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Veröffentlicht am 02.05.2026

Nadim und die Frauen seines Lebens

Das Mosaik der Frauen
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Der deutsch-syrische Autor Rafik Schami, der 1970 aus Syrien floh und 1971 nach Deutschland kam, widmet sich in seinen Büchern neben dem Leben von Migranten in Deutschland auch intensiv der Darstellung ...

Der deutsch-syrische Autor Rafik Schami, der 1970 aus Syrien floh und 1971 nach Deutschland kam, widmet sich in seinen Büchern neben dem Leben von Migranten in Deutschland auch intensiv der Darstellung der arabischen und syrischen Welt in der Vergangenheit und Gegenwart.

Im ersten Teil von "Das Mosaik der Frauen" lernen wir Said Mardini kennen, der 1971 als Student der Literatur und Philosophie von Syrien nach Deutschland flieht, weil er wegen einer Rede gegen die Diktatur festgenommen werden sollte. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet er in vielen Aushilfsjobs. Dabei lernt er die deutsche Sprache und besteht nach nur einem Jahr die Sprachprüfung mit Bestnoten. Nach Abschluss seines Studiums wird er Simultandolmetscher. Er verdient sehr gut und beginnt, seine eigenen Gedichte, Romane und Kurzgeschichten ins Deutsche zu übersetzen. Die Verlage sind an seinen Werken nicht interessiert, Jahre später verlegt ein Berliner Verlag einige seiner Bücher für arabisch Lesende. Die Jahre vergehen, wir schreiben mittlerweile das Jahr 2016, Said ist mit einer Lehrerin verheiratet und lebt in Mannheim. Ein Freund aus Studententagen, der mittlerweile Chef einer Klinik in Heidelberg ist, meldet sich bei ihm wegen eines Patienten, der schwer herzkrank ist und nicht mehr lange leben wird. Er heißt Nadim Suri, stammt wie Said aus Syrien und kennt dessen Bücher seit 20 Jahren. Sein Wunsch ist es, Said seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Im zweiten Teil des Buches lässt der Ich-Erzähler Nadim Suri, dessen Herzschwäche sich durch den Tod seiner Frau verstärkt hat, sein Leben Revue passieren. Der wohlhabende Geschäftsmann, der eine große Dolmetscher- und Übersetzerfirma besaß, floh vor über 45 Jahren von Damaskus nach Deutschland.
An 10 Tagen erzählt Nadim aus seinem Leben und stellt dabei die Frauen, die ihn prägten, in den Fokus. Die erste wichtige Frau ist seine Mutter Elisabeth, die von seinem Vater Monalisa genannt wird. Sie war 8 Jahre alt, als sie mit ihrer Familie vor dem Naziregime in Deutschland nach Damaskus floh. Sie heiratete einen Arzt, und 1945 wurde Nadim geboren. Seine Eltern gehen sehr respektvoll miteinander um, er hat keine Angst vor ihnen, sie sind ihm Freunde und Berater. Er beginnt, sich für Literatur zu interessieren und engagiert sich politisch ...

Nadim widmet seine Lebensgeschichte zwar den Frauen seines Lebens, schweift aber immer wieder ab und erzählt von Personen, die für die Handlung keine nennenswerte Bedeutung haben. Es ist typisch für Rafik Schami, dass sich innerhalb seiner Rahmenhandlungen eine Serie von Episoden entfaltet. Diese Ausflüge in andere Lebensläufe fand ich mal mehr, mal weniger interessant, die Geschichten über die wichtigsten Frauen in Nadims Leben interessierten und fesselten mich deutlich mehr.

Die Geschichte ist im Stil orientalischer Erzählkunst mit viel Herz und auch feinem Humor erzählt und liest sich flüssig. Die interessanten Charaktere sind mit viel Empathie und authentisch skizziert. Der Autor, der sich seit vielen Jahren für die Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis einsetzt, verknüpft jedes Kapitel mit den politischen Ereignissen und kritisiert jegliche Art von religiösem Fanatismus. Er gewährt uns nicht nur interessante Einblicke in die orientalischen Lebens- und Gedankenwelten, sondern beschreibt auch die Wirkung deutscher Verhaltensweisen auf die Geflüchteten.  

Das Buch, in dem es neben Liebe und Verlust auch um Politik und Kultur, Migration und Religion geht, hat mir sehr gut gefallen, obwohl die häufigen Abschweifungen in Nadims Lebensgeschichte meinen Lesefluss etwas bremsten.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Lesenswertes Debüt über ein wichtiges Thema

Hazel sagt Nein
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Im Debütroman "Hazel sagt nein" der amerikanischen Autorin Jessica Berger Gross steht die 18-jährige Schülerin Hazel Blum im Mittelpunkt, die gerade mit ihren Eltern Claire und Gus sowie ihrem 11-jährigen ...

Im Debütroman "Hazel sagt nein" der amerikanischen Autorin Jessica Berger Gross steht die 18-jährige Schülerin Hazel Blum im Mittelpunkt, die gerade mit ihren Eltern Claire und Gus sowie ihrem 11-jährigen Bruder Wolf von New York nach Riverburg, einer ruhigen Kleinstadt in Maine, gezogen ist. Gus hat dort eine Professur angetreten, Claire ist studierte Modedesignerin und arbeitet an einer eigenen Kollektion. 
An ihrem ersten Schultag des letzten Schuljahrs an der Highschool wird Hazel zu Richard White gerufen, dem Direktor der Schule. Er eröffnet ihr, dass er sich in jedem Jahr eine Schülerin aussucht, mit der er eine sexuelle Beziehung hat. In diesem Jahr fällt seine Wahl auf Hazel, und er verspricht ihr, als Gegenleistung dafür zu sorgen, dass sie den ersehnten Studienplatz an ihrem Wunschcollege Vassar bekommt. Doch Hazel ist die Erste, die es wagt, ihn abzuweisen, nicht ahnend, welche Kette von Ereignissen dieses Nein in Gang setzen wird.
 
Die Geschichte ist in klarer Sprache abwechselnd aus der Sicht von Hazel, Wolf, Claire und Gus erzählt und liest sich sehr flüssig. Die Erzählweise hat mir gut gefallen, sie ermöglichte es mir, in die Gefühls- und Gedankenwelt der einzelnen Familienmitglieder zu blicken. Sie alle werden nun mit den Konsequenzen von Hazels Nein konfrontiert und müssen versuchen, damit zu leben. Es bleibt nicht aus, dass der ungeheuerliche Vorfall und Hazels Identität bald bekannt werden. Für sie und ihre Familie kommt es zu Schikanen und Anfeindungen, während Richard White zwar vom Dienst suspendiert wird, die Vorwürfe jedoch bestreitet. Er behauptet sogar, dass Hazel sich ihm gegenüber unangemessen verhalten habe. 

Bis zu der Stelle, als Hazels Aufsatz veröffentlicht wird, habe ich das fesselnde Buch gern gelesen. Die Handlung driftete leider ins Unrealistische ab, ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine 18-jährige Schülerin aufgrund eines Aufsatzes nun quasi als Star am Literaturhimmel gefeiert und gedrängt wird, ein Buch zu schreiben, das nach seinem Erscheinen vielleicht sogar verfilmt wird. Dieser ganze Medienrummel nimmt sehr viel Raum ein, ich fand ihn übertrieben und unrealistisch, und es wurde mir damit schon bald zu viel.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, und ich fand es interessant, Hazels Entwicklung zur selbstbewussten jungen Frau, die nun weiß, was sie will, zu verfolgen. Meine Lieblingsfigur war ihr Bruder Wolf, der ADHS hat und wegen des Vorfalls die ersehnte Hauptrolle in einer Theateraufführung der Schule verliert. Allerdings fand ich ihn nicht altersgerecht dargestellt, ich kenne keinen Elfjährigen, der sich so verhält und spricht wie Wolf. 

Trotz meiner Kritikpunkte finde ich das Debüt der Autorin, in dem es neben Machtmissbrauch auch um Mobbing, Ausgrenzung und Antisemitismus geht, durchaus lesenswert.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Beeindruckendes und mitreißendes Buch über eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela

Nach Santiago wollte ich nie
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In ihrem Buch "Nach Santiago wollte ich nie" beschreibt die Journalistin und Kommunikationstrainerin Cornelia Koch ihre abenteuerliche Wanderung nach Santiago de Compostela, die sie während eines Zeitraums ...

In ihrem Buch "Nach Santiago wollte ich nie" beschreibt die Journalistin und Kommunikationstrainerin Cornelia Koch ihre abenteuerliche Wanderung nach Santiago de Compostela, die sie während eines Zeitraums von etwas über 5 Monaten durch Deutschland, Frankreich und Spanien führte.

Die in Potsdam lebende Cornelia beschließt nach einer durch den Tod zweier ihr nahestehender Personen ausgelösten Sinn- und Lebenskrise, den Jakobsweg zu gehen. Ihr Arbeitgeber bewilligt ihr ein sechsmonatiges Sabbatical, ihre Freundin Kerstin unterstützt sie tatkräftig bei der Auswahl ihrer Outdoor-Ausrüstung und wird sie die ersten 14 Tage begleiten. Der Plan ist, Cousinen und Freunde zu besuchen und ab Osnabrück auf dem Jakobsweg zu bleiben. Den ersten Pilgerstempel hat sie sich bereits am Vortag in der nahe gelegenen Kirche geholt, und am 29. April 2023 geht es mit einem 9 kg schweren Rucksack los. Gleich der erste Tag ist eine Herausforderung für Cornelia: ihre Knie schmerzen, in der Nacht kommt sie in ihrem Zelt kaum zur Ruhe, weil sie friert. Doch sie beißt die Zähne zusammen, denkt nicht ans Aufgeben. Ihr Körper gewöhnt sich langsam an die Strapazen. In Hameln trennen sich die Wege der beiden Frauen, Cornelia geht nun allein weiter. Nach 7 Wochen und Besuchen bei Verwandten und Freunden lässt sie Deutschland hinter sich. Nun ist sie keine Wanderin mehr, nun ist sie Pilgerin. In Frankreich wird sie 1600 km auf dem Jakobsweg unterwegs sein, ehe sie am 6. September spanischen Boden betritt.

Das Buch ist in schöner Sprache mit viel Wärme und feinem Humor geschrieben, es hat mich begeistert, gefesselt und fasziniert. Die Autorin beschreibt ihre herausfordernde und nicht immer ungefährliche Pilgerreise so spannend und lebhaft, dass ich oft das Gefühl hatte, dabei zu sein. Sie legt in gut 5 Monaten insgesamt 3348 Kilometer zurück, bei teils extremen Temperaturen, bei Regen und Wind. Manchmal hat sie nicht genügend Wasser, oft ist sie hungrig oder sucht verzweifelt einen Platz zum Schlafen. Immer wieder stößt sie an ihre physischen und psychischen Grenzen. Gespräche mit anderen Pilgern sowie das Treffen mit ihrem Sohn Frederic in Frankreich geben ihr Kraft.

Auf ihrer Wanderung reflektiert Cornelia ihr Leben und lässt uns dabei tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt blicken. Offen schildert sie die Strapazen der Reise und berichtet von ihren Besichtigungen historischer Stätten und zahlreichen inspirierenden Begegnungen. Sie findet Unterkünfte in Pilgerherbergen, privaten Haushalten, Klöstern und kleinen Pensionen. Während ihrer Pilgerreise hat sie viel Zeit zum Nachdenken. Sie hat den Tod ihrer Schwester und den ihrer besten Freundin noch nicht verarbeitet, eine gescheiterte Liebesbeziehung belastet und beschäftigt sie immer noch. Außerdem will sie sich über ihre berufliche Zukunft klar werden. Sie hat viele Fragen, und im Laufe ihrer Reise findet sie Antworten.

Ich habe Cornelias Mut und Ausdauer bewundert, mit denen sie die einzelnen Etappen und auftretende Probleme bewältigt hat. Als sie am 5. Oktober ihr Ziel erreicht und an der Kathedrale von Santiago de Compostela ankommt, habe ich mich mit ihr gefreut.

In der Mitte der sehr schön und hochwertig gestalteten Paperbackausgabe finden wir auf 8 Seiten zahlreiche Farbfotos, die einige Stationen von Cornelias Pilgerreise dokumentieren. Die eingezeichneten Karten fand ich sehr hilfreich, sie ermöglichten es mir, die Route genau zu verfolgen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die Autorin im Altenberger Dom war und anschließend die Kirche meines Wohnviertels besichtigt hat, die nach einem Entwurf des bekannten Architekten Gottfried Böhm errichtet wurde.

Es hat mir sehr viel Freude bereitet, Cornelia auf ihrer spannenden Wanderung zu begleiten, und ich kann mir vorstellen, dass ihr unterhaltsamer und interessanter Bericht viele Menschen dazu motivieren wird, den Jakobsweg zu gehen.

Absolute Leseempfehlung für dieses großartige Buch einer starken Frau, die über Grenzen geht!

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Liebevoll gestaltetes Comic über den kleinen Raben Socke und seine Freunde

Der kleine Rabe Socke: Alles wieder beste Freunde!
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Die bekannte Kinderbuchautorin Nele Moost hat bereits mehrere Bücher über den kleinen Raben Socke geschrieben. Mit "Der kleine Rabe Socke - Alles wieder beste Freunde" hat sie nun das erste Comic mit dem ...

Die bekannte Kinderbuchautorin Nele Moost hat bereits mehrere Bücher über den kleinen Raben Socke geschrieben. Mit "Der kleine Rabe Socke - Alles wieder beste Freunde" hat sie nun das erste Comic mit dem pfiffigen Raben veröffentlicht.

Socke freut sich über die vielen Schätze, die er auf dem Weg vom Baden nach Hause gefunden hat. Ein Hut, eine Tasche, ein Schirm und vieles mehr, alles nimmt er mit. Zuhause angekommen, braucht er Hilfe von seinen Freunden. Sie sollen ihn dabei unterstützen, die Fundstücke in sein Baumhaus zu schaffen. Wolle, Eddi-Bär, Frau Dachs, der kleine Dachs, Löffel, Eichhörnchen, Stulle, Wolf, Fuchs und Maulwurf eilen zu ihm und helfen ihm beim Ein- und Aufräumen. Anschließend machen sie sich ein bisschen lustig über Sockes Unordnung und Sammelfreude. Socke ärgert sich und gerät mit Löffel in Streit. Er überlegt, wie er den Hasen am besten ärgern kann ...

Das wunderschön und sehr hochwertig gestaltete Kindercomic umfasst 64 Seiten und richtet sich an Kinder zwischen 5 und 10 Jahren. Für die Jüngsten ist es ein Vorlesebuch, Leseanfänger werden dazu motiviert, das Buch eigenständig zu lesen. Die Texte sind altersgerecht und gut verständlich. Eine Ausnahme stellte für mich allerdings das Wort "Dunkeltute" dar, hier musste mir das Internet weiterhelfen. Die zauberhaften und detailreichen Illustrationen von Annet Rudolph sind durchgehend farbenfroh und ergänzen Nele Moosts Texte ganz hervorragend.

Viele Kinder kennen bereits den kleinen Raben Socke und haben ihn in ihr Herz geschlossen. Sie werden von der Comic-Version mit den vielen Sprechblasen begeistert sein. Die warmherzige Geschichte mit den Schwerpunkten Freundschaft, Streit und Versöhnung ist durch ihre große Schrift sehr gut lesbar, sie ist lustig und ernst, und sie wird den kleinen Lesern ganz bestimmt Lust auf neue Comicbände aus der Reihe machen!

Absolute Vorlese- und Leseempfehlung für dieses unterhaltsame Kinderbuch!

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Komödiantischer Wohlfühlroman

Mirabellentage
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Vor 2 Jahren habe ich Martina Bogdahns Debüt "Mühlensommer" gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Ich freute mich daher auf ihren neuen Roman "Mirabellentage" und hatte hohe Erwartungen - doch glücklich ...

Vor 2 Jahren habe ich Martina Bogdahns Debüt "Mühlensommer" gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Ich freute mich daher auf ihren neuen Roman "Mirabellentage" und hatte hohe Erwartungen - doch glücklich geworden bin ich mit dem Buch leider nicht.

Der Roman spielt in dem kleinen bayerischen Dorf Blumfeld. Im Mittelpunkt steht die 54-jährige Anna Nass, die seit vielen Jahren als Haushälterin für den Ortspfarrer Josef Heubeck arbeitet. Nun ist dieser mit 57 Jahren ganz plötzlich verstorben, und für Anna, die bereits seit ihrer Kindheit mit Josef befreundet war, bricht eine Welt zusammen. Sie muss seine Beerdigung auf dem örtlichen Friedhof organisieren, obwohl Josef schon vor Jahren den Wunsch geäußert hatte, dass er entgegen der dörflichen Tradition, die eine Erdbestattung von Geistlichen vorsieht, eingeäschert werden möchte. Seine Asche soll anschließend im Meer verstreut werden. Anna möchte ihm seinen Wunsch erfüllen, und gemeinsam mit dem Bestatter findet sie eine Lösung. Josefs Leichnam wird nicht in dem Sarg liegen, der beigesetzt wird, wunschgemäß wird er eingeäschert. Inzwischen ist sein Nachfolger, der frisch zum Priester geweihte Fridtjof Nissen, ins Pfarrhaus eingezogen, und es gibt viel zu tun für Anna. Sie überlegt nun, wie sie es schafft, mit Josefs Asche ans Meer zu kommen ...

Die Geschichte ist in schöner Sprache erzählt und liest sich sehr flüssig. Wir begleiten Anna im Hier und Jetzt, folgen aber im größten Teil des Buches ihren Erinnerungen. Die Gegenwartshandlung schreitet langsam voran und wird immer wieder unterbrochen durch Annas Erinnerungen und komödiantische Episoden über Dorfbewohner, die für die Handlung von keiner oder nur geringer Bedeutung sind. So geht es u.a. um eine Kneipptour, die die männlichen Dorfbewohner für eine Kneipentour halten, einen besonderen Friseurbesuch, ein frisiertes Mofa, ein Minestrone-Rezept für den Gottesdienst und Josefs misslungene Feier zum 50. Geburtstag. Diese Beiträge sind größtenteils total überzogen, albern und slapstickhaft, sie nervten mich irgendwann nur noch. Das Finale wird dann leider viel zu schnell abgehandelt.

Ich mochte die Ich-Erzählerin Anna, die ein schweres Leben hatte, ehe Josef ihr die Stelle als Haushälterin im Pfarrhaus anbot. Sie ist die gute Seele des Dorfes und unterstützt nun den neuen Pfarrer tatkräftig. Die Kapitel über Annas und Josefs Kindheit, die Schicksale ihrer Eltern und die tiefgründigen Gespräche mit Frau Schuster, einer Dorfbewohnerin, haben mich sehr berührt. Auch die Geschichte über den Ursprung der schönen Tradition im Pfarrhaus, allen Besuchern zum Abschied ein Glas Mirabellenmarmelade zu schenken, hat mir gut gefallen. 

Insgesamt hat mir der Vorgängerroman deutlich besser gefallen, es dominierten in "Mühlensommer" zwar auch die Episoden aus der Vergangenheit, aber der Humor war ein ganz anderer, nicht so platt und überzogen wie in "Mirabellentage". Obwohl es im aktuellen Buch auch schöne und berührende Momente gibt und Gespräche mit Tiefgang, hat es mich nicht begeistern können. Der Humor ist nicht meiner, und aufgrund des Klappentextes hatte ich mehr erwartet als einen komödiantischen Wohlfühlroman.

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