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Veröffentlicht am 15.04.2026

Neustart in Island

Moosland
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1949 startet der isländische Bauernverband einen Aufruf, indem er junge, ledige, deutsche Frauen dazu auffordert für ein Jahr nach Island zu kommen, um in der Landwirtschaft zu helfen und eventuell zu ...

1949 startet der isländische Bauernverband einen Aufruf, indem er junge, ledige, deutsche Frauen dazu auffordert für ein Jahr nach Island zu kommen, um in der Landwirtschaft zu helfen und eventuell zu bleiben und einen Isländer zu heiraten. Der enorme Männerüberschuss in der damaligen Zeit machte diese Maßnahme notwendig und hat wohl letztendlich auch gefruchtet.

Die Autorin Katrin Zipse hat diese wahre Begebenheit zur Ausgangssituation ihres Romans gewählt. Wir erleben die schüchterne Elsa, wie sie in Island ankommt. Im Gegensatz zu Gerda, mit der sie die Überfahrt macht und die sich schnell wohlfühlt auf ihrem Bauernhof, fällt es der im Krieg traumatisierten jungen Elsa extrem schwer sich einzugewöhnen. Sie trauert um ihre tote Freundin Sola, versteht die neue Sprache nicht und hat von Landwirtschaft eigentlich keine Ahnung. Die Familie zu der sie kommt, ist zwar freundlich aber auch sehr wortkarg und ganz offensichtlich lasten Sorgen um die verschwundene Tochter besonders stark auf der Bauersfrau.

Es ist also keine einfache Zeit für Elsa,und die Autorin beschreibt ihre Einsamkeit sehr nachfühlbar. Gleichzeitig ist da diese beeindruckende Natur, die kurzen Sommer, die Nordlichter, diese fast menschenleere Weite.

Diese Naturbeschreibungen habe ich sehr genossen. Island ist einfach ein großartiges Land für mich.

Elsa kommt man leider nicht richtig nah, auch wenn man ihre Gedanken verfolgt, sich für sie freut, als sie erste Worte versteht oder nach großer Mühe das Reiten erlernt.

Ich fand das Buch nicht schlecht, aber es ist definitiv kein Highlight. Für Islandfans ist es dennoch zu empfehlen.

Die historischen Hintergründe fand ich interessant, und ich hatte davon noch nicht gehört.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Eine Geschichte, die das Herz erwärmt

Pina fällt aus
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Pina ist eine alleinerziehende Mutter, was an sich ja schon herausfordernd ist. Ihr Sohn ist Anfang 20 und Autist, was bedeutet, dass er auch weiterhin seine Mutter braucht, um irgendwie mit der für ihn ...

Pina ist eine alleinerziehende Mutter, was an sich ja schon herausfordernd ist. Ihr Sohn ist Anfang 20 und Autist, was bedeutet, dass er auch weiterhin seine Mutter braucht, um irgendwie mit der für ihn doch sehr verwirrenden Welt klarzukommen.

Als Pina eines Tages einfach umfällt und somit wie der Buchtitel schon sagt, ausfällt, muss ganz dringend eine Lösung für Leo gefunden werden. Pina liegt also bewusstlos im Krankenhaus, Angehörige sind nicht bekannt und die schräge Hausgemeinschaft bestehend aus einer alten Dame (Inge), einer Schulabrecherin (Zola) und einem sehr zurückgezogenen Mann mittleren Alters (Woitek), tun sich zusammen, um Leo zu unterstützen, der die Welt nicht mehr versteht, weil seine Mutter nach dem Einkaufen nicht nach Hause zurückgekommen ist.

Am Anfang ist das natürlich ein großes Chaos. Soll man sich da wirklich einmischen? Gelingt es sich in Leo hineinzudenken? Es entstehen skurrile Situationen und diese schrägen Vögel aus der Hansastraße wachsen über sich hinaus und mir als Leserin ins Herz.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es wärmt von innen, was gerade in diesen Zeiten einfach mal guttut.

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Alternative Leben

Die Namen
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„ Die Namen“ von Florence Knapp ist eine Geschichte, die ich aufgrund ihrer sehr besonderen Grundidee schon faszinierend fand. Bestimmt der eigene Name den späteren Charakter eines Menschen ganz entscheidend?

Cora ...

„ Die Namen“ von Florence Knapp ist eine Geschichte, die ich aufgrund ihrer sehr besonderen Grundidee schon faszinierend fand. Bestimmt der eigene Name den späteren Charakter eines Menschen ganz entscheidend?

Cora hat ihr zweites Kind bekommen, einen kleinen Jungen. Wird sie ihn nach seinem Vater Gordon benennen, wie es Tradition ist in der Familie bei männlichen Nachkommen? Das will sie eigentlich nicht, denn ihr Mann ist gewalttätig und ihr Sohn soll nicht genauso werden wie sein Vater. Julian würde ihr als Vorname viel besser gefallen und hat die vielversprechende Bedeutung Himmelsvater. Oder wird das Baby den Namen Bear bekommen, den sich seine Schwester Maia für ihn wünscht, weil man nur Gutes mit ihm verbindet. Einen Bear möchte man knuddelnd, er steht aber auch für Stärke.

Die Autorin spielt alle 3 Varianten durch. Wie hätte sich ein kleiner Gordon entwickelt, wie ein Julian und was wäre aus ihrem Sohn geworden, hätte er den Namen Bär erhalten. Natürlich steht auch die Frage im Raum, ob es Cora schafft sich aus der von häuslicher Gewalt geprägten Beziehung zu lösen und welche Rolle ihre Kinder dabei spielen.

Die Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Sie war stimmig und gut erzählt, nur den Epilog hätte es für mich nicht gebraucht.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Atmosphärisch - gelungener Reihenauftakt

Die weiße Nacht
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Wir tauchen ein in den Hungerwinter 1946. Der Krieg ist zwar vorbei, aber das Land liegt in Schutt und Asche und die Menschen versuchen irgendwie zu überleben. Das letzte Hab und Gut wird gegen etwas ...


Wir tauchen ein in den Hungerwinter 1946. Der Krieg ist zwar vorbei, aber das Land liegt in Schutt und Asche und die Menschen versuchen irgendwie zu überleben. Das letzte Hab und Gut wird gegen etwas Essbares eingetauscht. Glücklich sind die, die Verbindungen haben.

Auch Lou versucht sich und ihren Mitbewohner Bruno am Leben zu halten. Mit ihrer Leica macht sie Fotos, die sie bestenfalls an ein Magazin verkaufen kann. Sie entdeckt in den Ruinen eine Frauenleiche und fotografiert sie. Kommissar König übernimmt den Fall und wird dieses Bild beschlagnahmen. Er hat ein Auge im Krieg verloren, war in Gefangenschaft, weil er einen Befehl verweigert hat, doch er ist nicht zum Unmenschen geworden, und das ist viel wert.

Dieser historische Krimi hat ein sehr langsames Erzähltempo aber dafür taucht man ganz tief in diese Nachkriegswelt ein. Die Leiche bleibt nicht die Einzige, und trotz widrigster Umstände erschließen sich dem Kommissar und der Fotografin die Zusammenhänge der Taten nach und nach.

Lou und Kommissar König werden in den Folgebänden sicherlich zu einem perfekten Team. Ich mochte die Sprache dieses Romans und auch die Figurenzeichnung ist Anne Stern gut gelungen.. Die Symbiose zwischen Krimi und historischem Roman hat mich überzeugen können . Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen und hoffe es dauert nicht zu lange bis Teil 2 erscheint.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Sehr gelungen - Lieblingsbuchpotential

Spiegelland
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Nachdem mir „Stromlinien“ von Rebecca Frank so gut gefallen hat, war ich sehr neugierig auf ihr neuestes Buch „ Spiegelland“. Der neue Schauplatz ist die faszinierende Landschaft des Teufelsmoors, nahe ...

Nachdem mir „Stromlinien“ von Rebecca Frank so gut gefallen hat, war ich sehr neugierig auf ihr neuestes Buch „ Spiegelland“. Der neue Schauplatz ist die faszinierende Landschaft des Teufelsmoors, nahe Bremen und des Künstlerstädtchen Worpswede, welches ebenfalls eine Rolle spielen wird in dem Buch.

In der Gegenwart von 2025 wächst Elias auf und nachdem er einen großen Fehler gemacht hat, flieht er zu seiner Oma Catherina (Cato), die ein Haus in Teufelsmoor besitzt. In dieses Haus ist ihre Oma viele Jahre zuvor selbst geflohen zusammen mit Elias‘s Mutter Kira. Sie wollte das Zusammenleben mit einem gewalttätigen Ehemann nicht länger ertragen, und da bot ihr das Haus, dass sie überraschenderweise geerbt hatte eine Zuflucht und war der Start für einen Neuanfang.

Ein weiterer Erzählstrang führt weit zurück in die Vergangenheit zum Beginn der Besiedlungsgeschichte des Moors 1976. Hier lebt Aletta, die als Frau außer Heirat oder das Leben als Tante auf dem Hof ihres Bruders keine Möglichkeiten hatte zu überleben. Auch sie erlebte Gewalt als sie sich nämlich gegen die Heirat mit einem einflußreichen Bauern entschied.

Eindrücklich erzählt Rebecca Frank über die Folgen des Patriarchiats auf nachfolgende Generationen. Ich liebe Mehrgenerationen-Romane und kann nur staunen, wie einfühlsam und kunstvoll die Autorin die verschiedenen Geschichten hier miteinander verwebt. Mir hat das Buch große Freude gemacht. Ich hatte es als Hörbuch vorliegen und mochte auch die Vertonung durch Verena Wolfen, Jana Kozewa und Marian Funk sehr.

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