Nur kurz glücklich
Happy HeadDanke an Vorablesen und den Magellan Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.
Das Konzept von Happy Head klang richtig spannend. ...
Danke an Vorablesen und den Magellan Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.
Das Konzept von Happy Head klang richtig spannend. Ein bisschen so wie die Dystopien, die ich vor ~10 Jahren gerne gelesen habe – Divergent/Die Bestimmung, Cassia & Ky, Maze Runner, Hunger Games, Pretties… ich liebe solche Bücher. Und ich kann zum Glück sagen, dass Happy Head genau diesen „sweet spot“ voll Nostalgie getroffen hat und mich komplett aus einer Leseflaute rausgeholt hat – ich habe nicht nur Band 1 in unter 24 Stunden durchgelesen, ich habe mir auch direkt nach dem Beenden Band 2 als (englisches) eBook zugelegt, und es auch noch am selben Wochenende durchgesuchtet.
Aber worum geht es eigentlich?
Protagonist Seb wird in ein experimentelles Mental Health Programm aufgenommen, dass die nationale Krise voller „depressiver Teenager“ lösen soll. In Gruppen werden die Jugendlichen Aufgaben lösen müssen, abseits der Ablenkungen der Außenwelt. Aber irgendetwas stimmt dort ganz und gar nicht…
Als Leser*in merkt man auch wirklich schnell, dass irgendwas an diesem Programm suspekt ist. Es herrscht die ganze Zeit eine düstere Atmosphäre vor, und die Glücklichkeit von gewissen Personen wirkt sehr vorgespielt. Das mit den Challenges und den Gruppen erinnert in gewisser Weise an Squid Game – natürlich angemessen für ein Jugendbuch. Aber auch hier gibt es „einfache“ Spiele, deren Sinn nicht ganz klar ist, und einen Preis, der nur wenigen in Aussicht gestellt ist.
So muss die Gruppe um Seb z.B. Kunsttherapie machen, die Nacht in der Wildnis verbringen oder Quizfragen über die anderen Personen lösen. In der Gruppe von Seb befinden sich noch Ashley, Eleanor und Finn, die alle unterschiedlicher nicht sein könnten. Besonders der rebellische Finn löst in Seb gewisse Gefühle aus, die seine ganze Situation nur noch komplizierter machen.
„Ich habe mir geschworen, nie wieder einen Jungen zu küssen, weil das anscheinend bloß in einer Katastrophe enden konnte.“
Denn bei diesem Buch handelt es sich um eine queere Story, und das bringt dem Ganzen in meinen Augen nochmal eine ganz neue Dimension hinzu. Die Geschichte wirft viele moralische Fragen auf, z.B. was Glück überhaupt ist, ob es für alle gleich aussieht und ob uns jemand anders sagen kann, was „Glücklich sein“ konkret bedeutet. Auch das Phänomen von Vertrauen in Systemen in der Wellness-/Gesundheitskultur mit abstrakten Belohnungen wie Gefühlen – allen voran die Psychotherapie – wird hier kritisch beleuchtet.
Das Tempo ist hoch, der Schreibstil echt gut und flüssig, und es war mir kaum möglich, das Buch aus den Händen zu legen. Das Ende ist wahrlich fies und ich bin sehr froh, direkt mit Band 2 weitergelesen zu haben (auch wenn in meinem Kopf jetzt ein paar Handlungselemente von Band 1 und 2 verschwimmen).
An Band 1 habe ich kaum etwas kritisch auszusetzen. Ja, wenn man zu lange zu doll drüber nachdenkt, findet man bestimmt eine Logiklücke im System. Aber ich fand es schon echt perfide und nicht allzu abwegig in der heutigen Zeit. Und das ist einfach das Debüt des Autors – einfach wow.
Von mir gibt es 4.5 von 5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung. Ich hoffe auch, dass Band 2 ganz bald auf Deutsch übersetzt wird! Die deutschen Cover sind meiner Meinung nach auch viel schöner und passender als diese neongrün-gelben Originale.