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Veröffentlicht am 21.03.2026

Intelligenter Beziehungsroman

Die beste aller Beziehungen
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Die schwedische Autorin und Literaturkritikerin Gun-Britt Sundström wurde mit ihrem Roman "Maken" bereits 1976 bekannt, die deutsche Übersetzung wurde 1978 unter dem Titel "Die andere Hälfte. Ein Verhältnis-Roman" ...

Die schwedische Autorin und Literaturkritikerin Gun-Britt Sundström wurde mit ihrem Roman "Maken" bereits 1976 bekannt, die deutsche Übersetzung wurde 1978 unter dem Titel "Die andere Hälfte. Ein Verhältnis-Roman" veröffentlicht. Nun wurde das Buch, nach genau 50 Jahren, von Nina Hoyer neu ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel "Die beste aller Beziehungen" vom Insel Verlag veröffentlicht.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Martina und Gustav, die sich im Stockholm der siebziger Jahre kennenlernen und ineinander verlieben. Beide sind um die 20, Martina studiert Anglistik, Gustav Philosophie. Anfangs scheint alles perfekt, sie sind gern zusammen, sprechen dieselbe Sprache und interessieren sich für Politik und Literatur. Gustav möchte mit Martina zusammenziehen und heiraten, während die junge Frau ihre Freiheit schätzt und nicht ständig mit ihrem Freund zusammen sein möchte. Gustavs Wunsch nach häufigen Intimitäten vermag sie nicht zu teilen, und so bleibt es nicht aus, dass Gustav ihr untreu wird.

Das Buch ist in der Ich-Form aus Martinas Sicht in intelligenter Sprache mit viel Humor erzählt und liest sich sehr flüssig. Auf 639 Seiten lernen wir das junge Paar über einen Zeitraum von etwa 7 Jahren intensiv kennen. Früh ist ersichtlich, dass Gustav für Martina tiefere Gefühle hegt als umgekehrt. Sie fühlt sich von ihm bedrängt, die Lösung scheint in einer offenen Beziehung zu legen. Trotz der einander gewährten Freiheiten sind beide eifersüchtig, und es kommt wiederholt zu Trennungen, die sie als "Scheidungen" bezeichnen. Immer wieder versöhnen sie sich und finden wieder zueinander.

Der Roman hat mir sehr gut gefallen, er spiegelt zwar den Zeitgeist der siebziger Jahre, dennoch sind seine zentralen Themen Liebe und Freiheit heute so aktuell wie vor 50 Jahren. Die Figuren sind authentisch gezeichnet, die Autorin lässt uns tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten blicken, die eine turbulente Beziehung mit Höhen und Tiefen führen. Ich mochte Martina und Gustav und konnte ihre Schwierigkeiten sehr gut nachvollziehen, fand jedoch die ständigen, sich wiederholenden Diskussionen über ihre komplizierte Beziehung  - besonders im Mittelteil des Buches - etwas ermüdend.

Leseempfehlung für diesen zeitlosen Roman, der mich bis zu seinem für mich sehr stimmigen Ende gut unterhalten hat!

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Berührender feministischer Roman

Das Tränenhaus. Roman
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Seit 2024 legt der Reclam Verlag in seiner Reihe "Reclams Klassikerinnen" Werke bedeutender und oft vergessener Autorinnen neu auf. Diese überarbeiteten Neuauflagen sind auch optisch so schön und modern ...

Seit 2024 legt der Reclam Verlag in seiner Reihe "Reclams Klassikerinnen" Werke bedeutender und oft vergessener Autorinnen neu auf. Diese überarbeiteten Neuauflagen sind auch optisch so schön und modern gestaltet, dass sie in jeder Buchhandlung Beachtung finden und mancher Leser sich beim Lesen des Klappentextes wundert, dass es sich um wiederentdeckte Werke handelt.

Gabriele Reuter war bekannt als Autorin realistischer und sozialkritischer Romane, ihr größter Erfolg war das 1895 erschienene Buch "Aus guter Familie". 1908 veröffentlichte sie ihren Roman "Das Tränenhaus", in dem sie die damalige Doppelmoral in der Gesellschaft beschrieb und damit einen Skandal auslöste.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Autorin Cornelie Reimann, die ledig ist und ein Kind erwartet. Sie ist von zuhause geflohen und hat sich ein Zimmer in einem einfachen Wirtshaus genommen, um dort in Ruhe ihr Buch fertigzustellen. Die Tantiemen sollen die Versorgung ihres Kindes sicherstellen, da sie damit rechnet, die Geburt nicht zu überleben. Bald zieht sie in ein Frauenheim um, das von Frau Uffenbacher, einer resoluten Hebamme, geführt wird. Sie bietet ledigen Frauen einen Zufluchtsort, um ihre unehelichen Kinder fernab von ihren Familien zur Welt zu bringen. Cornelie zieht sich zu Beginn ihres Aufenthaltes auf ihr Zimmer zurück. Als sie erkennt, dass die übrigen Bewohnerinnen des Geburtshauses von Frau Uffenbacher schlecht behandelt werden, ergreift sie Partei für die Frauen und schließt Freundschaft mit ihnen.

Die Autorin erzählt die berührende Geschichte, in der es um ungewollte Mutterschaft und die harten Lebensbedingungen der betroffenen Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts geht, in der Sprache der damaligen Zeit. Viele Dialoge sind im schwäbischen Dialekt verfasst, was meinen Lesefluss anfangs etwas bremste. Die Charakterzeichnung ist Gabriele Reuter hervorragend gelungen, ich konnte mich gut in die einzelnen Frauen hineinversetzen, die in ihrer Not und aus Angst vor der Schande Zuflucht in der Anonymität eines Geburtshauses suchten. Es war spannend, Cornelies Entwicklung und die ihrer Mitbewohnerinnen zu verfolgen, und ich habe mich darüber gefreut, dass die ungleichen Frauen ein Gemeinschaftsgefühl entwickelten und sich gegen die Schikanen der Hebamme auflehnten.

Ebenso lesenswert wie der Roman ist auch das 12-seitige Nachwort der Literaturwissenschaftlerin Annette Seemann, in dem sie viel Wissenswertes über die Autorin, die ihre eigenen Erfahrungen in ihr Buch hat einfließen lassen, erzählt. Sehr interessant fand ich auch die Zeittafel am Ende des Buches, die Gabriele Reuters Lebensstationen aufzeigt.

Leseempfehlung für dieses mutige Buch!

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Reise in ein neues Leben

The Journey. Die Reise meines Lebens
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In "The Journey - Die Reise meines Lebens" erzählt die Autorin Carina Amara Kruse, die auch als Transformationscoach tätig ist, von einer Reise, die ihr Leben veränderte.

Die 28-jährige Carina befindet ...

In "The Journey - Die Reise meines Lebens" erzählt die Autorin Carina Amara Kruse, die auch als Transformationscoach tätig ist, von einer Reise, die ihr Leben veränderte.

Die 28-jährige Carina befindet sich an einem Wendepunkt. Nach zehn Jahren Beziehung wurde sie von ihrem Freund Daniel verlassen, sie verlor ihren Job, und ihr Buchprojekt wurde gecancelt. Nun hat sie ihre Wohnung untervermietet und wird für 13 Monate unterwegs sein, ehe sie ihren Traumjob in Neuseeland antritt. In dieser Zeit wird sie ihre Vergangenheit reflektieren, und sie möchte herausfinden, wer sie eigentlich ist. Nur mit zwei Rucksäcken als Gepäck betritt sie in Berlin das Flugzeug, das sie nach einem Zwischenstopp in Bangkok nach Bali bringen wird. Es ist das erste Mal, dass sie allein unterwegs ist, und sie genießt das neu gewonnene Gefühl von Freiheit.

Auf Bali macht Carina Yoga und meditiert, schließt Freundschaften und sucht einen Astrologen auf, der verblüffende Aussagen zu ihrer persönlichen Situation, ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft trifft. In einem Abschiedsritual schreibt sie einen Brief an Daniel, sie vergibt und dankt ihm - und gibt ihn frei. Sie verbringt zehn anstrengende Tage mit Schweigen und Meditieren in einem Meditationszentrum, ehe sie nach 4 Monaten Aufenthalt weiterreist nach Indien zu Joaquim, den sie auf dem Flughafen in Stockholm kennengelernt hat. Der Plan ist, ihn für die Dauer eines Monats bei seinem Slum School Projekt zu unterstützen ...

Das Buch ist in schlichter Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Im Laufe der Handlung lernen wir Carina immer besser kennen und blicken dabei tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Wir begleiten sie auf ihrer abenteuerlichen Reise mit all ihren Herausforderungen und Gefahren. Sie lernt viel über Spiritualität und Glauben, hat interessante und bereichernde Begegnungen, und auch die Liebe klopft bald wieder an ihre Tür.

Ich habe den Mut der Autorin bewundert, alle Zelte hinter sich abzubrechen, um einen neuen Weg zu gehen, nicht wissend, wohin er sie führen wird. Sehr interessant fand ich neben der Schilderung der Rituale in Bali und Indien die Beschreibung einer balinesischen Hochzeit und des Lebens inmitten einer Großfamilie, die traditionell den höchsten Stellenwert einnimmt.

Das Buch war für mich eine größtenteils interessante und kurzweilige Lektüre, in deren Epilog wir erfahren, wie es mit Carina und Arun weitergegangen ist. Leider weist der Klappentext nicht darauf hin, dass die esoterischen Inhalte der Geschichte sehr viel Raum einnehmen. Für mich war es eindeutig zu viel, ich hätte lieber mehr über das Leben und die Bräuche der balinesischen und indischen Bevölkerung erfahren.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Intensive und fesselnde Familiengeschichte

Alle glücklich
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Im Mittelpunkt von Kira Mohns neuem Roman "Alle glücklich" steht die Familie Holtstein, eine ganz normale und anscheinend glückliche Familie. Die Mutter Nina arbeitet vormittags in einer Hausarztpraxis, ...

Im Mittelpunkt von Kira Mohns neuem Roman "Alle glücklich" steht die Familie Holtstein, eine ganz normale und anscheinend glückliche Familie. Die Mutter Nina arbeitet vormittags in einer Hausarztpraxis, ihr Ehemann Alexander ist Oberarzt in einem Krankenhaus. Die gemeinsame Tochter Emilia ist 16 Jahre alt und verliebt in ihren Freund Julian. Ihr drei Jahre älterer Bruder Ben studiert, beschäftigt sich aber viel lieber mit Computerspielen.

Eigentlich scheinen alle glücklich zu sein, doch die Fassade bröckelt. Nina, die ihr Medizinstudium der Familie zuliebe aufgegeben hatte, sitzt ohne Wissen ihres Mannes nachmittags an der Supermarktkasse, um sich etwas Geld für ihre persönlichen Bedürfnisse dazuzuverdienen. Alexander opfert sich für seine Patienten auf und fühlt sich innerhalb der Familie nicht wertgeschätzt, obwohl er doch alles für sie tut. Ben ist nicht zufrieden mit seiner Studienwahl und leidet darunter, keine Freundin zu haben, während Emilia sich zusehends in ihrer Beziehung verliert.

Die Geschichte ist in schöner Sprache mitreißend erzählt und liest sich sehr flüssig. Gekonnt und mit viel Feingefühl zeichnet die Autorin das Bild einer Familie, in der nach und nach unausgesprochene Konflikte und Spannungen zutage treten, Sehnsüchte sichtbar werden. Die Protagonisten sind authentisch dargestellt, sie alle haben ihre eigenen Probleme und Geheimnisse. Ich mochte die Familie, auch wenn ich die Handlungsweisen der einzelnen Personen nicht immer nachvollziehen konnte. Am meisten überrascht haben mich Ninas persönliche Entwicklung und ihre Entscheidung am Ende des Buchs. Sehr berührend fand ich die innige und vertrauensvolle Beziehung zwischen Ben und seiner Schwester.

Die Kapitel sind abwechselnd aus Sicht der einzelnen Personen geschrieben. Diese Erzählweise hat mir sehr gut gefallen, weil nicht nur einige Ereignisse durch verschiedene Sichtweisen unterschiedlich dargestellt wurden, sondern ich darüber hinaus die Protagonisten immer besser kennenlernte und tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt blicken konnte.

"Alle Glücklich" hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Das Buch ist nicht nur ein fesselnder und berührender Familienroman, es ist auch eine Geschichte über Schweigen, Entfremdung und Überforderung, die mich noch lange beschäftigen wird.

Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Wohlfühlroman mit Schwächen

Mathilde und Marie
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Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass Torsten Woywod sein erstes Buch geschrieben hat. Er hat vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner Freundin eigens einen Verlag gegründet, um in Deutschland ...

Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass Torsten Woywod sein erstes Buch geschrieben hat. Er hat vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner Freundin eigens einen Verlag gegründet, um in Deutschland "Leonard und Paul" von Rónán Hession veröffentlichen zu können. Das Buch hat mich gefesselt, es hat mich fasziniert und berührt, und es gehört zu meinen Lieblingsbüchern der letzten Jahre. Nun war ich natürlich sehr gespannt, ob Torsten Woywod mich mit "Mathilde und Marie" auch zu begeistern vermochte. Meine Erwartungen an seinen Roman waren sehr hoch, doch leider wurde ich enttäuscht.

Die 26-jährige Studentin Marie Ledoux aus Paris beschließt nach einem Schicksalsschlag, ein Zugticket nach Brüssel zu lösen und von dort aus weiter in die Provinz zu fahren. Im Zug lernt sie die Buchhändlerin Jónína kennen, die sie spontan einlädt, mit ihr in ihr Dorf Redu zu kommen, wo die 77-Jährige eine kleine Buchhandlung hat. Der kleine und ruhig gelegene Ort in den Ardennen hat 390 Bewohner, 13 Buchhandlungen und einige Geschäfte. Das Dorf verfügt über einen Fernseher und einen Internetanschluss, Internetempfang gibt es nur zwischen 19 und 20 Uhr, und es gibt so gut wie kein Mobilfunknetz. Marie fühlt sich sofort wohl in dem von wunderschöner Natur umgebenen Ort. Sie hilft Jónína in der Buchhandlung, erobert das Herz des Dorfhunds Anneliese und lernt bald die verwitwete Mathilde kennen, die ihr anfangs mit mürrischer Zurückhaltung begegnet.

Die Geschichte ist in ruhiger, blumiger Sprache erzählt und liest sich flüssig. Es handelt sich um einen sogenannten Wohlfühlroman, der ohne nennenswerte Konflikte und Reibereien auskommt. Die Protagonisten sind mit viel Empathie beschrieben und haben kaum Ecken und Kanten. Alle gehen liebevoll und rücksichtsvoll miteinander um, haben viel Verständnis füreinander. Ich mochte den entschleunigenden Ort Redu, in dem Bücher und das Lesen eine große Rolle spielen, und ich freute mich über die Lesetipps, wie z.B. für das beeindruckende Buch "Stoner". Mit Redus Bewohnern dagegen hatte ich meine Schwierigkeiten, sie waren mir zu weltfremd, und es wurde mir schnell zu viel mit der übertriebenen Höflichkeit, der Harmonie und heilen Welt.

Die Handlung empfand ich als märchenhaft und teilweise vorhersehbar, die Dialoge fand ich häufig gekünstelt und nicht lebensnah. "Innewohnen" scheint ein Lieblingswort des Autors zu sein, und die häufige Formulierung "liebe Sowieso" in der Anrede nervte mich zusehends. Als es "schüchtern dämmerte", hätte ich das Buch fast zugeklappt. Gut gefallen haben mir die interessanten Naturbeschreibungen und die Erklärungen über die Vogelwelt, obwohl es hier einige Wiederholungen gab.

Die Grundidee des Buches, in dem es um Achtsamkeit, Entschleunigung und Freundschaft geht, hatte mir gefallen, die Umsetzung hingegen konnte mich leider nicht überzeugen. 

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