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Veröffentlicht am 11.09.2018

Die Integration

Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec
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Lolek Nemec fälscht völlig unnötigerweise sein Abiturzeugnis – zum zweiten Mal! Diesmal fliegt es auf und Lolek wird dazu verurteilt, als ehrenamtlicher Helfer in einem bayerischen Flüchtlingsheim zu arbeiten. ...

Lolek Nemec fälscht völlig unnötigerweise sein Abiturzeugnis – zum zweiten Mal! Diesmal fliegt es auf und Lolek wird dazu verurteilt, als ehrenamtlicher Helfer in einem bayerischen Flüchtlingsheim zu arbeiten. Schließlich war er auch mal Flüchtling, kennt die Problematik. Da Lolek aber am allerliebsten sich selbst hört, quasselt er alles und jeden in Grund und Boden.

Ja, dies ist ein „Schelmenroman“. Aktuell wie nie und gerade deshalb manchmal vielleicht weniger komisch, als es sein könnte. Man ist schnell hin- und hergerissen. Das liegt nicht nur an den Witzen, die manchmal arg flach und dann wieder frauenfeindlich, hier abgedroschen, da machohaft – aber hin und wieder muss man doch breit grinsen.

Viel von der Wirkung des Textes hängt auch davon ab, in welcher Verfassung man beim Lesen gerade ist. Kaum ein Tag ohne Meldungen in den Medien, die sich um das Thema Flüchtlinge drehen. Integration ist schwerer denn je. Da hat es auch der Nemec schwer. Die recht kurzen Kapitel machen das Buch aber sehr gut lesbar, auch wenn Lolek wirklich zu allem eine Geschichte aus der Heimat einfällt, die man nicht immer gerade wissen wollte.

Ein weiterer Aspekt ist hier aber auch, welche Hürden ein Flüchtling nehmen muss. Die deutsche Bürokratie wird hier eindrucksvoll vorgeführt. Ohne Gesetze keine Ordnung, ganz klar – aber in gewissen Situationen stellt sich doch wirklich die Frage nach dem Sinn. Gleichzeitig wird aber auch schön dargestellt, dass nicht jeder Migrant böse Absichten hat – es aber durchaus auch solche gibt.

Kurz und knapp: man kann viel schmunzeln und/oder lachen, dennoch ist das Buch keine leichte Kost und regt zum Nachdenken an. Es ging mir trotz allem Humor auch unter die Haut. Zeitlos wird es wohl leider immer bleiben. Von mir vier Sterne.

Veröffentlicht am 10.09.2018

Die kleinen und großen Tücken des Erwachsenendaseins

Immer schön die Ballons halten
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Henriette Liebling ist mit allem nicht so ganz zufrieden – Job, Beziehung, Wohnung, Freunde, dem ganzen Leben. Immer wieder grübelt sie so vor sich hin und kommt nie in die Puschen. Das Leben geht weiter ...

Henriette Liebling ist mit allem nicht so ganz zufrieden – Job, Beziehung, Wohnung, Freunde, dem ganzen Leben. Immer wieder grübelt sie so vor sich hin und kommt nie in die Puschen. Das Leben geht weiter und sie steht herum. Doch eines Tages geraten die Dinge ganz langsam in Bewegung …

Es ist immer nett, wenn ein Autor sein Werk selbst liest. Aber hier stört mich das enorm, denn Tobi Katze spricht eine Frau, eben Henriette Liebling. Das jedoch so typisch männlich, dass ich immer wieder darüber gestolpert bin. Außerdem kommt mir „Henriette“ eine Spur zu depressiv vor. Nicht, dass ich das Problem Depression nicht nachvollziehen könnte und auch weiß ich, dass Tobi Katze unter Depressionen leidet. Nur kommt mir hier zu viel davon rüber und zu wenig „Galgenhumor“ oder Ironie, zu wenig Motivation, zu wenig Selbsthilfe. Der Auftrieb kommt mir persönlich einfach deutlich zu spät – nämlich eigentlich erst ganz am Ende. Möglicherweise wäre das bei einer weiblichen Sprecherin anders transportiert worden. Aber ganz extrem stört mich, dass Tobi Katze die männlichen Parts gern so vorliest, als seien das Frauen und Henriette besonders tief und männlich. Das bringt mich total aus der Spur.

„Frag doch mal Dich, statt irgendwen.“ Eine wunderbare Aussage. Wie so vieles, das der Autor gekonnt anspricht. Ob es nun ist, unsinnigerweise Gegenstände mit Gefühlen zu belegen (an der roten, röchelnden Kaffeemaschine hängen) oder das Telefonat mit dem Verlag oder die Erlebnisse auf dem Arbeitsamt – ja, da wird deutlich gezeigt, wie unschön das Leben sein kann, wie gewisse Positionen ausgenutzt werden und wie auch mal Machtspielchen gespielt werden. Dass aber auch diese Momente irgendwann vorbei sind und/oder witzige Momente oder Aspekte haben, klingt nur ganz ganz leise an. Aber dass man aus Zitronen, die einem das Leben schenkt, nicht zwangsläufig Limonade machen muss, sondern sie auch verschenken und sich Orangen besorgen kann, das ist eine wunderbare Aussage.

Obwohl die verschwurbelten Satzkonstrukte wirklich klasse sind und ihren ganz eigenen Witz haben, steckt ganz viel Depression in diesem Hörbuch. Das zieht runter, das beschwert – dabei würden viele der wunderbaren Wortspiele sich genial dazu eignen, lauthals rauszulachen. Doch die Stimmung ist arg düster. Das ist schade.

Ein Hörbuch, das zwar nicht schlecht ist, aber einfach nicht in meine Bestenliste gehört. Mehr als „gut“ kann ich nicht geben, deshalb drei Sterne.

Veröffentlicht am 10.09.2018

Die Geheimnisse der Long Woods

Arlo Finch (1). Im Tal des Feuers
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Im Leben von Arlo Finch läuft einiges nicht so, wie sich ein Kind das wünscht. Deshalb muss er auch viel zu oft umziehen. Diesmal verschlägt es ihn, seine Schwester und die Mutter ins Elternhaus seiner ...

Im Leben von Arlo Finch läuft einiges nicht so, wie sich ein Kind das wünscht. Deshalb muss er auch viel zu oft umziehen. Diesmal verschlägt es ihn, seine Schwester und die Mutter ins Elternhaus seiner Mutter nach Pine Mountain. Doch was für ein Schreck – das Haus sieht aus, wie eine Bretterbude, sein Onkel Wade ist ein unheimlicher Tierpräparator und gleich zu Anfang begegnet ihm ein Geisterhund. Wie soll das nur weitergehen? Zum Glück gibt es die Ranger, bei denen er in Indra und Henry Wu Freunde findet. Gemeinsam erleben sie unglaubliche Abenteuer …

Auch wenn ich längst aus dem Zielgruppenalter heraus bin, lasse ich mich gerne auf gute Kinder- und Jugendbücher ein. Und obwohl ich um Harry Potter einen großen Bogen gemacht habe, weiß ich, dass Harry, Hermine und Ron stets zusammenhalten und gemeinsam durch die ganze Buchreihe zaubern. Nun, John August hat sich das Grundgerüst dieser Reihe zunutze gemacht. Bei ihm sind es Arlo, Indra und Wu, die sich von allen anderen unterscheiden und gemeinsam eine Einheit bilden. Dennoch ist dieses Buch kein billiger Abklatsch. Im Gegenteil. Mir gefällt, dass es zwar Magie und andere Welten gibt, diese aber quasi in die reale Welt eingewebt sind, es Übergänge gibt. Im Großen und Ganzen geht es um reale Ereignisse, die jedes Kind erleben kann. Die übersinnlichen Szenen sind wunderbar ausgearbeitet und gefallen mir sehr. Dass nur manche der Kids diese erleben und davon wissen, ist eine schöne Idee.

Die einzelnen Charaktere gefallen mir sehr. Zwar sind auch hier Parallelen zu denen bei Harry Potter nicht von der Hand zu weisen, dennoch bleibe ich dabei: John August hat hier ein wunderbares Buch geschaffen, auf dessen Fortsetzungen man sich ruhig freuen darf. Nur schade, dass Band zwei erst im Herbst 2019 erscheint. So lange warten!

Der Aufbau der Spannung, das Wachsen der Freundschaften, der Zusammenhalt, aber auch die Auseinandersetzungen hat John August sehr schön geschildert. Kleine Geheimnisse bleiben weiter offen, ohne dem Buch den Touch eines offenen Endes zu geben. Die Geschichte an sich ist erzählt, aber es bleiben genug Fädchen übrig, an die künftige Bände anschließen können. Das sind keine echten Cliffhanger, doch stark genug, um die Vorfreude zu schüren. Sicher wird in einem der nächsten Bände Arlos Schwester Jaycee mehr in den Fokus rücken. In diesem ersten Band taucht sie nur am Rande auf, ist aber eine typische pubertierende Teenagerin. Auch was genau es mit seinem Vater in China auf sich hat, dürfte künftig genauer erklärt werden. Man darf gespannt sein!

Ganz ohne erhobenen moralischen Zeigefinger erzählt der Autor von Zusammenhalt, Teamgeist, Freundschaft und Familie. Aber auch davon, dass man über manche Dinge reden muss, andere aber besser für sich (oder in der Familie bzw. dem allerengsten Freundeskreis) behält.

Sehr gut gefallen mir auch die Illustrationen. Obwohl (oder gerade weil) sie schwarz-weiß gehalten sind, regen sie die Fantasie beim Lesen an. Sie unterstützen die Geschichte, ohne das Kopfkino allzu stark zu beeinflussen. Auch das Cover ist toll gestaltet. Nach dem Lesen sieht man das eine oder andere Detail dann mit anderen Augen. Haptisch ist es ebenfalls ein Genuss.

Alles zusammen ergibt ein Buch, das sicher viele Fans finden wird. Verdient hat es das! Rundum gelungen, nicht zu brutal, aber auch nicht unspannend, weiß es die Leser in das Abenteuer mitzunehmen. Von mir gibt es dafür die vollen fünf Sterne!

Veröffentlicht am 08.09.2018

Einmal Camper, immer Camper

Der Tod kommt mit dem Wohnmobil
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Sofias Mann hat sie betrogen. Sie flüchtet auf den Campingplatz, den sie von ihrer Nonna geerbt hat. Dort überrollen sie die Ereignisse: Nicht nur sind die Camper ein wirklich ausgefallener Menschenschlag, ...

Sofias Mann hat sie betrogen. Sie flüchtet auf den Campingplatz, den sie von ihrer Nonna geerbt hat. Dort überrollen sie die Ereignisse: Nicht nur sind die Camper ein wirklich ausgefallener Menschenschlag, nein, es liegt auch noch eine Leiche im Wohnwagen von Evelyn! Während Sofias Ex sie mit Mails und Nachrichten zuschüttet, macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder …

Dieser kurze Krimi ist witzig und flott geschrieben. Die Charaktere sind wirklich urig – aber das sagt man von den Campern ja sowieso gern. Ist der Krimi also klischeehaft? Nein, das finde ich nun nicht. Gerade Sofia ist eine patente, wenn auch total überforderte junge Frau. Klar, privat gerade der Mega-Gau, noch dazu ist sie mit ihrem Mann beruflich verbunden. Dann der Tod der geliebten Großmutter, Gewissensbisse, Abzocker, Mörder, überdrehte Menschen, schnuckelige Polizisten und fesche Einheimische, damit muss man erst einmal klarkommen. Evelyn ist ein flotter Feger, lebt ihr Leben absolut unkonventionell und schert sich nicht um Vorurteile oder Gerüchte.

Die Camper sind bunt und so individuell, wie auch eine recht eingeschworene und eingespielte Gemeinschaft. Beim Lesen hat man schnell das Gefühl, sie alle zu kennen. Und auch wenn das eine oder andere Detail völlig unlogisch und vor allem nicht sehr realitätsnah ist, macht es doch Spaß, den Krimi zu lesen. Der Stil ist flott und eingängig und dass am Ende noch die eine oder andere Frage offen bleibt beziehungsweise ein paar lose Fäden übrig sind, ist bei einem Serienauftakt nicht verwunderlich.

Das Buch ist ein „Dranbleiber“ – ein relativ kurzer Krimi, den man schnell weglesen kann und der Lust auf den nächsten Band macht. Quasi die Soap zum Lesen. Nicht schlecht, die Idee! Man hat rasch ein Erfolgserlebnis (Buch beendet) und auch wer wenig Zeit hat, kann diese Bücher gut lesen. Nicht hoch anspruchsvoll, aber unterhaltsam. Genau das gefällt mir. Das macht dann in Konsequenz auch die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 06.09.2018

Die gewaltigste Waffe aller Zeiten

Sturm
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Überall auf der Welt spielt das Wetter extrem verrückt. Lässt sich das noch mit dem Klimawandel erklären? Oder steckt mehr dahinter? Wenn ja – wie kann diese Waffe gestoppt werden?

UweLaub packt hier ...

Überall auf der Welt spielt das Wetter extrem verrückt. Lässt sich das noch mit dem Klimawandel erklären? Oder steckt mehr dahinter? Wenn ja – wie kann diese Waffe gestoppt werden?

UweLaub packt hier ein Thema an, das utopisch scheint, aber wohl doch realistischer sein könnte, als es uns recht sein kann.

Gerade nach einem so heißen, trockenen Sommer, den extremen Wetterschwankungen der letzten Jahre, der sintflutartigen Regenfälle, der riesigen Hagelkörner, der immer werdenden Stürme weiß dieser Thriller zu ängstigen und zu erschrecken. Aber auch nachdenklich zu machen. Nach all den Entwicklungen von Waffen ist es meiner Meinung nach nicht so abwegig, auch das Wetter als Waffe einzusetzen. Inwieweit es jemand schaffen kann, es so zu manipulieren, dass es gezielt eingesetzt werden kann, möchte ich eigentlich gar nicht so genau wissen. Umso schockierender, bewegender, verängstigender eben dieses Buch.

Stellenweise liest sich das Buch ein wenig steif, fast hölzern. Da fließen die Sätze nicht flüssig dahin, sondern sie wirken konstruiert, überkorrekt, überschliffen. Dennoch fesselt die Story selbst den Leser und sorgt für unruhige, wenn nicht gar schlaflose Nächte.

Die Kapitel sind zumeist recht kurz, sodass man versucht ist, doch noch eins mehr zu lesen und noch eins und noch eins. Oder für Wenigleser täglich ein Kapitel (dann liest man aber zwei Monate), denn das schafft man auf alle Fälle weg. Das mag jetzt gemein klingen, ist aber gar nicht so gemeint. Ich mag es sehr, wenn die Kapitel übersichtlich sind und man nicht mittendrin aufhören muss zu lesen (eben weil wenig Zeit o.ä.). Außerdem steigert dies das Tempo eines Buches.

Inwieweit der Konflikt China – USA (der zwangsläufig den Rest der Welt bedroht) eine Anspielung ist, sei dahingestellt. Fakt ist, dass das Buch zu denken gibt (auch wenn ein paar Ungereimtheiten darin zu finden sind, doch kann ich damit sehr gut leben). „Wissenschaftsthriller“ sind immer etwas anders zu lesen, muss man mögen, man muss sich darauf einlassen können.

Summa summarum hat mich das Buch überzeugt, nur bin ich eben manchmal über den Stil gestolpert. Deshalb gebe ich vier Sterne.