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Mirko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2026

Bezauberndes Mosaik

Das Jahr der Schmetterlinge
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Die dänische Autorin Lea Korsgaard stürzt sich in ein ungewöhnliches Projekt, das sie völlig einnimmt und dem sie sich mit großer Leidenschaft widmet: Sie will alle dänischen, tagaktiven Schmetterlinge ...

Die dänische Autorin Lea Korsgaard stürzt sich in ein ungewöhnliches Projekt, das sie völlig einnimmt und dem sie sich mit großer Leidenschaft widmet: Sie will alle dänischen, tagaktiven Schmetterlinge innerhalb einer Saison sehen! Genau davon erzählt dieses Buch. Korsgaard erzählt aus verschiedensten Blickwinkeln. Da ist zum einen der wissenschaftliche: Man erfährt etwas über die Flugbewegungen der verschiedenen Schmetterlingsarten zwischen Süd- und Nordeuropa oder Mexiko und Kanada/USA. Dabei stirbt eine Generation und die nächste setzt den Weg fort. Woher weiß die Folgegeneration, was zu tun ist? Man erfährt etwas über die Metamorphose: Vom Ei zur Raupe, dann zur Puppe und schließlich zum Schmmetterling.
Damit nicht genug. Die Autorin bringt Elemente aus der griechischen Mythologie ebenso ein wie solche aus der Bibel bzw. dem Christentum. Freuds Psychoanalyse und diverse Philosophen kommen zu Wort. Aber sie erreicht mich als Leser immer dann am meisten, wenn sie über ihre persönlichen Befindlichkeiten, ihre Freude und Sorgen, ihren Alltag und ihre Verbindung zur Natur spricht. Ihrer Reise im Verlauf eines Jahres zu folgen, ist äußerst unterhaltsam.
Vladimir Nabokov, Hermann Hesse und Hannah Arendt finden Erwähnung. Klimawandel und Artensterben werden eindringlich beleuchtet. Damit regt sie sehr zum Innehalten und Nachdenken an.
Dann wieder erzählt Lea Korsgaard von den persönlichen Begegnungen, die sie auf ihrer Suche hatte. Wie ein Mosaik ergibt daraus nach und nach ein Bild. Dabei vollbringt sie aus meiner Sicht die größte Leistung dadurch, dass es ihr gelingt, die vielen Themen in ein sinnvolles und zielführendes Gleichgewicht zu bringen. Bei einer solchen Vielfalt von Themen, wie man sie hier findet, läuft ein Autor grundsätzlich Gefahr, den Fokus, die Balance zu verlieren. Das ist hier überhaupt nicht der Fall. Zum einen sind wirklich alle Themen, die sie einbringt, interessant und dienen gleichzeitig dem Gesamtkontext. Darüber hinaus verklebt sie diese Themen mit ihrer persönlichen Reise, ihren Gedanken und einer großen Offenheit.
Ich kann ihre Begeisterungsfähigkeit sehr gut nachvollziehen, da ich selbst die Natur vor einigen Jahren völlig neu entdecken durfte, als ich mich dem Thema Landschaftsfotografie verschrieben hatte. Auch das war eine bemerkenswerte Reise, die mich sehr geprägt hat. Nicht zuletzt dadurch hat mich das Buch sehr bewegt. Ich kann es kaum erwarten, die nun anstehenden wärmeren Tage zu nutzen, um erneut tief in die Natur einzutauchen und dort mit geschärften Sinnen auf Entdeckungsreise zu gehen.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Konstruierter Pageturner

Kala
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Der irisch-stämmige Colin Walsh hat mit „Kala“ sein Erstlingswerk vorgelegt. Der Roman entwickelt recht schnell ein hohes Tempo und wird mehr und mehr zum Pageturner, wobei es aber leider auch einige Mängel ...

Der irisch-stämmige Colin Walsh hat mit „Kala“ sein Erstlingswerk vorgelegt. Der Roman entwickelt recht schnell ein hohes Tempo und wird mehr und mehr zum Pageturner, wobei es aber leider auch einige Mängel gibt…
Die Handlung findet auf zwei zeitlichen Ebenen statt, die 15 Jahre auseinander liegen. Eine Gruppe Jugendlicher, die später junge Erwachsene sind, stehen im Mittelpunkt der Handlung. Drei von Ihnen erzählen in kurzen Kapiteln abwechselnd aus ihrer Sicht. Diese Konstellation ist nur am Anfang leicht gewöhnungsbedürftig. Recht schnell ergibt sich ein loses Puzzle, dessen Teile nach und nach gelegt werden, um ein schlüssiges Gesamtbild zu ergeben.
Man erfährt schon zu Beginn, dass Kala damals vor 15 Jahren umgekommen ist. Ihre Leiche wird erst jetzt gefunden, zu einem Zeitpunkt, wo sich die alte Gruppe gerade wieder in Kinlough, einem irischen Touristenort an der Westküste, trifft, in dem sie gemeinsam aufwuchsen. Das vieles zeitlich zusammenkommt, ist natürlich arg konstruiert, was mir nicht gefällt, insbesondere da es die Basis für alles Weitere darstellt. Die späteren Entwicklungen hingegen greifen gut ineinander; da funktioniert die Story.
Ein weiteres schwieriges Thema ist die Sprache: Die Kids sprechen auf ihre eigene Art, aber alle mit einem deutlichen Slang. Man bekommt zwar einen guten Zugang zu ihrer Gedankenwelt, aber der ganze Roman wird sprachlich auf dieses Niveau reduziert. Hinzu kommt, dass die Unterschiede in den Gedanken und dem Sprachgebrauch der verschiedenen Charaktere bemüht und damit konstruiert wirken. Man weiß, was der Autor beabsichtigt. Allerdings nimmt das der Geschichte ihre Leichtigkeit.
Was Walsh gut gelingt, ist durchgängig Spannung zu erzeugen. Man will wissen, was passiert ist. Es gibt zwischenzeitig neue Abzweigungen. Und es wird alles aufgelöst. Die verschiedenen Charaktere arbeitet er solide heraus, so dass die Story dadurch zusätzlich vorangetrieben werden kann. Aber trotzdem stößt er auch hier an Grenzen. Zum einen, weil gerade Kala, die im Zentrum der Geschehnisse steht, für mich kein gutes Gesamtbild ergibt. Mir gelang es einfach nicht, mich komplett mit ihr zu identifizieren. Und zum Anderen hat man irgendwann das Gefühl, dass alle in dem Ort Dreck am Stecken haben. Man wünscht sich zwischendurch etwas Normalität, damit alles etwas mehr ausbalanciert wäre. Allerdings vergeblich.
Letztlich bleibt ein äußerst spannender Thriller mit interessanten Charakteren zurück, der an der ein oder anderen Stelle allerdings mehr Feinschliff gebraucht hätte. Lesenswert ist er allemal. Ich habe allerdings Zweifel daran, dass er lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Großartiges Finale

Trag das Feuer weiter
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Mit „Trag das Feuer weiter“ beschließt die marokkanisch-stämmige Französin Leila Slimani ihre große Trilogie. Darin erzählt sie die Geschichte, die von ihrer eigenen Familie inspiriert ist, die Geschichte ...

Mit „Trag das Feuer weiter“ beschließt die marokkanisch-stämmige Französin Leila Slimani ihre große Trilogie. Darin erzählt sie die Geschichte, die von ihrer eigenen Familie inspiriert ist, die Geschichte der Belhajs vom Ende des 2. Weltkriegs bis in die frühen 2000er Jahre.
In diesem 3. Band schließt sie nahtlos an die beiden Vorgänger-Romane an. Allein das muss man würdigen. Denn eine angekündigte Trilogie zu einem sinnvollen Ende zu führen, gelingt nicht jedem. Aber Slimani führt ihren literarischen Stil weiter; das Buch lässt sich sehr gut lesen. Man sollte aber auf jeden Fall die ganze Geschichte kennen, um das bestmögliche Leseerlebnis zu haben.
Im Mittelpunkt steht diesmal die Familie Daoud, rund um Aicha, die Tochter von Mathilde und Amine. Der Leser wird mitgenommen auf eine Geschichte, die einen tiefen Einblick in die marokkanische Kultur gibt. Dabei wird nicht angeklagt, nicht verurteilt, sondern nur leise beobachtet. Die Autorin erzählt schlichtweg von einer Familie, über drei Generationen hinweg. Es könnte eine beliebige Familie einer anderen Kultur sein, da es dieselben Höhen und Tiefen gibt.
Aber Slimanis Blick geht darüber hinaus. Sie erzählt von Identität und Herkunft, und darüber, welche Herausforderungen es birgt, in einem fremden Land zu leben. Wann ist man dazugehörig, wann ein Fremder? Sie erzählt von verkrusteten Strukturen, vom Konflikt zwischen Tradition und Moderne und darüber, was das mit den Menschen macht. Und sie erzählt vom Kampf der Frauen gegen Unterdrückung, aber gleichzeitig auch vom Kampf der Männer gegen Erwartungen, denen sie nicht immer genügen können.
Wie die Autorin das alles zusammenhält, ist ihr hoch anzurechnen. Denn sie nimmt sich vieler Themen an, ohne dass man das Gefühl bekommt, dass der Roman dadurch überfrachtet würde. Und sie bleibt stets objektiv, obwohl sie den Finger ein ums andere Mal in die Wunde legt. Letztlich erzählt sie aber vorrangig etwas über uns Menschen, egal in welchem Teil der Erde wir leben. Die Trilogie ist daher eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Plädoyer für mehr Verständnis

Ins hohe Gras
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Trevor Noah ist ein südafrikanischer Comedian, der bereits ein sehr erfolgreiches autobiografisches Werk namens „Born a crime“ veröffentlicht hat. Dieses habe ich schon einige Zeit auf meiner To-do-Liste ...

Trevor Noah ist ein südafrikanischer Comedian, der bereits ein sehr erfolgreiches autobiografisches Werk namens „Born a crime“ veröffentlicht hat. Dieses habe ich schon einige Zeit auf meiner To-do-Liste und nun steht der Plan, es in Kürze zu lesen.

Denn mit seinem neuesten Buch „Ins hohe Gras“, das sich zumindest vordergründig an Kinder richtet, hat er einige wunderbare Botschaften in die Welt gesetzt. Es geht um einen Jungen und seinen Bären. Der Junge mag es nicht, sich an Regeln zu halten, zum Beispiel sein Bett zu machen. Das ärgert ihn so sehr, dass er sich gemeinsam mit dem Bären auf den Weg in den Garten und darüber hinaus macht. Auf dem Weg treffen Sie verschiedenen „Wesen“, die wichtige Botschaften für Sie bereithalten. Mehr zum Inhalt will ich hier nicht verraten.

Aber worum geht es eigentlich wirklich?Noah will seinen Lesern wichtige Erkenntnisse aus seinem eigenen Leben mit auf den Weg geben. Ganz vorne steht dabei, dass Menschen mehr Verständnis füreinander aufbringen müssen; seien es Eltern und ihre Kinder, aber auch verschiedene Bevölkerungsgruppen oder Rassen könnte man an deren Stelle setzen. Sich einfach mal auf die andere Seite zu stellen, eine andere Meinung gelten zu lassen. Darüber hinaus geht es aber auch um Konfliktbewältigung, Kompromissbereitschaft, Vertrauen, Akzeptanz und die Bedeutung von Regeln. Das sind viele Themen, die man allesamt in dieser kurzen Geschichte finden kann. Gerade deshalb gelingt dem Autor seine Absicht, nicht ausschließlich ein Kinderbuch geschrieben zu haben. Ich denke, dass Kinder jeweils das aus der Geschichte ziehen werden, was sie selbst am meisten berührt. Und das ist auch völlig ausreichend. Denn um tatsächlich alle Facetten auszuleuchten, bedarf es einiger umfassender Überlegungen oder Gesprächen. Aber was wäre es für eine wunderbare Vorstellung, wenn das Buch Eltern und Kinder dazu anregt, miteinander in einen tiefen Dialog einzusteigen…

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die tolle Bebilderung von Sabina Hahn. Diese liefert ein perfektes Match mit Noahs Text. Das Buch ist ein schönes Gesamterlebnis, das zum Nachdenken und Träumen anregt, aber auch und vor allem Empathie fördert.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Augenöffner

Der brennende Garten
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In dem Roman der US-Autorin V. V. Ganeshananthan erzählt diese die Geschichte von Sashi, beginnend im Jahr 2009, Ort: NYC. Sehr schnell aber springen wir ins Jahr 1981, nach Sri Lanka. Und von dort aus ...

In dem Roman der US-Autorin V. V. Ganeshananthan erzählt diese die Geschichte von Sashi, beginnend im Jahr 2009, Ort: NYC. Sehr schnell aber springen wir ins Jahr 1981, nach Sri Lanka. Und von dort aus wird in der ersten Person aus Sicht eben jener Sashi berichtet. Immer wieder wird der Leser einbezogen, indem er direkt angesprochen wird. Diese kleine Technik erzeugt tatsächlich eine größere Nähe zu den Personen, denen man begegnet und v.a. zu Sashi.
Wir finden uns in einer Zeit wieder, als in Sri Lanka alte Fehden zwischen den Tamilen und den Singhalesen immer stärker hochkochten und schließlich in einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg mündeten. Der Leser erlebt die Geschehnisse auf einer Mikroebene, nämlich aus Sicht der tamilischen Familie Sashis. Das sorgt dafür, dass man emotional viel stärker eingebunden wird, als wenn die Autorin harte Fakten in den Vordergrund stellen würde. Der Autorin gelingt es dadurch, auch einem westlichen Leser Zugang in eine Welt zu verschaffen, die man ansonsten eher aus Urlaubsprospekten kennt. Ich habe oft Schwierigkeiten damit, mich in eine Welt voller fremder Namen und Sitten einzufühlen. Ganz anders hier; die Verbindung ist von Anfang an da.
Man erlebt den Konflikt mit all seiner Grausamkeit, wobei Fakten und Fiktion gekonnt miteinander verwoben werden. Ich habe häufig daran gedacht, dass es hier zwar um Sri Lankas Bürgerkrieg geht, letztlich aber auch jeder andere an dessen Stelle stehen könnte. Schaut man aktuell in die Ukraine oder in den Nahen Osten, um nur zwei aktuelle Konflikte zu nennen, so wird das Erlebte nicht wesentlich von dem abweichen, was wir hier lesen können.
Und das ist die größte Leistung, die die US-Autorin hier vollbringt. Sie hebt den Zeigefinger, nimmt den Leser an die Hand und führt ihn in eine Welt, vor der wir am liebsten die Augen verschließen. Aber wie viele Menschen werden hineingeboren in eine zerstörerische Welt, der sie gerne entfliehen würden, es aber nicht können? Und was treibt diejenigen an, die einen solchen Krieg unablässig vorantreiben? Fragen, mit denen man sich unausweichlich beschäftigen muss, wenn man diesen Roman liest.

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