Mit einem tollen und gut durchdachten Konzept für Kinder ab 8 Jahren glänzt dieses Sachbuch mit den Themen KI und Robotics. Ich habe es mit meinem Neffen (9 Jahre) gelesen, der es sofort super-interessiert ...
Mit einem tollen und gut durchdachten Konzept für Kinder ab 8 Jahren glänzt dieses Sachbuch mit den Themen KI und Robotics. Ich habe es mit meinem Neffen (9 Jahre) gelesen, der es sofort super-interessiert zur Hand genommen hat. Ich selbst hatte vor wenigen Wochen eine Tagung mit einem Zukunftsforscher und habe zahlreiche seiner Themen hier wiedererkannt. Das war auch insofern spannend, als ich erkennen konnte, wie gut das Buch recherchiert ist. Tatsächlich habe ich nichts vermisst. Auf je einer Doppelseite wird ein Kapitel behandelt. So bleibt es spannend und bunt, damit zu arbeiten. In welcher Reihenfolge das gemacht wird, ist dabei unerheblich. Die Kids werden sogar dazu animiert thematisch zu springen. Mein Daumen geht deutlich nach oben. Es ist für Kinder gemacht, aber selbst für Erwachsene als Einstieg in die Themenwelt geeignet.
Benjamin Wood erzählt hier die Geschichte von Thomas, einem jungen Mann, der allein mit seiner Mutter lebt und sich als Krabbenfischer im Großbritannien der Sechzigerjahre verdingt. Jeden Morgen fährt ...
Benjamin Wood erzählt hier die Geschichte von Thomas, einem jungen Mann, der allein mit seiner Mutter lebt und sich als Krabbenfischer im Großbritannien der Sechzigerjahre verdingt. Jeden Morgen fährt er mit seinem Pferd heraus an den Strand, um dort sein täglich Brot zu verdienen. Er führt ein einfaches, teils hartes Leben, ist mit wenig zufrieden, hat bescheidene Träume. Es gibt ein Mädchen, die Schwester seines Freundes, die ihn fasziniert. Aber er traut sich nicht, sie anzusprechen. Und er träumt davon, Musiker zu sein, und wenn es nur ein Auftritt auf einer heimischen Bühne mit seiner Gitarre ist. Eines Tages kommt ein Fremder in das Dorf und fragt Thomas, ob er ihm helfen kann, den Strand besser kennen zu lernen, weil er plant dort einen Film zu drehen. Denn der Fremde ist ein Regisseur, ein Freigeist, der seine Kreativität kaum zügeln kann.
Dies ist das Grundgerüst der Novelle von Benjamin Wood, einem 44-jährigen britischen Autor. Man sollte hier keine ausschweifende Handlungsstränge erwarten. Es ist eine einfache, kurze Erzählung, die allerdings einiges aufzubieten hat. Da ist zum einen die Sprache. Bereits auf den ersten Seiten ist man als Leser dazu in der Lage, sich in das Erzählte bestens hineinzuversetzen. Denn das Ganze ist so plastisch geschrieben, dass man die Gerüche und Geräusche der See förmlich erspüren kann. Die Charaktere sind einem von Beginn an nah. Sie sind authentisch und greifbar.
Und da ist die Symbolik der Erzählung. Denn das Auftauchen des fremden Regisseurs wird natürlich Bedeutung erlangen, die Balance im Leben von Thomas aus dem Gleichgewicht bringen. Auch hier darf man nicht eine zu komplexe Handlung erwarten, sondern sollte vielmehr auf das achten, was zwischen den Zeilen stattfindet.
Man findet hier eine Geschichte, die von Träumen, Hoffnung, den Beschränkungen des Lebens, Kreativität, Inspiration und noch viel mehr erzählt. Es geht darum, wie uns unbekannte Menschen in der Lage sind, unserem Leben eine neue Richtung zu geben. Und es geht darum, nicht nur auf den äußeren Schein zu achten, sondern sehr genau hinzusehen. Denn auch das, was uns erstrebenswert scheint, zeigt bei genauem Hinschauen häufig Risse.
Der Autor liefert nicht an jeder Stelle Antworten, regt aber den Leser, trotz der Kürze seiner Novelle vielseitig zum Nachdenken an. Er beeinflusst die Gefühlswelt des Lesers mit einfachen Mitteln. Es ist nicht die Komplexität von Handlung oder Sprache, mit welcher der Autor beeindruckt, sondern die Liebe zu seinen Figuren und die Fähigkeit gefühlvoll und tiefgründig zu schreiben. Deshalb ist dieser Kurzroman eine klare Leseempfehlung. Lässt man sich darauf ein, kann man tatsächlich reich belohnt werden.
Unmittelbar vor Takis Würgers neuem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Fjodr Dostojewskij gelesen zu haben, ist Fluch und Segen zugleich. Denn im Grunde kann nach einem solchen Jahrhundertroman jedes andere ...
Unmittelbar vor Takis Würgers neuem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Fjodr Dostojewskij gelesen zu haben, ist Fluch und Segen zugleich. Denn im Grunde kann nach einem solchen Jahrhundertroman jedes andere Werk daneben nur verblassen. Dazu später mehr. Auf der anderen Seite ist es wohl Schicksal gewesen, dass bereits nach wenigen Seiten der Name dieses großen russischen Autors fiel - und zwar nicht nur einmal. Es stellt sich schnell heraus, dass Würger sein Buch nach einer Figur aus einem Roman Dostojewskijs („Der Spieler“) benannt hat…
Ich musste mich also darauf einlassen, diesem Buch seinen eigenen Raum zu geben. Und das war insofern reicht einfach möglich, als dass es Würger bereits nach wenigen Seiten gelingt, einige zauberhafte Figuren zu erschaffen. Er benötigt dafür weder ausufernde Psychoanalysen noch intensive Erzählstränge. Vielmehr ist er dazu in der Lage, in kurzen Beschreibungen eine intensive Wärme zu erzeugen, die mich als Leser sofort berührt hat. Ich habe mich zu Hannes und Polina unmittelbar hingezogen gefühlt. Aber das gilt ebenso für die Orte, an denen die Erzählung spielt, oder besondere Momente, welche der Autor erschafft. In mir hat das immer wieder eigene Bilder erzeugt, an schöne Erinnerungen, an tiefe Gefühle, an wichtige Personen…
Eine wichtige Bedeutung in dem Roman hat das Klavierspiel. Ich habe beim Lesen zum Teil die dort benannten Stücke im Hintergrund gehört, was eine ganz eigene und besondere Stimmung geschaffen hat. Zudem hatte ich das Glück, in den Tagen, in denen ich „Für Polina“ gelesen habe, ein Klavierkonzert live erleben zu dürfen. Das hat alles in einen fantastischen Zusammenhang gebracht.
Im letzten Drittel des Romans verfällt der Autor zunehmend in konstruierte Muster. Das ist insofern schade, als ich glaube, dass dadurch der Roman nicht so lange nachhallt, wie es möglich gewesen wäre.
Fazit: Ich will insbesondere die Sensibilität hervorheben, mit der Takis Würger seine Charaktere erschaffen hat. Hierin steckt so viel Wärme, dass man als Leser nicht unberührt bleiben kann. Das ging auch mir so. Ich möchte deshalb noch einmal den Dostojewski-„Vergleich“ vom Anfang aufmachen: Manche Musikliebhaber verehren Miles Davis, andere Taylor Swift. Auch wenn Taylor Swift nicht die Tiefe und Intensität eines Miles Davis erreicht, wird sie von Millionen von Menschen geliebt, weil sie Licht in ihren Alltag bringt. Oder wie verhält es sich bei Kaviar und Pizza? Kaviar ist exklusiv, teuer, aber nicht jedermanns Geschmack. Eine einfache Pizza Margherita lässt mehr Herzen höher schlagen, obwohl sie mit einfachsten Zutaten zubereitet ist. Und so ist auch Dostojewski sicher nicht jedermanns Sache. Vielmehr glaube ich, dass ein Roman, wie ihn Takis Würger geschrieben hat, trotz begrenzterer literarischer Mittel eher die Herzen der Leser erreicht. Und so werde auch ich wohl noch einige Zeit an Hannes und Polina zurückdenken
In seinem neuen Buch schreibt John Green, der große Autor von „Eine wie Alaska“, „Margos Spuren“ oder „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, keinen neuen Roman, sondern ein Sachbuch. Es geht dabei um ...
In seinem neuen Buch schreibt John Green, der große Autor von „Eine wie Alaska“, „Margos Spuren“ oder „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, keinen neuen Roman, sondern ein Sachbuch. Es geht dabei um Tuberkulose, die Krankheit, welche wahrscheinlich die meisten Menschenleben, auf unserem Planeten gekostet hat. Und doch ist sie für die meisten von uns eine große Unbekannte…
Der Autor nimmt uns dabei mit auf eine unfassbar spannende Reise. Er verwebt dabei auf höherer Flugebene die Geschichte von Tuberkulose mit harten Fakten, woraus man als Leser tatsächlich eine Menge lernen kann. Und er bindet das Schicksal des jungen Henry aus Sierra Leone mit ein. Damit macht er das Ganze deutlich nahbarer, man bekommt als Leser ein klareres Bild von dem, was die Betroffenen erleiden müssen. Selbst wenn Green im Grunde schonungslos berichtet, wird man dabei nicht heruntergezogen. Das Buch liest sich fast so spannend wie seine Romane. Er kann halt einfach schreiben. Und dadurch, dass er auch in der Lage ist ein Sachbuch lesenswert zu machen, ist er in meinem Ansehen noch höher gestiegen. „Eine wie Alaska“ gehört seit Jahren zu einem meiner Lieblingsromane. Er erzeugte hier so lebendige Figuren, wie es nur wenige schaffen. Und nun gelingt es ihm, eine Krankheit und damit wohl eins der abstraktesten Themen, die man sich für ein Buch vorstellen kann, ebenfalls lebendig darzustellen. Was er dadurch erzeugt, ist nicht nur einzigartig, sondern auch wichtig. Denn er legt vor allem beim Thema soziale Ungerechtigkeit den Finger in die Wunde. Er führt dem Leser deutlich vor Augen, wie unfassbar es ist, das auch heute noch, etwa 70 Jahre, nachdem Tuberkulose erstmals heilbar war, immer noch zahllose Menschen darunter leiden müssen und elendig daran sterben. Das liegt insbesondere daran, dass die Medikamente dort sind, wo sie nicht gebraucht werden, und die Länder, in denen sie gebraucht werden, nicht über das notwendige Geld verfügen.
Fazit: John Green gelingt mit diesem Buch ein einzigartiges Plädoyer gegen die Ungerechtigkeit in unserer Welt. Er schildert die Geschichte einer Krankheit, deren Auswirkungen und die Ungerechtigkeit, die sie bis heute weltweit auslöst, in so lebendiger Sprache und voller interessanter Fakten, dass ich völlig darin versunken bin. Wenn das mal nicht die perfekte Vorbereitung für Thomas Manns „Zauberberg“ ist. 😉 Green lässt es sich natürlich nicht nehmen, diesen Jahrhundertroman an zwei Stellen zu erwähnen. Wie gesagt, das Buch steckt voller spannender Fakten. Und genau das macht es so interessant.