Ich sehe dich
WeavingshawWeavingshaw ist für mich vor allem eine Geschichte über Vertrauen, Verlust und zwei Menschen, die langsam lernen, ihre Mauern fallen zu lassen. Besonders Leena hat mich wirklich begeistert. Sie ist loyal, ...
Weavingshaw ist für mich vor allem eine Geschichte über Vertrauen, Verlust und zwei Menschen, die langsam lernen, ihre Mauern fallen zu lassen. Besonders Leena hat mich wirklich begeistert. Sie ist loyal, warmherzig und gleichzeitig unglaublich stark. Dass sie sich dem Saint der Stille stellt, zeigt einfach, wie mutig sie eigentlich ist. Trotzdem wirkt sie nie unnahbar oder perfekt. Gerade ihre ehrliche Art und dass sie absolut nicht gut lügen kann, machen sie unglaublich sympathisch.
Am meisten berührt hat mich ihre Beziehung zu ihrem Bruder. Man merkt in vielen Momenten, wie tief diese Verbindung zwischen ihnen ist. Auch ihre Suche nach dem Vater hat mich emotional abgeholt, weil man spürt, dass sie innerlich zerrissen ist. Sie ist wütend auf ihn und trotzdem gibt sie ihn nicht auf. Dieses unermüdliche Kämpfen zeigt einfach ihre Stärke.
Bei St. Silas fand ich spannend, dass er mit der Zeit immer mehr Facetten zeigt. Anfangs wirkt er hart und distanziert, aber je mehr man über ihn erfährt, desto verständlicher wird sein Verhalten. Seine Vergangenheit hat ihn geprägt und vieles passiert nicht freiwillig. Gerade diese kleinen Momente, in denen er Schwäche oder Mitgefühl zeigt, fand ich besonders stark, weil sie beweisen, dass hinter seiner kalten Fassade eigentlich jemand steckt, der tief im Inneren ein gutes Herz hat.
Die Beziehung der beiden entwickelt sich sehr langsam, was ich tatsächlich schön fand, weil es dadurch realistisch wirkt. Sie vertrauen sich nicht sofort blind, sondern öffnen sich Schritt für Schritt und teilen ihre Geheimnisse erst dann, wenn es sich richtig anfühlt. Dadurch entsteht eine Verbindung, die sich ehrlich und intensiv anfühlt und nicht erzwungen wirkt.
Das Worldbuilding hat mir ebenfalls richtig gut gefallen. Die Verbindung zwischen der normalen Welt, den Geistern und der Zwischenwelt war atmosphärisch und faszinierend. Besonders spannend fand ich die Dämonenwelt und wie eng alles miteinander verbunden ist. Man merkt, dass hinter der Welt viel Tiefe steckt.
Trotzdem hatte das Buch für mich auch Längen. Manche Abschnitte waren sehr zäh und haben sich gezogen, weil die Handlung nicht richtig vorangekommen ist. Dadurch ging die Spannung zwischendurch leider etwas verloren. Sobald aber spannendere Szenen kamen, ließ sich das Buch plötzlich wieder total flüssig lesen und konnte mich direkt fesseln.
Am Ende ist Weavingshaw für mich ein Buch, das vor allem durch seine Charaktere, die Atmosphäre und die langsam enthüllten Geheimnisse lebt. Nicht alles war perfekt und manche Stellen hätten straffer sein können, aber die emotionale Entwicklung der Figuren und die besondere Welt haben dafür gesorgt, dass mir die Geschichte trotzdem im Kopf geblieben ist.