Unbefriedigend und wenig feministisch
Ich, die ich Männer nicht kannteDanke an Vorablesen und den Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.
Ich habe mich SO sehr auf dieses Buch gefreut. Es ist ein moderner ...
Danke an Vorablesen und den Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.
Ich habe mich SO sehr auf dieses Buch gefreut. Es ist ein moderner Klassiker, und als großer Fan von Margaret Atwoods Report der Magd hatte ich hohe Erwartungen. Aber die konnten leider nicht erfüllt werden.
Worum geht es?
Die namenlose Protagonistin wächst in einem Keller auf, zusammen mit 39 Frauen. Sie sind eingesperrt und werden von Wärtern beobachtet. Niemand weiß, wieso. Einige der Frauen können sich noch an die Welt draußen erinnern – die Protagonistin kennt nur Geschichten.
Eines Tages ertönt ein Alarm, die Wärter fliehen und lassen den Keller offen. Die Frauen kommen in die Freiheit, doch statt ihrer bekannten Welt ist oben alles ganz anders.
Das Erlangen der Freiheit passiert bei ca. 30% des Buches, und bis dahin hat es mir auch ganz gut gefallen. Ich mochte den Stil, war aber auch umhergetrieben von der Frage nach dem Warum. Dann geht es also nach draußen und die Frauen erkunden eine Welt, in der sich für sie immer mehr Fragen als Antworten ergeben. Sie finden mehr Keller mit 40 eingesperrten Personen, die nicht überlebt haben. Sie suchen Essen, bauen Häuser. Und so vergehen Jahre, Jahrzehnte, die Frauen werden älter… ich denke ich muss das Konzept nicht weiter ausführen.
Was mich an diesem Buch so frustriert hat, sind zweierlei. Einerseits, dass man auf nichts eine Antwort bekommen. Vielleicht ist die Bedeutung des Buches, dass wir selber nicht den Sinn unserer Existenz kennen und dass die Protagonistin deshalb irgendwann auch sterben wird, ohne je eine Antwort zu kriegen. Aber dann habe ich den Sinn nicht verstanden, warum ich das lesen wollen würde. Ich dachte, es wäre irgendwie mehr gesellschaftskritisch.
Zudem sind die Frauen alle sehr heteronormativ angesetzt, in dem was sie über die Welt von damals erzählen und auch worauf sie den Fokus in der Freiheit legen.
Dafür, dass sie alle so viele Jahre nur unter Frauen verbringen, sind queere Beziehungen und Intimität rar. Makeup wird als etwas erklärt, was man für Männer getragen hat. Altern ist etwas Negatives. Die Protagonistin bleibt für immer Jungfrau – denn es sind ja keine Männer da, die ihr diese Jungfräulichkeit nehmen könnten. All diese Themen werden super konservativ behandelt, und deshalb würde ich das Buch auch definitiv nicht als feministisch einordnen.
Ja, es ist ein Buch aus den 90ern. Aber „Der Report der Magd“ kommt aus einer ähnlichen Zeit, und ist in meinen Augen eine deutlich gelungenere Dystopie mit feministischer Gesellschaftskritik.
Dieses Leseerlebnis hätte ich mir eindeutig sparen können… ich wollte wirklich nur weiterlesen, weil ich auf eine Erleuchtung gewartet habe, aber die kam nie. Zumindest bin ich so schnell durchs Buch gekommen…
Von mir gibt es deshalb auch nur 2 von 5 Sternen.