swabian Pretzel Bakery betreiben. Nach einer verheerenden Katastrophe, die viele Menschenleben gefordert hat und die Menschen im deutschen Bezirk in Fassungslosigkeit und Trauer versetzt hat, beschließen Julia und Lissi am German Broadway einen Neuanfang zu wagen und dort eine Konditorei zu eröffnen. Auch wenn die Katastrophe in einem nervenaufreibenden Prozess aufgearbeitet wird, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sind die Schatten, die über „Little Germany“ liegen zu groß, als dass Julia und Lissi dort noch glücklich werden könnten. Nicht nur beruflich sondern auch privat stehen den beiden Damen turbulente Zeiten bevor, denn zwei Männer aus ihrer Vergangenheit entfachen in ihnen ein Chaos an Gefühlen, das Auswirkungen auf ihr zukünftiges Leben haben wird.

Der erste Band der Dilogie hat mir schon sehr gut gefallen und auch der Zweite ist ein absolutes Lesehighlight. Maria Nikolai lässt mit ihrer bildgewaltigen und eindringlichen Erzählung Geschichte wirklich lebendig werden. Man hat jederzeit das Gefühl, an den damaligen Ereignissen hautnah teilzuhaben und mitten im Geschehen zu sein. Die Geschichte ist von Anfang bis Ende spannend und flüssig sowie mitreißend geschrieben, sodass ich jede Leseminute sehr genossen habe. Ich finde der Roman birgt eine hervorragende Erzählkunst in sich. Lissi und Julia waren mir immer sympathisch und ich habe mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten. Auch die anderen Charaktere waren hervorragend ausgearbeitet und fein gezeichnet. In dem Roman werden so viele interessante Themen behandelt. Von der Schiffskatastrophe auf dem East River über den anschließenden Prozess, den Sorgen und Nöten sowie den beruflichen Chancen der Einwanderer, den Bandenkriegen in NYC und den romantischen Liebesbeziehungen der Protagonistinnen ist alles dabei. Außerdem lernen wir das New York City der damaligen Zeit mit seinen Sehenswürdigkeiten wie bspw. der Freiheitsstatue, den Theatern und dem Central Park etc. durch die intensiven Beschreibungen wunderbar kennen.

Die historischen Begebenheiten sind sehr gut recherchiert und durch die historischen Romanhintergründe und das Glossar am Ende des Buchs habe ich über die Begebenheiten zur damaligen Zeit in New York City noch viel dazulernen dürfen. Das Buch hat zudem nicht nur ein wunderschönes Cover, sondern im Innenteil befindet sich auch eine tolle Karte von NYC zur damaligen Zeit. Das Ganze wird noch ergänzt durch ein Personenregister mit fiktiven und realen Personen sowie wunderbaren Rezepten aus Lissis kleiner Konditorei, die ich gerne ausprobieren werde.

Fazit: Großartiger Abschluss einer wundervollen Dilogie. Eine Liebeserklärung an alle mutigen Einwanderer der damaligen Zeit und an New York City. Sehr lesenswert!

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